The Founding of the Christian Community
GA 344 — 20 September 1922, Dornach
Sechzehnter Vortrag
Rudolf Steiner: Es scheint mir, diese Fragen, die Sie aufgeschrieben haben, haben zum großen Teil doch ihre Wurzeln in Dingen, die schon besprochen sind.
Zum Wechsel der Kultfarben [1. Frage]: Es handelt sich darum, wie ich Ihnen sagte, daß der Zyklus der ist, daß die Zeit vor Weihnachten im wesentlichen blaue Farben hat, daß man dann zu Weihnachten die helle Farbe hat; dann bleibt die helle Farbe bis zur Fastenzeit, wo sie schwarz wird. Dann hat man hauptsächlich rot zur Österzeit, dann geht man zu hellen Farben über zur Pfingstzeit. So war es das letzte Mal dargestellt. Dann bleibt ja für das, was ich festlose Zeit nenne, die helle Farbe während des Sommers; wenn keine besonderen Anlässe sind, bleibt die Farbe weiß. Zu Pfingsten ist es weiß mit gelben Rändern. Das bleibt im wesentlichen, bis man überzugehen hat zur blauen Farbe.
Emil Bock: Die Farbe, die wir jetzt benützen, ist schon eine helle.
Rudolf Steiner: Was ich Ihnen jetzt vorgeschlagen habe, ist dasjenige, wovon ich raten würde, daß Sie es überhaupt zu der normalen Messe verwenden, weil dieses Violett, das Sie jetzt haben, die Farbe ist, die Sie eigentlich das ganze Jahr hindurch bei jeder Gelegenheit verwenden können, während Sie das nicht bei irgendeiner anderen Farbe machen könnten.
Emil Bock fragt über das Seelische der Farben. Warum diese Farben nicht verwendet werden können.
Rudolf Steiner: Gehen wir von der roten Farbe aus, die also auftreten würde bei der Auferstehung am Ostersonntag, so haben wir in der roten Farbe dasjenige gegeben, was die Aktivität aus der geistigen Welt heraus charakterisiert, und wir haben in dem Gegensatz zur roten Farbe in der blauen Farbe den allmählichen Untergang des Physischen in der geistigen Welt zu sehen. Das sind die beiden Farbengegensätze; daher ist der Advent blau, die Zeit unmittelbar nach Ostern bis Himmelfahrt rot, als der Gegensatz. Dann haben wir die anderen Farben so, daß sie immer irgendeinen anderen Gesichtspunkt haben. Wir haben die universelle Farbe weiß respektive hell zu Weihnachten, was die katholische Kirche als die Farbe der unschuldigen Kindlein aufgefaßt hat, was aber falsch ist, da weiß überhaupt das Licht als solches darstellt, also das Wiedererscheinen der Sonne, die Sonnenwende. Dann haben wir die schwarze Farbe, diejenige Farbe, die gegen die Passionszeit hingeht, die die Verdunkelung darstellt, die kulminiert mit dem Tode. Dann haben wir im Sommer nicht eigentlich weiß, aber helle Farben. Wenn man nicht auf das alte Mysterienwesen zurückgeht, so haben wir natürlich eigentlich nicht grün. Wenn wir zurückgehen würden auf das, was Sie «kultische Optik» nennen - man müßte es das kultische Gloria nennen -, dann würden Sie ein helles Grün haben zum Sommer, etwa zu Johanni. Das wird aber nie mehr angewendet. Aber es könnte wiederum eingeführt werden, ein helles Gelbgrün. Dann haben Sie aber eigentlich alle Farben. Die Sache ist so, daß alles übrige sich nach der Farbe des Meßgewandes richtet, alles übrige.
