Health and Illness, Volume II

GA 348 — 27 January 1923, Dornach

Sechzehnter Vortrag

Guten Morgen, meine Herren! Ist Ihnen vielleicht noch etwas eingefallen, das Sie fragen wollen?

Fragestellung: Es wird gefragt, wie es sich verhalte mit dem Zusammenhang der menschlichen Atmung mit den Pulsschlägen; das müsse doch in früherer Zeit ganz anders gewesen sein.

Dr. Steiner: Sie meinen beim Menschen selber?

Nun, wollen wir uns noch einmal kurz ins Bewußtsein rufen, wie die Sache heute ist. Nicht wahr, wir haben auf der einen Seite die Atmung. Durch die Atmung hängt der Mensch mit der Außenwelt zusammen, denn er nimmt fortwährend die Luft auf und atmet sie wieder aus. So daß man also sagen kann: Der Mensch ist heute so, daß er die gesunde Atemluft aufnimmt und die krankmachende Atemluft ausstößt, In der ausgestoßenen Atemluft ist Kohlensäure enthalten. Die Blutzirkulation, die ist ein innerlicher Vorgang. Das Blut läuft im Körper selber herum. Ich will heute nicht davon sprechen, ob der Ausdruck ganz richtig ist: das Blut läuft im Körper herum - aber die Kraft des Blutes läuft im Körper herum. Und wenn man nun die Anzahl der Atemzüge nimmt, die der Mensch in einer Minute macht, so sind das ungefähr - es ist ja bei jedem Menschen anders — achtzehn Atemzüge. Und wenn man den Blutumlauf nimmt, so kann man den ja am Pulsschlag beobachten; der ergibt in der Minute zweiundsiebzig Stöße. So daß man sagen kann: Die Atmung verhält sich zu der Blutzirkulation so, daß die Blutbewegung beim heutigen erwachsenen Menschen viermal schneller vor sich geht als die Atmung.

Nun müssen wir uns einmal klarmachen, wie es heute beim Menschen eigentlich ist, wenn die Atmung mit der Blutzirkulation in Verbindung tritt. Sehen Sie, da müssen wir uns darüber klar sein, daß der Mensch hauptsächlich durch die Lunge atmet: Nase, Mund, Lunge. Das ist aber nur hauptsächlich so. Das ist überhaupt beim Menschen so, daß der Mensch mit irgendeinem Teil seines Körpers hauptsächlich etwas ausübt, daß er aber dasjenige, was er hauptsächlich ausübt mit einem Teil seines Körpers, eigentlich wiederum mit dem ganzen Körper in geringerem Maße ausübt. So daß man durch die ganze Haut fortwährend auch die Luft beziehungsweise den Sauerstoff der Luft aufnimmt. Man atmet also auch durch die Haut, und man kann ganz gut neben der gewöhnlichen Lungenatmung von einer Hautatmung sprechen. Wenn also zum Beispiel die Löcher der Haut, die man Poren nennt, zu stark verstopft sind beim Menschen, so nimmt er durch die Haut zu wenig Luft auf. Es ist also die Hautatmung dadurch nicht in Ordnung. Überhaupt muß die Haut immer so weit in Ordnung sein, daß der Mensch durch die Haut auch atmen kann.

Nun ist es beim Menschen so, daß er alles dasjenige, was er äußerlich hat - ich habe das schon einmal erwähnt -, gewissermaßen auch innerlich hat. Also wenn ich Ihnen einen Menschen aufzeichne - ich will ihn nur graphisch aufzeichnen —, so können wir sagen: Da durch die ganze Haut durch geht eine Atmung, und hauptsächlich geht aber diese Atmung durch die Lunge und bewirkt die achtzehn Atemzüge in der Minute. Dieses alles, was da geschieht, das braucht aber beim Menschen ein Gegengewicht. Und da kommt etwas sehr Interessantes zum Vorschein. Der Mensch kann nicht ordentlich atmen, weder durch die Lunge, noch durch die Haut, namentlich aber durch die Haut nicht, wenn nicht ein Gegengewicht da ist.

Sie wissen, wenn man einen Magneten hat, dann hat man nicht nur einen Nordpol, einen positiven Magnetismus, sondern auch einen Südpol, einen negativen Magnetismus. Und der Mensch braucht, wenn er Lunge und Haut zum Atmen hat, auch das Gegenteil, und das Gegenteil liegt in der Leber. Wir haben die Leber schon von verschiedenen Seiten kennengelernt. Jetzt müssen wir sie auch kennenlernen als das Gegenteil von der Haut-Lungen-Tätigkeit. So daß sich die Leber- und die Haut-Lungen-Tätigkeit ausgleichen. Man möchte sagen: Die Leber ist dazu da, immerfort zu bewirken, dasjenige, was der Mensch in seiner Beziehung zur Außenwelt hat durch die Atmung, auch innerlich in Ordnung zu bringen. Dazu ist die Leber da.

