Images of Occult Seals and Columns
GA 284 — 21 May 1907, Munich
Erläuterungen zur Einrichtung und Ausgestaltung des Kongress-Saales
Ein paar Worte will ich über die Farbe sagen, innerhalb welcher wir hier unsere Versammlungen gehalten haben. Daß dies die rote ist, hat seinen guten Grund. Sie bildet, wenn wir sie außen sehen, ihr Gegenbild im Inneren, denn das Auge hat die Tendenz, aus sich heraus das Grünlichblau zu erzeugen, wenn es rot vor sich hat: das ist die innere Aktivität des Auges. Beim Kind kommt viel darauf an, wie der Leib auf die äußeren Eindrücke antwortet. Ich verweise hier auf das, was ich in bezug auf die rote Farbe gesagt habe, als von der Erziehung die Rede war. Das Auge antwortet auf eine rote Umgebung mit einer Tendenz zur grünblauen Tätigkeit, und dieses innere Arbeiten ist beruhigend. Daher wirkt rote Farbe in der Umgebung auf aufgeregte Kinder beruhigend. Wenn Sie sich erinnern, daß spätere Entwickelungsstadien des Menschen auf einer höheren Stufe immer zurückführen auf die Kindheitsstufe, so werden Sie einsehen, warum für eine Stätte — die, wenn sie auch keine Einweihungsstätte ist, doch durch ihre Symbole daran erinnern soll — die Farbe gewählt wurde, welche in dem kindlichen Körper gerade die nach dem Heiligen hin gerichtete Farbe auslöst. Nicht umsonst heißt es in der Bibel: So ihr nicht werdet wie die Kindlein, könnet ihr nicht eindringen in die Reiche der Himmel. Unser Inneres muß so ätherrein werden wie der Weltenäther droben, der uns in Blau entgegentritt. Die Erziehung dazu drückt sich in der roten Farbe unserer Umgebung aus. Umgibt uns äußerlich das Rot, so lebt in unserem Inneren die Konträrfarbe. Daraus erklärt sich das Rot in allen Kultstätten der Esoteriker, während exoterische Stätten, in denen äußerlich und in Symbolen von den Geheimlehren gesprochen wird, die blaue Farbe tragen. Die rosenkreuzerische Weltanschauung drückt das Esoterische in der roten Farbe aus. Sollte der Raum im Sinne der rosenkreuzerischen Weltanschauung vollständig ausgestaltet sein, dann müßten sich oben noch blaue Bögen erheben.
Was bedeuten nun die zwei Säulen den Rosenkreuzern? Wenn man diese zwei Säulen, die hier vor uns stehen, erklären will, muß man ausgehen von der sogenannten goldenen Legende. Diese sagt:
Als Seth, der Sohn Adams — der an die Stelle des Abel getreten war -, dazu reif war, durfte er einen Einblick gewinnen ins Paradies, durfte er an dem Engel mit dem im Feuer wirbelnden Schwerte vorbeigehen, hinein in die Stätte, aus welcher der Mensch vertrieben worden war. Da sah Seth etwas ganz Besonderes. Er sah, wie die zwei Bäume, der des Lebens und der Erkenntnis sich ineinanderschlingen. Von diesen beiden ineinandergeschlungenen Bäumen bekam Seht drei Samenkörner, nahm sie mit sich und legte sie seinem Vater Adam, als dieser gestorben war, in den Mund. Aus dem Grabe Adams wuchs dann ein mächtiger Baum heraus. Dieser Baum zeigte sich manchem, der psychische Sinne hatte, wie in Feuersglut erstrahlend, und diese Feuersglut windet sich zusammen für den, der sehen konnte, zu den Buchstaben ] B, den Anfangsbuchstaben von zwei Worten, die ich hier auszusprechen nicht befugt bin, deren Sinn aber ist: «Ich bin, der da war, Ich bin, der da ist, Ich bin, der da sein wird.» In drei Glieder teilte sich dieser Baum. Seth nahm Holz von ihm, und es wurde in der Weltenevolution mannigfaltig verwendet. Ein Stab wurde daraus gemacht; der Zauberstab des Moses, sagt die Legende. Es war dasselbe Holz, aus dem die Balken am Salomonischen Tempel geformt wurden. Da blieben sie so lange, als die Menschen die alten Geheimnisse verstanden. Dann wurde das Holz in einen Teich geworfen, in dem zu bestimmten Zeiten Lahme und Blinde geheilt wurden. Nachdem es wieder herausgenommen worden war, bildete es die Brücke, über die der Erlöser ging, als er seinen Weg zum Kreuz antrat. Und endlich bildete man, so sagt die Legende, das Kreuz selbst, an dem der Erlöser hing, aus dem Holz dieses Baumes, der herausgewachsen war aus Adams Mund, nachdem ihm die Samenkörner der ineinandergeschlungenen Bäume des Lebens und der Erkenntnis in den Mund gelegt worden waren.
