Astronomy as Compared to Other Sciences

GA 323 — 8 January 1921, Stuttgart

Achter Vortrag

Es ist schon notwendig, daß wir, um diese Betrachtungen zu einem gewissen Ende zu führen, diesen subtilen Gang nehmen, den ich bisher eingehalten habe, das heißt möglichst viel von jenen Vorstellungen herbeizuschaffen, welche uns dann zu diesem Ziel, diesem Ende führen können. Dazu wird notwendig sein, daß ich auch während der Zeit, während welcher ich die anderen Vorträge halte, also vom 11. bis 15., diese Vorträge in einer Weise, wie wir es mit der Waldorfschule vereinigen können, fortsetze, sonst würde der Stoff nicht bewältigt werden können. Aber ich werde dann auch, weil ja gerade an diejenigen Dinge, die hier durchgeführt werden, sich wirklich sehr viele Bedenken, Zweifel und Fragen anknüpfen können, Sie bitten, daß für einen Tag der nächsten Woche jeder dasjenige vorbereitet, was er gerne in Anknüpfung an die Darstellungen fragen möchte zur Verdeutlichung und dergleichen. Ich werde das, was in dieser Weise gefragt wird, dann einmal in einem der Vorträge der nächsten Woche verarbeiten, das heißt, es vor Ihnen vorbringen, damit wir ein möglichst vollständiges Bild der Sache bekommen. Unter diesen Voraussetzungen werden wir auch die subtileren Dinge, möchte ich sagen, die ich eingefügt habe in diesen Gang der Darstellungen, beibehalten können.

Machen wir uns noch einmal klar, wie wir eigentlich die ganze Betrachtung, die uns hineinführen soll in das Verständnis der Himmelskunde und des Zusammenhanges mit den irdischen Erscheinungen, wie wir den ganzen Gang dieser Betrachtungen eingerichtet haben. Wir sind davon ausgegangen, darauf hinzuweisen, wie gewöhnlich solche Betrachtungen nur darauf hinzielen, das zu berücksichtigen, was der Sinnesbeobachtung, auch der bewaffneten Sinnesbeobachtung, vorliegt. So war ja im wesentlichen alles dasjenige orientiert, was auch bis in unsere Tage für das Verständnis, für die Erklärung der Himmelserscheinungen beigebracht worden ist. Nicht wahr, man hat ja zunächst dasjenige in den Kreis der Beobachtung hereingezogen, was man heute die scheinbaren Bewegungen der Himmelskörper nennt. Man hat die scheinbare Bewegung des Sternenhimmels um die Erde herum, die scheinbare Bewegung der Sonne ins Auge gefaßt. Man hat dann gesehen, wie die Planeten merkwürdige Bahnen beschreiben. Teile dieser Planetenbahnen sind einfach für den Augenschein so etwas wie Schleifen (Fig. 1). Der Planet geht so, geht wieder zurück, geht so. Man hat sich gesagt: Wenn die Erde selber in Bewegung ist, so muß dadurch, daß ja diese Eigenbewegung der Erde zunächst nicht in die Wahrnehmung hineintritt, das vorliegen, daß die wirklichen Bewegungen der Himmelskörper andere sind, als sie dem unmittelbaren Augenschein gegeben sind.

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Und man hat dann durch Interpretationen sich eine Vorstellung darüber gemacht, wie eben unter Beobachtung der mathematischen Figuralität die wirklichen Bewegungen sein könnten. Da ist man zunächst zu dem kopernikanischen System gekommen, dann zu all den Modifikationen, die seither an diesem vollzogen worden sind. Man hat also im wesentlichen dasjenige ins Auge gefaßt, was sich dem Erkenntnisvermögen ergibt, insoferne dieses Erkenntnisvermögen sich den Sinnen und der Verarbeitung der Sinneseindrücke durch den Verstand, durch die Interpretation, überlassen will.

Wir haben nun darauf aufmerksam gemacht, wie eine solche Betrachtungsweise nicht ausreichen kann, um in die Realität der Himmelserscheinungen hineinzudringen, aus dem einfachen Grunde, weil ja das mathematische Vorgehen nicht genügt; weil wir gewissermaßen, wenn wir Rechnungsansätze machen, aufhören müssen in einem gewissen Moment mit dem Ausrechnen. Ich habe Sie darauf aufmerksam gemacht, daß jene Verhältniszahlen, die bestehen zwischen den Umlaufzeiten der verschiedenen Planeten, inkommensutable Zahlen, inkommensurable Größen sind, daß dies uns zeigt: Wir kommen mit dem Rechnen nicht hinein in das eigentliche Gefüge der Himmelserscheinungen, wir müssen irgendwo stehen bleiben. Daraus folgt aber, daß wir eine andere Betrachtungsweise anwenden müssen, eine solche Betrachtungsweise, welche sich eben nicht darauf beschränkt, bloß das ins Auge zu fassen, sagen wir zunächst am Menschen, wozu die äußere Sinnesbeobachtung führt, sondern was zugrunde liegt dem ganzer Menschen, was vielleicht auch zugrunde liegt den anderen Wesen der Naturreiche auf der Erde. Auf alle diese Dinge haben wir schon hingewiesen, und ich habe dann gezeigt, wie mit der menschlichen Organisation in Zusammenhang gebracht werden können gewisse Erscheinungen, die im Laufe der Erdenentwickelung uns entgegentreten; wie also etwas, wie zum Beispiel die Eiszeiten, die in einer gewissen Weise rhythmisch im Gange der Erdenentwickelung eintreten, in Zusammenhang gebracht werden müssen mit der Menschheitsentwickelung, mit der Entwickelung des Menschen. Wenn dann das der Fall ist, dann geben uns solche Zusammenhänge einen Hinweis, wie es eigentlich beschaffen sein mag mit den Bewegungen im Himmelsraum. Und solche Dinge müssen wir weiter verfolgen.