Nun denken Sie sich, die Leber ist in irgendeiner Zeit des menschlichen Lebens — es kommt auch bei älteren Menschen vor — nicht ganz in Ordnung. Das ist sehr schwer zu konstatieren, wenn die Leber nicht ganz in Ordnung ist. Das weiß man nämlich meistens nicht, weil die Leber dasjenige Organ ist, das einzige Organ, das einem nicht weh tut, wenn es nicht in Ordnung ist. Darauf beruht das, daß der Mensch lange an einer Leberkrankheit leiden kann, und er weiß nichts davon. Niemand konstatiert es, weil einem die Leber gerade nicht weh tut. Sehen Sie, das kommt eben davon her, daß die Leber ein solches Organ ist, das mit dem Alleräußersten des Menschen, mit der Haut und mit der Lungentätigkeit zusammenhängt. Die Leber ist innerlich eigentlich eine Art Außenwelt. Der Mensch spürt nicht, wenn ein Stuhl zerstört wird, und der Mensch spürt nicht, wenn die Leber zerstört wird. Es ist gerade so, wie wenn sie ein Stück Außenwelt wäre. Und trotzdem ist sie furchtbar wichtig für den Menschen.

Nun denken Sie sich, es kommt die Leber in Unordnung. Wenn die Leber in Unordnung kommt, dann kommt die ganze Lungen- und Hauttätigkeit auch in Unordnung, und dann geschieht etwas ganz Besonderes. Sehen Sie, überall in die Lunge und Haut gehen die Adern vom Herzen hinein. Also in ganz feinen Adern geht die Blutzirkulation überall in die Haut hinein, in die Lungen auch, aber auch in die Leber. Nun kann folgendes geschehen. Es kann die Leber nicht in Ordnung sein. Die Folge davon ist, daß das Blut in der Leber nicht in der richtigen Weise aus- und einlaufen kann. Wenn das Blut dadurch, daß die Leber nicht in Ordnung ist, zu stark in die Leber einläuft und die Lebertätigkeit dadurch eine zu große wird, dann wird zu viel Galle erzeugt, und der Mensch bekommt die Gelbsucht. Die Gelbsucht bekommt der Mensch, wenn zu viel Galle erzeugt wird, wenn also die Lebertätigkeit eine zu große, eine zu starke wird. Die Gelbsucht also bekommt der Mensch, wenn zu viel Lebertätigkeit sich in den ganzen Körper hineinergießt.

Nun denken Sie sich aber, die Lebertätigkeit wird zu schwach, die Leber will nicht recht — was geschieht dann? Dann ist das Blut nicht an der Haut und an der Außenfläche schadlos gehalten. Das Blut, das überall hineinfließt, will sich schadlos halten, und es probiert gewissermaßen das Blut in der Leber, ob die Leber richtig verfährt. Wenn die Leber nicht richtig verfährt, geht das Blut flugs in die Außenseite des Körpers und will sich dort versorgen. Und was entsteht? Es entstehen die Pocken, die Blattern. Da haben Sie den Zusammenhang zwischen den Pocken und zwischen der Blutzirkulation, die durch einemangelnde Lebertätigkeit nicht in Ordnung ist.

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Aber da überall, wo das Blut hinkommt (siehe Zeichnung), da, wo ich die bläuliche Linie gezeichnet habe, da ist auch die rötliche Linie, und die bezeugt, daß dort überall mit dem Sauerstoff die Luft hinkommt. Da berührt sich in einer richtigen Weise die Blutzirkulation mit der Atmung. Ob das nun in der Lunge ist oder in der Haut, das ist ziemlich gleichgültig, denn es gleicht sich aus. Aber wenn die Luft, die durch die Atmung einläuft, sich mit dem Blut nicht in der richtigen Weise berührt, dann kommen dadurch die Blattern zustande, die Pocken. Was sind also eigentlich die Pocken? Die Pocken bestehen eigentlich darinnen, daß an der Außenfläche des Körpers oder in der Lunge zu viel geatmet wird, daß dort zu viel Tätigkeit entwickelt wird. Der Mensch wird ganz tätig an der Oberfläche. Dadurch entzündet sich alles, durch diese Tätigkeit.

Und was kann man da unter Umständen machen? Nun ja, die Leute machen ja schon dasjenige, was sie allein machen können. Das ist nämlich, daß sie nun Kuhpockenlymphe einimpfen. Ja, was wird durch die Kuhpockenlymphe eigentlich bewirkt? Wenn ich sie ins Blut einimpfe, so bringe ich sie in das Innere des Körpers hinein, weil das Blut überall herumgeht. Und während sich sonst das Blut an der Außenseite schadlos hält, hat es dann etwas zu tun mit der eingeimpften Lymphe, und dadurch wird dieses Tätigsein an der Oberfläche verhindert. Also die Kuhpockenimpfung hat schon eine gewisse Bedeutung. Es wird das Blut, das an der Leber nicht richtig beschäftigt wird, durch die Lymphe selber beschäftigt. Überhaupt ist das so, daß alle Impfungsmethoden eine ganz gute Bedeutung haben, und Sie haben ja vielleicht gehört, daß ein großer Teil unserer Heilmittel auch auf Einimpfung beruhen, weil man dadurch die Tätigkeit, die an einer falschen Stelle ist, an eine andere Stelle im menschlichen Körper hindirigieren kann.

Da ist ja ganz besonders interessant die sogenannte Hundswutimpfung. Die Hundswut beruht zwar auf etwas ganz anderem, aber im Grunde genommen ist sie doch dasselbe, was ich Ihnen gerade erklärt habe. Nicht wahr, denken Sie sich, der Mensch wird von einem tollen Hund oder von einem tollen Wolf gebissen. Ja, solch ein tolles Tier hat in seinem Speichel schon wirkliches Gift drinnen. Dieses Gift wird nun in den Menschen hineinfließen beim Biß, und der Mensch ist damit beschäftigt, dieses Gift zu entgiften. Da kann er zu schwach sein dazu, und er kann daran zugrundegehen. Aber diesem Zugrundegehen liegt eigentlich noch etwas anderes zugrunde. Sie wissen, der Mensch bekommt ja zuerst selber die Hundswut. Er geht nicht nur an dem Wutgift zugrunde, sondern bekommt selber die Hundswut. Worauf beruht das?