Nun fragen Sie hier auch nach den anderen Gewändern [2. Fragenabschnitt]. Sie haben an anderen Gewändern für den Priester das Gewand für den Nachmittagsgottesdienst an Sonntagen. Habe ich das noch nicht auseinandergesetzt? Das ist so: Ein Mantel von diesem Zuschnitt (siehe Zeichnung Seite 202), der hat hier unten die Farbe des Meßgewandes, das getragen wird. Bei Ihnen müßte er, weil Sie doch noch eine Zeitlang das Urgewand tragen, das immer getragen werden kann bei jeder Gelegenheit, die Farbe der Borten haben.
Unter dem Mantel wird die Stola getragen. Es ist besser, wenn Sie bei Taufen und bei der Abnahme der Beichte nicht die Alba, sondern eine verkürzte Alba tragen, so daß Sie eine Alba bis hierher zum Knie haben. Das ist das Priestergewand für diese Handlungen wie Taufe, Beichtehören, ÖOlung. Begräbnisse sollten eigentlich in diesem Mantel gemacht werden. Unter diesem Mantel wird die Alba getragen und die Stola. Nun, was ich noch bemerkt habe: Die Alba hat den Gürtel hier herum und dieser Gürtel hat auch die Farbe des Meßgewandes, und dies macht Ihnen dann möglich, die Stola, wo sie getragen werden sollte, vorne zu kreuzen. Aber das wären alle die Bekleidungsstücke, die Sie brauchen.
Tafel 4
Die Ärmel sind nicht wichtig, aber es ist schwierig, für jede einzelne Sache jetzt ein Gewand anzuschaffen. Daher stelle ich die Dinge hier zusammen, die ich praktisch für möglich halte und die ganz korrekt dienen können. Die Ärmel sind wirklich nicht wichtig. Sie könnten ja taufen natürlich auch in einer Art Chorhemd, das ärmellos ist. Das kann man alles einmal einrichten. Aber jetzt genügt Ihnen, wenn Sie Alba und ein Chorhemd« haben, das natürlich Ärmel haben kann, das Meßgewand und einen solchen Mantel für den Sonntagnachmittags-Gottesdienst, der im wesentlichen besteht in der Verlesung einer kurzen Evangelienstelle und einer kurzen Predigt, wobei der Mantel abgelegt wird. Dann wird er wiederum angezogen und es wird ein Psalm gelesen. Das wird der Sonntagnachmittags- oder -abend- Gottesdienst sein. Alles übrige richtet sich nach der Farbe des Meßgewandes, also die Bedeckung des Kelches, die Decke des Altares; ebenso der Ministrant. Jetzt haben Sie ein Meßgewand, von dem ich mir vorgestellt habe, daß Sie zunächst jede Messe in diesem Meßgewand lesen können. Sie können ja ziemlich lange noch nicht daran denken dazu überzugehen, die ganze Entwikkelung durchzumachen. Ein Meßgewand kostet ja heute schon ein kleines Kapital in Deutschland. Also ich glaube, Sie tun am besten, wenn Sie diese Farbe, die etwas heller sein kann - sie ist etwas dunkel geraten -, verwenden und jede Messe darin lesen.
Emil Bock: Es ist unsere Orienterung eine sicherere, wenn wir einiges hören, ob Violett anstelle von Blau treten soll und zu Ostern Gelbrot.
Rudolf Steiner: Ich sagte, daß zu Weihnachten ein helles Weiß maßgebend ist; vielleicht ein ganz helles Violett. Ich sagte, daß zu Weihnachten der Gesichtspunkt immer gewechselt hat. Im wesentlichen hat man festzuhalten, daß Weiß den Aufgang der Sonne charakterisieren soll; das ist ein anderer Gesichtspunkt. Das Hellviolett eintreten zu lassen, hat den Gesichtspunkt: Sie lesen zu Weihnachten die Urmesse; die lesen Sie in Hellviolett. Gelbrot habe ich nur gesagt, weil ich es unterscheiden wollte von Violettrot. Man hat diese zweierlei Rot: Zinnoberrot, damit meine ich das ganz helle leuchtende Rot im Gegensatz zu dem mehr Blauen des Karminrot.
