Der Oskar Blumenthal-Abend
Aufführung im Königlichen Schauspielhaus, Berlin
Der Oskar Blumenthal-Abend im Königlichen Schauspielhause brachte einen neuen Einakter und einen älteren, neu aufgearbeiteten Dreiakter mit unbestrittenem Erfolg. Der neue Einakter — das Versspiel «Abu-Seid» — ist die alte Parabel vom reichen Geizhals, dem seine irdischen Güter im Jenseits nichts nützen, wenn sein Tun auf Erden alles Guten bar gewesen. Mit dieser Parabel wendet der große Dichter Abu-Seid in zehn Minuten Zeit dem reichen Teppichhändler Ibrahim das verfilzte Herz, so daß dieser in die Ehe seiner Tochter mit Jussuf, einem armen Schlukker von Poeten, willigt. Das Stückchen ist teils in fein pointierten, gedankenvollen Versen geschrieben, teils in Wilhelm BuschReimen, stellenweise sogar geschickt und wirksam «auf Poesie gedeichselt». Über die Buschiaden glitt die ganz vorzügliche Darstellung mit feiner Diskretion hinweg. Herr Klein als vagabundierender Dichtergreis Abu-Seid im Einakter und als feudaljovialer Graf Mengers mit der jungen Tochter, dem jungen Herzen und den alten Schulden in dem Lustspiel «Das zweite Gesicht» war glänzend.