Read inEnglishGermanSide by sideAnother English translation: translated by John Riedel

Esoteric Lessons for the First Class III

GA 270 — 15 September 1924, Dornach

Fünfte Wiederholungsstunde

Meine lieben Schwestern und Brüder! Auch heute sind ja wiederum neue Mitglieder zu dieser Schule gekommen. Es ist nicht möglich, jedes Mal die Einleitung zu sprechen, welche von den Pflichten und der Bedeutung dieser Michael-Schule handelt. Daher muss ich diejenigen Mitglieder, welche in der Weise, wie ich das am Schlusse sagen werde, herankommen, um den Neuaufgenommenen die mantrischen Sprüche zu übergeben, auffordern, ihnen auch diese Einleitung zu geben, welche notwendigerweise eigentlich jeder wissen muss, welcher Mitglied dieser Schule sein will.

Und so werden wir denn unmittelbar beginnen damit, auch heute wiederum die Worte in unsere Seele einzuschreiben, welche dem Menschen, der Unbefangenheit genug dazu hat, entgegentönen aus allem, was in den Reichen der Natur, in den Hierarchien der Welt uns Menschen umgibt. In der Vergangenheit haben diese Worte dem Menschen aus allen Steinen und Pflanzen, Wolken, Sternen, aus Sonne und Mond, aus Quell und Fels entgegengetönt; sie tönen ihm in der Gegenwart entgegen; sie werden ihm in der Zukunft entgegentönen:

O Mensch, erkenne dich selbst!
So tönt das Weltenwort.
Du hörst es seelenkräftig,
Du fühlst es geistgewaltig. Wer spricht so weltenmächtig?
Wer spricht so herzinniglich? Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung
In deines Sinnes Seinserleben?
Tönt es durch der Zeiten Wellenweben
In deines Lebens Werdestrom? Bist du es selbst, der sich
Im Raumesfühlen, im Zeiterleben
Das Wort erschafft, dich fremd
Erfühlend in Raumes Seelenleere,
Weil du des Denkens Kraft
Verlierst im Zeitvernichtungsstrome.

Nun, meine lieben Schwestern und Brüder, in der Beschreibung des Erkenntnisweges sind wir dahin gelangt, dass wir am Abgrund des Seins stehen vor dem Hüter. Der Hüter der Schwelle hat uns klargemacht, wie dasjenige, was uns in der äußeren Welt umgibt, niemals unser eigenes Wesen uns enthüllen kann, wie alles Hinschauen auf die Reiche der Natur, auf dasjenige, was unten auf und aus der Erde lebt und webt, was oben aus dem Reich der Sterne scheint und spricht - soweit wir es mit den Sinnen anschauen können, soweit wir es anschauen können mit unserem Verstande -, dass das alles nichts bietet, was uns Aufklärung geben kann über das Wesen unseres eigenen Selbstes, dass dunkel und finster diese Helligkeit, dieses Glitzernde im Sonnenschein, dieses Webende und Lebende, das so groß und gewaltig, so schön und herrlich in Bezug auf die äußere Welt ist, dass das dunkel und finster bleibt für unser wahres Selbsterkennen.

Dann ist uns beschrieben worden, wie wir nach und nach uns nähern dem Hüter, der uns wie aus Wolkendasein heraus als Geistgestalt sich formt, sich uns im Ebenbilde zeigt, doch auch wiederum zeigt, was wir zu erstreben haben als Mensch, um zur Selbsterkenntnis zu kommen.

Dann sind wir hingetreten vor diesen Hüter der Schwelle. Er hat uns gezeigt, wie die wahre Gestalt unseres Wollens, Fühlens, Denkens vor dem Antlitze der Götter ist. Er hat uns gezeigt, wie dasjenige, was in uns lebt als Mutlosigkeit und Furcht vor der Erkenntnis, als Hass auf die Erkenntnis, als Zweifel an der Erkenntnis, doch in uns ist, weil unsere Zeitenbildung das in uns versenkt, Er hat uns die Tierformen unseres Wollens, Fühlens, Denkens gezeigt. Niederschmetternd musste er wirken auf uns, der Hüter der Schwelle, um uns im Niederschmettern eben gerade aus dem Weben und Wesen unserer eigenen Seele auferwachen zu lassen diejenigen Kräfte, die zur wahren Selbsterkenntnis führen.