Die Farbe der Borte? Es ist am besten, Sie wählen die Borte, die die Gegenfarbe darstellt, wie Sie es jetzt auch haben. Und die Länge des Mantels: Bis etwas über das Knie. Das Chorhemd geht bis an die Knie. Unter diesem Mantel tragen Sie die Alba. Das Chorhemd tragen Sie nur, wenn Sie fungieren. Talar, Chorhemd, Stola. Dann tragen Sie das Barett. Das Barett ist eigentlich das äußerliche Zeichen der priesterlichen Würde. Das Barett tragen Sie nicht als ein Kultgewand, sondern als ein äußerliches Abzeichen. Das Barett ist eigentlich ein Amtsabzeichen, nicht ein priesterliches Abzeichen. Sie brauchen es während des Kultes nicht zu tragen. Im Alten Testament mußte man es tragen, weil man da bedeckt sein mußte. Aber Sie tragen es, wenn Sie in der Kirche herumgehen bis zum Altar und legen es ab, wenn Sie zum Altar kommen. Es ist eigentlich dasjenige, was Ihnen, wie der Athene der Helm, nach außen hin die Würde dokumentiert. — Bei der Predigt? Ja, man trägt es bei der Predigt. Man predigt auch damit. Predigen tut man mit dem Barett. Wären wir dazu gekommen, daß Einzelne von Ihnen Predigten gehalten hätten, dann hätten Sie es gebraucht. Bei Beerdigungen trägt man das Barett, ebenso bei der Taufe, nur legt man es bei der Zeremonie ab. Man geht zur Zeremonie mit Barett und geht von der Zeremonie weg mit Barett.
[Zum dritten Fragenabschnitt:] Über das Öl werde ich morgen reden; über Wein und Brot habe ich gesprochen, über Salz auch. Auch über Merkur und so weiter habe ich schon gesprochen. — Asche? Nun, da ist die Sache so, daß die wirkliche Asche auf dem Wege ist zu ihrer Zerkleinerung in atomistische Gestalt. Wenn Sie bei der Verbrennung irgendeines Stoffes Asche erzeugen (die Zeichnung hat sich nicht erhalten), so ist diese Asche auf dem Wege der Materie, sich vorzubereiten, wiederum für den Geist empfänglich zu werden. Das heißt, die Asche, genügend weit getrieben in ihrem Veraschungsprozeß, wird fähig, aufzunehmen ein Abbild des Universums und eine Art Zelle zu bilden. [Lücke in den Aufzeichnungen des Stenographen.] Es ist so, daß die Asche das ist, was im Punkte der Regeneration des Kosmos dient.
[Zu der Frage: Welche Stoffe und Gegenstände werden geweiht vor kultischem Gebrauch, bei welcher Gelegenheit und durch welche Worte?] - Das sagte ich schon. Geweiht sollte eigentlich alles werden. Aber wir brauchen eben doch nichts anderes, als die Weihe als eine völlig freie zu lassen, wie ich es auch getan habe, also in ähnlicher Weise wie bei den Meßgewändern. Also in dieser Weise soll alles geweiht sein.
Zwischenfrage: Wasser und Wein?
Rudolf Steiner: Nein, das nicht, aber alles, was als Hilfsgegenstände kultisch gebraucht wird. Emil Bock: Wie ist es mit Wasser, Salz und Asche beim Taufritual?
Rudolf Steiner: Das ist bei der Taufe. Es ist notwendig, daß Sie in die Taufe die ganze Veränderung hereinnehmen, die in der Erdenentwickelung durch das Mysterium von Golgatha vorgegangen ist, darauf kommt es in dieser Sache an.
Emil Bock: Daß zuerst auf den Christus hingewiesen wird durch das Wasser, dann erst auf den Weltengrund durch das Salz?
