«Waidwund»

Schauspiel in drei Aufzügen von Richard Skowronnek
Aufführung im Königlichen Schauspielhaus, Berlin

Daß auf das unglaublich schlechte Schauspiel «Die Einzige», das wir in der vorigen Woche im Schauspielhause genossen haben, ein ebenso schlechtes in dieser Woche folgen könne, hätte ich nicht gedacht. Geschraubte Charaktere leben in unmöglichen Verhältnissen, und was mit ihnen vorgeht, spottet jeder Beschreibung. Man müßte ganz unfäl sein zu jeder Wahrnehmung einer menschlichen Individualität, wenn man an diesen Puppen Gefallen finden wollte. Alles erdacht, alles zusammengestoppelt am Schreibtische. Die Handlung zu erzählen ist ganz unmöglich. Denn der absolute Unsinn ist nicht in wenigen Sätzen wiederzugeben, wohl aber in einem dreiaktigen Drama. Wer die Sache in Worte fassen wollte, müßte Sinn in sie bringen. Vernünftig über sie zu reden, hieße sie fälschen. Man ging aus dem Theater mit einem Gefühle, das nur mit dem physischen des verdorbenen Magens zu vergleichen ist. Ich habe mich, während ich dieser Vorstellung beiwohnte, mit dem «Aschermittwoch» ausgesöhnt, den ich vor einigen Tagen im Neuen Theater gesehen habe. Das ist ein wüster Schwank, aber anspruchslos. Er will nichts sein als ein Ragout von tollen Späßen, über die man lacht, wenn man kein Philister des Idealismus ist, der immer gleich mit der Ästhetik bei der Hand ist. Man kommt sich zwar nachher, wenn man gelacht hat, verteufelt dumm vor. Aber man hat doch eben gelacht. Und bei Skowronnek kann man weder lachen noch weinen. Doch nein, man lacht doch! Man lacht dann, wenn der Dichter seine Rührszenen ausführt. Da wird seine Kunst wirklich «lächerlich».

German original of “Waidwund” · ← Previous · Next →