Bevor wir die mehr formale Betrachtungsweise, zu der wir gestern gekommen sind, fortsetzen, wollen wir noch einmal aufnehmen dasjenige, was sich uns ergeben hat für den Zusammenhang des Menschen in seiner Entwickelung mit der Entwickelung der Erde durch die Eiszeiten hindurch. Das haben wir ja schon sagen können, daß die besondere Art von Erkenntnis, die der Mensch in der Gegenwart sein eigen nennt, im Grunde genommen ihm nur wirklich eigen ist seit der letzten Eiszeit, daß seit der letzten Eiszeit ja auch jene Kulturperioden verflossen sind, von denen ich immer spreche als der urindischen Kulturperiode, der urpersischen Kulturperiode, der ägyptisch-chaldäischen, der griechisch-lateinischen bis herein zu unserer Kulturperiode. Wir haben auch darauf hingewiesen, daß vor dieser Eiszeit vorzugsweise sich entwickelt haben müsse in der menschlichen Natur dasjenige, was jetzt im gegenwärtigen Menschen mehr zurückliegt, weniger an der Oberfläche liegt: die Organisation seines Vorstellungsvermögens. Und wir haben gestern darauf aufmerksam gemacht, daß diese Organisation des Vorstellungslebens aus ihrer Qualität heraus dann begriffen wird, wenn man weiß, dieses Vorstellungsleben ist in seiner Qualität nur zu vergleichen eigentlich mit dem Traum. Nur dadurch bekommen unsere Vorstellungen, sagte ich, eine gewisse Konfiguration und einen gesättigten Inhalt, daß eben das Sinneserlebnis da ist. Dasjenige, was da gewissermaßen hinter den Sinneswahrnehmungen aus unserer Organisation heraus im Vorstellungsleben wirkt, das wirkt mit der Dumpfheit des Traumlebens. Wir würden nur mit der Dumpfheit des Traumlebens vorstellen können - wenn man überhaupt so etwas sagen darf -, wenn nicht hereinschlüge mit jedem Aufwachen in dieses Vorstellungsleben das Sinneserleben. Dieses Vorstellungsleben, das also ein dumpferes ist als das Sinnesleben, das führt uns zurück in jene Entwickelungsphasen der menschlichen Natur, die vor det letzten Vereisungszeit liegen — in unserer anthroposophischen Sprache: die im alten atlantischen Gebiet liegen.

Was muß denn da eigentlich für den Menschen Tatsache gewesen sein? Erstens etwas, wodurch er einen innigeren Zusammenhang hatte mit der ihn umgebenden Welt, als das jetzt bei der Sinneswahrnehmung der Fall ist. Die Sinneswahrnehmung beherrschen wir mit dem Willen. Wenigstens richten wir unsere Augen durch den Willen und wir können ja vermöge der Aufmerksamkeit auch weitergehen in der Behertschung der Sinneswahrnehmung durch den Willen. Jedenfalls wirkt in unseren Sinneswahrnehmungen der Wille. Wir sind in einer gewissen Weise unabhängig von der Außenwelt, indem wir aus innerer Willkür uns selber orientieren können. Das ist aber nur dadurch der Fall, daß wir in einer gewissen Weise uns als Menschen vom Weltenall emanzipiert haben. So emanzipiert können wir nicht gewesen sein vor der letzten Eiszeit ich sage jetzt können, weil ich eben von seiten der äußeren empirischen Wissenschaft sprechen will. Da muß, während unser Vorstellungsvermögen sich ausgebildet hat, der Mensch in seinen Zuständen mehr abhängig gewesen sein von demjenigen, was sich in seiner Umgebung abspielte. Wie wir jetzt durch das Sonnenlicht um uns herum die Welt sehen, aber wie dieses Schen der Welt einer gewissen Willkür von innen unterworfen ist, so muß dazumal im Hingegebensein an die äußere Welt der Mensch abhängig gewesen sein von der beleuchteten Erde und ihren beleuchteten Gegenständen und wiederum von der Dunkelheit, der Finsternis, wenn die Sonne zur Nachtzeit nicht geschienen hat. Also der Mensch muß Wechselzustände erlebt haben zwischen dem Aufglimmen desjenigen, was das Vorstellungsvermögen, das sich ja damals entwickelt hat, ist, und wiederum dem Abfluten dieses Vorstellungslebens. Wir haben, mit anderen Worten, einen ähnlichen inneren Zustand, zubereitet durch des Menschen Wechselverhältnis mit dem Weltenall, wie er uns entgegengetreten ist in jenen eigentümlichen Zusammenhängen der weiblichen Funktionen mit den Mondenphasen in bezug auf ihre Zeitlänge. Dieses innere Funktionieren der weiblichen Natur ich sagte ja, bei der männlichen Natur ist es auch vorhanden, aber mehr nach innen, daher wird es weniger wahrgenommen - ist so, daß es einmal zusammengehangen hat mit den Vorgängen des äußeren Weltenalls, dann sich von ihnen emanzipiert hat und eine Eigentümlichkeit der menschlichen Natur selber geworden ist, so daß nicht mehr dasjenige, was jetzt im Menschen vor sich geht, zusammenzufallen braucht mit den äußeren Tatsachen, daß aber die Zeitfolge, die Phasenfolge noch dieselbe ist, wie sie war, als die Dinge äußerlich zusammenfielen.