Rudolf Steiner: Durch das Wasser ist hingewiesen auf den Vatergott. Es ist derselbe Vorgang, der durch eine wirklich tiefsinnige Tatsache sich vollzogen hat, indem der weibliche Mond und die männliche Sonne übergegangen sind in der neueren Zeit in die weibliche Sonne und den männlichen Mond. So haben Sie einen Übergang, eine Metamorphose, die liegt darin.
Emil Bock: Einmal muß man beim Salz an den Vatergott denken, hier aber beim Wasser. Wasser - Gebärungskraft, Salz — Erhaltungskraft, Asche Erneuerungskraft. Sie haben das Wasser auf den Vater bezogen, das Salz auf den Christus, die Asche auf den Geist.
Rudolf Steiner: Da liegt ein wenig eine Schwierigkeit vor, weil man das, was da ist, in der Zeit nicht richtig ausdrücken kann. Wenn ich schildere: Physischer Leib, Ätherleib, Astralleib, Empfindungsseele, Verstandesseele, Bewußtseinsseele, Geistselbst, Lebensgeist, Geistesmensch, so reihe ich das auch so aneinander; es schaut so aus, als ob ich es hintereinanderreihe.
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Das stimmt aber nicht. Ich müßte hier zwei Strömungen ineinandergehen lassen (es wird an die Tafel gezeichnet), wenn ich es richtig zeichnen will. Ich müßte es so machen: Physischer Leib, Ätherleib, Astralleib; Empfindungsseele, Verstandesseele, Bewußtseinsseele; und jetzt müßte ich gar nicht mehr in einer Ebene damit das Geistselbst zeichnen, sondern in einer anderen Richtung, hier umbiegen und das dreimal in eine andere Richtung hinein zeichnen. Ich müßte das so machen:
Tafel 4
So ist es auch in der Formel [des Taufrituals]. Nehmen Sie dieselbe Reihenfolge: Wasser — Vater, Salz — Christus, Asche — Geist; da kriegen Sie nicht die reale Tatsache, die Sie haben wollen. Sie müssen [denken], Sie leben in der Gemeinschaft des Christus durch des Wassers Gebärungskraft, durch des Salzes Erhaltungsmacht, durch der Asche Erneuerungskraft. Jetzt biegen Sie den ganzen Gedanken um, Sie kommen von einer ganz anderen Seite her: In des Vaters Weltensubstanz, in des Christus’ Wortesstrom, in des Geistes Lichtesglanz. - Es geht nicht, daß Sie das geradewegs aufeinander beziehen, es steht schief zueinander.
[Zu der letzten Frage des dritten Abschnittes:] Weihwasser und Weihrauch beim Grabe? -— Weihrauch ist nur da, um die Leitung nach oben zu übernehmen. Es wird geräuchert. Sie verfolgen von dem physischen Leib den Weg der Seele, bis die Seele oben ist. Sie verfolgen ihn im Wege des Weihrauchs. Sie gehen von dem, was noch unten ist, zu dem, was oben ist. Und im Weihwasser haben wir wieder die Regeneration.
[Zu der 4. Frage:] Verwendung einer Monstranz. — Haben Sie wirklich das Bedürfnis nach diesen Geräten? Dies waren eigentlich ursprünglich Geräte, die fest blieben, die also einfach zur Architektur des Altars gehörten und darstellen die Sonne mit dem Monde, und die dann umgeformt wurden in ein Behältnis, das bei feierlichen Messen verwendet wurde, um die Messe einzuleiten und zu schließen, und das bei den Katholiken auf Prozessionen getragen wurde.
Emil Bock: Ich glaube, daß wir das Bedürfnis nicht haben, aber wir haben uns erinnert, daß Sie gesagt haben, dieses Symbolum sollten wir zuerst anstreben.