Nehmen Sie an, ich werde von einem tollen Hund hier gebissen. Jetzt muß ich meine innere Tätigkeit an die Stelle dahier herlenken, muß sie da herströmen lassen, damit das Gift verbraucht wird. Diese Tätigkeit, die wird empfunden von meinem Rückenmark, und es ist gerade so, wie wenn ich durch irgend etwas einen Schreck kriege. So ist es für mein Rückenmark. Weil ich plötzlich eine so starke Tätigkeit durch den Hundebiß entwickeln muß, erschrickt mein Rückenmark, kriegt, wie man sagt, einen Schock, und durch dieses Erschrecken werde ich selber krank.

Was muß man eigentlich jetzt tun, damit dieser Schreck aufhört? Sie wissen ja, wenn einer starr vor Schreck wird, so kommt er wieder zu sich, wenn man ihm ordentlich Püffe gibt. Also man muß dem Rückenmark ordentliche Püffe geben. Aber man muß erst ans Rückenmark herankommen. Und man kann ans Rückenmark herankommen, wenn man rasch ein Kaninchen tötet, das Rückenmark vom Kaninchen herausnimmt und bei etwa zwanzig Grad Celsius trocknet. Das Kaninchen muß man aber zuerst selber wütend gemacht haben; man muß ihm Wutgift gegeben haben. Dann nimmt man sein Rückenmark heraus, trocknet es so durch zwanzig Minuten bei zwanzig Grad Celsius. Und dieses getrocknete Rückenmark, das man hat, das impft man nun dem wutkranken Menschen ein.

Nun haben die Stoffe die merkwürdige Art, daß jeder Stoff im Körper an eine bestimmte Stelle hingeht. Und dieses getrocknete Kaninchenrückenmark, das das Wutgift in sich enthält kurze Zeit es enthält nur etwa fünfzehn Minuten, eine Viertelstunde, das Wutgift in sich, dann ist es verraucht, aber in diesen fünfzehn Minuten, da ist es gut, da impft man es dem Menschen ein. Dann geht es in sein eigenes Rückenmark, und das kriegt einen Gegenschock. Es ist gerade so, wie wenn man den Menschen im Schreck ganz durchrüttelt, und der Mensch fängt nun wiederum an, nicht wütend zu sein, beziehungsweise er kann auch behütet werden dadurch, daß man sein Rückenmark vom Schreck heilt durch das eingeimpfte, vergiftete und ausgetrocknete Kaninchenrückenmark.

Also Sie sehen, man muß den Menschen, wenn er an einer falschen Stelle eine Tätigkeit entwickelt und dadurch krank ist, dadurch heilen, daß man an einer anderen Stelle fast dieselbe Tätigkeit entwickelt. Das sind so die komplizierten Zusammenhänge im menschlichen Organismus.

Nun aber, wenn Sie jetzt die Luftatmung und die Bluttätigkeit betrachten, so klingen gewissermaßen im heutigen erwachsenen Menschen fortwährend durcheinander im Tempo eins zu vier Atmungsströmung, Blutströmung. Der Blutstrom fließt schneller, und nachdem drei vergangen ist, stößt der Atem ein, nachdem wieder drei vergangen ist, stößt wieder der Atem ein, und so geht es in unserem Körper zu. Das Blut rollt durch den Körper: eins, zwei, drei — bei vier stößt der Atem ein; eins, zwei, drei — bei vier stößt wieder der Atem ein. So geht es durch unseren Körper durch,

Nun, dadurch aber wird Kohlensäure erzeugt. Ja, meine Herren, diese Kohlensäure, die geht zum größten Teile heraus. Aber wenn alle Kohlensäure aus uns herausgehen würde, dann wären wir Menschen wirklich die größten Dummköpfe. Denn ein Teil der Kohlensäure muß fortwährend gerade in unser Nervensystem hereingehen. Das braucht die Kohlensäure, denn das muß fortwährend gerade abgetötet werden. Das Nervensystem braucht diese totmachende Kohlensäure. Also ein Teil steigt als Kohlensäure einfach durch meine Innenluft fortwährend in mir auf und versorgt mein Nervensystem.

Ja, was heißt denn das aber, meine Herren? Das heißt nichts anderes, als: Ich muß, weil Kohlensäure ein Gift ist, zu meinem Denken fortwährend Gift in mir haben. Das ist eine sehr interessante Sache. Ich könnte, ohne daß fortwährend eine Vergiftung in mir stattfindet, die ich nur fortwährend bekämpfen muß, gar nicht mein Nervensystem gebrauchen. Ich könnte nicht denken. Der Mensch ist wirklich in der Lage, daß er durch die Atemluft fortwährend sich vergiften muß, und durch das Atemgift denkt er. Fortwährend strömt ja in meinen Kopf die Kohlensäure ein, das Atemgift, und mit diesem Atemgift denke ich.

Heute ist das so, daß der Mensch einfach durch die Luft atmet. Die Luft enthält Sauerstoff und Stickstoff. Der Mensch nimmt den Sauerstoff auf, den Stickstoff läßt er weg.

