How Spirit Works in Nature
GA 351 — 8 October 1923, Dornach
Erster Vortrag
Guten Morgen, meine Herren! Haben Sie sich irgend etwas ausgedacht, was heute beantwortet werden könnte? Wenn nicht, dann will ich Ihnen heute etwas sagen, was sich ganz gut anschließt an Dinge, die ich schon besprochen habe.
Wenn der Mensch so hineinsieht in die Natur - er sieht ja eigentlich ziemlich gedankenlos hinein —, so kommt ihm in dem Momente, wo er anfängt, wirklich über die Naturdinge nachzudenken, ja so viel in den Sinn, was darauf hinweist, daß überall Geist in der Natur, daß überall das Geistige gegenwärtig ist, daß er gar nicht mehr anders kann, als, wenn ich so sagen darf, neugierig zu werden, wie da eigentlich dieser Geist in der Natur wirkt. Ich habe Ihnen ja beim Biberbau, bei ähnlichen Dingen immer wieder zeigen können, wie geistreich alle diese Dinge in der Natur sind. Nun will ich Ihnen heute noch etwas anderes zeigen.
Nicht wahr, der Mensch sieht zunächst, wenn er in einer gewissen Zeit des Sommers in der Natur draußen herumgeht, die schönen flatternden Schmetterlinge mit ihren farbigen Flügeln, die so bunt schillern, und da frägt er nicht weiter: Woher kommt dieses wirklich mannigfaltig bunt schillernde Flattern der Schmetterlinge, die sich so frei bewegen?
Es ist dieses von einer großen praktischen Bedeutung. Ich bin sogar davon überzeugt: Wenn wir hier irgendwo auf unserem GoetheanumGrunde neue Versuche machen könnten für die Luftschiffahrt, so würden wir die nicht so anstellen, wie sie heute aus der materialistischen Wissenschaft heraus angestellt werden. Da versucht man es immer mit dem Vogelflug, mit dem Libellenflug, der Wasserjungfer und so weiter. Aber man hat keinen Sinn dafür, die Sache zu versuchen mit dem eigentlichen Schmetterlingsflug. Und dennoch würde die Luftschiffahrt erst auf ihre richtige Gestalt kommen, wenn man die Versuche dafür im Großen anfassen könnte gerade mit dem Schmetterlingsflug. Aber nicht wahr, auf solche Dinge gehen die Leute heute deswegen nicht ein, weil sie die Richtigkeit doch nicht einsehen können. Man kann nämlich solche Dinge in richtiger Weise, selbst für das praktische Leben, doch nur einsehen, wenn man auf das Geistige eingeht.
Nun will ich Ihnen heute etwas über die Schmetterlinge, etwas, was nicht gerade zur Luftschiffahrt gehört, aber Sie aufklären kann über die Luftschifferei, zeigen. Sehen Sie, solch ein Schmetterling ist ja nicht von vornherein da, sondern der kommt ja, wie Sie wissen, auf eine sehr komplizierte Weise zustande. Zunächst gehen wir davon aus, daß der Schmetterling, wenn es gegen den Herbst zu geht, er also reif geworden ist, ein Ei legt. So daß also das erste, wovon der Schmetterling ausgeht, das ist, daß er ein Ei legt. Aus diesem Ei kommt ja nicht wieder ein Schmetterling heraus. Da kriecht nicht wiederum, sagen wir, der Schmetterling Schwalbenschwanz heraus, der so ausschaut (siehe Zeichnung); der kriecht nicht da heraus, sondern aus diesem Ei kriecht zunächst dasjenige heraus, was man im Volksmund einen «Wurm» nennt; eine Raupe kriecht heraus. Diese Raupe also kriecht aus dem Ei heraus. Hier hat sie ihren Kopf (siehe Zeichnung), hier hinten ist ein Stachel, und die kriecht nun so träg, langsam herum, ist eigentlich äußerlich eine Art von Faulenzer. Aber innerlich ist eine solche Raupe gar keine Faulenzerin, sondern innerlich spinnt sie aus ihrem eigenen Leib heraus Fäden, und aus diesen Fäden macht sie um sich herum eine Hülle. Wenn also das jetzt die Raupe ist (siehe Zeichnung), so spinnt diese Raupe aus sich selbst heraus Fäden und macht um sich herum eine Hülle, die hart ist. Die Raupe verschwindet allmählich im Inneren ganz, löst sich auf in diesen Fäden, macht also um sich herum eine Hülle, die sie irgendwie an einen Baumstamm anhängt, anklebt; sie klebt zuerst den Faden an und verschwindet dann in der Hülle. So daß wir haben: das Ei, die Raupe und hier, das nennt man eine Puppe. Und diese Puppe, die bleibt nun eine Zeitlang hängen. Dann kriegt sie irgendwo ein Loch und der Schmetterling kommt heraus. So daß, bevor ein solcher Schmetterling zustande kommt, vier Sachen notwendig sind: also erstens das Ei, zweitens die Raupe, drittens die Puppe und viertens er selbst. Das Ei, das wird irgendwo abgelegt. Die Raupe kriecht dann herum. Die Puppe bleibt ganz fest und der Schmetterling flattert lustig in der Luft herum. Der kann dann wiederum ein Ei legen und die Geschichte geht im Jahreslauf von neuem los. So ist die Sache.