Tiefen symbolischen Sinn hat diese Legende. Erinnern Sie sich einmal desjenigen Prozesses, an jene Umwandlung, an die der Schüler denken muß, wenn er die vierte Stufe der Rosenkreuzerschulung durchmacht: an die Erzeugung des Steines der Weisen. Wir erinnern uns, daß es sich dabei um eine gewisse Behandlung unseres roten Blutes handelt. Denken wir an die Bedeutung dieses roten Blutes nicht nur, weil uns ja der Goethesche Ausspruch: «Blut ist ein ganz besonderer Saft», darauf hinweist, sondern weil es der Okkultismus zu aller Zeit gelehrt hat. So wie dieses rote Blut auftritt, ist es ein Ergebnis der Sauerstoffatmung. Nur kurz können wir darauf hinweisen. Wenn wir nun in der Legende und in der Bibel auf einen so wichtigen Moment hingewiesen werden, auf das Wiedereindringen des Seth in das Paradies, so müssen wir uns daran erinnern, wodurch der Mensch aus dem Paradies gebracht worden ist. Herausgebracht worden ist er aus dem Paradies, dem alten Zustand des Menschen im Schoße der höheren Geisteswelt, durch folgendes, das in der Bibel schon angedeutet wird als der physische Vorgang, der parallel geht mit dem Herabstieg. Diejenigen, welche die Bibel verstehen wollen, müssen lernen, sie wörtlich zu nehmen. Es wird gesagt: «Gott blies dem Menschen den Odem ein, und er ward eine lebendige Seele.» Dieses Einblasen des Odems war ein Prozeß, der hier bildhaft ausgedrückt wird, der sich über Jahrmillionen ausgedehnt hat. Was bedeutet er?
Es hat in der Menschheitsentwickelung, in der Gestaltung des physischen Leibes Zeiten gegeben, wo im menschlichen Leibe noch keine Lunge war, so daß noch nicht Sauerstoff eingeatmet werden konnte. Zeiten gab es, wo der Mensch mehr oder weniger in flüssigen Elementen schwebte, wo er ein Organ hatte, eine Art Schwimmblase, aus dem sich später die Lunge entwickelte. Diese Schwimmblase von damals hat sich zu der Lunge umgebildet, und wir können den Prozeß der Umbildung verfolgen. Wenn wir das tun, dann zeigt er sich als jener Vorgang, den die Bibel ausdrückt mit dem Bilde: Und Gott hauchte dem Menschen ein den lebendigen Odem, und der Mensch ward eine lebendige Seele. - Mit dieser Einhauchung des Atems ist erst die Erzeugung des roten Blutes möglich gewesen. So hängt das Heruntersteigen des Menschen mit der Erzeugung des roten Blutbaumes in seinem Inneren zusammen.
Denken Sie sich, der Mensch stünde vor Ihnen und Sie könnten nur das Rieseln des roten Blutes verfolgen: Sie würden vor sich haben einen lebendigen roten Baum. Von diesem sagt der christliche Esoteriker: Er ist der Baum der Erkenntnis. Der Mensch hat ihn an sich gerissen, er hat genossen von dem roten Blutbaum. Die Errichtung des roten Blutbaumes, der der wahre Baum der Erkenntnis ist: das ist die Sünde. Und Gott vertrieb den Menschen aus dem Paradies, auf daß er nicht auch von dem Baum des Lebens genieße. Wir haben noch einen anderen Baum in uns, den Sie sich ebenso vorstellen können wie jenen. Aber er hat rotblaues Blut. Dieses Blut ist Todesstoff. Der rotblaue Baum war dem Menschen in derselben Zeit eingepflanzt worden wie der andere. Als der Mensch im Schoße der Gottheit ruhte, da war die Gottheit in ihm fähig, das, was sein Leben und seine Erkenntnis bedeutet, ineinander zu verschlingen — und in der Zukunft liegt der Zeitpunkt, wo der Mensch durch sein erweitertes Bewußtsein in sich selbst fähig sein wird, das blaue Blut umzuwandeln in das rote; dann wird in ihm selbst der Quell sein dafür, daß der blaue Blutbaum ein Baum des Lebens ist. Heute ist er ein Baum des Todes. - So lebt in diesem Bilde ein Rückblick und ein Vorausblick! Sie sehen, daß im Menschen ein roter und ein rotblauer Blutbaum verschlungen sind. Das rote Blut ist der Ausdruck des Ich, ist das Untere der Ich-Erkenntnis, das blaue Blut ist der Ausdruck des Todes. Als Strafe wurde zu dem roten Erkenntnisbaum der blaue Blutbaum als der Baum des Todes hinzugefügt. In ferner Zukunft wird dieser Baum des Todes in den Baum des Lebens verwandelt werden, so wie er ursprünglich ein Baum des Lebens war. - Wenn Sie sich den Menschen vorstellen, wie er vor Ihnen steht, beruht sein ganzes Leben gegenwärtig auf der Wechselwirkung dieser zwei Bäume.
