Anthroposophical Medical Theory and Human Knowledge
GA 319 — 3 September 1923, London
Dritter Vortrag
Es ist mir gesagt worden, daß eine noch weitergehende theoretische Begründung desjenigen gewünscht werde, was ich gestern vorgebracht habe. Nun ist es mir immer so, als ob die Zweifel und die innere Opposition, die sich gegen die Anschauungsweise in ganz begreiflicher Art heute geltend machen muß, noch stärker, ich möchte sagen, aus dem Inneren herausgetrieben werden, wenn diese geistige Begründung gegeben wird, und daß ich namentlich mit Bezug auf das Medizinische ein bißchen die Hoffnung habe, daß es ja auf diesem Felde so ist, daß, wenn die Heilmittel helfen werden in der Anwendung und man aus den Heilmitteln sehen wird, daß hinter der Sache etwas steckt, man uns die theoretische Grundlage verzeihen werde. So daß ich gerade auf diesem Gebiete, wenn es nicht ausdrücklich verlangt wird, etwas zurückhaltend bin mit der theoretischen Begründung. Denn sie muß für den ersten Augenblick noch phantastischer klingen, obwohl sie so exakt ist wie die Mathematik, als dasjenige, was über die Praxis der Heilmittel gesagt werden kann. Dennoch, da es gewünscht wird, werde ich nicht nur am Schlusse, wie ich gemeint habe, eine kurze Begründung geben, sondern ich werde gleich am Ausgangspunkte heute etwas über diese theoretische Begründung sagen.
Es handelt sich nämlich darum, daß durch den bewunderungswürdigen Fortschritt unserer Naturwissenschaft Unendliches geleistet worden ist in bezug auf die Erkenntnis der äußeren physisch-sinnlichen Welt, daß aber gerade diese außerordentlich bedeutsame Erkenntnis der äußeren physisch-sinnlichen Welt davon hinweggeführt hat, den Menschen selber in seiner totalen Wesenheit zu erfassen.
Dasjenige, was man mit den Naturgesetzen, die man draußen in der Natur heute, sei es durch die Beobachtung, sei es durch das Experiment erkundet, begreifen kann, das reicht beim Menschen nicht weiter als bis zum Erfassen der Sinnesorganisation, nämlich desjenigen, was wie physische Apparate als Sinne in den Menschen eingegliedert ist, und desjenigen, was das Mechanische der Bewegung ist. Alles übrige geht gradweise, je weiter man wirklich in das Wesen des Menschen eindringt, so vorwärts, daß die äußeren Naturgesetze immer weniger gelten. Ich muß mich natürlich trotzdem kurz fassen, kann also die Dinge nur aphoristisch andeuten.
Aber es ist ja bekannt genug, daß eigentlich der Mensch, sagen wir, höchstens zu zehn Prozent oder etwas darüber aus den physischmineralischen Stoffen besteht, die wir in festem Zustande kennen, daß der Mensch zum weitaus größten Teil, sagen wir, Flüssigkeitssäule ist.
In dieser Flüssigkeitssäule sind dann wiederum wirksam diejenigen Impulse, die, vermittelt zum Beispiel durch den Atmungsprozeß aber auch durch sonstige Prozesse der menschlichen Organisation, Prozesse sind, die wir in der Natur eigentlich nur in der frei sich bewegenden Luft finden. Und dann kommen als viertes dazu die Wärmeprozesse. Nur auf dasjenige, was im Menschen so vorhanden ist, wie wir draußen in der Natur die scharfkonturierten, die mineralisch-physischen Substanzen finden, sind die Naturgesetze anwendbar, mit denen man heute glaubt, den ganzen Menschen zu erkennen. Man erkennt mit diesen Naturgesetzen kurioserweise nur einen Teil der Sinnesorganisation beziehungsweise, weil die Sinnesorganisation hauptsächlich im menschlichen Kopf organisiert ist, einen Teil der menschlichen Kopforganisation. Die Kopforganisation des Menschen ist nämlich diejenige, die am meisten der physischen Welt, der Konstitution der physischen Welt ähnlich ist.
Vom Kopfe geht das Nervensystem des Menschen zum Teil aus. Jedenfalls aber hängt es im Menschen mit der Kopforganisation zusammen, dieses Nervensystem. Nun ist heute der Glaube, daß das gesamte Nervensystem zusammenhängt mit demjenigen, was wir im Menschen als geistige Fähigkeiten bezeichnen. Wenn Sie sich heute eine auch nur physiologisch gefärbte Psychologie ansehen, so werden Sie sehen, daß eigentlich in diesen Psychologien nur behandelt ist die Gedankenwelt, die Gedankenwelt im Zusammenhange mit Gehirn und Nervensystem. Die Gefühlswelt und Willenswelt des Menschen wird gewissermaßen nur angeklebt, als etwas Nebensächliches erwähnt, und man glaubt, daß Gefühl und Wille ebenso mit dem Nervensystem zusammenhingen wie die Vorstellungswelt. Das ist nicht der Fall.
Wenn ich noch einmal zurückgreife auf den dreigliedrigen Menschen, wie ich ihn gestern charakterisiert habe, so ist zu sagen, daß nur die eigentliche Fähigkeit des Vorstellens mit dem Nervensystem des Menschen zusammenhängt; das Gefühlsleben nur indirekt. Dagegen hängt das Gefühlsleben direkt mit dem rhythmischen System zusammen.
Und hier haben wir schon einen der Punkte, wo sich notwendigerweise gerade wegen ihrer Bewunderungswürdigkeit auf anderen Gebieten die heutige Naturwissenschaft den Weg vollständig versperrt, von der physischen Organisation des Menschen vorzudringen zu seiner geistigen Organisation.
In Wahrheit liegt die Sache so, daß die gesamte Gefühlswelt unmittelbar in die rhythmische Organisation eingreift, in jene rhythmische Organisation im weiteren Sinne, wie ich sie gestern charakterisiert habe. Und das Nervensystem dient nur dazu, der Vermittler zu sein, daß wir über unsere Gefühle Vorstellungen und Gedanken haben können. So daß also in Atmung und Blutzirkulation die Gefühlsimpulse unmittelbar eingreifen. Nur für das, was wir als Vorstellungen haben über die Gefühle, sind die organischen Vermittler die Nerven. Und ebenso wie in das rhythmische System die Gefühlswelt des Menschen eingreift, ebenso greift in das Stoffwechsel-Bewegungssystem der Wille unmittelbar ganz ein. Und dasjenige, was wir in den Nerven oder durch die Nerven haben, das sind nur die Vorstellungen des Gewollten, die Vorstellungen von dem Gewollten.
Nun werden Sie sagen: das braucht ja den Mediziner nicht weiter zu interessieren. Es ist eine Theorie über den Menschen, und man könnte im Medizinischen davon absehen. Das ist aber ganz und gar nicht der Fall. Das ist in dem Augenblicke nicht der Fall, wenn man die Folgen für die heutige medizinische Anschauung sieht, die aus diesem Vorurteil erwachsen, daß das Nervensystem dem gesamten Seelenleben direkt zugeordnet ist.
Man unterscheidet heute, wie ja genugsam bekannt ist, zwischen den sogenannten sensitiven Nerven, die vom Zentrum zu den Sinnen gehen sollen und die sinnlichen Wahrnehmungen vermitteln, und den sogenannten motorischen Nerven, welche etwas zu tun haben sollen mit dem Willen.