Rudolf Steiner: Ich habe für die Predigt gesagt, daß Sie dieses Symbolum als Richtsymbolum haben sollen: Sonne und Mond, weil Sie dadurch den Willen haben, den physischen Kosmos mit dem geistigen Kosmos in einem Punkte zu verbinden. Es kann ja auch in Ihrem Kultus, wenn Sie den Kultus ausführen, als ein festes Symbolum angebracht werden, entweder architektonisch oder gemalt: die Monstranz als die Verbindung der Sonne mit dem Monde. Sie haben dasselbe Symbolum zum Beispiel auch unter den «Siegeln und Säulen», und Sie werden es auch wiederum in der Apokalypse finden: das Weib, das auf dem Monde ist, die Sonne vor dem Sternbilde der Jungfrau, was hindeutet auf den Hochsommer, wo es gegen die Weihnachtszeit zuerst zugeht. Hier haben Sie auch die Sonne, unter ihr den Mond. Das ist dasselbe wie die Monstranz. So habe ich gemeint, Sie müssen auf dieses Symbolum hinarbeiten. Sie finden überall die Möglichkeit, dieses Symbolum zu gebrauchen, in der Rede und in der Darstellung. Aber ich glaube, das ist einer der Punkte, wo im Gebrauch dieses Symbolums ... [Lücke in den Aufzeichnungen des Stenographen]. Die katholische Kirche gibt heute diesen ganzen Zusammenhang nicht zu und gebraucht die Monstranz wie ein Götzenbild, das angebetet wird, das seinen Mittelpunkt da hat, wo die geweihte Hostie getragen wird. Ich glaube nicht, daß Sie ein Bedürfnis danach haben. Sonst kommt das zustande, weshalb ich sagte, Sie brauchen nicht gar zu stark zu katholisieren. Aber das Symbolum ist etwas, worauf Sie ein besonderes Augenmerk verwenden sollen. [Die nächste Frage im vierten Abschnitt:] Ist Verwendung von Holzkelchen möglich? — Natürlich können Sie Holzkelche verwenden.
Emil Bock: Wo soll die Beichte stattfinden?
Rudolf Steiner: Sie kann überall stattfinden. Es ist sehr schwer, diese halbe Kultushandlung ohne Stola vorzunehmen, und die Stola können Sie nicht ohne etwas anderes als wenigstens ein Chorhemd tragen. Sie können zunächst zu den Leuten sprechen, das ist eine Beratung, aber dann, damit die priesterliche Würde gewahrt wird, legen Sie Chorhemd und Stola an, bevor Sie die Sache zusammenfassen in die Sätze, in denen sie gipfeln soll. So soll es sein, Sie können es aber vorerst vereinfachen. Sie können das so machen, daß Sie die Beratung ohne die Stola machen und dann die Stola anziehen, indem Sie das gipfeln lassen in einer Kultushandlung. Das macht einen sehr feierlichen Eindruck.
[Die nächsten Fragen:] Warum Berührung der linken Backe bei der Gemeindekommunion? — Es ist dies eine besondere Form des Handauflegens. - Und: Warum Zeichen auf Stirn, Kinn und Brust des Säuglings? — Das ist die Aufnahme in die drei Gewalten der Trinität. Das ist vielleicht überhaupt noch zu sagen, daß Sie die Gemeinde gewöhnen müssen, daß, während Sie dieses Zeichen machen [Kreuzeszeichen], die Gemeinde die drei Kreuze macht an Stirn, Kinn und Brust. Die [Zeichen] machen Sie dem Täufling zuerst bei der Taufe.
Emil Bock: Warum diese drei Körperstellen?
