Images of Occult Seals and Columns
GA 284 — 15 October 1911, Stuttgart
DIE OKKULTEN GESICHTSPUNKTE DES STUTTGARTER BAUES
RUDOLF STEINER
DIE OKKULTEN GESICHTSPUNKTE DES STUTTGARTER BAUES
Stuttgart, 15. Oktober 1911, abends
Es erscheint mir angemessen, am heutigen Tag bei dem zu bleiben, was uns ja so naheliegt: bei diesem unserem Heim für die Stuttgarter theosophische Arbeit. Es ist Ihnen ja vielleicht allen, die Sie heute diesen Raum betreten haben und versuchen, mit einer Art innerem Blick auf die Gefühle zu schauen, die Sie hier überkommen haben, ein Wort in den Sinn gekommen, das wiedergeben kann, was man gern als das Eigenartige unseres heutigen Erlebnisses andeuten möchte: Stimmung ist es zweifellos, die unsere Seele durchströmt, indem wir in diesem Raume sind.
Wenn man in okkulter Art so etwas weiterverfolgt, dann kann man gerade von diesem Gesichtspunkte aus gewisse Blicke in die Untergründe unseres Lebens tun. Wir sind in diesem Raum in der Hauptsache von einem Farbenton umgeben, der für diesen Raum angewendet worden ist. Daß es uns auf Farbenabstimmungen ankommt in mancher Hinsicht, das werden Sie auch gesehen haben aus der Art und Weise, wie wir uns bemühten, die Mysterienaufführun-gen einzukleiden und auch aus der Farbengebung sonstiger Räume, die wir der theosophischen Betrachtung haben widmen können. Nun ist es durchaus nicht gleichgültig, von welchem Farbenton des abgegrenzten Raumes der Mensch in irgendeiner Verfassung seiner Seele umgeben ist. Und weiterhin ist es nicht gleichgültig, welcher Farbenton in der Hauptsache auf einen Menschen von diesem oder jenem Temperament, Intellektualität, Charakter wirkt. Auch ist es nicht gleichgültig für die gesamte Menschenorganisation, ob irgendein Farbenton lange Zeit in oft und oft wiederkehrender Wiederholung wirkt, oder ob er nur vorübergehend wirkt. Sie werden sich erinnern, daß wir jenen Saal, der uns 1907 für den Kongreß diente, mit einem gewissen roten Farbenton auskleideten. Da durfte nicht der Schluß gezogen werden, daß wir auf die rote Farbe schwören als richtige räumliche Umkleidung. Diesen Raum hier haben wir mit einem anderen Grundton ausgekleidet [blau]. Und wenn wir nach den Gründen fragen, so erhalten wir die Antwort: Jener Saal in München diente einlge Tage hindurch einer besonders festlichen Gelegenheit, einem in ein paar Tagen vorüberrauschenden Ereignis und sollte die Stimmung hervorrufen, die diesem Umstande angemessen war. Hier haben wir einen Arbeitsraum; er soll dazu bestimmt sein, daß unsere Stuttgarter Freunde immer wieder und wieder von Woche zu Woche hier ihre theosophischen Betrachtungen und Arbeiten vollbringen. Im wesentlichen haben wir es mit einem Raum für Betrachtungsversammiungen, die immer wiederkehren, zu tun.
Wir werden nun die Bedeutung des Farbentons uns am besten vor die Seele stellen, wenn wir schildern, wie er auf den Okkultisten wirkt. Es gehört dazu, daß der Mensch sich vollständig von allem loslöst und sich hingibt an den Farbenton, in ihm aufgeht. Wäre derjenige, der sich diesem Farbenton hingibt, der hier die physisch undurchsichtigen Wände bedeckt, ein okkult in gewisser Beziehung vorgeschrittener Mensch, so würde nach einlger Zeit solch restloser Hingabe das eintreten, daß die Wände dann verschwinden für den hellseherischen Anblick. Das Bewußtsein hört auf, an den Wänden Grenzen gegenüber der Außenwelt zu haben. Was nun zunächst auftritt, ist nicht etwa das, daß er die Nebenhäuser draußen sieht, daß die Wände wie Glas würden, sondern es tritt in dem Umkreis, der sich eröffnet, eine Erscheinungswelt rein geistiger Art auf, eine Reihe geistiger Tatsachen und Wesenheiten wird sichtbar. Wir brauchen ja nur zu bedenken, daß hinter allem Physischen, das in unserer Umgebung ist, geistige Wesen und Tatsachen vorhanden sind. Was so dem Physischen draußen zugrunde liegt, das wird in gewisser Weise sichtbar; aber nicht bei jeder Art räumlicher Umgrenzung wird das gleiche sichtbar. Die Welten, die uns geistig umgeben, sind von vielerlei Art. Da sind Elementarwesen der mannigfaltigsten Art um uns herum. Diese Elementarwesen sind nicht eingeschachtelt oder so, daß sie in verschiedenen Wohnungen wohnen. Das Gesetz der Undurchdringlichkeit gilt nur für die physische Welt; für die höheren Welten gilt gerade Durchdringlichkeit. Sie sind aber auch nicht in gleicher Weise sichtbar. Im gleichen Raume können je nach der hellseherischen Fähigkeit sichtbare und unsichtbare Wesen zusammen vorhanden sein. Welche geistige Wesenheiten im einzelnen Fall sichtbar werden, hängt von der Farbe ab, der wir uns hingeben. Bei einer roten Umgrenzung werden andere Wesen sichtbar als bei einer blauen, wenn man durch Farben-wirkung zu ihnen dringt.