Es gibt in Wahrheit zwar anatomisch-physiologisch metamorphosierte Nerven, aber es gibt nur einerlei Art von Nerven. Jeder Nerv ist nur physischer Vorstellungsvermittler. Und diejenigen Nerven, die wir heute motorische Nerven nennen, die sind in ihrer Funktion nicht anders als die sogenannten sensitiven Nerven. Während der sensitive Nerv zu den Sinnen geht, um die Außenwelt wahrzunehmen, geht der sogenannte motorische Nerv, der auch nichts anderes ist als ein innerlicher sensitiver Nerv, in das Innere und vermittelt die Wahrnehmungen, die ich zum Beispiel habe, wenn ich ein Glied bewege, die ich habe, wenn ich irgendwie eine innerliche unbewußte Bewegung auszuführen habe. Der Nerv ist nur der Vermittler der Wahrnehmung für irgend etwas Äußeres oder Inneres. Es gibt nicht zwei Arten von Nerven, nicht sensitive und motorische Nerven. Meinetwillen, die Terminologie ist mir dann einerlei, ob man sie dann sensitive oder motorische nennt, das ist gleichgültig, aber nur einerlei Art und anatomisch-physiologisch etwas metamorphosiert, nur einerlei Art von Nerven gibt es.
Ich weiß natürlich, daß naheliegende Einwände gegen diese Anschauung gemacht werden können. Aber ich habe, da ich wirklich seit fünfunddreißig Jahren arbeite an der Ausgestaltung dieser Anschauung vom Menschen, wirklich alle diese Einwände sorgfältig geprüft. Jede einzelne Tatsache, die genommen werden kann aus dem Funktionieren oder Nichtfunktionieren des Nervensystems, sagen wir zum Beispiel bei der Tabes dorsalis, jede dieser Tatsachen, wenn sie wirklich vorurteilslos interpretiert wird, ordnet sich in dasjenige theoretische System ein, das ich Ihnen eben auseinandergelegt habe. Während Sie überall die Brüche sehen werden, wenn Sie die heutige Interpretation, sagen wir zum Beispiel, der Tabeserkrankungen nehmen. Sie kommen nur zurecht auch mit dem, was sorgfältig gerade heute mit solchen Dingen in der Naturwissenschaft verzeichnet ist, wenn Sie wissen, daß es nur einerlei Art von Nerven gibt, und daß die Gefühlswelt in keinem direkten, sondern nur in einem indirekten Zusammenhang mit dem Nervensystem steht, daß die Gefühlswelt unmittelbar eingreift in das Atmungs- und Zirkulations-, überhaupt in das rhythmische System, daß der Wille unmittelbar wirkt als stoffwechselartig, jener unbewußte Wille in unserem Inneren, der dem Gesamtstoffwechselprozesse zugrunde liegt und der dann wiederum sich metamorphosiert zu dem bewußten Willen, der den äußeren bewußten Bewegungen zugrunde liegt.
Dies war das erste, ich möchte sagen, für mich erschütternde Ergebnis, das ich gehabt habe eigentlich seit dreißig Jahren aus den Anschauungen, die ich über den Menschen gewinnen konnte. Ich habe es nicht auszusprechen gewagt bis zum Jahre 1917, weil es tatsächlich verhältnismäßig leicht ist, irgendein wissenschaftliches Ergebnis, das wenig abweicht von den Gewohnheiten, auszusprechen. Dagegen ist es wirklich nicht leicht, ich möchte sagen, gegen das Urteil, das so gut begründet erscheint, daß es zweierlei Nerven gibt, in der Welt irgend_ wie vorzugehen. Und erst als ich beruhigt sein konnte darüber, daß es heute keine naturwissenschaftliche Tatsache gibt, die dem widersprechen würde, die sich nicht einordnen ließe in diese Anschauung von der Einerleiheit der Nerven, wagte ich 1917, nachdem ich dreiBig Jahre beschäftigt war mit dem Ausarbeiten dieser Anschauung, sie auszusprechen.
Aber diese Anschauung hat eine ganz andere Folge noch. Nehmen Sie nur diese Tatsache, daß die Gefühlsimpulse unmittelbar eingreifen in das rhythmische System, die Willensimpulse unmittelbar eingreifen in das Stoffwechsel-Bewegungssystem, dann haben Sie in dem Willenssystem und in demjenigen, was sich dann weiter angliedert an das Willenssystem, in dem Gefühlssystem des Menschen, das wir überhaupt nur fassen können auf spirituelle Art, indem wir die Gefühle nur fassen können als geistige Entitäten, in denen haben Sie die Antriebe zum Beispiel zur Zirkulation. Und Sie kommen hinweg von etwas, worüber nun wirklich auch wiederum nicht leichter Hand hinwegzukommen ist.
Heute sucht die Physiologie, die unserer gesamten medizinischen Denkweise zugrunde liegt, den eigentlichen Motor für die Blutzirkulation im Herzen, und das Herz wird angesehen als dasjenige, was die Impulse aussendet, um das Blut durch den Organismus zu treiben. Das Umgekehrte ist wahr. Das Blut wird durch den Organismus bewegt, durch die spirituelle Wesenheit des Menschen, die in der Willensorganisation in den Stoffwechsel unmittelbar eingreift, die in den Gefühlsimpulsen in die Zirkulation unmittelbar eingreift und in die Atmung, also in das rhythmische System. Diese gesamte innere Bewegung, diese gesamte innere rhythmische Tätigkeit kommt unmittelbar aus dem geistigen Menschen, und das Herz, die Herztätigkeit ist nicht die Ursache der Blutzirkulation, sondern sie ist die Folge der Blutzirkulation, die Folge der Säftebewegung. Das Herz drückt also eigentlich nur aus in seinen eigenen Bewegungen, wie es innerlich erregt und bewegt wird durch die Bewegung, die eigentlich von dem geistigen Menschen ausgeht.
Das sind zwei Dinge, die nach und nach der Physiologie als der Grundlage der Medizin eben werden zugrunde gelegt werden müssen: die Anschauung von der Einerleiheit der Nerven und von dem Zugeordnetsein des gesamten Nervenlebens nur zum Vorstellungsleben, und dann auf der anderen Seite die Bewegung der flüssigen und luftförmigen Elemente im Menschen unmittelbar vom Geistigen aus, so daß die Herzbewegung als Folge der rhythmischen Bewegung im Menschen erscheint, nicht als deren Ursache.
Ich erinnere mich noch lebhaft, welche wilden Leidenschaften ich einmal ausgelöst habe in einem Eisenbahnwaggon auf der Strecke zwischen Trälleborg und Stockholm, als ich einem schwedischen Arzte diese Herztheorie auseinandersetzte. Es war ein schreckliches Gewühl von Leidenschaften, in das der Mann gekommen ist. Also ich kann ganz gut begreifen, wie sich diese Dinge heute in dasjenige, was wir nun alle einmal gewohnt sind zu denken, hineinstellen. Aber nur dadurch öffnet man sich das Tor vom physischen Menschen zum geistigen Menschen. Denn in dem Augenblicke, wo Sie zweierlei Nerven haben, geht die eine Art von Nerven von der sinnlichen Wahrnehmung zum Zentrum, geht als physische Organisation vom Sinn zum Zentrum. Vom Zentrum aus geht der Willensnerv. Der motorische Nerv vermittelt ebenso materiell dasjenige, was nun als Wille erscheint. Sie kommen aus dem Materiellen überhaupt nicht heraus. Dadurch, daß Sie zweierlei Nerven konstruieren, die es gar nicht gibt — es gibt nur einerlei Nerven -, haben Sie sich das Tor zu dem Geistigen des Menschen zugesperrt. Und das ist dasjenige, was uns die so bewundernswerte Naturwissenschaft, die für den äußeren Menschen so großartig ist, für den Menschen gebracht hat. Sie ist so weit gegangen, daß sie eine rein ausgedachte Theorie an die Stelle der Wirklichkeit gesetzt hat, die rein ausgedachte Theorie, daß es zweierlei Nerven gibt, während eben die motorischen Nerven auch sensitive Nerven sind und nur zur Wahrnehmung der inneren Bewegungen da sind. Auf der anderen Seite macht sie das Herz zu einer Art von Pumpe, zu einem physikalischen Apparat, der durch eine Art Automatismus die rhythmische Zirkulation des Menschen hervorruft. Dann löscht sie sich, indem sie in diesen physischen Automaten Herz die ganze Ursache der rhythmischen Bewegungen des Menschen hineinverlegt, den Zusammenhang aus zwischen dem rhythmischen System und auch zwischen dem Stoffwechselsystem und der geistigen Wesenheit des Menschen.
