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Esoteric Lessons for the First Class III

GA 270 — 17 September 1924, Dornach

Sechste Wiederholungsstunde

Meine lieben Freunde, Schwestern und Brüder! Für die heute neu Eingetretenen muss wieder gesagt werden, dass nicht in allen Fällen, wenn neue Mitglieder zur Schule hinzukommen, die Einleitung gesprochen werden kann, die von dem Wesen, der Pflicht der Schule handelt, und dass ich daher diejenigen schon hier gewesenen Mitglieder, welche die mantrischen Sprüche geben werden an die neu Eingetretenen, verpflichten muss, ihnen auch dasjenige zu sagen, was der Inhalt dieser Einleitung ist.

Und so beginnen wir in dieser Michael-Schule auch heute wiederum mit jenem Worte, das die Grundaufforderung, die Fundamentalaufforderung an den Menschen enthält, die ihm entgegentönt aus allen Reichen der Natur und aus allen Hierarchien des Geistes, wenn er einen Sinn und eine Empfänglichkeit dafür hat, und die ihn auffordert, sein eigenes Wesen zu suchen, ihn aber auch auffordert, durch dieses eigene Wesen hindurch die Welt in ihrer wahren geistgetragenen Gestalt zu erkennen. Und so tönt es denn aus alledem, was da lebt und webt in Erdentiefen, in Wasser und Luft, in Wärme und Licht, was da lebt in Bergen und Quellen, in Felsen, was da lebt in Pflanzen, in Tieren, in physischen Menschengestalten, in Menschenseelen, in Menschengeistern, was da lebt in den Bewohnern der Sterne, in den Hierarchien der Geister, - so tönt es:

O Mensch, erkenne dich selbst!
So tönt das Weltenwort.
Du hörst es seelenkräftig,
Du fühlst es geistgewaltig. Wer spricht so weltenmächtig?
Wer spricht so herzinniglich? Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung
In deines Sinnes Seinserleben?
Tönt es durch der Zeiten Wellenweben
In deines Lebens Werdestrom? Bist du es selbst, der sich
Im Raumesfühlen, im Zeiterleben
Das Wort erschafft, dich fremd
Erfühlend in Raumes Seelenleere,
Weil du des Denkens Kraft
Verlierst im Zeitvernichtungsstrome.

Meine lieben Schwestern und Brüder! Die Beschreibung des Geistesweges, der hineinführen soll aus demjenigen, was hier in unserer sonnenbeglänzten Welt, in der wir auf Erden leben, hell ist, in dasjenige, was uns jenseits des gähnenden Abgrundes des Seins zunächst erscheint wie eine dunkle, nachtbedeckte Finsternis, der Weg, der uns dazu führen wird, dass, wenn wir suchen unser eigenes Wesen, wir gewahr werden, dass in alledem, was da auf Erden in den Tiefen lebt, in der Luft webt, was da kriecht und fliegt, aber auch in alledem, was unsere Sinne sehen in dem majestätischen Scheine der Sterne, in den mächtigen Tiefen des Weltenraumes, in den unermesslich weiten Zeitenfolgen, dass das alles nicht unser Sein, den eigentlichen Quell unseres Menschenwesens enthält, dass es da finster wird, wenn wir ausschauen nach unserem Menschenwesen: Die Beschreibung hat uns dazu geführt, uns zu zeigen, dass wir hinüber den Weg finden müssen vorbei an dem Hüter der Schwelle, der so vieles zu uns gesprochen hat über die Bedeutung des geistigen Weges, hinüber in dasjenige, was noch nachtbedeckte, schwarze Finsternis ist, damit es dort hell werde und in dieser Helligkeit uns aufgehe das Licht, das unser eigenes Sein und damit das Sein und Wesen und Weben der Welt beleuchte, beleuchte vor unserem Seelenauge.