Meine Herren, wenn man jetzt den Menschen studiert, so kommt man nämlich auf folgendes. Der heutige Menschenkopf, der braucht die Kohlensäure. Die Kohlensäure ist eine Verbindung von Kohlenstoff, der ja im menschlichen Körper erzeugt wird, und Sauerstoff. Den Stickstoff aus der Luft läßt der Mensch weg. Studiert man nun den menschlichen Kopf heute, so kommt man darauf, daß dieser menschliche Kopf so veranlagt ist, daß er durch die Aufnahme von Kohlensäure, also Kohlenstoff und Sauerstoff, ganz gut denken kann. Aber wissen Sie, fortwährend wird dieser menschliche Kopf auch durch die Kohlensäure, weil die ja ein Gift ist und der menschliche Kopf schließlich auch aus Organen besteht, wieder ruiniert. Es ist gerade so, wie wenn Sie doch immer ein bißchen Kohlensäure statt Sauerstoff atmen würden. In den Kopf hinein atmen Sie wirklich immer ein bißchen Kohlensäure. Das ist von ungeheurer Bedeutung, denn wir atmen in unseren Kopf fortwährend dasjenige ein, was eigentlich unser Leben zerstört. Und das ist auch ein Grund, warum wir schlafen müssen, warum wir eine Zeit brauchen, wo der Kopf eben nicht dieses bißchen Kohlensäure so stark aufnimmt und seine Organe wieder herstellt.

Wenn man nun aber diesen Menschenkopf studiert, so sagt man sich: So wie er heute einmal ist, so kann er dieses Gift, die Kohlensäure, dazu verwenden, daß er immer ein bißchen zerstört wird, durch den Schlaf wieder aufgebaut wird, wieder ein bißchen zerstört wird, durch den Schlaf wieder aufgebaut wird und so weiter. Aber in sehr alten Zeiten hatte ja der Mensch noch keinen Kopf. Das ist ja alles in der Entwickelung begriffen gewesen. Wenn der Mensch nun immer nur Kohlensäure geatmet hätte, so hätte er nie einen Kopf gekriegt. Der fertige Kopf, der verträgt die Kohlensäure. Aber wenn der Mensch immer Kohlensäure geatmet hätte, so hätte er niemals einen Kopf gekriegt. Er muß also früher etwas anderes geatmet haben. Nun müssen wir uns fragen, was der Mensch früher eben geatmet haben kann. Und wenn man nun wirklich die ganze menschliche Entwickelung eingehend studiert, so kommt man darauf, daß der Mensch zum Beispiel schon während des Keimlebens im Leibe der Mutter noch etwas anderes braucht als bloß Kohlensäure. Und das Interessante ist: im Leibe der Mutter ist der Mensch fast ganz Kopf. Es ist ja so, daß der Menschenkeim, wenn Sie ihn in einem sehr frühen Stadium betrachten — ich habe Ihnen das schon vor längerer Zeit einmal aufgezeichnet -, fast ganz Kopf ist. Das andere ist ja furchtbar klein (siehe Zeichnung S. 291). Und das, was da hier noch dran ist, das ist auch fast Kopf, das ist umgeben dann von den Mutterhäuten.

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Ja, sehen Sie, da ist der Mensch fast ganz Kopf. Aber er muß erst werden. Da braucht er auch den Stickstoff. Da braucht er den Stickstoff, der ihm aus dem Leibe der Mutter geliefert wird. Wenn der Mensch nicht im Mutterleibe den Stickstoff hätte, den er später in der Luft verschmäht, nicht an sich herankommen läßt, dann könnte er sich unmöglich entwickeln. Wir kriegten einfach keinen ordentlichen Kopf, wenn wir nicht durch den Stickstoff einen kriegten. Der Mensch muß also in einem früheren Erdenentwickelungszustande, wo sein Kopf sich erst entwickelt hat, nicht den Sauerstoff aufgenommen haben, sondern den Stickstoff. Es müssen also, statt daß Kohlenstoff und Sauerstoff für ihn das Wesentliche sind, wie heute, Kohlenstoff und Stickstoff das Wesentliche gewesen sein.

Also muß der Mensch einmal, so wie er heute atmet, Kohlenstoff mit dem Stickstoff verbunden geatmet haben, also den Stickstoff aufgenommen haben. Aber Kohlenstoff und Stickstoff, was ist denn das? Das ist nämlich Zyan. Und wenn es als Säure auftritt, so ist es die Blausäure, Zyansäure. Das heißt mit anderen Worten: Einmal muß es so gewesen sein, daß der Mensch aus der Luft nicht den Sauerstoff, sondern den Stickstoff aufgenommen hat, in sich Zyan entwickelt hat, ein noch stärkeres Gift. Und dieses noch stärkere Gift hat ihn befähigt, heute mit Kohlensäure zu denken. Dazumal hat er sich durch das noch stärkere Gift die Organe erst gemacht.

Wir kommen also jetzt zu einer alten Entwickelung, wo der Mensch, statt wie heute Kohlensäure zu entwickeln, Zyan entwickelt hat. Und wie er heute Kohlensäure ausatmet, so hat er dazumal Blausäure ausgeatmet, ein noch stärkeres Gift. Und da kommen wir von dem Menschen und seiner heutigen Atmung zu einem alten Zustande, wo die Luft ebenso, wie sie heute Kohlensäure enthält durch das Leben, dazumal voller Blausäure, voller Zyan war.