Das ist das Zuschließen des Tores zum geistigen Menschen, zu der spirituellen Wesenheit des Menschen gewesen, daß auf der einen Seite die Theorie von den zweierlei Nerven aufgestellt worden ist, und auf der anderen Seite die Herztheorie, die das Herz nicht dasjenige sein läßt, was es ist, sondern es zum physischen Motor für die Blutzirkulation macht, während es in Wahrheit in seinen Bewegungen nur der Ausdruck für das Blut wirklich ist, das vom spirituellen Menschen aus bewegt wird.
Das hat schon seine bedeutsamen Folgen. Denn dadurch erst, daß Sie in dieser Weise sehen, wie die Nervenorganisation sich eigentlich hineinverlegt in den Menschen, können Sie die Nervenorganisation in der richtigen Weise, sagen wir zum Beispiel, in Beziehung zu der Organisation des Verdauungssystemes bringen. Das Verdauungssystem gehört dem System des Menschen an, das ich das Stoffwechsel-Bewegungssystem genannt habe, und das Nervensystem ist polarisch ihm entgegengesetzt.
Nun betrachten wir einmal den Menschen, wie er in bezug auf das eine und das andere System ist. In bezug auf das Stoffwechselsystem: äußere Stoffe werden aufgenommen. Das Wesentliche für das Verdauungssystem ist die Tätigkeit, die nun hervorgerufen wird, wenn in den Körper die äußeren Stoffe hineinversetzt werden. Dasjenige, was der Organismus des Menschen genötigt ist deshalb zu tun, weil ein Fremdkörper in ihn hineinkommt, den er umgestalten, den er metamorphosieren muß, was der Mensch deshalb tun muß: darauf kommt es an, auf diesen Prozeß kommt es an bei der Verdauung, und dieser Prozeß bleibt auf einer bestimmten Stufe stehen. In dem Momente, wo nun dieser zunächst fortschreitende Prozeß gewissermaßen im Überwinden der Kräfte der äußeren Nahrungsmittel stehenbleibt, da tritt der Impuls der Ausscheidung ein. Und die Ausscheidung tritt hier in bezug auf das Stoffwechselsystem so ein, daß diese Ausscheidung unmittelbar nach außen erfolgt. Wir haben also zu begreifen das Stoffwechsel-Bewegungssystem so, daß zunächst die Impulse des Menschenorganismus, die verwandt sind mit dem Willen, der Wille unmittelbar in den Stoffwechsel eingreift, daß diese Impulse, die verwandt sind mit dem Willen, die Überwindung, die Konstitution des Stoffes, wie er außen ist, so weit treiben, daß er bis zu einem gewissen Punkte kommt. Dann wird ausgeschieden, ausgeschieden auf allen den Wegen, die ja bekannt sind. Aber die Ausscheidung erfolgt nach außen.
Derjenige Teil der Verdauungstätigkeit aber, der durch den ganzen organischen Prozeß in die Kopforganisation, das heißt in diejenige Organisation, wo das Nerven-Sinnessystem nicht ausschließlich, aber vorzugsweise lokalisiert ist, hingetrieben wird, der geht nicht nur bis zu diesem Punkt im menschlichen Organismus, bis zu dem der Prozeß geht im Stoffwechsel-Bewegungssystem, sondern dasjenige, was für die Kopforganisation Verdauung ist, das wird weitergetrieben, indem die Ausscheidung nun nicht nach außen geht, sondern innerlich erfolgt. Und was ist das Ergebnis dieser innerlichen Ausscheidung, die also abgelagert wird in dem Menschen selber, was ist das Ergebnis dieser innerlichen Ausscheidung? Das ist das Nervensystem. Das Nervensystem ist dasjenige System im menschlichen Organismus, das eigentlich seinen substantiellen Gehalt einer innerlichen Ausscheidung verdankt, die aber im Organismus bleibt, nicht nach außen getrieben wird, natürlich nur bis zu einem gewissen Punkte im Organismus bleibt, und dort durch die plastischen Kräfte der ersten unsichtbaren Wesenheit des Menschen, der ersten übersinnlichen Wesenheit des Menschen, dem sogenannten Äther- oder Lebensleib, durch die plastischen Kräfte, durch die Bildekräfte dieses Ather- oder Lebensleibes geformt wird.
So daß man zu unterscheiden hat außer dem physischen Leib des Menschen diese erste übersinnliche Wesenheit, den Äther- oder Lebensleib, der eigentlich nur dynamisch ist, nicht materiell, nur dynamisch. In der ganzen Welt sind diese dynamischen Wirkungen ebenso vorhanden, im Menschen auf besondere Weise.
Dieser Bildekräfteleib enthält die gestaltenden Kräfte, die nun jene Ausscheidungsprodukte zu dem so wunderbar gebauten Gehirn, überhaupt dem wunderbar gebauten Nervensystem formen.
Meine sehr verehrten Anwesenden, ich fordere Sie auf, alles dasjenige, was histologisch, was embryologisch, was sonst entwickelungsgeschichtlich, evolutionistisch über die Beschreibung, ich will sagen, zum Beispiel einer Embryonalzelle und einer Nervenzelle zu sagen ist, all das vorurteilslos zu prüfen und Sie werden das mit keiner anderen theoretischen Grundlage in Übereinstimmung finden können als einzig und allein mit derjenigen, die ich eben auseinandergesetzt habe.
Und so kann man schon wirklich als ein, ich möchte sagen, ganz gewissenhafter Skeptiker zu demjenigen stehen, was die Geistesforschung, die ich vertrete, sonst sagt. Sie sagt, man kann kommen zu einer Art von exakter Clairvoyance, einem exakten Untersuchen dieses Übersinnlichen. Wie man dieses Übersinnliche exakt untersucht: ich habe es beschrieben in meinem Buche, das als «Initiation» ins Englische übersetzt worden ist. Gerade durch solche Untersuchungen des Übersinnlichen kommt man eben dazu, dasjenige, was nun nicht mehr den physischen Naturgesetzen folgt, sondern eigentlich in der Natur eine Art künstlerischer Tätigkeit ist, daß man das, diese plastischen, diese plastizierenden Kräfte verfolgt, die vorzugsweise im menschlichen Kopforganismus tätig sind, und die in diesem Kopforganismus jene sonst als Ausscheidungsimpulse nach außen getriebenen materiellen Entitäten formen.
So daß das Sonderbare bei dieser Betrachtungsweise herauskommt, daß wir in unserem Nervensystem eigentlich durchaus eine Summe von Abbauprozessen zu sehen haben, und daß die Funktion unseres Nervensystems eigentlich darauf beruht, daß sie lediglich in Abbauprozessen besteht, weil sie eine über einen gewissen Punkt hinausgetriebene Ausscheidung und nach der Ausscheidung geformte, plastisch geformte Materie ist.
Das gibt den fundamentalen Unterschied zwischen einem Organ, das der Nerven-Sinnesorganisation angehört, und einem Organ, das der Verdauungsorganisation angehört. Ein Organ, das der Nerven-Sinnesorganisation angehört, ist in der Evolution wesentlich weitergeschritten, ist in einer absteigenden Evolution. Ein Organ, das der Stoffwechsel-Gliedmaßenorganisation angehört, ist nur in einer aufsteigenden Evolution, geht bis zu einem gewissen Punkte und fördert von diesem Punkte an die Ausscheidung.
