J.R. Minde - Über Hypnotismus

Vortrag. München 1891

Kurze Zusammenstellungen der Haupttatsachen des Hypnotismus und der Suggestion, wenn sie mit vollkommener Beherrschung des Gebietes gemacht werden, sind in der Gegenwart sehr zweckmäßig. Sie kommen einem brennenden Interesse der Zeit entgegen. Daß alle wissenschaftlichen Anforderungen bei der in Rede stehenden Schrift erfüllt sind, dafür bürgt der Name ihres Verfassers. Daß sie sich fast nur an Ärzte und weniger an das gebildete Laienpublikum wendet, wollen wir ihr nicht zum Vorwurf machen. Das letztere hat an der ausgezeichneten Schrift von Forel ein alle Ansprüche wegen rascher und allseitiger Orientierung erfüllendes Mittel. Wer aber naturwissenschaftliche Bildung genug besitzt, um sie zu verstehen, für den bietet auch die Mindesche Broschüre vortreffliche Gelegenheit, von dem Umfange der beim Hypnotismus in Betracht kommenden Erscheinungen sich Kenntnis zu verschaffen. Daß vor den Gefahren gewarnt wird, die daraus erwachsen können, wenn nach der Ansicht einiger unberufener Heißsporne der Hypnotismus und die Suggestion als Erziehungsmittel oder behufs Festhaltung von Gemütsstimmungen für künstlerische Zwecke verwendet würde, finden wir ganz berechtigt. Der Hinweis darauf, daß mit der physiologischen Lösung des Rätsels, das den Schlaf einhüllt, auch jene des Problems der Hypnose nähergerückt erscheinen wird, scheint uns am Platze. Dankbar wird jeder Leser auch für die Zusammenstellung der Daten am Schlusse sein, die eine klare Übersicht darüber verschaffen, wann und durch wen — den von uns unter dem Namen der hypnotischen bezeichneten — verwandte Erscheinungen bereits früher beobachtet und zu erklären versucht worden sind.

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