Health and Illness, Volume II
GA 348 — 10 January 1923, Dornach
Dreizehnter Vortrag
Sehen Sie, solch eine Frage, wie Sie sie das letzte Mal gestellt haben, ist natürlich so, daß man sehr viel braucht, wenn man sie gründlich beantworten will - wir haben ja schon das letzte Mal viel zusammengetragen —, denn man muß eigentlich dann schon alles dasjenige, was sich auf die Fortpflanzung der lebenden Wesen bezieht und was damit zusammenhängt, gründlich verstehen. Ich will die heutige Stunde dazu verwenden, um von einer ganz anderen Seite her ein bißchen über diese Frage noch zu sprechen.
Ein Eigentümliches kann einem heute gleich auffallen, wenn man solche Bemerkungen liest wie diejenige, die neulich einmal ein Amerikaner gemacht hat. Ein Amerikaner hat nämlich bemerkt, rein durch die Statistik — die Statistik ist ja heute das Lieblingskind, und sie wird in Amerika immer mehr betrieben —, daß diejenigen Menschen, welche am leichtesten Verstand erwerben, immer in den Wintermonaten geboren sind. Statistisch muß man natürlich die Sache nicht so nehmen, als wenn nun derjenige, der in den Sommermonaten geboren ist, sehr dumm sein müßte, sondern die Statistik bezieht sich immer nur auf die Mehrheit. Aber jedenfalls hat dieser Amerikaner die Bemerkung gemacht, daß nach der Statistik von dem Monat Dezember an bis in den März hinein die gescheitesten Leute geboren werden, also diejenigen Leute, die nachher gescheit werden.
Jedenfalls ist damit auf etwas hingewiesen, was man beim Menschen schwer studieren kann, weil beim Menschen alles mögliche dazwischenkommt, was aber zeigt, daß die Lebewesen überhaupt - und der Mensch ist ja zunächst ein Lebewesen - in einer gewissen Beziehung abhängen vom Jahreslauf, von dem sie beeinflußt werden.
Nun, solche Dinge, wie die Mitteilung dieses Amerikaners, überraschen heute die Leute nur deshalb, weil eben die Leute viel zu wenig von den wirklichen Naturvorgängen wissen. Ich möchte sagen, es könnte vielleicht solch einem Amerikaner, der diese Bemerkung macht, so ähnlich ergehen, wie es einmal einem Professor ergangen ist, der die Gehirne gemessen hat. Diesem Professor ist es so ergangen, daß er also die Gehirne gemessen und eine Statistik aufgestellt hat, und er hat überall gefunden, daß die Gehirne der Frauen kleiner sind als die Gehirne der Männer. Er hat daraus geschlossen, daß also, weil nach seiner Ansicht ein kleineres Gehirn weniger Verstand hat, alle Frauen weniger Verstand haben als die Männer. Nun war das ein berühmter Mann. Berühmt ist er dadurch geworden, daß er gefunden hat, die Gehirne der Frauen sind kleiner als die der Männer. Nun, bei berühmten Männern macht man das manchmal, daß man sie aus dem Grunde, weil sie berühmt sind, seziert, gerade ihr Gehirn seziert. Und so ist auch das Gehirn dieses Mannes studiert worden. Und siehe da, es hat sich viel kleiner gefunden als alle die Frauengehirne, die er untersucht hat!
Nun, so könnte unter Umständen, wenn er sich dann nicht geniert, solch eine Sache bekanntzugeben, sich herausstellen, daß der Amerikaner selbst im Sommer geboren ist. Wenn er im Sommer geboren wäre, dann müßte man sagen: er ist ja nicht besonders gescheit nach seiner eigenen Theorie, also kann seine Theorie nicht besonders wertvoll sein. Aber sehen Sie, hinter all diesen Sachen steckt doch etwas. Und dieses Etwas, wenn man es richtig überschaut, führt einen manchmal zu den allerwichtigsten Sachen.
Da will ich Ihnen heute etwas erzählen, was noch durchaus dazugehört zu der Frage von Herrn R. Sehen Sie, die Verhältnisse, die in bezug auf die Fortpflanzung bestehen, kann man eigentlich nur bei Tieren und Pflanzen studieren, denn beim Menschen hängen sie noch von so vielen anderen Faktoren ab, daß man sie nicht ordentlich studieren kann. Wenn Sie nur das nehmen, was ich Ihnen vorgestern gesagt habe, daß die Menschen, sowohl die Frauen wie die Männer, ihren Samen oder die Eizelle beeinflussen durch das Trinken, so werden Sie sehen, daß davon so viel abhängt, daß man nicht richtig die Fortpflanzung studieren kann. Nun, Tiere haben sehr selten die Eigenschaft, daß sie sich betrinken. Also da bleiben die Verhältnisse viel reiner, da kann man viel reiner die Sache studieren. Und die wichtigsten Sachen liegen eigentlich so, daß man die Tiere durchaus nicht zu sezieren braucht, wenn man das studieren will. Denn durch das Sezieren kommt man eigentlich auf das allerwenigste drauf. Ich will Ihnen zunächst etwas sagen, was auf keinem Sezieren beruht, sondern auf sicheren Ergebnissen von Männern, die nicht nach den Theorien gearbeitet haben, sondern nach ihren praktischen Erfahrungen, und das, was ich Ihnen vortrage, bezieht sich auf namentlich in Kanada vorkommende Biber.

Die Bibertiere, die man ja bei uns eigentlich nur kennenlernt in Menagerien oder ausgestopft in Kabinetten, diese Bibertiere sind eigentlich ziemlich plump. Nicht wahr, so ein Biber schaut eigentlich so aus, daß er nach vorne ziemlich plump einen Kopf hat, der Körper ist auch ziemlich plump, die vordern Beine nach hinten ziemlich dick (Zeichnung), die Hinterbeine dann sind mit Schwimmhäuten versehen, so daß er schwimmen kann. Das Merkwürdigste, was er hat, das ist ein geradezu wie ein Instrument aussehender Schwanz da hinten, der ziemlich flach ist, und der also sehr künstlich ausgearbeitet ist. Das ist eigentlich sein künstlichstes Werkzeug, was er da hinten hat. Und die Leute, die sich mit dem Biber beschäftigt haben, wissen zunächst nicht, wozu der Biber just diesen Schwanz braucht. Daher haben sie allerlei Sachen ausgedacht, die aber nicht wahr sind.