Daß Seth das Paradies wieder betreten durfte, bedeutet, daß er ein Eingeweihter war und zurückblicken durfte auf den göttlich-geistigen Zustand, wo die beiden Bäume ineinanderverschlungen waren. — Und drei Samenkörner der verschlungenen Bäume legte er in den Mund Adams, daraus entstand ein dreigeteilter Baum. Das heißt: der Baum, der aus dem Menschen herauswächst, Manas, Buddhi, Atma, diese drei Teile, die das Obere des Menschen ausmachen, finden sich der Anlage nach in ihm. In der Legende ist also angedeutet, wie in der menschlichen Anlage, also schon in Adam die Dreiheit des Göttlichen ist, wie sie herauswächst und wie sie zunächst nur der Eingeweihte sieht. Der Mensch muß seinen Entwickelungsgang gehen. Alle Dinge, die sich vollzogen haben in der Menschheitsentwickelung und die zur Einweihung führen, drückt uns die Legende weiterhin aus.
Aus der Erkenntnis heraus, daß der dreifache Baum in uns ruht, der Baum des Ewigen, der sich ausdrückt in dem Worte: «Ich bin, der da war - Ich bin, der da ist - Ich bin, der da sein wird!» gewinnen wir die Kraft, die uns vorwärtsbringt und uns den Zauberstab in die Hand gibt. Daher Moses’ Zauberstab. Daher wird das Holz des aus dem Samen herauswachsenden Baumes zum Weisheitstempel genommen. Daher wird das Kreuz aus ihm gezimmert, jenes Zeichen der Initiation, das die Überwindung der niederen Glieder im Menschen durch die drei höheren bedeutet.
So zeigt diese Legende, wie der Eingeweihte hinschaut auf einen zukünftigen Zustand, wo verschlungen sein werden der Baum der Erkenntnis — der rote Blutbaum - und der Baum des Lebens — der blaurote Blutbaum -, wo sie sich verschlingen werden im Menschen selbst. Jetzt schreibt sich derjenige, der sich entwickeln will, in das Herz ein, was die beiden Säulen — die rote Säule einerseits, andeutend die rote Blutsäule; die blaurote, andeutend die blaue Blutsäule — uns sagen wollen. Heute sind beide getrennt. Deshalb steht im Saale links die rote und rechts die blaurote Säule. Sie wollen uns auffordern, den gegenwärtigen Zustand der Menschheit zu überwinden, hinzulenken unseren Weg zu dem Punkte, wo sie sich durch unser erweitertes Bewußtsein verschlingen werden in einer Weise, die man nennt: J-B. Die rote Säule bezeichnet man mit J, die blaurote mit B.
Die Sprüche auf den Säulen werden Ihnen vergegenwärtigen, was mit diesen einzelnen Säulen zusammenhängt. Auf der roten Säule stehen die Worte:
Im reinen Gedanken findest du
Das Selbst, das sich halten kann. Wandelst zum Bilde du den Gedanken,
Erlebst du die schaffende Weisheit.
Wer darüber meditiert, impft durch die Kraft seines Gedankens seiner roten Blutsäule jene Kraft ein, welche zum Ziele führt: zur Weisheitssäule.
Der Lebenssäule impft man die Kraft ein, die sie braucht, wenn man sich hingibt dem Gedanken, der auf der anderen, der blauen Säule steht:
Verdichtest du das Gefühl zum Licht,
Offenbarst du die formende Kraft. Verdinglichst du den Willen zum Wesen,
So schaffest du im Weltensein.