Das sind die Dinge, die uns zeigen, wie die Organe sind in ihrem gesunden Zustande, das sind aber auch die Grundbedingungen, um zu erkennen, wie die Organe sich verhalten in ihrem kranken Zustande. Und das sind schließlich die Fundamente, die dazu führen, nun auch die Heilmittel in ihrem Zusammenhange mit dem Krankheitsprozeß in Wirklichkeit zu erkennen. Machen wir uns das klar an einem Beispiel.
Der Prozeß, der sich in unserem Gehirn oder auch, man könnte sagen, im ganzen Nervensystem abspielt, dieser Prozeß, der die Materie bis zu einem gewissen Punkte entwickelt, dann sie abbaut und die Abbauprodukte, also gewissermaßen die poverierten Produkte wiederum formt, dieser Prozeß geht in unserem Nervensystem vor sich. Und dieser Abbauprozeß, nicht Aufbauprozeß, dieser Dissimilationsprozeß, nicht Assimilationsprozeß, dieser Prozeß des Abbaues, der liegt unseren Vorstellungen zugrunde. Unseren Vorstellungen liegt eigentlich zugrunde, daß wir in jedem Augenblicke unseres Lebens mit Bezug auf unser Nervensystem eine Art atomistisches Sterben durchmachen, das nur immer aufgehoben wird durch die Aufbauprozesse. Man möchte sagen, im Momente des Sterbens drängt sich zusammen alles dasjenige, was verteilt ist auf das ganze Erdenleben des Menschen in dem fortdauernden Abbauprozesse des Nervensystemes.
Wenn man diese Prozesse studieren kann, wobei man es also mit einem Funktionieren der materiellen Kräfte bis zu einem gewissen Punkte zu tun hat, dann mit einem Abbau, dann sagt man sich das Folgende: Wodurch denken wir denn eigentlich als Menschen? Wodurch sind wir denn geistige Wesen? Durch dieselben Kräfte, durch die wir, sagen wir, durch die Embryonalentwickelung ins Leben treten? — Keineswegs! Unser physisches System darf sich nicht in gerader Linie weiterentwickeln, damit wir Menschen sein können, sondern es muß von einem gewissen Punkte an eine lebendige Entwickelung durchmachen, eine Devolution muß eintreten. Und in der Devolution, nicht in der Evolution, ist die Grundlage gegeben für dasjenige, was unsere geistigen Tätigkeiten sind.
Bedenken Sie die Folge einer solchen Anschauung. Man glaubt, so etwas wie der Nervenprozeß sei ein aufsteigender Prozeß, und als solcher, als aufsteigender Prozeß, wie der Wachstumsprozeß oder wie der Ernährungsprozeß, sei er die Grundlage des Denkens, des Vorstellens. Das ist ja gar nicht möglich. Die Grundlage des Vorstellens ist ein Abbauprozeß. Die Materie muß erst zerstört und die Zerstörungsprodukte plastisch geformt werden, damit sie die Grundlage abgeben können für das Funktionieren des Geistigen in uns, für die Gedanken. Wir müssen erst unsere materielle Grundlage zerstören, wir müssen gewissermaßen erst Löcher in das Gehirn schlagen, damit wir denken können. Also nicht etwa auf den organischen Wachstumskräften beruht die Fähigkeit des Denkens, sondern damit der Geist in unsere Organisation einziehen kann, ist es notwendig, daß diese Organisation erst einem Abbauprozeß, einem Zerstörungsprozeß, einem partiellen Ertötungsprozeß unterliegt.
Dann, wenn Sie das klar durchschauen, kommen Sie dazu, daß Sie sich sagen: Hier ist eine Straße, es hat geregnet, es hat einen weichen Boden, Wagen fahren darüber; ich sehe die Furchen. Aber nehmen wir jetzt an, irgendein Wesen käme vom Mars herunter, hätte niemals Wagen gesehen, die Wagen wären fort, und es sähe nur die Furchen. Das untersucht nun die Furchen, geht in die Erde hinein und sagt: Unter der Erdoberfläche, im Inneren der Erde, da sind die Kräfte, die von unten hinauf die Furchen gemacht haben. — Wir können es dem Wesen nicht verübeln, daß es im Erdboden drinnen die Gründe sucht für die Furchen, nur liegen sie nicht darinnen, sondern sie liegen in den Wagen, die darüber gefahren sind und die Furchen hineingefahren haben.
So ungefähr ist es mit unserem Gehirn. Sie glauben, das ist ein Organisationsprozeß von unseren Organen nach außen; während die Furchungen unseres Gehirns Eingrabungen sind von seelisch-geistigem Leben. Und wir kommen nun darauf, daß wir unseren physischen Körper in bezug auf seine Nerven-Sinnesorganisation überhaupt nur als die Widerlage, als das Widerstehende gebrauchen, um die geistige Tätigkeit auszuüben. So wie Sie jede Spur des Wagens oben, der dahin oder dorthin gefahren ist, verfolgen können — und Sie können daraus vieles erschließen, immer findet sich von irgend etwas, was der Wagen getan hat, eine Spur -, so können Sie aus dem Gehirn natürlich das ganze Denken erklären. Das ist eben gerade die wunderbare Illusion des Materialismus, daß man ja nicht etwa sagen soll, man soll es nicht aus dem Gehirn erklären; im Gegenteil, man kann aus dem Gehirn das ganze Denken erklären und das Vorstellungsleben, aber weil es eingegraben ist von dem spirituellen Leben.
Wenn Sie diesen Prozeß verfolgen, der also ein Abbauprozeß ist, und Sie gehen dann vom Menschen hinaus in den großen kosmischen Prozeß, so haben Sie da draußen dieselben Vorgänge. Und zwar haben Sie den Vorgang, der sich heute im Menschen abspielt, aber nur sich aufhält -— wenn ich mich so ausdrücken darf - im Status nascendi, im Moment des Entstehens, diesen Prozeß, der sich abspielt im Abbauen des materiellen Prozesses, der dem Nervensystem zugrunde liegt, diesen Prozeß, der aber nur aufgehalten wird im Status nascendi, den haben Sie kosmisch in der Natur draußen vorhanden beim Entstehen der Kieselsäure, überall, wo sie in der Natur auftritt. Wenn Sie daher in der richtigen Art ein Präparat herstellen aus der Kieselsäure, die draußen im Kosmos denselben Prozeß vorstellt, nur daß da der Prozeß fortgeht und dann in einem späteren Punkte zum Stillstand kommt, während er im menschlichen Haupte im Status nascendi aufgehoben wird, wenn Sie diesen Prozeß, der da draußen ist, in der entsprechenden Weise nun zum Präparat verwerten und das dem Menschen in der geeigneten Weise beibringen, dann nehmen Sie einem Körper, der in einer Weise in seinem Ätherleib schwach geworden ist, diesen Prozeß nicht durchführen kann, durch das Heilmittel diesen Prozeß ab. Nun hat die Kieselsäure das Merkwürdige, daß, wenn wir sie durch die Substanzen, die wir ihr beimischen, und durch die Prozesse, durch die wir sie verarbeiten, wenn wir sie im gesamten menschlichen Organisationsprozesse zum Kopfe bringen, sie da tatsächlich dem Menschen dasjenige abnehmen kann, was er deshalb, weil eine organische Schwächung vorliegt, nicht durch seine inneren Organisationskräfte ausführen kann.