Nun, das schauen sich die Leute an, und das erklären heute die Gelehrten ja so, daß sie einfach beobachten, was sich da durch das Mikroskop ‚oder dergleichen eben beobachten läßt. Aber so einfach ist die Sache nicht. Man muß berücksichtigen, wo das Ei leben kann und wie es lebt, wie die Raupe lebt, wie die Puppe lebt und wie zuletzt der Schmetterling lebt. Das Ei, das braucht vor allen Dingen, wenn es so weit kommen soll, daß die Raupe auskriechen kann, manchmal furchtbar wenig — aber es braucht Feuchtigkeit, in der etwas Salz aufgelöst ist. Kein Ei kann gedeihen, ohne daß es etwas Feuchtigkeit, in der etwas Salz aufgelöst ist, bekommt. Daher muß das Tier, der Schmetterling, diesen Instinkt haben, das Ei irgendwo hinzulegen, wo es Feuchtigkeit bekommen kann, in der etwas Salz enthalten ist. Ohne das geht es also nicht. Es ist das, was ich Ihnen hier für den Schmetterling erzähle, eben geradeso auch für die Biene und so weiter. Es ist für die Biene auch notwendig, daß da, wo die Eier abgelegt werden, etwas durchdringt - wenn es auch wenig ist-, daß Salz hineinkommt. Es beobachten das eben wenige. Es genügt, wenn der Nebel durchgeht; der hat immer etwas Salzfeuchtigkeit. Es kommt einem da die Natur zu Hilfe. Es leuchtet das dem menschlichen Verstand nicht immer ganz ein. Die Natur ist eben viel gescheiter als der Mensch. Aber das Ei muß immer etwas Feuchtigkeit haben, in der etwas Salz drinnen ist. Das ist beim Schmetterling auch so, und dann kriecht also die Raupe heraus. Das Ei braucht also nur diese Feuchtigkeit, in der Salz drinnen ist; es hat keine Augen, es sieht nichts, es lebt im übrigen für sich selbst in einer Welt, die ganz finster ist. In dem Augenblick, wo die Raupe ausgekrochen ist, kommt sie ans Licht heraus, ist also fortwährend im Lichte. Die Raupe hat Sinnesorgane, kommt ans Licht. Jetzt ist es eigentlich ein ganz anderes Wesen geworden, als das Ei es ist. Das Ei hat sich ganz in die Raupe verwandelt. Und daß die Raupe dem Licht ausgesetzt ist, daß sie Sinne hat, das übt einen inneren Eindruck auf die Raupe aus. Solche Dinge kommen bei gewissen Erscheinungen ganz radikal zum Ausdruck. Sie alle haben ja schon diese merkwürdige Erscheinung genossen, daß, wenn Sie irgendwo eine Lampe angezündet haben, allerlei Insekten im Zimmer herumflattern, sich vom Licht der Lampe angezogen fühlen, sich sogar hineinstürzen, so dumm sind, daß sie verbrennen. Woher rührt das? Natürlich kommt das nicht bei dieser Raupe vor, aber der Wille dazu ist bei dieser Raupe auch vorhanden. Die Raupe, die wird nämlich vom Sonnenlicht geradeso, ich möchte sagen, wollüstig angezogen, wie das Insekt, das sich in die Kerzenflamme stürzt; nur kann die Raupe nicht zu der Sonne hinaufkommen. Könnte sie sich vom Boden erheben und hinauffliegen zur Sonne, so würden wir sehr bald gar keine Raupen mehr haben; die würden alle zur Sonne hinauffliegen, alle fortfliegen. Denn das wollen sie, sie sind nur festgehalten von der Schwere der Erde, sie können nicht. So daß, wenn wir eine Raupe anschauen, diese Raupe eigentlich den Willen hat, dem Lichte nachzugehen. Das kann sie nicht. Aber was tut sie?