Nun müssen wir uns klar sein darüber, dass in dem Augenblicke - und wir sind jetzt in der Beschreibung so weit —, wo wir hinübersollen über den Abgrund des Seins, vorbei an dem Hüter der Schwelle, dass in diesem Augenblicke mit dem Menschen, also mit uns selbst, eine bedeutsame Veränderung vor sich geht.

Blicken wir, meine lieben Schwestern und Brüder, auf unser menschliches Sein, so wie es ist zwischen Geburt und Tod im physischen Erdenleben: Wir erfassen die Welt denkend, wir ergreifen die Welt fühlend, wir wirken in der Welt wollend. Aber Denken, Fühlen und Wollen sind in unserem menschlichen Sein innig miteinander verwoben. Wenn wir etwas ausführen wollen in der nächsten Zeit: Wir bedenken es zuerst; und dasjenige, was wir ausführen, ist im Keime in unseren Gedanken vorhanden. Wir sehen es hinausschießen in die Willensimpulse. Wir fühlen an einem Ding, dass es uns wert ist. Wir fühlen ersprießen in uns die Liebe zu dem oder jenem Wesen. Indem wir also fühlen, machen wir uns von dem Wesen einen Gedanken. Oder aber, wir gehen über dazu, Taten der Liebe gegenüber diesem Wesen zu vollbringen, lassen uns von der Liebe beflügeln, impulsieren, um in den Willen überzugehen. All das aber - Denken, Fühlen, Wollen — hängt eng zusammen in unserem Menschenwesen, insofern dieses Menschenwesen sich entfaltet zwischen Geburt und Tod hier in der physischen Welt. Wir sind eins im Denken, Fühlen, Wollen.

Und wahr ist es: Wirklich wachend sind wir nur in unseren Gedanken. Die sind hell und klar, obzwar sie uns der Hüter der Schwelle enthüllt hat als Schein; sie sind hell und klar, wir wachen in ihnen.

Dunkler und unklarer lebt das Fühlen in uns. Wir sind näher dem Sein im Fühlen. Aber der Inhalt dessen, was wir fühlen, ist wie ein Traum, sodass wir nur von wachend hellem Denken und - auch im Wachen - nur sprechen können von träumendem Fühlen.

Das Wollen aber, wie es sich herauslöst aus dem Wesen unserer Menschheit, es bleibt zunächst dem gewöhnlichen Bewusstsein völlig unklar. Der Mensch hat den Gedanken, dass er dieses oder jenes wollen soll; der Gedanke schießt hinunter, ergreift den Organismus; der Organismus bewegt sich, führt den Gedanken aus; der Mensch sieht wieder mit einem Gedanken, was er ausgeführt hat. Aber das Wollen selber ruht in seiner Wesenheit wie dasjenige von unserer Seele, was vom Einschlafen bis zum Aufwachen im tiefen Schlafe ist.

Aber derjenige, der diese Dinge als Initiat ansieht, er schaut die Gedanken in jener Lebendigkeit, in der sie waren, bevor der Mensch heruntergestiegen ist aus übersinnlichen Welten in die sinnliche. Er schaut leuchtende Wesenheit in den Gedanken. Diese leuchtende Wesenheit ruht aber nicht so in ihm wie der Schein der Gedanken, die er im gewöhnlichen Denken hat.

Wir stehen neben dem Hüter der Schwelle. Der Abgrund des Seins ist da; vor uns - jenseits des Abgrundes, jenseits der Schwelle die schwarze, nachtbedeckte Finsternis; doch hellet sich heraus aus der Finsternis bewegt Gestaltetes, lebendig Gestaltetes. Wir sagen, indem wir spüren, unsere Gedanken, wie sie in uns als physischen Menschen waren, haben uns verlassen, - wir sagen uns: Da ist unser webendes, lebendes Denken; das gehört jetzt nicht uns, das gehört der Welt an. Licht um Licht webt sich der Gedanke los von der schwarzen Finsternis. Wir wissen, der Gedanke - der Gedanke, all unser Denken - ist da innerhalb der schwarzen Finsternis als die erste Helligkeit, zu der wir kommen.

