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GA 277d — 27 September 1923, Vienna
Rudolf Steiner an Edith Maryon
Wien, 27. September 1923
Meine liebe Edith Maryon!
Der erste Vortrag ist nun gut vorübergegangen. Die letzte Nacht in Dornach war recht schwer. Als ich eben das letzte packen wollte, kam Frl. Viehoff mit der Nachricht, daß der gute Paul Baumgartner, der in unsrer Dornacher kleinen Schule ist und in der Klinik wohnt, dem Tode nahe sei. Er war asthmatisch, hatte sich aber in der Klinik erholt. Ich ging — mit dem Auto - dahin. Es war recht schwer, daß trotz aller Versuche, ihn nochmals zum Atmen zu bringen, der Knabe doch starb. — Ich reiste dann mit einer ganzen Anzahl Dornacher hieher. Wachsmuth, der ein Tausendsassa ist, setzte es durch, daß während der Reise noch ein Schlafcoupe sich ergab. - Und so war der erste Tag hier eigentlich ganz gut. Jetzt beginnen die Sorgen. Die Arbeiter des Volkstheaters, in dem Sonntag die Eurythmievorstellung sein soll, üben passive Resistenz - sind in halbem Streik - und ich werde nun von Käthe gleich nachher abgeholt, um mit den Arbeitern zu verhandeln, damit unsere Vorstellung doch sein könne. Wir werden sehen, ob sie für uns ihre Resistenz durchbrechen. Sonst wären unsere Eurythmisten tatenlos hier. Herzlichste Gedanken und Hoffnung auf gute Gesundung
Rudolf Steiner
Wien, Hôtel Imperial