The Building at Dornach
GA 288 — 24 January 1920, Dornach
Zweiter Vortrag
Wir haben gestern den Bau aus der Umgebung und von außen betrachtet. Heute wollen wir an das Innere herantreten und versuchen, uns den Gedanken der Innenarchitektur vor die Seele zu führen. Dieser Gedanke der Innenarchitektur kann zunächst einmal so charakterisiert werden: Wenn sich jemand dem Bau von außen nähert, so wie er jetzt ist, so soll durch den Eindruck, den er bekommt - wie ich schon gestern andeutete -, die Vorstellung hervorgerufen werden: Da ist etwas umschlossen, was zunächst abgesondert von der Welt in innerer Sammlung getrieben werden muss, was aber dazu da ist, um in die gegenwärtige Menschheitsentwicklung übergeführt zu werden, was ein neues Element ist, das in diese Menschheitsentwicklung hineinkommen soll. Auf dieses Neue in dem Weltanschauungselemente sollen eben schon die äußeren Formen hinweisen. Sie erstreben einen neuen Stil. Wäre das Goetheanum in einem alten Baustil errichtet, so würde man gerade gegenüber dem, was hier getrieben werden soll, nicht die rechte Vorstellung bekommen. Diesem Äußeren tritt nun das Folgende als Inneres gegenüber.
Nun ist als erstes Bild (Abb. 28) vorzuführen der Anblick, den man hat, wenn man von der Rampe aus durch das Hauptportal und durch den Vorraum hineingeschritten ist, sich dann gegen die Westseite zu umdreht und vor sich hat dasjenige, was nach oben abschließt den Raum über den beiden Säulen, den beiden ersten Säulen, der linken und der rechten, und das, was in der Mitte liegt. Indem wir weiterschreiten, sehen Sie hier die erste Säule, so wie sie sich links und rechts im Kapitell zeigt, und darüber den Architrav.
Beachten Sie dasjenige, was das Wesentliche ist: das Fortschreitende in der Konfiguration sowohl der Säulenkapitelle wie desjenigen, was als Architrav über den Säulenkapitellen sich hinzieht. Ich habe gestern gesagt, dass hier an diesem Bau die Hauptsache die ist, dass alles an seinem Orte in seiner Notwendigkeit empfunden wird, alles so empfunden wird, wie irgendein Glied eines organischen Wesens an dem Orte, an dem es sich befindet, in seiner Notwendigkeit gefühlt werden kann. Sie können sehen, wie versucht worden ist, hier alles dasjenige, was im Bau drinnen zu sein hat, auch wirklich mit dem Baugedanken zu umschließen, sodass dieser Bau nicht etwa so erscheint, als ob man eine Wandumschließung einer Behausung hätte und dann etwas Beliebiges da oder dort hingestellt hätte, sondern alles dasjenige, was der Bau umschließen soll, soll zugleich in organischer Verbindung mit dem ganzen Baugedanken sein. Davon können Sie sich überzeugen dadurch, dass Sie das Bild betrachten, das ja in Verbindung mit diesem ist (Abb. 30). Es ist das Orgelmotiv, woraus Sie sehen, wie die Architektur hier so gestaltet ist, dass die Orgel sich in die Architektur voll hineinbilden soll, sodass man nicht etwas Hineingestelltes empfindet, sondern dass man förmlich empfindet, die Orgel sei wie aus der Architektur herausgewachsen. Das ist als Grundprinzip durch den ganzen Bau durchgeführt.
Im nächsten Bild (Abb. 31) sehen Sie die erste Säule, und ich bitte Sie, Ihr Augenmerk darauf zu richten, wie ein jedes Säulenmotiv aus dem vorhergehenden durch eine organische Metamorphose hervorgeht. Zu diesem Zwecke sollen Sie als nächstes Bild (Abb. 33) sehen, wie die zweite Säule aus der ersten hervorgeht, und wie auch das Architravmotiv in fortschreitender Metamorphose umgebildet ist, wie jede folgende Form aus der vorhergehenden eben seiner Formgestaltung nach herausgeholt ist. Sie sehen hier, wie die zweite Säule aus der ersten sich herausentwickelt, das heißt, wenn Sie die von unten hinaufstrebenden, von oben herunterstrebenden spitzen Formen nehmen und sie so umgestaltet sich denken, wie ein folgendes Pflanzenblatt durch Metamorphose aus dem vorhergehenden entsteht, dann werden Sie die Form der zweiten Säule aus den Formen der ersten Säule hervorgehend finden. Die ganze Säule ist in fortschreitender Metamorphose empfunden.
Wenn Sie richtig sich vertiefen wollen in dasjenige, was eigentlich vorliegt, so tun Sie natürlich ganz unrecht, wenn Sie Namen, Benennungen, die, ich möchte sagen, aus mehr äußerlichen Gründen stammen, wenn Sie diese besonders respektieren. Man hat sich daran gewöhnt, die erste Säule die Saturnsäule, die zweite Säule die Sonnensäule und dergleichen zu nennen. Gewiss, das kann man, und das hat von einem gewissen Gesichtspunkte aus seine Berechtigung. Allein dabei stehenzubleiben wäre ja das Allerunkünstlerischste, das sich nur denken ließe. Das Wesentlichste, worauf es ankommt, ist das Verhältnis der zweiten Säule zur ersten, der ersten zur zweiten Säule. Das Wesentliche ist der Übergang der einen Form in die andere; denn es liegt zugrunde diesem Übergang der einen Form in die andere dasselbe gesetzmäßige Weltenwerden, das zugrunde liegt dem Übergange der Saturnformungen zu den Sonnenformungen im Weltenall. Nicht, dass etwa diese Säulen symbolische Abdrucke von Saturn und Sonne sind, sondern dasjenige, was Saturn und Sonne zugrunde liegt, das ist eine innere, zu schauende Gesetzmäßigkeit. Und diese innere, zu schauende Gesetzmäßigkeit, die ist auch hier in die Formgebung hinein entwickelt.
