Introductions for Traditional Christmas Plays
GA 274 — 6 January 1918, Dornach
Introduction
Im Namen aller derjenigen, die an dem Bau beschäftigt sind und an den Arbeiten am Bau, und im Namen all derjenigen, die in unserer Anthroposophischen Gesellschaft mitarbeiten, habe ich Ihnen als unseren lieben Gästen herzlichen Willkommgruß zu sagen und Ihnen unsere große Freude darüber auszudrücken, daß Sie diese unsere anspruchslosen Spiele - Weihnachtspiele — einmal ansehen wollen. Ich werde mir nur erlauben, ein paar Worte über diese Spiele vorauszuschicken und darf dabei an die Art und Weise anknüpfen, wie wir eigentlich zu diesen Spielen gekommen sind, deren Aufführung in einem gewissen loseren Zusammenhang steht mit unseren Bestrebungen, die aber, wie Sie dann bemerken werden, doch wiederum sich in richtiger Weise in unsere Bestrebungen eingliedern.
Diese Spiele, die wir Ihnen vorführen werden, stammen aus der ehemaligen deutschen Gegend Oberungarns, des westlichen Oberungarns, von Oberufer. Sie sind durch Einwanderer nach Oberufer gekommen, die von mehr westlichen Gegenden nach diesem östlichen Teil von Mitteleuropa, wahrscheinlich schon im 16, Jahrhundert, mindestens im Beginne des 17. Jahrhunderts hingewandert sind. Gerade durch diesen Umstand, daß sie in dieser deutschen Kolonie gefunden worden sind, sind sie ganz besonders interessant; interessanter als ähnliche andere Weihnacht- und Osterspiele, die man ja zahlreich, besonders jetzt, da und dort aufgeführt kennenlernen kann. Dasjenige, was wir Ihnen vorführen, hat mein verehrter alter Freund, der jetzt schon längst verstorbene Karl Julius Schröer in den fünfziger und sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts in Oberufer in der Nähe von Preßburg unter den Bauern dort gesammelt. Das heißt, er hat von seinem Wohnsitz, von Preßburg aus erfahren, daß die vor Jahrhunderten eingewanderten sogenannten deutschen Haidbauern, wenn die Weihnachtszeit herannahte, gewisse Spiele auf die Art aufführen, wie ich es dann sogleich schildern werde. Er hat dann öfter teilgenommen an solchen Spielen. Sie haben ihm sehr gefallen, und er hat dann das aufschreiben können, was die einzelnen Bauern, die Mitspieler waren, als Rollen solcher Spiele sich abgeschrieben haben. Und dann hat er die Stücke zusammenstellen können.
Die Absicht war bei Karl Julius Schröer, das, was als Geistesgut in solchen Gegenden aus uralten Zeiten - denn es sind ja für solche Dinge uralte Zeiten - sich erhalten hat, zu bewahren. Denn die Zeiten, in denen Karl Julius Schröer diese Spiele dort gefunden hat, waren auch diejenigen, in denen schon diese alte Kultur am Zugrundegehen war, durch die neuere Form ersetzt worden ist. Und alle diejenigen ähnlichen Spiele, die mehr im Westen von Europa aufgeführt werden und die einen, wenn man nur ein gröberes Nachempfinden hat, ja erinnern können an die älteren Weihnachtspiele, wie wir sie heute hören und sehen werden, sind deshalb weniger interessant, weil sie in den Gegenden, in denen sie aufgeführt worden sind, später von Jahrzehnt zu Jahrzehnt immer mehr verändert, man möchte sagen, immer mehr modernisiert worden sind, so daß man in ihnen nicht mehr die echte, vorbildliche Gestalt hat. Dagegen haben wir die echte Gestalt, die diese Spiele noch im 16. Jahrhundert hatten, in den Spielen der Bauern in den Zipser und in den sonstigen Gegenden Ungarns erhalten, wo sich deutsche Bauern angesiedelt haben und deutsche Kultur wie eine Art Kulturferment erhalten hat. Es war so, daß diese Menschen von Jahrzehnt zu Jahrzehnt diese Spiele in der wörtlich gleichen Weise fortgespielt haben und daß man sie daher im 19. Jahrhundert noch so finden konnte, wie sie im 16. Jahrhundert dort eingeführt worden sind. Deshalb sind gerade diese Spiele, die wir hier in diesem schwachen Versuch Ihnen vorzuführen trachten, besonders interessant.
