Health and Illness, Volume II

GA 348 — 13 January 1923, Dornach

Vierzehnter Vortrag

Fragen: 1. Es wird gefragt, wie das wirke, wenn ein Mensch Pflanzennahrung oder Fleischnahrung zu sich nimmt, und wenn er Nikotin genießt.

  1. In bezug auf Befruchtung: Woher es komme, daß Frauen Söhne bekommen, wenn von den Vorfahren niemand Söhne bekommen habe, und wie es zu erklären sei, daß jemand zweimal hintereinander Zwillinge bekommen habe. Ferner welchen Einfluß zum Beispiel Absinth, Schnaps auf den Samen habe.
  1. In bezug auf das Alter von Wespen und Bienen; es bestehe ein Unterschied.

Dr. Steiner: Diese Sachen, die ich besprochen habe, gelten natürlich nur, wenn ich von Bienen gesprochen habe, für die Bienen, nicht für die Wespen. Bei den Bienen ist es etwas anders als bei den Wespen. Das gilt für die Bienen, nicht für die Wespen.

Nun wollen wir einmal versuchen, auf diese Fragen einzugehen. Die erste Anregung war diese, etwas zu sprechen über den Einfluß des Nikotins, also des Giftes, das durch das Rauchen, den Tabak überhaupt, in den menschlichen Körper eingeführt wird. Sehen Sie, da muß man erstens sich klar sein darüber, worin sich die Wirkung dieses Nikotins zeigt. Die Wirkung des Nikotins zeigt sich vor allen Dingen in der Herztätigkeit, so daß durch das Nikotin eine größere, eine stärkere Herztätigkeit hervorgerufen wird. Das heißt aber, da das Herz nicht selber eine Pumpe ist, sondern nur anzeigt, was im Körper vorgeht - das Herz schlägt schneller, wenn das Blut schneller zirkuliert —, daß das Nikotin eigentlich auf die Blutzirkulation wirkt und die Blutzirkulation lebhafter macht. Man muß sich also darüber klar sein, daß durch die Einführung von Nikotin in den menschlichen Körper die Blutzirkulation zu einer lebhafteren gemacht wird. Dadurch wird eine stärkere Herztätigkeit hervorgerufen.

Nun muß man diese ganzen Vorgänge im menschlichen Organismus verfolgen. Sie müssen durchaus sich darüber klar sein, daß alles das, was im menschlichen Organismus vor sich geht, eigentlich streng geregelt ist. Man kann sich zum Beispiel nichts Wichtigeres vorstellen für den menschlichen Organismus, als daß man, wenn man an den Puls greift, bei einem ziemlich erwachsenen Menschen, auch später noch im menschlichen Alter, in der Minute durchschnittlich etwa so um 72 Pulsschläge herausbekommt.

Dagegen hat der Mensch - ich habe Ihnen das schon einmal gesagt — etwa 18 Atemzüge. Das ist also in der Minute der Fall. Wenn Sie 18 mit 4 multiplizieren, bekommen Sie 72. Das heißt, im Durchschnitt geht der Blutstoß viermal so schnell durch den Körper als der Atmungsstoß. Natürlich ist das nur eine Durchschnittszahl, denn für jeden Menschen ist das verschieden. Und darauf beruht gerade der Unterschied der Menschen untereinander, daß sie dieses Verhältnis verschieden haben. Aber im Durchschnitt ist es wie 1 zu 4, also viermal so starke Blutzirkulation wie Atmungsrhythmus.

Wenn ich nun Nikotin in den menschlichen Organismus hineinbringe, so kann ich es aus zwei Gründen hineinbringen: Erstens aus der Leidenschaft für den Tabak; zweitens aber kann ich es auch hineinbringen als Heilmittel. Alles dasjenige, was auf der einen Seite Gift ist, ist nämlich auf der anderen Seite ein Heilmittel. Alles, könnte man sagen, ist Gift und Heilmittel. Denn natürlich, wenn Sie zum Beispiel ein paar Eimer Wasser auf einmal austrinken, so ist es ein Gift, während es in der entsprechenden Menge ein Nahrungsmittel ist, und wenn man es gar in merkwürdig kleinen Mengen einführt, kann es sogar ein Heilmittel sein. Wasser ist überhaupt ein starkes Heilmittel durch allerlei Methoden, die man dabei anwendet. Also selbst von den gewöhnlichsten Stoffen kann man sagen: Dasjenige, was Gift ist, kann zugleich Heilmittel sein. Und deshalb muß man die Wirkung kennen, die ein solcher Stoff, eine solche Substanz auch auf den menschlichen Organismus hat.

Bringe ich also Tabak in den menschlichen Organismus, so regt er zunächst die Blutzirkulation an. Das Blut wird lebhafter, zirkuliert lebhafter. Jetzt regt er aber nicht in demselben Maße die Atmung an. Die Atmungsstöße, die bleiben dieselben. Aber nun paßt der Blutkreislauf nicht mehr mit der Atmung zusammen. Wenn der Mensch Nikotin in seinen Körper hineinbringt, müßte er eine andere Blutzirkulation haben als er hat.

