The Founding of the Christian Community

GA 344 — 18 September 1922, Dornach

Elfter Vortrag

Meine lieben Freunde! Es soll heute von mir versucht werden, zu den Zeremonien, welche Sie einführen sollten im Sinne Ihrer neuen Begründung in das Amt des Seelenpflegers, des Seelenhirten, dasjenige hinzuzufügen, was Sie auffassen können als eine erste Belehrung gewissermaßen, die Priesterpredigt, wie sie ja auch gegeben worden ist in allen Zeiten, in denen man das Rechte über diese Dinge wußte, und wie sie heute gegeben werden muß, damit Sie im richtigen Sinne auffassen, was nunmehr durch die zeremonielle Handlung an Ihnen geschehen ist und was weiter durch Sie geschehen soll. Es soll uns nun heute besonders obliegen, einmal den ganzen Sinn dieser Zeremonie, die ja im wesentlichen eingewoben war in die Messehandlung — und die Sie, insofern sie in die Messe eingewoben ist, sich immer wiederholen sollen, wenn Sie selbst die Messe vor der Gemeinde verrichten -, auf unsere Seele wirken zu lassen.

Es handelt sich ja darum, daß die Schöpfung, vor der wir stehen, eine vollständig neue ist und doch wieder eine solche ist, die sich einfügen soll in den ganzen irdischen Zusammenhang der Erdenentwickelung seit dem Mysterium von Golgatha; und so wiederum, wie das Mysterium von Golgatha selbst sich in die Gesamterdenentwickelung seit ihrem Urbeginn hineinstellte, so ist sie ihrerseits genötigt, mit der sich fortentwickelnden Zeit zu rechnen. Das heißt aber [für Euch] nichts anderes, als den Impuls der Zeit in Euch aufzunehmen, insofern in diesem Zeitimpuls der christliche Impuls, der Christus-Impuls, gerade für die unmittelbare Gegenwart lebt. Es ist ja so, daß in der unmittelbaren Gegenwart dieser Christus-Impuls ganz besonders lebt. Ihr müßt Euch klar sein, daß ihr gerade mit bezug auf das, was in Eure äußere Wirksamkeit übergehen soll, manches anders macht, als es gemacht worden ist in den älteren Zeiten des Christentums, als das Christentum noch nicht römisch-katholisch geworden war, als es noch einen Einschlag hatte von der spirituellen Mysterienerkenntnis, mit der der Christus-Impuls in den ersten Jahrhunderten auf der Erde aufgenommen worden ist. Ihr müßt also manches von dem erneuern und in der erneuerten Gestalt hineintragen in die unmittelbare Gegenwart, damit es fortwirken kann in die Zukunft hinein.

Nun müßt Ihr vor allen Dingen verstehen, daß diejenigen Sprachen, in welchen in den ersten Jahrhunderten das Christentum verbreitet wurde, eine Art von Heiligung hatten. Diese Sprachen waren in Vorderasien drüben ein syrischer Dialekt, der noch einen alten Einschlag hatte, die griechische Sprache und die lateinische Sprache. In diesen drei Sprachen wurde in der Tat zuerst für die Menschheit das Christentum verkündigt. So kann man schon sagen, daß die, welche entweder die Apostel noch persönlich gekannt haben oder wenigstens an den Orten waren, von denen aus die Apostel die Verkündigung gepflogen haben und noch davon berichten konnten, daß sie Apostelschüler gesehen und von Angesicht zu Angesicht gekannt haben, daß diese als richtig erkannt haben, daß in dem alten vorderasiatisch-syrischen Dialekt, in der griechischen Sprache und in der lateinischen Sprache das Evangelium verkündigt wurde und die Zeremonien vollführt wurden. Nun müssen wir uns klar sein, daß im Laufe der Menschheitsentwickelung alles eine Metamorphose durchmacht und daß das Wesentliche dieses syrischen Dialektes, der dazumal aus noch älteren Formationen der Geistesentwickelung herübergekommen war — der Dialekt wurde nicht bei den Zeremonien, sondern nur bei der Predigt gebraucht, wo ja selbstverständlich die territorialen Sprachen gebraucht wurden -, daß das Wesentliche dieses Dialektes und der griechischen und lateinischen Sprache das war, daß der Logos selber in ihnen wirkte. Es lag in ihnen etwas, was von den Wellen der Sprache überging in den Zelebrierenden. Das ist etwas, was ihr durchaus tief verstehen solltet, daß etwas überging von dem Gefüge der Sprache, von der Gestaltung der Sprache in den Zelebrierenden. Und bei denjenigen, die als Gläubige wirklich inbrünstig waren, war es so, daß durch das Inkantieren der Messe — denn es war ein altes Rezitativ, in welchem die Messe gesprochen wurde; man nennt es heute «singen», aber es ist kein Singen im heutigen Sinne — auch auf sie eine Kraft überging, die heute gar nicht mehr von Mensch zu Mensch übergehen darf, denn diese Kräfte rechneten mit einer gewissen Ausschaltung des Ich-Impulses im Menschen. Es ging unmittelbar etwas über von Mensch zu Mensch, was einen suggestiven Charakter hatte, und das müssen wir heute, wenn wir das Christentum in der richtigen Weise erneuern wollen, überleiten in eine ganz andere Art der Behandlung dieser Dinge. Jenes suggestive Verständnis, das den Alten dadurch übermittelt worden ist, daß sie anwesend waren bei suggestivem Sprechen, welches aus diesen inbrünstigen Seelen sogar herausgeholt hat, daß sie den Christus in seiner Gegenwart sehen konnten, wenn die Transsubstantiation stattfand, das muß übergeleitet werden in etwas, was für die heutige Zeit viel innerlicher sein muß. Und gerade aus diesem Grunde heraus dürfen wir auch das, was in der alten Sprache erklungen ist, der unmittelbaren Gegenwart in einer erneuerten Sprache geben. Und das haben wir getan.