Dieser Biber ist ein sehr merkwürdiges Tier. Man möchte sagen, wenn man diesen Biber so kennenlernt im Leben — das zeigt sich ja auch, wenn wir ihn in unseren Menagerien haben -, so ist er eigentlich ein außerordentlich phlegmatisches Tier. Er ist wirklich so phlegmatisch, daß man nichts Rechtes mit ihm anfangen kann. Sie können einen solchen Biber attackieren, angreifen, er verteidigt sich nicht. Er selber greift nie an, was man auch tut. Er ist ein ganz phlegmatisches Wesen.
Nun, diese Biber leben namentlich in solchen Gegenden, in denen entweder große Sümpfe sind oder nicht allzulange Flüsse, kurze Flüsse. Da leben sie, und sie leben auf eine sehr merkwürdige Weise. Die Biber leben so: Wenn der Frühling kommt, dann sucht der Biber sich irgendwo einen Ort aus in der Nähe eines Sees oder eines Flusses, am Ufer, gräbt sich eine Erdhöhle aus und wohnt den ganzen Sommer als ein richtiger Einsiedler allein in dieser Erdhöhle, so daß also dieser Biber den ganzen Sommer, ich möchte sagen, in dieser seiner einsiedlerischen Sommerwohnung wie ein phlegmatischer Mönch sitzt, um da in seiner Sommervilla den Sommer zu verbringen. Es ist eine Höhle, die er sich in die Erde hineingräbt. Aber das tut er in vollständiger Einsiedelei.
Wenn nun der Winter kommt — schon wenn der Herbst kommt -, aber wenn der Winter kommt, kommen diese Biber aus ihrer Erdhöhle heraus, versammeln sich in einer Anzahl von zwei- bis dreihundert, sie kommen in ihrer ganzen «Phlegmatischheit» zusammen, sind dann eine Gemeinde von zwei- bis dreihundert. Sie können sich denken, daß in einer solchen Gemeinde auch diejenigen sind, die zusammengehören. Nicht wahr, eine solche Biberfrau, die hat sich ihre Einsiedlerwohnung so gemacht, daß sie auch Kinder hat kriegen können; in der Nähe ist der Mann, der sich seine Höhle selber macht. Und sie kommen mit ihren ganzen Familien da zusammen.
Jetzt gehen sie zuerst in aller Phlegmatischheit und suchen sich einen Ort auf. Dem einen Trupp paßt es besser — bei dem phlegmatischen Temperament dieser Biber kann man das manchmal schwer unterscheiden -, sich einen See auszusuchen; dem andern Trupp paßt es besser, sich einen kurzen Fluß auszusuchen, den sie verfolgen bis zu einer Stelle, die ihnen besonders für ihre Zwecke geeignet erscheint. Und nachdem sie da untersucht haben, gehen sie im ganzen Trupp wiederum darauf los. In der Nähe des Sees oder des Flusses sind dann meist Bäume. Und nun ist es sehr merkwürdig: dieser plumpe Biber, der wird nun außerordentlich geschickt. Er benützt nämlich die Vorderfüße — nicht die Hinterfüße, die haben Schwimmhäute zwischen den Zehen, mit denen kann er schwimmen -, er benutzt die Vorderfüße, aber wirklich viel geschickter, als der Mensch irgendwelche Instrumente benutzt. Und dazu nimmt er seine spitzen Schneidezähne. Und mit den Zähnen, unterstützt von den Vorderfüßen, beißt er Zweige und sogar ganze Stämme von den Bäumen. Dann, wenn ein Trupp genügend Zweige und Baumstämme hat, dann schleppen diese Biber alles entweder in den See, den sie sich ausgewählt haben, oder in den Fluß hinein.
Diejenigen nun, welche ihre Baumstämme in den See hineingeschmissen haben, die schieben die Baumstämme bis zu der Stelle, die sie ausgewählt haben. Diejenigen, die ihre Baumstämme in den Fluß hineingeworfen haben, die wissen auch ganz gut, der Fluß trägt sie von selber, und sie steuern die Baumstämme nur, damit sie nicht auf die Seite gehen. Und so wird überall, entweder bis zum Seeufer oder der Stelle des Flusses, die sie ausgewählt haben, auf diese Weise die ganze Menge von Baumstämmen weiterbefördert.

Wenn sie dort angekommen sind, fangen diejenigen, die einen See sich ausgesucht haben - sie haben die Baumstämme bis zum Ufer hinauf befördert —, gleich an, Hütten zu bauen. Aber die anderen, die sich einen Fluß ausgesucht haben, die fangen gar nicht an, gleich Hütten zu bauen, sondern die bauen zuerst ein Netzwerk auf. Da werden einige Baumstämme so gelegt (siehe Zeichnung), die andern so gelegt; aber das geht dann hinten durch, daß sie ein richtiges Netzwerk bilden. Also sie verschlingen sie so ineinander, bilden ein Netzwerk. Wenn sie eine solche Wand aufgebaut haben, machen sie eine zweite daran. Sie holen immer neue Baumstämme, alle miteinander eben, und machen eine zweite Wand daran. Und so machen sie eine Wand, die manchmal zwei Meter, manchmal noch dicker ist. Und dann, sehen Sie, wenn der Fluß so fließt, halten sie den Fluß da auf; er muß dann da drüber fließen, und sie haben da unten einen freien Raum. Und im Flusse drinnen, da bauen sie sich dann erst, wenn sie dieses Wehr aufgebaut haben, diese Wand, da bauen sie sich erst die Hütte an, so daß der Fluß über die Hütte drüber fließt.
Wenn sie genügend Baumstämme zusammengetragen haben und ihnen ihre Wand dick genug zu sein scheint, dann schleppen sie anderes Material herein, gewöhnliche Tonmassen aus der Erde, und da machen sie eine Art Lehm daraus, und mit dem verkitten sie hinten und vorne und nach der Seite hier, und nach der Seite hier diese Wand; sie bauen als richtige Baukünstler zuerst eine Wand auf. Aber diejenigen, die sich den See ausersehen haben, brauchen das nicht und unterlassen das.