Die Einrichtungen, die Karl Julius Schröer dazumal vorgefunden hat, waren diese, daß irgendeine Familie im Dorfe Oberufer — Oberufer ist auf einer Vorinsel der Insel Schütt, die gebildet wird von der Donau gleich unterhalb Preßburgs und ist von Preßburg so weitentfernt, daß man es mit einer Droschke bereits in einer halben Stunde erreichen kann -, in diesem Orte Oberufer, der dazumal ein reiches Bauerndorf war, da hatte in der Regel eine angesehene Bauernfamilie diese Spiele im Besitz. Und wenn die Erntearbeiten im Herbste vorüber waren, da versammelte der Bauer diejenigen Menschen, ältere und jüngere Burschen des Ortes, die mitspielen sollten. Frauen durften nicht mitspielen, das muß ich ausdrücklich bemerken, was hier natürlich aus leicht begreiflichen Gründen in unserer heutigen Aufführung anders sein muß. Die älteren und jüngeren Burschen, die mitspielen sollten, mußten im Oktober, November bis Advent hin ihre Rollen lernen. Daß diese Spiele mit einem großen Ernste, aber ohne jede Sentimentalität aufgeführt wurden, sieht man insbesondere aus folgendem. Es handelte sich keineswegs darum, eine bloße Komödie zu spielen, sondern diejenigen Burschen, die mitspielen sollten, mußten Bedingungen erfüllen, die vielleicht für manche Burschen gar nicht so leicht waren. Sie mußten sich verpflichten, ein ganz ehrsames Leben zu führen durch all die Wochen hindurch, in denen sie sich auf die Spiele vorzubereiten hatten; in der ganzen Zeit, wie man sagte, keine Schelmenlieder zu singen und so weiter. Außerdem während all dieser Zeit aufs Wort streng den Anordnungen zu folgen, die ihnen der Meister des Spieles gab. Unter diesen Bedingungen wurden dann die Rollen ausgeteilt und eingelernt. Auch die Rollen der Maria und der Eva hatte immer ein jüngerer Bursche.
Wenn dann die Weihnachtszeit herankam, wenn alle alles gelernt hatten, dann ist das so eingeleitet gewesen, daß sich der Engel, den Sie hier auch sehen werden, welcher die ganze Kumpanei mit einem Stern anführte, ankleidete, daß von dem Lehrmeisterhaus aus sich der Zug der Mitspielenden in Bewegung setzte. Der Engel war schon angezogen, die anderen Mitspielenden waren vom Lehrmeisterhaus aus noch nicht angezogen; die Mitspielenden trugen dann voran einen großen, wie man sagte, Kranawittbaum, das ist ein Wacholderbaum, der als Weihnachtsbaum diente. So zogen sie, allerlei Weihnachtslieder absingend, vom Meisterhaus nach dem Wirtshaus, wo die Sachen gespielt werden sollten.
Während sie mit ihrem großen Baum dahinzogen, war mittlerweile der Teufel, der auch schon angezogen war und den Sie auch in den Spielen kennenlernen werden, damit beschäftigt, allerlei dummes Zeug zu treiben. Er lief durch das ganze Dorf mit einem Kuhhorn, durch das er fürchterlich tutete, und schrie zu allen Fenstern hinein, die Leute müßten zum Spiele kommen. Wenn ein Wagen vorbeikam, sprang der Teufel auf den Wagen hinauf und rief und tutete von oben herunter und dergleichen mehr. Dann bewegte sich dieser Zug nach und nach zum Gasthause hin. Da war es so angeordnet, daß auf einer Anzahl in Hufeisenreihen aufgestellten Stühlen die Gäste untergebracht wurden. In der Mitte war der Spielplatz, die Bühne. Und dann wurden diese Spiele aufgeführt, die wir hier sehen und hören werden. Es ist in der Regel zuerst das Hirten-Spiel aufgeführt worden, das Sie hier als zweites sehen werden. Also in Wirklichkeit wurde es in Oberufer als erstes aufgeführt; wir hier führen es als zweites auf. Dann folgte das Paradeis-Spiel, das wir als erstes aufführen. Und dann folgte das, was wir bis jetzt nicht aufführen konnten, weil wir es bis jetzt nicht gelernt haben, vielleicht auch noch einmal aufführen werden: dann folgte ein Fastnacht-Spiel. So wie schon im alten Griechenland auf die ernsten Aufführungen ein sogenanntes Satyr-Spiel, ein komisches Spiel folgte, folgte da auch ein Fastnacht-Spiel. Es ist interessant, daß diejenigen Personen, welche die heiligen Personen spielten, ein gewisses Ansehen dadurch hatten, daß sie die heilige Maria und den Joseph und die anderen spielten, und daß diese nicht im Fastnacht-Spiel mitspielen durften. Also die Sache wurde schon heilig gehalten. Die Spiele fanden dazumal unter den Bauern von Oberufer einen großen Beifall. Nur: die ganze Intelligenz — wie das ja bei solchen Dingen schon manchmal so ist - war der Aufführung dieser Spiele feindlich gesinnt. Diese Intelligenz glaubte, daß es nichts Gebildetes ist, was richtig der Aufführung entspricht. Also, die ganze Intelligenz war dagegen. Es war nur gut für das Dorf, daß diese ganze «Intelligenz» bloß aus dem Schulmeister, dem Notar und dem Gemeindevorstandsbeamten bestand. Aber die waren alle in einer einzigen Person versammelt. So daß diese Intelligenz zwar einstimmig versammelt war, aber sie bestand eben nur aus einer Person.