Damit haben wir zunächst etwas getan, was in einer ganz. besonderen Weise zeigt, daß wir, wenn wir den Christus-Impuls in der Gegenwart richtig verstehen, absehen müssen von dem nur verstorbenen Christus und uns bewußt sein müssen, daß wir das geistige Verhältnis zu dem in der Zeremonie gesprochenen Wort erst wieder durch unser inneres Seelenleben finden müssen, jenes Verhältnis, das ursprünglich zu der Sprache vorhanden war in einer Weise, bei welcher der Mensch selbst weniger mitzuwirken hatte. Heute sind wir in die Notwendigkeit versetzt, durch fortwährendes Regemachen dieses Zusammenhanges mit dem Christus-Impuls in unseren Seelen dasjenige wirklich nach und nach zu erreichen, was auch in dieser neuen Sprachform erreicht werden soll und was auch erreicht werden kann, wenn die Menschenweihehandlung in der richtigen Weise zelebriert wird. Es ist heute meine Aufgabe, diese Verwandlung in der Behandlung der christlichen Opferhandlung einmal vor Eure Seelen treten zu lassen, und das möchte ich möglichst anschaulich machen auf folgende Art.

Nehmen wir einmal die Messeordnung im Eingange. Da brauchen wir uns ja nur vorzustellen, wie in älteren Zeiten jene Gefühlserweckung war, die unmittelbar anknüpfte an die Erinnerung der Erscheinung Christi auf Erden. Die katholische Kirche erneuert das noch in einer äußeren Weise in der Messeordnung, die sie zu Weihnachten zelebriert. Es soll nun einmal der Anfang der Weihnachtsmesse gebracht werden - selbstverständlich nicht in dem alten Rezitativ, das für die neuere Zeit eigentlich ein Sakrileg wäre, sondern in der Weise, wie es gegenwärtig getan werden kann -, damit wir das, was heute vor Eure Seelen treten kann, anschaulich daran entwickeln können. Ihr werdet dasjenige erkennen, was Ihr nun selbst zu verrichten habt, aber auf eine etwas andere Art.

Rudolf Steiner liest einen lateinischen Text aus dem katholischen Meßritual vor. [Um welche Textstelle es sich handelte, ist vom Stenographen nicht festgehalten worden.]

In dieser Sprache haben wir etwas, was unmittelbar auf die Gläubigen dadurch wirken sollte, daß der Priester, indem er die Sprache intonierte, selber in eine unmittelbare Verbindung mit dem Geistigen kam, das immer durch die Sprache wallt und webt. Über dieses Wallen und Weben in der Sprache sind wir nun hinausgewachsen, indem wir uns in die Gedanken mit dem Ichbewußtsein erhoben haben, und in dieser Erkenntnis müssen wir alle leben, wenn wir in der richtigen Weise das begründen wollen, was uns vorschwebt. In den älteren Kirchen kam es viel auf die Intonierung an, und die katholische Kirche hat dies beibehalten.

Dadurch aber ist sie gegenüber der Entwickelung der neueren Zeit, wo in der Messe der Geist Christi unmittelbar walten sollte, in ahrimanischem Rückstande. Durch diesen ahrimanischen Rückstand, in welchem die katholische Kirche geblieben ist, iindem sie einfach das bewahrt hat, was einmal war, könnte sie es

niemals dazu bringen, daß die Menschenweihehandlung das werde, was sie in unserer Zeit werden soll. Und wenn Ihr das, was Ihr einsetzen wollt, auch in der richtigen Weise einsetzt, dann müßt ihr Euch in die Evolution der Gegenwart so hineinstellen, daß von den Seelen ebenso wieder etwas erlebt wird, wie vor dem alten Schauen der inbrünstigen Seelen während der Transsubstantiation die Gloria Christi erschienen ist, so daß ein Fragen, ob der Christus im Meßopfer gegenwärtig war oder nicht, gar nicht sein konnte. Die Theorien und die Philosophien über die Transsubstantiation sind eben erst nach dieser Zeit entstanden, in der man diejenigen, welche wirklich inbrünstige Seelen waren, einfach fragen durfte: Habt ihr gesehen, daß der Christus auf dem Altare war?, und zahlreiche sagten: Ja!, und die anderen hatten den Glauben.