Die einen Worte gehen auf das Erkennen, die anderen auf das Leben. Die formende Kraft «offenbart» sich zuerst, im Sinne des ersten Spruches; «magisch» wird sie erst im Sinne des zweiten Spruches. Aufsteigen von der bloßen Erkenntniskraft zum magischen Wirken liegt im Übergang von der Kraft des Spruches auf der ersten Säule zu der des Spruches auf der zweiten.
So sehen Sie, wie mit den Idealen und Zielen des Rosenkreuzerschülers gerade das zusammenhängt, was diese Symbole, die zwei Säulen bedeuten. In manchen esoterischen Gesellschaften stellt man auch diese zwei Säulen auf. Der Esoteriker wird immer den Sinn damit verbinden, der ihnen eben beigelegt worden ist.
Die sieben Bilder, die den Saal schmücken, sind symbolische Ausdrücke für ganz bestimmte uralte Weisheiten. Sie stellen die sogenannten sieben Siegel der uralten und immer neuen Weisheit dar. In der Apokalypse des Johannes ist auch die Rede davon, und auch diese Apokalypse ist eine Art Interpretation einer okkulten Zeichensprache. Wer sie studiert, wird gerade diese Siegel auch in den Visionen des Schreibers der Apokalypse wieder erkennen.
Jeder Buchstabe, jede Farbe der Bilder bedeutet etwas. Wenn wir die Dinge in der richtigen Weise zusammenschauen und den Zusammenhang empfinden, dann werden ganz bestimmte Gefühle ausgelöst, die die Erzeuger von innerer Kraft werden können. Es kommt darauf an, daß wir es hier nicht mit ledernen Allegorien, sondern mit einem lebendigen Ausdruck dessen zu tun haben, was jeder [Eingeweihte] als wirkliche Tatsachen auf dem Astralplan erleben kann.
Das erste Bild ist der Mann mit dem Feuerschwerte im Munde. Dieses Schwert — und auf diesen einen Zug kommt es an — hängt zusammen mit einem Entwickelungsgeheimnis. Die Rede wurde schon immer verglichen mit dem Schwerte. Das ist aber nicht etwa bloß ein poetisches Bild. Im Okkultismus ist alles wörtlich zu fassen. Man muß es nur verstehen.
Es gibt einen gewissen geheimnisvollen Zusammenhang zwischen dem, was in unserer Sprache lebt, was durch unseren Kehlkopf in unseren Worten sich äußert, und den heutigen niederen menschlichen Trieben der Fortpflanzung. Die menschliche Gestalt ist in Umwandlung begriffen. Manche können heute schon auf dem Astralplan schen, was zukünftig physisch vothanden sein wird. Einen Zustand, den einstmals der Mensch erreichen wird, sieht der Seher in einem solchen Bilde wie dem ersten der sieben. Dieses Bild ist heute ein astrales. Es drückt einen Evolutionszustand des physischen menschlichen Körpers in der Zukunft aus.
Wenn wir uns diesen Zustand vorstellen wollen, so müssen wir es uns so denken, wir müssen sagen: Durch seine heutige, niedere Reproduktionskraft übt der Mensch eine Produktion im Unwillkürlichen und Unbewußten aus. Durch den Fortpflanzungstrieb kann er von Stoff erfüllte Formen hervorbringen. Nun gibt es eine andere Kraft im Menschen, die ihn noch nicht befähigt, bleibende Gestalten hervorzubringen: das ist die Kraft seiner Rede. Indem ich hier rede, erzeuge ich auch etwas. Wenn Sie verfolgen, was in diesem Raume geschieht, während ich spreche, so können Sie schwingende Luftwellen verfolgen. Diese sind nichts anderes als in Bewegung umgesetzte Worte: Bewegung. Solche in Bewegung umgesetzten Worte waren in urferner Vergangenheit auch das, was heute in dem Fortpflanzungsleben sich äußert. Was heute kondensiert ist, war, als es noch Geist war, in Bewegung umgesetztes Wort. Was der Mensch heute aus seinem Worte heraus nur als Bewegung tun kann, wird später wahrhaft Reproduktionskraft sein. Denken Sie sich, Sie wären imstande, meine Worte in einem Momente zum Erstarren zu bringen, so daß die erstarrten Luftwellen herunterfallen würden, so würden Sie für ein jedes Wort eine besondere Form finden: für «und» eine andere als für «Gott» ; eine Muschelform meinetwegen. Wenn ich «Gott» spreche, wären andere Formen da unten, als wenn ich «und» sage. Der Okkultismus zeigt uns, daß alles, was um uns ist an physischen Gegenständen, wirklich so entstanden ist. Der Geist des Logos erklang in den Raum hinein