Und dann blicken wir etwas weiter nach unten. Wir haben das Gefühl -und der Hüter der Schwelle weist uns mit seiner mahnenden Gebärde dahin -, blicken wir weiter nach unten: Wie Feuerschein wird unten die Finsternis. Feuer, dunkles Feuer, aber Feuer, das wir spüren können, das wir hellfühlend fühlen, breitet sich unten aus. Über den Abgrund des Seins kommt herüber dasjenige, wovon wir wissen, das ist unser Wollen. Denn der Initiat lernt allmählich erkennen: Wie ist es denn eigentlich, wenn Denken in Wollen übergeht? Wenn Denken in Wollen übergeht, da wird der Gedanke desjenigen, was gewollt wird, erfasst; dann aber strömt dieser Gedanke in die Leiblichkeit über, strömt ein jetzt - im Hellfühlen merkt man es wie wohltuendes Feuer. Wärme ist es, die da den Willen zum Dasein bringt; Wärme, Feuer ist es, als das uns unser eigener Wille aus der Finsternis entgegentritt.

Und zwischen dieser Wärme, die unseren Willen ausströmt, uns entgegenströmt - denn unser Wille, der von uns als Mensch ausgeht,

ist nur der Reflex dieses Willens, der unser eigen ist als kosmischer Mensch, der uns jetzt entgegenströmt herüber über den Abgrund des Seins -, zwischen dieser warmen Ausströmung, dunklen, warmen Ausströmung unten, die höchstens einen bläulich-violettlichen Anflug hat, und den hellen Gedankenlichtern oben: Zwischen beiden wogt es und webt es Wärme hinauf, Licht hinunter. Licht-durchtränkte Wärme im Hinaufwogen, Wärme-durchwühltes Licht im Herunterströmen: Das ist unser Fühlen.

Ein mächtiges Bild ist es, worauf der Hüter der Schwelle weist. Und wir wissen jetzt: Treten wir über von der Welt der Sinne, von der Welt der physischen Wirklichkeit, in der wir sind zwischen Geburt und Tod, in die Welt des Geistes, dann sind wir im Denken, Fühlen und Wollen nicht die Einheit, die wir hier sind, dann sind wir Dreie. Im Weltenall sind wir Dreie: Zum Licht geht unser Denken im Übergang über die Schwelle; zum Feuer geht unser Wollen; zum Feuergetragenen Licht, Licht-durchwobenen Feuer geht unser Fühlen.

Und wir müssen den Mut haben, das Selbst so weit auszudehnen, so zu verintensivieren dieses Selbst, dieses Ich, dass es die Dreie zusammenhält, wenn wir hinüberkommen werden. Das können wir, wenn wir uns ganz recht durchdringen damit, was uns sonst nur Bildhaftigkeit sein könnte, wenn wir uns recht durchdringen damit, dass unser Haupt, das der Ursprung alles unseres Sinneslebens, alles unseres Denklebens ist - alles Sinnes- und Denkleben ist ja über den Körper ausgebreitet, aber im Haupte ganz besonders ausgedrückt —, dass unser Kopf in seiner Rundung mit der Öffnung nach unten Weltgestalt nachbildet. Können wir uns sagen in allem Ernst, mit aller inneren Inbrunst: Dein Kopf ist innen und außen Nachahmung der Weltgestalt, so fühlen wir, indem wir gewissermaßen den Kopf von innen anschauen wollen, wie dieses Anschauen sich erweitert zu dem Weltenall, das nur in unserem Kopf für unser irdisches Anschauen zusammengedrängt ist.