Denken Sie sich einmal, da ist der Lichtstrahl, da die Raupe (es wird gezeichnet). Jetzt spinnt die Raupe, indem sie kriecht, so wie der Lichtstrahl ist, einen Faden. Die Raupe spinnt ganz nach dem Lichtstrahl den Faden, und wenn der Lichtstrahl in der Nacht nicht da ist, da rollt sie den Faden ein und bei Tag spinnt sie in dem Lichtstrahl den Faden wieder weiter, in der Nacht rollt sie ihn wieder ein. Und daraus entsteht die Hülle rundherum. Die Raupe löst sich ganz im Licht auf, stirbt im Licht, wie das Insekt, das der Flamme zugeht, nur daß sie nicht zur Sonne hinaufkommt, in den Lichtstrahl selber hineingeht; aber sie spinnt ihren eigenen Körper in diese Fäden hinein und macht um sich diesen Kokon, wie man ihn nennt, diese Fäden, die da zusammengesponnen werden. Die Seidenraupe spinnt die Seide nach dem Licht. Wenn Sie also aus irgendeiner Seidenraupe Seide nehmen, so können Sie sich getrost sagen: Was ist das? Das ist gesponnenes Licht!- Da ist in der Richtung der Lichtstrahlen hineingesponnen die Erdenmaterie. Und wenn Sie irgendwo eine Puppe sehen, dann ist das so, daß das lauter gesponnenes Sonnenlicht ist, ringsherum Erdenstoff, der dem Sonnenstrahl nachgesponnen ist.
Also so weit sind wir, daß wir jetzt die Puppe haben, ringsherum gesponnenes Licht, und dadurch, daß das gesponnenes Sonnenlicht ist, kommt natürlich etwas anderes zustande, als wenn sich ein Insekt in die Flamme stürzt da verbrennt es die Flamme der Kerze, kann nichts damit machen. Könnte aber dieses Insekt in der Schnelligkeit, mit der es sich in die Flamme stürzt, in der Richtung der Flammenstrahlen einen solchen Kokon herumspinnen, so würde aus dem Feuer der Flamme im Inneren ein neues Tier entstehen. Das wird nur durch die Verbrennung verhindert. Es ist interessant, daß man dadurch erfährt, was eigentlich dieses Insekt will, das in der Nacht im Zimmer herumflattert und sich in die Flamme stürzt: es will sich nämlich fortpflanzen, es will zugrunde gehen, damit es in einer neuen Gestalt wiederkommt. Es täuscht sich nur, weil es nicht so schnell eine Hülle machen kann. Aber die Raupe kann in der Langsamkeit eben diese Hülle machen, hängt diese Hülle auf, und jetzt kann die Kraft der Sonne, die da eingefangen ist, die da eine Gefangene ist, die kann den Schmetterling im Inneren schaffen, und der kann dann als ein Sonnengeschöpf herausfliegen und als ein Sonnengeschöpf sich bewegen.
Sehen Sie, meine Herren, da kommt man darauf, wie eigentlich die Dinge in der Natur sind. Erstens haben Sie in dem, was ich Ihnen gesagt habe, eine ganz wichtige Idee: Das Insekt, das sich in die Flamme stürzt, will sterben, denkt man sich. Nein, das will nicht sterben, sondern es will in anderer Gestalt wiederkommen. Es will durch die Flamme umgestaltet werden. Und so ist der Tod überall: Der Tod ist nichts, was die Wesen vernichtet, sondern wodurch sie, wenn der Tod richtig eingeleitet wird, nur umgestaltet werden. Erstens sieht man das daraus. Zweitens sieht man aber einen gründlichen Zusammenhang, der zwischen allem in der Natur draußen besteht. Sehen Sie, der Schmetterling ist aus dem Licht geschaffen; aber das Licht mußte erst, indem es die Erdenmaterie in sich aufnahm und einen Kokon machte, in der Puppe zum Faden gemacht werden. Alles das, was entsteht an tierischen Wesenheiten, wird aus dem Licht heraus geschaffen. Auch der Mensch wird aus dem Licht heraus geschaffen durch die Vorgänge, die durch die Befruchtung des weiblichen Eikeimes geschehen, und der schützt im Inneren des Menschen, durch eine Hülle, das Licht. Und in Wahrheit ist es das Licht, das den Menschen im Körper der Mutter schafft, das also die Möglichkeit schafft, daß der Mensch aus dem Lichte heraus entstehen kann. So sieht man also am Schmetterling, daß er aus dem Licht heraus, das erst gefangen worden ist, entsteht.