Unsere Handlungen müssen eine Vorbereitung dessen sein, was einmal in der Zukunft geschehen muß. Und wenn Ihr in der richtigen Weise vor die Gemeinde hintretet mit der regenerierten Messe, dann wird sie imstande sein, so zu wirken, wie ich es eben geschildert habe. Dann aber wird vor allen Dingen in Euren Seelen leben müssen ein ganz tiefes, seriösestes Verständnis dessen, was des Menschen Zusammenhang mit dem Christus eigentlich in der unmittelbaren Gegenwart ist und werden soll in Zukunft. Denn Ihr wißt, es soll sich schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts das vollziehen, daß der Christus — der im Angesichte verlorengegangen ist für die Seelen, weil sie verloren haben dasjenige Schauen, das ich eben charakterisiert habe und das Diskussionen über die Transsubstantiation unnötig machte — wieder erscheine für die schauenden Seelen. Aber die Menschen werden etwas dazu tun müssen. Der Christus ist bereit, in ätherischer Gestalt sichtbarlich für die Menschen wieder umherzuwandeln, aber die Menschen müssen etwas dazu tun. Wenn Ihr in der richtigen Weise Eure Bewegung inauguriert und fortführt, so wird es geschehen können durch die Kraft, die in Eurer Menschenweihehandlung liegt und die übergeht auf die Gemeinden. Dann habt Ihr das, was Ihr tut, erfaßt als ein unmittelbar spirituell Reales. Deshalb mußte ich Euch heute wenigstens in Kürze in anschaulicher Weise das vor Euer Seelenauge stellen, was Ihr in der erneuerten, metamorphosierten Gestalt als Messekult in den letzten Tagen vollzogen habt.

Nun handelt es sich darum, daß das, was Ihr in der richtigen Weise vollbringt, auf die Gemeinde übergeht; denn bis jetzt habt Ihr es vollzogen für Euch selbst. Vor allen Dingen handelt es sich darum, daß Ihr in der richtigen Weise dasjenige vor Eure Seelen stellen könnt, was als das Geheimnis des Christentums ausgesprochen ist im dritten Teil des Kolosserbriefes im dritten Vers. Diese Stelle möchte ich heute so vor Eure Seele rufen, wie sie in Wirklichkeit gemeint ist:

Ihr seid gestorben, und euer Ich ist von euch getrennt und vereinigt mit Christo in der Geistwelt; wenn aber Christus, der euer Ich trägt, selber vor die Anschauung getreten ist, dann werdet auch ihr mit ihm euch offenbaren.

Ein ungeheuer Tiefes ist in diesem Worte verborgen. Es ist eigentlich fast für spätere Zeiten gesprochen als für die Zeit der Apostel. Es ist eigentlich für unsere Zeit gesprochen, damit unsere Zeit es in der richtigen Weise versteht. Denn es ist so, daß in der irdischen Menschheitsentwickelung bis ungefähr um die Zeit des Mysteriums von Golgatha die Menschen in ihrem Innern dasjenige erlebten, was von ihrem [wahren] Selbst in diesem Innern sein konnte. Mit dem, was sie in ihrem Innern erlebten, erlebten sie zugleich etwas Reales von dem, was im vorirdischen Dasein in ihnen lebte. Man hätte zu diesen Menschen nicht sagen können: Werdet euch durch irgend etwas eures ewigen geistig-seelischen Kernes bewußt!, denn sie hatten einfach Bewußtseinszustände, in denen dieser ewige geistig-seelische Kern aufleuchtete. Sie brauchten nur Selbsterkenntnis, so wie die Menschen heute Siinneserkenntnis haben; und im Hinschauen auf ihr Selbst nahmen sie wahr - ohne jenes deutliche Ichbewußtsein, das sich erst später ausbildete - ihr Vorgeburtliches und ihr Nachtodliches. Und so konnten sie verstehen, wenn die Eingeweihten zu ihnen sprachen: Euer Leib stirbt; aber was ihr in eurem Innern erlebt, von dem wißt ihr, es stirbt nicht mit; das ist lebendig, das bleibt lebendig. — Der Tod hatte noch kein Instrument, auch die menschliche Seele zu töten.

