Die Entstehung und Entwickelung der Eurythmie 1912–1918
GA 277a — 17 September 1912, Bottmingen
Zweiter Tag
Schon am nächsten Nachmittag durften wir wieder nach Bottmingen herauskommen. An diesem Tage sprach Rudolf Steiner ausschließlich über Konsonanten als Reaktion auf äußeren Einfluss im Gegensatz zu dem ganz im Innern webenden und dieses Innere offenbarenden Wesen der Vokale. Er begann an diesem Nachmittag damit, eine bestimmte Außenwelt zu schildern:
«Stellen Sie sich eine sehr schöne friedliche Abendlandschaft vor. Nicht grandios, sondern weiche, sanfte Hügelketten. Im Hintergrund geht die Sonne eben zwischen zwei Hügeln unter. Ein paar weiße Wolken stehen ruhig, unbeweglich am Himmel und schauen auf ein liebliches Wiesental herab. Ein kleiner Bach fließt leise wie im Traum murmelnd dahin, Bäume und Sträucher stehen an seinem Uferrand und spiegeln sich in seinem stillen Wasser, Blumen blühen auf der Wiese, und auf den Hängen der Hügel stehen Obstbäume voll reifender Früchte. Vielleicht arbeitet dort in der Ferne auf einem der Hänge noch ein Mensch still und ruhig, eingehüllt in diesen Abendfrieden. Die Natur ruht ganz in sich geschlossen. Und durch dieses Tal gehen Sie, hingegeben und aufgenommen in diese ruhevolle Stimmung; und mit jedem Ding, sei es ein Baum, sei es die Sonne, die Wolken am Himmel, die Blumen und Sträucher der Wiese, der Bach an Ihrer Seite, der Mensch dort in der Ferne, die Früchte der Obstbäume, mit allem fühlen Sie sich eins und verbunden und grüßen jedes einzelne mit dieser Bewegung.»
Und dann machte er eine unaussprechlich sanfte, leise sich senkende Handbewegung mit der nach unten gerichteten Handfläche, mehrmals hintereinander, immer wieder die sich entspannende Hand nach oben hebend, und dann wieder, bis in die Fingerspitzen eher gedehnt als gestreckt nach unten sich senkend. Es war wie ein Blatt, das sich von seinem Zweige gelöst hatte und wie von der Luft getragen, sich sanft zur Erde herabsenkte. «Das ist ein d. Lernen Sie es empfinden als Reaktion auf ruhenden äußeren Einfluss. Üben Sie es aus dieser Stimmung heraus, und mit jedem: «Dies durch dich» wenden Sie sich an ein anderes Ding in dieser Außenwelt. Bis in die Füße sollte man von der eben geschilderten Stimmung erfasst werden und versuchen, sie in der Art des Schrittes zum Ausdruck zu bringen.
d Reaction auf ruhenden äussern Einfluss / Dies durch dich «Stellen Sie sich ganz lebendig eine schöne, ganz ruhige, ganz friedliche Abendstimmung vor. Ein Tal in einer sanft hügeligen Landschaft. Im Westen, zwischen zwei Hügeln, geht die Sonne unter. Einzelne, harmonisch geformte Wolken stehen ruhig am Himmel, kein Wind treibt sie oder verändert ihre Form. Ein Bach fließt still und ruhig durch die Wiesen, einzelne Bäume und Sträucher neigen sich über ihn, Blumen blühen an seinen Rändern. In der Ferne, an einem Abhang arbeitet vielleicht noch ein einzelner Mensch, ruhig und stetig, ganz seiner Tätigkeit hingegeben. Alles atmet Ruhe, Gleichmaß und Frieden. Jedes einzelne Ding ruht ganz in sich, ohne Fragen oder irgendein Begehren an seine Umwelt. Und durch diese Landschaft gehen Sie nun, eingehüllt in den gleichen Frieden, jede Einzelheit beachtend, auf jede reagierend mit einer die gleiche Ruhe und Geschlossenheit atmenden Gebärde: Dies durch Dich, Du Sonne, - dies durch Dich, Du Hügel, Du Wolke, Du Blume, Du Mensch. Ihr seid dort draußen in Euch beruhend ohne Warum, und so antworte ich Euch und lebe mich in Euch ein, den gleichen Frieden, die gleiche wunschlose Ruhe atmend.» Dazu bewegte Rudolf Steiner seine Hände in einer unendlich zarten Weise mehrmals von oben nach unten. Wie herbstliche Blätter sanken sie, ohne Schwere, wie getragen von der Luft, leise sich herniedersenkend und wie hindeutend auf das einzelne Ding: «Dies durch dich».