Wenn nun diese Wand aufgerichtet ist — bei denen, die sich den See ausgesucht haben, geschieht es gleich -, fangen sie an, aus demselben Material kleine Häuser zu bauen. Die schauen ja nun allerdings so aus wie Tonfässer, aber es sind richtige kleine Häuser. Diese bauen sie sich so auf, daß sie Flechtwerk machen. Die sind nun wiederum so verkittet, daß auch das wenige Wasser, das da hereinkommt, ihnen nichts anhaben kann. Nun, eine solche Biberhütte — denken Sie nur, wie gescheit das ist! -, die wird niemals an einen Ort des Flusses gebaut, wo noch das Wasser gefriert. Sie wissen, das Wasser gefriert immer nur oben; wenn man tief genug hineinkommt, ist weder beim stehenden noch beim fließenden Wasser das Wasser gefroren, nur oben. Und just da legen sich diese Biber ihre Wohnung an, wo das Wasser nicht gefriert im ganzen Winter.
Jede solche Hütte hat zwei Stockwerke; da ist ein Boden eingebaut (siehe Zeichnung), da unten ist der Eingang. Da können sie laufen, und da oben halten sie sich auf, und da unten haben sie ihre Wintervorräte drinnen. Dasjenige, was sie brauchen, um es als Wintervorräte zu verzehren, schleppen sie sich herein. Und wenn die ganze Sache so weit ist, daß sie ihre Wintervorräte hereingebracht haben, dann bezieht eine Biberfamilie diese Hütte, bleibt aber immer in der Nähe von den andern.
Da oben wohnt nun, bis es wieder Frühling wird und sie ihre einsamen Wohnungen beziehen, die Biberfamilie. Die Eßvorräte werden vom unteren Stockwerk geholt. Und auf diese Weise bringt sich die Biberfamilie fort. Wie gesagt, wenn der Sommer kommt, suchen sie sich ihre einsamen Höhlen. Im Winter sind sie aber beieinander. Da führen sie ihr soziales Leben in Biberdörfern auf dem Grund von Seen oder auf dem Grund von Flüssen, bei einem solchen Wehr, das sie sich zuerst selber außerordentlich kunstvoll angelegt haben.
Nun sehen Sie, meine Herren, nach allem, was man wissen kann, auch von den Bibern, die zu uns gebracht worden sind in Menagerien, macht der Biber die Arbeit lediglich mit den Zähnen und Vorderfüßen, niemals mit dem Schwanz. Den benützt er gar nicht dazu. Trotzdem ist er außerordentlich kunstvoll ausgebildet. Sie werden in vielen Beschreibungen finden, daß der Biber mit dem Schwanz die Sachen bearbeite; aber das ist eben immer eine Täuschung gewesen, das ist immer nicht wahr. So daß also der Biber die Vorderfüße und die Zähne besonders fein ausgebildet hat und sie auch viel gescheiter gebrauchen kann, als irgendein Mensch Instrumente gebrauchen kann.
Nun, Sie wissen ja, meine Herren, die Naturgeschichte unterscheidet die verschiedensten Tierklassen, und unter den Säugetieren Raubtiere, Fledermäuse, Wiederkäuer und so weiter. Unter den Säugetieren sind auch die sogenannten Nagetiere. Zu den Nagetieren gehört zum Beispiel unser Kaninchen. Eigentlich gehört nach seinem ganzen Aufbau, so wie er ist, auch der Biber zu den Nagetieren.
Nun werden Sie in jeder Naturgeschichte, zum Beispiel auch in Brehms Naturgeschichte, beschrieben finden, daß die Nagetiere die dümmsten Säugetiere sind, so daß also der Biber als einzelnes Tier zu den dümmsten Säugetieren gerechnet wird. Eigentlich kann man sagen, er zeigt auch, vor allen Dingen, wenn er als einzelnes Tier sich betätigt, daß er ein furchtbar phlegmatischer Bursche ist. Sein Phlegma, sein phlegmatisches Temperament ist eben so groß, daß er ebenso gescheit sein kann, wie überhaupt phlegmatische Menschen einen gescheiten Eindruck machen: sie gehen an allem vorbei. Also der Biber ist schon furchtbar dumm. Aber er macht das alles, was außerordentlich gescheit ist! So daß man sagen kann: Es ist bei den Bibern wirklich nicht so, wie zum Beispiel der Rosegger einmal gesagt hat. Rosegger hat das nicht vom Biber, sondern vom Menschen gesagt:
Oaner isa Mensch,
mehrer seins Leut
und viel seins scha Vieher!
Er meint, wenn viele beisammen sind in einer Versammlung, dann werden sie schon dumm. Das sagt der österreichische Dichter Rosegger. Es ist schon etwas sehr Wahres daran: Wenn viele beisammen sind, so verwirren sie sich, machen durchaus einen dummen Eindruck, und es sind doch einzelne sehr gescheite Leute darunter!
Bei den Bibern, könnte man sagen, ist das Gegenteil der Fall: Oaner is dumm, und mehrer seins a bissel gscheiter. Und wenn zwei- oder dreihundert beisammen sind, wenn sie sich im Herbst zusammensammeln, da werden sie ganz gescheit, da werden sie zu wirklichen Architekten. Wenn auch wir Menschen nicht gerade geneigt sind, eine besondere Schönheit zu empfinden bei dem Biberbau, dann ist das eben unser menschlicher Geschmack. Die Biberwohnung sieht aber wirklich so nett aus, wie der Biber selber außerordentlich plump ist.
Nun kann man viel nachstudieren, warum die Biber, wenn sie beieinander sind, so besonders gescheit sind. Und eine wichtige Spur ergibt sich doch daraus: Wenn der Herbst kommt, fangen diese Biber an, diese ganze Geschichte zu machen. Aber bei Tag sieht man eigentlich nicht viel von dieser Tätigkeit. Der Aufbau eines solchen Wehres und des Biberdorfes — denn es ist wirklich ein ganzes Dorf, das sie da anlegen geschieht sehr schnell, der ist manchmal in wenigen Tagen fertig. Man sieht sie, wenn man sie bei Tag anschaut, außerordentlich wenig arbeiten. Sie arbeiten also fieberhaft während der Nacht. Also bestätigt ist die Gescheitheit des Bibers erstens durch den Winter, und zweitens durch die Nacht. So daß also da tatsächlich Spuren liegen, wie man eigentlich die ganze Geschichte studieren soll.