Fühlen wir dann ganz intensiv, wie unser Herz, der physische Ausdruck unserer Seele, nicht bloß schlägt durch dasjenige, was in unserem Leibe, in unserem von der Haut begrenzten Menschenwesen ist - wir atmen die Luft ein, die der Impulsator des Herzschlages ist, wir atmen sie wieder aus -: Die Welt in ihrer Größe, in ihrer Majestät wirkt mit in unserem Herzensschlag. Es ist der Weltenschlag, der in unserem Herzen empfunden wird, nicht bloß dasjenige, was wir in uns tragen.

Wenn wir denken, wie unsere Glieder arbeiten, sich im Wollen ausleben, dann gibt uns diese Kraft zum Wollen nicht dasjenige allein, was in unserem Menschen ist. Denken wir nur einmal, wie die Vererbungskräfte in uns übergehen, wenn wir geboren werden, wie die Kräfte des Karma, die wir uns in vielen, vielen Erdenleben erworben haben, in unserem Wollen leben. Denken wir an all das und fühlen wir, wie wir denken dürfen: In unseren Gliedern, wenn wir wollen, lebt Weltenkraft, nicht bloß Menschenkraft.

Jetzt denkt Euch, meine lieben Schwestern und Brüder, noch herüben, hart an der Seite des Hüters der Schwelle, der hinüberweist in die Licht-erglänzenden, Welten-lebenden, Welten-webenden Gedanken; in dasjenige, was hinaufwogt als Wärme, Licht-tragend; in das, was herunterwogt als Licht, Wärme-durchprägt, -durchströmt; in dasjenige, was unten wie warmer Wind herüber uns geistig anströmt als Feuer des Weltenalls, das die Urkraft des Wollens ist.

So, wie wir hier stehen, tritt an uns heran, tönend, dasjenige, was uns der Hüter der Schwelle in dieser Situation zu sagen hat:

Schau die Drei

— Denken, Fühlen, Wollen; der Mensch ist gespalten, eine Dreiheit geworden —

Schau die Drei, Sie sind die Eins, Wenn du die Menschenprägung Im Erdendasein trägst. Erlebe des Kopfes Weltgestalt

Der Hüter macht dieses Zeichen:

[Die Zeichen werden an die Tafel gezeichnet; siehe Seite 852:]

dass wir haltmachen, dass wir des Kopfes Weltgestalt in diesem in sich geschlossenen, nach oben gerichteten Dreieck empfinden. Konzentrieren wir uns auf dieses.

Empfinde des Herzens Weltenschlag

Der Hüter macht dieses Zeichen:

dass wir empfinden in diesem Zeichen den Wellenschlag der Welt, der im Herzen sich kreuzt.

Erdenke der Glieder Weltenkraft

Der Hüter der Schwelle macht das andere Zeichen:

auf das wir uns konzentrieren sollen bei dieser Zeile, damit wir die Kraft dieser Zeile, die ganze mantrische Kraft dieses Spruches empfinden.

Dann bekräftigt der Hüter der Schwelle noch einmal:

Sie sind die Drei,
Die Drei, die als das Eins
Im Erdendasein leben.

Das ist der Spruch, durch den uns ankündigt der Hüter, wie wir uns anschicken sollen, durch kräftigen Mut, durch begeistertes Erkenntnisstreben Flügel zu empfinden hinüber von der Eins zu Drei. Die Eins sind wir im Physischen. Die Drei, sie treten uns in dem imaginativen Bilde entgegen, sie sind wir in der geistigen Welt.

[Es wird an die Tafel geschrieben]

Der Hüter mahnt:

Schau die Drei,
Sie sind die Eins,
Wenn du die Menschenprägung
Im Erdendasein trägst.

[Neben das erste Zeichen an der Tafel wird die Zeile geschrieben:]

Erlebe des Kopfes Weltgestalt

— die Weltgestalt kann im Kopfe erlebt werden —

[Neben das zweite Zeichen wird geschrieben:]

Empfinde des Herzens Weltenschlag

— der Weltenschlag kann im Herzen empfunden werden —

[Neben das dritte Zeichen wird geschrieben]

Erdenke der Glieder Weltenkraft.