Sagen wir also zum Beispiel, es wäre ein Mensch gerade auf den Durchschnitt abgestimmt — das gibt es zwar nicht, aber nehmen wir an, er wäre es: er sollte 18 Atemzüge und 72 Pulsschläge haben. Nun hat er dadurch, daß er Nikotin genießt, sagen wir, 76 Pulsschläge. Dadurch hat er kein richtiges Verhältnis zwischen den Pulsschlägen und den Atemzügen. Die Folge davon ist, daß, während sich mit jedem Pulsschlag eine bestimmte Menge Sauerstoff mit dem Blut verbinden sollte, das Blut nicht genügend Sauerstoff erhält. Die Folge der Nikotinvergiftung ist also, daß das Blut zu große Mengen Sauerstoff aufnehmen will, das heißt, daß das Blut zu viel Sauerstoff beansprucht. Die Atmung gibt nicht so viel Sauerstoff her. Daher kommt es, daß eine ganz geringe Atemnot eintritt. Natürlich ist die Atemnot so gering, daß sie im einzelnen nicht bemerkt wird, denn ich habe Ihnen schon gesagt, der menschliche Körper kann im ganzen viel aushalten. Aber dasjenige, was durch den Nikotingenuß hervorgerufen wird, das ist immer eine bestimmte, ganz kleine Atemnot. Diese ganz kleine Atemnot verursacht nämlich bei jedem Atemzug ein Angstgefühl. Jede Atemnot verursacht Angstgefühl. Wenn man nun Angst hat und man trägt diese Angst mit sich herum, dann beherrscht man sie eher, als diese furchtbar kleine Angst, die man da bekommt, die ganz unbewußt bleibt. Das sind ja gerade die Krankheitsursachen, daß so etwas wie Angst oder Furcht oder Schreck unbemerkt bleibt.

Nun bleibt bei dem, der fortwährend raucht, fortwährend die Ursache da, daß er immer, ohne daß er es merkt, ganz ausgefüllt ist von einer gewissen Angst. Nun wissen Sie aber, wenn Sie Angst kriegen, daß dann Ihr Herz pumpert. Nun, das wird Sie zu der Erkenntnis führen, daß bei einem, der sich durch Nikotin fortwährend vergiftet, das Herz eigentlich fortwährend etwas zu schnell geht. Aber wenn es etwas zu schnell geht, dann wird es auch verdickt, geradeso wie mein Bizeps, mein Oberarmmuskel dick wird, wenn ich ihn fortwährend anstrenge. Das ist unter Umständen nicht so schlimm, wenn es nicht zu einem Reißen der inneren Gewebe kommt. Aber wenn einmal der Herzmuskel — das ist auch ein Muskel — durch seine Tätigkeit zu dick wird, dann drückt er überall auf die anderen Organe. Und die Folge davon ist in der Regel, daß dann vom Herzen aus wiederum die Blutzirkulation gestört wird. Die Blutzirkulation kann nicht vom Herzen eingeleitet werden, aber gestört werden kann sie, wenn das Blut ein verdicktes Herz findet.

Wenn nun das Herz verdickt wird, dann ist die nächste Folge davon, daß nämlich die Nieren krank werden, weil durch das Zusammenstimmen wiederum von Herz- und Nierentätigkeit die ganze menschliche Leibesorganisation in Ordnung gehalten ist. Das Herz und die Nieren müssen immer zusammenstimmen. Es muß natürlich alles im Menschen zusammenstimmen, aber Herz und Niere sind in unmittelbarer Verbindung. Man merkt gleich, wenn im Herzen etwas nicht richtig ist, kommt die Niere auch nicht mehr in der richtigen Weise in Ordnung, und dann wird nicht mehr in der richtigen Weise abgesondert. Dann kommt Unrichtiges in die Urinabsonderung hinein, und die Folge davon ist, daß der Mensch ein viel zu schnelles Lebenstempo einschlägt und sich deshalb furchtbar rasch abnutzt. Und so wird derjenige, der eben für seine Leibesverhältnisse zu viel Nikotin in seinen Leib hineinkriegt, daran langsam zugrundegehen. Er geht eigentlich langsam zugrunde an allerlei inneren, das Herz beeinflussenden Angstzuständen.

Nun kann man ja eigentlich gerade Angstzustände in ihrer Wirkung auf die seelischen Tätigkeiten sehr leicht beurteilen. Man wird bei denjenigen Leuten, die zu viel Nikotin in ihren Körper hineinbringen, eben merken, daß allmählich auch ihre Gedankenkraft beeinträchtigt wird. Die Gedankenkraft wird dadurch beeinträchtigt, daß der Mensch, wenn er durch irgend etwas in Angst herumgeht, ja nicht mehr ordentlich denken kann. So daß also bei solchen Menschen gewöhnlich die Nikotinvergiftung auch dadurch erkannt werden kann, daß man findet, ihre Gedanken kommen nicht mehr ganz in Ordnung. Sie urteilen gewöhnlich viel zu rasch. Sie steigern dann dieses viel zu rasche Urteilen manchmal bis zu Verfolgungswahngedanken. So also kann man sagen, daß tatsächlich der Nikotingenuß, wenn er als Genuß figuriert, die menschliche Gesundheit untergräbt.

Aber, meine Herren, Sie müssen überall, bei allen diesen Sachen die andere Seite betrachten. Nicht wahr, daß die Menschen rauchen, das ist ja erst in der Entwickelung der Menschheit aufgekommen. Ursprünglich haben die Menschen nicht geraucht. Der Tabakgenuß ist etwas, was erst im Laufe der Zeit heraufgekommen ist. Nun, man muß die andere Seite betrachten.

Nehmen Sie an, das, was ich früher als ein Manko hingeschrieben habe, ist eingetreten beim Menschen. Er hat statt 72 Pulsschlägen nur 68. Nehmen Sie also an, der Mensch, der einen zu wenig lebhaften Blutkreislauf hat, fängt jetzt an zu rauchen. Ja, sehen Sie, da muß man zunächst sich klar darüber sein, daß da jetzt auch der Blutkreislauf angeregt wird — aber von 68 auf 72, auf das Richtige wird er angeregt, so daß dann Atmung und Blutkreislauf zusammenstimmen. Wenn also einer zu einem Arzt kommt und sich krank fühlt nach irgendeiner Richtung, und der Arzt bemerkt, die Krankheit kommt von einem zu schwachen Blutkreislauf, so kann er ihm sogar das Rauchen anraten.