Aber wissen Sie, beim menschlichen Studieren ist der allererste Grundsatz der, daß man eigentlich nicht viel nachdenken soll. Es wird Ihnen sonderbar vorkommen, aber Sie werden gleich verstehen, was ich meine. Durch das Nachdenken nämlich wird der Mensch nicht besonders gescheit. Wenn er so brütet über etwas, was er beobachtet hat, da kommt in der Regel nicht viel Gescheites heraus. Also wenn man die Dinge der Welt erkennen will, so soll man eigentlich auf das Nachdenken nicht allzuviel geben. Das Nachdenken ist gar nicht das besonders Wichtige. Man soll denken dann, wenn einen die Tatsachen auffordern, aber man soll ja nicht sein Hauptaugenmerk darauf verwenden, wenn man irgend etwas beobachtet hat, nachher darüber zu brüten, um herauszubekommen, wie sich die Geschichte eigentlich verhält, sondern man soll andere Tatsachen anschauen und soll sie damit vergleichen, soll einen Zusammenhang suchen. Je mehr Zusammenhang man in verschiedene Tatsachen hineinbringt, desto mehr lernt man über die Natur zum Beispiel erkennen. Also diejenigen Leute, die über die Natur nachgebrütet haben, die haben eigentlich im Grunde genommen gar nicht irgend etwas Erhebliches herausgekriegt, als was sie schon gewußt haben.
Wenn einer Materialist wird, so redet er über die Natur materialistisch, weil er es eigentlich schon vorher ist. Er kriegt nichts Neues heraus. Wenn einer über die Natur idealistisch redet, so tut er es deshalb, weil er schon vorher Idealist ist. Immer kann man eigentlich nachweisen, daß die Menschen durch Nachdenken nur dasjenige finden irgendwo, wozu sie schon vorher gekommen sind. Richtiges Denken kommt nur heraus, wenn man sich einfach von den Tatsachen dazu führen läßt.
Nun will ich Ihnen eine andere Gruppe von Tatsachen zu dieser Bibergeschichte vorführen, die Sie gleich auf die richtigen Spuren bringen wird, nicht durch Nachdenken, sondern einfach durch Vergleichen der Tatsachen. Sehen Sie, ich habe ja schon das letzte Mal, vorgestern, auf die Wespen hingewiesen, habe Ihnen eine Beobachtung, die Darwin an den Wespen gemacht hat, vorgeführt, und möchte Sie heute noch einmal darauf hinweisen.
Die Wespen machen sich ja sehr kunstvolle Nester. Und diese Nester, die sie sich machen, die sind zwar entfernt ähnlich den Bienenwaben, aber erstens bestehen ihre Wände nicht aus Bienenwachs, sondern aus richtigem Papier, und zweitens ist die Geschichte doch anders bei den Bienen. Es gibt zum Beispiel Wespennester, da wird zuerst der Erdboden aufgegraben; dann wird so etwas gemacht, was wie etwas Beutelförmiges ist. Und das wird auch so ähnlich wie die Biberwohnung gemacht, aus allerlei, aber viel kleineren, dünneren Stämmchen und so weiter zusammengesetzt, oder aus dem, was sie da finden, aus Holz, das sie verarbeiten, das sie in der richtigen Weise so verarbeiten, daß sie da zunächst eine Umhüllung kriegen, eine beutelförmige Umhüllung, die aber dick ist. Und da hinein erst bauen sie ihre kleinen Wespennester. Da werden ihre Etagen aufgebaut. Die Waben sind sechseckig, wie die Bienenwaben, haben ihre Papierumhüllung. Solche Etagen sind da. Es sind manchmal viele Etagen übereinander.
Nun, sehen Sie, da drinnen wird alles aus Papier aufgebaut. Diese Umhüllung, dieser Beutel, der ist nicht aus Papier, sondern aus Stoffen: allerlei, was sie finden, dünnere Stämmchen oder feines Holz, das sie sich auch wieder erst spalten, ist solch ein Netzwerk. Das verkitten sie dann. Das ist das, was so herum ist; in der Erdhöhle drinnen oder auch an der Luft irgendwo angebracht, wo sie es dann an etwas ankitten. Da drinnen sind die einzelnen Zellen, und jede dieser Zellen ist dazu bestimmt, daß ein Ei hineingelegt wird.
Nun ist die Geschichte so bei den Wespen. Die sind ja, wie Sie sich denken können, wirklich außerordentlich der Witterung ausgesetzt. Daher bleiben im Frühling von den Wespen, die im vorigen Jahre waren, ziemlich wenig übrig, und es hat auch nicht eine Bedeutung, wenn etwas anderes übrigbleibt, als von irgendeinem solchen Wespennest ein oder zwei Weibchen. Die suchen sich im Winter irgendeinen Schlupfwinkel auf, wo sie als Weibchen notdürftig leben können, und überwintern dort. Solch ein Weibchen, das kommt nun im Frühling aus seinem Versteck hervor und ist im Frühling gerade geeignet dazu, Eier zu legen. Das Wespenweibchen legt nun im Frühling Eier. Es ist merkwürdig: aus allen diesen Eiern schlüpfen nun ganz besondere Wespen im Frühling heraus. Diese Wespen, die da im Frühling herausschlüpfen, die machen sich, indem sie sehr rasch wachsen und eigentlich noch nicht solche Zellen haben — sie müssen aus den Eiern ohne Zellen herausschlüpfen -, sie machen sich jetzt gleich daran, solche Zellen aufzubauen, fangen an, in ganzen Trupps umherzufliegen und überall dasjenige zu suchen, wodurch eben ein solches Wespennest richtig aufgebaut werden kann. Und so geht eigentlich diese Arbeit den Sommer lang. Da bauen diese Wespen die Zellen auf.
