Neunundfünfzigste Konferenz

GA 277d — 18 September 1923, Stuttgart

Am 9. September, nach seiner Rückkehr aus England, sprach Rudolf Steiner zu den Mitgliedern in Dornach über die positiven Erfahrungen in England. Etwas von dieser Hochstimmung klang auch noch durch in der Konferenz am 18. September. Am Morgen hatte Steiner verschiedene Klassen besucht. Die Sommerferien waren vorbei und er hoffte auf «ein bisschen neue Impulse in der Schule». Schon am nächsten Morgen verließ er Stuttgart und fuhr wieder nach Dornach zurück.

Themen: Der Auftritt der Waldorflehrer in England. Über die Std-lung der Frau im klassischen Altertum. Über die Dekadenz der Männer. Zu den Eurythmiefiguren. über ein taubstummes Mädchen, das aufgenommen werden soll. Kinderbetrachtungen von Schülern aus dem 4. und 5. Schuljahr. Neubesetzungen. Die dritte 5. Klasse wird eingerichtet.

Bemerkungen: Am 30. März 1923 hatte Steiner Violetta Plincke für ein Jahr in die Ferien geschickt, da er ihr Bleiben in der Schule aus gesundheitlichen Gründen nicht verantworten konnte (siehe 50. Konferenz). Jetzt teilte er mit, dass er sie gefragt habe, zu Margaret Cross nach Kings hangle} zu gehen und ihr beim Aufbau eines Waldorfunterrichtes an ihrer Schule zu helfen. Zwei bedeutende Kinderbetrachtungen fanden statt. Bei einer wusste Steiner nicht, was zu tun sei, Aber dass etwas zu tun sei, dessen sei er sich sicher.

Er stellte für den Herbst eine Arbeit mit den Lehrern in Aussicht> da «können wir dann höheres Pädagogisches besprechen».

Vorsitz: Rudolf Steiner.

RUDOLF STEINER: Es ist vor meiner Abreise noch zu besprechen das Schicksal der 5. Klasse, und die Erfahrungen und Wünsche, die zu verzeichnen sind, möchte ich hören.

Eine Sache: Von den großen Erfolgen derjenigen Lehrer, die nach England gefahren sind, werden sie selbst berichtet haben. 1-laben Sie nicht von den Erfolgen der Waldorflehrer berichtet? Es ist ja tatsächlich so, dass das Wirken der Lehrer dort einen großen Eindruck gemacht hat, und wenn Sie hinter die Kulissen sehen, so ist es doch auch die Tatsache gewesen, dass die Waldorflehrer jeder eine Individualität ist, was einen großen Eindruck gemacht hat. Es hat jeder als Individualität gewirkt.

Der Eindruck, den Baravalle gemacht hat mit der Metamorphosierung der Flächen, was in den pythagoreischen Lehrsatz einläuft, das hat einen ungeheuer tiefen Eindruck gemacht. Dann war ein tiefer Eindruck da von Fräulein Lämmerts Darstellung des musikalischen Unterrichts. Es war so. Dann machte Dr. Schwebsch Eindruck durch sein Können und sein Wissen. Dr. Schubert wirkte so überzeugend für die Wahrheit der Waldorfschule im Ganzen. Nun, nicht wahr, von Dr. von Heydebrand muss man immer dasselbe sagen. Sie macht den Eindruck, dass die meisten sagen: Von so jemandem möchte ich meine Kinder unterrichtet haben. Sie macht diesen Eindruck. Nun, Fräulein Röhrle hat sich mehr hinter den Kulissen gehalten, und mir scheint, dass nur sie selbst von ihrem Erfolg dort sprechen kann,

Ist [die letzte Nummer] des «Goetheanum» da? Dann also möchte ich empfehlen, sich zu informieren, indem Sie das Buch von Miss McMillan anschaffen, dass es jeder liest: «Education through. the Imagination.» Es ist, nicht wahr, ein Buch — ich habe in mein Exemplar Folgendes hineingeschrieben, das habe ich nicht in den Aufsatz geschrieben: Es ist so, wie wenn jemand sehr gut zu beschreiben vermag die Speisen, die auf den Tisch kommen, ohne zu wissen, wie sie in der Küche zubereitet werden. — Diese Oberschicht e, diese Analyse der Oberschichte der Seele, insofern die Seele imaginative Kräfte entfaltet, nicht die Arbeit, die das hervorruft, das also ist sehr interessant im Buche dargestellt. Eine deskriptive Beschreibung der Kindesseele, [ausgezeichnet], nur kennt sie nicht die Kräfte, aus denen das entsteht. Ich glaube, dass gerade, wenn aus der Anthroposophie heraus die Unterlagen geliefert werden, all die Dinge, die bloß deskriptiv sind, überall gut beleuchtet werden können, dass jeder, der Anthroposoph ist, gerade dadurch sehr viel von dem Buch hat, weil er ungeheuer viel von der Anthroposophie hineinlesen kann. Es ist eine Notenskizze, die jeder für sich wunderbar ausarbeiten kann, weil es Anlass gibt, sehr viel Anthroposophie durchzuarbeiten,