Sehen Sie, meine Herren, es war 1906, da habe ich in Paris Vorträge gehalten, und da bin ich durch verschiedene Andeutungen, die von den Zuhörern gekommen sind, dazu gekommen, den Leuten zu sagen, daß es auch heute noch solche Weltkörper gibt, die statt der Erdenluftatmosphäre die alte Zyanatmosphäre haben, die alte Zyanluft haben. Nämlich, wenn man heute die Erde anschauen würde vom Mond oder namentlich vom Mars, so würde man in der Erdenluft überall drinnen die Kohlensäurespuren wahrnehmen können durch das sogenannte Spektroskop. Nun aber, wenn man die alte Erde, wo der Mensch seinen Kopf erst gekriegt hat, von ferne ansehen würde, würde man Zyan, Blausäurespuren statt Kohlensäurespuren wahrnehmen. Nun gibt es heute noch Körper, die in dem Zustande sind, wie die Erde dazumal war. Das sind nämlich die Kometen. Die Kometen sind so, wie die Erde damals war, als der Mensch seinen Kopf gekriegt hat. Also müssen die Kometen Zyan enthalten. Und ich sagte dazumal 1906: Das Wesentlichste an den Kometen ist dasjenige, daß sie Zyan enthalten; wenn man also das Spektroskop auf sie richtet, muß man die Zyanlinie sehen. Und gleich darauf ist ein Komet erschienen. Die erscheinen ja selten. Und das Kuriose war, als ich dann nach einiger Zeit nach Norwegen kam und dort von dem erscheinenden Kometen viel die Rede war, haben die Leute tatsächlich die Zyanlinie bemerkt.

Sehen Sie, immer sagen die Leute, wenn Anthroposophie etwas weiß aus dem Geiste heraus, so müßte man es nachher bestätigen können. Solche Dinge sind nämlich viele da, die nachher bestätigt worden sind. Nur wenn die Bestätigung kommt, dann gehen die Leute darüber hinweg, dann unterschlagen sie sie. Aber tatsächlich ist das so, daß ich auf Grundlage dieser Umänderung der Atmung eben, bevor es mit dem Spektroskop gesehen worden ist, gesagt habe, daß die Kometen Zyan enthalten, dasselbe Zyan, das einstmals, als die Erde selber noch in einem Kometenzustand war, der Mensch gebraucht hat, damit er seinen Kopf kriegte.

Nun denken Sie sich einmal, wenn ich Stickstoff atme statt Sauerstoff, dann entsteht natürlich etwas anderes als das menschliche Blut. Denn Sie wissen, in der Lunge verbindet sich gerade das Blut, das blau geworden ist, mit dem Sauerstoff und wird zu dem roten Blut. Nun ist das so, daß wenn der Mensch Sauerstoff atmet, dann nimmt er ins Blut den Sauerstoff auf. Wenn er aber Stickstoff einatmet, dann nimmt er ins Blut den Stickstoff auf. So wie unser Blut, das richtige Blut, wirkt, in dem beim gesunden Menschen niemals Harnsäure ist, so kriegt man durch Aufnahme von Stickstoff ins Blut, wenn das nur ein bißchen nicht recht stimmt beim Menschen, Harnsäure ins Blut hinein.

Damals, als der Mensch seinen Kopf gekriegt hat, war sein Blut eigentlich nur Harnsäure, weil der Stickstoff also da fortwährend sich damit verbunden hat statt Sauerstoff. Sein Blut war nur Harnsäure. Und der Mensch, der heute noch als Menschenkeim da in dem schwimmt, was die Mutter um ihn herum bildet, schwimmt da gewissermaßen in dem, wo die Harnsäure leicht hinein kann. Da ist überall Harnsäure in seiner Umgebung. Die braucht er in seinem Keimzustande. Ja, früher, wo er seinen Kopf gekriegt hatte und Blausäure ausatmete, also die Blausäure für sich verwendete, und Stickstoff und Kohlenstoff verband, also innerlich Harnsäure hatte, da schwamm er ja in Harnsäure. Da war Harnsäure überall außer ihm. Die Welt war einmal so, daß Harnsäure und Blausäure eigentlich eine ebenso große Rolle gespielt haben wie heute etwa Wasser und Luft.

Daß Lebewesen nicht bloß von Sauerstoff leben können, das zeigt sich noch heute. Es gibt zum Beispiel Lebewesen - sie sind allerdings winzig klein, weil alles das, was früher im Großen war, heute klein geworden ist, und die kleinsten, winzigsten Lebewesen von heute waren einstmals Riesen, heute sind es also winzige, kleine Lebewesen -, die können den Sauerstoff überhaupt nicht mehr vertragen, gar nicht vertragen, und die verkriechen sich überall vor dem Sauerstoff, und die nehmen in sich statt den Sauerstoff Schwefel auf. Das sind die Schwefelbakterien; die leben vom Schwefel. Also man braucht zum Leben nicht unbedingt Sauerstoff. So hat man zum Leben früher nicht Sauerstoff gebraucht, sondern eben gerade Stickstoff, und dadurch ist der Mensch erst gebildet worden. Der Mensch ist also in einer kometenartigen Erdbildung gebildet worden. So daß also die Beziehung zwischen Atem und Blut in früheren Zeiten eine ganz andere war.