und die Materie formte sich; das Weitere ist ein Erstarrungsprozeß. Was heute um uns herum ist, sind geformte Worte, ist kondensiertes Götterwort. Die Kräfte in uns sind kondensierte göttliche Kräfte. Was früher durch das Wort geschaffen worden ist, ist jetzt umgesetzt in natürliche Formen. So wird im Laufe der Evolution der menschliche Kehlkopf Reptoduktionsorgan werden. Wir werden nicht nur Bewegungen erzeugen können, sondern der Kehlkopf wird das wahre Reproduktionsorgan werden. Was heute Sprache ist, wird der Hervorbringer von seinesgleichen werden. Der Kehlkopf ist das zukünftige, in die Geistigkeit hinaufgehobene Reproduktionsorgan; daher beim Manne jetzt schon die Parallele in der Geschlechtsentwickelung und der Kehlkopfentwickelung. Mit der Umwandlung der Stimme bei der Geschlechtsreife ist hingewiesen auf die schaffende Kraft, die einstmals aus der Stimme des Menschen sich entwickeln wird. Es wird aus der Rede entstehen die wahre Reproduktionskraft, die bewußte Hervorbringungskraft des Menschen. Und wie Sie wissen, daß wir denjenigen Geistern, die unsere Vorfahren waren, den Namen Feuergeister geben, weil sie mit dem Feuer so in Zusammenhang waren, wie wir mit der Luft, so werden wir beim Aufstieg wiederum von einem Luftgeiste zu einem Feuergeiste uns entwickeln. Aus dem Kehlkopf wird nicht nur die eine Kraft strömen, sondern auch die Feuergeister-Kraft.
Das sehen Sie ausgedrückt auf dem ersten Bild, in dem feurigen Schwerte desjenigen, der darstellt die ewige, durch alle Inkarnationen hindurchgehende Wesenheit des Menschen. Dieses Ewige im Menschen ist zu gleicher Zeit das göttlich Schaffende. Es ist wahr, daß das, was in uns als ewige Wesenheit durch die Inkarnationen hindurchgeht, von gleicher Art ist wie das, was geschaffen hat die siebenfache Planetenreihe. Daher hält der Mann in seiner Rechten die Symbole der sieben Planeten.
Das zweite Bild stellt die sogenannten apokalyptischen Tiere dar: den Löwen, Adler, Stier und Menschen. Wir bekommen einen Begriff von ihnen, wenn wir uns daran erinnern, daß das Tier heute nicht eine solche Ich-Seele hat wie wir. Das Tier hat seine Ich-Seele nicht auf dem physischen Plane; es verhält sich das einzelne Tier zu dem Ich einer Gruppe wie ein Glied des Menschen zum ganzen Ich. Daher sprechen wir von Gruppenseelen beim Tier, und wenn Sie diesen Gruppenseelen nachforschen, so finden Sie sie auf dem Astralplane. Nun wird jedermann klarsein, daß auch der Mensch in seiner Evolution Zustände durchgemacht hat, wo das, was auf dem physischen Plane war, noch nicht die Ich-Seele hatte. Es ging auch der Mensch durch Zustände hindurch, wo er eine Gruppenseele hatte. In demselben Zeitpunkt - den man den lemurischen nennt —, wo die Seele herabgestiegen ist in die physische Körperlichkeit, hat sich die Gruppenseele verwandelt in die Individualseele. In ferner Zukunft wird sich der Mensch wiederum zum Zustand der Gruppenseele erheben, nur bewußt, in höherem Sinne. Das Symbolum für jene höhere Gruppenseele ist das zweite Bild. Die Einheit in ferner Zukunft ist dargestellt durch die äußeren Gestalten jener Gruppenseelen, die die Menschheit früher hatte. Diese Gruppenseelen, aus denen die menschliche Individualseele hervorgegangen ist und zu denen sie wiederum zurückkehren wird, teilen sich in vier typische Gruppen. Das sind vier wirkliche astralische Gruppen. Die eine ist charakterisiert durch die Gruppenseele, wie sie sich heute noch verkörpert in Rudimenten von der Stierseele; die andere, wie sie sich entwickelt in der Löwenseele; die dritte wie in der Vogelseele; die Seele, die den Menschen aber heraufhob, hineingehen ließ in die Individualität, bezeichnet man als den Menschen. Aus diesen vier Gruppenseelen ist der Mensch hervorgegangen, in sie wird er wieder zurückkehren. Die Gruppenseele, die die vorgeschrittenste ist, die bereits auf dem Astralplan als Menschenseele individualisiert ist, sehen wir auf dem Symbol in der Mitte. Es ist die Christus-Seele, symbolisiert durch das Lamm. Es ergänzt die vier anderen Gruppenseelen.