Wir können uns nun fragen: wie ist es für den nicht heilseherisch geschulten Blick? Was der Hellseher bewußt tut, das tut unbewußt des Menschen ätherischer Leib, wenn er nicht hellseherisch geschult ist: er tritt mit denselben Wesen in eine gewisse Beziehung. Daraus folgt nichts Geringeres, als daß wir, je nach der Raumesumgebung, mit der einen oder anderen Art von geistigen Wesenheiten in Beziehung kommen. Nun handelt es sich weiter darum, daß wir in günstiger oder ungünstiger Weise eine Verbindung herstellen können mit den Wesenheiten, die uns umgeben. Nehmen wir an, wir stellen eine solche Farbenumgebung her, die uns mit Wesenheiten in Verbindung bringt, die uns für eine gewisse Verrichtung, die wir in dem Raume vollbringen, stören, so ist die Farbenumgebung ungünstig. Umgekehrt kann unser ätherischer Leib durch die entsprechende Farbe gefördert werden von den geistigen Wesen; das ist dann natürlich günstig.
Nun haben wir gesehen: dieser Raum ist der wiederholten Betrachtung gewidmet, durch die wir in unseren Erkenntnissen fortschreiten wollen. Wir haben nötig, wenn so gearbeitet wird in einem Raume wie hier, daß wir in der Lage seien, mit unserer ganzen menschlichen Organisation uns voll hinzugeben an das, was hier an unsere Seele herantritt. Wir wollen durch nichts gestört werden, um so gut es uns möglich ist, die Dinge aufzunehmen. Es wird der einzelne sie immer schlechter oder besser aufnehmen, aber die bestmögliche Art soll hergestellt werden, so daß ein jeder, so viel als nach seiner inneren Organisation möglich ist, sich hingeben kann den Betrachtungen, die hier angestellt werden. Die Farbe, mit der wir hier umgeben sind, setzt uns mit solchen Wesen unserer geistigen Umgebung in Beziehung, welche uns zu Hilfe kommen in unserem Ätherleib gerade bei denjenigen geistigen Verrichtungen, die wir brauchen, um spirituelle Wahrheiten in uns innerlich zu verarbeiten. Wir werden durch diese Umgebung am wenigsten gestört. Es wird unserem Ätherleib nichts zugemutet in bezug auf Bekämpfung schädlicher Einflüsse von elementaren Wesenheiten, sondern die Kräfte unseres Ätherleibes werden sogar noch aufgerufen zu leichterem Arbeiten. So sehen wir, daß für eine solche Arbeitsweise, die sich immer wiederholt und der eine gewisse Seelenruhe zugrunde liegen muß, gerade diese Umgebung gewählt werden mußte.
Nehmen wir an, es handle sich irgendeinmal um etwas besonders Ernstes, das aber vorübergehend ist; da ist es, wenn wir die okkulten Gesetze berücksichtigen, von großem Vorteil, um nicht nur in eine Festesstimmung, sondern in innerliche Stärke hineinzukommen, sich mit einer roten Raumesumgrenzung zu umgeben. Wenn wir starke Willensentschlüsse fassen müssen, dann müssen wir die hereindringenden geistigen Wesen überwinden. Das heißt, wir müssen bei festlichen Gelegenheiten stark werden, damit das Herankommende zum bleibenden Impuls werde; und unsympathische Empfindungen bei einer solchen Gelegenheit würden nichts anderes besagen, als daß man es ablehnt, Herr zu werden über die Schwachheiten des Gemüts und nicht gestattet, ernste Willensentschlüsse zu fassen, die, kurz angeregt, für die Dauer bleiben sollen.