Rudolf Steiner: Diese drei Körperstellen drücken aus — natürlich, auch hier haben wir es wiederum zu tun mit einer Verschiebung -, daß wir, wenn wir das Dreieck auf die Stirn machen, es zu tun haben mit dem Kopfsystem des Menschen, mit der Vergangenheit, wenn wir das Viereck machen auf das Kinn, es zu tun haben mit der Zukunft, weil das hier eigentlich repräsentiert das Stoffwechselsystem, und unter diesem liegend haben wir es zu tun mit dem Brustsystem, mit der Gegenwart. Allerdings in der Wirklichkeit verschieben sich diese Dinge, sie sind nicht so [schematisch] angeordnet. Aber eine Dreiheit ist es überall. Sie finden dies sogar bei Abbildungen in der katholischen Kirche. Sie finden dort häufig abgebildet oben den Vater, darunter die Taube, und unten den Kruzifixus, was nicht bedeutet, daß das eine systematische Reihenfolge ist. Sobald man an ein Geistiges herankommt, ist man nicht imstande, die räumliche oder zeitliche Systematik immer festzuhalten. Ich glaube, ich habe Ihnen einmal klar gemacht, daß fim Geistigen] die Zahlen überhaupt nicht unseren Zahlen entsprechen. Man macht da merkwürdige Erfahrungen, zum Beispiel daß zweimal zwei nicht vier ist in der spirituellen Welt.
Die nächste Frage: Ist Räucherung möglich durch Schalen statt des üblichen Rauchfasses? — Sie können natürlich mit allem, was Sie handhaben können, räuchern. Diese Form des Rauchfasses ist die bequemste zum Handhaben. Hat man sich einmal die Technik angeeignet, hat man es ungemein leicht; man kann es so leicht dirigieren. Sie können mit allem räuchern, womit Sie räuchern können, ohne sich zu verbrennen; denn mit dem Rauchfaß verbrennt man sich nicht, es ist sehr bequem. Sobald man erwas Übung hat, ist es ausgezeichnet. Für die Form des Rauchfasses habe ich niemals irgendwo eine Vorschrift gefunden. Die Vorschrift besteht in dem Räuchern, nicht in dem Rauchfaß. Nur das ist Vorschrift, daß Sie räuchern.
Ein Teilnehmer: Kann man die Räucherschale auf den Altar stellen?
Rudolf Steiner: Sie müssen schon selbst räuchern, es muß Ihre Tat sein. Aber die Form des Rauchfasses, darüber gibt es keine Vorschrift.
[Zu der Frage:] Die rechte und linke Seite des Altars in ihrem Wechsel während der Weihehandlung. — Das ist so: Gehen Sie aus von der Evangelieniesung an der rechten Seite des Altars, [das heiflt von den Gläubigen aus gesehen links], so verkünden Sie - in der Auffassung, daß die Verkündigung über Kreuz geht - dahin, wohin das Auge schaut; rechts aktiv, links passiv. Die übrigen Dinge richten sich danach, ob man mehr zum Gemüt spricht, dann spricht man links, oder zum Verstande, dann spricht man rechts. Die Wandlung ist an der rechten Seite des Altares, das heißt links von den Gläubigen [aus gesehen].
Emil Bock: Die Wandlung ist an das Denken gerichtet?
Rudolf Steiner: Die Wandlung ist an das Gemüt gerichtet. Das Meßbuch liegt an der rechten Seite. Die Wandlung selbst geschieht in der Mitte. Das Buch liegt, wo das Evangelienbuch liegt. Aber um sie zu verstehen, dazu gehört die höchste Klarheit. Die Handlung ist schon an das Gemüt gerichtet. Sie müssen auch da die Sache so betrachten, daß Sie unterscheiden müssen, ob bei einer Handlung mehr der Gläubige in Betracht kommt wie bei der Evangelienlesung, oder der Priester, der ja immer nach der anderen Seite sieht. Was für den Gläubigen rechts und links ist, ist es ja nicht für den Priester. Das Licht kommt aus dem Osten. Also handelt es sich darum, daß dem entweder die Urauffassung zugrundeliegt, daß man den Altar selbst nach Osten legt, oder die neuere Auffassung, daß man den Kirchenchor im Osten hat. Das Richtige ist, den Altar nach Osten zu orientieren, daß der Altar der Osten der Kirche ist und daß der Gläubige nach Osten schaut. Schon in der allerersten Zeit des Christentums war der Altar im wesentlichen immer errichtet über dem Grabe irgendeines Begründers einer Gemeinde oder eines Märtyrers, so daß eigentlich in der christlichen Kirche nie ein anderer Altar war als ein solcher, der gedacht war als ein Grabstein. Man liest die Messe über dem Grabe einer verehrten Person. Der Altar hat auch die Form eines Grabsteines, ist also fest gedacht.