Das aber, was den Apostel in eine andere Lage brachte, war, daß die Seelen begonnen hatten, ungefähr um die Zeit des Mysteriums von Golgatha, teilzunehmen an den Schicksalen des Leibes, und daß die Seelen [seit dieser Zeit] in der Gefahr stehen, mitzumachen die Schicksale des Leibes. In den alten Zeiten hatte die Seele nicht die Schicksale des Leibes mitgemacht. Zum Schicksal des Leibes gehört das Sterben, und die Seele war nicht mitgestorben. Das war in alten Zeiten die sehr konkrete Auffassung. Diese Tatsache ist später verabstrahiert worden, weil die Menschen sie in ihrer ganzen Intensität nicht ertragen haben. Die Menschen wollten sich nicht gestehen, daß das, was zwischen Geburt und Tod sich unter dem fortwährenden Hervordrängen des Ichbewußtseins entwickelt hat, nicht mehr Anteil hat an dem ewigen Seelenkern des Menschen, sondern Anteil hat an dem Leibe und teilnimmt an dem Schicksal des Leibes, daß es also mitstirbt. Dies war vor allen Dingen den ersten Christen klar, daß in der Erdenentwickelung die Zeit eingetreten war, wo die Seele zwar auf Erden Ich-begabt wird, aber dadurch mit dem Leibe stirbt. Daß der Leib stirbt, war ja nicht das, was in den ersten Evangelienverkündigungen gesagt worden ist, sondern daß die Seele stirbt, und daß sie in den Menschen, die aus der vorchristlichen Weltentwickelung hervorgingen, schon gestorben ist. Als ein reales Wort war es gemeint: Ihr seid gestorben. — Nicht die früheren Seelen waren gestorben, denn da hatten sie noch nicht teilgenommen an dem Schicksal des Leibes, aber ihr gehört dem Schicksal der Generation derer an, die gestorben sind, das heißt, eure Seelen nehmen teil an dem Schicksal des Leibes; denn das, was ihr als ein Ichbewußtsein hier tragt durch euren physischen Leib, das ist nur ein Abbild eures wahren Ichs. - Vor dem Mysterium von Golgatha hatte man zwar von diesem wahren Ich nichts gewußt, wenn man hineingeschaut hat in das eigene Selbst, aber es war noch nicht vom Menschen getrennt. In der Zeit des Mysteriums von Golgatha ist es gerade vom Menscheninnern getrennt worden, und der Mensch ist erhoben worden in die geistige Welt, und nur den Abglanz des Ichs hat er als Ichbewußtsein hier unten.

Wenn wir uns also das vorstellen, was der Mensch vor dem Mysterium von Golgatha erlebte, so hatte er damals sein Seelisches, in welchem er das Vorgeburtliche erlebte, und er hatte das reale Ich, das er aber zunächst nicht wahrnahm. Nach dem Mysterium von Golgatha war es so, daß der Mensch sein Seelisches hatte, aber das Vorgeburtliche erlebte er darin nicht mehr. Sein wahres Ich ist seit jener Zeit ein geistiges, das heißt, es gehört nicht der Erdenwelt, sondern der geistigen Welt an, und er hat den Abglanz dieses Ichs durch den physischen Leib, das Ichbewußitsein: «... und euer Ich ist von euch getrennt und vereinigt mit Christo in der Geistwelt.»

Der ist nun herabgestiegen auf die Erde, so daß diese geistige Welt durch ihn die Erdenwelt durchdringen kann. Aber der Menschen wahres Ich lebt nicht in der Welt, die mit Augen gesehen werden kann und an die man herankommen kann mit den drei gewöhnlichen Fähigkeiten, dem Denken, dem Fühlen und dem Wollen; es lebt in einer Welt, die seit jener Zeit die irdische durchdringt, aber es ist mit dem Christus vereint. Und von dem wahren Ich kann man nur wissen, indem man zugleich von dem Christus weiß; das wahre Ich kann man nur fühlen, wenn man zugleich das Wesen des Christus und das Wesen des Mysteriums von Golgatha fühlt; das wahre Ich kann einen nur durchkraften, wenn man zugleich sich durchkraftet füblt von demjenigen Impuls, der von dem Mysterium von Golgatha ausgeht.

Das, was bisher gelehrt werden konnte durch die Zeremonien und Ritualien, das ist etwas, was Ihr in lebendiges Geistesleben umsetzen müßt, wenn Eure Bewegung einen Sinn haben soll. Dann aber müßt ihr Euch dessen bewußt sein, daß in der Tat von seiten des Christus in unserer Zeit alles geschieht, um den Menschen sich zu zeigen mit dem wahren Menschen-Ich zusammen, so daß in unserer Zeit in Erfüllung gehen soll das Wort des Apostels:

Ihr seid gestorben, und euer Ich ist von euch getrennt und vereinigt mit Christo in der Geistwelt; wenn aber Christus, der euer Ich trägt, selber vor die Anschauung getreten ist,

— wie wir es erwarten können für die erste Hälfte unseres Jahrhunderts —

dann werdet auch ihr mit ihm euch offenbaren.

Das heißt, dann werden die Menschen mit dem unmittelbaren Bewußtsein des wahren Ichs — nicht bloß mit jenem Abbild, das durch den physischen Leib bewirkt wird — herumgehen können. Und zu wirklichen Christen sollt Ihr die Menschen machen.