Dann aber hat uns der Hüter der Schwelle aufgerichtet, uns allerdings zunächst zeigend, wie unser Denken, so, wie wir es im gewöhnlichen Leben haben, der Leichnam des lebendigen Denkens ist, das wir in uns tragen, bevor wir aus geistig-seelischen Welten heruntergestiegen sind in physisch-sinnliches Dasein. Er hat uns gezeigt, der Hüter der Schwelle, wie wir mit unserem Leibe ein Sarg sind für das mit unserem Erdendasein ersterbende lebendige Denken, das als Leichnam in diesem Sarge liegt. Aber diesen Leichnam benützen wir in diesem gewöhnlichen abstrakten Denken, das wir zwischen Geburt und Tod in uns tragen, um die Dinge der physisch-sinnlichen Welt zu begreifen.

Gerade wenn wir erfassen, wie tot dieses Denken ist, dann wird uns aufgehen an der Erfassung des toten Denkens, was wir lernen können an dem Leichnam, der vor uns liegt. Wir schauen diesen Leichnam an. Wir sagen uns: So wie er als Leichnam vor uns liegt, so hätte er niemals entstehen können; er ist übrig geblieben als Rest von einem Menschen, der lebend geistig-seelisch in ihm war. Der lebende Mensch, der beseelte Mensch, der durchgeistigte Mensch musste dem vorangehen, was hier als Leichnam vor uns liegt. Dann erst erkennen wir die Realität des Leichnams, wenn wir dasjenige ins Auge fassen, was ihm vorangeht. Und so nähern wir uns der Realität unseres Denkens, wenn wir es in seiner Totheit gewahr werden, und wissen, dass es der Leichnam ist des lebendigen Denkens, das uns inne war, bevor wir heruntergestiegen sind ins physisch-sinnliche Erdendasein.

Und so erinnert uns der Hüter, wie unser Fühlen nur halb lebendig, unser Wollen allerdings ganz lebendig ist, aber all dieses Lebendige uns nur äußerlich zum Bewusstsein kommt.

Und so erinnert uns der Hüter der Schwelle, wie wir, um allmählich den Übergang zu finden zum lebendigen Erfassen des Denkens, hinaufschauen sollen in Himmelshöhen; wie wir in die Weltenweiten blicken sollen, um die Natur des Fühlens zu erfassen, und in die Weltentiefen, in die Erdentiefen, um zu ahnen die Natur des Wollens.

Zugleich aber zeigt uns der Hüter, wie wir hineingestellt sind mit unserem Denken - indem wir hinaufblicken in das Weltendenken, in dem unser irdisch-menschliches Denken wurzelt - zwischen Licht und Finsternis; wie das Licht uns gefährlich werden kann, wenn wir uns ihm einseitig hingeben; wie die Finsternis uns gefährlich werden kann, wenn wir uns ihr einseitig hingeben; wie wir Richtung und Ziel mittendurch zwischen Licht und Finsternis für unser Denken, wenn es die Wahrheit finden soll, suchen müssen; wie wir mit unserem Fühlen mittendrinnen stehen zwischen dem Warmen und Kalten; und wie wir, wenn wir uns dem Warmen ergeben, in der lustvollen Glut des Fühlens verschwinden können, auf der anderen Seite in der Kälte verhärten können.