Diese Spiele wurden aufgeführt. Sie sind im Grunde die echte Fortsetzung der Spielweise von solchen Dingen, wie sie seit Jahrhunderten durch ganz Europa gingen, damals in diesen Tagen sich aber verloren hatten. Wir können nachweisen, daß schon im 12. Jahrhundert ein Adam und Eva-Spiel durch ganz Europa gespielt wurde. Beim Konstanzer Konzil 1417 wurde vor dem Kaiser ein solches Weihnachtspiel in Konstanz vorgespielt. Sie werden an einer Stelle des Spieles sehen, wo vom Rhein die Rede ist, daß sich das darauf bezieht, daß die Spiele wirklich aus einer westlicheren Gegend stammen und in Ungarn eingeführt worden sind. In Ungarn wurden sie von den Bauern rein erhalten, wie sie waren. Dadurch tragen die Spiele wirklich ihren Ursprung an der Stirne, möchte ich sagen, der Jahrhunderte bis heute. Manches hat sich auch im Laufe der Zeit seit dem 16. Jahrhundert etwas geändert, zum Beispiel die drei Hirten, die Sie sehen werden, gibt es in dem ältesten Spiel auch schon, aber die drei Wirte sind in dem Spiel, wie es nicht mehr in Oberufer gespielt worden ist, nicht drei Wirte gewesen, sondern ein Wirt, seine Frau, die Wirtin, und eine Magd.
Nun werden Sie zwei von unseren Wirten hier sehen, die recht grausam sind, die Maria und Joseph zurückweisen; der dritte wird dann milde sein. Im allerursprünglichsten Spiel war es der Wirt, der Joseph und Maria nicht annahm, sondern hinauswarf; die Wirtin nahm sie ebenfalls nicht auf; nur die Magd wies Joseph und Maria den Stall an. Zum Beispiel, als die Dinge in Oberufer anfingen, hatte man nicht das nötige Material; man mußte natürlich immer ganz junge Burschen haben, um sie für die Rolle der Maria oder die der Wirtin zu verwenden. Die hatte man oft nicht genug, und die Rollen mußten von älteren Burschen übernommen werden. Davon rührte es offenbar her, daß Wirt, Wirtin und Magd in einen Wirt und noch zwei weitere Wirte verwandelt wurden. Diese Spiele hatten und haben durch die Jahrhunderte viele Umwandlungen erfahren. Die Zuschauer, die zu den Spielen dann kommen sollten — sie waren immer am Mittwoch und an den Sonntagen zwischen drei und fünf Uhr nachmittags gespielt -, mußten zwei Kreuzer bezahlen, also vier Rappen; Kinder die Hälfte. Und die Aufführungen wurden, wie gesagt, ohne Sentimentalität, aber mit einem gewissen wirklichen moralischen Ernst aufgefaßt. Das geht schon daraus hervor — das hat zum Beispiel Schröer selbst einmal erlebt —, daß sich die Mitspielenden einmal geweigert haben in einem Dorfe zu spielen — sie zogen dann auch in der Nachbarschaft herum, um dort die Spiele aufzuführen —, wo sie von einer Musikbande empfangen wurden. Da haben sie gesagt: Glaubt Ihr vielleicht, daß wir Komödianten sind? Das lassen wir uns nicht gefallen! — Und haben die Sachen nicht aufgeführt. Sie wollten die Sache als eine ganz ernste Sache behandelt wissen.