Wir wollen nun die zweite Säule für sich sehen.
Nun werden wir im nächsten Bild (Abb. 35) die zweite und dritte Säule zusammen sehen mit dem darüber befindlichen Architrav.
Sie sehen, wie erstens die Kapitelle in fortschreitender Metamorphose gebildet sind, aber auch wie das Architravmotiv fortschreitet, jedes Folgende aus dem Vorhergehenden heraus gestaltet ist. Wo irgendeine Kurve, eine Biegung da ist, so ist sie durchaus nicht bloß in ihrer eigenen Form zu betrachten, sondern immer mit Bezug auf die Form, die die vorhergehende und nächstfolgende ist. Man versteht an der ganzen Entwicklung hier weder ein Kapitell für sich noch irgendein Architravmotiv für sich. Für sich sind die Dinge gar nichts, sie sind nur etwas in der Aufeinanderfolge, wie sich das eine auf das andere bezieht. Darauf kommt es hier an. Das ist dasjenige, was das Lebendige der Sache ausmacht.
Wir werden jetzt die dritte Säule für sich sehen.
Jetzt die dritte und vierte Säule zusammen, mit ihren Architraven darüber (Abb. 37). Sie sehen, indem wir fortfahren, wie die Dinge immer komplizierter und komplizierter werden. Das ist das Wesen zunächst einer Entwicklung. Die Entwicklung geht vom Einfachen aus und geht dann zum Komplizierten über. Sie sehen hier das vierte Motiv eigentlich als schon sehr kompliziert in Bezugauf das vorhergehende; insbesondere auch das Architravmotiv wird kompliziert.
Wir werden jetzt die vierte Säule für sich betrachten:
Also, wie gesagt, jede Säule, jedes Motiv muss mit allen übrigen im Zusammenhang gesehen werden. Das ist das Wesentliche bei diesem Baugedanken. Während man sonst Wiederholungen hat, hat man hier eine fortschreitende Entwicklung. Damit ist eigentlich ein wesentlich neues Element in den Baugedanken gebracht: dass man es zu tun hat da, wo sonst bloß das Geometrisch-Dynamische in Wiederholungen vorliegt oder aber so vorliegt, dass sich gegenseitig das Gleiche trägt, hat man es hier zu tun mit einem Hervorwachsen des einen aus dem anderen. Und betrachten Sie wiederum diese Säule und die folgende zusammen mit den darüber befindlichen Architraven (Abb. 39). Hier sehen Sie, wie sich das komplizierteste Motiv in der fünften Säule ergibt als Kapitell, und wie die Architravmotive sich sehr stark komplizieren von der einfachen Form, die anfangs da war, zu diesen sehr komplizierten Formen.
Wir wollen nun das fünfte Kapitell für sich betrachten:
Wenn Ihnen das, was da am Kapitell ist, wie ein Merkurstab mit Schlangen umwunden vorkommt, so werden Sie das nicht für sich betrachten, sondern so betrachten, dass es wirklich organisch-metamorphosisch aus dem Vorhergehenden richtig hervorgeht, sodass diese Zusammenstellung hier durchaus nicht als Einzelgedanke entstanden ist, sondern sie hat sich ergeben als eine notwendige metamorphosierte Gestaltung des Vorhergehenden. Und Sie werden sehen, wenn Sie diese Form wiederum ändern, aber innerlich, gesetzmäßig ändern, also nach dem Prinzip der fortschreitenden Metamorphose, so geht die nächste Form aus dieser hervor. Wir werden diese mit der nächsten wiederum zusammen sehen mit den darüber befindlichen Architraven.
Sie brauchen nur sich zu denken, wie gewisse Ranken, die an diesem Merkurstabmotiv sich winden, wie diese auseinanderstreben, wie das oben noch Kleine des Merkurmotivs, spitz nach unten Gehende, sich auswächst, und wie dasjenige, was dort an der Kante ist, wie das entgegenwächst dem Unteren, sich verschlingt mit dem Merkurmotiv, dann werden Sie sehen, wie rein durch Wachsen und Verwachsen der Formen, die in lebendiger Bewegung sind, das folgende Motiv aus dem vorhergehenden hervorgeht.
Aber auf etwas mache ich Sie aufmerksam: Wenn Sie jetzt, wo wir über die Mitte hinaus sind, wenn Sie jetzt das nächste Motiv gegenüber dem vorhergehenden Motiv betrachten, so werden Sie sagen: Das ist einfacher als das vorhergehende. Und das ist etwas, auf das hier ganz scharf hingedeutet werden muss. Wenn man äußerlich abstrakt den entsprechenden Gedanken aufnimmt, so kann es so scheinen, als ob Entwicklung darinnen bestünde, dass vom Einfachsten begonnen wird und zum immer Komplizierteren und Komplizierteren fortgeschritten wird, sodass dann das Letzte, Vollkommenste das Komplizierteste nach außen hin wäre. Das ist aber nicht der Fall. Und es ist ein vollständig falscher Entwicklungsgedanke, der durch diese Meinung in der neueren Zeit aufgekommen ist. Gerade wenn man künstlerisch die Entwicklung so verfolgt, wie ich es tun musste, um diese Kapitelle und Architrave auseinander zu gestalten, dann verwächst man mit dem ganzen Prinzip der Entwicklung in der Natur, in der Welt selber. Man muss dann so gestalten, wie wirklich die Entwicklung in der Welt, in der Natur vor sich geht, dann bekommt man eine innerliche Anschauung von dem, was eigentlich Entwicklung ist. Und das Merkwürdige, das Bedeutsame ist, dass dieses Drängen zuerst zum Komplizierten hin - aber nur bis zu der Mitte, die dann das Komplizierteste ist, wird man zum Kompliziertesten hin gedrängt -, dass dieses Drängen zum Komplizierten später wiederum in das Einfachere übergeht. Ganz von selbst hat sich künstlerisch ergeben, dass, nachdem man das Komplizierteste erreicht hatte, man wiederum zu einem Einfacheren, aber nur zu einem Einfacheren nach außen hin, übergehen musste.