Nun, der Schmetterling, der flattert in vielen Farben herum. Solche Farben sind überhaupt da, wenn man dasjenige, was am meisten vom Lichte beeinflußt werden kann, anschaut. Wenn man also in heiße Gegenden geht, dann sind alle Vögel von wunderbaren Farben, weil da die Sonne die größere Stärke hat. Was tut also das, was da in der Sonne, im gefangenen Licht schafft? Das bringt die Farben hervor, bringt immer Farben hervor. Und so ist es auch beim Schmetterling. Der Schmetterling hat seine Farben durch dasjenige, was das Licht da als ein Gefangener getan hat. Man kann den Schmetterling nur verstehen, wenn man ihn versteht als Schöpfung aus dem ganzen Licht heraus, das ihn in vielen Farben macht.
Aber das kann die Sonne nicht allein. Die Sache ist so: Wenn wir das Ei anschauen, ist das also in der Feuchtigkeit drinnen, in der Salz ist. Salz ist Erde, Feuchtigkeit ist Wasser. So daß wir sagen können: Das Ei muß gedeihen in Erde und etwas Wasser. - Die Raupe kommt schon ans Licht heraus. Die Raupe kann ihrem ganzen Wesen nach nicht bloß gedeihen in Erde und Wasser, also in aufgelöstem Kalk zum Beispiel und Wasser, sondern die Raupe braucht Feuchtigkeit, also Wasser, aber auch Luft, Feuchtigkeit und Luft. Diese Feuchtigkeit und Luft, die die Raupe braucht, die ist nun nicht bloß wie das, was das Ei physisch braucht, sondern in dieser Feuchtigkeit drinnen lebt dasjenige, was man Äther nennt und was ich Ihnen beim Menschen geschildert habe als den Ätherleib. Die Raupe kriegt einen Ätherleib. Und durch den Ätherleib atmet sie. Durch den Ätherleib nimmt sie dasjenige auf, was jetzt schon geistig in der Luft ist. Das Ei ist noch ganz physisch, die Raupe aber lebt schon im Physisch-Ätherischen. Aber das ist schwer für die Raupe, im Physisch-Ätherischen zu leben. Die Raupe hat viel zuviel schwere Erdenmaterie in sich. Bei der Raupe ist es so: Wenn sie ans Licht kommt, so zeigt sich das eben, daß sie dann aus sich heraus die Lichtstrahlen spinnt in Form ihrer Kokonseide. Die Raupe möchte ans Licht, kann aber nicht; sie hat zuviel Schwerekräfte in sich. Sie ist dem nicht gewachsen, dem sie jetzt ausgesetzt ist. Daher will sie selber aufgehen im Licht, sie will sich ins Licht hineinergießen, sie will im Licht weiterleben. Was tut sie? Ja, sie schließt sich gegen die Erde mit den Sonnenstrahlen ab, sie macht einen Kokon um sich herum. Die Raupe schließt sich in der Puppe von den physischen Erdenkräften ganz ab. Und jetzt hat die Puppe im Inneren, wo der «Wurm» verschwunden ist, astralische Kräfte in sich, nicht mehr Erdenkräfte und nicht mehr ätherische Kräfte, sondern astralische, ganz geistige Kräfte in sich, und diese astralischen Kräfte leben im eingefangenen Licht. Das eingefangene Licht hat immer geistige Kräfte, astralische Kräfte in sich. Und diese astralischen Kräfte, die schaffen den Schmetterling. Der kann jetzt, weil er ganz aus astralischen Kräften besteht, in der Luft herumfliegen, was die Raupe nicht kann; der kann dem Lichte folgen. Er folgt nur dem Lichte, er unterliegt nicht mehr der Schwere. Es ist die Schwere dadurch, daß er sich hingegeben hat, ausgeschaltet. So daß man sagen kann: Er ist zum Ich herangereift. - Ein Ich ist es, in dem wir sozusagen den Schmetterling herumflattern sehen. Wir Menschen haben unser Ich in uns. Der Schmetterling hat es außer sich. Das Ich ist eigentlich Licht. Das färbt ihn.