Sehen Sie, ich habe Ihnen gesagt: Wenn der Blutkreislauf zu schnell ist im Verhältnis zum Atmen, hat man es mit furchtbaren Angstzuständen zu tun, die aber nicht bewußt werden. Wenn aber einer einen zu schwachen Blutkreislauf von irgend etwas anderem hat, dann drückt sich das dadurch aus, daß er herumgeht und irgend etwas will, aber er weiß nicht, was er will. Das ist geradeso eine charakteristische Krankheitserscheinung, daß es Menschen gibt, die herumgehen und etwas wollen, die aber nicht wissen, was sie wollen. Bedenken Sie doch nur, wie viele Menschen es gibt, die so herumgehen und nicht wissen, was sie wollen! Die sind dann, wie man sagt, unbefriedigt im Leben. Nicht wahr, es sind solche Leute, die in irgendeinen Beruf hineinkommen, aber er ist ihnen nicht recht und so weiter. Das rührt von einer zu schwachen Blutzirkulation her. Und wenn man also solch einen Menschen hat, dann kann man sagen: Es ist sogar gut, ihm etwas Nikotin beizubringen, ihn durch Nikotin zu heilen. Und da ihm das Rauchen angenehm ist, so braucht man ihm nicht Nikotin als Medizin zu geben, sondern man kann ihm sogar anraten, er solle rauchen, wenn er früher kein Raucher war.

Es ist tatsächlich so, daß in der neueren Zeit die Menschen immer zahlreicher geworden sind, die eigentlich nicht wissen, was sie wollen. Und das ist auch sehr leicht in der neueren Zeit, daß die Menschen nicht wissen, was sie wollen, denn die Mehrzahl der Menschen so seit drei, vier Jahrhunderten hat sich eigentlich abgewöhnt, irgendwie sich geistig mit etwas zu beschäftigen. Sie gehen in ihr Büro, beschäftigen sich mit dem, was sie eigentlich nicht gerne mögen, aber was ihnen Geld bringt, und sitzen ihre Bürostunden ab, sind meinetwillen auch ganz fleißig, aber sie haben gar kein richtiges Interesse außer demjenigen, daß sie ins Theater gehen, Zeitungen lesen. So weit ist es ja allmählich gekommen. Das Bücherlesen ist ja heute zum Beispiel schon eine Seltenheit.

Das alles kommt aber davon, weil die Leute eigentlich gar nicht wissen, was sie wollen. Es muß ihnen erst vorgeschrieben werden, was sie wollen. Und wenn man Zeitungen liest, ins Theater geht, so regt das zwar die Sinne und den Verstand an, aber nicht das Blut. Das ist eben gerade das: Wenn man sich hinsetzen muß und irgendwie ein schweres Buch liest, da wird das Blut angeregt. Sobald man sich anstrengen muß, um etwas zu verstehen, wird das Blut angeregt. Aber das wollen ja die Leute heute nicht mehr. Die wollen nicht sich anstrengen, um etwas zu verstehen. Das ist etwas, was den Leuten ganz zuwider ist. Sie wollen nichts verstehen! Und dadurch, wenn sie nichts verstehen wollen, wird ihr Blut dick gemacht, Das dicke Blut geht dann langsamer, und die Folge davon ist, daß sie fortwährend ein Mittel brauchen, um dieses tatsächlich immer dicker werdende Blut in Gang zu bringen. In Gang wird es gebracht, wenn sie den Glimmstengel, den Nikotinstengel in den Mund stecken; aber dünner wird es nicht, nur die Blutzirkulation wird immer schwerer. Und die Folge kann dann sein, daß sie in einem Alter, wo das noch nicht der Fall zu sein brauchte, allerlei Alterserscheinungen kriegen.

Man sieht daraus, wie der menschliche Körper außerordentlich fein in seiner Tätigkeit ist. Nicht nur, wenn man das Blut untersucht, bekommt man etwas heraus, sondern man bekommt auch etwas heraus, wenn man die Art und Weise, wie sich ein Mensch verhält, ob er langsam oder schnell denkt, untersucht.

Also Sie sehen, meine Herren: Derjenige, der etwas wissen will über die Wirkung des Nikotins, der muß eben den ganzen Blutkreislauf und die Atmung genau kennen.

Nun erinnern Sie sich, was ich Ihnen neulich ausführlich gesagt habe: Das Blut selber wird aber erzeugt in dem Knochenmark; da kommt es eigentlich heraus. Nun, wenn das Blut in dem Knochenmark erzeugt wird und man bringt das Blut in eine zu große Bewegung, dann muß das Knochenmark auch schneller arbeiten als es sollte. Die Folge davon ist, daß die Knochen nicht mehr nachkommen in ihrer Arbeit, und dann bilden sich innerhalb der Knochen diejenigen Tiere aus, diejenigen kleinen Tiere, die uns eigentlich im Leben auffressen. Es hat Ärzte gegeben, wie zum Beispiel Metschnikow, die glaubten, daß überhaupt diese Osteophagen—so nennt man sie, diese kleinen Kerle—, die Ursache des menschlichen Todes sind. Wenn es keine Osteophagen gäbe, sagte der Metschnikow, dann würden wir ewig leben. Er meinte, daß die uns richtig auffressen. Nun, Tatsache ist, daß, je älter wir werden, desto mehr Osteophagen da sind. Also wahr ist es schon, daß unsere Knochen nach und nach aufgefressen werden von den Osteophagen. Aber auf der anderen Seite ist es geradeso, als wenn man eben einen Acker gut düngt: dann wächst mehr darauf, als wenn man ihn schlecht düngt. Und so etwas wie zum Beispiel Nikotin in den Körper hineinbringen, das bedeutet, daß man die Knochen schlecht macht für uns, aber für die Osteophagen, für diese Menschenfresser, Knochenfresser, macht man sie gerade gut. Was für uns Menschen ein Schlechtes ist, ist für diese kleinen Tiere das Allerbeste, was man machen kann.

