Die Entstehung und Entwickelung der Eurythmie 1912–1918

GA 277a — 31 August 1915, Dornach

Vierzehnte Stunde

Die Umkehrung der hier gegebenen Übung «Wir suchen uns» wurde in der 17. Stunde vom 6. September 1915 als Auftakt für das «Lied der Initiation» eingeführt. - Der zweite Teil der Stunde knüpfte an die 13. Stunde an, indem weitere Möglichkeiten für Gedichtgestaltungen auf Stufen mit Haupiperson und Chor hier in Bezug auf über- und untergeordnete Gedanken - gegeben wurden.

Formen für Kinder und junge Leute

Formen, die gut sind für Kinder und junge Leute. // Das Üben mit Kindern. // Übungen für Kinder. // Auch als Auftakte zu verwenden

Schau in dich, Schau um dich

277a-233
277a-233

Vier Menschen stehn im Quadrat. Hin und zurück machen vier Menschen

beim Hingehen: Schau in dich
beim Zurückgehen: Schau um dich

Schau in dich! - Alle gehen mit einer einwickelnden Spirale zum Platz des nächsten, dabei Vokale gestaltend. // Einwickelnd und vokalisch. Schau um dich! — Alle gehen mit auswickelnder Spirale zum Ausgangspunkt zurück, Konsonanten gestaltend. // Zurück auswickeln und konsonantisch.

Mehrmals wiederholen.

Dies kann man so machen, ist aber keine Vorschrift. Die Form en face laufen, nicht en profil. 1. Entweder wird die Form gemacht während der Rezitation der Worte. 2. Oder auf Musik, dann aber nicht die Bewegung der Worte, sondern musikalische Werte, z.B. Dur und Moll.

Wir waren damals nur vier Personen, darum die Form im Viereck. Aber Dr. Steiner sagte ausdrücklich, man könne auch mehr Personen nehmen, z.B. 6-8 etc.

277a-234
277a-234

Wir suchen uns - Wir leben uns - Ganz nah

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277a-235
  1. (I) Jede auf den nächsten Platz
  2. (II) Diagonale und aneinander vorbei
  3. (III) Sich umdrehen, in die Mitte laufen, die Arme ausbreiten, ohne sich zu berühren
  1. Wir suchen uns (vokalisch): Jeder läuft von rechts nach links zum Platz des Nächsten.
  1. Wir leben uns (vokalisch): In einer Diagonale die Plätze wechseln.
  1. Ganz nah (vokalisch): Jeder läuft aus seiner Ecke zu dem kleinen Quadrat, dabei ein a bildend, das schmal angesetzt wird, sich öffnet, sodass die Hände sich gegenseitig fast berühren. Dann mit raschem, leichtem Schwung zurück und den Auftakt [die Form] wiederholen. Dieser letzte Weg darf nichts von einem Akzent haben.

[Das Ganze] viermal.

Die einzige dieser Formen, die der Nase nach gelaufen wurden, ist ja: «Wir suchen uns» und der «Satirische Auftakt».

Wir wollen uns suchen - Wir fühlen uns nah — Wir kennen uns wohl

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277a-236

Ausgangspunkt (es muss eine gerade Anzahl von Menschen sein). Einmal herum und dann ankommen, wo die schwarzen Punkte sind; dann die Lemniskate machen, zweimal herum und dann an den Punkten stehen bleiben. Dann die innersten Zirkel.

(I) Wir wollen uns suchen
(II) Wir fühlen uns nah
(III) Wir kennen uns wohl

Das ist sehr gut für Kinder, viel besser als Turnen oder irgend so etwas.

277a-237
277a-237
  1. Wir wollen uns suchen 2x
  2. Wir fühlen uns nah 2x
  3. Wir kennen uns wohl 2x

Betonen müsstest Du aber, dass die ganze Form frontal gemacht wurde. Jetzt 1.MSan EvD läuft man sie oft der Nase nach.

Bei der dritten Form laufen alle zweimal die Kreise [...], auf jeden betonten LMS, Vokal einen Halbkreis: Wir kennen uns wohl. Frau Dr. sprach jeden der Sätze B16-11.1964 zweimal, und wir liefen in den Pausen weiter. [...]

  1. 1½-1¾ mal die Ellipse laufen; Wir wollen suchen. 2. 1½ die Acht laufen: Wir fühlen uns nach. 3. 2mal die inneren Kreise laufen: Wir kennen uns wohl.
  1. 1½ — oder 2mal die Ellipse laufen: Wir wollen suchen. 2. 1½ oder 2mal die Acht laufen: Wir fühlen uns nah. 3. 1½ oder 2mal die inneren Kreise laufen: Wir kennen uns wohl.