Dann sehen Sie hier im Regenbogen, der das Ganze in den sieben Farben umgibt, das schöpferische Weltenprinzip in einer zweiten Gestalt. Es ist das siebenfache schöpferische Prinzip, das dem inneren, menschlichen Evolutionsgang wirksam zugrunde lag, als der Mensch noch auf jener Stufe stand. Und bezüglich der Ziffern I bis XII, die wie die Ziffern der Uhr auf den Farben des Regenbogens zu lesen sind, müssen wir uns erinnern, daß einstmals Erde, Mond und Sonne ein Körper waren.
Mit dieser Einheit hängen solche Zustände zusammen, wie sie hier abgebildet sind. Da war diese Form der kosmischen Ordnung notwendig, damit der Mensch Gruppenseele sein konnte. Unsere gegenwärtige Zeiteinteilung hängt mit der Stellung der Weltenkörper zusammen. In jener urfernen Vergangenheit, als noch nicht eine Erde um die Sonne kreiste, mußten alle Zeitverhältnisse andere sein. Damals gab es nicht Tag und Stunde. Die Sonne selbst machte ihren Weg, und es gab ein großes kosmisches Ziffernblatt. Dieses stellte die Orte dar, welche die Sonne passierte. Der Stundenzeiger auf unseren Uhren passiert die Uhr zweimal des Tages; so durchschritt in jener alten kosmischen Zeitrechnung die Sonne auch nicht einmal den Tierkreis, sondern zweimal, durch eine Zeit der Helligkeit und der Verdunkelung. Dieses zweifache Passieren, das zweifache Hindurchgehen durch diese Stationen, nennt man das Vorübergehen an den älteren Brüdern der kosmischen Ordnung. Es sind die vierundzwanzig Ältesten der Apokalypse. Daher ist eine Art Weltenuhr angeordnet.
Sehen wir auf eine ferne Zukunft, so sehen Sie im sechsten Bild kosmische, zukünftige Zustände ausgedrückt, wo der Mensch wiederum in seiner äußeren Gestalt gestiegen sein wird; wir sehen, daß Erde und Sonne vereinigt sein werden und was ausgeschieden wird, als Mondkörper ausgeschieden sein wird. Erinnern Sie sich daran, daß Goethe das Höchste, was die Seele erstreben kann, das Ewig-Weibliche nennt. Was in der menschlichen Natur die unbrauchbaten Stoffe überwindet, wird als weiblich bezeichnet. Wenn die Erde mit der Sonne sich vereinigt haben wird, dann wird der Mensch selbst das Sonnenweib sein; der Mensch wird die Vereinigung geschaffen haben. Der unbrauchbare Stoff ist als der Mond dargestellt, der mit Füßen getreten wird. Was heraus muß, wenn die Erde wieder Sonne sein wird, ist dargestellt durch das Drachentier. Es wird überwunden sein, wenn die Erde wieder Sonne sein wird.
Das dritte Bild zeigt ein geöffnetes Buch, umgeben von Schalen und posaunenblasenden Engeln, umgeben von flutendem Licht und Farben.
Die posaunenden Engel drücken die Sphärenharmonie aus. Wenn man aufsteigt von dem Astralplan zu dem Devachanplan, dann hat man das Erlebnis, daß die flutende Licht- und Farbenwelt des Astralplanes durchzogen wird von der Sphärenharmonie, Indem dasjenige, was man sehen kann innerhalb des Astralplanes als futendes Licht und als Farbe, zu klingen anfängt, erweist es sich als Ausdruck der Wesenheit des Mentalplanes. Die pythagoräische Schule bezeichnete diese Harmonie als Sphärenmusik. Auch Goethe spricht von ihr, wenn er sagt: «Die Sonne tönt nach alter Weise...» und «Tönend wird für Geistesohren schon der neue Tag geboren!»