So ist es eben in der Welt. Wenn einer bequem denken will, denkt er, die Welt ist von einem Herrgott gemacht, und da muß alles gut sein. Nun kann man sagen: Ja, warum hat denn der Herrgott neben den Knochen gleich die Osteophagen wachsen lassen? Wenn er die Osteophagen nicht hätte wachsen lassen, würden wir nicht aufgefressen werden während des Lebens; da könnten wir unsere Knochen so schlecht behandeln, daß sie zuletzt nur an irgend etwas anderem zugrundegehen; sie würden aber jedenfalls jahrhundertelang halten können, wenn diese kleinen Viecher da nicht drinnen wären.

Aber das nützt einem nichts, wenn man nur so bequem denkt. Es nützt einem bloß, wenn man wirklich auf die Tatsachen eingeht, und wenn man weiß, daß eben diejenigen feinen Kräfte, die an der Knochenentstehung beteiligt sind, ihre Feinde haben, daß eben auch ihre Schöpfung da ist, denn das sind eben diese Osteophagen, die wir zu Millionen in uns haben. Je älter Sie werden, desto mehr haben Sie diese Osteophagen in sich, Sie haben immer Menschenfresser in sich, wenn sie auch klein sind. Die großen Menschenfresser sind nicht die allergescheitesten; die allergescheitesten sind diejenigen, die wir auf diese Weise da in uns tragen, und die also tatsächlich einen wiederum günstigen Boden gewinnen, wenn man eben Nikotin in den Körper hineinbringt.

Sehen Sie, daraus können Sie aber erkennen, daß es eben außerordentlich wichtig ist, den ganzen Menschen gründlich zu verstehen, wenn man überhaupt sagen will, wie irgendein Stoff im menschlichen Körper wirkt.

Nun ißt ja der Mensch fortwährend. Er ißt Tierisches, und er ißt Pflanzliches. Ich habe Ihnen schon einmal gesagt: Es fällt mir gar nicht ein, irgendwie zu agitieren für diese oder jene Nahrungsweise, sondern ich sage nur, wie sie wirkt. Und es ist oftmals vorgekommen, daß Vegetarier zu mir gekommen sind und gesagt haben, sie fühlen sich manchmal so zu einer leisen Ohnmacht geneigt und so weiter, und da sagte ich ihnen: Ja, das rührt eben davon her, daß Sie kein Fleisch essen. — Nicht wahr, man muß die Dinge ganz objektiv betrachten. Man muß nicht irgend etwas erzwingen wollen. Aber «objektiv betrachten» — was heißt das mit Bezug auf Pflanzenessen und Fleischessen? Sehen Sie, meine Herren, betrachten Sie eine Pflanze. Eine Pflanze bringt es dazu, daß sie ihren Keim, der in die Erde gesenkt wird, bis zu den grünen Blättern und farbigen Blumenblättern entwickelt. Und nun vergleichen Sie so etwas, was Sie von der Pflanze bekommen - also entweder, sagen wir, Sie pflücken direkt Ahren ab oder Sie pflücken Kraut ab und machen das zu irgendeinem Kohlgemüse oder dergleichen, indem Sie eskochen -, vergleichen Sie das mit dem Fleisch, mit dem Muskelfleisch der Tiere, es ist ein ganz anderer Stoff, nicht wahr. Aber in welchem Verhältnis stehen diese zwei Stoffe?

Sie wissen }a, es gibt Tiere, die sind einfach gute vegetarische Wesen. Es gibt doch Tiere, die kein Fleisch essen. Sagen wir also zum Beispiel unsere Kühe, die essen kein Fleisch. Pferde sind auch nicht auf Fleisch erpicht; die fressen ja auch nur Pflanzen. Nun müssen Sie sich klar sein: Das Tier, das schoppt nicht bloß immer die Nahrung in sich hinein, sondern es stößt auch fortwährend das, was in seinem Körper ist, heraus. Bei den Vögeln wissen Sie, daß es so etwas gibt wie die Mauserung. Da verlieren die Vögel ihre Federn und müssen sie durch neue ersetzen. Sie wissen, daß die Hirsche ihre Geweihe abwerfen. Und Sie schneiden sich die Nägel ab; die wachsen wieder nach. Aber dasjenige, was da so sichtbar äußerlich auftritt, das ist ja fortwährend da! Wir stoßen fortwährend Haut ab. Ich habe Ihnen das schon einmal auseinandergesetzt. Und in einem Zeitraum von etwa sieben bis acht Jahren haben wir den ganzen Körper abgestoßen und durch einen neuen ersetzt. Das ist aber bei den Tieren auch der Fall.