Und nun wollen wir einmal das, was man auf diese Weise kennenlernt, im Zusammenhang mit der Welt selbst betrachten. Wenn wir dieses ins Auge fassen, daß wir einen Atemzug haben auf vier Pulsschläge — also eins, zwei, drei, Atemzug; eins, zwei, drei, Atemzug; eins, zwei, drei, Atemzug -, ja, sehen Sie, diesen selben Rhythmus, den kann ich auch für die Natur Ihnen sagen: Frühling, Sommer, Herbst, Winter. Eins: Frühling, zwei: Sommer, drei: Herbst, vier: Winter. Da haben Sie draußen im Weltenall dieses Verhältnis, das Sie innerlich im Menschen haben. So daß wir sagen können: Wenn wir die ganze Erde anschauen, so haben wir unseren inneren Rhythmus auch draußen auf der Erde. Und was es eigentlich in dieser Beziehung mit der Erde für eine Bewandtnis hat, das beobachten die Leute gar nicht.

Sehen Sie, jetzt liegt Schnee draußen. Im Sommer liegt kein Schnee draußen. Was heißt denn das? Ja, sehen Sie, das, was jetzt als Schnee draußen ist, das treffen Sie sonst auch als Wasser. Das Wasser ist ganz und gar von der Erde abhängig. Das muß ja der Mensch spüren. Nicht wahr, wenn man hier im Jura lebt, so haben wir im Jura kalkhaltiges Wasser. Alles, was in der Erde drinnen ist, ist im Wasser drinnen. Und Menschen, die dafür besonders empfindlich sind, bekommen von dem, was in der Juragegend im Wasser drinnen ist, ihre Kröpfe. Also das Wasser ist von der Erde abhängig. Im Frühling fängt es an, abhängig zu werden. Im Sommer ist es am abhängigsten. Im Herbst hört es ein bißchen auf. Und im Winter — ja, meine Herren, die Erde bildet nicht den Schnee; der Schnee, der aus lauter ganz feinen Kristallen besteht, der wird vom Weltenall, vom Kosmos herein gebildet. Da ist die Erde nicht wie im Sommer der Wärme der Welt hingegeben, sondern den Bildungskräften. Das Wasser entzieht sich der Erde im Winter, bekommt die Kälte vom Weltenraum. So daß wir sagen können: Da haben wir einen interessanten Rhythmus im Weltenall: eins: Frühling, zwei: Sommer, drei: Herbst, vier: Winter; das Wasser richtet sich nach dem Weltenall, nicht mehr nach der Erde. Wiederum eins, zwei, drei — Frühling, Sommer, Herbst; vier: das Wasser richtet sich nach dem Weltenall, nicht mehr nach der Erde.

Jetzt probieren wir das beim Blut und bei der Atmung. Eins, zwei, drei: Blut, das Blut richtet sich nach dem Inneren des Körpers; vier: Atmung, das Blut richtet sich nach dem, was draußen ist. Eins, zwei, drei Blut-Pulsschläge: das Blut richtet sich nach dem Inneren des Körpers; vier: Atemzug, das Blut richtet sich nach außen. Da haben Sie bei der Erde dieselbe Tätigkeit wie beim Menschen. Wenn Sie das Blut nehmen, und das Wasser der Erde, so richtet sich das Blut darnach. Nehmen wir jetzt eins, zwei, drei Pulsschläge: innerlich ein bißchen Frühling, Sommer, Herbst; vier: jetzt kommt der Winter, aha, da atmen wir. Jetzt kommt der Atemzug, so wie bei der Erde selber. Der Mensch ist also innerlich ganz nach der Erdenatmung abgestimmt. Und die Sache ist so, daß wir sagen können: Beim Menschen geht das natürlich riesig schnell vor sich, achtzehnmal in einer Minute, was bei der Erde in einem Jahr vor sich geht. In einer Minute geht bei dem Menschen achtzehnmal das vor sich, was bei der Erde in einem Jahr vor sich geht.

Nun ist der Mensch eigentlich immer voll von diesem Rhythmus, den die Erde auch vollzieht. Aber recht schnell macht er diesen Rhythmus. Wenn wir heute aber die Erde betrachten und durch das, was wir heute besprochen haben, darauf kommen, daß sie früher in einem ganz anderen Zustande war, dann bekommt die Erde für uns eine gewisse Ähnlichkeit mit den Kometen. Das haben Sie ja gerade gesehen. Die Kometen aber — das zeigt sich dann, wenn ein Komet zerfällt - fallen als Meteorsteine, als Eisen herunter. So ein ganzer Komet, der fällt als Eisenstücke herunter, wenn er zersplittert, enthält also Eisen.

Das ist etwas, was wir auch noch in uns haben. Wenn wir als Leichen zerfallen, so sind die Eisenteilchen unseres Blutes auch da und bleiben. Da haben wir noch etwas bewahrt von unserer alten Kometennatur. Wir machen es eigentlich da geradeso wie der Komet. Das Eisen haben wir dadurch im Blut, daß wir die alte Zyantätigkeit entfalten. Das ist der äußere Körper, der darf nur nicht ins Blut herein, hat aber einstmals ins Blut hereindürfen. Das heißt aber nichts anderes als: Wir entziehen heute unserem inneren Frühling, Sommer, Herbst, Winter den äußeren Frühling, Sommer, Herbst, Winter. Und nur wenig sind wir heute abhängig von dem äußeren Frühling, Sommer, Herbst, Winter.