Ich möchte Ihnen dieses Prinzip der Entwicklung noch besonders erklären (Abb. 104). Angenommen, wir hätten die Entwicklung irgendeiner Form metamorphosisch zu verfolgen, dann können wir sagen: Dieses hier wäre ein Einfaches (Zeichnung I). Nun geht man weiter, wie eine folgende Form aus dieser herauswachsen könnte. Nehmen wir an, wir lassen die folgende Form aus dieser herauswachsen, dann haben wir ein Kompliziertes aus einem Einfacheren herauswachsen lassen (Zeichnung II).
Das Nächste, weiter Komplizierte, könnte dann etwa so gestaltet sein (Zeichnung III). Nun hätten Sie ein drittes Kompliziertes, das herausgewachsen wäre aus dem Vorhergehenden. Verfolgt man jetzt die Entwicklung weiter, so wie sie innerhalb desjenigen vorhanden ist, was organisch, was wachsend ist, so fühlt man sich von einem bestimmten Punkte an gedrängt - wenn man sich wirklich versenkt in dasjenige, was in der Natur als Entwicklungskraft zugrunde liegt, durch diese Verwandtschaft, in die man hineinkommt mit dem lebendigen Entwicklungsprinzip —, man fühlt sich gedrängt, das Nächste nicht etwa nach außen hin komplizierter zu gestalten, sondern vielleicht so zu gestalten (Zeichnung IV); und das Nächste würde man sich gedrängt fühlen, so zu gestalten (Zeichnung V). Dann würde man eine Entwicklung bekommen, die wirklich der Natur nachgebildet ist; vom Einfachen zum Komplizierten, dann aber wiederum zu einem Einfachen.
Aber dieses Einfachere, zu dem man da gelangt, das hat eine gewisse Eigentümlichkeit. Es ist zwar scheinbar einfach, aber wenn Sie diese Einfachheit hier vergleichen mit der Einfachlieit des Anfanges, so werden Sie sich sagen: Hier (Zeichnung I) ist ein einfacher, brutal gezogener Strich; hier (Zeichnung V) ist aber eine Windung. Und man hat das Gefühl, man muss das Vorhergehende mitfühlen, sodass das vorhergehende Kompliziertere da in einer gewissen Weise mit drinnen ist, und man hat so das Gefühl, dass man aus dem Komplizierten das Einfache bekommt, indem eben dieses Einfache sich aufbaut auf einem Geheimnisvoll-Komplizierten (punktierte Linie). Sodass die spätere Entwicklung ihre Einfachheit auf der Grundlage eines Komplizierten hat.
Es ist merkwürdig, wie man, wenn man eine Entwicklung solcherart künstlerisch verfolgt, hineinwächst in dasjenige, was in der Natur wirklich Entwicklung ist. Wir werden da geführt zu etwas, was ich hier schon öfter angedeutet habe: Wer abstrakt das Entwicklungsprinzip verfolgt, der könnte leicht glauben, der Mensch ist das Vollkommenste zunächst in der Entwicklung der organischen Wesen, also ist er auch das komplizierteste. Das ist aber nicht wahr, sondern wenn wir ein Glied des Menschen, sagen wir das Auge, betrachten, so ist das menschliche Auge, wie es sich zunächst nach außen hin zeigt, durchaus nicht das komplizierteste Auge. Augen gewisser niedriger organischer Formen sind komplizierter; es wachsen Organe wie der Schwertfortsatz, der Fächer bei niedrigeren organischen Wesen wie Fortsetzungen der Blutgefäße in das Auge hinein. Beim Menschen sind diese Organe scheinbar ganz weg, und das menschliche Auge ist wiederum einfach gestaltet, aber einfach nach dem Prinzip, das ich hier künstlerisch angegeben habe. Nun sagte ich, stellt man sich diese Einfachheit vor, die sich ergibt aus dem Komplizierten, so hat man das Gefühl, man muss dies hier ergänzt denken. Die Einfachheit, die baut sich erst auf einem verborgenen Komplizierten (gepunktete Linie) auf. Die Einfachheit offenbart sich nach außen.
Ja, das ist in der Natur wirklich so. Der Mensch hat keinen Schwertfortsatz im Auge, äußerlich sichtbar, keinen Fächer; aber wenn man sich zu dem physischen Auge das ätherische Auge hinzufügt, dann ist das hinzuzudenken, was bei dem niedereren organischen Wesen nach außen gebildet ist. Geradeso wie ich hier die punktierte Linie ziehen musste und das, was nach außen sichtbar ist, wie auf der Grundlage dieser punktierten Linie aufbauen musste, so ist das menschliche Auge in seiner Einfachheit, in seiner physischen Einfachheit aus einer komplizierten ätherischen Augenbildung heraus gestaltet; also das Einfache nach außen, das einfache Physische nach außen aus dem komplizierten Ätherische.