Zum Schluss erzählte Rudolf Steiner noch von der von der unseren so verschiedenen Art des orientalischen Erziehers. Ruhig geht er neben oder hinter seinem Zögling, deutet auf alles, was um ihn herum ist, auf Stein, Pflanze und Tier, Berge und Meere, den Himmel mit allen seinen Lichtern und seinen Wolken, lässt ihn Sturm und Gewitter fühlen und erleben, und das einzige, was er tut, ist, er nennt seinem Zögling den Namen aller dieser Dinge. Er selber aber heißt: der Dada. «Und das ist auch ein d. Dies durch dich.»
Dann änderte sich seine Stimme, lebhaft sagte er: «Und nun stellen Sie sich vor, ein heftiger Windstoß fährt plötzlich in diesen Frieden hinein. Die Wolken verdunkeln die Sonne, der Bach schlägt Wellen, Bäume und Sträucher neigen sich tief ins Wasser, die Äpfel prasseln von den Bäumen, der Hut wird Ihnen vom Kopf geweht, und der Mensch dort oben winkt Ihnen aufgeregt zu. Lauter Fragen und Aufforderungen dringen Ihnen aus der eben noch so ruhevollen AuBenwelt entgegen. ‹Hebe uns auf›, bitten die Äpfel, ‹hol mich wieder›, ruft der Hut, ‹komm mir nicht zu nahe›, warnt der Bach, ‹sorg, dass du unter ein schützendes Dach kommst›, will der Mann mit seinem Winken sagen. Und nun reagieren Sie mit der gleichen Bewegung, aber jetzt ganz energisch und elastisch!» Und wieder machte er die Bewegung vor, nach allen Seiten immer ein kurzes, energisches Herunter- und elastisch wieder Heraufschnellen (aber das f noch nicht in der oberen Sphäre wie in 1924). «Und so lernen Sie ein F empfinden, eine Reaktion auf auffordernden Einfluss. ‹Für frohe Feste.› Und wieder versuchen Sie auch mit den Füßen zum Ausdruck zu bringen, dass Sie diese Aufforderung verstanden haben.»
f Reaction auf auffordernden Einfluss / für frohe Feste Aber dann erhebt sich plötzlich ein starker Wind, und alles wird anders. Die Wolken stehen nicht mehr als harmonische Gebilde am Himmel; eilig ziehen sie dahin, immerfort Form und Farbe verändernd. Statt der Ruhe und des Friedens herrscht lebhafteste Bewegung und ein immer neues Geschehen. Der still dahinziehende Bach schlägt plötzlich Wellen und ruft mir eifrig murmelnd auffordernde Grüße zu. Die Bäume schütteln sich im Wind und werfen mir ihre Früchte entgegen, oder sie neigen sich über den Bach und tauchen ihre Zweige in seine Wellen; Gras und Blumen, selbst Sträucher werden zu Boden gedrückt und stehen zitternd wieder auf. Ein heftiger Windstoß reißt mir den Hut vom Kopf, der Mensch dort drüben erblickt mich plötzlich und ruft und winkt mir zu. Alles ist aus seiner Ruhe und In-sich-Versunkenheit aufgescheucht. Ich selbst muss mich entscheiden, will ich unter jenen Bäumen Zuflucht suchen? Soll ich der Aufforderung des Mannes dort folgen, der mich in ein nahes Haus ruft? Oder will ich weiter durch diesen Sturm gehen, meine eigene Kraft ihm entgegenstellen, ihm lachend Trotz bieten? Eine Menge Fragen, Anregungen, Anforderungen dringen aus der veränderten Außenwelt auf mich ein und anders muss ich auf sie reagieren. f: «Reaktion auf auffordernden Einfluss. Für frohe Feste» Auch diese Bewegung machte Rudolf Steiner mehrmals vor. Nicht sanft schwebend senkten sich die Hände von oben nach unten, sondern mit einer energischen elastischen Bewegung schnellten sie herunter, und auch die Füße stampften kurz und fest den Boden.