Und wenn dann die Spiele ihren Eindruck gemacht hatten auf die Leute, dann kann man sagen, daß in diesen Gegenden wirklich die Erinnerung an dasjenige, was diese Spiele zu sagen hatten als einfache, schlichte Wiedergabe der biblischen Erzählungen, sehr, sehr lange und schön nachhielt. Es war wirklich eine Feier des Weihnachtsfestes für diese Dörfer, welche einen ganz ungeheuer bedeutsamen moralischen und sozialen Einfluß hatte, in die Gemüter der Menschen tief, tief hineinwirkte.
Karl Julius Schröer hat diese Spiele gesammelt; sie sind nun gedruckt. Aber es ist sehr bedeutsam, daß Schröer schon die Manuskripte, die nachgeschrieben wurden, nicht mehr bei den deutschen Leuten gefunden hat, sondern bei einem Bauern, der Malatitsch hieß, also bei einem slawischen Bauern. Es war schon die neuere Zeit über dasjenige hingeflutet, was eigentlich die ganze Konfiguration des österreichischen Staates durch Jahrhunderte hindurch bewirkt hat. Die Staatshäupter Ungarns und Österreichs haben selbst immer Aufrufe erlassen, weil sie den Einfluß der westdeutschen Kultur brauchten. Daraufhin sind dann Bauern hingezogen, und es entstanden diese Kolonien, diese deutschen Kolonien in der Zipser Gegend, in der Banater Gegend. Auch nach anderen Gegenden, nach den böhmischen Gegenden, nach Siebenbürgen, zogen diese Menschen. Sie bildeten überall einen Kultureinschlag, der steckt in dem anderen drinnen, ist aber in der neueren Zeit von dem überflutet, was darübergegangen ist. Schröer ist einer derjenigen Menschen, die das deutsche Volkstum in den österreichischungarischen Gegenden studierten. Ich habe in seiner Gesellschaft vor Jahrzehnten kennengelernt, wie er den Spuren dieser alten Kultur inmitten Österreichs nachgegangen ist, und es ist mir in einer sehr bedeutsamen Erinnerung, was ich an seiner Seite gerade über diese Kultur und ihre Entwickelung dazumal habe kennenlernen können. Schröer hat nicht nur diese Weihnachtspiele gesammelt, sondern er hat Grammatiken, Wörterbücher zusammengestellt aus den Mundarten und Dialekten in den verschiedenen Gegenden Österreichs, in Westungarn, im Gottscheer Land, in Siebenbürgen, in der sogenannten Heanzener Gegend. Das alles hat dieser Mann als einer der Letzten aus der lebendigen Geschichte zusammengestellt. Die Art und Weise, wie er das getan hat, ist mit Liebe geschehen, und Liebe hat auch aufbewahrt diese Stücke, die wir hier versuchen wiederzugeben.
So, sehr verehrte Anwesende, sind wir zu diesen Stücken gekommen, haben sie unseren Arbeiten hier am Goetheanum einverleibt, weil wir bestrebt sind, alles dasjenige, was im geistigen Leben der Menschheit hervortritt, wirklich zu pflegen. Was gewöhnlich draußen von uns erzählt wird, ist ja Unsinn zumeist. Dasjenige, was hier wirklich getrieben wird, ist aus einem Interesse an allem, was geistig in der Menschheit lebt, hervorgehend. Diese Spiele sind wirklich aus allgemein menschlichstem Interesse hervorgegangen. Wenn sie aufgeführt wurden, so saßen Katholiken und Protestanten in dem Zuschauerraum zusammen, denn die waren dazumal in jener Gegend. Und unter den Mitspielenden waren auch sowohl Katholiken als auch Protestanten. Daraus ersehen Sie, daß alles, was in diesen Spielen lebte, einen moralisch-religiösen Gründzug hatte, aber nichts irgendwie Konfessionelles. Das ist dasjenige, was besonders hervorgehoben werden soll.
Nun werde ich noch einige Ausdrücke erklären zum Paradeis-Spiel, also die Austreibung von Adam und Eva aus dem Paradiese, und zum Hirten-Spiel, damit sie nicht unverständlich sind. Sternscher ist jener Apparat, durch den man den Stern weit weg von sich schieben kann und dann ihn wiederum nahebringen kann. Und diese Sternschere trägt der Anführer des Ganzen, mit dem Stern. Hier haben wir die Sache so eingerichtet, daß außer dem Träger des Sternes noch der Engel einen Stern trägt, aber Sternscher ist also das, was da verwendet werden kann, um den Stern hin und her zu schieben.