Wenn Sie das bedenken, dann müssen Sie sich etwas klarmachen. Sie alle sagen immer zu sich: Ich. - Was bedeutet das, wenn Sie zu sich Ich sagen? Sehen Sie, jedesmal, wenn Sie zu sich Ich sagen, glänzt in Ihrem Hirn eine kleine Flamme auf, die nur mit gewöhnlichen Augen nicht gesehen werden kann. Das ist Licht. Sage ich zu mir Ich, so rufe ich das Licht in mir auf. Dieses selbe Licht, das den Schmetterling in Farben färbt, das rufe ich in mir auf, wenn ich zu mir Ich sage. Es ist das wirklich außerordentlich interessant, draußen in der Natur zu beobachten, daß man sich sagen kann: Ich sage zu mir Ich; könnte ich dieses Ich ausstrahlen in alle Welt, so wäre es Licht. Ich habe es nur durch meinen Körper eingesperrt, dieses Ich. Könnte ich es ausstrahlen, so könnte ich mit diesem Licht lauter Schmetterlinge erschaffen. - Das Ich des Menschen hat eben die Macht, lauter Schmetterlinge zu schaffen, überhaupt Insekten und so weiter zu schaffen. Sehen Sie, da stellen sich die Menschen vor, daß alles so einfach ist. Aber in älteren Zeiten, wo man solche Sachen gewußt hat, da haben die Menschen auch in dem Sinne gesprochen. Im ganz alten Judentum, da gab es ein Wort: «Jahve», was dasselbe bedeutet wie «Ich». Dieses Wort, in der hebräischen Sprache Jahve, durfte nur der Priester aussprechen, weil der Priester dazu vorbereitet war, sich zu sagen, was das bedeutet. Denn der Priester sah in dem Momente, wo er Jahve aussprach, überall die Bilder von herumfliegenden Schmetterlingen. Und da wußte er: Hat er das Wort Jahve ausgesprochen so, daß er nichts sah, so hat er es nicht mit der inneren richtigen Herzhaftigkeit ausgesprochen. Er stand aber in der richtigen inneren Herzhaftigkeit, wenn er lauter Schmetterlinge sah. Das hat er aber den anderen Leuten nicht beibringen können, denn die wären verrückt geworden darob; darum hat er sich erst vorbereiten müssen. Aber wahr ist es doch.
Ja, meine Herren, aber was ist denn das? Denken Sie sich einmal, hier wäre zwischen diesem Pult und dem Punkt, wo ich stehe, eine große Bettdecke mit lauter Flaumfedern drinnen. Die Flaumfedern wären etwas dünn drinnen, und ich stelle mich da hier an und dränge dahin, gehe so dahin, drücke die Flaumfedern zusammen, ich komme nicht ganz bis zu dem Pult hin, sondern muß in der Mitte stehenbleiben, weil ich sie nicht weiter zusammendrücken kann. Ich erreiche das Pult nicht, aber ich verspüre einen Druck, wenn ich mich da anstemme. So wollen Sie das Ich aussprechen, wollen Sie eigentlich lauter Schmetterlinge erzeugen, weil das Ich Licht ist. Aber Sie können das nicht. Statt dessen spüren Sie den Widerstand, wie ich da den Widerstand spüre, wenn ich dem entgegengehe. Und das sind Ihre Gedanken. Darinnen bestehen Ihre Gedanken, daß man nicht lauter Schmetterlinge erschaffen kann durch das Licht. Das Ich denkt Gedanken. Die Gedanken sind eigentlich nur Bilder von der Schmetterlingswelt.