Miss McMillan möchte zu Weihnachten mit einigen Hilfskräften, mit einigen Lehrern hierherkommen, Ich möchte bitten, dass sie anständig behandelt wird. Sie gilt einigen als die bedeutendste pädagogisch-reformatorische Kraft. Sie meint, dass es [zu] Weihnachten wäre. Wenn man in ihre Schule kommen würde, würde man vieles sehen, auch ohne Kinder. Sie ist ein pädagogisches Genie, Sie wird es schon so einrichten, dass sie vorn Unterricht etwas sieht. Ich habe ihr gesagt, wenn sie ohne Unterricht die Schule ansieht, dass sie nichts davon hat.

Der Zürcher Kurs war vorgesehen, und als ich mit Wachsmuth von England zurückkam und diese Nachricht dort war, dass dies ernsthaft werden soll, wurden die beiden [fast] ohnmächtig. Das wird abgeändert, das wird zu Ostern sein.

Da werden wir auch zum ersten Male Osterspiele machen. Ich habe Steffen den Auftrag gegeben, das zu ordnen; das wird zu Ostern sein. Das war dies.

Nun, wir können — haben vielleicht die in England gewesenen Lehrer selbst etwas zu sagen?

HERMANN VON BARAVALLE fragt, ob für solche Dinge wie Nähkarten das zwölfte Jahr etwa das richtige sei für die Kräfte, die daran entfaltet werden; wegen der Geometrie.

RUDOLF STEINER: Ja, das ist richtig. Nach dem zwölften Jahre ist es zu spielerisch. Ich würde nur nie Dinge [zum Arbeiten] in die Schule einführen wollen, die niemals im Leben vorkommen. Es kann sich kein Lebensverhältnis ergeben [aus etwas], worin kein Leben steckt. Die Fröbel-Dinge sind für die Schule erfunden. [Es sollte aber nichts nur für die Schule erfunden werden.] Nur Dinge aus der äußeren Kultur, aus dem wirklichen Leben, sollten in entsprechender Form in die Schule hineingetragen werden.

In Kings Langley ist Miss Cross. Sie ist unglücklich darüber, dass ein Komitee zustande gekommen ist zur Einrichtung einer Waldorfschule. Die Miss Cross wollte als eine Art Ausgleich haben, dass sie eine Lehrkraft von hier bekäme. Nun habe ich Frau Plincke gebeten, dass sie hingeht, und sie wird auch hingehen. Zunächst geht sie hin, und wir werden abwarten.

KARL SCHUBERT berichtet über seine Eindrücke von der Tagung in England.

RUDOLF STEINER: Man muss aber berücksichtigen, der Engländer versteht die bloße Logik nicht, selbst wenn sie poetisch ist. Es muss alles in konkrete Bilder gebracht sein. [Sobald man in eine bloße Logik hineinkommt, kann der Engländer nicht darauf eingehen. Seine ganze Mentalität versteht nur, was konkret ist.]

ERICH SCHWERSCH meint, die Leute dort organisieren aus Improvisation. Man hat den Eindruck, als ob die Fähigkeit an der Grenze wäre.

RUDOLF STEINER: Es fuhren sämtliche Anthroposophen, die dort waren, und auch noch andere Gäste, von Wales nach London. Es waren nur Kursteilnehmer von Penmaenmawr; es wurde ein Extrazug von Penmaenmawr geführt. Wir waren die zwei Waggons und ein Gepäckwagen. Es wird der Zug so spät hereingeschoben, dass es schnell geht. Nun kommt der Schaffner, das Gepäck ist draußen. Wachsmuth sagt, es muss herein. Es kam alles herein. Die Passagiere sorgten dafür, dass der Zug wartete. Das ist etwas, was in Deutsch-land nicht möglich ist. Es ist an gewissen Stationen eine große Unordnung. Hier weiß man nicht, was geschieht, dort muss man selbst zum Gepäckwagen gehen. In Manchester stoßen zwei Gesellschaften zusammen. Da führen die Beamten einen Krieg. Die einen wollten es nicht aufnehmen, die anderen wollten uns loskriegen. Das Gepäck kommt oft weg, aber es kommt auch wieder. Diese Privatgeschichte hat ihre Richtigkeit, aber auch ihre Schattenseiten. Von solchen Stationen, da fahren am Sonntag keine Züge ab, weil die Aktionäre der Eisenbahn dieselben sind wie die der Hotels. Damit die Leute bis Montag bleiben, gehen am Sonntag keine Züge. — Das Innere von Penmaenrnawr habe ich im Vortrag auseinandergesetzt.