Weiter aber sollte ich selbst versuchen, mir eine hässliche, Ablehnung, Abscheu und Ekel erregende, aber vorerst auch «in sich ruhende» Außenwelt so bis in alle Einzelheiten auszumalen und vorzustellen, wie er diese erste, schöne, friedevolle, in sich ruhende geschildert habe. Auch in diese sollte man sich hereingestellt erleben, aber nur widerwillig und ungern einen Fuß vor den andern setzend, gegen jede dieser unverhüllt sich darbietenden Hässlichkeiten eine ruhige, aber deutlich abwehrende Handbewegung ausführen. «Lernen Sie g empfinden als abwehrende Reaktion.»
g abwehrende Reaction / genug gierig genießen [ganz gerne gehen Dann ging es weiter zu g: «Da müssen Sie nun versuchen, sich selbst ein ganz lebendiges Bild einer auch ruhenden, aber unschönen, Ekel, Ablehnung oder Abscheu erregenden Außenwelt auszumalen.» — Versuchen wir es einmal. Vielleicht ein altes verfallenes Kellergewölbe oder eine höhlenartige Schlucht. Wasser tropft eintönig irgendwo in die Tiefe, Eulen und Fledermäuse schwirren herum, ekles Gewürm bedeckt den schlüpfrigen Boden, hinter jeder Biegung scheint es zu lauern - und wir müssen hindurch! Leise, vorsichtig, nur nicht die Aufmerksamkeit all dieses Getiers auf uns lenken! Nur zögernd, gehemmt, nicht voll ausschreitend setzt der Fuß sich nieder. Noch sind wir unbemerkt, unangegriffen. Trotzdem wollen wir versuchen, durch eine wie wegschiebende Geste etwas wie eine Wand aufzurichten zwischen uns und dieser Außenwelt, wenigstens einen kleinen Umkreis von Sauberkeit und Klarheit um uns schaffen.
Und wird auch diese Außenwelt durch irgendetwas aus ihrer Ruhe aufgescheucht und nimmt cine bösartige, bedrohliche Haltung an, dann muss sich diese Abwehr verstärken, kurz, aus dem g muss dann ein & werden, eine ähnliche, [aber] zielgerichtetere Geste wie vorher bei dem f. «k steht zu g wie f zu d.»
k + abwehrende Reaction / kaum kräftig können
Doch wenn man wirklich bedrängt und angegriffen würde, dann sollte man sich mit einer energisch «abstoßenden> Bewegung wehren. Mit einer h-Bewegung - «Und wenn etwas ganz Luziferisches kommt, dann dürfen Sie auch einmal «so» machen!» Und vergnügt lächelnd, vollführte er mit seinem linken Bein einen recht kräftigen Tritt, anscheinend nach irgendeinem vorgestellten Ziel!
h abstossende Reaction / hier heulen heute hyänen Und nun wird es ganz gefährlich. Alles dringt auf uns ein und bedrängt uns von allen Seiten. Jetzt müssen wir uns wirklich unserer Haut wehren: b - Abstoßende Reaktion. Hier heulen heute Hyänen. - «Und wenn einmal etwas ganz Luziferisches auf Sie loskommt, dann dürfen Sie auch einmal mit dem Fuß ein energisches » machen», und vergnügt lächelnd machte Rudolf Steiner es schr kräftig vor.