Das, sehen Sie, bezeugt Ihnen, dass, wenn man in innerer Formung wirklich hineinwächst in dasjenige, was die Metamorphose der Formen fordert, und dadurch hineinwächst in das gestaltende Prinzip der Natur selber, man erst dann versteht, wie in der Natur die Entwicklung vor sich geht. Und hier können Sie sehen, dass es notwendig ist, um eine gewisse innere Kräfteentwicklung in der Natur zu verfolgen, die Natur nicht bloß in abstrakten Gedanken kennenzulernen, sondern ihre Gestalten mit künstlerischen Imaginationen zu verfolgen. Das ist dasjenige, was Sie hieraus lernen sollen als etwas im eminentesten Sinne Wichtiges. Wenn man weiter versuchen wird, so wie es die bisherige Wissenschaft getan hat, der Natur nur beikommen zu wollen mit Ideen und Begriffen abstrakter Art- man wird die Natur nie umfassen in ihrer Fülle der Entwicklung. Man wird vielmehr diese Natur nur umfassen in ihrer Fülle der Entwicklung, wenn man gestaltet dasjenige, was sonst abstrakte Gedanken und sogenannte Naturgesetze sind, zu Bildern, zu Imaginationen. Denn die Natur schafft nicht in abstrakten Gedanken, die Natur schafft in Bildern, in Imaginationen.
Das wird einmal das Wesentliche sein in der Wirkung unseres Baues, dass er zeigen wird, zu welchen Imaginationen, zu welcher Art von Vorstellungen man vorschreiten muss, wenn man überhaupt zu einer für die Zukunft der Menschheit in erkenntnismäßiger und in sozialer Beziehung genügenden Weltanschauung wird kommen wollen. Auch die alten Weltanschauungen sind aus Imaginationen hervorgegangen. Sie wissen: Auf dem Grund der Weltanschauungen stehen nicht abstrakte Begriffe, sondern Bilder in Legenden, in Mythologien; und durch Bilder suchte man zu begreifen, wie das Menschenleben wirkt. Und Bilder sind es, die übergegangen sind in die sozialen Impulse. Alles das, was so aus den alten Bildern stammt, ist heute im Untergange, hat sich heute verwandelt in abstrakte Begriffe, und abstrakte Begriffe können nicht das Leben tragen; daher die heutigen Weltanschauungen mit ihrem toten Elemente, mit ihrem zerstörerischen Elemente, mit dem Todeskeim in sich. Und diejenigen, die sich jung auftun als sogenannte neue Weltanschauungen, kommen zu bloßem gefühlsmäßigem, unbestimmtem Fordern.
Aus dem, was sich heute als soziale Ideen geltend macht, wird sich nichts Fruchtbares für die Zukunft ergeben können. Das Fruchtbare für die Zukunft kann nur aus einer imaginativen Erfassung der Werdeimpulse selber sich ergeben. Die müssen aber zuerst an solchen einfachen Formen wirklich innerlich anschauend erfasst werden. Man kann an diesem Bau das innerlich erfassen, was in der Natur schaffend lebt und schaffend wirkt. Darauf wurde besonders gesehen bei der Ausgestaltung der einzelnen Formen: dass man wirklich, indem man den Bau betritt, das vor sich hat, was man brauchen wird, um eine Weltanschauung und ein soziales Leben der Zukunft zu bilden.
Geschadet hat es natürlich, dass im Anfange, solange noch hereingeragt haben in dasjenige, was mit diesem Bau erreicht werden soll, die sektiererischen Empfindungen vieler, manches, was an diesem Bau ist, ins Symbolisierende umgedeutet worden ist; und es haben sich Leute gefunden, die es für besonders wichtig gehalten haben, zu sagen: Das ist die Venus-, das ist die Saturnsäule und so weiter. Diese Dinge, die mystisch scheinen, mit denen man auch ein hübsches Geflunker aufführen kann, diese Dinge müssten endlich verschwinden. In unserer Zeit ist wirklich die Menschheit auf ganz anderes angewiesen als auf mystisches Geflunker. Darauf kommt es heute an, dass man sich zu tun macht mit dem Allerklarsten, mit dem Allerbewusstesten, das heißt mit demjenigen, was über das alltägliche Bewusstsein hinausgeht ins, ich möchte sagen, Überbewusste, was aber nicht hinuntersteigt ins Unterbewusste. Wir müssen über das Träumerische, über das falsch Mystische, über das ertötend Mystische hinauskommen. Denn höher als dieses Mystische steht die Alltagsanschauung, steht das Alltagsbewusstsein. Und während zum Beispiel noch ein Meister Eckhart oder ein Johannes Tauler in ihr Jahrhundert passten, ist heute jemand, der sich zu demselben Bekenntnis hinwenden wollte, wie es Johannes Tauler oder der Meister Eckhart hatten, in unserer Weltanschauung vollständig deplatziert. Denn heute handelt es sich darum, wirklich weiterzuwollen, aufzuwachen, nicht einzuschlafen. Es ist noch viel zu sehr die Stimmung des falsch Mystischen unter den Menschen, auch unter denen, die glauben, eines besseren Willens zu sein; aber sie glauben es nur. Es ist viel zu sehr die Stimmung vorhanden: Will man zum Wahren, zum Geistigen kommen, da muss man so ein bisschen einschlafen, da muss man träumen, da muss man ein träumerischer Mystiker werden. Das ist dasjenige, was unserer Zeitkultur am allermeisten schadet. Wir können gar nicht genug streben, von dem Alltäglichen aus nicht zum Träumen hinunter, sondern zu Klarerem, Überbewusstem hinaufzukommen.