So sehen Sie richtig hin auf dasjenige, was im menschlichen Haupte vor sich geht. Aber Sie müssen das menschliche Haupt im Zusammenhang sehen mit den spirituellen Impulsen. Und Sie sehen hin auf dasjenige, was draußen im Kosmos vor sich geht in der Kieselsäurebildung, und Sie erkennen, daß Sie im Kieselsäureprozeß, festgehalten eben im Silizium, in der Silicea, in diesem Prozeß etwas haben, das Sie hineinorganisieren können in den Menschen, wodurch Sie ihm abnehmen dasjenige, was er ohne dies nicht kann. Dadurch rufen Sie aber wiederum die innerste Organisation des Menschen zur Reaktion auf, so daß sie von sich aus wieder kann, was man ihr eine Zeitlang abgenommen hat.
So sieht man durch spirituelles Schauen, was eigentlich die Kieselsäure im menschlichen Organismus für eine Funktion ausübt, wenn der Organismus diese Funktion nicht selber ausüben kann. Das ist es, was als eine fundamentale Erkenntnis entsteht, wenn man eben die gesamte menschliche Organisation und auch den Zusammenhang mit der äußeren Natur durchschaut. Man braucht dann nur zu fragen: Was geschieht nicht in irgendeinem Teil des menschlichen Organismus und was sollte geschehen?
Weiß man dann von der Natur, wo der Prozeß liegt, der gerade an der Stelle des menschlichen Organismus fehlt, so ist die Pathologie unmittelbar die wirkliche reale Grundlage der Therapie. Und jede in der Pathologie gegebene Fragestellung richtig beantworten, ist unmittelbar auch die therapeutische Antwort.
Das ist dasjenige, was die Möglichkeit bedeutet, so vorzugehen, daß man sagt: Nun, ich verfertige ein Heilmittel. Durch das Einsehen des Zusammenhanges kann ich voraussagen, wie das Heilmittel wirken wird. Wirkt es dann in der Tat so, so ist das ein Verifizieren, kein bloßer Empirismus, sondern es ist ein Verifizieren.
Sehen Sie überall nach, wie es die äußeren Wissenschaften machen. Ist man imstande, durch irgendeine theoretische Anschauung vorauszusagen, was eintreten soll, dann sieht man nicht auf die Menge der Fälle, die verifizieren, sondern wenn man die Bedingungen wirklich richtig herstellt und das Vorausgesagte sich erfüllt, dann hält man zunächst dasjenige, was man angenommen hat, für verifiziert. Und insbesondere ist es ja wichtig für das Praktische, daß eine solche Verifizierung eintritt, denn die Praxis zeigt ja auf diesem Gebiete immer, ob wir mit unseren Voraussagen recht haben oder nicht. Dasjenige also, was erreicht werden kann durch dieses Hinlenken der Menschenerkenntnis von der bloßen physischen Natur zur geistigen Natur, das ist, daß wir lernen, die Prozesse, die wir in der Pathologie beobachten, bei einer therapeutischen Behandlung so vorauszusehen, wie wir sonst im Laboratorium oder im physikalischen Kabinett einen äußeren Naturprozeß voraussagen. Tritt er in der Weise ein, wie wir ihn vorausgesagt haben, so haben wir die Sache durchschaut. So dehnen wir das wirklich Wissenschaftliche so aus, wie wir es gewohnt sind in der Physik zu machen, während wir in den biologischen Wissenschaften, und namentlich in ihrer praktisch therapeutischen Verwertung, eben heute durchaus sehen, daß eine bloße empiristische Methode da ist. Es handelt sich also nicht darum, weniger Wissenschaft zu haben, sondern mehr Wissenschaft zu haben, um zu einer wirklich rationellen, das heißt, auch durchschaubaren Erkenntnis des Zusammenhanges zwischen Pathologie und Therapie zu kommen.
Es ist schon erschrecklich spät geworden. Daher werde ich genötigt sein, in einem kürzeren, nunmehr letzten Teil einiges noch zusammenzufassen, was einiges Licht noch werfen kann auch von der therapeutischen Seite aus auf dasjenige, was ich gesagt habe.
Wenn wir diese Organisation für das Sinnes-Nervensystem, die hauptsächlich konzentriert, lokalisiert ist im menschlichen Haupte, ins Auge fassen, so finden wir nach dem Gesagten, daß sie im wesentlichen zugrunde liegt dem Gedankenleben, dem Vorstellungsleben. Aber was ist dasjenige, was der Mensch sein Gedankenleben nennt? Es ist dasjenige, was von der eigentlichen Kraft der Gedanken in das Bewußtsein hereinspielt, und dasjenige, was der Mensch eigentlich so wahrnimmt, daß er ganz instinktiv, unwillkürlich davon spricht, wie eigentlich der Gedanke keine Wirklichkeit ist. Der Gedanke, der erlebt wird, ist kraftlos. Der Gedanke, der erlebt wird, ist im Grunde genommen nur in einem Bilddasein vorhanden.
Dagegen hat dieses Gedankenleben noch eine andere Seite, eine wesentlich andere Seite, und wir können, ich möchte sagen, in einer einfachen Weise uns vor die Seele führen, welche andere Seite dieses Gedankenleben hat, wenn wir daran denken bloß, daß ja diese Erscheinung nach dem Bewußtsein beim ganz kleinen Kinde noch nicht vorhanden ist. Dagegen ist die andere Seite dieses Gedankenlebens bei dem ganz kleinen Kinde sehr wohl vorhanden. Das ist die wirkliche dynamisierende, plastizierende Kraft des Gedankenlebens. Wir haben die eine Seite des Gedankenlebens, die für das gewöhnliche Bewußtsein eben in den Vorstellungen, in den Gedanken, in den Begriffen zur Offenbarung kommt, und wir haben gewissermaßen die nach rückwärts gerichtete Kraft der Gedanken, die identisch ist mit jener plastizierenden Kraft, die ich vorhin erwähnt habe. So daß, wenn wir auf das menschliche Vorstellungsleben sehen in seinem Zusammenhang mit dem ganzen menschlichen Organismus, wir eigentlich sagen müssen: dasjenige, was wir vom Gedankenleben wahrnehmen, unmittelbar erleben, das ist wie ein Spiegelbild im Verhältnis zu einem wirklichen Gegenstand. Das Wirkliche am Gedankenleben sind die nach innen gehenden plastischen Kräfte.
Und diese nach innen gehenden plastischen Kräfte sehen wir am ganz kleinen Kinde, das noch nicht ein bewußtes Gedankenleben hat, ja am stärksten an der Plastik des Gehirns arbeiten. Gerade wenn der Mensch noch ein Kind ist, wird am stärksten an der Ausarbeitung desjenigen Organs gearbeitet, das dann die Grundlage des Vorstellungslebens selber wird.
Wir wagen es, von einer latenten Wärme zu sprechen und von einer Wärme, die erscheint, von einer erscheinenden Wärme. Wir wissen, daß durch gewisse Prozesse eine gebundene Wärme frei gemacht werden kann, herauskommt aus der Substanz, in der sie gebunden war, latent war. Wir wagen es nur heute noch nicht, in derselben Weise davon zu sprechen, daß im Kinde allmählich das bewußte Vorstellungsleben aus dem unbewußten Vorstellungsleben herausgetrieben wird, und daß dieses unbewußte Vorstellungsleben im Kinde am allerlebendigsten an der Plastik des ausgeschiedenen Materiellen arbeitet, um das Nervensystem durch seine plastizierende Kraft zustande zu bringen. Diese plastizierende Kraft dauert dann das ganze menschliche Leben fort, ist am stärksten in der Kindheit. Und wir sehen dadurch auf das erste Übersinnliche im Menschen.
Übersinnlich sind die Gedanken, aber es sind eigentlich nur die Bilder, die erlebt werden; übersinnlich sind aber auch die Kräfte, die nun das eigentliche Gedankenorgan formen, die am Nervensystem arbeitenden Kräfte.