Das ist das, was Ihr Euch zur Aufgabe machen müßt, wenn Ihr einen substantiellen Gehalt mit Eurer Bewegung herumtragt. Ihr müßt klar sein darüber, was es eigentlich heißt: Mit der neueren Zeit ist immer mehr und mehr das in der Menschheit heraufgestiegen, daß der Mensch zu seinem Ichbewußtsein gekommen ist. Das bedeutet ja zunächst nicht eine innere Durchdringung mit dem wahren Ich. Zum Ichbewußtsein gelangen bedeutet eine Trennung von dem wahren Ich, ein Sich-heraus-Erleben von dem wahren Ich. Denn dieses wahre Ich ist eins mit der Welt des Christus. Diese Welt des Christus hat er durch das Mysterium von Golgatha in die Erde hereingetragen. Heute wartet er, daß er durch die entsprechenden Vorbereitungen [der Menschen] wiederum geschaut werde, daß er sich offenbare für die Menschen. Dann wird er begaben können das Ichbewußtsein mit dem innerlichen Erleben des wahren Ichs, und dann wird erfüllt sein gerade das Wort aus dem Evangelium, das in diesem dritten Kapitel des Kolosserbriefes steht und das eigentlich für unsere Zeit gesprochen ist und von unserer Zeit verstanden werden soll: daß zuerst Ihr in Euch beleben sollt ein Verständnis für die Beziehung des wahren Ichs zu dem Christus, damit Ihr es dann wiederbeleben könnt durch die Menschenweihehandlung in denjenigen, die als Laien Eurer Menschenweihehandlung beiwohnen. Denn dadurch, daß Ihr Euch mit einem solchen Verständnis durchdringt von dem Ichbewußtsein und seinen Beziehungen zur Menschenwelt, von dem Christus und seinen Beziehungen zum menschlichen wahren Ich, dadurch werdet Ihr in dem richtigen Gefühl die Menschenweihehandlung absolvieren. Und Ihr werdet durch Gefühle, die in Euch angeregt werden können durch ein Verständnis dieser Dinge, eine den Menschen allerdings herabdrückende Wahrheit von dem Sterben des Ichbewußtseins im physischen Leibe vor die Menschen hinstellen, aber auch die sie wieder erhebende Wahrheit von der Rettung des wahren menschlichen Ichs dadurch, daß der Christus die Iche durch den Tod führen kann. Ihr werdet von der Aufnahme einer solchen Wahrheit so ergriffen werden können, daß die Menschenweihehandlung dadurch von Euch belebt werden kann und dadurch etwas vor die Gläubigen tragen, was anders begriffen werden muß als sonst, was begriffen werden muß mit dem Verständnis der geistigen Welt. Und Ihr werdet damit die Menschenweihehandlung nicht nur anders vollziehen, sondern mit dem Verständnis der geistigen Welt, so daß man über die Dinge, die in der Transsubstantiation vor sich gehen, nicht mehr diskutieren kann, sondern sie anschauen und als eine Selbstverständlichkeit empfinden wird, indem man empfinden wird, daß damit etwas Übersinnliches im Sinnlichen verstanden werden muß. Und deshalb, weil etwas Übersinnliches im Sinnlichen geschieht, ist es überflüssig, darüber mit dem Verstande zu diskutieren.

Das ist die Gesinnung, mit der Ihr in der Messe vor die Menschen treten sollt, und mit dieser Gesinnung müßt Ihr die Messe durchdringen, wenn sie im rechten Sinne vollzogen werden soll vor den Mitgliedern Eurer Gemeinden. Das war ich verpflichtet, als eine erste Regel an die Zelebrierung des Meßopfers und an die Zelebrierung der Seelenhirtenweihe anzureihen. In solchen Betrachtungen werden wir noch etwas fortfahren müssen, weil sie die Grundlagen sind für das, was Ihr im Worte werdet vor die Gemeinden zu bringen haben.

Jetzt wird es richtig sein, wenn Ihr die Dinge, die Euch auf den Seelen liegen, besprechen würdet, solange ich noch da bin.

Es wird eine Frage gestellt nach einer Formel zur Aufnahme in die Gemeinde und über das Credo. [ Der genaue Wortlaut der Frage wurde nicht mitstenographiert.]