Daher musste dieser Bau gerade in seinem Künstlerischen gewisse Anforderungen stellen. Am liebsten mögen die Menschen heute, wenn sie Künstlerischem gegenübertreten, eben ein wenig eingeschläfert werden, womöglich aussetzen können mit dem Denken, das einen ja so sehr anstrengt, wenn man in der alltäglichen Beschäftigung, beim Kochen oder beim Maschinenbedienen oder bei Architekturplänen oder dergleichen ist. Man will etwas ausruhen, wenn man Kunst genießt, man will etwas schlafen können. Für solche schlafende Bewusstseine ist dieser Bau nicht. Solche schlafende Bewusstseine betreten diesen Bau und sie sagen: Das verstehen wir nicht, Man versteht es in dem Augenblicke, wo man mit dem Auge jeder Kurve, jeder Windung folgt, wo man mit dem Seelenauge wiederum dem physischen Auge folgt, wo man sich nicht kümmert um all den Namenplunder «Saturn-, Sonnen-, Merkursäule» und so weiter, sondern wo man die Formen verfolgt, wie eine aus der anderen herauswächst, wie alles lebt und webt, wo man alle falsche Mystik hinter sich lässt und einmal wirklich seinen Menschen anstrengt, dass er mitgeht mit diesen Formen.
Sehen Sie, alles, was hier getrieben wird, ist wirklich nicht zum Einschlafen, sondern ist zum Aufwachen, ist zum Aufrütteln, ist zum mehr Wachwerden, als man im gewöhnlichen Leben ist, nicht zum weniger Wachsein. Und das ist gerade dasjenige, was mir zum Beispiel am meisten Schmerz macht, wenn ich immer wieder und wieder sehe, dass man den Schlaf so sehr liebt gerade in der Anthroposophischen Gesellschaft, dass man möchte überall Ruhe ausgießen, das heißt egoistische Schlafbedürfnisse befriedigen, während es sich hier darum handelt, wacher zu sein, als man im gewöhnlichen Leben ist. Und dieser Bau kann nur in seiner künstlerischen Gestalt, in seiner inneren künstlerischen Beweglichkeit durchschaut werden, genossen werden, wenn man sich aufrütteln lässt von ihm, wacher zu sein als im Alltäglichen, wenn man hineinkommt. Denn im gewöhnlichen Leben schläft man recht sehr heute. Und von diesem Schlafen kommt unser hauptsächlichstes Unglück.
Daher muss allerdings jede einzelne Form aktiv verfolgt werden. Man muss sich hineinversetzen in diese Formen. Daher ist dieser Bau ein lebendiger Protest gegen alle ertötende Mystik. Und es ist das Schlimmste, dass auch von gewissen gutwilligen Leuten ein gewisser mystischer Nebel durch Tratsch und Klatsch um diesen Bau herum verbreitet worden ist, sodass das dann die anderen Leute nachsagen können. Während es sich darum handeln würde, dass man gegenüber Anfeindungen gerade antworten könnte, dass diejenigen, die diesen Bau lieben, für das tätige Leben, für das übertätige Leben sind. Dann muss man aber auch eine Neigung haben für dieses tätige, für dieses übertätige Leben. Dann muss man nicht seelisch-geistige Wollust suchen hier, sondern seelisch-geistige Betätigung. Aufwachen, nicht einlullen in Träume, das ist dasjenige, was ich gerade mit Bezug auf diesen Bau sagen möchte.
Und findet man sich so aktiv, mit seinem ganzen Menschen verfolgend die lebendige Bewegung des Einzelnen hinein in dasjenige, was hier gebaut wird, dann wird man sehen, dass, während von außen der Bau den Eindruck macht: Hier ist etwas drinnen, was sich der Welt offenbaren will, in dem Augenblicke, wo man ihn betritt, die Formen so wirken, dass sich die Wände selber aufheben, dass die Wände gewissermaßen verschwinden. Das ist das Neue der Wandbehandlung bei diesem Baugedanken. Wände sind bisher immer gestaltet worden so, dass sie abschließend sind. Diese Wände sind so in ihrem künstlerischen Prinzip, dass sie sich selber aufheben, sodass man drinnen das Gefühl haben kann: Die Wand schließt einen nicht ab, die Säule steht nicht da, um irgendeine Grenze zu bilden, sondern dasjenige, was in der Säule ausgedrückt ist, was auf der Wand ausgedrückt ist, das durchbricht die Wand und lässt einen in lebendige Beziehung kommen mit dem ganzen Weltenall. Der Bau ist herausgestaltet aus dem Weltenall. Wie die Welt selber in ihrem lebendigen Weben und Leben, in ihrer Sphärenharmonie, soll dieser Bau gestaltet sein. Das ist ja auch dasjenige, was man bei der Eurythmie anstreben möchte, dass nicht ein Einschlafen in den Eurythmieformen eintritt, dass ein größeres Wachsein im eurythmischen Wirken stattfinde, als es im gewöhnlichen Leben ist, dass man niemals erfahren könnte, dass der Eurythmisierende unterliegt in dem Kampfe, den er zu führen hat gegenüber dem Schlaf des Lebens.
Wir fahren nun mit den Bildern wieder fort (Abb. 42). Das ist also die Säule für sich, wobei Sie sehen, wie man, wenn man zu dem Vollkommeneren kommt, zu dem Einfacheren nach außen hinkommt.