— Die Weltenkraft kann erdacht werden in der Bewegung der Glieder. Die Steigerung ist [nun werden die sechs folgenden Worte unterstrichen]:

Erlebe
Empfinde
Erdenke Gestalt
Schlag
Kraft.

Die drei Zeilen müssen bekräftigt werden dadurch, dass wir uns konzentrieren auf diese Figuren. [Es wird weitergeschrieben:]

Meine lieben Freunde, wenn wir so dastehen im Erdendasein - und wir stehen ja noch da, wir sind erst im Anschicken, hinüberzukommen in die geistige Welt -, wenn wir so dastehen im Erdendasein, dann schreiben wir unserem Kopf, indem er die Gedanken enthält, wir schreiben ihm unseren Geist zu. Wir haben ja diesen Geist zunächst im Schein. Der Gedanke aber, die Gedanken sind eben der Schein des Geistes. Wir schreiben unserem Kopf die Gedanken, das heißt den Geist zu, wie der Geist eben in Gedankenform im Erdendasein lebt.

Aber wir können etwas anderes, und das müssen wir auf die Ermahnung des Hüters der Schwelle, in dieser Situation, wo wir uns anschicken hinüberzukommen über den Abgrund des Seins: Wir müssen uns bemühen, diejenige Kraft, die wir sonst aufbringen, wenn wir irgendein Glied bewegen, wenn wir gehen oder stehen, wenn wir den Willen durch unseren Menschen schicken, wir müssen uns bemühen, uns auf diesen Willen so zu konzentrieren, dass wir jeden einzelnen Gedanken wollen, wie wenn wir ihn herausstoßen würden. Wir müssen empfinden: Der Gedanke wird ausgestoßen, wie wenn wir den Arm ausstrecken; Realität geht durch den Willen in den Gedanken hinein. Dann wird uns alles, was in unseren Sinnen lebt, während es vorher nur uns Farbenschein, Tongestalt zuschickt, es wird uns aus allem vielgestaltigen Sinnenschein entgegenströmen kosmisches Wollen.

Meine lieben Schwestern und Brüder: Lernet Gedanken ausstrecken hinaus in die Welt, wie Ihr lernet, durch den Willen die Hände ausstrecken. So wie Euch die festen Dinge der Welt entgegenkommen, wenn Ihr den Willen ausstreckt, und Widerstand bieten, so bieten die Geister Widerstand, wenn Ihr die Gedanken ausstreckt, indem Ihr den Willen durch sie hindurch spannt. Tun wir das, dann weben wir real in der Weisheit. Wiederum ermahnt uns der Hüter dazu. Die letzte Mahnung des Hüters dringt an uns heran:

[Die erste Strophe wird an die Tafel geschrieben, und die Überschrift, «Kopfes» und «wollen» werden unterstrichen. Siehe Seite 853]

— sonst denken wir ihn nur, jetzt wollen wir ihn; und wenn wir das tun, dann wird das Wollen etwas anderes —

Und Wollen

— das Wollen der Gedanken —

Das Nächste, worauf uns der Hüter der Schwelle weist, das ist auf unser Herz, unser Herz, in dem sich konzentriert alles dasjenige, was unser rhythmischer Mensch ist. Ins Herz können wir nichts anderes hineintragen als Fühlen: Fühlen hier in der Sinneswelt zwischen Geburt und Tod; Fühlen aber auch müssen wir dem Herzen entgegenbringen und seinem Inhalte, wenn wir in der geistigen Welt sind.