Also betrachten Sie eine Kuh oder einen Ochsen: Ja, wenn Sie ihn nach Jahren betrachten, so ist ja das Fleisch, das in ihm drinnen ist, ein ganz anderes. Beim Ochsen ist es etwas anders als beim Menschen; es geht das Auswechseln sogar schneller. Es ist also ein anderes Fleisch da. Woraus ist aber das Fleisch geworden? Das müssen Sie sich fragen. Das ist ja aus lauter Pflanzenstoffen geworden! Der Ochse hat selber aus Pflanzenstoffen Fleisch in seinem Körper erzeugt. Das ist ja das Allerwichtigste, was man dabei bedenken muß. Also der tierische Körper ist imstande, aus dem Pflanzlichen Fleisch zu machen.

Nun, meine Herren, Sie können Kohl noch solange kochen, dann kriegen Sie noch immer kein Fleisch daraus! Das gibt es nicht, daß Sie Fleisch kriegen in Ihrer Pfanne oder in Ihrem Haferl! Ebensowenig hat schon jemals einer einen Kuchen gebacken so, daß daraus Fleisch geworden ist. Also das kann man nicht durch äußere Kunst machen. Aber, im Grunde genommen, im tierischen Körper wird das gemacht, was man äußerlich nicht machen kann. Es wird eben einfach Fleisch erzeugt im tierischen Körper. Ja, dazu müssen die Kräfte eben erst im Körper sein. Unter unseren technischen Kräften haben wir keine solchen, durch die wir einfach aus Pflanzen Fleisch machen können. Das haben wir nicht. Also in unserem Körper und im tierischen Körper sind Kräfte, welche aus Pflanzensubstanz, Pflanzenstoffen Fleischstoffe machen können.

348-31
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Jetzt betrachten Sie eine Pflanze. Das soll die Pflanze sein (siehe Zeichnung). Da ist sie noch auf der Wiese oder auf dem Feld. Bis daher haben die Kräfte gewirkt, haben grüne Blätter, Blüten hervorgebracht und so weiter. Nun denken Sie sich, eine Kuh frißt nun diese Pflanze.

Wenn die Kuh oder der Ochse diese Pflanze frißt, dann wird sie in ihm zu Fleisch. Das heißt, er hat die Kräfte, durch die er aus dieser Pflanze Fleisch machen kann, in sich.

Nun denken Sie sich, diesem Ochsen fiele es auf einmal ein, zu sagen: Das ist mir zu langweilig, daß ich da herumgehen und mir erst diese Pflanzen abbeißen soll. Das kann für mich ein anderes Vieh machen. Ich fresse gleich dieses Vieh! Nun schön, der Ochse würde anfangen Fleisch zu fressen. Aber er kann doch das Fleisch selber erzeugen! Er hat die Kräfte dazu in sich. Was geschieht also, wenn er statt Pflanzen Fleisch direkt frißt? Er läßt die ganzen Kräfte ungenützt, die in ihm Fleisch erzeugen können! Wenn Sie irgendwo eine Fabrik sich denken, durch die irgend etwas erzeugt werden soll, und Sie erzeugen nichts, aber bringen die ganze Fabrik in Tätigkeit — denken Sie sich einmal, was da für Kraft verlorengeht! Es geht ja ungeheure Kraft verloren. Aber, meine Herren, die Kraft, die im tierischen Körper verlorengeht, die kann ja nicht einfach verlorengehen. Der Ochse ist endlich ganz angestopft von dieser Kraft; die tut etwas anderes in ihm, als aus Pflanzenstoffen Fleischstoffe zu machen. Diese Kraft, die bleibt bei ihm, die ist ja da. Die tut etwas anderes in ihm. Und das, was sie tut, das erzeugt in ihm allerlei Unrat. Statt daß Fleisch erzeugt wird, werden schädliche Stoffe erzeugt. Der.Ochse würde also, wenn er anfangen würde, plötzlich ein Fleischfresser zu werden, sich mit allen möglichen schädlichen Stoffen ausfüllen. Namentlich mit Harnsäure und mit Harnsäuresalzen würde er sich ausfüllen.

Nun haben solche Harnsäuresalze nämlich auch ihre besonderen Gewohnheiten. Die besonderen Gewohnheiten der Harnsäuresalze sind, daß sie eine Schwäche haben gerade für das Nervensystem und für das Gehirn. Und die Folge davon würde sein, wenn der Ochse direkt Fleisch fressen würde, daß sich in ihm riesige Mengen von Harnsäuresalzen absondern würden; die würden nach dem Gehirn gehen und der Ochse würde verrückt werden. Wenn wir das Experiment machen könnten, eine Ochsenherde plötzlich mit Tauben zu füttern, so würden wir eine ganz verrückte Ochsenherde kriegen. Das ist so der Fall. Trotzdem die Tauben so sanft sind, würden die Ochsen verrückt werden.

Sehen Sie, eine solche Sache spricht natürlich gegen den Materialismus, denn wenn die Ochsen bloß Tauben fressen würden, so müßten die Ochsen sanft werden wie die Tauben, wenn bloß das Materielle wirksam wäre — sie werden das ganz gewiß nicht, sondern sie werden furchtbar leidenschaftliche und wütende Kerle werden. Nun denken Sie einmal, das wird ja schon dadurch bestätigt, wie leidenschaftlich die Rosse werden, wenn man ihnen nur ein bißchen Fleisch gibt; gleich fangen sie an, wild zu werden, weil sie eben auch nicht Fleischnahrung gewohnt sind.

Nun, meine Herren, das geht natürlich auf den Menschen über. Es ist sehr interessant in der Geschichte: Ein Teil der Bevölkerung von Asien ißt streng vegetarisch. Das sind nämlich sanfte Leute, die wenig Krieg führen. Erst in Vorderasien hat man angefangen Fleisch zu essen, und da begann auch die Kriegswut. Und die Sache ist diese, daß einfach diejenigen asiatischen Völker, die also kein Fleisch essen, die Kräfte, die sonst unverbraucht, unbenutzt gelassen werden, zum Umwandeln von Pflanzenstoffen in Fleischstoff verwenden. Und die Folge davon ist, daß sie sanft bleiben, währenddem die anderen Völker, welche Fleisch essen, eben nicht so sanft bleiben.