Etwas Ähnliches ist in der Tat der Fall für dasjenige, was ein innerer Wechsel ist in unserm, jetzt vom Sinnesleben mehr oder weniger unabhängigen, in der Zeit zurückliegenden Organisiertsein mit Bezug auf das Vorstellungsleben. Ein Ähnliches ist dafür vorhanden. Wir machen einen innerlichen Rhythmus durch von helleren Vorstellungskräften und dunkleren Vorstellungskräften, die in einem täglichen Wechsel auf und ab fluten. Und nur dadurch, daß das ein viel weniger intensiver Vorgang ist als der andere, welcher mit den Mondphasen parallel geht, bemerken wir ihn nicht. Wir tragen in der Tat in unserer Hauptesorganisation heute einen Wechsel zwischen einem dumpferen und einem helleren Leben. Wir tragen in unserer Hauptesorganisation ein rhythmisches Leben. Das eine Mal sind wir mehr geneigt, von innen heraus etwas entgegenzubringen den Sinneswahrnehmungen, das andere Mal sind wir weniger geneigt, etwas entgegenzubringen den Sinneswahrnehmungen, nur daß diese Wechselzustände eben den Zeitraum von 24 Stunden umfassen. Und es wäre interessant, etwa durch Kurven zu beobachten, wie die Menschen verschieden sind gerade in bezug auf diese innerliche Kopfperiode des Wechsels von helleren oder regeren Vorstellungskräften und dumpfen, schläfrigen Vorstellungskräften. Denn die dumpfen, schläfrigen Vorstellungskräfte, die sind dasjenige, was sozusagen eine innere Nacht des Hauptes ist; die helleren sind dasjenige, was ein innerer Tag des Hauptes ist. Das stimmt nicht überein mit dem äußeren Wechsel von Tag und Nacht. Wir haben einen inneren Wechsel von Helligkeit und Dunkelheit. Und je nachdem der eine Mensch dieses innere Wechseln von Hell und Dunkel so hat, daß eine größere Neigung vorhanden ist, sagen wir, den hellen Teil, den hellen Ablauf seiner Vorstellungskraft zusammenzubringen mit den Sinneswahrnehmungen, oder den dunklen Teil zusammenzubringen mit den Sinneswahrnehmungen, je nachdem der Mensch das eine oder andere in seiner Organisation hat, ist er verschieden in bezug auf die Möglichkeit, die Fähigkeit, die äußere Welt zu beobachten. Der eine hat eine starke Neigung, die äußeren Erscheinungen scharf ins Auge zu fassen; der andere hat eine weniger starke Neigung, die äußeren Erscheinungen scharf ins Auge zu fassen, er wendet sich mehr dem inneren Brüten zu. Das rührt eben von diesem Wechselverhältnis her, das ich eben geschildert habe. Solche Beobachtungen, meine lieben Freunde, die sollten wir ganz besonders als Erzieher uns angewöhnen zu machen. Denn sie werden uns wichtige Fingerzeige geben, um im Erziehen und Unterrichten in entsprechender Weise die Kinder zu behandeln.

Dasjenige, was uns aber heute besonders interessiert, ist, daß der Mensch gewissermaßen verinnerlicht dasjenige, was er einmal durchgemacht hat im Wechselverhältnis mit der Außenwelt, daß das dann in ihm auftritt als ein innerer Rhythmus, der zwar noch den Zeitablauf bewahrt, der aber nicht mehr zusammenfällt in bezug auf seine Zeitgrenze mit dem Äußeren. So daß wir sagen müssen: Der Mensch vor der Eiszeit wird regelmäßig zusammenfallend gehabt haben mit den äußeren Vorgängen sein bald helleres, innigeres Miterleben des Weltenalls, sein bald dumpfes Zurückgezogensein in sich selber. Die Nachwirkungen dieses damaligen im Zusammenleben mit dem Weltall hervorgehenden Erhelltwerdens, Erfülltwerdens des Bewußtseins mit Bildern und des Zurücktretens, des Brütens über die Bilder, was seinen Nachklang hat in unserem innerlichen mehr oder weniger melancholischen Brüten, dasjenige also, was dazumal der Mensch erlebt hat, ist heute zurückgedrängt worden in die innere Organisation, und an der äußeren Peripherie ist dafür eine neue Entwickelung des Sinnesvermögens eingetreten, das ja schon in früheren Erdperioden da war, natürlich aber nicht so entwickelt wie jetzt.