Diese Wespen, die da aus den Eiern, die im Frühling provisorisch gelegt werden, herauskommen, die haben eine ganz bestimmte Eigenschaft: die sind nämlich alle geschlechtslos, die können sich nicht fortpflanzen. Bei diesen Wespen gibt es keine Fortpflanzung; die haben gar keine Geschlechtsorgane — die sind so verkümmert, daß gar nicht gedacht werden kann, daß sie sich fortpflanzen. Also das erste, was die Wespe im Frühling macht, ist, daß sie sich ein Heer von Arbeitern erzeugt, die geschlechtslos sind und die furchtbar schuften; den ganzen Sommer lang schuften sie.
Ich habe schon Naturforscher gekannt, die haben das als ein Ideal betrachtet, daß man auch an den Menschen so etwas machen soll, daß man eigentlich auch unter Menschen Geschlechtslose hervorbringen könnte, die keine Familien gründen und die nur schuften würden, daß die Fortpflanzung nur so einigen übertragen würde, wie es bei den Wespen zum Beispiel ist.
Nun also, das ist so der Fall: den ganzen Sommer wird geschuftet von geschlechtslosen Wespen. Und wenn der Sommer zu Ende ist, dann fängt das Weibchen an, nun Eier zu legen, aus denen Männchen und Weibchen wiederum kommen. Es ist in der Regel sogar das gleiche Weibchen, das früher die geschlechtslosen Eier gelegt hat. Es legt jetzt Eier, aus denen im Herbst Männchen und Weibchen kommen.
Die Männchen, die entwickeln sich so, daß sie eigentlich ziemlich verkümmerte Wesen sind. Die geschlechtslosen Wespen sind dagegen ziemlich robuste Arbeiter. Aber die Männchen, die kommen so verkümmert heraus, haben nichts Rechtes an sich, haben eigentlich gerade noch Zeit, daß sie befruchten, haben eigentlich sonst gar nichts zu tun. Eine Zeitlang nähren sie sich, dann befruchten sie, und dann sterben sie ab. Also die Männchen spielen bei diesen Wespen schon eine klägliche Rolle, werden schnell geboren gegen den Herbst zu, dürfen einiges fressen, und nachher dürfen sie befruchten, und nachher gehen sie durch ihre eigene Lebensart zugrunde und sterben ab. Das ist das letzte, was sie tun.
Und bei manchen Wespen, wo die Männchen ein bißchen ein zäheres Leben haben, bei denen geht es ganz kurios zu. Da kommt es sogar vor, daß eine ähnliche Sitte herrscht wie bei gewissen Spinnen, aber das ist nur eine Ausnahme. Bei gewissen Spinnen aber ist etwas der Fall, was sogar sehr merkwürdig ist. Sehen Sie, bei diesen Spinnen ist das Männchen vom Weibchen nur so angesehen, daß es eigentlich nur zur Befruchtung da ist. Und da dürfen sich die Männchen auch erst dann, wenn sie zur Befruchtung reif sind, dem Weibchen nähern. Vorher lassen die Weibchen überhaupt diese Männchen nicht an sich herankommen, erst wenn sie reif sind zur Befruchtung. Und dann ist es manchmal bei den Spinnen so — wie gesagt, das ist nicht bei den Wespen, aber bei den Spinnen; aber als Ausnahme kommt es manchmal bei den Wespen vor —, bei den Spinnen also - es sind ja auch niedere Tiere, wir können also schon darauf aufmerksam machen -, da ist es manchmal ganz merkwürdig: Wenn das Weibchen gewahr wird, da kommt so ein gieriges Männchen, dann setzt es sich an einen Ort, wo das Männchen irgendwie schwer hinkommt, aber noch schwerer zurückkommt. Und nun wartet es, läßt die Befruchtung geschehen, und dann darf das Männchen so ein bißchen weiter gehen. Und findet es dabei ein Hindernis, flugs ist das Weibchen hinterdrein und beißt das Männchen tot. Da besorgt also das Weibchen selber dieses Geschäft, daß das Spinnenmännchen getötet wird. Bei manchen Spinnen ist es so. Denken Sie sich, wenn nun das Männchen seine Tätigkeit getan hat, dann muß es totgebissen werden, dann hat es keinen Zweck mehr.
Bei den Wespen ist es in der Regel so, daß die Männchen von selber sterben, weil sie sich so anstrengen bei ihrer Tätigkeit, daß sie keine Kraft mehr haben; sie gehen zugrunde. In derselben Zeit sterben auch die geschlechtslosen Wespen. Nachdem sie den ganzen Sommer geschuftet haben, sterben alle im Herbst. Da sterben die Geschlechtslosen und sterben die Männchen, und die Weibchen bleiben übrig. Nun gehen viele von ihnen durch die Winterkälte zugrunde, und es bleiben nur einzelne von ihnen übrig, die sichere Schlupfwinkel gefunden haben; die bleiben bis zum Frühling, legen Eier, und die Sache geht wieder los. Also die Sache ist so, daß im Sommer und gegen den Sommer zu nur Geschlechtslose geboren werden, und daß erst im Herbst, gegen den Winter, die geschlechtsfähigen Wespen geboren werden können.
Nun, sehen Sie, das sind Tatsachen, die beobachtet werden müssen. Es ist sehr wichtig, daß man das mit anderen Tatsachen zusammenbringt, denn das zeigt uns, wie gerade das Geschlechtsleben der Tiere mit der Jahreszeit zusammenhängt; furchtbar stark hängt gerade das Geschlechtsleben der Tiere mit der Jahreszeit zusammen.
Nehmen wir an, es ist Sommer. Da ist die Erde außerordentlich stark der Wirkung der Sonne ausgesetzt. Die Sonne schickt ihr Licht und ihre Wärme auf die Erde herunter. Und wenn man sich direkt dem Sonnenlicht aussetzt, dann schwitzt man eben einfach, dann merkt man das allein an der Art und Weise, wie man sich befindet. Aber weder der Biber noch die Wespe, das Wespenweibchen, setzen sich direkt dem Sonnenlicht aus; sie sind ja immer in irgendwelchen Höhlungen drinnen. Also sie genießen das Sonnenlicht und die Sonnenwärme erst so, wie sie ihnen die Erde dann gibt, wenn sie in den Löchern drinnen sind. Davon bekommen sie dann ganz bestimmte Eigenschaften für den Winter. Denken Sie einmal, die Wespen bekommen für den Winter die Eigenschaften, daß sie dann Anlage haben, geschlechtsfähige Wespen zu erzeugen.