PAUL BAUMANN: Sie sprachen in England von der Stellung der Frau in Griechenland. Sie sei nicht als Mensch behandelt worden. Schur gibt Schilderungen von den Mysterien, wo die Frau doch anscheinend eine große Rolle spielt.

RUDOLF STEINER: Die Frau als solche spielte schon eine Rolle. Namentlich diese, die ausgewählt waren für die Mysterien. Das waren Frauen, die nicht eigentlich Familienfrauen waren. Die Frau, die zur Familiengründung da war, die wurde niemals zum öffentlichen Leben herangezogen. Die Kindererziehung ist im Hause verlaufen. Es wurde intensiv damit gerechnet, dass die Frau nicht teilnimmt am öffentlichen Leben. So konnte sie an das Kind bis zum siebenten Jahr nichts von dem politischen Leben herantragen. Der Vater sah das Kind nicht vor dem siebenten Jahr, er kannte es kaum.

Es war ein Unterschied in der Lebensweise, Es galt nicht als ein minderer Platz des Menschen. Die für die Mysterien ausgewählten Trauen spielten oft sogar eine große Rolle. Dann diejenigen, deren Typ Aspasia ist.

Nun, die 5. Klasse müssen wir teilen. Ich hätte gerne eine männliche Lehrkraft gehabt aus einem einfachen Grunde, weil, nicht wahr, die Leute sagen werden, wir besetzten unser ganzes Kollegium nur mit Frauen. Da wir aber noch nicht eine überwiegende Mehrheit von Frauen haben, und es sich noch immer die Waage hält, und tatsächlich kein Mann als Lehrer zu finden ist — er gedeiht nur in fürchterlicher Dekadenz —, wird uns nichts anderes übrig bleiben. Jetzt, als ich Umschau hielt nach Befähigungen, hat mich das zu einer Art Statistik veranlasst. Ich habe nachgeschaut, wie die Dinge stehen. Es ist tatsächlich so, dass man in einem Mittelschulschema die größere und weitere Befähigung bei den Frauen findet. Die Männer haben mehr nur für die Fächer Befähigungen, die unbedingt notwendig sind; die Frauen haben [deren] eine ganze Reihe. Die Männer sind dekadent, das gehört zu den schrecklichen Erscheinungen der Zeit. So ist es nicht anders gewesen, als dass ich dieses Fräulein anstellte. Ich glaube, dass sie eine gute Kraft werden kann. Sie hat promoviert mit einer Dissertation, die anknüpft an diese Bemerkung, die in den Zyklen steht, wie Homer beginnt: «Singe mir, Muse, den Mann ...» und Klopstock: «Singe unsterbliche Seele.» [Die 5c wird also jetzt geführt werden von Fräulein Dr. Martha Haebler.] Sie scheint mir tüchtig zu sein. Und sie ist die Schwägerin von Spiess, kann also bei Spiess erfragt werden. Wir werden sie haben können vom 10. Okto

her [an]. Machen Sie Vorschläge, ich meine die beiden Klassenlehrer der 5. Klassen, welche Kinder aus beiden Klassen abgespalten werden sollen, aus denen wir die neue c-Klasse zusammensetzen. Wir machen sie aus beiden Klassen zusammen, [Fräulein I. Haebler darf vorher hospitieren], und dann werde ich sie einführen, wenn ich am 10. komme. Fräulein Dr. Martha Haebler. Wir sehen sie [sogleich] an als Mitglied des Lehrkörpers. Sie wird an den Konferenzen teilnehmen.

Das führt mich an die zweite Frage, auf die Lage von Fräulein Clara Michels. [Wir werden Fräulein Clara Michels bitten, die Klasse 3b zu übernehmen]. ich stehe auf dem Standpunkt, dass es gewissermaßen eine verantwortungsvolle Sache ist, jemanden aus einer solchen Stellung herauszuziehen und in eine äußerlich unsichere Stellung hineinzusetzen. Das ist dasjenige, was ich immer äußere. Nun hat Fräulein Gertrud Michels gesagt, ihre Schwester würde gerne kommen. In diesen Tagen bekomme ich eine vorwurfsvolle Karte von einer Persönlichkeit in Hameln. Ob man sich denn hier erkundigt, was man macht, wenn man jemanden aus einer sicheren Stellung holt, und ob man sich zuerst bewusst geworden wäre der richtigen Bedingungen. Ich habe die Karte nicht bei mir. Sie ist aus Hameln selbst, die die heftigen Vorwürfe macht darüber, dass wir diesen Schritt gemacht haben. Dies gilt prinzipiell, bevor man einen Vorschlag macht. Aber abgesehen davon, dazu sind wir auf keine Weise verpflichtet, von irgendjemand anderem als demjenigen, an den man sich wendet, sich hindern zu lassen, von jemand andern sieh zu erbitten, ob der die Antezedenzien kennt, wenn Fräulein Michels selber will. Sie braucht ja nicht zu kommen. Privat können wir ja so denken. Wie kann jemand anderer dazu kommen, uns Vorwürfe zu machen? Ist die ihre Vormünderin? Diese Tat ist eine Frechheit.