Wir sehen also hinein in das Weltenall, wenn wir auf dasjenige blicken, was im Menschen als die Folge seines Zusammenhanges mit den Weltenerscheinungen Platz gegriffen hat. Der Mensch muß uns erscheinen als ein Reagens für die Beurteilung der Himmelserscheinungen. Aber wir müssen zu Hilfe nehmen die anderen Naturwesen, wenn wir eine gewisse Vollständigkeit erzielen wollen. Und da möchte ich zunächst Ihren Blick lenken auf etwas, was ja jedem sich darbietet, was aber seiner Wichtigkeit nach gewöhnlich nicht betrachtet wird. Nehmen Sie die einjährige Pflanze in ihrer Entwickelung. Sie macht einen gewissen Kreislauf durch. Dieser Pflanze in ihrer einjährigen Entwickelung ist ja ganz offenbar auch dasjenige anzusehen, was ich gestern auseinandergesetzt habe: der Unterschied von direkter Sonnenwirkung und indirekter Sonnenwirkung. Das eine Mal ist die Sonnenwirkung direkt: Blütenentstehung; das andere Mal ist die Sonnenwirkung so, daß die Erde dazwischen ist: Wurzelentstehung. Wir haben also auch bei der Pflanze dasjenige, was wir gestern für das Tier ausführen konnten und was wir dann in einer gewissen Weise auf den Menschen angewendet haben.

Nun aber werden wir eine solche Tatsache nur in der richtigen Weise würdigen, wenn wir sie auch zusammenbringen mit einer anderen. Das ist diese, daß es ja auch dauernde Pflanzen gibt. Wie steht die dauernde Pflanze zu der einjährigen Pflanze in bezug auf die Zusammengehörigkeit des Pflanzenwachstums zur Erde? Die dauernde Pflanze behält den Stamm, und eigentlich wächst jedes Jahr, man könnte sagen, an dem Stamm eine neue Pflanzenwelt. Es wächst an dem Stamm, natürlich modifiziert, metamorphosiert, eine Pflanzenwelt; an dem Stamm, der aus der Erde herauswächst. Und es ist einfach ganz selbstverständlich für den, der morphologischen Sinn hat, zu sagen: Da habe ich auf der einen Seite die Erdoberfläche, daraus wächst mir die Pflanze heraus; und dann habe ich den Stamm der Dauerpflanze, der jedes Jahr den Pflanzenansatz bekommt. Dann muß ich irgend etwas — zunächst will ich nur sagen: irgend etwas — mir fortgesetzt denken von der Erde in den Pflanzenstamm hinein. Dasjenige, worauf da (Fig.2, links) die Pflanze wächst, das muß sich hier (Fig.2, rechts) auch im Stamm finden.

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Das heißt, es muß gewissermaßen etwas aus der Erde in den Stamm hineingehen. Ich habe kein Recht, den Pflanzenstamm der Dauerpflanze nur als etwas anzusehen, was gar nicht zur Erde gehört, sondern ich habe ihn als einen modifizierten Teil der Erde selber anzusehen. Nur dann betrachte ich ihn in der richtigen Weise. Nur dann komme ich darauf, die Zusammenhänge, die da bestehen, wirklich ins Auge zu fassen. Es ist also da etwas in der Pflanze drinnen, was sonst nur in der Erde drinnen ist und wodurch die Pflanze gerade dauernd wird. Sie entreißt sich dadurch, daß sie etwas von dem Irdischen in sich selber aufnimmt, der Abhängigkeit vom jährlichen Sonnenlauf. Wir können also sagen: Die Dauer Fig. 2 Pe pflanze entreißt sich der Abhängigkeit vom jährlichen Sonnenlauf. Dadurch, daß sie sich emanzipiert von diesem jährlichen Sonnenlauf, insoferne sie Stamm ist, dadurch nimmt sie in ihre eigene Natur auf und kann jetzt gewissermaßen selber, was früher nur zustande gekommen ist durch die Einwirkung der kosmischen Umwelt.

Haben wir da nicht schon bei der Pflanze vorgebildet dasjenige, was ich zum Beispiel jetzt am Menschen eben auseinandergesetzt habe für die Voreiszeit? Ich habe auseinandergesetzt, daß durch die Zusammenhänge mit der Umwelt sich gerade der Rhythmus des Vorstellungslebens entwickelt hat. Das, was zuerst sich bloß entwickelt hat im Wechselverhältnis des Menschen mit der Umgebung, das ist etwas in seinem Innern geworden. Bei der Pflanze haben wir dies angedeutet, indem aus der einjährigen Pflanze die Dauerpflanze wird. Wir haben also da einen ganz allgemeinen Prozeß im Weltenall: Die organischen Wesen sind auf dem Wege einer Emanzipation von den Zusammenhängen mit der Umwelt. Indem wir eine Dauerpflanze entstehen sehen, müssen wir sagen, es lernt gewissermaßen - verzeihen Sie, daß ich diesen Ausdruck gebrauche - die Dauerpflanze etwas aus der Zeit, in der sie in Abhängigkeit von der kosmischen Umwelt ist, und dann kann sie das selber. Sie bringt dann gewissermaßen jedes Jahr neue Pflanzensprößlinge hervor. Das ist eine für das Verständnis der Weltenzusammenhänge außerordentlich wichtige Tatsache. Man kommt nicht zu dem Verständnis der Welterscheinungen, wenn man nur immer die Dinge, die nebeneinander sind, oder diejenigen, die sich einem gerade in das Blickfeld des Mikroskops hineindrängen, betrachtet. Man kommt zum Verständnis der Welterscheinungen nur, wenn man die Einzelheiten aus dem großen Ganzen heraus wirklich zusammenhängend begreifen kann.