Aber was bedeutet denn das, meine Herren? Das Wespenweibchen ist den ganzen Sommer der Sonnenwärme und dem Sonnenlicht ausgesetzt und erzeugt geschlechtslose Wespen. Sie können sich also sagen: dann wirkt die Sonne so, daß sie eigentlich das Geschlechtliche im Grunde genommen zerstört. Da ist ja ganz offenkundig an dieser Tatsache: die Sonne mit ihrer Wärme und mit ihrem Licht, die von der Erde zurückgestrahlt werden, die wirken so, daß sie das Geschlechtliche zerstören, und deshalb erzeugen die Wespen, wenn der Frühling kommt und die Sonnenwärme und das Sonnenlicht über sie kommen, geschlechtslose Wespen. Nur erst wiederum, wenn der Winter kommt, wenn also Sonnenwärme und Sonnenlicht nicht mehr dieselbe Kraft haben, dann kommt den Wespen die Kraft, Geschlechtstiere zu erzeugen, Fortpflanzungsorgane bei ihren Nachkommen zu erzeugen. Also da sieht man ja ganz klar, der Jahreslauf hat einen bestimmten Einfluß.
Und wenn wir jetzt von der Wespe zum Biber gehen, dann müssen wir uns sagen: Donnerwetter, dieser Biber ist ein furchtbar dummes, phlegmatisches Tier! Dumm und phlegmatisch ist er im höchsten Grade. Schön; aber wo hält er sich denn im ganzen Sommer auf? Er hält sich einsam in einer Erdhöhle auf, läßt den ganzen Sommer das, was an Sonnenlicht und Sonnenwärme zu dieser Erdhöhle kommt, in seinen Körper hineindringen, so daß er tatsächlich den ganzen Sommer Sonnenlicht und Sonnenwärme aufsaugt. Und ist er im Herbst mit diesem Aufsaugen fertig, dann fängt er an, seinesgleichen zu suchen und mit denen gescheit zu werden. Er wendet eine Gescheitheit an, die er als einzelnes Tier gar nicht hat. Nun werden die Biber auf einmal gescheit, sammeln sich zusammen. Sie könnten natürlich nicht als einzelne diese ganzen Biberdörfer bauen. Die erste Tat schon, wo sie sich den Platz aussuchen, ist gescheit.
Ja, daran sehen Sie doch ganz anschaulich, was ich Ihnen vorgestern gesagt habe: Gescheitheit, wenn sie in einem Wesen ist, muß geradeso erst zusammengesammelt werden wie das Wasser, wenn man es in Kannen sammelt. Was tut denn der Biber, während er als einzelnes Tier in seiner Sommervilla ist, als solcher Einsiedler? Der Biber sammelt sich Sonnenlicht und Sonnenwärme - so sagen wir, weil wir nur Sonnenlicht und Sonnenwärme wahrnehmen. In Wahrheit sammelt er sich da seinen Verstand zusammen. Mit Sonnenlicht und Sonnenwärme kommt aus der Welt der Verstand auf die Erde herein. Und der Biber sammelt ihn sich; nun hat er ihn eben und baut dann. Also am Biber können wir das, was ich Ihnen neulich wie ein Bild nur hingestellt habe, in der Wirklichkeit sehen.
Jetzt wird uns auch etwas erklärlich, nämlich der Biberschwanz. Vergleichen Sie das, was ich Ihnen vom Hundeschwanz gesagt habe, daß der eigentlich das Organ der Freude, also das seelische Organ beim Hunde ist. Daher wedelt er, wenn er Freude an einem hat. Ja, beim Biber ist es so: In diesem Schwanz da drinnen, den er nicht als Werkzeug gebraucht, sondern der sehr kunstvoll ausgebildet ist, da hat er den zusammengesammelten Verstand drinnen. Mit dem dirigiert er sich. Das heißt, er wird eigentlich durch Sonnenwärme und Sonnenlicht dirigiert. Die stecken da drinnen und sind Verstand geworden. Das ist eigentlich das gemeinschaftliche Gehirn, das diese Biberkolonie hat.
Alle diese Schwänze sind also dasjenige, durch was Sonnenlicht und Sonnenwärme gescheit wirkt. Er gebraucht das also nicht als physisches Instrument. Als physisches Instrument nimmt er die Vorderfüße und die Zähne. Aber das ist dasjenige, was wirkt, geradeso wirkt, wie wenn Sie irgendeinen Trupp haben, und da hinten treibt einer den gesamten Gruppenverband an. Der treibt die andern. So ist es die Sonne, welche durch die Biberschwänze im Winter noch nachwirkt und die Biberdörfer baut. Es ist der Verstand, der mit dem Licht und mit der Wärme von der Sonne auf die Erde kommt und da baut.
Natürlich wirkt dasjenige, was da als Seele und Geist des Weltenalls herunterkommt, auf alle übrigen Tiere, wirkt also auch auf die Wespen. Nun, was bewirkt es bei den Wespen? Bei den Wespen bewirkt es, daß, wenn nun das Wespenweibchen der Sonne ausgesetzt ist — das heißt also, der Erdenwirkung der Sonne, denn es genießt das gerade in einer Höhle drinnen -, dann in der Nachkommenschaft die Kraft zerstört wird, die selber wieder Nachkommenschaft hervorbringen kann. Die Wespe erzeugt geschlechtslose Tiere, muß sie erzeugen unter dem Einfluß der Sonne. Und nur, wenn sie nicht so stark der Sonnenwärme ausgesetzt ist, im Herbst, und dennoch so lebendig ist, nicht erstarrt, wie im Winter, dann bildet sich in ihr die Kraft aus, Geschlechtstiere hervorzubringen.