Aber man möchte sagen, das ist nur der dem physischen Geschehen, dem physischen Prozeß nächste Teil des übersinnlichen Menschen. Es ist etwas, was sich anschaut, möchte ich sagen, wie das, was zwischen physischem Leib und Seelischem steht. Schauen wir aber hin auf das rhythmische System, das in direktem Zusammenhang, wie ich gesagt habe, mit dem Gefühlsleben des Menschen steht, so sehen wir da ein Höheres in diesem rhythmischen System tätig, und wir sehen in dem rhythmischen System nicht nur gewissermaßen ein ätherisch Plastisches wirksam, sondern ein ätherisch Plastisches, das durchseelt ist. Und im Innersten ist der Rhythmus gerade dieses merkwürdige Ineinanderarbeiten des Prozesses, den wir auf der einen Seite gesehen haben im Verdauungs-Bewegungssystem, im Stoffwechsel-Bewegungssystem, wo bis zu einem gewissen Punkte die Evolution des Stoffprozesses gebracht wird, wo dann der Stoffprozeß ausscheiden will, während er im Nervenprozeß innerlich ausscheidet.
Stellen wir uns nun den ganzen Prozeß so vor, daß er gewissermaßen geführt wird als Stoffwechselprozeß bis zu einem gewissen Punkte, dann die Ausscheidung entsteht, aber sofort zurückgebildet wird, so daß fortwährend der ganze Prozeß hin- und herpendelt zwischen einem Stoffwechselprozeß und einem abbauenden Nervenprozeß, dann haben Sie den Grundtypus jenes rhythmischen Prozesses, der allen rhythmischen Prozessen zugrunde liegt. Er hängt zusammen mit einer Tätigkeit des Menschen, des übersinnlichen, des spirituellen Menschen, die ausgeht von dem beseelten ätherischen Prozesse, von dem beseelten Atherleben gewissermaßen.
Und schauen wir auf die Atmung, auf die Blutzirkulation, irgend etwas, das sich gerade in der Sphäre der rhythmischen Prozesse abspielt, so haben wir dieses gewissermaßen gegenüber dem bloßen ätherischen Prozesse höhere Wirken eines durchseelten ätherischen Prozesses in unseren rhythmischen Vorgängen. Die lassen sich nun wiederum im Zusammenhange mit den Vorgängen im Kosmos beurteilen.
Wir sehen, wie da, wo er nicht über seine Grenzen hinausgehen soll, der Stoffwechsel über seine Grenzen hinausgeht, so daß er gewissermaßen am unrichtigen Orte, in einem unrichtigen Organ des Menschen zum Nervenprozeß wird. Gewiß, es sieht phantastisch aus, entspricht aber der Realität. Wenn innerhalb des Stoffwechselsystems, des eigentlichen Stoffwechselsystems, der Stoffwechselprozeß über den Punkt, den ich charakterisiert habe, wo er zur Ausscheidung führen sollte, hinausführt und gewissermaßen übergeht an unrechtem Orte in den Nervenprozeß, dann entsteht die Krankheit, die in den verschiedenen Formen des Typhus abdominalis erscheint. So daß wir sagen müssen: die typhösen Krankheiten sind innerhalb des Stoffwechselprozesses auftretende Nervenprozesse, Nervenprozesse, die natürlich nur als Prozesse auftreten, nicht bis zu einer wirklichen Bildung eines Nervensystems führen können. Es handelt sich nun darum: wie kommen wir einem solchen Prozeß bei?
Da schauen wir wiederum hinaus in den Kosmos, und es bietet sich uns in dem Kosmos jener merkwürdige Stoff, der natürlich im Kosmos als Prozeß enthalten ist, aber im Antimonerz festgehalten wird. Eigentlich sind ja die Mineralien, die Erze, durchaus festgehaltene Prozesse.
Dieses Antimon ist ein merkwürdiges Mineral, ein merkwürdiges Erz. Es beginnt gleichsam immer die Kristallisation, wirft Gestalten auf, die spießig sind, drahtförmige Gestalten. Es sieht fast aus wie eine in der Mineralisation festgehaltene Pflanze oder wie ein in der Mineralisation festgehaltenes Moos. Aber es hat noch andere Eigenschaften. Unterwerfen wir dieses Antimon einem gewissen elektrolytischen Prozeß und bringen wir das, was wir daraus gewinnen, an die Kathode, so braucht es nur einer ganz geringen Berührung mit einer Metallspitze und wir können daraus hervorholen einen regelrechten kleinen Explosionsprozeß.
Und wiederum, wenn wir dieses Antimon unter gewissen Umständen zur Verbrennung bringen, den Rauch auffangen an bestimmten Flächen, so bekommen wir den wunderbaren Antimonspiegel, eine Ablagerung des Antimonerzes, das durch eine bestimmte Art von Verbrennungsprozeß durchgegangen, rauchbildend war, den Rauch abgelagert hat. Wir bekommen durch einen Prozeß, dem wir das Antimon unterwerfen können, gewissermaßen eine Fortsetzung desjenigen Prozesses, den wir im Antimon, wie es in der Natur vorkommt, festgehalten sehen.
Wenn wir nun diesen Antimonspiegel gewinnen — und die Gewinnung des Antimonspiegels* bildet innerhalb unseres pharmazeutischen Laboratoriums etwas sehr Wichtiges -, wenn man diesen Antimonspiegel gewinnt, so nähert man sich denjenigen Kräften, welche rückbildend wirken auf solche Prozesse, die innerhalb des Stoffwechselsystems bis in die Nervenbildungsprozesse hineinführen. Die antimonisierenden Kräfte, möchte ich sagen, schlagen diesen Prozeß im Stoffwechsel, der über sein Ziel hinausschießen will, wiederum auf sein Ziel zurück. Und wir bekommen eine Nachbildung des rhythmischen Prozesses dadurch, daß wir den organischen Prozeß, der zu weit geht, durch das Antimon, das bis zum Antimonspiegel gebracht worden ist, wiederum zurücktreiben.
Wir können auf diese Weise direkt, wenn wir diese antimonisierende Kraft richtig benutzen, diesen, ich möchte sagen, nervenbildenden Prozeß an unrechter Stelle wiederum zerstören, aufhalten, auf seine richtige Stelle zurückführen und bekommen dadurch, daß wir erfassen den eigentlichen typhösen Prozeß, indem wir in die Natur hinaussehen, welcher Prozeß diesen pathologischen Prozeß zurückführt, den entsprechenden therapeutischen Prozeß.
So daß wir immer in der Lage sind, durch Durchsichtigmachen der pathologischen Prozesse einfach in der Natur, entweder die unterstützenden, wie ich gestern schon sagte, oder die entgegenwirkenden Prozesse zu finden und dadurch in der Tat die Heilmittel auf ganz rationelle Weise herbeizuführen.
Man kann wirklich hoffen, daß das auch zum Ende kommen kann, was bis zu einem gewissen sehr weiten Grade schon uns Erfolge gebracht hat, aber was eben jetzt erst eigentlich in seiner Vollendung ist, nämlich das Aufsuchen des Heilmittels für die Karzinombildungen.
Wenn man sagen muß, daß der Stoffwechselprozeß hinausgetrieben werden kann über sein Ziel, so daß er zum nervösen Prozeß hinüberführt, gewissermaßen den nervösen Prozeß, den nervenbildenden Prozeß an unrechter Stelle ausführt, so kann noch etwas anderes eintreten. Es kann an unrechter Stelle nicht nur die Tendenz eintreten im menschlichen Organismus, Nerven zu bilden, sondern an unrechter Stelle kann die Tendenz eintreten, die sonst nur in den Sinnesorganen wirkende Prozesse hervorrufen. Da wird der Stoffwechsel noch weiter getrieben als nur zu dem Punkt, wo er nervenbildend auftreten will, da wird der Stoffwechselprozeß getrieben bis zu der Tendenz, an unrechtem Orte des menschlichen Organismus ein Sinnesorgan zu bilden. Und diese Tendenz liegt dem Karzinom zugrunde.