Farbenwirkungen sind von der denkbar größten Bedeutung. Nun wissen Sie, daß wir unter gewissen Umständen des allgemeinen Seins unserer Weltenumgebung eine Grundfarbe über uns sich ausbreiten sehen: die Bläue des Himmels. Diese Bläue des Himmels hat für die Menschen unserer Zeitepoche eine sehr große Bedeutung. Denn sie hat die Bedeutung, daß die Menschen -indem sie auf ihre Seele wirken lassen die blaue Raumesweite - immer wieder die Mahnung erhalten: mit den in der großen Welt befindiichen Wesenheiten in Berührung zu kommen, die unseren Ätherleib aufrufen zur Betrachtung des Spirituellen. In bezug auf die Bläue des Himmels war es nicht immer so mit den Menschen, wie jetzt. Die Menschen der Gegenwart glauben immer wieder, daß die Menschen stets so gewesen seien, wie sie jetzt sind. Die ganze Konstitution des Menschen hat sich geändert im Laufe der Zeit. In jenen alten Zeiten, wo ein ursprüngliches Hellsehen vorhanden war, da gab es nicht eine solche Bläue des Himmels wie für den gegenwärtigen Menschen, sondern damals schaute der Blick hinaus in die Raumes-weiten, und sie wurden ihm nicht abgeschlossen durch die Bläue des Himmels, sondern er sah hinein in die geistigen Welten, die sich ausdehnen in Raumesweiten. Wenn die alten Menschen davon gesprochen haben, daß da oben der Himmel beginne, das heißt dasjenige, in dem die geistigen Wesenheiten der Hierarchien zu suchen sind, so haben sie buchstäbliche Wahrheit gesprochen.
Anders als es ist mit einer Farbe, die an einer undurchsichtigen Wand ist, ist es wiederum mit jenen Farben, die uns durchsichtig erscheinen. Wenn wir betrachten, was uns hier als leuchtende Farbe umgibt, so müssen wir sagen: Ebenso, wie wir durch die Farbe, die an der undurchsichtigen Wand ist, mit gewissen Wesenheiten in ein Verhältnis treten, so treten wir mit anderen Wesenheiten durch die durchsichtig leuchtende Farbe in eine Beziehung. Während die Wesenheiten, mit denen wir durch die undurchsichtige Wand in Beziehung treten, sich zunächst im Raume ausbreiten, aber nichts eigentlich zu tun haben mit den drei Reichen, dem Mineral-, Pflanzen- und Tierreich, so treten wir durch leuchtende Farben in Beziehung zu den Wesenheiten, welche direkt damit beschäftigt sind, die Dinge der drei Naturreiche zustande zu bringen. Wenn wir insbesondere durch leuchtendes Rot schauen, so treten wir mit Wesenheiten ganz besonderer Art innerhalb unserer Naturreiche in Beziehung. Wenn leuchtendes Rot eine Art Fenster bildet, um hellseherisch in die Naturreiche zu schauen, so treffen wir auf Wesen, deren Arbeit die besten Kräfte für die Zukunft unseres Erdenseins bildet. Sie müssen in den Natur-reichen da sein, damit dem Menschen innere Kräfte erwachsen können, die ihn immer keuscher in seinem Blute, das heißt in seinem Leidenschaftsleben, machen. Und wenn wir auf diese Weise in die Naturreiche schauen, dann schauen wir auf sie, die uns daran mahnen auch im Unbewußten, die am meisten uns dazu aufrütteln, vorwärtszukommen in der Reinigung unserer Leidenschaften.