Die Schalen bedeuten die sogenannten Schalen des Zornes, das heißt, daß der Mensch den Geist erreicht haben wird, der überwunden, umgestaltet hat, was man Zorn nennt. Ausgeschieden muß sein alles Zornige; daher werden die Schalen des Zorns ausgegossen.
Das Buch soll nichts anderes andeuten, als daß der Mensch selbst in seiner Entwickelung — wenn wir seine Geheimnisse richtig zu lösen verstehen — ein Abbild darstellt der ewigen Weltenevolution. Erkennt er dies, daß der Mensch ein Bild der Weltenevolution ist, dann kann er sich selbst lesen, er ist sich selbst ein Buch geworden. Dann tritt der Moment ein, von dem es in der Apokalypse heißt, daß Johannes das Buch verschlingen muß. Das führt das nächste Siegel weiter aus.
Die zwei Säulen des vierten Bildes stellen den sich verschlingenden roten und blauen Blutbaum dar. Die Wolke ist die heutige Luft, die der Kehlkopf nur beherrscht. Daraus entsteht künftig die ins Feste hineinschaffende Produktionskraft des Menschen. Über den beiden Blutsäulen wird sich herausgestalten der initiierte Mensch, der das Buch verschlungen hat. Und der Mensch erzeugt in sich die Kraft, die die Erde in die Sonne verwandeln wird. Diese Kraft wird charakterisiert in dem Gesichte, das aus der Sonne herausgeboren ist. Wenn der Mensch auf solcher Stufe angelangt ist, ist sein Schauen ein Schauen in die astrale Welt hinein. Das wird Ihnen in jenem Regenbogen über dem Sonnengesicht angedeutet. Dieser Regenbogen deutet die Kraft an, die der Mensch sich angeeignet haben wird, wenn er selbst kosmisch schaffendes Wesen sein wird.
Auf dem fünften Bilde haben wir ein Wesen, das den Drachen überwindet. Das ist der zukünftige Mensch, der das sogenannte Niedere vollständig gefesselt haben wird. Das hängt zusarmmen mit kosmischen Zuständen, die eben dann eintreten, wenn das, was man Kama nennt, unter die Füße getreten ist.
Der Zustand, der eintritt, wenn dies geschehen sein wird, ist symbolisiert im Heiligen Gral des /erzten Bildes. Der durchsichtige Würfel unten stellt dar einen durchsichtigen Diamantwürfel, der aus reinem Kohlenstoff besteht. Wenn der Mensch so weit sein wird, daß er den Kohlenstoff selbst zum Leib-Aufbau verwenden wird - ohne Mitwirkung der Pflanze -, dann wird er den Würfel erzeugen. Dieser Würfel aus kristallisiertem reinem Kohlenstoff ist die beste Hindeutung auf jenen zukünftigen Zustand des Menschen. Da wird der Mensch so weit sein, daß er nicht nur erkennen wird die drei Dimensionen, sondern auch die entgegenkommenden Kontra-Dimensionen: daher kommen im Spiegelbilde den drei Dimensionen die drei anderen entgegen. Diese Kontra-Dimensionen stellen dar, was der Mensch einstmals, wenn er das Physische im Geiste überwunden hat, erreichen wird. Die Schlangen bedeuten das Hinaufentwickeln zum Höheren. Es ist das in dem Siegel in violett-bläulichen Windungen als ein Lichtbild angedeutet. Dieses Lichtbild der Schlange bedeutet die hingebungsvolle Natur der Erkenntnis. Nur diese hingebungsvolle Natur darf erfassen die Weltenspirale im Merkurstab, die dann feurig sein wird, die sich herauswindet aus der reinen Erkenntnis. Dann wandelt sie sich um zu dem nach abwärts gewendeten reinen Kelch. Der Pflanzenkelch ist heute keusch, frei nach oben gerichtet; beim Menschen ist es umgekehrt. Aber der Menschenkelch wird wiederum keusch sein, wird sich nach abwärts wenden - daher ist der Gral hier dargestellt als ein nach abwärts gewendeter Kelch. Der reine Mensch, der unschuldig gewordene Mensch ist dargestellt in der Taube. Der Regenbogen deutet den siebenfältig-schaffenden Menschen an.
So ist in den sieben Siegeln die ganze Menschheitsentwickelung angedeutet. Durch Betrachtung solcher Bilder sollen Empfindungen erzeugt werden, die wir erringen müssen und die selbst wirksame Evolutionsmomente darstellen.
