262
GA 277d — 12 March 1923
An Rudolf Steiner in Dornach
Montag, 12. März 1923, aus Berlin
12/III 23 Lieber E.
unsere Reise1 ging gut von statten, hoffentlich auch die Deine. Nur das lange Warten am Bahnhof in der Kälte war recht unangenehm. Hier ist alles ausverkauft, so dass wir gut einige Vorstellungen hinzufügen können. Der Gräfin Keyserlingk2 habe ich für den 24. abgeschrieben, und gesagt, dass wir vielleicht Ende April oder Anfang Mai im Anschluss an Prag Breslau besuchen könnten. Mit Mörike könnte ich mich schon anfreunden. Den richtigen Rhythmus findet man ja am schnellsten durch die Eurythmie. Hier füge ich einige Gedichte bei,3 die mit eurythmischen Formen von Dir entzückend sein würden. Darf ich sie als Geburtstagsgabe erbetteln? Wenn ich sie hier in Berlin bekäme, könnten wir noch etwas üben. Ich denke, dass wir Mittwoch den 21. abreisen. Aber Frl. Bauer4 würde wohl so gut sein, mir Kopien zu verfertigen; die Originale hätte ich lieber bei Frl. Lehmann aufbewahrt gewusst. Verzeih, dass ich schon so verfüge; das kommt, weil Du immer so lieb drauf eingegangen bist. - Hoffentlich wälzt sich nicht zu viel Schweres wieder an Dich heran.
Mit herzlichstem Gruß Marie
-
Marie Steiner war mit der Eurythmiegruppe bis zum 21. März in Berlin. ↩
-
Johanna v. Keyserlingk (1879-1966), Mitglied seit 1918, Gemahlin des Grafen Carl Wilhelm auf dem Gut Koberwitz bei Breslau. ↩
-
Eduard Mörike «Um Mitternacht», «Die Geister am Mummelsee», «Zwei Liebchen», «Der Zauberleuchtturm». ↩
-
Sophie Bauer (1882-1958), ausgebildete Malerin, lernte 1905 Schriften und Vorträge Rudolf Steiners kennen, Mitglied seit Januar 1914. Von ca. 1917/18 an in Dornach; vornehmlich im Zusammenhang mit der Eurythmie überall helfend tätig. ↩