Emil Bock: Für uns ist nichts dagegen einzuwenden, daß wir einen beweg lichen Tisch haben?
Rudolf Steiner: Sie werden so lange einen beweglichen Altar haben, solange Sie nicht die Hauptmesse in einem eigens dazu errichteten Gebäude haben. Sie haben ja in großen Kirchen viele Altäre, die sind nach allen möglichen Richtungen [gerichtet]. Ob Sie einen Altar in den Raum stellen oder viele, das ist einerlei.
[Zu der fünften Frage:] Welches ist die genauere Verteilung der Perikopen für die Evangelienlesung durch den Jahreslauf? — Ste tun gut, die Evangelien im Jahr so zu lesen, daß Sie sie auf [das Kirchenjahr] verteilen. Die Briefe, die Apostelgeschichte und die Apokalypse lassen Sie für diejenigen Teile des Jahres, die durch die Evangelien nicht erschöpft werden. Sie können nichts aus dem Evangelium verlegen auf die Zeit des Juli oder August. Da paßt nichts aus den Evangelien.
Ein Teilnehmer: Da wird die Epistel gelesen anstelle des Evangeliums?
[Es wird eine weitere Frage gestellt, wobei vom Stenographen nur notiert wurde:] wegen des Namens?
Rudolf Steiner: Das Evangelium ist das ganze Neue Testament. Ich habe [den Ausdruck] auch so gebraucht. Bis zum Ende der Apokalypse nenne ich es das «Evangelium». Die Evangelien gehen bis Pfingsten. Nicht wahr, wenn sie weitergehen, dann bedeuten sie nichts, was auf den Tag fällt. Eine einheitliche Perikopenordnung würde ich für unrichtig halten. Die katholische Kirche hat das getan, weil sie eine hierarchische Gewalt haben wollte. Sie werden das gar nicht nötig haben. Paulusbriefe und Apokalypse werden außerhalb des Kirchenjahres gebraucht. Dann werden Sie einige Anhaltspunkte finden bei den Festen, die ich in meinem Kalender festgehalten habe. Da habe ich Feste festgehalten, die als christliche Feste, nicht als römisch-katholische anzusehen sind. Da werden Sie einiger Anhaltspunkte gewahr. Sonst müßte man erst die Sache sorgfältig studieren. Die katholische Kirche hat ja alles einfach verteilt. Sie sollten sich nicht daran halten, sondern Sie sollten da mit der Lehrfreiheit beginnen.
[Zu Ihren Fragen:] Pflicht der Gemeindemitglieder zu kommunizieren? — Ich würde es nicht für richtig halten, eine Pflicht einzuführen, aber ich würde es für das Richtige halten, daß Sie so wirken, daß keiner das Kommunizieren unterläßt. - Möglichkeit des Ausschlusses von Gemeindegliedern von der Kommunion? Was soll das für einen Zweck haben?
Emil Bock: Wir haben nur diese Dinge durchdenken wollen. Es haben einige überlegt, daß man einmal einen Menschen aufgenommen hat in die Gemeinde, den man zu einem anderen Zeitpunkte nicht als Mitglied aufgenommen hätte. - Wenn der nun zur Kommunion kommen will, kann man den immer zulassen?