Das Programmbuch ist umschrieben mit der Signatur der Rosenkreuzerschule: E.D.N. I.C.M. P.S.S.R. Das heißt:
Ex deo nascimur
In Christo morimur
Per spiritum sanctum reviviscimus.
In den sieben Siegeln sind Initiationsgeheimnisse ausgedrückt; in den sieben Säulen sind sie planetarisch ausgedrückt. Diese Säulen tragen den Himmel, das ist: die ganze Entwickelung. Die Kapitälmotive haben in allen ihren einzelnen Zügen ihre ganz bestimmte Bedeutung. Wenn Sie plastisch empfinden, wie sich das Obere zum Unteren neigt, so werden Gefühle in Ihnen ausgelöst, die von den Strömungen Bescheid geben in den betreffenden Zuständen dieser Weltenkörper. Die Motive der ersten Säule haben einfache Neigungen und Krümmungen. Durch ihre Betrachtung wird ein Empfinden hervorgerufen derjenigen Strömungen, welche die Erde durchzogen, als sie in ihrem ersten Zustand, den man Saturnzustand nennt, verkörpert war. Daher ist das die Saturnsäule.
Wenn Sie den Fortgang in der Gliederung der Motive empfinden bei der Betrachtung der zweiten Säule — das Untere gliedert sich wie der Fruchtknoten einer Pflanze, und von oben herab gliedert es sich so herunter, daß es zum Kelch werden kann -, so lösen sich in Ihnen Gefühle aus, die den Strömungen entsprechen, welche den Erdkörper durchzogen, als er sich im Sonnenzustand befand. Darum sprechen wir hier von der Sonnensäule. Und so ist es bei der Betrachtung der dritten, vierten und weiteren Säulen. Wenn man von einer zur anderen übergeht, entwickeln sich immer wieder andere Gefühlsströmungen.
Die erste Hälfte der Erdentwickelung hat ihre besondere Eigentümlichkeit von dem Einfluß des Mars. Jetzt, in der zweiten Hälfte, steht sie unter dem Einfluß der Kraft, die der Okkultist vom Merkur ausgehen sieht. Die Erdentwickelung wird darum in die beiden Hälften Mars und Merkur geteilt. Wenn wir nun den Vulkanzustand als eine Art Oktave des Saturnzustandes weglassen, so ergibt sich folgende Reihe der Zustände in der Erdentwickelung: Saturn, Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter, Venus.
Bei der Merkursäule ist das Saturnmotiv in das Merkurmotiv hineinverwoben. Der Schlangenstab geht organisch hervor aus dem Vorhergehenden. Er entwickelt sich weiter. Und was an Erdströmungen bei der weiteren Fortentwickelung entsteht, das empfinden wir bei der Vertiefung in die weiteren Kapitälmotive. Beim letzten haben wir wieder die Kelchform.
Das Geheimnis der sieben planetarischen Zustände unserer Erde wurde in die Benennungen der sieben Wochentage hineingelegt. Sie heißen: Saturntag: Saturday, Samedi, Samstag; Sonntag; Montag, Monday; Marstag: Mardi oder Ziu, Tuesday, Dienstag; Merkurstag: Mercredi (Mittwoch ist ein profaner Name); Jupiterstag: Jeudi, Thor, Donar, Thursday, Donnerstag; Venustag: Vendredi, Freya, Freitag. Tief symbolisch sind die Namen der Wochentage. In ihrer Aufeinanderfolge sehen wir etwas, wodurch die Eingeweihten sagen wollten: Denkt daran, daß ihr hineingestellt worden seid in die lebendige Evolution der Zeit. — So lehrt uns das Höchste das Allernächste verstehen, das man in der unmittelbaren Umgebung hat.
Der Gedanke der Evolution der Menschheit sollte in den Säulen angedeutet sein. Er ist so ausgedrückt, wie er immer in der okkulten Zeichensprache ausgedrückt worden ist. Die Stätten des Okkultismus waren symbolisch gegliedert und ausgestaltet. In der Form, im Bilde, in der Farbe sollte man schauen, was in der Seele lebt. Von Außen her soll uns entgegenglänzen, was in der Seele lebt, dann hat man im Sinne der Weltentwickelung gearbeitet. Daß wir an diese große Evolution selbstlos denken müssen, das ist vor allem unsere Aufgabe. Sie wird erfüllt, wenn wir ganz und gar das Innenleben einfließen lassen in das Äußere.