Nun, nicht wahr, muß man aber sich darüber klar sein, daß ja die Menschen zu solchen Überlegungen, wie wir sie jetzt machen, erst nach und nach reif geworden sind. Als die Menschen angefangen haben, Fleisch zu essen, konnte man sich das ja nicht so überlegen, wie wir es jetzt gerade gemacht haben. Das ist alles aus dem Gefühl und aus dem Instinkt hervorgegangen.

Sehen Sie, der Löwe frißt fortwährend Fleisch; er ist kein Pflanzenfresser. Der Löwe hat ein sehr kurzes Gedärm, Und diejenigen Tiere, die Pflanzenfresser sind, die haben ein sehr langes Gedärm. Da ist der Darm sehr lang. Aber so ist es auch beim Menschen. Wenn der Mensch einfach in irgendeiner Rasse oder irgendeinem Volk geboren ist und alle seine Vorfahren Fleisch gegessen haben, dann ist ja der Darm schon kürzer geworden, schon zu kurz geworden für den bloßen Vegetarismus. Und dann muß der Mensch erst all das durchmachen, was ihn befähigt, trotzdem seine Gesundheit aufrecht zu erhalten, wenn er bloß Pflanzen ißt.

Gewiß, es ist heute schon durchaus möglich, Vegetarier zu sein. Und es hat sehr viel für sich. Namentlich hat man einen gewissen Nutzen vom bloßen Pflanzenessen, nicht Fleischessen: man wird nicht so schnell müde. Von innen heraus wird man nicht so schnell müde, weil eben nicht solche Harnsalze und Harnsäuren abgesondert werden. Man wird nicht so schnell müde und behält einen freieren Kopf, kann daher auch leichter denken, wenn man überhaupt denkt. Derjenige, der nicht denken kann, dem nützt es natürlich auch nichts, wenn er seinen Kopf frei bekommt von Harnsäuresalzen, denn, nicht wahr, es ist notwendig, daß die ganze menschliche Organisation zusammenstimmt. Nun also, es kann sich der Mensch heute durch eine Überwindung zum Pflanzenesser machen. Dann verwendet er die Kräfte, die bei den meisten Menschen, die heute Fleisch essen, eben einfach nicht verwendet werden.

Sehen Sie, ich will Sie auf eine eigentümliche Erscheinung aufmerksam machen. Das ist folgendes. Wenn Sie heute in der Welt Umschau halten, so werden Sie finden: Es gibt eine Krankheit, die die menschliche Gesundheit rasch untergräbt; das ist die sogenannte Diabetes, Zuckerkrankheit. Da wird zuerst im Urin Zucker gefunden, und der Mensch unterliegt dann sehr bald der Zerstörung des Körpers durch zu viel Zuckererzeugung. Die Krankheit ist eigentlich recht fatal. Der Zucker ist zugleich dasjenige, was den Menschen innerlich stark hält, wenn der Zucker in der richtigen Weise in den Organismus übergeführt wird.

Das können Sie sogar äußerlich statistisch nachweisen. In Rußland wird viel weniger Zucker gegessen als in England, und das macht den ganzen Unterschied zwischen dem russischen Volk und dem englischen Volke. Die Engländer sind selbstbewußt und egoistisch; die Russen sind schwächlich, zwar unegoistisch, aber schwächlich. Das hängt damit zusammen, daß in Rußland wenig Zucker, in England sehr viel Zucker gegessen wird zum Beispiel in den Nahrungsmitteln. Aber der menschliche Leib braucht eine Menge Zucker, die er verarbeiten muß. Wie einen dauernd die Knochen stützen, so stützen einen fortwährend die Zuckermengen, die man im Körper herumschlenkert. Wenn aber zu viel Zucker in den Urin hineingeht, so geht zu wenig in den Körper hinein, und die Gesundheit wird untergraben. Das ist die Zuckerkrankheit.

Nun ist es so, daß die Zuckerkrankheit heute häufiger bei Juden auftritt als bei Nichtjuden. Gewiß, es haben ja auch andere die Zuckerkrankheit, aber heute haben sie besonders die Juden häufig. Dieses Volk neigt nämlich zur Zuckerkrankheit. Der Jude nimmt etwas schwer Zucker auf, braucht ihn aber auf der anderen Seite. Also müßte eigentlich die jüdische Diät dahingehen, dem menschlichen Körper möglichst zu erleichtern, den Zucker in ihm zu verwenden, nicht gleich abzuführen.

Wenn Sie das Alte Testament lesen, da werden Sie allerlei Speisevorschriften finden, Speisevorschriften, die heute noch beachtet werden in denjenigen Restaurants in den Städten, wo «koscher» daraufsteht. Sie werden solche Restaurants kennen; da steht mit jüdischen Buchstaben «koscher» drauf. Da wird also koscher gekocht. Das wird nach den alten mosaischen Speisevorschriften gemacht. Und wenn Sie prüfen, was da eigentlich zugrunde liegt, dann werden Sie finden, daß dem zugrunde liegt, daß der Jude möglichst so essen soll, daß er den Zucker verarbeiten kann, weil dieses Volk schwer den Zucker verarbeiten kann. Namentlich das Verbot von Schweinefleisch - das Schweinefleisch erschwert außerordentlich die Zuckerverarbeitung im Menschen — war darauf berechnet, die Zuckerkrankheit, Diabetes, zu verhindern. Man muß das Alte Testament sogar medizinisch lesen können; dann wird es furchtbar interessant. Es ist außerordentlich interessant, dem nachzugehen, worauf die einzelnen Verbote und die koschere Zubereitung von dem oder jenem berechnet sind. Sogar das sogenannte Schächten, die besondere Art, zum Beispiel Geflügel zu töten, Schächten überhaupt, ist darauf berechnet, daß so viel Blut noch in dem Fleisch bleibt, das der Jude genießt, daß er die richtige Zuckerbereitung für sich haben kann.