Sehen Sie, das sieht so aus, daß eigentlich heute noch dasselbe einträte, was im alten Judentum eingetreten wäre, wenn einfach ein jeder, der Jahve ausgesprochen hätte, die ganze Schmetterlingswelt gesehen hätte; dann hätten die Leute gesagt: Nun, der ist selbstverständlich verrückt. - Er wäre es auch gewesen, wenn er nicht reif dazu gewesen wäre, die geistigen Sachen anzuschauen! Aber heute sagen die Leute, wenn einer davon redet, daß das Licht Ich ist, und daß das Licht dasselbe ist, was in anderer Weise, wenn es eingesperrt ist, die Schmetterlinge erschaffen kann, was in uns, weil wir ein dazu geeignetes Gehirn haben, die Gedanken schafft statt der Schmetterlinge - heute sagen die Leute wieder: Der ist verrückt! - Aber das ist die Wahrheit. Das ist eben der Unterschied zwischen einer bloßen Verrücktheit und der Wahrheit. So daß man sagen muß: Schauen wir uns den bunten Schmetterling an in der Luft, dann wirkt auf uns dasselbe, wie wenn wir uns so recht in uns fühlen und Ich sagen. Der Schmetterling kann nicht Ich sagen, nicht einmal das höhere Tier, weil das Ich von außen wirkt. Wenn Sie einen Löwen ansehen in seiner semmelfarbenen Gelbheit, dann ist es die semmelfarbene Gelbheit, die vom Ich des Löwen von außen bewirkt wird. Der Löwe wird selber gedacht von der ganzen Natur, die Färbung kommt dadurch zustande. Weil wir von innen heraus denken, bekommen wir nicht von außen die Färbung, sondern wir bekommen die Hautfärbung von innen, die man sehr schwer in der Malerei nachmachen kann. Aber unser Ich färbt eigentlich mit Hilfe des Blutes unseren ganzen Körper zu dieser wunderbaren Menschenfarbe, die man in der Malerei nur nachmachen kann, wenn man alle Farben in der richtigen Weise miteinander mischen kann, richtig mischen kann. Da schafft fortwährend die Natur an dem Wesen, aber sie schafft auf geistige Art. Sehen Sie, ich habe Ihnen hier gesagt: Es muß der Übergang sein von dem Feuchten, das die Luft in sich hält, zu dem Licht. Da ist die Puppe nun in Luft und Licht. Da ist sie in Wasser und Luft als Raupe, hier in Luft und Licht als Puppe, und dann kommt sie immer weiter von dem Licht, das eingefangen ist, zu dem Astralischen, das in ihr wirkt.
Sehen Sie noch einmal auf das zurück: Raupe, Puppe. Denken Sie sich einmal, es gäbe ein Tier, das noch nicht in der Lage wäre, aus seinem eigenen Körper heraus Seidenfäden zu spinnen. Nehmen wir an, es gäbe solch eine besondere Art von Raupe, die wollte, wenn sie eben Raupe geworden ist, nun auch ins Licht, aber ihr Körper ist nicht fähig, Fäden zu spinnen, kann es nicht. Sie kann ihren Körper nicht so machen, daß sie ihn nach außen spinnt. Die Raupe spinnt sich wirklich zu Tode. Sie hört ganz auf, ihr ganzer Körper geht auf in dieses Gespinst. Es bleibt nur noch ein totes Gerüst in ihr. Aber nehmen Sie an, Sie hätten solch ein tierisches Wesen, das eben in sich Materie hat, Stoff hat, der nicht gesponnen werden kann. Was tut dieses Wesen, wenn es in dieselbe Lage kommt, wenn es stark dem Licht ausgesetzt ist? Nun, einen Kokon kann es nicht um sich herum spinnen. Was tut es? Es spinnt in sich selber - die Blutadern! Bei diesem Tier, wenn es in die Luft kommt, wird innerlich das Blut so gesponnen, wie die Raupe außen den Kokon spinnt. Wir würden also dann ein Tier bekommen, das, solange es noch mehr im luftwäßrigen Elemente lebte, ein solches Blutgespinst haben würde, das dem wäßrigen Element angepaßt ist. Lebt es eine Zeitlang im Licht, so ändert es sogar die Form der Adern; die werden ganz anders. Es spinnt in seinem eigenen Körper; weil es nichts herausspinnen kann, spinnt es im Inneren des Körpers. Zeichnen wir uns das genau auf. Denken Sie sich, es gibt also ein Tier, das atmet, wie es in der Feuchtigkeit muß, durch Kiemen, bewegt sich in der Feuchtigkeit, im Wasser so, daß es einen Schwanz hat; da gehen seine Blutadern so, daß sie sich in die Kiemen und in den Schwanz hinein erstrecken. So kann das Tier schwimmen im Wasser und auch atmen im Wasser. Der Fisch hat Kiemen. Mit Kiemen kann man im Wasser atmen. Aber denken Sie sich, das Tier tritt öfter heraus an die Luft, geht ans Ufer, oder der Teich selber wird trockener: da ist es mehr dem Licht ausgesetzt, die Feuchtigkeit verliert sich. Es kommt in diese Gegenden, wo es Licht und Luft, nicht Wasser und Luft haben muß. Was tut das Tier?