MARIA RÖSCHL: Dieses Kind hängt sehr an ihr.

RUDOLF STEINER: Jedenfalls haben wir keine Veranlassung, darauf zu reagieren.

Dann würde ich bitten, wenn Sie jetzt, weil wir manches zurückgelassen haben, wenn Sie jetzt [dies] vorbringen würden.

Die Gartenbaulehrerin GERTRUD MICHELS fragt, ob man Klassengarten einrichten solle.

RUDOLF STEINER: [Ich habe] nichts dagegen. Bis jetzt haben wir diese Gartenarbeit mehr extemporiert. Arbeiten Sie etwas darüber aus. Es kann in unseren Lehrplan hineinkommen.

EUGEN KOLISKO: Im Botanikunterricht hat sich das Bedürfnis ergeben, dass man [im Garten hier] die Pflanzen zieht für den Unterricht, dass man etwas hat, was man durchnehmen kann. Dann bitte ich noch uni ein solches System für die Botanik wie für das Zoologische für die oberen Klassen.

RUDOLF STEINER sagt es zu.

RUDOLF STEINER [Es kommt dadurch auch mehr Planmäßiges in den Gartenbau hinein.]

Es wird eine Frage gestellt wegen des Handarbeitsunterrichtes.

RUDOLF STEINER: Frau Molt kann ihre letzten zwei Handarbeitsstunden abgeben an Fräulein Christern.

[Nun] möchte ich noch den A. V. Ihnen ans Herz legen. Er ist ein sehr frühreifer Junge. Er ist begabt, er ist auch vernünftig, aber man muss ihn immer anhalten. Ich habe ihn sehr ermahnt, dass er sich interessiert für die Schulgegenstände. Er hat Plato gelesen, Kant, «Philosophie der Freiheit». Er ist etwas schusselig, Man muss der Mutter rechtzeitig bekannt geben. Die Mutter will eintreten. Man muss bekannt geben, wenn er Nachhilfestunden braucht. Wenn Sie glauben, dass er Nachhilfestunden braucht, so muss er sie bekommen. Sympathischer wäre ihm, wenn man ihm die Geheimwissenscaft analysieren würde. Er ist von Schule zu Schule gekommen. Er war zuerst in einer Klosterschule. Er ist eine harte Nuss, die zu knacken sein wird.

KARL STOCKMEYER wegen B, B., der als Praktikant in die Schule eintreten sollte: Wir haben ihn geprüft.

RUDOLF STELNER: Das wird ihm fernliegen, was Sie gemacht haben. Es ist besser, wenn er in die 11. Klasse kommt.

Ich dachte mir, er soll hospitieren. Er wird am besten prosperieren, wenn er in der Klasse hospitieren wird. Er hospitiert nur. Das hängt ein bisschen damit zusammen, dass [der Vater] B. krank ist, und es ist ein Gedanke, wenn er den Jungen irgendwo untergetaucht [untergebracht?] fände, Der Junge kann doch nichts und er ist noch nicht aufgewacht. Er schläft noch.

Ich glaube, dass er nie in Betracht kommen wird. [Der Vater] hat mich gefragt, ob er das obligatorische praktische Jahr hier durchmachen könne. ich sagte Ja, aber ich wisse nicht, ob das draußen anerkannt wird.

Es wird sich höchstens fragen — aber käme er nicht einmal für Turnen in Betracht? Das könnte man denken. Da könnte er aufwachen. Versprechungen machen können wir nicht. Er kann nur Schüler sein als Hospitant. Warum er sich hat streichen [schrecken?] lassen, verstehe ich nicht.

KARL STOCKMEYER fragt nach einem zweiten Jugendkurs und nach Vorträgen für anthroposophische Lehrer außerhalb der Waldorfschule.

RUDOLF STEINER: Wir veranstalten die Jugendtagung. Dann müssen Sie sich schlüssig werden, wie Sie das machen. Mir ist es einerlei, ich richte die Vorträge danach ein.

ERICH SCHWEBSCH fragt, was wichtiger wäre.