Nun werden Sie wissen, daß gerade in der letzten Zeit allmählich die Juden ihre Speisegebote nicht mehr beachten, aber sie bleiben ja doch in ihrem Volkszusammenhang drinnen; und das bekommt ihnen schlecht, denn es sind eigentlich Volksgebote. Und dadurch kriegen sie leichter die Zuckerkrankheit als andere Menschen. Das ist die Geschichte.

Also wir können schon sagen, man sieht, daß die Fleischnahrung im Menschen unverbrauchte Kräfte erzeugt, die sich dann dazu anschicken, in unrichtiger Weise im menschlichen Körper zu wirken und Unrat in ihm zu erzeugen. Nun ist es natürlich so, daß dieser Unrat ja auch wiederum fortgeschafft werden kann. Aber es ist manchmal eine sehr komplizierte Geschichte. Man kann schon sagen: Manche Dinge, richtig ausgesprochen, die nehmen sich ganz sonderbar aus. Man lernt Leute kennen, die arbeiten in ihrer Art den Winter hindurch, essen aber auch in ihrer Art den Winter hindurch, indem sie gerade soweit mit Lust essen, daß sie noch eine kleine Magenverstimmung jeden Tag haben, die sie dann durch die nötigen Schnäpse, die sie trinken, im Zaum halten. Aber kaum kommt der April oder Mai heran, dann sind sie für Karlsbad reif oder für irgendein anderes Bad. Dann haben sie nämlich in ihrem Organismus, in ihrem Körper, eine ganze Menge von Unrat angesammelt, und jetzt handelt es sich darum, daß sie eigentlich einen Ausmister brauchen, Es muß ausgemistet werden. Nun gehen sie nach Karlsbad. Und Sie wissen ja, wie das Karlsbader Wasser wirkt; das bewirkt eine ganz lebhafte Diarrhöe. Da wird auch entsprechend ausgemistet. Nun misten sie aus, und dann können sie, wenn sie zurückkommen, wieder anfangen. Aber sie erreichen in der Regel nichts anderes, als daß sie dann jedes Jahr nach Karlsbad gehen müssen. Denn wenn sie einmal verhindert werden, nach Karlsbad zu gehen, kriegen sie gleich so etwas wie Diabetes, Zuckerkrankheit, und dergleichen.

Nicht wahr, wenn man so gesellschaftlich sich ausdrückt, dann sieht es leidlich aus, wenn man sagt: der geht nach Karlsbad. Aber in Wirklichkeit bedeutet das eigentlich, einen anstellen, der mit Misteimern den Körper wieder in Ordnung bringt. Und das tun die Schlucke von Karlsbader Wasser und die Einwirkung des Bades. Die bewirken also, daß da gründlich ausgemistet wird. Dann geht es wiederum eine Zeitlang.

Ja, meine Herren, auf diese Weise kann man natürlich die Volksgesundheit nicht gerade heben. Schließlich ist es ja eigentlich so, daß nach der Art und Weise, wie so jemand ißt, der nach Karlsbad oder einem ähnlichen Bad gehen kann, die Sachen schon alle auf den Markt gebracht werden. Der andere, der nicht nach Karlsbad geht, muß auch essen. Bei dem wird dann nicht ausgemistet, wenn er nicht das Geld hat, nach Karlsbad zu gehen. Er kriegt ja nichts anderes zu essen. Daher muß schon bei der Medizin angefangen werden, das soziale Leben in die richtigen Bahnen zu bringen.

Nun, darüber könnte man natürlich noch lange reden! Was ich heute noch vergessen haben sollte, das will ich Ihnen noch im Laufe der Zeit sagen.

Mit dem Absinth — das will ich nur noch hinzufügen - ist es so, daß er eigentlich ganz ähnlich wirkt wie der Alkohol im Wein zum Beispiel, und zwar liegt der Unterschied nur darinnen, daß beim Alkohol direkt das Stoffliche ruiniert wird — der Schlaf gleicht wieder etwas aus —, während beim Absinth auch noch der Schlaf ruiniert wird. Beim Absinth ist es so, daß der Mensch gerade, während er schläft, den eigentlichen Katzenjammer kriegt und am Schlaf verhindert wird. Und man muß schlafen, wenn man den Alkohol trinkt. Gewöhnlich muß ja — das bezeugt schon die Redensart — ein Räuschchen ausgeschlafen werden. Also auf den Alkoholgenuß wirkt eigentlich das Schlafen günstig; das gleicht aus. Und dadurch ist der Absinth schädlicher als der gewöhnliche Alkohol, daß das beim Absinth nicht der Fall ist; da wird auch der Schlaf noch ruiniert.