Rudolf Steiner: Es ist ja vorauszusetzen, daß Sie in den Fällen, die eben nicht, ich möchte sagen selbstverständliche Fälle sind, doch immer die Gelegenheit haben, mit diesen Menschen irgendwelche Beratung zu haben. Das wird sich von selbst ergeben, und dann werden Sie ihn in der richtigen Weise vorzubereiten haben. Wenn Sie einen Mörder haben, der am nächsten Tage hingerichtet werden soll, so werden Sie ihm deshalb die Kommunion nicht verweigern. Das ist so ziemlich der radikalste Fall. Das kann nicht gut zu den Disziplinarverfahren gehören, die Kommunion zu verweigern. Es wird Ihnen überhaupt sehr schwierig sein, irgendeine Jurisdiktion über die Gemeinde zu haben - die hatte die Kirche niemals, immer hat sich die politische Gemeinde dazu hergegeben -, die werden Sie niemals haben. Niemals hat die Kirche einen Ketzer verbrannt; sie hat nur gesagt, daß er ein Ketzer ist und des Todes würdig. Durch die Kirche selbst wurden nie Ketzer verbrannt.
Ein Teilnehmer fragt nach der Kirchenzucht. Wenn ein Gemeindemitglied ein unmoralisches Leben fortsetzt und zum Abendmahl gehen will, hat man gewiß das Recht, ihn auszuschließen?
Rudolf Steiner: Das würde sich meiner Ansicht nach nur so machen lassen, daß Sie ihn verpflichten, wenn er das Abendmahl haben will, Beratung von Ihnen anzunehmen, nicht in Gemeinschaft mit den übrigen Gläubigen. So daß Sie auf diese Weise Disziplinargewalt ausüben, die mehr darauf abzielt, daß er nicht den Zusammenhalt mit der Gemeinde verliert, daß er zum Beispiel nur an einer bestimmten Stelle sitzen darf, abgesondert von den übrigen, wenn die Messe gelesen wird. Nicht wahr, wenn er es sich gefallen läßt, wird es schon wirken. Die andern treten ja aus, die es sich nicht gefallen lassen wollen. Das ist eine andere Art Strafe. Für diejenigen, die sich das nicht gefallen lassen, wirkt auch die Verweigerung der Kommunion nicht.
[Ihre nächste Frage:] Ist es ratsam, den Gemeindegliedern die Ritualtexte zugänglich zu machen? Das Credo? - Das Credo muß man selbstverständlich allen Gemeindemitgliedern zugänglich machen, das übrige sollen sie nur hören.
Ein Teilnehmer: Kann man in Gemeindeversammlungen den Text verlesen?
Rudolf Steiner: Das braucht man nicht auszuschließen, jedoch sollte man den Sinn dafür rege machen, daß ein Kultustext zum Hören ist und nicht zum Lesen. Ich gab den Freunden, die es haben wollten, Gebete für kleine Kinder. Bei diesen Gebeten gab ich die Anweisung, daß die Kinder sie nicht auswendig lernen oder lesen sollten; sie werden vor den Kindern gesprochen. Auf dem Wege des Anhörens sollen sie es aufnehmen, nicht auf dem Wege des Lernens, weil: soviel es auf diesem Wege gelernt wird, soviel ist es unwirksam. Es muß ein Prozeß sein, der nur durch das Anhören wirkt. So sollte auch der Kultustext gesehen und gehört werden. Sie können ihn natürlich erklären, aber man muß das Verständnis dafür erwecken, daß der Kultustext gehört werden soll, so daß der Kultustext gar keine Bedeutung hat, wenn er nicht gehört wird. Wenn ihn einer liest, so ist es gar kein Kultustext, er muß ihn von einem anderen hören. Wenn er ihn liest, würde es nur dann ein Kultustext sein, wenn er ihn zu gleicher Zeit hören würde aus der übersinnlichen Welt; dann würde es für ihn ein Kultustext. Aber wenn einer als auf dem physischen Plan lebend den Text liest, dann ist es kein Kultustext.
Ein Teilnehmer: Wenn ein Gemeindemitglied verlangt, es möchte den Text haben?
Rudolf Steiner: Das kann nur dann eine Bedeutung haben, wenn Sie es für gut halten für seine Seelenentwickelung. Dann wird es nicht als Kultustext verwendet, sondern als Meditation.