RUDOLF STEINER: Es ginge ganz gut, dass man die Vorträge nur für die Lehrer der Waldorfschule während der Schulzeit hält. Das geht ganz gut. Aber während einer Tagungszeit, das scheint nicht zu gehen. So eine Tagung, wenn also wirklich zwischen ganz schönen Gedanken so furchtbar viel Gedankenmorde herumfliegen. Die vier Tage waren doch furchtbar. Tagungen lassen sich nicht vereinigen mit dem, was wir brauchen für den Kreis der Schule.

Es kommt mir doch so vor, als ob — und darüber möchte ich einiges hören —, als ob nicht doch ein bisschen neue Impulse leben in der Schule. Und darüber möchte ich etwas hören. Dass Sie durch die Ferien höher [weiter] gebracht worden sind. Ich glaube das doch. Es wird doch manches aus einem neuen Verantwortlichkeitsgefühl fließen, dass die ganze Pädagogik so ernsthaft genommen wird, wie es sich gezeigt hat in England. Das ist etwas, was wirklich darauf hinweist, dass man die allerstärksten Kräfte entfalten muss. Nun meine ich, man muss natürlich da einiges — man braucht da einiges. Es wäre schon wünschenswert, dass man also von einem solchen Gesichtspunkt aus, der mehr überhaupt die ganze Perspektive der Waldorfschul-Pädagogik berührt, sprechen würde über das Hineinwirken der moralischen Impulse und religiösen Impulse in die anderen Lehrgegenstände. Über die unmittelbare Erziehungspraxis sollte geredet werden. Das ließe sich eher selbst mit so etwas wie der Jugendtagung verbinden. Die Jugendtagung wird freie Sitzungen halten. Ich glaube, dass es eher geht als mit dem, wenn man [bei einer Tagung] von morgens bis abends sitzt. Ich werde vorn 10. bis 14. Oktober ja wieder hier sein. Da können wir in Aussicht nehmen, über diese Fragen ausführlich zu sprechen. Die Waldorflehrer wer-den nicht viel zu tun haben mit dieser Tagung außer der Teilnahme. Mir kommt vor, da die Jugend losgelassen sein will, dass ich selbst nicht so furchtbar eingespannt sein werde bei einer solchen Tagung. Es könnte an diesen Tagen die Schule ausfallen. Dann lässt sich leicht ein Vortrag einschieben. Ich hätte gern heute — ich möchte schon vielleicht etwas [einschieben].

Ich kann nicht leicht herüberkommen zu einer anderen Zeit. Es sind zu viele Dinge. Wenn gebaut werden soll, muss ich in Dornach sein. Wenn wir Herbstferien machen, können wir dann höheres Pädagogisches besprechen, da können dann nur Waldorflehrer hi-nein. Man könnte bei der Tagung auch die Öffentlichkeit zulassen. Eine Sache wird so gemacht, dass jeder etwas hat davon, sowohl die Eltern wie Lehrer, aber verschieden. Wenn es mir gelingt, das, was alles geboten wird, als ein Lebendiges zu haben, dann ist es so.

[Über Ernst Lehrs:] Die Stunden, die ich mitgemacht habe in der 9a, die haben mich gut befriedigt. Er ist durchaus ganz ernst dabei; hat sich selbst in den Stoff gut hineingefunden. Es verstehen ihn die Schüler. Man muss ihn noch leiten. Deshalb habe ich ihn heute noch nicht hineingelassen, weil ich das sagen wollte. Er muss Sie alle hinter sich spüren.

EUGEN KOLISKO: Er diktiert das, was durchgenommen ist, in ein Heft. Dann sind Richtlinien da für das, was er sagt.

RUDOLF STEINEI: Wenn er so bleibt, so geht es. Ich meine, da muss man die sechs Tage eine Art gebundene Marschroute geben. Nun wird er ja dann eine Art Examen darin ablegen. Er muss willig bleiben; jetzt ist er es im höchsten Maße.

PAUL BAUMANN fragt nach der Darstellung der Rhythmen, die in der Musik anders ist als in der Eurythmic. Er wendet die gewöhnlichen Arten des Dirigenten-Rhythmus an: Sind nur die zwei-, drei- und vierteiligen wichtig, oder soll man weitergehen bis zum fünf- und siebenteiligen?

RUDOLF STEINER: Was den sieben- und fünfteiligen Rhythmus betrifft, nur mit den Älteren, jedenfalls nicht mit Kindern unter fünfzehn, sechzehn Jahren. Ich glaube, wenn man es mit Kindern unter fünfzehn Jahren machen würde, so würde sich das musikalische Gefühl verfuseln. Ich könnte mir eigentlich kaum denken, als dass nicht derjenige, der Begabung hat, der müsste Musiker werden sollen, es von sich aus lernt. Es genügt bis zum vierteiligen. Man müsste dafür sorgen, dass das musikalische Gefühl möglichst lange [empfindungsgemäß] durchsichtig bleibt, sodass sie Differenzierungen erleben, Das bleibt es nicht, wenn man siebenteiligen Rhythmus hat. Dass die Kinder [durch Dirigieren] aktiv teilnehmen, durch eine Art Dynamik aktiv teilnehmen, das ist ganz sicher pädagogisch vorzüglich, aber es müssen alle drankommen. [Man kann die Dirigenten-Bewegungen der gewöhnlichen Art nehmen.]