Außerdem, daß wir hier umgeben sind von gewissen Farbentönen, sehen wir in diesem Raum allerlei Zeichen und symbolische Figuren. Sie sind keineswegs ohne Bedeutung; ich meine jetzt nicht die Bedeutung, die der spintisierende Verstand finden kann. Geistreiche Menschen können alle möglichen Geistreicheleien herausfinden, aber solche Erklärungen sind nichts für den Okkultisten. Hier kommt es vor allem darauf an, daß sie überhaupt da sind. Und nehmen wir an, wir richten das physische Auge auf irgendeine dieser Figuren: da ist es nicht bloß das physische Auge, sondern es ist die ganze Organisation, vor allem sind es auch die Strömungen des Ätherleibes, die in einer ganz bestimmten Weise in Bewegung kommen, angeregt durch den Verlauf der Linien und durch die Formen dieser Figuren, so daß der Ätherleib andere Bewegungen in sich hat, je nachdem man die eine oder andere dieser Figuren ansieht. Das bedeutet, daß innerhalb der Welt der ätherischen Substanz, die uns umgibt, mit all den Wesenheiten, die darin zunachst verkörpert sind, die Formen, die wir hier nachzeichnen, wirklich vorhanden sind. Es gibt Wesenheiten, die diese Formen wirklich haben in der ätherischen Welt; und indem wir eine dieser Figuren anschauen, richtet sich unser Ätherleib so ein, daß er in seinen eigenen Bewegungen Formen nach den Linien selbst bildet, das heißt eine Gedankenform erzeugt, die nun von ihm ausgeht; und je nach der Gedankenform wird unser ätherischer Leib imstande sein, mit der einen oder anderen Art von Wesenheiten sich in eine reale Verbindung zu setzen. Diese Figuren sind die Mittler, indem wir veranlaßt werden, in uns selbst die Gedankenformen, das heißt die Bewegungsformen in unserem Ätherleibe zu bilden. Nun sind diese Figuren so gewählt, daß sie in einer rhythmischen Aufeinanderfolge etwas Ganzes ergeben, dasjenige nämlich, was einer gewissen Entwickelungsströmung in der ätherischen Außenwelt entspricht, und zwar einer solchen, die unserem ätherischen Leib durch eine ganz bestimmte Tatsache günstig ist. Unser ätherischer Leib hat in sich selbst die Tendenz, sich zu verändern; er wird in gewisser Weise anders, wenn er vollkommener wird. Die Aufeinanderfolge der Formierungen, die dem Vollkommenerwerden unseres Ätherleibes entsprechen, wird in der Aufeinanderfolge dieser Figuren sich vollziehen. Wenn wir den okkulten Tatsachen entsprechend solche symbolische Figuren anbringen und tiefer den Blick schweifen lassen können, so ist uns das eine Hilfe für das, was wir wollen, und wenn wir durch richtige Aufeinanderfolge die entsprechenden Gedankenformen erzeugen, dann kommen wir dem zu Hilfe, was uns das Verständnis eröffnen soll, das innerliche, für jenen Rhythmus, der vorhanden ist, wenn wir von den sieben Gliedern des Menschen sprechen. Wir haben diese Figuren nicht zum bloßen Zierat angebracht, sondern weil sie innig verknüpft sind mit dem, was wir hier treiben wollen.
Geradeso wie wir zu der ätherischen Umwelt in Beziehung gesetzt werden durch die Gedankenformen, die wir bilden sollen, wie es eben geschildert wurde, werden wir durch das Musikalische zu dem Astralischen unserer Umwelt in Beziehung gebracht auf einem Wege, der direkter die eigenen Bewegungen des Astralleibes beeinflußt. Das Musikalische wirkt unmittelbar auf unseren astralischen Leib, so daß wir angeregt werden, indem er auf den Ätherleib von innen wirkt, für alles, was in der astralischen Welt verkörpert ist; nicht in dem Sinn, wie man von der astralischen Welt als Kamaloka enthaltend spricht, sondern für das Universelle der astralischen Welt, in die auch das Devachanische herunterstrahlt. Die Offenbarung durch das Musikalische ist eine unmittelbarere, als wenn sich die oberen Welten kleiden in die Formen, die im Raume ausgebreitet sind. Dafür ist dasjenige, was im Raume sich ausbreitet, in gewisser Weise, wenn es den okkulten Ergebnissen richtig angepaßt ist, etwas, was uns unsere Selbständigkeit mehr läßt. Das musikalische Element wirkt zwangsmäßig auf den Menschen. Aber wir kommen zu dieser Art des Wirkens auf den Menschen, die mehr dadurch den Ätherleib anregt, daß zunächst der astralische Leib angeregt wird, auch durch das räumliche Element, und ein Beispiel für diese andere Art der Wirksamkeit können wir auch in diesem Raum studieren.