Aber fassen wir die Sache jetzt ins Auge, indem wir sie einfach anschauen. Wir haben die einjährige Pflanze unterworfen dem Wechselverhältnis gegenüber dem Kosmos im Laufe eines Jahres; wit haben dann verschwindend diesen Einfluß des Kosmos in der Dauerpflanze. Wir haben gewissermaßen in der Dauerpflanze bewahrt dasjenige, was sonst verschwindet im Laufe eines Jahres. Wir sehen gewissermaßen im Stamm heraussptossen aus der Erde dasjenige, was Wirkung des Jahres ist und aufbewahrt wird. Dieses Übergehen desjenigen, was sonst zusammenhängt mit der Außenwelt, in die innere Wirkungsweise, das können wir im ganzen Verlauf der Naturerscheinungen betrachten, sofern diese Naturetscheinungen kosmische sind. Wir müssen daher die Zusammenhänge unserer Erde mit dem Kosmos immer bei gewissen Erscheinungen suchen, und bei anderen Erscheinungen müssen wir sagen, daß sich diese kosmischen Wirkungen verbergen. Es kommt daher darauf an, daß wir gerade dasjenige herausfinden, was uns hinführt auf die kosmischen Einflüsse, was ein wirkliches Reagens dafür ist. Die einjährige Pflanze sagt uns etwas über den Zusammenhang der Erde mit dem Kosmos; die Dauerpflanze kann uns darüber nicht mehr viel sagen.

Wiederum muß uns das Verhältnis vom Tier zum Menschen auf eine wichtige Fährte bringen. Betrachten Sie das Tier in seiner Entwickelung. Sehen wir zunächst vom Embryonalleben ab - wir könnten es auch einbeziehen. Das Tier wird geboren, es wächst bis zu einer gewissen Grenze heran, wird geschlechtsreif. Betrachten Sie dieses ganze tierische Leben bis zur Geschlechtsreife hin und dann über dieselbe hinaus. Sie können ganz hypothesenfrei die Tatsache betrachten und Sie werden sich sagen müssen, mit dem Tier geht doch etwas Eigentümliches vor, wenn es die Geschlechtsreife erlangt hat. Es ist dann in einer gewissen Weise eigentlich fertig für diese irdische Welt. Wir können eigentlich - natürlich, die Dinge sind ja alle approximativ, aber im wesentlichen sind sie so - Fortschrittsprozesse nach der Geschlechtsreife beim Tiere nicht mehr verfolgen. Es ist der wichtigste Zielpunkt in seiner Entwickelung diese Geschlechtsreife. Und dasjenige, was sie unmittelbar im Gefolge hat, was eben zutage tritt durch die Geschlechtsreife, das ist dann da, aber wir können nicht sagen, daß danach irgend etwas, was wir als Progression bezeichnen können, eintritt.

Anders ist das beim Menschen. Der Mensch bleibt entwickelungsfähig bis über die Geschlechtsreife hinaus, nur verinnerlicht sich diese Entwickelung. Es wäre etwas höchst Trauriges um den Menschen in seiner Menschennatur, wenn er in derselben Weise fertig wäre mit seiner Entwickelung bei der Geschlechtsreife, wie das Tier fertig ist. Der Mensch geht darüber hinaus und hat dann noch einen Fonds in sich, der weiter hinausdringt, der besondere Wege einschlägt, der nichts zu tun hat mit der Geschlechtsreife. Wir können sagen, hier liegt etwas Ähnliches vor wie die Verinnerlichung des Jahresprozesses bei der Dauerpflanze gegenüber der einjährigen Pflanze. Dasjenige, was beim Tier vorliegt bei der Geschlechtsteife, sehen wir verinnerlicht beim Menschen von der Geschlechtsreife angefangen. Es muß uns also etwas auf Kosmisches hinweisen beim Menschen, insofern er in der Entwickelung von der Geburt bis zur Geschlechtsreife ist, was dann sich von diesem Kosmischen emanzipiert, wenn der Mensch über die Geschlechtsreife hinausgewachsen ist, gerade so wie bei der Dauerpflanze.

Das, sehen Sie, ist ein Weg, um die Erscheinungen der Wesen zu taxieren und allmählich Wegweiser zu finden für die Zusammenhänge der irdischen Wesen mit dem Kosmos. Denn wir sehen dadurch, daß, wenn diese kosmischen Einflüsse aufhören, sie sich in das Innere der Natur der einzelnen Wesen selber verlegen. Dieses wollen wir nun auf die eine Seite legen und wollen dann später es im Zusammenhang betrachten, zu einer Synthese vereinigt mit etwas wesentlich anderem.