Nun, hier sehen Sie die beiden letzten Säulen mit den darüber befindlichen Architraven. Alles ist einfach geworden; trotzdem es das Vollkommenste ist, ist alles einfach geworden. Sie sehen, das Merkwürdige an diesen Dingen ist das: Durch den Einklang im künstlerischen Schaffen hier mit der Natur zeigt sich, dass auch andere Regelmäßigkeiten auftreten, die gar nicht beabsichtigt sind. Wenn Sie das Kapitell der ersten Säule nehmen, so können Sie dasjenige, was dort konvex ist, in die konkave Form der letzten Säule hineinlegen, und umgekehrt. Das ist nicht beabsichtigt. Das ist etwas, was sich von selber ergeben hat. Die Konvexität der ersten Säule passt in die Konkavität der siebenten, die Konvexität der dritten in die Konkavität der fünften Säule, und das mittlere Kapitell steht für sich allein da. Das sind Dinge, die sich ergeben, wie in der Natur sich gewisse Realitäten ergeben, die einfach in der fortschreitenden Metamorphose liegen, die gar nicht beabsichtigt zu sein brauchen, die aber sich ausnehmen wie eine Art experimentum crucis, die einen selber erst zuletzt überfallen, wenn man so schafft, wie die Natur selber schafft.
Hier sehen Sie also die vollkommenste, aber scheinbar auch wieder ganz einfache Säule.
Wir wollen nun die sieben Säulen aufeinander folgen lassen, sodass das Auge verfolgen kann, wie eine Form sich metamorphosisch aus der anderen Form ergibt, vom Einfachen, Unvollkommenen zu dem kompliziertesten Mittleren, dann wiederum zum Einfacheren, Vollkommeneren (Abb. 31-44).
Erste Säule: Sie brauchen sich nur nach den Wachstumsprinzipien umgestaltet zu denken die Form, so bekommen Sie die nächste zweite Säule, ebenso die dritte Säule, vierte Säule, fünfte Säule, sechste Säule, und die letzte.
Sie sehen hier die letzte Säule und die Stelle, wo übergeht der große Kuppelraum in den kleinen Kuppelraum, sodass Sie hier einen Blick auf den Zusammenschluss der zwei Kuppelräume haben, wo der Architrav des großen Kuppelraumes in den Architrav des kleinen Kuppelraumes übergeht, getrennt nur durch den Spalt, in dem der Vorhang eingefügt werden wird. Der kleine Kuppelraum ist ebenso mit Säulen und Architraven ausgestattet, von denen ich Ihnen nur ein Weniges zeigen kann. Wir haben keine guten Fotografien von diesen anderen Dingen bekommen. Aber diesen Anschluss werden wir in dem nächsten Bilde noch einmal sehen.
Sie sehen hier diesen Anschluss noch einmal abgebildet, wo der eine Kuppelraum in den anderen übergeht.
Und jetzt habe ich nur noch ein Stück von Säulen und Architraven der kleinen Kuppel. Hier sehen Sie Säulen und Architravgebilde aus dem kleinen Kuppelraum.
Und nunmehr werden Sie ein Stück desjenigen Teiles bekommen, der gerade im Osten als Architravraum in der Mitte der kleinen Kuppel ist (Abb. 63). Sie sehen hier ein Stück desjenigen, was in der Mitte ist; darunter wird dann die Gruppe stehen, der Menschheitsrepräsentant mit Ahriman und Luzifer in seiner Umgebung. Darüber ist dasselbe im Bilde.
Sie werden sehen, wenn Sie im kleinen Kuppelraum selber dieses Stück, von dem hier wiederum nur ein Teil abgebildet ist, verfolgen, dass in den Formen dieses Architravs zusammengefasst ist wie in einer Synthese alles dasjenige, was sonst an Formen verteilt ist auf die Kapitelle und Architrave des kleinen Kuppelraumes überhaupt (Abb. 54-59). Dies ist hier eine Zusammenfassung von alledem, was in dem kleinen Kuppelraum an den Kapitellen und Architraven vorhanden ist. Hier findet sich alles noch einmal, selbstverständlich umgestaltet, in Metamorphose für den Ort, an dem es sich befindet. Sie werden überhaupt finden, wenn Sie vergleichen dasjenige, was Ihnen in Form der Hauptgruppe - Menschheitsrepräsentant, Luzifer und Ahriman - entgegentreten wird mit all den verschiedenen Kurven und Formen und Flächen, die verteilt sind auf Kapitelle und Architrave, dass der ganze Bau auseinandergelegt diese Mittelgruppe ist in einer gewissen Weise, sodass man auch diese Mittelpunktsgruppe wiederum als eine synthetische Zusammenfassung des ganzen Baues auffassen kann, wie zum Beispiel das menschliche Haupt auch eine Wiederholung des ganzen übrigen Organismus ist, oder namentlich der menschliche Kehlkopf und seine Nachbarorgane eine organische Wiederholung des ganzen Menschen sind, nur eben für ihren Ort in entsprechender Weise mit innerer organischer Notwendigkeit gebildet. So kann eben dieser Bau nur als ein Ganzes überhaupt verstanden werden, und jede Einzelheit ist nicht für sich, sondern als ein Glied des Ganzen aufzufassen.
Ich mache Sie darauf aufmerksam, wie, ich möchte sagen, schon mehr physisch diese Wandbehandlung in den Glasfenstern zum Ausdrucke kommt, die ich Ihnen hier nicht in Reproduktion zeigen kann. Die Glasfenster als solche sind ja erst Kunstwerke, wenn das Sonnenlicht durchscheint, sonst sind sie eine Art Partitur. Da sehen Sie aber, dass bei diesen Glasfenstern - über die ich vielleicht auch noch ausführlicher sprechen werde, aber ich kann sie Ihnen nicht zeigen - unmittelbar das sich zeigt, dass der Bau gar nicht für sich dasteht, sondern dass das äußere Sonnenlicht mit dem Bau als eine Einheit gedacht ist. Und so ist auch alles in den Formen mit den inneren Bewegungs- und Wirkungskräften der ganzen Welt als eine Einheit gedacht. Der Bau ist nur gleichsam ein Stück, aus der ganzen Welt herausgeschnitten.