Sie sehen oben zwei Bilder, die zunächst zu unserem heutigen Fest beigesteuert sind von unserem Freund Stockmeyer. Diese beiden Bilder werden später eine andere Ausführung erhalten und werden dann dasjenige vollständig geben können, was sie geben sollen. Sie haben in der Wirkung dieser beiden Bilder zusammen, nicht von jedem einzeln, etwa das Folgende:
Wenn zuerst das eine, dann folgend das andere Bild wirkt, so wird unter allen Umständen, ob Sie es wollen oder nicht, das eine und darauf das andere Bild, zusammenklingend, Gedanken-formen erregen durch bestimmte Formierungen Ihres astralischen Leibes. Das bleibt im Unterbewußtsein und das ist, indem es in die Ideen der Bilder hineingelegt ist, nur in abstrakter Weise durch Begriffe wiederzugeben. Unser Gefühl kann uns jene Gedankenformen etwas versinnlichen, die unser astralischer Leib unter allen Umständen aus diesen Bildern einmal in vollständiger Weise ziehen wird, wenn es gelungen sein wird, sie in richtiger Weise auszuführen.
Rechtes Bild vom Bes chauer: Eine gewisse astralische Form, eine Art Drachenform, wird von einer hohen Wesenheit der oberen Hierarchien, Raphael, besiegt durch den bloßen magnetisierenden Blick. Und wenn der Mensch durch Entwickelung seines Willens dazu kommt, die Kraft dieser Wesenheit in seinen eigenen Willen aufzunehmen, dann haben wir die Kräfte, an die das Griechentum dachte bei den götdichen Kräften des Äskulap, mit denen er heilte. Alles das, was im geistig magnetischen Blick liegt, das heilende Wirkungen haben kann, wenn er entsprechend trainiert ist, kann in Gedanken aufgerufen werden, wenn wir gleich hinterher das Zusammenfügende dieses Empfindens im anderen Bilde verfolgen. Die Wirkung des Auges muß sich übertragen auf das Phantom, daß mit Hilfe der Phantomkräfte des physischen Leibes die Wirkung verstärkt wird, die von dem Drachen ausgeht, der dann durch die Gewalt des Michael besiegt wird.
Wenn wir uns die Fähigkeit aneignen, diesen Gedanken herauszufühlen aus den Kräften des Weltenalls und zu denken, wie er durch den physischen Leib einen Träger erhalten kann, indem er die Willenskräfte verstärkt, so daß der Mensch nicht mehr in bezug auf solche Kräfte zu sagen braucht, der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach, als aufeinanderfolgende Empfindungen und Formierungen des astralischen Leibes, dann haben wir etwas gegeben, was in hohem Grade aus unserem Unterbewußtsein heraus moralisch stärkend wirken kann. So können wir unmittelbar aus der Aufeinanderfolge von zwei Bildern, und noch mehr aus drei Bildern, moralische Kraft ziehen.
Aber es sei ausdrücklich betont, das gilt nur vom Zusammenwirken solcher Motive, niemals von einem einzelnen Motiv. Würde es sich um ein Bild handeln, dann müßte es anders beschaffen sein: es müßten zwei Motive unmittelbar zusammenwirken, zum Beispiel wie bei der Sixtinischen Madonna. Da ist es die Kreuzung zweier Motive, die im höchsten Maße moralisch stärkend wirken können. Oben haben wir die Wolken, aus denen sich die Engelsköpfe heraus-gestalten, und wenn wir das Jesuskind im Arme der Mutter ansehen, so empfinden wir, daß es durch die Verfestigung der gleichen Kräfte entstanden ist, welche die Engel nur zum Wolken-dasein kommen lassen. Das ist das eine Motiv, wo wir gleichsam aus dem Wolkeniicht des Weltenalis empfinden die Entstehung des reinen Lichtwesens, des Menschen. Durchkreuzt haben wir dieses Motiv von dem, was an der Mutter ausgedrückt ist; sie ist ganz Unschuld und Liebe, und wir sehen gleichsam hervorkommen aus dem, was uns als der Leib, der Blick, das Antlitz, die Linien der Mutter erscheint, die wärrnste Liebe. Licht von oben, sich verdichtend zu dem reinen Lichtleib des Jesuskindes, wärmende Liebe von unten, sich begegnend und in der Armhaltung sich berührend: zwei Motive ineinanderlaufend, das gibt unserem astralischen Leib im Unterbewußtsein, ob er will oder nicht, wenn der Mensch nur die Geduld hat, sich ganz hinzugeben, das Gefühl: Du bist verpffichtet, demjenigen, was sich dir offenbaren kann aus den göttlichen Höhen, deine Liebe so entgegenzubringen, daß du es in deine eigenen Arme nimmst und in der Welt verwirklichst, daß du deine Impulse im Leben aus den geistigen Welten holst. -Die Sixtiha ist ein Altarbild, wo diese Gedankenform zusammenwirkt mit einer Gemeinde; hier haben wir es mit zwei Motiven zu tun, die in uns die Stimmung erregen sollen: Wir mögen fähig werden, dasjenige, was die Gesetze und die Wesenswirksamkeit der geistigen Welt sind, im Gedanken festhalten zu können.