Können wir aber das Herz fühlen, wie wenn die Welt fühlte in unserem Herzen, weil wir ja in der Welt sind, dann wird unser Fühlen wiederum etwas anderes. Wie uns Wollen wird «der Sinne vielgestaltig Himmelsweben», so wird uns Fühlen etwas, was nun so erfasst werden muss, dass wir sagen — sehen Sie, Denken, also des Kopfes Geist, wurde zum Wollen -: Das Fühlen bleibt Fühlen; aber es strahlt aus auf der einen Seite nach dem Denken, auf der anderen Seite nach dem Wollen; es ist beides zugleich. Daher müssen wir uns angewöhnen, an dieser Stelle eine Zeile zu denken, wo wir ineinanderweben dasjenige, was es ausstrahlt nach oben und nach unten.

Diese Zeile muss so lauten: «Und Fühlen wird dir des Denkens Wollens, Wollens Denkens, keimerweckend Weltenleben.» Dann lebt man in dem Schein. Das ist jetzt nicht ein verglimmernder Schein, das ist die Offenbarung der Welt in der Schönheit, was man auch «Schein» nennen kann, in dem, was «Gloria» genannt werden kann. Denn Schein ist hier in der Bedeutung von Gloria. Das Zweite also, wozu uns der Hüter mahnt, ist:

Des Herzens Seele,
Du kannst sie fühlen;
Und Fühlen wird dir
Des Denkens Wollens, Wollens Denkens
keimerweckend Weltenleben.
Du lebest in dem Schein.

[Diese zweite Strophe wird nun an die Tafel geschrieben, und «Herzens» und «fühlen» werden unterstrichen:]

Des Herzens Seele,
Du kannst sie fühlen;
Und Fühlen wird dir Des Denkens keimerweckend Weltenleben.
Des Wollens keimerweckend Weltenleben. Du lebest in dem Schein.

Ihr müsst versuchen, meine lieben Schwestern und Brüder, indem Ihr dies übt, das gleichzeitig denken zu können, dass es ineinanderwebt — Denkens Wollens, Wollens Denkens -, dass es ineinander in eins verfließt, weil es so vor der Welt dasteht.

Das Dritte, worauf uns der Hüter der Schwelle weist, ist die Kraft unserer Glieder. In ihr wollen wir sonst. Jetzt aber verlangt der Hüter der Schwelle, dass wir, wie wenn wir aus uns heraustreten würden und ruhig stehen würden, denken sollen unserer Glieder Kraft; dass wir den Geist unserer Glieder denken sollen, indem wir dasjenige, was wir tun, jetzt nicht fühlen als die Anstrengung unserer Kraft, sondern es anschauen, wie wenn wir neben uns stehen würden. Dann wird das Denken des Wollens, dieses Denken, das wir hier entfalten, des Wollens zielerfassend Menschenstreben. Und jetzt erkennen wir Tugend in dem Sinne von menschlicher Tüchtigkeit, von dem, was Menschen wollen können in der Weltenevolution. Der Hüter der Schwelle mahnt uns:

[Die dritte Strophe wird nun an die Tafel geschrieben und «Glieder» unterstrichen;]

Der Glieder Kraft,
Du kannst sie denken;
Und Denken wird dir
Des Wollens zielerfassend Menschenstreben;
Du strebest in der Tugend.

Die Steigerung ist [nun werden die folgenden drei Worte unterstrichen];

webest
lebest
strebest.

Die andere Steigerung ist:

Weisheit
Schein
Tugend.

Nun will ich die Zeilen so vorlesen, wie sie uns zunächst erscheinen, indem der Hüter sie zu uns spricht:

Des Kopfes Geist,
Du kannst ihn wollen;
Und Wollen wird dir
Der Sinne vielgestaltig Himmelsweben;
Du webest in der Weisheit. Des Herzens Seele,
Du kannst sie fühlen;
Und Fühlen wird dir
Des Denkens Wollens, Wollens Denkens
keimerweckend Weltenleben;
Du lebest in dem Schein.

— Des Denkwollens —.

Der Glieder Kraft,
Du kannst sie denken;
Und Denken wird dir
Des Wollens zielerfassend Menschenstreben;
Du strebest in der Tugend.

Das ist die letzte Mahnung des Hüters der Schwelle.