PAUL BAUMANN: Ich habe es bisher nur alle zusammen machen lassen. Ob man dieses Einzeln-Dirigieren auch bei den Jüngeren machen kann?

RUDOLF STEINER: Ich glaube, von einem Zeitpunkt zwischen dem neunten und zehnten Lebensjahre kann man das auch anfangen. Vieles von dem, was sich in diesem Zeitpunkt entscheidet, ist von solcher Art, dass diese besondere Beziehung, wenn einer als Einzelner zu einer Gruppe in Verhältnis tritt, dass vieles von diesen Beziehungen da hineinspielt. Es ist ja nicht unnötig, das auch auf andere Gegenstände auszudehnen, so zum Beispiel immer für das Rechnen das zu benützen, dass einer die anderen führt für gewisse Sachen. Da macht es sich von selbst, aber im Musikalischen wird es zu einem Bestandteil der Kunst selbst werden.

Aus welchen Impulsen sind die Pulsaufnahmen[?] gemacht worden? Ja also — nicht wahr, ich möchte nur nicht, dass durch solche Dinge der Unterricht beeinträchtigt wird.

Jemand dazu: Ich gehe immer ganz leise durch. Es stört nicht.

RUDOLF STEINER: Ich will nichts dagegen sagen, aber sparsam sein.

NORA STEIN fragt wegen der Reihenfolge der Eurythmiefiguren.

RUDOLF STEINER: Ich habe sie so aufstellen lassen, dass ich die Vokale zusammengestellt habe, die Konsonanten zusammen, und die paar außerdem. Zweiundzwanzig bis dreiundzwanzig Figuren.

Nun könnte man innerhalb der Konsonantenreihe wiederum die Verbindungen zusammenstellen. Nicht gerade bloß alphabetisch. Das Beste ist, überhaupt zu fühlen, mit was für einem Buchstaben man es zu tun hat, und nicht sehr abhängig zu sein von der Ordnung. Es mehr qualitativ empfinden als das Nebeneinanderstellen.

Wenn jetzt nicht die schrecklich ungünstige Zeit wäre, so glaube ich, würde viel darin heben. Es sind jetzt die feineren Schwierigkeiten. Bevor das Kind nicht die betreffende Geste gelernt hat, kann es keinen Begriff mit der Figur verbinden. In dem Augenblicke, wenn es die Geste gelernt hat, muss es die Geste beziehen auf die Figur. Es [muss die Beziehung erkennen, und zwar so], dass es die Bewegung verstehen wird, nicht Charakter und Gefühl. Das Gefühl drückt sich im Schleier aus. «Für einen Schleier bist du noch zu klein.» Was Charakter ist, kann man von dem Moment an, wo die Kinder lernen, sich innerlich hineinzuleben, auch nach und nach beibringen. Wenn die Kinder begreifen, was das Prinzip im Herstellen der Figuren ist, dann wird es günstig auf den Eurythmieunterricht zurückwirken. Im Laufe der Zeit entwickelt sich das künstlerische Gefühl. Wenn man es entwickeln kann, soll man es tun.

LILIAN HAMILTON [vorübergehend Klassenlehrerin der 3b]: Ich würde traurig sein, wenn Fräulein Michels kommt. Können wir K. S. vorn Sprachunterricht befreien?

RUDOLF STEINER: Die Gräfin Hamilton muss ihn schon haben.

Halten Sie ihn zunächst noch, bis ich wiederkomme. Ich fand [die Klasse] neulich sehr viel gesitteter. Nun werden Sie sich doch noch hineinfinden. Da ist es besser, wenn Sie die Klasse behalten.

Wie ist es mit der 9b? Namentlich, worauf es ankommt: Sie gehen so mit, dass sie das Nächste aus dein Vorhergehenden erwarten.

Der R. W ist abgemeldet.

RUDOLF STEINER: Es ist eigentlich schade. G. B. war aufmerksam.

ROBERT KILLIAN: Die E. L. [in der 4. Klasse] stiehlt und lügt. Sie hat [auch] Gedächtnisschwäche.