Gschrei in der Bedeutung, wie Sie es hier im Stück hören werden, ist gleich einem Gerücht. Dasjenige, was man von jemandem erzählt. Man erzählt allerlei Dinge. Ein Geschrei, ein Klatsch hat sich erhoben. Dann hören Sie den Ausdruck gespirret = zugeschlossen, zugesperrt.
Dann im Hirten-Spiel, wenn der Wirt sich rühmen will:
I åls a wirt von meiner gstålt,
Håb in mein haus und loplaynt gwålt —
heißt das nicht so, wie man leicht glauben könnte, daß er meint, der Wirt, er hätte eine besonders schöne Statur und deshalb hätte er besondere Gewalt in seinem Hause. Sondern es heißt: Ein Wirt von meinem Ruf, von meinem Gestelltsein, ein Wirt, der so gestellt ist wie ich, der hat in seinem Hause Gewalt, das heißt, Personen zu gestatten, in sein Haus einzuziehen.
Dann sagt einmal einer der Hirten zum anderen, er habe ihm seine Handschuhe glichen um-und-um, das heißt: immer wieder, öfters geliehen. Dann werden Sie das Wort hören: Es hat sich etwas bekert. Das heißt in jenen Gegenden, es ist etwas geschehen, es hat sich etwas zugetragen, etwas begegeben. Dann spiegelkartenhal. Das heißt, es hat Glatteis gegeben, so daß man leicht hinfällt, niederfällt. Die Waldvegala piewa scho. Das heißt, die Vögel zwitschern schon. Dö Fuhrleut kleschn. Das heißt, mit der Peitsche knallen, kleschen.
Dann mache ich Sie noch aufmerksam gleich zu Anfang des Paradeis-Spiels, wo der Herrgott zu Adam spricht, den er machte aus Ton, aus Erde, was sich scheinbar nicht reimt, aber im Dialekt heißt es:
Adam, nim an den lebendigen atem = Ton.
Rieben müssen Sie sich nicht vorstellen, als ob es schlecht ausgesprochen wäre, sondern so sagt der Bauer statt Rippen. Rieben. Also die Eva ist nicht aus einer Rübe gemacht, sondern aus einer Rippe = Rieben, und es reimt sich richtig auf lieben.
Sie ist zugleich aus deinem rieben,
Drum sullst du sie a büllich liaben.
Råtzen ist etwas, worüber man sich unterhält. Der Teufel hat einen råtzen, das heißt er hat Freude an irgend etwas. Frozzelei, das ist: zum Narren halten, an der Nase herumführen. Das ist auch solch ein Ausdruck, den der Teufel gebrauchen wird. — Loplaynt. Der Bauer sagt es in der Regel, wenn er von seinem Wirtshaus oder von seinem Hause spricht; er spricht es ganz gebildet aus, meint er wenigstens, daß er es tue: in meinem Loplaynt -, so daß man nicht merkt, daß er einen fremden Ausdruck gebraucht. Dann:
Hätten Adam und Eva Kletzen gfress’n.
Kletzen sind gedörrte Birnen und Pflaumen, die insbesondere zu Weihnachten von den Leuten bereitet werden.
Das sind so einige Dinge, die ich noch vorausschicken wollte, damit die Ausdrücke nicht unverständlich bleiben. Im übrigen möchte ich nur sagen, daß natürlich die Spiele für sich selbst sprechen müssen, indem sie wirklich in einer einfachen, schlichten Weise dasjenige zum Ausdruck bringen, was die Leute aufnehmen konnten von den Erzählungen des Alten und des Neuen Testamentes, was in ihre Gemüter, in ihre Herzen davon übergehen sollte.
Ich bitte sie so aufzunehmen, wie sie gemeint sind. Die Spiele sollen anspruchslos hingenommen werden. Wir können sie natürlich nicht ganz genau in derselben Form, wie sie die Bauern aufgeführt haben, hervorbringen; aber soweit man es kann, soll es versucht werden. Die Musik hat unser Freund, Herr Leopold van der Pals, wiederum zu erneuern versucht. Sie werden sie als Begleitspiel finden. - Zwischen den Spielen wird eine kurze Pause stattfinden. Zwischenhinein werden wir eine Weihnachtsmusik von Corelli bringen und ein Adagio aus der ersten Bach-Sonate. Damit habe ich mir erlaubt, das Wichtigste vorauszuschicken, was zu den Weihnachtspielen zu sagen ist.