Das ist der entscheidende Punkt, auf den hingewiesen werden darf mit dem Worte, das hier ausgesprochen ja ist als das Wort, das Michael selber spricht, weil begründet und gehalten diese esoterische Schule von Michael und seiner Kraft ist. Jetzt steht die Unterweisung an jenem wichtigen Punkte, wo wir alles dasjenige in uns aufgenommen haben, was, wenn es durchgeübt wird, uns die Flügel gibt, hinüberzukommen über den gähnenden, tiefen Abgrund des Seins.

Das alles, was gesprochen worden ist in dieser Michael-Schule, soll noch einmal Zeichen und Siegel begleiten Michaels; denn alles wird so gegeben, dass, während es durch den Raum dieser Schule tönt, Michael anwesend ist, was bekräftigt werden darf durch sein Zeichen. [Das Michael-Zeichen wird an die Tafel gezeichnet; Seite 852.] Und was bekräftigt werden darf durch sein Siegel, das er gedrückt hat auf den dreifachen Rosenkreuzer-Spruch:

Ex deo nascimur
In Christo morimur
Per spiritum sanctum reviviscimus

welches Siegel so ist, dass wir empfinden

den ersten Spruch in dieser Gebärde:

[Die untere Siegelgeste wird an die Tafel gezeichnet.] den zweiten Spruch in dieser Gebärde: den dritten Spruch in dieser Gebärde: und wissen, die erste Gebärde bedeutet [neben die untere Siegelgeste wird geschrieben]: as fühlen wir, während wir sagen «Ex deo nascimur», und bekräftigen es durch die Gebärde, die Michaels Siegel ist. Die zweite Gebärde bedeutet [neben die mittlere Siegelgeste wird ge schrieben]: Das fühlen wir, indem wir aussprechen «In Christo morimur», drücken das Gefühl durch dieses im Michael-Siegel Liegende aus. Die dritte Gebärde bedeutet ;

Ich verbinde mich dem Geiste

Das begleitet als Gefühl «Per spiritum sanctum reviviscimus». Es ist die Geste, die Michaels Siegel über diesem dritten Teil des Rosenkreuzer-Spruches ist.

Und so mögen denn Michaels Zeichen und Siegel geleiten den weiteren Weg, der hier in dieser Schule für Geistesentwickelung gegangen wird:

[Es wird das Michael-Zeichen gemacht.]

[Es werden die drei Siegelgesten gemacht und dazu gesprochen]

Ex deo nascimur
In Christo morimur
Per spiritum sanctum reviviscimus.

Dann ist der Augenblick gekommen, in dem des Hüters der Schwelle Wort entscheidend erklingt, des Hüters der Schwelle Wort, wie wenn es von Michael selber käme, wie wenn es aus Weltenfernen käme. Nachdem uns der Hüter gesagt hat, wie wir uns vorzubereiten haben - und fühlen wir: Solche Vorbereitung muss sein -, dann wird wie von Michael, wie aus Weltenfernen, sein Wort erklingen:

Tritt ein
Das Tor ist geöffnet
Du wirst
Ein wahrer Mensch werden.

Wir müssen uns in die Empfindung hineinweben, dass wir das nicht selber sprechen, sondern indem wir es sprechen, soll es objektiv werden, dass wir es hören, wie wenn es von anderer Seite gesprochen würde.

[Es wird mit roter Kreide quer zu dem Mantram «Schau die Drei» an die Tafel geschrieben;]

Tritt ein
Das Tor ist geöffnet
Du wirst
Ein wahrer Mensch werden.

Was nun in der weiteren Beschreibung sich abspielen wird in den folgenden Stunden - die folgende Stunde ist ja regelmäßig am Samstag um halb neun —, was in den folgenden Stunden sich abspielen wird, wird schon wiedergeben dasjenige, was drüben jenseits der Schwelle ertönt.