Der Hüter der Schwelle weist uns hin, wie wir mittendurch durch das Seelenwarme und das Seelenkalte den Christus-Weg gehen sollen. Der Hüter der Schwelle weist uns hin, dass, wenn wir das Wollen suchen in Erdentiefen, wir uns mittendrinnen befinden zwischen Leben und Tod; wie das Leben uns in Ohnmacht verschwinden lassen will; wie der Tod uns verkrampfen will im Nichts; wie wir für das Wollen die Richtung mittendurch finden müssen. Das, das ist es, meine lieben Schwestern und Brüder, was aber seit uralten Mysterienzeiten als der mittlere Weg beschrieben worden ist, den die Menschenseele zu gehen hat, wenn sie die ihr vorgezeichneten Wege ins Geistige hinein weiter gehen soll.

Der Hüter der Schwelle, vor dem wir stehen - vor dem wir stehen als dem ernsten ersten Vertreter Michaels, denn der wirkliche Leiter dieser unserer Schule ist Michael -, gibt uns weiter Anleitung, wie wir über den Schein des Denkens, über dieses tote Denken hinauskommen können in das lebendig Wesenhafte dieses Denkens. Da müssen wir uns dazu bequemen, vor allen Dingen streng die Gesetze zu halten, welche jedem Esoteriker mit goldenen Lettern vorgeschrieben sind - er muss nur das Gold ergreifen -, welche uns jetzt der Hüter wiederholt.

Er macht uns aufmerksam darauf, wie der gähnende Abgrund des Seins vor uns ist, wie wir ihn überfliegen müssen, weil wir ihn mit Erdenfüßen nicht überschreiten können, wie wir dann in die geistige Welt hineinkommen werden, denn drüben, jenseits des gähnenden Abgrundes des Seins, ist tiefe, nachtbedeckte Finsternis noch vor uns. Aber wir müssen hinein über den gähnenden Abgrund des Seins in diese tiefe, nachtbedeckte, kalte Finsternis. Aus ihr muss uns Wärme, aus ihr muss uns Licht werden, das unser eigenes Selbst beleuchtet, die unser eigenes Selbst erwärmt. Wir können nicht den festen Stützpunkt im Geistigen finden, wenn wir nicht jederzeit, wenn wir drüben sein werden, an das Gelöbnis uns erinnern, das sich unsere Seele gibt, wenn sie jetzt in dieser Lage, nachdem sie die früheren Mahnungen erhalten hat, vor dem ernsten Hüter der Schwelle steht, der ihr sagt:

Vergiss nicht, dass du, solange du Erdenmensch bist, auch wenn du hinüberkommst in die geistigen Welten, dass du dich, indem du wiederum zurück dich begibst, den Gesetzen des Irdischen fügen musst. Du darfst nicht, wenn du mit deinem Denken eintrittst in die geistige Welt, glauben, dass wenn du wiederum zurückkommst, deine Arbeit und dein Denken in Erdenumgebung verrichtest, dass du schwärmerisch fliegen darfst innerhalb der Erdenumgebung. Du musst dir das Fliegen wahren für das Denken, wenn du in der geistigen Welt bist. Du musst die tiefe innere, intime Bescheidenheit üben, immer wieder ein Mensch unter Menschen sein zu wollen, wenn du zurück hinüberrrittst in die gewöhnliche Welt des gewöhnlichen Bewusstseins. Gerade aus einem solchen bescheidenen Bleibenwollen in der Welt, Nichtanwenden auf die gewöhnliche Welt die Gesetze des geistigen Lebens, wird dir Kraft werden, das Denken so zu erfassen, dass es dir dienen kann in geistigen, in spirituellen Welten.

Über das Denken unterrichtet uns daher der Hüter der Schwelle also:

Du steigst ins Erden-Wesenhafte
Mit deines Willens Kraftentfaltung;
Betritt als Denker du das Erdensein,
Es wird Gedankenmacht dir dich
Als deine eigne Tierheit zeigen;
Die Furcht vor deinem Selbst
Muss dir in Seelen-Mut sich wandeln.