So skeptisch man heute noch dem entgegensehen muß, so wird man immer mehr und mehr, gerade wenn man nun, ich möchte sagen, mit dieser Richtlinie histologisch und so weiter bei der Karzinomuntersuchung vorgeht, sehen, daß dem Karzinom zugrunde liegt ein an unrechter Stelle entstehenwollendes Sinnesorgan. Natürlich ist das sehr approximativ und grob gesprochen, aber es liegt der Prozeß zugrunde, der eigentlich nur bei der Bildung des Sinnesorgans tätig sein sollte.
Und nun handelt es sich darum: wie können wir diesen Prozeß zurücktreiben bis zu dem Punkt, wo der Stoffwechsel eigentlich enden soll und unmittelbar nicht zur Ablagerung, sondern zur unmittelbaren Ausscheidung führen soll?
Und da bietet sich uns eben der Heilprozeß dadurch, daß wir den Saft der verschiedenen Arten von Viscum verwenden, und zwar nicht, wie manche eingewendet haben, weil da eine laienhafte Vorstellung zugrunde liegt, sondern im Gegenteil, weil ein wirkliches Durchschauen auch wiederum desjenigen Prozesses zugrunde liegt, der eigentlich da ist, wenn sich die Mistel als eine parasitische Pflanze da oder dort, sagen wir, auf dem einen oder anderen Baume bildet. Da liegt nämlich etwas außerordentlich Kompliziertes zugrunde.
Wenn wir den Prozeß untersuchen, der, grob gesprochen, der Holzbildung zugrunde liegt, dem Entstehen des Baumes aus der gewöhnlichen krautartigen Pflanze, aus der Pflanze, die nicht innerlich noch verholzt ist, wenn wir also diesen Prozeß des Baumwerdens aus der Pflanze in der richtigen Weise schauen können, so ist dieser Prozeß kosmisch ein sehr, sehr merkwürdiger Prozeß. Wir haben es da zu tun mit dem Erdboden, wenn wir eine gewöhnliche Krautpflanze haben, die also noch nicht verholzt, die nicht Baum wird. Die Wurzel verwächst eigentlich innig mit dem Erdboden, sie gehört sozusagen zum Erdboden noch dazu, denn es findet auch ein fortwährender Stoffwechsel mit dem Erdboden statt. Dann wächst also das Kraut mit den Blättern und es wächst die Blüte heraus. Es geht dann über in die atmosphärischen Einflüsse und so weiter.
Nun, wir betrachten ja heute - ich muß da allerdings jetzt aus einer Art biologischer Geologie eine Sache heranziehen — das Unorganische des Erdbodens so ungefähr, wie wenn das etwas Absolutes an sich wäre. Aber alles dasjenige, was wir als Mineralisiertes im Erdboden haben, ist nämlich ursprünglich ein Ausgeschiedenes. Wenn wir so vorgehen, wie die heutige Geologie vorgeht, dann kommen wir allerdings zu keiner Erkenntnis des Erdbildungsprozesses, weil wir herausabstrahieren aus dem Erdbildungsprozeß die bloße mineralische Grundlage. Es ist so, wenn wir heute die Geologie als ein fertiges System vor uns hinstellen, wie wenn wir das bloße Skelett des Menschen vor uns hinstellen und behaupten würden, das kann für sich ein Dasein haben. Das Skelett des Menschen kann nur als Abgeschiedenes, ich möchte sagen, Mineralisiertes ein Dasein haben. Ein Skelett kann nicht für sich entstehen. Ein Skelett kann auch nicht für sich betrachtet werden, nur im Zusammenhange mit dem ganzen Menschen.
So kann auch das, was die Geologie gibt, nur im Zusammenhang mit der lebendig organischen und geistig durchwesten Erde betrachtet werden. Wir haben nicht etwas Ursprüngliches in den geologischen Bildungen vor uns, sondern wir haben etwas vor uns, was abgeschieden ist. Tatsächlich, es ist der Prozeß der Steinkohlenbildung nur der einfachste, elementarste Prozeß des Mineralisierens. Aber alles, alle Schieferbildungen, alle kristallinischen Bildungen, alles ist Abgeschiedenes, ist Ausgeschiedenes, ist gewissermaßen dasjenige, was mineralisiert ist aus einem ursprünglich undifferenziert organisch Geistigen heraus.
Diese Dinge sind deshalb so schwer heute zu vertreten, weil, man möchte sagen, die Gegengründe so auf flacher Hand liegen. Sie sind fast selbstverständlich, die Gegengründe, und sie sind so leicht zu durchschauen, die Gegengründe. Es ist tatsächlich so furchtbar leicht, heute auszurechnen — approximativ natürlich, keiner behauptet ja, daß das sicher ist —, wie viele Millionen oder hundert Millionen Jahre man zurückgehen müsse bis zu dieser oder jener geologischen Formation. Das ist eine Methode, die natürlich scheinbar außerordentlich exakt ist, aber es ist eine Methode gerade so, wie wenn ich beobachte, welch kleine Veränderungen mein Herz innerhalb eines Monats durchmacht; jetzt suche ich zu errechnen, wieviel das in drei Jahren ist. Es ist genau dieselbe Sache. Ich kann nun ausrechnen, wie mein Herz in dreihundert Jahren ist, und ich kann zurück einen Zustand berechnen, in dem mein Herz vor dreihundert Jahren war, nur daß ich selber noch nicht da war! Die Rechnung ist ganz richtig, die Schlußfolgerung ist richtig, tadellose Logik, nur ist es nicht wirklichkeitsgemäß. Ebenso sind die Berechnungen der Geologie tadellos, vollständig logisch, nur sind sie nicht wirklichkeitsgemäß, denn vor diesen Millionen von Jahren war eben die Erde ebensowenig da, wie wenn ich meine eigene Gestaltung berechne als physischer Mensch vor dreihundert Jahren. Die Rechnung ist richtig in der Geologie, aber die Erde war eben noch nicht da vor diesen dreihundert Millionen Jahren.
Und so muß eben eine höhere Betrachtungsweise eintreten. Die sieht in allem, was mineralisch ist, etwas Abgelagertes. Wenn nun die Pflanzen aus dem Erdboden herauskommen, so haben wir da das Mineralische. Wenn nun statt der gewöhnlichen Krautpflanze der Baum entsteht, dann ist das Entstehen des Baumstammes mit seinem Verholzen ein Rückschlag, ein Atavismus an einen früheren Zustand, in dem die ganze Erde war. Wir sehen also, so wie wir andere atavistische Organe haben, in der Entstehung des Baumes einen Atavismus an einen früheren Zustand der Erde.
Wenn nun auf dem Baume Viscum wächst, dann haben wir etwas, was wächst in einem Boden drinnen, der nicht der unmittelbare Erdboden ist, denn der ist ein Spätprodukt, der ist ein Ablösungsprodukt, ein Produkt der Abscheidung, sondern wir haben in dem Viscum etwas, was wächst in einem Erdenzustande, der ein früherer Erdenzustand ist. Dann aber wiederum, wenn wir die Sache weiterverfolgen, so müssen wir ja auch finden, daß der Mensch in seiner Evolution die Tendenz zur Sinnesbildung zuletzt aufgenommen hat. Wir finden, indem wir den Mistelbildungsprozeß verfolgen, einen Prozeß einer sehr frühen Erdperiode.
Bringen wir diesen Prozeß in den menschlichen Organismus hinein, namentlich durch Injektion unmittelbar in den Zirkulationsprozeß, dann versetzen wir den Menschen in ein früheres Stadium seines Wesens auf Erden, seiner Evolution, und wir arbeiten entgegen auf diese Weise diesen Prozessen, die die spätesten Prozesse sind.