Und dann klammerte Rudolf Steiner die fünf bis dahin erklärten und kurz notierten Laute d f g k h zusammen und sagte: «Wenn Sie später einmal mit Kindern oder Erwachsenen zu tun haben werden, die aufgeregt, unruhig und nervös sind, dann kann diese Lautfolge d f g k h eine beruhigende und lösende Wirkung ausüben.»
beruhigend Diese erste Gruppe d f g h k bringt eine ganz bestimmte Beziehung zur Außenwelt zum Ausdruck. Wir stehen ihr gegenüber, reagieren auf sie, aber bleiben in unserem Wesen unverändert. Wir gehen auf sie ein, soweit es uns gefällt und angenehm ist. Was uns irgendwie beunruhigen könnte, das wehren wir ab, stoßen es zurück. Diese Gruppe wirkt «beruhigend», kann also therapeutisch angewendet werden, [um] erregte, nervöse Menschen dazu anzuhalten, alles sie von außen her Beunruhigende abzuwehren mit g h k; aber mitzuschwingen und aufmerksam zu sein auf alles Schöne und Lebendige in d oder f.
Der nächste Laut hat nun einen ganz anderen Charakter. Bei ihm, dem , sollte man versuchen, überall draußen in der Natur freie Entfaltbarkeit gewahr zu werden, mitzuerleben und zu versuchen, durch eine Arm- und Handbewegung dieses Empfinden zum Ausdruck zu bringen. Am deutlichsten sei es natürlich im Pflanzenhaften zu gewahren. Das Greifen und Kräftesammeln in der Region der Wurzeln, das Herauftragen der Säfte durch den Stängel, das allmählich sich immer weiter Entfalten der Blätter, das Aufleuchten der Blüten und endlich auch ein Zurücksinken zur Erde im Welken. «Einen ganzen Jahreslauf müssten Sie in dieser Bewegung zum Ausdruck bringen können.» Aber auch im Wässrigen, im Luftigen, sogar in den Formationen der Erde, im Auftürmen der Gebirge, in den sanften Wellen der Hügel sollte man diese freie Entfaltbarkeit empfinden lernen. «Nur dürfen Sie diesen Laut nie mit den Füßen ausdrücken wollen.»
L Gewahrwerden der freien Entfaltbarkeit / leben lang lau (l kann man nie mit / Füßen / markieren) l — «Gewahrwerden der freien Entfaltbarkeit» - das heißt gewahr werdend und nachbildend, nachformend sich verbinden mit allem Werdenden, Schaffenden und Formenden draußen in der Natur. Es heißt: in der Pflanzenwelt miterleben alles Keimen, Wachsen, Blühen, Fruchten, aber auch Welken und Vergehen. Es heißt aber auch: nachfühlen ragende, türmende, wellende, schlängelnde Formen in Gebirge und Tal, es heißt sich einfühlen in Luft und Licht, in versprühendes und verdunstendes Wasser. Wie beweglich, bildsam und nuanciert kann unsere Seele werden durch das l!
Es folgte das m. Da sollte man gewöhnlich vorwärts schreitend seine ganze Aufmerksamkeit, sein ganzes tastendes Empfinden darauf richten, das Etwas zu erfühlen, in dem man sich bewegt. In Wärme oder Kälte, in Schwüle oder Frische, in Regen oder Nebel. Fühlen wie der Wind am Körper vorbeistreicht oder auch Wasser verdrängt werden muss, wenn man vielleicht einen Bach durchschreitet. Wie anders man auf ebenem Weg geht als durch hohes Gras, anders über Sand als auf steinigem Boden. Ja, die Hände sollten anfangs nur auf und ab gebeugt werden, um auch noch den Raum über dem eigenen Kopf ertasten zu können: «Sich fühlen in etwas».
M Sich fühlen in etwas / Mit mut machen gewöhnliche Gebewegung / oder Auf- u. Abbeugen [bewegung?] der / Hände / durch den Wind gehen m — «Sich fühlen in etwas, durch den Wind gehen», durch Wasser gehen, durch Wärme, Kühle, Kälte gehen, und jedes Mal anders gehen, anders fühlen, anderes verstehen. n machte Rudolf Steiner mir vor und ließ es mich nachmachen. Bei dieser Bewegung sei ebenso deutlich wie bei / und m zu erleben, dass es sich oft wirklich um Bewegungen handle, die man in seinem eigenen Kehlkopf und dessen Nachbarorganen beobachten und nachahmend entzaubern könne. Übrigens zog Rudolf Steiner die Hand ebenso flach, aber wohl etwas entspannter zurück, wie er sie von sich weg - wie empfindend etwas berührend - vorgestreckt hatte. N Vorübergehendes Verbundensein / Nicht nur nein / (flache Hände von sich weg und dann an / sich heran) Im Gegensatz dazu n - «nur vorübergehend verbunden sein», flüchtig berühren und sich wieder zurückzichen, dem Nächsten zu. Nippen, naschen, necken, aber auch nicht, nein, niemals, brauchen das n. Es gibt wohl kaum eine Sprache, die nicht mit einem » verneint.