Gedichtgestaltung auf Stufen nach über- und untergeordneten Gedanken

Auf diesen drei Stufen haben wir auch «Gedankenmäßiges» geübt und aufgeführt. Oben: übergeordnete Gedanken; zweite Stufe: untergeordnete oder berührende; ganz unten: untergeordnete, aber wie mit einem neuen Impuls. Z.B. «Im flachen Bett schleicht er das Wiesental hin» [in: «Gesang der Geister über den Wassern»]; während: «Der du von dem Himmel bist» nur auf erster und zweiter Stufe.

So eingeteilt kann gemacht werden:

277a-238
277a-238

J. W. Goethe: «Wanderers Nachtlied» (1780) 1 Über allen Gipfeln
Ist Ruh’, (von der Mitte aus eurythmisiert)
IIa In allen Wipfeln
Spürest du
IIb Kaum einen Hauch;
IIa Die Vögelein schweigen im Walde
IIb Warte nur! Balde,
I Ruhest du auch. J. W. Goethe: «Wanderers Nachtlied» (1776) I oben Der du von dem Himmel bist,
Alles Leid und Schmerzen stillest,
II links Den, der doppelt elend ist,
II rechts Doppelt mit Erquickung füllest,
II links Ach, ich bin des Treibens müde!
II rechts Was soll all der Schmerz und Lust?
I oben Süßer Friede,
Komm, ach komm in meine Brust! MS, Nb 139

277a-239
277a-239

Für Aufteilung in mehrere Personen eignen sich zum Beispiel von Goethe: «Der Sänger»; «Die wandelnde Glocke»; «Wanderers Nachtlied: Der du von dem Himmel bist»; «Gesang der Geister über dem Wasser»; «Der Zauberlehrling».

J. W. Goethe: «Gesang der Geister über den Wassern» (1779) I oben Des Menschen Seele
Gleicht dem Wasser:
II links Vom Himmel kommt es,
II rechts Zum Himmel steigt es,
Ill unten Und wieder nieder
Zur Erde muss es,
I oben Ewig wechselnd. (MSt: III unten) I oben Strömt von der hohen,
Steilen Felswand
Der reine Strahl,
II links Dann stäubt er lieblich
In Wolkenwellen
Zum glatten Fels,
II rechts Und leicht empfangen
Wallt er verschleiernd,
Leisrauschend,
II unten Zur Tiefe nieder. I oben Ragen Klippen
Dem Sturz entgegen,
III links Schäumt er unmutig
II rechts Stufenweise
II unten Zum Abgrund. III unten Im flachen Bette
I rechts Schleicht er das Wiesental hin,
II links Und in dem glatten See
I oben Weiden ihr Antlitz
Alle Gestirne. I oben Wind ist der Welle
II links Lieblicher Buhler;
II rechts Wind mischt vom Grund auf
II unten Schäumende Wogen. III unten Seele des Menschen,
II rechts Wie gleichst du dem Wasser!
II links Schicksal des Menschen,
I oben Wie gleichst du dem Wind!

[Mit Sinnformen ergänzt:]

277a-240
277a-240

Des Menschen Seele / gleich dem Wasser: oben // Ewig wechselnd oben / Strömt von der hohen / Steilen Felswand oben / der reine Strahl

277a-241
277a-241

Ragen Klippen / Dem Sturz entgegen oben // Weiden ihr Antlitz / alle Gestirne.

Rudolf Steiner: Aus dem Anthroposophischen Seelenkalender, Spruch 22

Das Licht aus Weltenweiten oben
abstrakt seelisch [abstrakt außen kosmisch]
Im Innern lebt es kräftig fort oben
seelisch abstrakt
Es wird zum Seelenlichte links [abstrakt] Und leuchtet in die Geistestiefen, rechts [seelisch abstrakt]
Um Früchte zu entbinden links
abstrakt
Die Menschenselbst aus Weltenselbst rechts
seelisch abstrakt [kosmisch abstrakt]
Im Zeitenlaufe reifen lassen. oben [einheitl. Verbum] Das Licht aus Weltenweiten oben
seel. abstrakt [kosm. abstrakt]
Im Innern lebt es kräftig fort oben
seel. abstrakt
Es wird zum Seelenlichte links [seelisch abstrakt] Und leuchtet in die Geistestiefen, rechts [kosmisch abstrakt]
Um Früchte zu entbinden links
kosmisch
Die Menschenselbst aus Weltenselbst rechts
kosmisch abstrakt kosmisch abstrakt
Im Zeitenlaufe reifen lassen. oben
kosmisch abstrakt [dauernd]

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