Jetzt aber besinnen wir uns noch einmal - denn alle wirkliche Entwickelung führt immer wieder zum Ausgangspunkt zurück —, wie aus allen Wesen der Welt zu uns die Aufforderung zu alledem spricht, was wir nun aus dem Munde des Hüters erfahren haben:

O Mensch, erkenne dich selbst!
So tönt das Weltenwort.
Du hörst es seelenkräftig,
Du fühlst es geistgewaltig. Wer spricht so weltenmächtig?
Wer spricht so herzinniglich? Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung
In deines Sinnes Seinserleben?
Tönt es durch der Zeiten Wellenweben
In deines Lebens Werdestrom? Bist du es selbst, der sich
Im Raumesfühlen, im Zeiterleben
Das Wort erschafft, dich fremd
Erfühlend in Raumes Seelenleere,
Weil du des Denkens Kraft
Verlierst im Zeitvernichtungsstrome.

Noch einmal - alles bekräftigend, Michaels Anwesenheit bekräftigend - Zeichen und Siegel Michaels:

[Es wird das Michael-Zeichen gemacht.]

[Es werden die drei Siegelgesten gemacht und dazu gesprochen;]

Ex deo nascimur
In Christo morimur
Per spiritum sanetum reviviscimus.

Die mantrischen Sprüche, die hier zum Üben gegeben werden, und die in sich die Kraft tragen, dasjenige in sich zu erleben, was hier beschrieben wird, dürfen nur die rechtmäßigen Mitglieder dieser Klasse besitzen, niemand anders. Derjenige, der der Schule angehört und einmal nicht da sein kann bei einer Stunde, wo er einen entsprechenden Spruch bekommen könnte, kann sich ihn von einem anderen Mitgliede, das da gewesen ist, geben lassen. Es muss aber für jedes solches Abgeben des Spruches eine besondere Erlaubnis eingeholt werden entweder bei Frau Doktor Wegman oder mir selber. Derjenige aber, der den Spruch erhalten will, kann um diese Erlaubnis nicht ersuchen, sondern allein derjenige, der den Spruch geben soll.

Wenn man einmal die Erlaubnis bekommen hat, jemandem die Sprüche zu geben, so gilt das dann für die einzelne Persönlichkeit weiter. Für jede andere Persönlichkeit muss wiederum dieselbe Erlaubnis geholt werden wieder bei Frau Doktor Wegman oder mir. Es nützt gar nichts, wenn man die Sprüche erhalten will, wenn man selbst um die Erlaubnis frägt, sondern nur, wenn man sie geben will. Man muss sich also - will man die Sprüche erhalten - an jemanden wenden, der sie hat zu Recht. Der muss dann fragen; für jeden Einzelnen, dem er sie gibt, fragen.

Wenn jemand etwas anderes mitschreibt, so ist er nur berechtigt, es höchstens acht Tage zu haben, dann muss er es verbrennen. Außer den Sprüchen anderes Mitgeschriebenes hier muss verbrannt werden. Denn wir müssen einmal wirklich die okkulten Regeln einhalten. Es ist eine okkulte Regel in all dem, was ich jetzt sage und halte. Wir müssen die okkulten Regeln einhalten. Es handelt sich nicht um eine willkürliche Verwaltungsmaßregel, sondern, wenn in unrechte Hände kommt dasjenige, was esoterisch ist, dann, meine lieben Schwestern und Brüder, verliert das Esoterische für diejenigen, die es rechtmäßig in Händen haben, verliert das betreffende Mantrische seine Kraft. Es handelt sich einfach um etwas, das in okkulten Gesetzen begründet ist.

Um zwölf Uhr morgen ist wieder der Sprachgestaltungskursus; viertel vor elf Uhr der Theologenkursus; um fünf Uhr der Kursus für Pastoralmedizin; um acht Uhr der Mitgliedervortrag.

German original of Lecture XXV (Recapitulation of Lesson VI) · ← Previous · Next →