RUDOLF STEINER: Sie lügt, weil sie es verstecken will. Es wäre gut, wenn man es dahin bringen könnte, das hilft dann immer, dem Kinde eine kleine Geschichte zu diktieren, die es sich ganz intim aneignen müsste, [die] es gut lernt. In dieser Geschichte müsste vorkommen, wie ein stehlendes Kind sich selber ad absurdum führt. Ich habe früher manchmal solche Dinge Eltern gegeben. Eine Geschichte aufstellen, wo das Kind durch die Entwicklung des Tatsachenganges gewissermaßen innerlich karmisch sich selbst ad absurdum führt, sodass das Kind einen Abscheu bekommt vor dem Stehlen. Es kann [auch] bizarr oder grotesk sein, Es hilft nur dann, wenn das Kind es auswendig, oder besser, inwendig hat. Wenn es veranlasst wird, es sich immer wieder vor die Seele zu stellen. Wenn man es dahin bringt, ist das etwas, was wirklich hilft. Hilft die erste Geschichte nicht, so nimmt man eine zweite. Es schadet nichts, wenn die anderen dabei sind. Diesem Kind müsste man also es auferlegen, [es immer zu wiederholen]; die anderen können dabei sein. Man redet nie [darüber], warum [man das tut], vor den anderen [Kindern] redet man [nie darüber], warum. Die Mutter soll es wissen, dass man dadurch helfen will, [das Kind nicht; die Klasse erst recht nicht]. Das Kind soll in ganz naiver Weise an das Lernen [der Geschichte] herangeführt werden, das ist das Allerbeste. - Für die Schwester kann man die Geschichte noch kleiner machen und immer wieder [ihr] vorerzählen. Man kann es vor der Klasse machen, nur brauchen die anderen es nicht auswendig zu lernen.

MAX WOLFFHÜGEL fragt wegen der achtzehnjährigen Tochter des Schultheißen die taubstumm ist, ob sie die Waldorfschule besuchen könne.

RUDOLF STEINER: Dagegen ist nichts einzuwenden, wenn Sie sich bewusst sind, dass der Schultheiß F. nicht so ein angenehmer Mann ist. Er leidet an intermittierende.m Wahnsinn. Er ist in Schweden gewesen, wir hatten große Mühe, ihn zurückzubringen. Er hat Verheerungen angerichtet. Es wäre ganz gut, wenn sie ruhig an der Kunstgewerbeschule bliebe und außerdem einige Stunden hier mitmachen würde, etwa Kunstunterricht und Eurythmie. Das Kind ist vollständig taub. Es kann sich {aber] ebenso eine Assoziation heranbilden aus der Anschauung der Sprachorganbewegung- mit der Körpergliederbewegung.

RUDOLF TREICHLER fragt wegen der Gruppierung der Tiere, ob man das in Parallele zu den Lebensaltern bringen kann.

RUDOLF STEINER: Man muss die andere Sache vorausschicken, die Gliederung mit dem Menschen. Das andere ist sekundär. Nachdem man die große Gliederung angegeben hat, [Kopftiere, rhythmische Tiere, Stoffwechseltiere], kann man es versuchen. Man wird nicht eine primäre Systematik daraus bekommen.

HERBERT HAHN fragt wegen der T H. in der 5. Klasse, die im Schreiben nicht mitkommt.

RUDOLF STEINER: Bei diesem Kind sind ganz offenbar gewisse astrale Partien der Augen zu stark vorgelagert. Da ist der Astralleib vergrößiert. [Sie hat vor den Augen astrale Knollen] Das sieht man. Das zeigt die Schrift selbst. Das Kind macht verschiedene Zeichen, Sie verwechselt die Buchstaben, das geht konsequent [Daher] schreibt sie also zum Beispiel, sagen wir, so: [ «Gsier» statt] «Gries». Das Gesetz muss ich noch konstatieren. Sie schreibt einen Buchstaben für einen anderen, wenn sie abschreibt. Das machen sie [sonst] nicht in dem Alter. Sie macht es mit Konsequenz. Sie sieht falsch.

Ich muss mir überlegen, was man mit diesem Kinde machen muss. Man muss bei dem Kinde etwas machen. Es sieht andere Dinge auch nicht richtig. Sie sieht auch anderes falsch. Es ist ein singulärer Fall, Es könnte sein — wir wollen nicht ein dahingehendes Experiment schon machen —, es könnte auch sein, dass das Kind Mann und Frau ständig verwechselt, oder ein kleiner Knabe wird als alte Frau angesehen. Wenn es die Trübung durch Entartung des Astralplans hat, verwechselt es nur sinnvoll, [nicht sinnlos]. Wenn es bleibt, [wenn nicht geholfen wird], so kann es zu grotesken Wahnsinnsformen führen. Es ist das nur möglich durch ein besonders starkes Entwickeltsein des Astralkörpers. Es kommen dadurch vorübergehend tierische Formen heraus, die wieder verschwinden. Es ist ein Kind, das nicht ein wachender Typus ist, und Sie werden bemerken, wenn Sie das Kind fragen, so macht sie dieselbe Gebärde, wie wenn man sonst jemanden vorn Schlafe aufweckt. Es ist ein ganz kleines Zusammenrücken, wie wenn jemand geweckt wird. Das Kind wäre nie in einer Klasse, nur bei uns. Es würde sonst nie über die 1. Klasse hinausgekommen sein. Ein sehr interessantes Kind.