Rudolf Steiner: Die Aufnahme in die Gemeinde wird ja natürlich in einer Auseinandersetzung bestehen müssen zwischen dem Aufzunehmenden und dem Aufnehmenden über das Credo. Gerade bezüglich des Credo ist natürlich nicht zu verlangen, daß es so, wie es uns in der Formel vorliegt, sogleich von demjenigen verstanden wird, der aufzunehmen ist, denn im ganzen müssen wir es doch auch weiter so halten, daß wir in einem gewissen Sinne an die alte Tradition anschließen. Wenn wir auch schon in unserer Formel dasjenige haben, was ja auf das Richtige hindeutet, so können wir doch nicht das ändern, was nun schon durch die historische Entwickelung so verläuft, daß die eigentliche Aufnahme in die Gemeinde der Christen bewirkt wird durch die Taufe, und es wird auch unmöglich sein, die Taufe anders zu vollziehen, denn als Kindestaufe. Damit schließt Ihr Euch auf der einen Seite der Tradition an, müßt Euch aber wiederum bewußt sein, daß dies natürlich auch nicht der Gebrauch war in den ersten Zeiten des Christentums. In diesen ersten Zeiten wurde man Christ, indem man an der Messe teilnahm — nun nicht bis zum Evangelium, aber bis zu dem ersten Gebet, das ich als «Staffelgebet» bezeichnet habe - und dann getauft wurde. Man wurde also in dem vollbewußt getauft, das damals eben die Menschheit hatte. Es wurden eigentlich nur Erwachsene getauft, und diejenigen, die als Kinder von Getauften zur Welt kamen, waren eben Kinder der Christen, sie wurden christlich erzogen und wurden auf der Grundlage dieser christlichen Erziehung in die Taufhandlung eingeführt. Damit aber war ja jene Möglichkeit herbeigeführt, daß die, welche zur Taufhandlung geführt wurden, schon in genügender Weise im Zusammenleben mit ihren christlichen Vorfahren in das Credo eingeführt waren, und man konnte einfach eine Art von Examen mit solchen Täuflingen vornehmen, wodurch sie sich noch einmal zum Bewußtsein brachten, was sie während ihrer Kindheit im Zusammensein mit den älteren Leuten erlebt hatten. Und so geschah es auch; fand man, daß sie genügend drinnenstanden in der christlichen Lehre, so konnte man sie taufen. Allerdings war dadurch das Taufen ein viel realerer Akt im Leben des Menschen, als er heute sein kann. Wir müssen heute an der Kindestaufe jedenfalls noch für lange Zeiten festhalten. Wir nehmen also das Kind zunächst in die Gemeinschaft der Christen auf, lassen allerdings dasjenige bei der Kindestaufe weg, was zur Messe gehört. Das ist dann auch berechtigt. Die Taufe ist ja ein Akt, der in völliger Unbewußtheit um das Kind herum vor sich geht. Und gerade aus diesem Grunde ist dann dasjenige, was die Konfirmation oder die Firmung ist, so umgewandelt worden, daß es heute anstelle desjenigen steht, das ursprünglich die Taufe war, und das eben in das entsprechende Lebensalter versetzt wird. So wird also mit dem, der heute aufgenommen wird, vor allen Dingen eine Art Auseinandersetzung stattfinden über das, was eigentlich jeder Mensch vom Credo verstehen sollte. Und wenn dazu eine Formel nötig ist - und das scheint ja nach der Anfrage der Fall zu sein -, so können wir ja eine solche Formel aufstellen. Es könnte sich das aber auch in einem freien Gespräche entwickeln. Was sich im freien Gespräch mit dem Aufzunehmenden ohne eine Formel entwickeln soll, müßte den Inhalt haben, daß der Betreffende zu dem realen Christus, ich will nicht sagen, gleich sich bekennen kann, aber daß er zu dem realen Christus ein genügendes Verhältnis entwickeln kann, wenn man ihm von diesem realen Christus spricht. An der Art und Weise, wie der Aufzunehmende die Art auffaßt, wie man zu ihm über den Christus spricht, muß man erkennen, ob er in die Gemeinschaft wirklich hineingehören kann. Es ist natürlich durchaus eine Gefühlsfrage, ob jemand aufgenommen werden soll oder nicht. Und dann wird es sich eben darum handeln, daß der Aufzunehmende wirklich verstehen lernt, im wesentlichen wenigstens, den Inhalt der Menschenweihehandlung. Wenn es auch nicht möglich sein wird, überall die Menschenweihehandlung wirklich zu zelebrieren, so werden wir doch daran festhalten müssen, daß selbst dort, wo man mit allem Kultusartigen noch zurückhalten muß, der innere Gehalt gerade der Menschenweihehandlung zum Gemüte geführt wird, so daß man immer in der Lage ist, die Menschenweihehandlung als erwas anzusehen, woran man in der Predigt, überhaupt in einer jeglichen theoretischen Auseinandersetzung anknüpfen kann.