Auch p machte er vor. Sitzend griff er mit beiden Händen seitwärts nach unten und zog, wie einen Sternenmantel, eine Fülle von Farbe und Licht um sich herum. Es war eine unnachahmliche Bewegung voller Würde und Größe.
P Einhüllung / pfeifend preisen / Hände mit Handflächen nach auswärts / in Ohrhöhe - beim Hineingehen.
Zu q sagte er nur noch, man solle es sparsam anwenden, so wie eine Dissonanz in der Musik. Schon in dem kleinen Übungssätzchen kommt dieses heilsame Maß zum Ausdruck: «Stoßen quer, arbeiten quirlig.»
Q Schmerzvolle Reaction / stossen quer - arbeiten quirlig - alles anpressen / von Gliedern an / den Leib Und so führt uns diese zweite Gruppe ganz. herein in die Außenwelt in der verschiedensten Art bis zur «schmerzvollen Reaktion»!
Auch diese fünf Laute l m n p q fasste Rudolf Steiner zusammen und sagte: «Diese Gruppe nun wirkt exzitierend, anregend. Die müssen Sie Menschen machen lassen, die müde, abgespannt und schläfrig in Ihre Stunde kommen. Da werden sie wieder wach, angeregt und interessiert.»
[Transkription wie oben, zusammenfassend:] excitierend
Zuletzt sprach er noch über r, über dieses Mitgerissen-Sein - wenn der Wind davonträgt. Natürlich konnten weder er noch ich es in dem kleinen Raum vormachen oder versuchen. Dr. Steiner betonte aber sehr deutlich, man müsse immer wieder versuchen, «den Moment zu erwischen, wo der Schritt übergeht in den Lauf». r wirkt nun weder beruhigend noch anregend, aber neutral und bekräftigend und sollte darum jedes Mal nach einer solchen Lautfolge gemacht und geübt werden. Denn «es bringt das ganze Vorhergehende in eine richtige Beziehung zu dem, was schon da ist». So hieß dieser Satz wohl wörtlich, über den viel nachzudenken ist, den man aber immer bei wiederholtem, aufmerksamem Tun doch leise an sich selbst erproben und erleben kann, wenn man nämlich immer wieder versucht, was Rudolf Steiner ganz zu Anfang gesagt hatte, «das Herz in den Kopf zu nehmen».
R Mitgerissensein (wenn der Wind davonträgt. / Richtung rechter Rand / (wo übergeht der Schritt in den / Lauf) neutral / aber bekräftigend. Als letzten Laut besprach Rudolf Steiner an diesem Tag noch das r, welches er in diesem Zusammenhang - «beruhigend» und «exzitierend» - als «neutral, aber bekräftigend», bezeichnete und als Abschluss für jede der beiden Gruppen ansetzte. «Das r befestigt die gewollte Wirkung mit dem, was schon da ist. r — mitgerissen sein, wenn der Wind davonträgt, wo übergeht der Schritt in den Lauf.»