Das nächste Bild (Abb. 99): Dieses Bild stellt Ihnen dar das Portal unseres Glashauses unten. Sie können daran stu dieren, wie versucht worden ist, bei alledem, was zu diesem Bau gehört, in den Bauformen zum Ausdrucke zu bringen dasjenige, was ich in mehrfacher Weise angedeutet habe. Es ist ja auch dieses Glashaus unten - Glashaus nenne ich es, weil es eigentlich eingerichtet worden ist, damit die Glasfenster dort geschliffen werden können -, es ist dieses Glashaus auch ein Doppelkuppelbau (Abb. 98). Und er ist eigentlich eine Metamorphose des großen Kuppelbaues. Sie können sich einfach dadurch, dass Sie die beiden Kuppeln gleich groß denken, sie sich auseinandergezerrt denken. Man könnte nicht zwei gleich große Kuppeln in derselben Weise zusammenfügen wie die große und die kleine; das würde unorganisch sein. Wenn man Kuppeln so zusammenfügt, wie sie am großen Bau sind, muss man sie in verschiedener Größe machen; die eine muss groß, die andere kleiner sein. Sind sie gleich, so muss man sie auseinanderzerren; und das ganze Übrige muss dann dem angepasst sein. Sie sehen an der Stufenverteilung der Treppen und so weiter überall, wie mit Notwendigkeit jede einzelne Form an ihrem Orte gedacht ist, wie alles Einzelne aus dem Ganzen sich ergeben soll.
Hier sehen Sie dasjenige, was der Horror einer großen Anzahl Menschen ist. Es ist das Haus, in dem die Beleuchtungsanlagen und Beheizungskörper drinnen sein sollen. Wenn Sie mich fragen, nach welchem Prinzipe dieses Gebäude ausgestaltet ist, so kann ich sagen: Es ist durchaus das Schaffensprinzip der Natur nachgebildet, nachgebildet so, wie Sie es studieren können, wenn Sie zum Beispiel die Nussschale mit der Nussfrucht im Einklange studieren. Nicht wahr, die Nussfrucht hat bestimmte Formen. Die Nussschale passt sich genau dem an, was die Nussfrucht ist. Die Nussschale kann nicht anders sein, als sie ist, wenn die Nussfrucht eben eine gewisse Form hat, die sie aus anderen Gründen haben muss. Formt man ein solches Gebäude, so hat man zunächst darauf Rücksicht zu nehmen: Was ist da drinnen? Wozu dient das, was da drinnen ist? Dies ist ja ein reiner Utilitätsbau. Es handelt sich also darum, dass man den Gedanken fasst, was da drinnen ist und wie das wirkt, was darinnen ist, wie das sich betätigt. Das ist die Nuss. Dann handelt es sich darum, um diese Nuss die entsprechende Schale herum zu gestalten. Zu der «Nuss» gehört natürlich auch der Rauch, der nach oben herausgeht, wie diese Hausform überhaupt erst fertig ist, wenn der Rauch oben herausgeht. Es ist das Kunstwerk erst da, wenn dieser Schornstein raucht. Dann wird man aber auch erst die Notwendigkeit dieser Ausweitungen empfinden. Man wird nicht nachdenken, ob das Pflanzenblätter oder dergleichen sind, sondern wird in die Form sich hineinfühlen und diese Form in ihrer Notwendigkeit mit dem Rauch empfinden. Da der Rauch aber mit dem Gebäude im organischen Zusammenhang ist, mit dem, was drinnen ist, drinnen geschieht, so wird man auch diese Ausbauchungen in entsprechender Weise empfinden. Die Leute sollten bedenken, was da stehen würde, wenn nicht versucht worden wäre, diese Form zu bilden.
Ich will natürlich zugeben, dass man solche Dinge weiter ausbilden könnte. Zunächst musste ein Anfang gemacht werden, es kann es ja jeder vollkommener machen. Es musste aber ein Anfang gemacht werden, erstens einen solchen Utilitätsbau einmal zu gestalten nach solchen inneren Schaffensprinzipien, zweitens mit Rücksicht auf das modernste Material, den Beton. Jedes Material fordert seine bestimmten Bauprinzipien. Wenn man in einem bestimmten Material baut, so muss man nach ganz bestimmten Prinzipien, die mit der Natur des Materials zusammenhängen, bauen. Der Baugedanke muss ebenso die Utili zum Ausdrucke bringen, wie auch die Anforderungen des Materials.