Das ist es, worauf es bei unseren theosophischen Arbeiten ankommt. Die geistigen Dinge sind flutend, und für den ungeübten Hellseher sind sie wie Träume. So wie es schwierig ist, diese flutenden Wesenseigentümlichkeiten festzuhalten im Denken, so schwierig ist auch der umgekehrte Weg, im Denken den Gedanken selbst eine solche innere Konsistenz zu geben, daß man das Gefühl erhält: Du denkst eine Realität der wirklichen geistigen Welt. - Dieses Gefühl können wir erhalten, wenn wir die Bilder in einer solchen Weise auf uns wirken lassen. Wir brauchen dazu nichts anderes, als daß wir nicht stumpf sind gegenüber diesen Dingen, sondern daß wir sie wirklich öfter ansehen. Dann können die Kräfte des astralischen Leibes gar nicht anders, als die Wirkung verspüren, die sich so formulieren läßt: Wir kommen immer mehr dazu, den wirklichen Inhalt der theosophischen Gedanken einzusehen. Wir werden nicht zwangsmäßig überrumpelt, sondern diese Anerkennung ist eine völlig freie. Das Zusammenwirken zweier Motive ist etwas, was die freien Kräfte des Menschen entfesselt.
So sehen Sie, daß in der Zusammenstellung dessen, was uns hier umgibt, alle Gesetze erfüllt worden sind, welche die sogenannte weiße Magie aufstellt, die Gesetze, durch keinerlei über-wältigende Kräfte auf den modernen Menschen zu wirken, sondern dasjenige, auf das gewirkt werden soll im anderen Menschen, als ein unberührbares Heiligtum zu betrachten, das aus sich selbst auferstehen lassen soll die Kräfte der geistigen Welt.
Wenn Sie das, was jetzt mit einigen Andeutungen gesagt worden ist, vor die Seele stellen, dann werden Sie sich so recht aus dem Fundamente heraus sagen, welche Bedeutung es hat für die theosophische Arbeit, ein eigenes Heim zu haben, denn Sie werden daraus ein wenig das Gefühl erhalten haben, daß nach den Gesetzen des Okkultismus selbst, und zwar nach zunächst femliegenden Gesetzen des Okkultismus, solch ein Heim erbaut und innerlich eingerichtet sein muß. Sie werden auch begreifen, was es im Grunde genommen bedeutet, wenn wir da, wo wir kein solches Heim besitzen, gezwungen sind, in der Umgebung die theosophlschen Betrachtungen anzustellen, die uns gemeiniglich zur Verfügung steht. Unsere Zeit hat ja die wenigsten Talente auf dem Gebiet, das heute berührt worden ist, und es werden auf keinem Gebiet so große Sünden begangen, wie in Form- und Farbengebung. Wenn man trivial sprechen darf:
Wie die Menschen heute sich anziehen und wie sie sich selbst oft Farben geben, das ist himmelschreiend, und wenn der Mensch durch die großen Städte wandert und in die Schaufenster sieht mit okkult geschärftem Blick, dann wird er in der Tat die Frage erst für sich selbst entscheiden müssen, ob das, was da gearbeitet hat, aus einem gesunden Verstand oder aus etwas anderem gekommen ist. Und so wie mit der Farbe, verhält es sich in noch schlimmerem Maße mit der Form. Aber dieses geringe Talent ist auch vorhanden in Beziehung auf die Auskleidung der Räume, und es ist, wenn es mit vollem Bewußtsein geschieht, etwas Furchtbares, in den philiströsen Räumen theosophische Betrachtungen anzustellen, wie wir es gezwungen sind. Wenn wir mit dieser Tatsache zusammenhalten, was uns hier in diesem Raum geworden ist, was aus unseren Intentionen selbst hervorgegangen ist und uns so umgibt, wie wir nicht etwa aus Eigensinn umgeben sein wollen, sondern umgeben sein müssen, wenn wir günstig arbeiten wollen, dann werden wir die Bedeutung dessen, was hier geschehen ist, würdigen; und daß wir das würdigen, dazu sollten die Worte, die ich heute zu Ihnen gesprochen habe, dienen.