«Hans»

Drama in drei Akten von Max Dreyer
Aufführung im Deutschen Theater, Berlin

Kurze Zeit vor dieser Aufführung [Schnitzler-Abend] brachte das Deutsche Thater ein Drama in drei Akten von Max Dreyer: «Hans». Ein Gelehrter lebt mit seiner Tochter auf einer Nordseeinsel. Er ist Leiter einer biologischen Anstalt. Die Tochter ist ein gelehrtes Mädchen an der Seite des Vaters geworden. Sie mikroskopiert, macht wissenschaftliche Entdeckungen wie ein deutscher Professor. Man weiß nicht, wer gescheiter ist: der Vater oder die Tochter. Eine ehemalige Pensionatskollegin kommt zu den beiden, um die Freundin aus der Mädchenzeit zu besuchen. Der Vater verliebt sich in diese Freundin. Die Tochter sieht mit Unwillen, daß sich jemand zwischen sie und den Vater stellt. Auch hat die Gelehrsamkeit allen Sinn für natürliche Empfindungen aus Hans — so nennt der Gelehrte seine Tochter Johanna — ausgetrieben. Ein ehemaliger Offizier und nunmehriger Maler liebt Hans. Sie behandelt ihn recht abstoßend. Daß sie seine Bilder nicht lobt, würde er hinnehmen. Aber: den Ton, in dem sie es tut, kann er nicht ertragen. Das Verhältnis des Vaters zu der Freundin wird Hans besonders widerlich, als sie erfährt, daß dies Mädchen ein außereheliches Kind gehabt hat. Der Vater aber liebt das Mädchen und wird wiedergeliebt. Damit alles gut geht, entdeckt Hans plötzlich ihr Herz. Sie entbrennt in glühender Liebe zu dem Maler. Jetzt kann sie alles verstehen. Auch die Liebe des Vaters. Eine willkürliche Entwickelung der Handlungen und konstruierte Personen. Schablonenfiguren und ein ödes Gespinst, das zur Voraussetzung hergebrachte Vorurteile hat.

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