Was hiermit gemeint ist, werden Sie am besten verstehen, wenn ich das folgende sage. Denken Sie an die evangelisch-protestantische Predigt. Sie werden ja selber oftmals betont haben oder betonen gehört haben, wie die protestantisch-evangelische Predigt nicht bloß eine wissenschaftliche oder verstandesmäßige Auseinandersetzung sein soll, und es wird von den meisten Predigern heute das am meisten an der Predigt geschätzt, was gar nicht verstandesmäßig ist, sondern was Gefühls- und Gemütsinhalt ist. Tatsächlich ist es ja so, daß in der Predigt über alles Verstandesmäßige hinaus in dem Gefühls- und Gemütsinhalt ein Spirituelles unmittelbar ausstrahlt. Selbst in unserer heutigen entgöttlichten Zeit versucht der evangelische Prediger noch, mit der Predigt etwas Spirituelles den Menschen zu geben, und man kann ja doch erleben, daß gut gepredigt wird in diesem Sinne. Aber das, was noch als ein Rest von Kultus in der evangelischen Kirche übriggeblieben ist, wird mit einem ganz falsch wirkenden Pathos vorgetragen, selbst von guten Predigern. Sie fallen sofort aus der Rolle des Aus-dem-Spirituellen-Sprechens heraus, wenn sie zum Zelebrieren kommen, weil sie eben gar nicht mehr in der geistigen Welt drinnenstehen. Es ist natürlich etwas Richtiges darin, daß die Predigt durchseelt sein soll von Gemütsinhalt, daß sie zum Herzen sprechen soll und nicht zum Verstande. Aber weil dies, was da durch die Predigt geschehen soll, erkauft wird durch die Ausscheidung alles Erkenntnisinhaltes über die spirituelle Welt - der versteinert noch in den Dogmen erhalten ist -, so kommen dann solche Dinge zustande wie etwa die Behauptung, daß man an das, was der Christ erleben soll, dadurch herankommen kann, daß man dem heute Lebenden fremde Wortklänge in seine Sprache einfügt. Es ist eine merkwürdige Erscheinung - ich habe Sie heute schon darauf aufmerksam gemacht -, wie in der dem heutigen Menschen nicht mehr lebendigen lateinischen Sprache noch etwas Spirituelles liegt. Der Mensch fühlt heute die lebendige Sprache so ins Profanmaterielle hinunterversetzt, daß er gar nicht mehr glaubt, damit etwas Übersinnliches zum Ausdruck bringen zu können. Und wenn er auch nicht eine Messe in lateinischer Sprache lesen will - woraus ihm noch das hervorklingt, was er im Geiste erfassen soll -, so möchte er doch wenigstens ein einziges Wort hören, das ihm unverbraucht für das Profanleben klingt, und deshalb möchte er zum Beispiel das Heilige nicht bloß ein «Heiliges» nennen, sondern ein «Numinoses» oder etwas in ähnlicher Weise. Da ist wiederum dieses unbekannte Suggestive hineingelegt in das, demgegenüber man ohnmächtig ist, es mit der Seele wirklich zu erreichen. Es werden heute Bücher geschrieben über das Heilige aus einem ungeistigen evangelischen Geiste heraus, in denen eigentlich unbewußt gesagt wird: Mit der bloßen Fortsetzung des evangelischen Geistes kommen wir nicht weiter, wir müssen schon eine Anleihe machen bei den Katholiken. — Nicht, daß man ganze Messen liest in einer noch nicht profan gewordenen Sprache, aber man nimmt nur ein Wort heraus, das so ähnlich klingt - nicht ganze Sätze —, damit wenigstens durch einen kleinen Punkt die Anleihe aus dem Katholischen ins Evangelische hereinkomme. Das ist eben das äußerste Extrem, das die nicht mehr genügende Religionsübung nun auch in die Theologie hineinträgt, weil man jede Erkenntnis des Heiligen, die inhaltvoll ist, eigentlich abweisen will. Solche Dinge müssen ganz im richtigen Lichte gesehen werden; man muß wissen, daß es heute ein bloßer Ausdruck der Ohnmacht ist, wenn nicht versucht wird, das Heilige dadurch wiederum zu erfühlen, daß man in innerem wortlosen Erleben durchzudringen sucht von dem von der katholischen Kirche bloß im erstarrten Worte ausgesprochenen «Spiritus sanctus» zu dem Heilenden Geist, so wie man durch dieses Wort «Heilender Geist» ein vollständiges inneres Erleben gewinnt, wenn man die Dinge so nimmt, wie wir sie in der Ihrer Bestrebung zugrundeliegenden Lehre als spirituelle Tatsachen übermittelt erhalten.