Dann sprach er noch darüber, wie man zu einem wirklich realen Erleben der Konsonanten kommen könnte. Man sollte sie wirklich draußen in der Natur, die er an diesem Tage immer wieder angeführt und geschildert hatte, intensiv erleben. Er sagte wirklich (leider glaubt man es mir nie so weit, dass man es selbst versucht): «Gehen Sie hinaus und lassen Sie sich wirklich einmal vom Wind im r davontragen. Sehen Sie, wie Schilf oder Getreide, wie Strauch und Baum vom Wind hin und her geweht werden. Versuchen Sie, all diese Bewegungen mitzumachen, denn auch stehend kann man Mitgerissensein» erleben. Oder gehen Sie einen steilen Abhang hinunter und spüren Sie, wie Sie ins ‹Laufen› kommen. Auch da ist r. — Versuchen Sie im m sich durch tiefen Nebel oder Dunkelheit hindurchzutasten oder den Unterschied zwischen Sonne und Schatten durch diesen Laut zu empfinden. - Fühlen Sie im die Zartheit der einen und das Raue der anderen Rinde, den samtigen Schmelz einer Blume, aber auch einmal einen heißen Ofen oder ein Stück Eis in dieser ‹vorübergehenden Verbundenheit›. - Versuchen Sie ein p zu formen, wenn Sie in eine Hütte oder in einen Wald hineingehen.» So könnte man erreichen, alle diese Konsonanten innerlich erlebt und erfüllt zu gestalten. «Darauf müssen Sie achten lernen, auf diesen einen, feinen Moment, wo aus dem Schritt der Lauf wird, nicht von Ihnen gewollt, sondern der Wind tut es.» Und weiter sagte er: «Es wird sehr gut sein, gerade diese Konsonanten, die ich Ihnen heute gesagt habe, nun wirklich draußen in der Natur in den verschiedenen Stimmungen, die ich Ihnen geschildert habe, aufzusuchen, zu erleben und nachahmend zu gestalten. Erleben und üben Sie draußen ein n, indem Sie wirklich durch den Wind gehen oder im Nebel. Lassen Sie sich wirklich davontragen von dem Wind. Schlüpfen Sie empfindend hinein in die Zweige eines vom Wind hin und her gewehten Baumes.»
Diesen Rat Dr. Steiners möchte ich eindringlich weitergeben. Lernen Sie Ihre Konsonanten wirklich da draußen in der Natur, wenden Sie sich hin zu Stein und Pflanze, zu Sonne und Sternen, Wind und Woge. Eine größere Mannigfaltigkeit, eine feinere Nuancierung, bessere, geistvollere Einfälle finden Sie nirgendwo.
d die Reaction auf äusseren Einfluss -/ Correspondierende Handbewegungen z.B. / dies durch dich
f die Reaction auf auffordenden Einfluss / für frohe Feste
g abwehrende Reaction / ganz gerne gehen
h abstossende Reaction / hier heulen heute hirten
K abwendende Reaction / kaum kräftig können
L Gewahrwerden der Freien Entfaltbarkeit / lang lau leben
M Behagliche Reaction - sich fühlen in etwas / lang Mit Mut machen
N Vorübergehendes Verbundensein / Nicht nur nein
P Einhüllung / pfeifend preisen
Q Schmerzvolle Reaction / stossen quer - brechen quirlig
R mitgerissensein
S Richtung rechter Rand
T Bezwingende erhabene Reaction
W Das Furchtbereitende
Vorbereitungsnotizen Rudolf Steiners zu dieser Stunde
D: Reaktion aufruhenden Einfuss
G: abwehrende Reaktion —
K: abwehrende Reaktion +
H: abstoßende Reaktion
L: Gewahrwerden der freien Entfaltbarkeit [verwandt j]
N: Vorübergehendes Verbundensein - [wie etwas ergre fen]
P: Gefühl, wie von etwas eingehüllt sein - wenn man z.B. andeuten will, man tanzt in einer Hütte—
Q: Schmerzesvolle Reaktion R:
V. empfinden - etwas wie in der Hand haben oder auch nur berühren —
S- immer das gemeinsame Bewegen oder Formgeben mit einem Gegenstand —
F- Reaktion auf au ffordernden Eirfluss
B: etwas in der Hand haben das wieder auf den Leib zurückwirkt —
M: Sich fühlen (wie in der Luft) gewöhnliche Gehbewegung oder Auf- und Abbeugen der Hände - wie durch den Wind gehen - [wie die Luft zurückschieben]
R: Mitgerissen wenn der Wind davonträgt (wo der Schritt übergeht in den Lauf)