Jemand sagt: Franz May will eine Propagandaschrift mit Bildern über die \Waldorfschule herausgeben. Er hat allen Grund, sich bedrückt zu fühlen.

RUDOLF STEINER: Da haben wir nicht das geringste Interesse, so etwas herauszugeben.

PAUL BAUMANN: Es wird nach Bildern gefragt.

RUDOLF STEINER: In dem Augenblick, wenn wir das haben, würden wir das durch den «Kommenden-Tag»-Verlag herausbringen. In dem Augenblick, wenn wir es herausbringen könnten, würden wir es herausbringen. Er glaubt, dass der «Kommende Tag» in Buchhändler-kreisen nicht so viel Ruf hätte.

Außerdem, wir dürfen nicht so weit gehen, den eigenen Unternehmungen Konkurrenz zu machen. Wir können doch unmöglich den eigenen Verlag untergraben, dass wir eine Publikation, die unter Umständen Aufsehen machen soll, in einem anderen Verlag erscheinen lassen. Es ist nicht einmal anständig bei den Beziehungen zwischen Waldorfschule und «Kommendem-Tag». Sobald solch ein Werk zustande kommt, sehe ich nicht ein, warum wir es nicht im «Kommenden Tag» erscheinen lassen. Wir verdienen doch mehr. Zunächst ist es auch nicht anständig. Es geht nicht, dass die Waldorfschule die erste Publikation, die sie veröffentlichen würde ...

ANNA FRIEDA NAEGELIN: P. Z. hat sich verändert.

RUDOLF STEINER: Man kann anknüpfen. Man kann nicht viel direkte Beziehungen herstellen. Bitte nur das zu kultivieren, was sich aus der Sache ergibt. Ja nicht sich verleiten lassen, allerlei Spintisierendes hereinzutragen. Es verführt das leicht zum Spintisieren.

War eine Waldorfschulklasse in einem Badeort? Ich frage es aus dem Grunde, :veil dieser schreckliche Manfred Kyber, der über alles schimpft und mir jetzt einen Brief geschrieben hat, [darin ist] ein Kapitel, [in dem] er über die Waldorfschule schimpft. Er schreibt über einen Badeort, wo andere Schüler waren und Waldorfschüler, und die Waldorfschüler wären die Rüpelhaftesten gewesen.

ERICH SCHWEBSCH: Ich habe einmal mit der Klasse einen Ausflug gemacht durch die Löwensteiner Berge, zum Teusser Bad.

RUDOLFSTEINER: Der Lehrer hätte hochmütige Redensarten geführt. Bei verschiedenen anderen Dingen kann ich konstatieren, warum er es sagt. Er regt sich auf, dass geschrieben worden wäre, die Rezensenten wären abhängig von der politischen Leitung der Zeitung. Er sei Redakteur vorn «Merkur» und wisse, dass die Kollegen anständige Leute sind. Er hat zehn Seiten geschrieben.

Ich habe nicht alles gelesen. Bei den verschiedenen Dingen kann man sehen, worauf seine Sachen beruhen. Er gehört zu den schleichenden Gegnern, die wir nicht ausschließen können, die immer noch die «Mitteilungen» bekommen. Er ist derjenige, von dem ich gesagt habe: Es ist nicht möglich, dass innerhalb unserer Kreise bürokratisch vorgegangen wird wie sonst, dass man die Listen nimmt und danach die Dinge verschickt. Die Anthroposophische Gesellschaft muss individualisieren. So ein Manfred Kyber, man braucht ihm doch nicht alles zuzuschicken. Es muss schon in der Anthroposophisch.en Gesellschaft menschlich vorgegangen werden. Das muss sich auch darauf beziehen, dass wir nicht bürokratisch vorgehen, ob wir einem die Mitteilungen zuschicken oder nicht. Er benutzt die Mitteilungen, um mordsmäßig zu schimpfen. Bösartig schimpft er, auch wenn er Mitglied ist. Warum er über die Waldorflehrer schimpft, geht nicht hervor. Das einzig Positive ist das, dass das «a» verschieden klingt, ob man «Gabe» sagt oder «Lage» sagt. Diese tiefe Wissenschaft!

Es wurde mir eine Prüfungsgeschichte mitgeteilt. Er wurde examiniert in Physik. Der Korreferent scheint noch eine Frage an ihn gestellt zu haben — es klingt wie aus einem Irrenhaus. Er fragte ihn, ob Eis bei 16 Grad möglich kt.

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