Wir müssen das durchmachen; indem wir den mantrischen Spruch auf uns wirken lassen, müssen wir das durchmachen. Wir müssen, wenn wir eintreten wollen ins Wesenhafte der Erde, das heißt in das Geistige der Erde, wir müssen, meine lieben Schwestern und Brüder, dahin kommen, dass wir schauen, wie unser Denken zunächst noch Tierheit ist. Furcht vor dem eigenen Selbst, das noch Tier ist, müssen wir erleben; dann wird die Furcht ihr Gegenteil, den Mut gebären, den wir brauchen. Das ist die nunmehr an uns dringende starke, aber ernste, tief ins Herz uns schneidende Ermahnung des Hüters der Schwelle. Er ermahnt uns, dass wir so fühlen sollen, wenn wir das Element der Erde betreten. Wir haben vom Betreten der Elemente gehört durch den Hüter der Schwelle.

Er ermahnt uns weiter, wenn wir uns als fühlende Wesen in das flüssige Element begeben, in die Welt der Wasserwesen, wie wir da jetzt nicht die Furcht vor unserem Selbst gewahr werden sollen, aber gewahr werden sollen, wie wir träumend schlafen, schlafend träumen in diesem Wasserelemente, in diesem Flüssigkeitselemente, das unser Bildner ist, wie wir gesehen haben. Und gerade wenn wir uns bewusst werden, dass wir in diesem unserem menschlichen Erdenfühlen wie im Pflanzendasein leben, dann wird dieses Gefühl uns zum Erwachen bringen; denn es wird uns zeigen, wie lahm unser Selbst ist. Dann werden wir erwachen, wenn wir erst die Bescheidenheit haben, die Lahmheit unseres Selbstes einzusehen.

Das Dritte ist, wenn wir uns mit unserem Wollen in den Lüften fühlen - zuerst im Erdenelemente mit dem Denken, dann im Wasserelemente mit dem Fühlen, dann mit dem Willen in dem Lüfteelemente -, dann werden wir fühlen in dem Lüfteelemente, dass wir nichts haben in diesem Wollen zunächst als dasjenige, was uns das gewöhnliche Gedächtnis gibt: Gedächtnisbilderformen. Wir müssen diese Bilderformen, die in unseren Gedanken ruhen, die passiv in unseren Gedanken sind, wollend ergreifen, dann ergreifen wir im inneren Bilde das Lüftewesen. Und die eigene Seele wird uns erscheinen, wenn wir uns so fühlen im Lüftewesen, wie wenn sie erstarrt wäre. Wenn wir uns die Erde wegdenken, die Luft wegdenken, uns atmen-wollend denken im Lüftewesen: wie erstarrt werden wir uns vorkommen. Aber gerade aus der Empfindung dieses Kältetodes, den wir da durchmachen, wird uns das Geistesfeuer kommen, das wir brauchen, um unser Wollen wirklich zu ergreifen.

Es sind tiefe Sprüche, die uns da der Hüter der Schwelle vor die Seele stellt. Nur wenn wir sie wohl beachten und hineingeraten in die Furcht vor uns selber, wie wir nichtig werden, wenn wir uns der Erde gegenüber nur als denkend fühlen, wird uns der Seelenmut zum lebendigen Denken erwachsen. Wenn wir fühlen, wie lahm wir sind, wenn wir auf Erden fühlen, halb-lebendig, gelähmt, wird uns die Stärke wachsen, die uns erwachen lässt, sodass wir wie erwachend sind im geistigen Leben mit dem Fühlen, in dem wir waren, bevor wir heruntergestiegen sind ins physische Erdendasein. Dann, wenn wir hinuntersteigen in unser Gedächtnis, wollen mit unserem Gedächtnis in dem Lüfteweben, in dem Augenblick fühlen wir uns wie sklerotisiert und kalt durchschauert. Aber gerade wenn wir diesen kalten Schauer in uns fühlen, wird aus der Kälte wiederum das Entgegengesetzte, das Geistesfeuer erwachen, das uns zeigen wird, wie das auf der Erde von uns nur zu verschlafende Wollen wurzelt in dem lebendigen Wollen, in dem wir waren, bevor wir heruntergestiegen sind ins irdische Dasein. Erinnernd erkennen müssen wir uns in unserem Sein, bevor wir heruntergestiegen sind ins physisch-irdische Dasein. Daran ermahnt uns der Hüter der Schwelle.