Dadurch, daß Ihr diese Bewegung gründet, werdet und müßt Ihr die Möglichkeit gewinnen, Eure Predigt so zu gestalten, daß Ihr sie nicht mit einer furchtbaren, unwahren Sentimentalität zu einer gefühlvollen, ins Herz dringenden macht, indem Ihr gewissermaßen die Gefühle aus Euch herauspreßt. Das müßt Ihr nicht tun. Sondern Ihr müßt in der Menschenweihehandlung etwas sehen, was in seiner Bildlichkeit einen spirituellen Inhalt hat, und Ihr müßt diesen spirituellen Inhalt Euren Gläubigen lebendig erhalten, ihn in Lebendigkeit erregen, so daß Ihr nicht nötig haben werdet, bloß das in Eure Worte zu legen und den Gläubigen zu übermitteln, was Ihr aus Eurem eigenen Gemüt herauspreßt, was höchstens eine kurze Zeit wahr sein kann, nachher aber sehr leicht als etwas Abgebrauchtes in der Predigt wirkt. In der Menschenweihehandlung, die Ihr vor die Gläubigen hinstellt, habt Ihr etwas die Menschen Erschütterndes, etwas, worauf Ihr Euch jedesmal beziehen könnt, wenn Ihr etwas zu sagen habt. Ihr habt in ihr erwas Reales, woran Ihr anknüpfen könnt, das sofort Euer Wort in ein solches verwandelt, das den Gefühlsinhalt erhält im Anhören durch den Gläubigen. Dadurch entrinnt Ihr auch der Gefahr, der der protestantisch-evangelische Prediger immer ausgesetzt ist; diese Gefahr besteht darin, daß er genötigt ist, aus seinem Persönlichen heraus seiner Predigt den Gemütsinhalt zu geben. Dadurch benebelt er sich in einer gewissen Weise selbst. Man kann protestantische Prediger kennenlernen, die sich schon bei der Vorbereitung der Predigt benebeln und die sich erst recht benebeln, wenn sie die Predigt halten. Dadurch aber wirkt die Predigt nicht als etwas Wahres. Nun, indem der Mensch sein persönliches Fühlen aus sich herauspressen muß, nimmt er ja seine ganze Seele in Anspruch, engagiert er alle seine Seelenkräfte und hat nichts mehr frei, um den Christus einziehen zu lassen während des Predigtsprechens. Wenn der Prediger an den entsprechenden Stellen einen Hinweis geben kann auf dasjenige, was in der Kultushandlung angetönt wird und was der Gläubige anschauend kennengelernt hat, wenn er also bei der Predigt übergeht zu der Exemplifikation der Kultushandlung, die eine unendlich reiche werden kann, und wenn er dieses Anknüpfen an die Kultushandlung in der Predigt ganz bildhaft macht, dann erhebt er sich gewissermaßen über sich selbst hinaus, engagiert nicht in vollem Maße seine Seelenkräfte. Und gerade in das, wo er nicht seine Seelenkräfte engagiert, sondern was sich durch die Exemplifikation der Messe abspielt, in das zieht der Christus ein. Und aus dieser Stimmung heraus kann die Messe gesprochen werden. Der Prediger kann gerade durch dieses real den Christus sprechen lassen. Seine Worte durchwellt die Christus-Kraft, und aus den Gläubigen antwortet ihm wie ein Echo das Fühlen.

Darauf kommt es an, damit der Prediger ein wirklicher Prediger ist, daß er etwas von der Gottes-Seite aus erlebt, was der Zuhörende von der Welt-Seite aus erlebt. Dadurch allein, daß er etwas von der Gottes-Seite aus erlebt, daß die Hinneigung nach rückwärts zu dem Göttlichen bei ihm vorhanden ist, dadurch allein kann durch den Prediger in den Gemütern der Gläubigen das Richtige angeregt werden.

Das ist dasjenige, was die Predigt durchziehen muß. Und wenn das, was ich jetzt auseinandergesetzt habe, eine Wahrheit in Eurer Seele geworden ist, dann werdet Ihr in ganz selbstverständlicher Weise finden, ob irgend jemand zur Aufnahme in die Gemeinde geeignet ist oder nicht. Das läßt sich nicht mit abstrakten Worten umschreiben. Das hängt davon ab, wie er selber in der Sache drinnensteht. Es kann eine «Formel» geben, aber es ist die Formel nicht das Wesentliche, sondern Euer Erkennen ist das Wesentliche, Euer aus dem Geiste eines so erfaßten Christentums, wie es hier geschehen ist, sich gestaltendes Erkennen desjenigen Menschen, den Ihr in die Gemeinde aufnehmen wollt, und auch desjenigen Menschen, den Ihr in Eure eigene engere Priestergemeinschaft aufnehmen wollt. Ihr werdet dadurch dazu kommen, Euch rein innerlich die Fragen beantworten zu können. Erstens: Kann dieser Mensch richtig zuhören, wenn das Evangelium verkündet wird? — Habt Ihr konstatiert, daß er richtig zuhören kann, so wird er ein richtiger Gläubiger sein. Ihr werdet weiter Euch durch inneres Erleben die zweite Frage beantworten -können: Kann der Mensch, der zu mir kommt, in der richtigen Weise mir aus dem Geiste heraus das Wort des Evangeliums nachsprechen? - Kann er zu den Zuhörern so sprechen, daß nicht sein Wort, sondern das Wort des Evangeliums erklingt, dann kann ich ihn aufnehmen als einen Seelenhirten-Kandidaten.

Das muß Euch zeigen, wie Ihr nicht wieder in ein abstraktes und theoretisierendes Leben verfallen dürft, wie Ihr die Fragen des Lebens nicht mit abstrakten Sätzen beantworten sollt, sondern so, daß auf das Leben selber hingewiesen wird, auf das Leben vor allen Dingen, das in Euch entzündet worden ist.

Das ist es, was zunächst zu sagen ist. Über das Credo soll dann noch gesprochen werden.

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