Greifen wir jetzt auf, was ich wiederholt gesagt habe: Die Umlaufzeiten der Planeten im Sonnensystem stehen in Verhältnissen zueinander, die inkommensurabel sind. Wenn man von da ab nun sich überlegt, was geschehen würde, wenn die Verhältniszahlen der Umlaufzeiten der Planeten nicht inkommensurabel wären, so müßte man sich sagen: Es würden im Planetensystem Störungen entstehen, die sich immer wiederholen würden und die durch ihre Wiederholungen das Planetensystem zum Stillstand bringen würden. Es ist durch eine einfache Rechnung, die uns aber hier zu weit führen würde, nachzuweisen, daß nur durch die Inkommensurabilität der Verhältniszahlen bei den Umlaufzeiten der Planeten das Planetensystem gewissermaßen im Leben bleibt. Es muß also einen Zustand im Sonnensystem geben, der immer hindrängt eigentlich nach Stillstand. Und diesen Zustand, den rechnen wir eigentlich, wenn wir an ein Ende der Rechnung kommen. Kommen wir aber an das Inkommensurable, so kommen wir nicht an ein Ende der Rechnung. Da kommen wir gerade an das Leben des Planetensystems heran. Wir sind in einer merkwürdigen Lage, wenn wir das Planetensystem berechnen. Würde es so sein, daß wir es berechnen könnten, dann würde es sterben, würde längst gestorben sein, wie ich früher schon einmal sagte. Es lebt dadurch, daß wir es nicht berechnen können. Alles dasjenige, was wir nicht berechnen können im Planetensystem, ist das Lebendige. Was legen wir der Rechnung zugrunde, wenn wir ausrechnen bis zu dem Punkte, wo das Planetensystem sterben müßte? Wir legen zugrunde die Gravitationskraft, die Weltengravitation! In der Tat, wenn wir nur die Gravitationskraft zugrunde legen und von da aus dann konsequent denken, bis wir zu einem Bilde kommen des Planetensystems unter dem Einfluß der Gravitationskraft, dann kommen wir ja allerdings zur kommensurablen Verhältniszahl. Aber das Planetensystem müßte ersterben. Wir rechnen also gerade soweit, als im Planetensystem der Tod ist, und verwenden dazu die Gravitationskraft. Es muß im Planetensystem etwas sein, was etwas anderes ist als die Gravitationskraft und was gerade der Inkommensurabilität zugrunde liegt.

Ganz gut lassen sich mit der Gravitationskraft vereinigen, auch der Genese nach, die Planetenbahnen, nur müßten die Umlaufzeiten dann kommensurabel sein. Was sich dann aber nicht vereinigen läßt mit der Gravitationskraft, was gar nicht hereinpaßt in unser Planetensystem, das ist dasjenige, was uns in den kometarischen Körpern zutage tritt. Diese kometarischen Körper, die eine merkwürdige Rolle in unserem Sonnensystem spielen, sie haben ja in der letzten Zeit die Wissenschaft zu ganz merkwürdigen Dingen gedrängt. Ich will dabei ganz absehen davon, daß man innerhalb der Wissenschaft ja gern alles dasjenige, was gerade erkannt wird, als Erklärungsprinzipien anwendet. Zum Beispiel auf dem physiologischen Gebiet redete man ja eine Zeitlang gern davon, daß sich unsere sogenannten sensitiven Nerven von der Peripherie nach dem Innern erstrecken wie Telegraphendrähte, die dann ankommen und gewissermaßen durch eine Art von Umschaltung weiterleiten dasjenige, was dann Willenshandlungen, Willensimpulse sind. Daß so dasjenige, was durch die zentripetalen Nerven geht, übertragen werde auf zentrifugale Nerven, das hat man immer verglichen mit Telegraphenleitungen. Nun, vielleicht, wenn einmal etwas gefunden wird, das sich in anderer Weise darstellt wie just der Telegraphendraht, wird man nach dieser Methode ein anderes Bild für diese Sache gebrauchen können. Und so wendet man, wie man in den Moden wechselt, alle diejenigen Dinge, die in irgendeinem Zeitalter gefunden werden, an, um der Erklärung gewisser Erscheinungen beizukommen. Man macht es da fast so wie auf gewissen Gebieten der Therapie, wo, kaum daß irgend etwas gefunden ist, es auch gleich als Heilmittel «entdeckt» wird, ohne daß man darüber nachdenkt, wie das im Grunde zusammenhängt. Nun man die Röntgenstrahlen hat, sind sie ein Heilmittel; hätte man sie nicht, so könnte man sie nicht anwenden. Es liegt darin etwas, wo man sich ganz der Willkür des Weltenganges in einer chaotischen Weise überläßt. So auch ist es gekommen, daß man durch die spektroskopischen Untersuchungen und durch den Vergleich mit den spektroskopischen Ergebnissen bei den Planeten auf gewisse elektromagnetische Wirkungen innerhalb der kometarischen Erscheinungen gekommen ist. Diese Dinge führen aber doch nicht weiter als höchstens zu Analogien, die ja zuweilen gewiß mit der Wirklichkeit zusammenhängen, die aber den ganz gewiß nicht befriedigen können, der tiefer hineinschauen will in die Realität.