Bezüglich des Fühlens ist sein Wort:

Du lebest mit dem Wasserwesen
Nur durch des Fühlens Traumesweben;
Durchdring erwachend Wassersein,
Es wird die Seele sich in dir
Als dumpfes Pflanzendasein geben;
Und Lahmheit deines Selbst
Muss dich zum Wachen führen.

Mit Bezug auf das Wollen spricht der Hüter:

Du sinnest in dem Lüftewehen
Nur in Gedächtnis-Bilderformen;
Ergreife wollend Lüftewesen,
Es wird die eigne Seele dich
Als kalterstarrter Stein bedrohn;
Doch deiner Selbstheit Kälte-Tod,
Er muss dem Geistesfeuer weichen.

[Das dreistrophige Mantram wird nun zugleich mit den entsprechenden Unterstreichungen an die Tafel geschrieben; siche Seite 850:]

Wir steigen von dem Denken in das Fühlen, in das Gedächtnis hinunter, wenn wir diesen Spruch auf uns wirken lassen. Und indem wir unten in die Gedächtnistiefen kommen, wo sonst das seelische Leben verschwindet, denn die Bilder des Gedächtnisses kommen wieder herauf: Da ist die Grenze, wie ein Spiegel eine Grenze ist. Was von außen in uns hereinkommt, kommt heran wie an eine Gedächtniswand, dann kommt es immer wieder zurück. Wie man nicht hinter den Spiegel sieht, so sieht man nicht hinter die Wand des Gedächtnisses. Aber hier mahnt uns der Hüter der Schwelle, wie wir durch dasjenige, was sonst Grenze ist, durchstoßen müssen, um ins Geistige hineinzukommen.

Nachdem uns der Hüter der Schwelle so mehr auf unser Inneres verwiesen hat mit seinen Mahnsprüchen und uns Zeit gelassen hat, dasjenige, was im Inhalte dieser Sprüche liegt, in der Seele zu verarbeiten - wie wir uns, wenn wir diese mantrischen Sprüche meditierend benützen, gerade an dieser Stelle lange, lange Zeit lassen sollen, damit sie mit ihrer Kraft in uns wirken und wirklich unser Ich hinuntertragen durch Denken, Fühlen und Erinnern in dasjenige, was hinter allem Erinnern liegt -, dann ermahnt uns der Hüter, wie wir uns verhalten sollen gegenüber der äußeren Welt. Erst hat er uns mehr auf unser Inneres verwiesen, jetzt ermahnt er uns, wie wir uns verhalten sollen gegenüber der äußeren Welt.

Er weist uns hinauf wiederum zum Lichte, das aber nur in dem Scheinleben der Gedanken in uns lebt. Das Licht ist es, das in uns denkt. Wenn das Licht in uns eindringt, denkt es in uns. Aber im Erdenleben ist das Licht nur Schein, der sich selber denkt. Bleiben wir dabei, so wird unwahres Geisteswesen uns in den Wahn der Selbstheit statt in die Wahrheit der Selbstheit bringen. Aber gerade das müssen wir durchdringen, dass, wenn wir nur ins Denken uns versenken, wir nur in den Selbstheitwahn kommen. Und gerade durch dieses Erfassen von uns selbst als Erdenmenschen nach dem Selbstheitwahn können wir zur Besinnung kommen, zu jener Besinnung, die uns aufmerksam macht, im Denken - das allerdings geeignet ist, uns hinüberzutragen über den Abgrund des Seins - die Erdennöte mit aller ihrer Schwere zu erfassen, und wir werden allmählich Stütze finden, dass wir im Denken das Sein erleben:

Du hältst von Lichtes-Scheines-Macht
Gedanken nur im Innern fest;
Wenn Lichtesschein in dir sich selber denkt,
So wird unwahres Geisteswesen
In dir als Selbstheitwahn erstehn;
Besinnung auf die Erdennöte
Wird dich im Menschensein erhalten.