Daraus sehen wir doch wiederum handgreiflich: Das, was also von der Erde kommt, das erzeugt die Geschlechtskräfte; dasjenige, was vom Weltenall kommt, das erzeugt den Verstand und tötet die Geschlechtskräfte ab. Und so wird ein Gleichgewicht hervorgerufen. Wenn die Wespe mehr der Erde ausgesetzt ist, dann entwickelt sie die Geschlechtskräfte. Wenn die Wespe mehr dem Himmel ausgesetzt ist - wenn ich jetzt diesen Ausdruck gebrauchen darf —, dann entwickelt sie nicht die Geschlechtskräfte, sondern erzeugt geschlechtslose Tiere. Und die geschlechtslosen Tiere haben jetzt die Gescheitheit in sich, das ganze Wespennest aufzubauen. Wer baut also das Wespennest? Die Sonne baut es durch die geschlechtslosen Tiere!
Das ist etwas sehr Wichtiges, meine Herren: In Wahrheit baut auf der Erde sowohl das Wespennest, als auch den ganzen Biberbau eigentlich die Gescheitheit, die der Erde von der Sonne zufließt. Das kann man handgreiflich sehen, wenn man die Tatsachen zusammenbringt. Deshalb sagte ich Ihnen: Alles Nachdenken, das der Mensch, wenn er irgend etwas beobachtet, nachher tut, das hilft einem nichts. Nur wenn man die Tatsachen miteinander vergleicht und zusammenhält, dann bekommt man eine Ansicht, die dann überhaupt Hand und Fuß hat.
Daher hat so vieles nicht Hand und Fuß, weil die Leute einfach nur die einzelnen Tatsachen betrachten. Sie denken sich: Nun, wenn man die Biber betrachtet, dann betrachtet man eben den Biber, und nachher denkt man nach, wie es beim Biber ist. Was geht uns die Wespe an, wenn man den Biber betrachtet? — Aber nichts findet man daraus, wenn man nicht etwas betrachtet, was so weit weg ist wie die Wespe vom Biber; denn man sieht, daß die Wespennester von jener Gescheitheit aufgebaut werden, die mit der Sonne zu uns kommt. Man kann das beim Biber noch bemerken, wenn er gezähmt ist — das heißt, man braucht ihn nicht zu zähmen, weil er phlegmatisch ist —, aber wenn er in Käfigen ist: Wenn die Sonne irgendwie nicht mehr so stark wirkt, die Erde auf ihn wirkt, dann fängt er seine Wintertätigkeit an. Da zerbeißt er die Drähte von den Käfigen. Er hat das, wie man sagt, als einen Instinkt in sich. «Instinkt» kann jeder sagen; das ist ein Wort. Solche Worte sind Säcke, in die man alles dasjenige hereinfügt, worüber man nichts weiß. Will man irgend etwas erklären wie den Instinkt, dann kommt man eben dazu, daß man sagen muß: Nun ja, da ist die Sonne. Das ist so, meine Herren! So daß man wirklich schon auf diese Weise durch die reinen Tatsachen dazu kommt, anzuerkennen, wie die ganze Weltumgebung der Erde auf die Lebewesen wirkt.
Und jetzt werden Sie sich nicht mehr verwundern, daß so ein Amerikaner darauf kommt, zu sagen: Ja, beim Menschen kommt es so, daß in den Monaten vom Dezember bis zum März diejenigen geboren werden, die am leichtesten zum Verstande kommen. — Das ist beim Menschen schon sehr kompliziert geworden. Beim Menschen ist es so, daß bei ihm alles darauf veranlagt ist, daß er unabhängig wird von dem, wovon die Tiere noch abhängig sind. Und daher müssen Sie sich folgendes denken: Diejenigen Menschen, die vom Dezember bis zum März hin geboren werden, die sind aus einer Befruchtung entstanden zwischen dem März und dem Mai. Das geht also in den Frühling zurück. Diese Menschen werden also empfangen, gehen zurück auf eine Befruchtung, die neun Monate zurückliegt, die also in den März bis Mai fällt, also gerade in den kommenden Sommer hinein. Nach all dem, was ich Ihnen heute erklärt habe, wirkt da die Sonne immer stärker. Was tut sie also? Sie tut das, daß sie im Menschen die Geschlechtskräfte ein wenig untergräbt — nicht ganz, der Mensch ist unabhängiger als die Tiere —, und aus diesen untergrabenen Geschlechtskräften werden Verstandeskräfte. Daher hat es ein solcher Mensch damit leichter. Und diejenigen, die im Sommer geboren sind, müssen sich dann natürlich ihre Gescheitheit etwas mehr erwerben. Das kann natürlich geschehen. Aber es ist so, daß der Mensch durchaus verschieden veranlagt ist; diejenigen, die im Frühling erzeugt und im Winter geboren sind, haben leichtere Anlage für die Verstandeskräfte als diejenigen, die zu anderen Zeiten geboren sind.
Das alles muß man wissen, um durch die Erziehung die Sache wiederum auszugleichen. Beim Menschen kann es ausgeglichen werden. Die Wespen können Sie nicht dazu erziehen, daß sie im Winter geschlechtslose Tiere erzeugen und Wespennester bauen. Die Biber können Sie nicht dazu erziehen, daß sie ihre Dörfer im Sommer anlegen. Aber den Menschen können Sie dazu erziehen, daß er — wie man so sagt — die Natur bis zu einem gewissen Grade überwindet. Und daraus sehen Sie schon, daß das Überwinden beim Menschen doch anders ist als bei den Tieren. Bei den Tieren ist das Seelisch-Geistige ganz abhängig von der Weltentwickelung. Es hängt einfach von der Sonne ab, daß Wespennester, Biberdörfer gebaut werden.
Und beim Biber sehen Sie noch etwas anderes. Im Herbst kommen ja diese Bibereinsiedler, die den ganzen Sommer einsiedlerisch leben, zu Zwei- bis Dreihunderten zusammen und können nur da jetzt den von der Sonne gegebenen Verstand anwenden; sie können ihn durch Gruppen anwenden, nicht einzeln. Sie könnten das ja gar nicht zusammenbringen als einzelne; das muß die Arbeit der Gruppe sein.
