Images of Occult Seals and Columns

GA 284 — 12 June 1907, Berlin

Bericht über den Kongress im Berliner Zweig

Der Münchner Kongreß, der der vierte ist - nach Amsterdam, London und Paris -, sollte in einer gewissen Beziehung eine Etappe sein in der Entwickelung unserer theosophischen Bewegung. Er wird eine Art Verbindung zwischen den verschiedenen Nationen herstellen auch in bezug auf unsere theosophische Sache innerhalb Europas. Nicht einen eigentlichen Bericht über den Kongreß will ich heute geben, sondern nur ein paar Bemerkungen für diejenigen, welche nicht daran teilnehmen konnten.

Er sollte eines zeigen, was ja immer und immer wieder von mir betont worden ist in bezug auf unsere theosophische Sache - er sollte zeigen, daß 'Theosophie nicht nur Gegenstand persönlichen Brütens und In-sich-Hineinlebens sein soll. Die theosophische Sache soll ins praktische Leben eingreifen, soll eine Sache der Bildung sein, eine Sache des Sich-Einlebens in alle Zweige des praktischen Daseins. Nur wer ein tieferes Verständnis und einen tieferen Begriff von den eigentlichen Impulsen der theosophischen Sache hat, weiß schon heute, welche Möglichkeiten diese 'Theosophie in der Zukunft bieten wird. Sie wird der Einklang sein zwischen dem, was wir sehen und schauen und innerlich fühlen. Für den, der tiefer schauen kann, liegt ein wichtiger Grund für die Zerfahrenheit der Menschen in der Disharmonie zwischen dem, was ist, und dem, was die Theosophie will. Nicht bloß Theosophen haben das empfunden, sondern auch andere bedeutende Naturen, wie zum Beispiel Richard Wagner.

In früherer Zeit war jedes Türschloß, jedes Haus, jedes Gebilde ein Gebilde der Seele. Seelenstoff war da eingeflossen. In den alten Zeiten gehörte das Kunstwerk zum menschlichen Fühlen und Denken. Die Formen der gotischen Kirchen waren in alten Zeiten entsprechend der Stimmung derer, die zu den Kitchen pilgerten. Sie waren der Ausdruck von deren eigener Seelenstimmung. Der zu der Kirche Pilgernde empfand damals die Formen wie ein Händefalten, so wie der alte Germane in dem Zusammenfalten der Bäume ein Händefalten empfand. Alles war in jenen Zeiten den Menschen vertrauter. Das sehen Sie noch bei Michelangelo und Leonardo da Vinci wundervoll ausgedrückt. Das Zusammenstehen des ganzen Dörfchens um die Kirche war nichts anderes als der Ausdruck seines ganzen Seelenlebens. Die ganzen Ätherströme sammelten sich an dem Platze, wo die Kirche stand. Das materialistische Zeitalter hat das alles zerklüftet. Die, welche das Leben nicht betrachten können, wissen das nicht. Der Seher aber weiß, daß es heute, wenn man durch eine Stadt geht, fast nichts zu sehen gibt als Dinge, die den Magen oder die Putzsucht angehen. Wer die geheimen Lebensfäden zu verfolgen versteht, der weiß auch, was die materialistische Kultur zu dieser Zerklüftung gebracht hat.

Eine Gesundung der Außenwelt kann dadurch entstehen, daß sie ein Ausdruck dessen wird, was unsere innersten Seelenstimmungen sind. Nicht zum Vollkommensten kann man gleich greifen, aber ein Beispiel dafür wurde in München gegeben. Die theosophische Weltanschauung wurde in dem Raum zum Ausdruck gebracht. Man sah da nichts als Theosophisches. Der ganze Saal war in Rot gehalten. Es besteht zwar häufig ein großer Irrtum in bezug auf die rote Farbe, aber das Rot ist in seiner tieferen Bedeutung nicht zu verkennen.

Die Entwickelung der Menschheit ist ein Auf- und Absteigen. Sehen Sie sich die ursprünglichen Völker an. Grün haben sie in der Natur. Und was lieben sie am meisten? Rot. Der Okkultist weiß, daß das Rot eine besondere Wirkung auf die gesunde Seele hat. Es löst in der gesunden Seele die aktiven Kräfte aus, diejenigen Kräfte, welche zur Tat anspornen, diejenigen Kräfte, welche die Seele aus der Bequemlichkeit in die Unbequemlichkeit des Tuns versetzen sollen. Ein Raum mit Feiertagsstimmung muß rot austapeziert sein. Wer ein Wohnzimmer rot austapeziert, der zeigt, daß er keine Feiertagsstimmung mehr kennt und die rote Farbe profaniert. Goethe hat über solche Dinge die schönsten Worte gesagt, die es gibt: «Die Wirkung dieser Farbe ist so einzig wie ihre Natur. Sie gibt einen Eindruck sowohl von Ernst und Würde als von Huld und Anmut. Jenes leistet sie in ihrem dunklen, verdichteten, dieses in ihrem hellen, verdünnten Zustande. Und so kann sich die Würde des Alters und die Liebenswürdigkeit der Jugend in eine Farbe kleiden.»

Das sind die Stimmungen, die durch das Rot ausgelöst werden; Stimmungen, die man auf okkultem Wege nachweisen kann. Schaut Euch die Landschaft durch ein rotes Glas an und Ihr habt den Eindruck: so muß es aussehen am Tage des Gerichts. Rot macht froh darüber, was der Mensch in der Fortentwickelung vollbracht hat. Rot ist Feind gegen retardierende Stimmungen, gegen Sündenstimmungen.

Dann gab es da sieben Säulenmotive für die Zeit, in welcher der Theosophie auch einmal Gebäude gebaut werden können. Die Motive der Säulen sind aus den Lehren der Eingeweihten herausgeholt, aus uralten Zeiten. Die Theosophie wird die Möglichkeit haben, wirklich neue Säulenmotive der Architektonik zu geben. Die alten Säulen sagen eigentlich dem Menschen schon längst nichts mehr. Die neuen haben Bezug auf Saturn, Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter, Venus. Die Gesetzmäßigkeit drückte sich in den Kapitellen aus. Zwischen den Säulen hatten wir angebracht die sieben apokalyptischen Siegel in Rosenkreuzerart. Das Gralssiegel ist zum ersten Male vor der Öffentlichkeit erschienen.

Die 'Theosophie kann man auch bauen: man kann sie bauen in der Architektonik, in der Erziehung und in der sozialen Frage. Das Prinzip des Rosenkreuzertums ist, den Geist in die Welt einzuführen, fruchtbare Arbeit für die Seele zu leisten. Es wird auch gelingen, die Kunst zu einer Mysterienkunst zu erheben, nach der Richard Wagner eine so große Sehnsucht hatte. Ein Versuch ist gemacht in Edozard Schures Mysteriendrama. Hier hat Edouard Schur& versucht, den griechischen Mysterienspielen nachzuarbeiten.

Das Programm zeigte die feiertägige Farbe Rot und trug ein schwarzes Kreuz mit Rosen umwunden im blauen Felde. Das -Rosenkreuzertum leitet das, was das Christentum gegeben hat, in die Zukunft weiter. Die Anfangsbuchstaben auf dem Programm geben die Grundgedanken wieder.

Was dem Ganzen zugrunde lag, war die Absicht, die Theosophie einzuktristallisieren in den Aufbau der Welt.

German original of Report on the Congress in the Berlin Branch · ← Previous · Next →