Es ist nicht zu verwundern, dass diese Dinge, die alle mehr oder weniger neu sind, von manchen Menschen abgelehnt werden. Außenstehende können sich in diese Dinge nicht so leicht hineinfinden, aber es geht nach und nach, und wird nach und nach gehen. Alles dasjenige, was in dieser Weise in die Welt eingetreten ist, das hat ja zuerst den schärfsten Widerspruch erfahren. Aber immer muss man doch in Rechnung ziehen, dass man gerade gegenüber dem, was in der Gegenwart wirkt, wirklich eigentlich nicht schlafen sollte. Das wäre schon notwendig, dass ein gewisses energisches Eintreten für das Sachliche bei uns Platz greifen könnte. Ohne dieses energische Eintreten, wenn auch nicht allzu vieler Personen, die mit wirklichem inneren Verständnis die Dinge verfolgen können, wird es lange nicht gehen; denn Sie sehen ja, wie die Dinge gehen. Wir werden morgen Gelegenheit nehmen, wo wir dann über das Ausmalen der Kuppelräume sprechen werden, noch von mancherlei an und in dem Bau zu sprechen. In Anknüpfung an das Besprochene möchte ich nur sagen: Sie sehen schon aus alledem, was vorgebracht worden ist, inwiefern das gilt, dass dieser Bau, der ein Repräsentant sein soll unseres anthroposophisch orientierten Weltanschauungswirkens, in jeder Einzelheit aus dieser Weltanschauung herausgeboren ist. Könnte das in der Welt in entsprechend eindringlicher Weise geltend gemacht werden, dann würde damit schon etwas gewonnen sein.
Denn Sie sehen ja, meine lieben Freunde, mit denjenigen Auffassungen der Sache, mit denen viele glaubten auszukommen in den vergangenen Jahren, ist nicht weiter auszukommen. Ich habe Ihnen vor acht Tagen eine Probe gegeben, mit welchen unsauberen, lügnerischen Mitteln gewirkt wird. Warum wird denn mit solchen lügnerischen Mitteln gewirkt? Ich garantiere Ihnen dafür, dass das erst der Anfang des Wirkens ist; es wird noch viel mehr gelogen werden. Aber ich konnte Ihnen zeigen, dass man diese Lügen zuerst systematisch verbreitet und dann dasjenige, was man selber erst verbreitet hat, aufgreift. Mit dieser systematischen Art wird man fortfahren. Ich weiß, wie viele Personen in unserer Gesellschaft sind, die nicht daran glauben wollen, wie versumpft heute die Moralität der Welt ist. Aber es ist notwendig, dass man diesen Dingen gegenüber nicht schläft.
Denn bedenken Sie eben das Zweifache: Die Intensität des Kampfes rührt davon her, dass die Leute fühlen: Hier ist Realität, die wollen wir nicht aufkommen lassen. Mit Programmen, mit denen sonst gearbeitet wird, machen sich die Leute nicht so viel Mühe in der Verleumdung. Aber mit dem, was aus realen Kräften heraus wirkt, mit dem machen sie sich die Mühe der Verleumdung. Weil verspürt wird, dass hier Zukunft ist, verleumdet man, lügt man. Aber es handelt sich darum, dass man nicht glaube, man könne die Lügner bekehren. Die wollen ja nicht bekehrt sein, die wollen ja nicht die Wirklichkeit hören. Es handelt sich darum, dass man zu den noch nicht verlogenen Menschen geht und diejenigen in der richtigen Weise vor sie hinstellt, die in dieser Weise lügen. Diejenigen tun uns die schlechtesten Dienste, welche glauben, mit Argumenten, mit Beweisen lasse sich zum Beispiel gegen dasjenige aufkommen, was die katholische Kirche jetzt verbreitet. Die solches verbreiten, denen handelt es sich nicht darum, irgendwelche Wahrheiten zu sagen, denen handelt es sich um Stimmungmachen. Und hält man ihnen die Wahrheit entgegen, so ist ihnen das höchst gleichgültig, so lügen sie eben noch stärker. Aber das muss man durchschauen, muss sich danach richten. Denn nicht um diejenigen, die lügen, zu überzeugen kann es sich handeln, sondern darum kann es sich nur handeln, dass man der noch unbestochenen Welt gegenüber zeigt, wie die Unwahrheiten und die Verleumdungen gesagt werden.
Ich muss immer wiederum erstaunt sein - ich musste das schon oft und oft sagen -, dass innerhalb unserer Gesellschaft auch die Tendenz, die verderbliche Tendenz auftritt, sich zu befassen mit denen, die verleumden und lügen, und direkt an sie heranzutreten, während man die Aufgabe hat, der Welt zu sagen, was das für Menschen sind. Wenn wir das nicht durchschauen, kommen wir nicht weiter. Denn dasjenige, was uns insbesondere hier in der Umgebung dieses Baues obliegt, das ist, dass wir sachlich werden, dass wir Interesse gewinnen für das große Sachliche, und dass wir uns erheben namentlich hier über das Cliquenhafte und Persönliche, über dasjenige, was im Alltäglichen aufgeht. Wenn wir nicht sachlich werden können mit Bezug auf dasjenige, was von diesem Bau ausgehen soll, dann wird es der Bewegung wirklich nicht gut gehen können. Wir müssen das Persönliche überwinden. Wir müssen uns in die großen Interessen der Welt hineinfinden können.
Und in jeder seiner einzelnen Formen ist dieser Bau eine Aufforderung dazu, abzusehen von dem eng Persönlichen und sich hineinzufinden in die großen Interessen der Welt. Denn eigentlich spricht jede einzelne Form von dem, was der Menschheit in der Zukunft notwendig ist. Sehen Sie sich all die Schimpfereien an, die in der Welt figurieren. Finden Sie darinnen irgendetwas, was auf unsere Sache bezüglich ist? Die Leute können eben nichts gegen die Sache sagen, daher werden sie persönlich. Daher suchen sie aus persönlichen Verleumdungen her das Verderben dieser Weltanschauungsbewegung herbeizuführen. Schlimm würde es sein, wenn wir in diesen Dingen nicht ordentlich die Sache durchschauen könnten und aufmerksam sein auf das, was um uns herum sich geltend macht.
Morgen wollen wir die Bilder der Kuppel betrachten.