Aber Sie brauchen gar nicht furchtbar weit zurückzugehen. Jetzt nehmen ja diese Dinge ganz anderen Charakter an, aber wenn man auf dem Dorfe aufgewachsen ist wie ich, dann weiß man, daß es da Leute gegeben hat früher — jetzt werden sie immer seltener, weil sich alles uniformiert in der Erdenwelt -, die sehr abhängig waren von Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Das hat man sogar an ihrem ganzen Seelenleben bemerkt. Sie waren im Sommer ganz anders gestimmt als im Winter. Im Winter kamen sie einem entgegen und waren eigentlich immer so ein bißchen außerhalb ihres Menschen; viel mehr Gespenster als Menschen waren sie da. Und im Sommer, da kamen sie erst so recht zu sich. Das heißt, sie waren so, daß sie abhängig waren von dem äußeren Frühling, Sommer, Herbst und Winter.

Das aber weist uns darauf hin, wie der Mensch früher war. Der Mensch war früher, als er noch Stickstoff geatmet hat statt Sauerstoff, ganz abhängig von der äußeren Umgebung; er machte den Pulsschlag und die Atmung seines Kometenkörpers mit, den ich in meinem Buche «Geheimwissenschaft im Umriß» Mond genannt habe. Das war eine Art Kometenkörper. Das machte er mit. Er war ein Teil eines ganzen großen Organismus gewesen, der da auch atmete. Es ist so, wie wenn der Mensch ganz plötzlich heute anfangen würde, richtig im Frühling einen Pulsschlag, im Sommer einen Pulsschlag, im Herbst einen Pulsschlag zu haben, dann im Winter einen Atemzug und so weiter. So war aber der Mensch einmal, als er Stickstoff atmete: er war ein Glied des ganzen Erdenorganismus.

Sie sehen, wir kommen jetzt auf einem ganz anderen Weg auf dasselbe, worauf wir früher gekommen sind, als wir Megatherien und Saurier und so weiter betrachtet haben. Wir kommen auf ganz dasselbe auf einem ganz anderen Wege.

Das ist gerade das Merkwürdige bei der Geisteswissenschaft. Nicht wahr, die heutige andere Wissenschaftstätigkeit, die fängt irgendwo an, geht Schritt vor Schritt, Trott, Trott, Trott, weiß nicht wohin zwar, geht aber in der geraden Linie weiter. Das ist bei der anthroposophischen Wissenschaft nicht der Fall. Die kann von verschiedenen Ausgangspunkten gehen, bald da gehen, bald da gehen und so weiter, und sie kommt immer wieder, so wie ein Wanderer, der von verschiedenen Punkten unten am Berge ausgehen kann, immer zum Gipfel kommt, so kommt sie immer zu demselben. Das ist gerade das Merkwürdige. Je mehr man die Welt ehrlich betrachtet, desto mehr schließen sich alle die einzelnen Betrachtungen zusammen zu einem Einzigen.

So haben Sie heute ein Beispiel durch Ihre Frage herausgefordert. Wir sind ausgegangen von ganz anderen Dingen, als wir einstmals ausgegangen sind, und wir kommen ebenso dazu, daß der Mensch im ganzen Erdenorganismus drinnen, wie der selber noch kometartig war, seinen Rhythmus gehabt hat, ihn nur herausgenommen hat. In der Erde war der Mensch einstmals, wie er heute als Keim in der Mutter ist. Da macht er auch Puls- und Atemtätigkeit mit.

Nun ist das zu beweisen, daß der Mensch eben heute in der Mutter die Mutter-Puls- und Atmungstätigkeit mitmacht. Das ist dadurch zu beweisen, daß ich Ihnen vorhin gesagt habe: von der Atemtätigkeit, die in Verbindung mit der Bluttätigkeit kommt, entwickeln sich die Pokken. Nun ist das Interessante: Wenn der Mensch im Mutterleibe wirklich die Blut- und Atemtätigkeit der Mutter mitmacht, so muß ein Kind schon im Mutterleibe, wenn die Mutter Pocken hat, auch die Pocken kriegen als Menschenkeim. Und die kriegt es auch. Wenn eine Mutter schwanger ist und pockenkrank ist, Blattern hat, so bekommt das Kind schon im Mutterleibe die Blattern, weil das Kind das alles mitmacht.

Und so hat der Mensch einstmals, als die Erde noch seine Mutter war - allerdings war die Erde dazumal eine Art Komet -, alles mitgemacht, was die Erde gemacht hat. Da war sein Puls- und Atemschlag der Puls- und Atemschlag der Erde. Und deshalb kann man sagen: Es ist wiederum höchst merkwürdig, daß, wenn wir in alte Zeiten zurückgehen, wo die Menschen instinktiv gewußt haben, nicht so gescheit wie heute, sondern instinktiv gewußt haben, die Menschen die Erde ja immer die Mutter genannt haben, die Mutter Erde und so weiter. Sie haben von dem Uranos, das heißt vom Weltenall, und von der Gäa gesprochen, der Erde, und haben den Uranos als den Vater im Weltenall draußen betrachtet und die Erde als die Mutter.

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So daß man sagen kann: Der Teil des menschlichen Organismus, wo das Kind gedeiht, der Uterus, der ist eigentlich eine kleine Erde, nur noch zurückgeblieben in dem alten Kometenstadium.