Aber eines ist, möchte ich sagen, wie eine Notwendigkeit hervorgetreten bei der Betrachtung der Erscheinungen an den Kometen. Man ist, mag man nun nach der Mode die Dinge so oder so nennen, gedrängt worden, während man sonst überall im Planetensystem von Gravitationskräften spricht, bei der eigentümlichen Stellung des Kometenschweifes zur Sonne von Abstoßungskräften von der Sonne zu sprechen, von Rückstoßkräften. Man ist genötigt, zur Gravitation etwas hinzuzusuchen, was dieser Gravitation entgegengesetzt ist. Es tritt also mit den Kometen in unser Planetensystem fortwährend etwas herein, was dem inneren Gefüge des Planetensystems entgegengesetzt ist. So daß hier etwas liegt, was es begreiflich erscheinen läßt, daß man das Kometenrätsel durch lange Zeiten hindurch mit einem gewissen Aberglauben betrachtet hat. Man hat ein Gefühl davon gehabt: In dem Gang der Planeten drücken sich die Naturgesetze aus, da drückt sich dasjenige aus, was angemessen ist unserem Planetensystem; in den Erscheinungen der Kometen drückt sich etwas Entgegengesetztes aus, da kommt etwas herein in unser Planetensystem, das sich invers verhält zu unseren planetarischen Erscheinungen. Das führte dazu, auf der einen Seite zu sehen die planetarischen Erscheinungen und in ihnen gewissermaßen die Naturgesetze verkörpert, realisiert zu sehen; auf der anderen Seite in den kometarischen Erscheinungen das Entgegengesetzte von den Naturgesetzen zu sehen. So hat man zusammengebracht, nicht in den ältesten Zeiten, aber in gewissen Zeiten, die Kometen mit gewissermaßen fliegenden moralischen Kräften, welche Zuchtruten sein sollten für die sündigen Menschen. Wir sehen das heute mit Recht als einen Aberglauben an. Aber schon Hegel kann sich an so etwas nicht gut vorbeidrücken, was, ich möchte sagen, sich so halb wie etwas mit dem Natürlichen nicht zu Durchdringenden ausspricht. Man glaubte natürlich im 19. Jahrhundert nicht mehr, daß die Kometen irgendwie als moralische Richter auftreten, aber man brachte sie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch eine gewisse Statistik in Zusammenhang mit guten und schlechten Weinjahren, die ja auch etwas scheinbar recht Unregelmäßiges haben, was auch in der Aufeinanderfolge den Naturgesetzen nicht ganz entspricht. Und Hegel konnte sich um das nicht herumdrücken. Das erscheint ihm sehr plausibel, daß mit guten und schlechten Weinjahren das Erscheinen oder Nichterscheinen von Kometen etwas zu tun habe.

Jetzt steht der Mensch auf dem Standpunkt, insofern er ein Verhältnis zur zeitgenössischen Wissenschaft hat, daß er sagt: Unser Planetensystem hat von den Kometen nichts zu fürchten. Die Kometen rufen Erscheinungen hervor innerhalb unseres Planetensystems, die eigentlich mit diesem keinen rechten inneren Zusammenhang haben. Sie kommen als solche Sonderlinge des Weltenalls aus fernen Gegenden in unsere Sonnennähe, rufen da gewisse Erscheinungen hervor durch rückstoßende Kräfte von der Sonne, haben eine Zunahme ihrer Erscheinungen, eine Abnahme, und verschwinden dann wieder. Eine Persönlichkeit, die noch einen gewissen Fonds in sich hatte, die äußere Welt nicht bloß mit dem Intellekt aufzufassen, sondern mit dem ganzen menschlichen Wesen, die noch eine gewisse Intuition hatte für die Erscheinungen des Himmels, Kepler, er hat einen merkwürdigen Satz über die Kometen ausgesprochen, der ungeheuer viel dem zu denken gibt, der überhaupt die ganze Seelenverfassung dieses Kepler ein wenig auf sich wirken läßt. Wir haben die drei Keplerschen Gesetze besprochen, die etwas so außerordentlich Genialisches im Grunde darstellen, wenn man sie im Zusammenhang betrachtet mit dem, was dazumal als Vorstellungen über das Planetensystem da war. Die setzen aber voraus, daß Kepler ein tiefes Gefühl hatte von einer inneren Harmonie im planetarischen System, nicht bloß von irgend etwas, was sich einfach trocken errechnen läßt, sondern von einer inneren Harmonie. Und als den letzten Ausdruck, möchte ich sagen, dieser inneren Harmonie, als den letzten quantitativen Ausdruck für etwas Qualitatives, empfand er selbst seine drei Hauptgesetze des Planetensystems. Und aus dieser Empfindung heraus hat er einen Ausspruch getan über die Kometen, der außerordentlich bedeutsam ist und den man nachfühlen kann, wenn man sich auf solche Dinge einläßt. Er hat gesagt: Es gibt im Weltenall, also in dem uns überschaubaren Weltenall, so viele Kometen wie Fische im Meer, nur sehen wir die wenigsten von ihnen. Diejenigen, die wir sehen, sind nur ein kleiner Teil davon. Die anderen bleiben durch ihre Kleinheit oder durch sonstige Verhältnisse unsichtbar. - Im Grunde genommen hat auch die äußere Forschung diesen Ausspruch Keplers ja bestätigt, indem einfach seit der Erfindung des Teleskops viel mehr Kometen gesehen worden sind als früher, wo dieselben auch verzeichnet worden sind, so daß man vergleichen kann. Außerdem haben andere Mittel ergeben, daß, wenn man unter veränderten Beleuchtungsverhältnissen, also bei starker Dunkelheit, das Himmelsgewölbe betrachtet, man auch mehr Kometen verzeichnen muß als sonst. Also in einer gewissen Weise nähert sich selbst die empirische Forschung demjenigen, was Kepler aus tiefem Naturempfinden heraus geäußert hat.

