Die Entstehung und Entwickelung der Eurythmie 1912–1918

GA 277a — Dornach

Aus Der Arbeit In Dornach 1916/17

Neben den hier dokumentierten Beispielen aus der Eurythmiearbeit in Dornach wurde - nachdem 1915 mit den Osterchören, der «Anmutigen Gegend» und der «Himmelfahrt» - begonnen worden war - 1916 und 1917 auch = viel an Szenen aus Goethes Faust gearbeitet, wobei die Eurythmie immer im Mittelpunkt stand. So wurden 1916 die Szenen «Zueignung» bis «Prolog im Himmel», die «Grablegung» (Faust II, 5, Akt), der Pakt im «Studierzimmer» und die «Romantische Walpurgisnacht» einstudiert; 1917 folgten die Szenen «Finstere Galerie» (Faust II, 1. Akt) bis «Laboratorium» (Faust II, 2. Akt); 1918 bis Anfang 1919 wurden schließlich die Szenen der «Klassischen Walpurgisnacht» einstudiert und aufgeführt. - Rudolf Steiner und Marie Steiner führten dabei Regie, gaben Hinweise für spezielle eurythmische Bewegungen, Bühneneinrichtung, Kleidung, Beleuchtung etc. Einige wenige erhaltene Unterlagen zu dieser frühen Arbeit am «Faust» werden im folgenden Band (GA 277b) dokumentiert; erst in den 1920er- Jahren gab Rudolf Steiner eurythmische Formen für einzelne Szenen, die in die Eurythmie-Aujführungen integriert wurden.

Fercher von Steinwand: «Chor der Urträume»

Der «Chor der Urträume» wurde in Dornach am 14. April 1918 mit sieben Euryihmisten erstmals aufgeführt.

Fercher von Steinwand: Chor der Urträume, 7.-10. Strophe

  1. Darf sich ersonnene
    Sonnen erfliegen, Schau um dich, schau in dich
    In den verborgensten Höhen sich wiegen
    Wir suchen uns / Wir leben uns ganz nah
    Und an entronnene Wir wollen uns suchen / Wir fühlen uns nah
    Sterne sich schmiegen;
  2. Darf sich verbündeten ½1 Z. Wir kennen uns wohl
    Götter mit blanken, 1. Z. ½2 Z. Schau um dich
    Mutigen Armen des Glaubens umranken
    Über entzündeten Es hallt = Kreis der Gottheit / (Wolkendurchleuchter)
    Donnergedanken!
  3. Aber wir Trachtenden 9 Str. Konsonanten der betonten langen Silben / Es
    Finden uns wieder,
    Wenden den Glanz der entlasteten Glieder
    Rührig zum schmachtenden
    Dunkel hernieder.
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  1. Wo wir Empfindungen 10 Str. in3 Kreisen / innen: Zeitw. Präpos.
    Copula, Interjekt. - vokalisch / Mitte: Adj. Adv. relat. Pron., Artikel, Num. / aussen: Substantiva, persönl. u. hinweis. Fürw. Kons. Eint
    Geisterhaft lenken,
    Fruchtend als Mütter Befruchtendes schenken,
    Weltentbindungen 4. u. 5. - Furcht-form, Schrecken
    Denken, erdenken!

Johann Wolfgang von Goethe: «Prooemion»

Prooemion Goethe (Gott und die Welt) 1 Im Namen dessen, der Sich selbst erschuf
2 Von Ewigkeit in schaffendem Beruf;
3 In Seinem Namen, der den Glauben schafft,
4 Vertrauen, Liebe, Tätigkeit und Kraft;
5 In Jenes Namen, der, so oft genannt,
6 Dem Wesen nach blieb immer unbekannt: Bei unterstrichenen Lauten - ein Schritt.
7 So weit das Ohr, so weit das Auge reicht, Profil zum Publikum
8 Du findest nur Bekanntes, das Ihm gleicht,

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9 Und deines Geistes höchster Feuerflug
10 Hat schon am Gleichnis, hat am Bild genug; 10-I. Stehend Vocale; II-Cons. Formen 10 Zeile
11 Es zieht dich an, es reißt dich heiter fort,
12 Und wo du wandelst, schmückt sich Weg und Ort;
13 Du zählst nicht mehr, berechnest keine Zeit,
14 Und jeder Schritt ist Unermesslichkeit. 14. Zeile jeder Schritt / 14. Z. Jede macht einen % Kreis / Unermesslichkeit

Friedrich Hebbel: «Die Weihe der Nacht»

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277a-342

Die Weihe der Nacht, Hebbel / zu zweit 1 Nächtliche Stille!
2 Heilige Fülle,
3 Wie von göttlichem Segen schwer,
4 Säuselt aus ewiger Ferne daher.
5 Was da lebte,
6 Was aus engem Kreise
7 Auf ins Weit'ste strebte,
8 Sanft und leise
9 Sank es in sich selbst zurück
10 Und quillt auf
11 in unbewusstem Glück.
12 Und von allen Sternen nieder
13 Strömt ein wunderbarer Segen,
14 Daß die müden Kräfte wieder
15 Sich in neuer Frische regen,
16 Und aus seinen Finsternissen
17 Tritt der Herr, so weit er kann,
18 Und die Fäden, die zerrissen,
19 Knüpft er alle wieder an.

Christian Morgenstern: «Gefühl»

Das Gedicht rude von Tatiana Kisseleff am 11. Juni 1918 in Dornach erstmals angeführt.

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277a-343

Christian Morgenstern: «Gefühl» Ha! fühl’s du musst... Ha- Hojfnung: Fussspitzen nach oben, Leib etwas vor. Blick gerade aus. Hände seitwärts untencjfen. fühl’s Gefühl: Richtung der Gebärde u. des Antlitzes nach oben, nicht gross, gemessen. Befehl od. Aufforderung: links-rechts 2 Schritte
Ein Neues gärt empor ... Fußstellung: ich verstehe. mutig. Ruf
Mit tausend Armen krampft. [kons.] und reckt [kons.] sich’s auf... Fußstellung: tätig. Rechter Fuss energisch vor.

Ein dunkler [alle Laute] graunvollsüsser Lärm schwilltan ... Fußstellung: Spannung. erregt.
So rollt das Meer [alle Laute] in Vorsturmmelodien ... hören große Gebärde. Fußstellung: Spannung
O Kraft, [kons.] o Leben! [kons.] Komm herauf! [vokalisiert] herauf!
Ruf. O-Ruf: willensartig; nach unten o-Ruf: gefühlsartig; nach oben Empfindungsausdruck
Ein neues Erdenfest
Entfrühlinge der Völker trägem [vokalisch] Schoß Aufforderung - Ruf. das e nur mit Finger
Ja! Ja! [vokalisch] du willst! [kons.] Fußstellung: Bejahung doppelt. Gebärde: Erfüllung Gebärde willensartig nach unten. Fußstellung: tätig Ich fühl es [vokalisch] ja! Gefühl nach oben.
Ich fühl’s [vokalisch] Gebärde vokalisch, gemessen nach oben

German original of From the Work in Dornach 1916/17 · ← Previous · Next →