Gehen wir weiter. Der Hüter der Schwelle ermahnt uns, wie wir im Fühlen nur festhalten zunächst das wunderbare, allwebende Weltgestalten. Aber wenn wir nur dieses Weltgestalten im Fühlen festhalten, so bleibt unser Geist-Erleben ohnmächtig. Das Selbstheitsein erstickt, wenn wir nur immer hinstarren, fühlend, auf dasjenige, was sich in der Welt gestaltet hat. Wenn wir aber anfangen zu lieben, zu lieben alles dasjenige, was schon in den Werten der Erde um uns herum ist: Wir finden im Fühlen das Sein; und wir retten, retten unser Menschensein:

Du hältst vom Weltgestalten
Gefühle nur im Innern fest;
Wenn Weltenform in dir sich selber fühlt,
So wird ohnmächtig Geist-Erleben
In dir das Selbstheitsein ersticken;
Doch Liebe zu den Erdenwerten
Wird dir die Menschenseele retten.

Im Gewöhnlichen versuchen wir zu erhaschen von Erdenwerten Gedanken; wir halten aber nur den Schein des Lichtes fest, wenn wir uns nicht besinnen auf dasjenige, was auf der Erde in Nöten Schwere hat. Wir halten von dem, was in der Welt sich bildet, nur unbestimmte Gefühle fest, wenn wir nicht erleben in der Liebe dieses Erdenweben in Formen und Gestalten.

Und vom Weltenleben: Was können wir durch unser Wollen festhalten? Unser Wollen steht im Weltenleben. Aber wenn wir es zunächst nur im Wollen festhalten: Wir geraten wiederum nicht ins Sein hinein. Wenn Weltenleben uns voll erfasst, so wird vernichtend Geistes-Lust in uns das Selbst-Erleben töten. Aufgehen im Wollen der Welt bringt Geistes-Lust hervor, die uns selber tötet. Doch wenn wir geistergeben höheren Welten das Wollen entwickeln, wenn wir dasjenige, was wir wollen, in der physisch-sinnlichen Welt denken so, dass Götter in uns walten, die unser Wollen inspirieren, impulsieren, wenn wir im Dienste der Götter wollen, dann lässt Gott sein Sein in uns als Mensch walten, und wir spüren in dem gottdurchdrungenen Wollen ein wirkliches Sein:

Du hältst vom Weltenleben
Das Wollen nur im Innern fest;
Wenn Weltenleben dich voll erfasst,
So wird vernichtend Geistes-Lust
In dir das Selbst-Erleben töten;
Doch Erdenwollen geist-ergeben,
Es lässt den Gott im Menschen walten.

Das sind die drei Mahnungen, die uns im ernstesten Augenblicke der Hüter der Schwelle zuruft.

[Das Mantram wird nun an die Tafel geschrieben; siche Seite 851.]