Nur muß man sich allerdings ganz klar sein darüber, daß das zunächst die abstrakten Gedankenkonstruktionen sind oder höchstens auch die abstrakten Konstruktionen des clairvoyanten Hellsehens. Es ist ein Schauen, aber es ist noch nicht das vollständige Überschauen.
Wenn wir dasjenige, was nun im Mistelprozeß wirkt, unmittelbar nehmen und dem Menschen einführen, so verändert es sich wiederum, wie ich gestern für andere Dinge gesagt habe, zu stark. Und daher wird nun versucht, dasjenige, was im Mistelbildungsprozesse lebt, mit einer sehr komplizierten Maschine zu verarbeiten, die eine zentrifugale und eine radiale Kraft entfaltet, mit einer ungeheuren Geschwindigkeit eine zentrifugale Kraft entfaltet. Die Konstruktion war nicht so leicht. So daß man tatsächlich dasjenige, was im Mistelprozeß wirkt, umgestaltet zu einem ganz anderen Aggregatsprozeß und dadurch die Tendenzen in der mistelbildenden Kraft in einer konzentrierteren Weise verwenden kann, als sie heute, wo der Mistelprozeß doch ein dekadenter Prozeß ist, in diesem zutage tritt.
Und so werden wir versuchen, immer weiterzukommen gerade in diesem Antikarzinommittel, das ja bis zu einer gewissen Vollkommenheit schon ausgebildet ist, auch gewisse Konsequenzen schon ergeben hat, aber das erst ganz fertig sein wird und erst dann seine letzte Verifizierung erfahren kann, wenn auch dieser, ich möchte sagen, Laboratoriumsprozeß mit der Zentrifuge — sie ist jetzt fertig — vollständig bis zu seinem Ende gebracht sein wird. Und wir werden auch auf diese Weise der Krankheit der Karzinome auf eine immer bessere Weise beizukommen suchen.
In einer ähnlichen Weise versuchen wir mit unseren verschiedenen Mitteln — die Zeit ist zu weit vorgeschritten, als daß ich das noch genauer erklären könnte, aber ich will die Prinzipien erörtern — den Tuberkuloseprozessen, den verschiedenen Organprozessen und so weiter beizzukommen. Wir verwenden, wie ich schon andeutete, die Mittel in verschiedener Weise, indem wir sie direkt in das Stoffwechselsystem einführen oder durch Injektion in das Zirkulationssystem, wo sie wieder anders wirken, oder aber indem wir sie Bädern und dergleichen zufügen, indem sie mehr auf den Sinnesprozeß von außen wirken.
Wir verwenden dann auch zum Beispiel die sogenannte Heileurythmie, wo wir im Organismus des Menschen selbst liegende Bewegungen ausführen lassen. Wer eine menschliche Hand vorurteilslos ansieht, wird doch niemals sagen, daß diese menschliche Hand jemals als etwas dastehen kann, was in Ruhe sich befindet; die Form der Hand selber ist ja nur die festgehaltene Bewegung. Die Hand gehört zum Bewegen. So gehört im Grunde genommen jedes menschliche Glied zum Bewegen. Führe ich jene einzelnen Bewegungen aus, die seinen Formeigenschaften entsprechen, so kann ich unter Umständen durch die Bewegung wieder heilend auf die Formeigenschaften zurückwirken durch solch eine Heileurythmie, die im Zusammenhange wieder steht mit der künstlerischen Eurythmie, von der morgen hier eine künstlerische Vorstellung in der Royal Academy of Dramatic Art stattfindet. Aber diese Eurythmie ist eben durchaus im physiologischen Sinne in der Heileurythmie ausgebildet. Solch eine Heileurythmie führt wiederum zu demjenigen, was nun, ich möchte sagen, als äußere therapeutische Maßnahmen in dem Klinisch-Therapeutischen Institut in Arlesheim ausgeübt werden.
Und so wird gerade in diesem Klinisch-Therapeutischen Institut in Arlesheim, das, wie ich schon gestern erwähnte, unter der ausgezeichneten Leitung von Frau Dr. Wegman steht, die ja hier anwesend ist, versucht, dasjenige, was man wissen kann über den spirituellen Menschen, neben dem, was die Naturwissenschaft gegenwärtig über den physischen Menschen weiß, zur Therapie im rationellen Sinne zu verwenden.
Und dazu mußten wir ja allerdings diesem Klinisch-Therapeutischen Institut in Arlesheim das Klinisch-Pharmazeutische Laboratorium angliedern, das also eben in der Form auch Heilmittel erzeugen kann, wie sie aus einer wirklichen Menschenerkenntnis hervorgehen.
Nun, ich habe versucht, so gut es geht, aphoristisch in einigen kurzen Andeutungen darauf hinzuweisen, wie in dieser Weise nicht der heutigen Medizin, wie gesagt, Opposition gemacht werden soll, aber wie diese Medizin in einem genau ebenso wissenschaftlichen Sinne, wie sie auf ihrem heutigen Gebiete arbeitet, weiter herauf in diejenigen Gebiete des menschlichen Organismus geführt werden kann, wo in diesem menschlichen Organismus das Geistige eingreift. Und die Unregelmäßigkeit, die durch das unrichtige Eingreifen des Geistigen, durch das dem Organismus nicht entsprechende Eingreifen des unbewußten Geistigen als Krankheitsform entsteht, eben auch eingerechnet werden muß in dasjenige Denken, das das totale medizinische Denken sein muß. Das medizinische Denken muß eben nach und nach auch darauf kommen, in dem Menschen nicht nur ein physisches Wesen zu sehen, in seinen Verrichtungen nicht nur physische Prozesse zu sehen, sondern nur in einem Teil des Menschen rein physische Prozesse, in dem weitaus größten Teil des menschlichen Organismus, im menschlichen Organismus etwas zu sehen, wo unmittelbar eingreift das Spirituelle, das der Mensch ebenso aus der spirituellen Welt in sich hat, wie er sein Materielles aus der physisch materiellen Welt in Form der Nahrungsmittel und sonst entnimmt. Erst dann, wenn so auf den ganzen Menschen hingesehen wird in physiologischer Beziehung, wird man auch auf diesen ganzen Menschen hinsehen können in pathologischer Beziehung. Aber dieses Hinsehen auf den ganzen Menschen in pathologischer Beziehung gibt, zugleich mit der Pathologie untrennbar verbunden, eine wirkliche Therapie, da man kennenlernt die Beziehung, die Relation des Menschen zu seiner kosmischen Umwelt, und man dadurch aus der kosmischen Umwelt die Heilungsmittel nun nicht bloß durch ein empirisches Probieren, sondern durch ein richtiges Zusammenschauen und Durchschauen des Zusammenhanges des Menschen mit dem Kosmos eben finden kann. Dadurch wird eine Therapie geschaffen, die wiederum den Abgrund zwischen sich und der Pathologie nicht haben wird, sondern mit der Pathologie ein Ganzes ausmachen wird.
Und das war es, was als eine Sehnsucht vieler Ärzte in die anthroposophische Bewegung hineingekommen ist und dem abgeholfen werden sollte durch diese Detailströmung, möchte ich sagen, innerhalb dieser geisteswissenschaftlichen Bewegung, die sich auf medizinischem Gebiete geltend gemacht hat.
Hoffentlich sind meine aphoristischen Andeutungen nicht gar zu undeutlich geworden. Aber wenn man in der Kürze etwas darzustellen hat, will man doch womöglich die weitausgreifenden Prinzipien darstellen. Darunter leidet manchmal das einzelne. Aber hoffentlich habe ich doch in diesen Andeutungen wenigstens einzelnes Anregendes geben können.