Wenn man aber überhaupt von einem Zusammenhang desjenigen, was auf der Erde geschieht, mit dem Kosmos spricht, dann erscheint es doch nicht so ohne weiteres tunlich, daß man wohl von dem Zusammenhang anderer Weltenkörper, anderer Körper unseres Planetensystems mit der Erde spricht, daß man aber nicht spricht von denjenigen, die in einer solchen Weise hereinkommen und wieder hinausgehen wie die Kometen; insbesondere dann, wenn wir heute zugeben müssen, daß der Komet Erscheinungen hervorruft, die gerade eben auf entgegengesetzte Kräfte hinweisen, als diejenigen sind, die gewöhnlich für unser Planetensystem als zusammenhaltende Kräfte genommen werden. In der Tat kommt durch den Kometen in unser System etwas herein, was diesem System entgegengesetzt ist. Verfolgt man das weiter, so muß man sich sagen, es bedeutet in der Tat die Tatsache etwas ganz Besonderes, daß die Kometen so hereinkommen als Entgegengesetztes zu dem, was dieses Planetensystem selbst zusammenhält.

Nun habe ich in einem vorigen Kurs auf etwas hingewiesen im Zusammenhang der Naturerscheinungen, an das ich jetzt erinnern muß. Diejenigen, die bei diesem vorigen Kurs, dem Kurs über Wärmelehre, dabei waren, werden sich vielleicht erinnern, daß ich darauf hingewiesen habe, daß wir eigentlich, wenn wir die Wärmeerscheinungen verfolgen im Zusammenhang mit den anderen Erscheinungen des Weltenalls, genötigt sind den Äther, von dem man gewöhnlich hypothetisch spricht, in konkreter Weise zu fassen, indem wir einfach in unsere Formeln, die wir haben, dann, wenn wir für die ponderable Materie einsetzen den Druck, die Druckkraft, für den Äther die Saugkraft einsetzen müssen. Mit anderen Worten: Wenn wir die Intensität der Kraft in der ponderablen Materie mit plus einsetzen, müssen wir die Intensität im Äther mit minus einsetzen. Ich habe dazumal ja aufgefordert, die gebräuchlichen Formeln auf das hin durchzusehen, damit man sieht, wie sie dann anfangen, mit den Naturerscheinungen in einer merkwürdigen Weise übereinzustimmen. Wichtig ist noch, daß wir die ganze Spielerei, möchte ich sagen, der Clausiusschen Wärmetheorie mit dem gegenseitigen Sich-Stoßen der Moleküle und dem Stoßen an die Wand, diesem ganzen grausamen Spiel des Stoßens, des Aufeinanderprallens, an die Wand Prallens, wieder Zurückprallens, das eigentlich den Wärmezustand irgendeines Gases darstellen soll, daß wir das richtig sinnlich durchschaubar bekommen, wenn wir innerhalb der Wärme zwei Zustände ins Auge fassen, den einen, den wir verwandt mit den Zuständen der ponderablen Materie betrachten, und den anderen, den wir verwandt mit dem Äther betrachten. So daß wir bei der Wärme etwas anderes haben als bei der Luft oder beim Licht. Beim Licht müssen wir, wenn wir richtig rechnen wollen, alles mit negativen Vorzeichen einsetzen, was uns die Wirkung des Lichtes darstellen soll. Bei der Luft, bei dem Gas müssen wir alles dasjenige, was wirkt, mit positiven Vorzeichen einsetzen. Bei der Wärme haben wir nötig, Positives und Negatives wechseln zu lassen, und dadurch wird erst durchsichtig dasjenige, was wir gewöhnlich betrachten als leitende Wärme, strahlende Wärme und so weiter.

Diese Dinge zeigen uns innerhalb der Materie selbst die Notwendigkeit, in der Charakteristik der Kräfte von dem Positiven ins Negative einzutreten. Jetzt sehen wir merkwürdigerweise, wie wir im Planetensystem selber von dem Positiven, von der Gravitation, ins Negative, in die Rückstoßkraft eintreten müssen.

Nun will ich heute nur noch das sagen, um es gewissermaßen als die Formulierung eines Problems hinzustellen, nicht um mehr damit zu sagen - wir werden auf alle diese Sachen in weiteren Vorträgen näher eingehen: Ich will, nachdem wir das an den Kometen herausgefunden haben, was wir jetzt gesagt haben, den Vergleich hinstellen zwischen demjenigen, was Verhältnis ist unseres Planetensystems zu den kometarischen Körpern und dem, was vorhanden ist beim weiblichen Eikeim gegenüber dem befruchtenden männlichen Samenkern. Versuchen Sie sich nur einmal rein in der Anschauung das vorzulegen: Das Planetensystem, das etwas aufnimmt in sich, den Effekt eines Kometen; die Eizelle, welche aufnimmt in sich den Effekt der Befruchtung durch die Samenzelle. Sehen Sie sich diese

beiden Erscheinungen nur einmal nebeneinander an, aber seien Sie dabei so vorurteilslos, daß Sie das so tun, wie Sie sonst irgend etwas, was im Leben nebeneinander ist und sich vergleichen läßt, ansehen. Sehen Sie sich das an, und ich frage Sie dann, ob Sie nicht, wenn Sie es ordentlich ansehen, Vergleichspunkte genug finden können. Ich will heute keine Theorie behaupten, keine Hypothese aufstellen, sondern ich will nur darauf hinweisen, sich diese Dinge einmal in dem richtigen Zusammenhang anzusehen.

Von da ausgehend werden wir dann morgen versuchen, eben zu konkreteren Erscheinungen zu kommen.

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