Der Hüter spricht, wie wenn das Weltenwort selber ertönte: Du hältst von Lichtes-Scheines-Macht
Gedanken nur im Innern fest; — es ist so, wie wenn uns der Hüter aufmerksam machen wollte, was wir eigentlich tun. Wir sind, sagt er, noch nicht darüber hinausgekommen, bloße Gedanken zu bilden von Lichtesschein - [es wird weitergeschrieben:] Wiederum die Ermahnung, dass wir in den unbestimmten, verschwommenen Gefühlen nur lebend haben dasjenige, was wunderbar gestaltet ist von aller Welt. In den Mikrokosmos herein kommt die Weltgestaltung zunächst in der Unbestimmtheit der Gefühle. — also nicht wenn wir mit unserem Gefühl die Weltenform fühlen, sondern wenn die Weltenform in uns eindringt, der Makrokosmos in den Mikrokosmos — — da werden wir uns unserer eigenen Ohnmacht bewusst - Wir brauchen diese Rettung, denn wir sind ja daran, hinüberzukommen. Tragen wir nur die Gedanken, die den Lichtesschein haben, hinüber, tragen wir nur die Gefühle, die unbestimmte Weltgestalt haben, hinüber, so vernichtet das wahre Licht drüben den Selbstheitwahn, so vernichtet das ohnmächtige Fühlen, das schlafende, das Geist-Erleben. Wir brauchen Besinnung auf die Nöte der Erde, auf alles, was auf der Erde leidet, damit wir würdig hinübergehen in die geistige Welt und uns das Weltendenken nicht ertötet. Wir brauchen Liebe zu dem, was wertvoll ist auf der Erde, damit wir drüben nicht zerstäuben, wenn wir mit unseren Gefühlen, den unbestimmten, hinüberkommen. Und zum Dritten, wir brauchen für das Wollen dieses [es wird weitergeschrieben]; - und das wird es drüben — Wir dürfen nicht hinübertragen dasjenige, was wir hier hüben bloß haben, in die geistige Welt, wir müssen hinübertragen eine stärkere Seele, als wir sie hier haben. Wir müssen die Seele bereiten. [Die im Folgenden in Anführungszeichen gesetzten Worte werden während des Sprechens an der Tafel unterstrichen:] Denn wir finden drüben «Lichtes-Scheines-Macht». Sie lebt in unseren «Gedanken». Aber das genügt nicht; wir brauchen «Besinnung auf die Erdennöte». Das Mitfühlen alles Erdenleidens wird uns das «Menschensein» erhalten. Wir brauchen drüben, weil wir in die «Weltgestalten» hinüberkommen, nicht bloß unsere «Gefühle», wir brauchen «Liebe zu den Erdenwerten», zu allem, was wertvoll schon auf Erden ist, dann wird uns die «Menschenseele» gerettet. - Hier [im ersten Spruch]: das Menschensein erhalten; hier [im zweiten Spruch]: die Menschenseele gerettet. Wir müssen in das volle «Weltenleben» hinein, das in unserem «Wollen» nur einen schwachen Abglanz hat, der zu dünn ist, um hinüberzukommen. Und wir müssen entwickeln «geist-ergebenes Erdenwollen», damit der «Gott im Menschen» walten kann. Das ist die Steigerung: Wir brauchen: denn wir brauchen: Das, meine lieben Schwestern und Brüder, ist dasjenige, was der Hüter auf unsere Seele legt, damit wir entwickeln dasjenige, was Seelenflügel sind, um hinüberzukommen. Und nun obliegt uns nur noch das eine für die nächste am Mittwoch zu haltende esoterische Stunde, dass wir jene Mantren für unsere Seele bekommen durch den Hüter der Schwelle, der in diesem Falle Michaels Statthalter an der Schwelle zum geistigen Lande ist - jene Mantrams, die die ersten sind, die man spricht, wenn man drüben im Geistigen angekommen ist -, das noch vor dem Menschen steht bei diesen Mantrams als tiefe, nachtbedeckte, kalte Finsternis. Heute aber wollen wir uns, nachdem dieses vor unsere Seele getreten ist, wieder zurückbesinnen auf dasjenige, was aus allen Wesen zu uns spricht, uns auffordernd zu alledem, was der Hüter der Schwelle in solcher Bestimmtheit vor uns hingestellt hat: Und dasjenige, was so mit den Worten des Hüters der Schwelle vor uns tritt: Wenn wir es in der richtigen Gesinnung aufnehmen, dann ist es ja die Michael-Botschaft dieser zu Recht bestehenden Michael-Schule, dann