Nun brauchten Sie nur einmal zu beobachten, wie im Schlafe zum Beispiel unsere Haare schneller wachsen. Derjenige, der sich rasiert zum Beispiel, der weiß, daß, wenn er einmal einen Tag sehr lange geschlafen hat, er sich schnellstens rasieren muß. Haben Sie das nicht auch schon bemerkt? (- Doch! -) Wenn die seelische Tätigkeit nicht da ist im Körper, dann geht das sehr rasch. Der Schlaf ist ja dazu da, daß er gerade die Wachstumskräfte im physischen Körper anregt. Nun, der Absinth, der wirkt aber noch in den Schlaf hinein. Und bei den Absinthsäufern ist es so, daß nicht einmal im Schlaf ein Ausgleich geschaffen wird. So daß selbst im Schlaf für die Frauen, wenn sie Absinth trinken, das Blut ruiniert wird, die roten Blutkörperchen, und für die Männer die weißen Blutkörperchen ruiniert werden.

Aber nun kommt gerade noch etwas anderes dazu. Beim Absinthtrinken wird dadurch, daß es bis in den Schlaf hinein wirkt, die monatliche Periode außerordentlich stark beeinflußt, Und es kommen dann die Unregelmäßigkeiten beim Absinthtrinken, aber noch mehr bei der Nachkommenschaft. Und die Folge davon ist, daß die Absonderung, die jederzeit regelmäßig alle vier Wochen stattfinden sollte, unregelmäßig vor sich geht.

Also das Wesentliche, was man über den Absinth sagen kann, ist, daß er ja ähnlich wirkt wie der gewöhnliche Alkohol in Wein, Bier oder Schnaps, daß er aber auch noch den Schlaf ruiniert.

Nun möchte ich Ihnen geschwind noch - man kann ja solche Sachen weiter ausführen — über die andere Frage mit den Zwillingen etwas sagen. Die Befruchtung geschieht geradeso bei den späteren Zwillingsgeburten wie bei den Geburten, wo nur ein Mensch geboren wird. Also die Befruchtung geschieht immer so, daß in die weibliche Eizelle ein männliches Samenkörperchen eindringt, nachher gleich sich die Bahn schließt, und da drinnen gehen dann die weiteren Vorgänge vor sich.

Aber sehen Sie, die Zahl der Nachkommen ist eigentlich durch etwas ganz anderes bestimmt, als etwa durch die Zahl der männlichen Samenkerne. Es kommt nur ein Samenkern hinein in die weibliche Eizelle, während auf die Nachkommenschaft die ganze Welt Einfluß hat. Es wird von den Kräften der ganzen Welt heraus die Nachkommenschaft bewirkt. Und da kann es namentlich zum Beispiel vorkommen, daß kurz nach der Befruchtung die Frau denselben Einflüssen ausgesetzt ist - es wird etwas kurios sein, was ich Ihnen jetzt sage, aber es ist das trotzdem eine Wahrheit -, denselben Einflüssen aus dem Weltenall ausgesetzt ist. Nehmen Sie an — natürlich muß da alles zusammenstimmen -, aber nehmen Sie an, die Befruchtung geschieht gerade beim abnehmenden Mond. Dann ist beim abnehmenden Mond die Frau gewissen Kräften im Weltenall ausgesetzt, die von einem Stückchen Mond herrühren. Jetzt aber ist es bei der Befruchtung so, daß die ersten Vorgänge, in den ersten drei Wochen, eigentlich ganz unbestimmt sind. Da kann man gar nichts sagen, nicht wahr. Nach drei Wochen ist der Mensch erst ein kleines Fischchen. Vorher ist alles ganz unbestimmt. Wenn nun drei Wochen verlaufen, also immer so, daß aus dem Menschenkeim alles Mögliche werden kann, wenn das nun gerade paßt, daß die Frau auch noch hineinkommt in den zunehmenden Mond, dann sind dieselben Einflüsse da von außen her, und dann hat schon ein bißchen gewirkt der abnehmende Mond, ein bißchen wirkt der zunehmende Mond, und die Zwillingsgeburt kann entstehen.

Aber es kann auch so sein, daß zum Beispiel die Frau, sagen wir, etwas Antipathie überhaupt hat gegen das Kinderkriegen, vielleicht eine ganz unbewußte Antipathie; vielleicht ist sie in ihrem Bewußtsein ganz begierig aufs Kinderkriegen, aber unbewußt hat sie eine gewisse Antipathie. Sie braucht nur eine gewisse Antipathie zu haben gerade gegen den Mann, den sie geheiratet hat. Solche Antipathien gibt es nämlich doch auch. Ja, meine Herren, dann hält sie selbst zurück die rasche Entwickelung des sogenannten Embryos, des Menschenkeimes, und dann wirkt dasjenige, was einmal wirken sollte, das wirkt dann mehrmals aus dem Weltenall heraus, und dann können Drillinge entstehen. Es ist sogar schon vorgekommen, daß Vierlinge entstanden sind. Aber das alles wird niemals durch die Befruchtung bewirkt, sondern durch die anderen Einflüsse, die stattfinden, durch die äußeren Einflüsse. Würde nämlich durch die Befruchtung bewirkt werden, daß Zwillinge entstehen, dann wären sie ganz gewiß sehr verschieden voneinander, weil sie dann von verschiedenen männlichen Samenkörperchen herrühren würden. Sie könnten ja auch aus zwei Eiern kommen und so weiter, nicht aus einem Ei. Aber bei Zwillingen ist ja das Auffallende, daß sie bis auf merkwürdige Dinge gleich sind; also zum Beispiel noch das, was in späterem Alter auftritt, entwickelt sich bei Zwillingen gleich. Das ist aus dem Grunde, weil sie aus einem einzigen Ei hervorgehen. Also das müssen Sie festhalten: Bei Zwillingsgeburten ist die Befruchtung nicht anders, sondern es wirken die äußeren Einflüsse da mit.

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