Und in diesem alten Kometenstadium, da war die Atmung sowohl beim Menschen wie auch bei der Erde selber, sie war eine Atmung im Weltenall draußen. Nicht nur der Mensch hat den Stickstoff aufgenommen, sondern die ganze Kometenerde hat aus dem Weltenall den Stickstoff aufgenommen. Und damals war die Atmung zugleich eine ArtBefruchtung. Und von dieser Befruchtung ist die heutigeMenschenbefruchtung und Tierbefruchtung übriggeblieben. So daß wir sagen können: Beim Befruchten, da geschieht immer noch etwas vom Stickstoffatmen, denn das Wichtigste im menschlichen Samen ist der Stickstoff. Der wird da hineingetragen in den weiblichen Organismus und bewirkt als Stickstoffanregung eben dasjenige, was der Sauerstoff nie bewirken könnte: die Bildung der Organe. Denn später müssen sie da sein, wenn der Sauerstoff kommt. So sehen Sie, daß wir eigentlich unsere Atmung richtig aus dem Weltenall haben.

Nun, meine Herren, jetzt wollen wir einmal etwas probieren. Sehen Sie, der Jahreslauf wird ja im Tageslauf schon ein bißchen nachgeahmt: 18 Atemzüge haben wir in der Minute, also in der Stunde sechzigmal so viel = 1080; und in 24 Stunden, im Tag, haben wir vierundzwanzigmal so viel = 25 920; also 25 920 Atemzüge haben wir in einem Tage.

Jetzt will ich Ihnen etwas anderes ausrechnen. Ich will Ihnen ausrechnen, wieviele Tage wir im durchschnittlichen Menschenalter leben. Nicht wahr, das Jahr hat etwa 360 Tage. Das durchschnittliche Menschenalter rechne ich auf 71 oder 72 Jahre. Also sagen wir, 72 mal 360 = 25920.

Wir machen im Tag so viel Atemzüge als wir Tage im Menschenleben haben. Aber ein Tag ist auch in einem gewissen Sinne eine Atmung. Ein Tag ist auch eine Atmung. Nämlich ich atme meine Seele aus, wenn ich einschlafe, und ziehe sie wiederum herein, wenn ich aufwache: Ausatmung, Einatmung. Das Geistige atme ich aus und atme ich ein. Also dieser Rhythmus, den ich im Atem habe, den habe ich mein ganzes Erdenleben hindurch im Schlafen und im Wachen. Das ist furchtbar interessant: 25 920 Atemzüge im Tag, 25920 Lebenstage durchschnittlich in einem Menschenleben.

Und jetzt sehen wir auf die Sonne. Wenn Sie die Sonne im Frühling heute beobachten, so geht sie im Frühling in den Fischen auf. Aber sie geht nicht jedes Jahr im Frühling an derselben Stelle auf. Am 21.März im Frühling nächstes Jahr ist sie wieder ein Stückchen verschoben. Wenn heute die Sonne im Sternbilde der Fische aufgeht, so geht sie nächstes Jahr ein Stückchen verschoben auf, das nächste Jahr wieder ein Stückchen verschoben, und dann wieder. Da verschiebt sich ja die Sonne in ihrem Aufgehen fortwährend. Und nach einer gewissen Zeit muß sie ja doch wieder da herum sein. Wenn also heute die Sonne im Sternbild der Fische aufgeht - die Astronomen denken: im Widder, weil sie heute noch nicht nachgekommen sind in ihren Bezeichnungen, früher ist sie im Widder aufgegangen —, dann muß sie in uralten Zeiten auch da aufgegangen sein. Und diese Stückchen Jahr, wenn man sie ausrechnet, so kriegt man heraus: 25920 Jahre. Es ist dieselbe Sache. So daß also auch der Weltenrhythmus zusammenstimmt mit dem schnellen Rhythmus von Atmung und Blutzirkulation. Denken Sie, wie der Mensch da im Weltenall drinnensteht! Der Mensch ist ganz herausgeboren aus dem Weltenall. Im Weltenall ist ursprünglich Vater und Mutter.

Da kommt man natürlich darauf, den Menschen auf eine ganz andere Art im Zusammenhang mit dem Weltenall zu sehen, als wenn einem einer einfach sagt: Gott hat die Welt geschaffen, hat den Menschen geschaffen — alles Begriffe, bei denen man sich nichts denken kann. Aber Anthroposophie will damit anfangen, bei allem sich etwas zu denken. Das verübelt man ihr. Warum? Ja, um Worte zu sagen, bei denen man nichts zu denken braucht, braucht man sich nicht anzustrengen. Aber bei der Anthroposophie muß man sich anstrengen. Das macht die Leute fuchsteufelswild. Bei der heutigen Wissenschaft braucht man sich nicht anzustrengen. Nun, auf einmal kommt dieser Balg Anthroposophie, und man kann sich nicht ins Kino setzen und einfach gedankenlos den Film ablaufen lassen! Sie möchten selbst in die Schulen, damit die Kinder sich nicht anzustrengen brauchen, den Film hineinbringen. Ich wundere mich, daß sie noch nicht das Rechnen mit dem Film hineingebracht haben! Und nun kommt die Anthroposophie und verlangt: Ihr sollt überhaupt nicht so untätig dasitzen, sondern mit euren verflixten Schädeln mitmachen! — Und das will man nicht.

German original of The Relationship Between the Breathing and the Circulation of the Blood—Jaundice—Smallpox—Rabies · ← Previous · Next →