waltet Michaels Sein in diesem Saale, segnet und kräftigt dasjenige, was so an unsere Seelen herantritt. Deshalb darf dasjenige, was so an unsere Seelen herantritt, versehen werden mit Michaels Zeichen und Michaels Siegel; Michaels Zeichen aber ist: ; und Michaels Siegel, das er gedrückt hat auf dasjenige, was Rosenkreuzer-Stimmung seit Jahrhunderten ist, was als Rosenkreuzer-Stimmung sich ausspricht in dem Spruche: das ist mit Michaels Siegel so gesprochen, dass wir die ersten Worte begleiten mit der Gebärde: die zweiten Worte begleiten mit der Gebärde: die dritten Worte begleiten mit der Gebärde: Die erste Gebärde heißt [in die untere Siegelgeste wird hineingeschrieben;] die zweite Gebärde [in die mittlere Siegelgeste wird hineingeschrieben:] die dritte Gebärde [in die obere Siegelgeste wird hineingeschrieben:] Und so dürfen wir das Gesprochene als gesprochen auffassen, indem es bekräftigt wird durch Michaels Zeichen, indem es bekräftigt und bestätigt wird durch Michaels Siegel, das eben so, so, so ist [die drei Siegelgesten an der Tafel], das aber mit gedrückt wird auf die Rosenkreuzer-Worte. Und so sollen leben die Sprüche, die gegeben worden sind durch das Zeichen Michaels, so soll besiegelt sein für Eure Seelen dasjenige, was durch die Michaelische Rosenkreuzer-Schule lebt: [Es wird das Michael-Zeichen gemacht.] [Es werden die drei Siegelgesten gemacht und dazu gesprochen:] Meine lieben Schwestern und Brüder, die mantrischen Sprüche, die gegeben werden in dieser Schule, darf nur derjenige besitzen, der rechtmäßig Mitglied der Schule ist, das heißt, im Besitze des blauen Zertifikates ist. Wer nicht da ist bei einer Stunde, bei der er schon da sein könnte nach dem Datum seiner Aufnahme - also wohl gemerkt diesen Satz: Die Sprüche derjenigen Stunden, bei denen er nach dem Datum seiner Aufnahme hätte schon dabei sein können -, diese Sprüche kann er bekommen von einem der anderen Mitglieder, die sie hier in der Schule rechtmäßig erhalten haben. Dazu ist aber die Einholung der Erlaubnis entweder bei Frau Doktor Wegman oder mir selbst notwendig. Es ist nicht eine Verwaltungsmaßregel, sondern es ist begründet in einer okkulten Schule, dass ein realer Akt vorausgeht der Übergabe von so etwas von dieser Art. Wer aber bei Frau Doktor Wegman oder mir anfragen will, das kann nur der sein, der die Sprüche einem anderen geben will, nicht derjenige, der sie empfangen will. Man kann also jemanden bitten um die Sprüche. Dann kann man nicht fragen als derjenige, der empfangen will, sondern man muss denjenigen fragen lassen, der geben will. Es ist ganz vergeblich, wenn der Empfänger frägt. Wer Sonstiges nachschreibt, der mag das acht Tage behalten; nachher aber ist er verpflichtet, es zu verbrennen, weil dasjenige, was zunächst durch diese Schule leben soll, nur innerhalb der Schule leben und nicht nach außen kommen soll. Das alles sind keine Gewaltmaßregeln oder willkürliche Maßregeln. Das alles ist begründet in okkulten Gesetzen. Denn wenn irgendetwas in unrechte Hände gerät, so hört es auf, seine Wirksamkeit für alle diejenigen zu haben, die es zur Wirksamkeit bekommen sollen. Wenn also Missbrauch getrieben wird, indem mantrische Sprüche oder der Inhalt des hier Gegebenen an unrechte Persönlichkeiten gegeben wird, so verlieren diese mantrischen Sprüche und das hier Gegebene für die hier Sitzenden ihre Wirksamkeit. Es ist um Tatsachen zu tun, nicht um irgendetwas, was eine Willkür-Maßregel ist. Ich habe nur noch die Tageseinteilung für morgen zu geben. Es wird wiederum sein: Um halb zehn hier die Stunde des Kursus der Pastoralmedizin, um zwölf Uhr der Sprachgestaltungskursus, um halb sechs Uhr der Kursus für Theologen und um acht Uhr der Mitgliedervortrag. .original

German original of Lecture XXIV (Recapitulation of Lesson V) · ← Previous · Next →