Beim Menschen ist es tatsächlich so, daß er viel als einzelner zusammenbringen kann, was bei den Tieren nur Gruppen zusammenbringen. Deshalb sagen wir in der Anthroposophie: Bei den Tieren gibt es seelisches Leben nur in Gruppen — Gruppenseelen, und der Mensch hat seine einzelne Seele. Und dies ist nun sehr interessant.

Ich habe Ihnen zum Beispiel einmal gesagt, wie ein Oberschenkel beim Menschen aussieht. Während er beim Biber wirklich noch nicht so ist, sieht ein Oberschenkel beim Menschen wie ein außerordentlich feines, schönes Kunstwerk aus. Da sind Balken (siehe Zeichnung); die sind ganz kunstgemäß gebaut. Und der ganze Mensch ist eigentlich so aufgebaut, daß man, wenn man ihn richtig betrachtet, sagt: der baut alles in sich selber hinein, was der Biber nach außen baut.
Von der Natur baut er alles in sich selber hinein, was der Biber nach außen baut. So daß man darauf kommt, die Frage aufzuwerfen: Woher stammt denn eigentlich dasjenige, was im Menschen so geistreich, so kunstvoll aufgebaut ist in seinem Innern? Nun, wenn der Biberbau von der ganzen Sonne und ihrer Umgebung abstammt, so stammt eben der Menschenbau auch von der Sonne ab. Wir sind eben nicht Erdenwesen, wir sind Sonnenwesen, und sind nur auf die Erde hereingestellt. Wozu? Nun, das können Sie sehen, wenn Sie diese Sache betrachten. Von der Erde haben die Wespen die Kraft, Geschlechtstiere hervorzubringen. Der Mensch muß auf der Erde sein, gerade um seine Fortpflanzungskraft zu haben. Dagegen hat er das andere, was mehr verstandesmäßig ist, von der Weltenumgebung. Und da können wir sehr gut sehen: Der Mensch hat von der Weltenumgebung seinen Verstand, und er hat die Fortpflanzungskräfte von der Erde. Da könnte man noch weiter ausführen, wie nun der Mond mit der Erde zusammenhängt. Dazu ist aber heute keine Zeit, darauf können wir dann ein anderes Mal eingehen. Aber Sie sehen, so kommt man durch die Tatsachen, wenn man sie richtig betrachtet, darauf, zu sehen, wie wirklich die Welt eine Einheit ist, und wie man abhängig ist auch von der Erdenumgebung, die dann nicht bloß leuchtende und wärmende Sonne ist, sondern gescheite Sonne, verständige Sonne. Und das ist eben außerordentlich wichtig, weil Sie dann auch einzelne Fragen, die auf diese Weise gestellt werden, besser beantworten können. Sie sehen, daß die Fortpflanzungskraft, wie ich Ihnen das letzte Mal gesagt habe, mit dem Saufen zusammenhängt. Ja, warum hängt sie denn so zusammen, daß eigentlich ein wenig Saufen nicht viel ausmacht, dagegen erst viel Saufen etwas ausmacht? Nun, das können Sie aus folgendem entnehmen.
Was ist denn eigentlich der Alkohol? Sie können es am Wein sehen, was der Alkohol ist, denn der Wein, den sich ja allerdings nur die reichen Leute gut verschaffen können, ist ja doch noch immer dasjenige, was am meisten schädlich ist; Bier wirkt weniger schädlich auf die Fortpflanzungsorgane als der Wein. Bier wirkt mehr auf die anderen Organe, Herz, Nieren und so weiter, aber auf die Fortpflanzungsorgane wirkt der Alkohol, der im Wein drinnen ist, natürlich auch der Alkohol im Schnaps, da sogar ganz besonders.
Nun, meine Herren, wodurch entsteht denn der Stoff, der im Wein und im Schnaps drinnen ist? Der entsteht ja gerade erst recht durch den Einfluß der Sonnenkräfte! Den ganzen Sommer hindurch braucht der Stoff Zeit zum Heranreifen. Und jetzt können Sie sehen, warum er den Fortpflanzungsorganen schädlich wird. Sehen Sie, die Sache ist diese, daß eigentlich die Fortpflanzungsorgane, wenn man säuft, dem ausgesetzt sind, was ihnen im Grunde genommen von außen zugeführt wird auf dem Weg der Nahrungsmittel, und was aufgenommen werden soll lediglich auf dem Wege der Sonne selber, der Sonnenbescheinung. Da rächt es sich. Der Mensch säuft das, was die Sonne außer ihm macht. Das wird dadurch zum Gift; während er, wenn er es richtig aufnimmt, zunächst, wie ich gesagt habe, sein kleines Quantum Alkohol, das er braucht, selber erzeugt, aber die Sonnenwärme in der richtigen Weise aufnimmt. Der Mensch nimmt also geradezu einen Feind auf, weil das, was in den Menschen richtig hineinkommt, zum Gift wird, wenn es von außen kommt. Ich habe es Ihnen am Phosphor gezeigt. Und so wirkt im Alkohol, was in ihm von der Sonne erzeugt ist — denn die Sonne reift den Alkohol aus. Wenn die Sonne zu uns kommt, da ist es gerade umgekehrt: da müssen wir äußerlich Licht und Wärme aufnehmen. Und wenn wir innerlich den Alkohol aufnehmen, ist es so, daß wir uns innerlich heizen. Dieselbe Kraft, die, wenn wir sie äußerlich anwenden, unser Freund ist, wird, wenn wir sie innerlich anwenden, im Alkohol unser Feind.
So ist es auch in der Natur. In der Natur gibt es Kräfte, die, wenn sie von der einen Seite her wirken, wohltätig wirken; wirken sie aber von der anderen Seite her, so wirken sie als Gift. So daß wir eigentlich nur zum Begreifen kommen, wenn wir das in der richtigen Weise einsehen.
Das wollte ich Ihnen noch sagen, damit Sie gerade diejenigen Dinge noch besser verstehen, die mit der Frage des Herrn Erbsmehl zusammenhängen. Verarbeiten Sie das jetzt einmal. Wenn Sie am nächsten Samstag weiter fragen wollen, hoffe ich, da zu sein.