Ich will Ihnen das jetzt so mit Punkten aufzeichnen: Dieses Tier zieht aus den Kiemen die Adern zurück, die werden immer mehr verkümmert, und es spinnt diese Adern hier ein. Das Tier spinnt seine eigenen Adern, die es zuerst in die Kiemen hinausgeschickt hat, hier ein. Und die Adern, die in den Schwanz gegangen sind, die zieht es zurück: es wachsen hier Füße; dieselben Adern, die in den Schwanz gegangen sind, die gehen in die Füße, ... (unklare Stelle in der Nachschrift), wo sie nun anders gesponnen sind als die in den Schwanz gegangenen. Das können Sie in der Natur beobachten: Das ist eine Kaulquappe, und das ist ein Frosch! Der Frosch ist zuerst eine Kaulquappe mit Schwanz und Kiemen und kann im Wasser leben. Wenn er nun aber an die Luft kommt, so macht er das innerlich, was die Raupe äußerlich macht. Die Kaulquappe, die ein Frosch ist, der im Wasser leben kann, spinnt aus ihrem eigenen Blutnetz ein Netz, das dann innerlich verläuft, und aus dem, was in Adern und Kiemen gegangen ist, wird jetzt eine Lunge. Da waren es Kiemen und indem das Tier es jetzt eingesponnen hat, wird es eine Lunge; da war Schwanz und da werden jetzt Füße, die durch die Blutzirkulation, die sich in die Lunge hineinbegibt und durch diese Schwingung vorher ein eigentliches Herz entwickelt, bewegt werden. Also dieser selbe Weg von Wasser-Luft zu Luft-Licht, der durchgemacht wird von der Raupe zur Puppe, den macht der Frosch durch, der in Luft-Wasser lebt; das aber durchdringt da die Luft, indem er sich herausbegeben muß an Luft-Licht. Luft-Licht ist es, was eine Lunge erschafft und Beine erschafft, während Wasser-Luft Fischschwänze erschafft und Kiemen. Also es ist so, daß da fortwährend nicht nur das wirkt, was im Inneren eines Tieres ist, sondern immer die ganze Weltumgebung.

Was tut die Gelehrsamkeit? Was haben wir getan, indem wir das uns vorgestellt haben, wie es ist? Wir haben die Welt uns angeschaut! Wir schauen die Welt an, wie sie ist; wir schauen hinaus in die Natur. Was tut der Gelehrte? Der schaut im allgemeinen wenig die Natur an, wenn er solche Sachen wissen will, sondern der bestellt zunächst beim Optiker ein feines Mikroskop, furchtbar fein. Das wird nun nicht in die Natur hinausgetragen - man könnte ja da nicht viel damit machen! -, sondern in ein abgeschlossenes Zimmer gestellt; da läßt er den Schmetterling Eier legen. Für den im Licht herumflatternden Schmetterling hat der Gelehrte nicht viel Sinn. Das Ei legt er nun auf seine Präparierplatte, und dieses Ei beobachtet er dann durch das Mikroskop (es wird gezeichnet): Da hat er sein Auge, da guckt er hinein, was da mit dem Ei, das er selber zerschneidet, geschieht; wo die Natur gar nichts mehr tut, da macht er selber feine Scheibchen daraus, schaut das an, was er selber erst zerschnitten hat. Da unten auf der Präparierplatte liegen die mit dem Rasiermesser zerschnittenen feinen Blättchen. Darinnen forscht man nach! So sind überhaupt heute viele Forschungen.
Denken Sie sich eine Universitätsvorlesung. Der Professor bringt so viel Leute, als es überhaupt möglich ist, in sein Kabinett; da läßt er sie immer abwechselnd hineinschauen in das, was er da zerschnitten hat und zeigt ihnen das, was da drinnen ist. Er führt sie natürlich manchmal auf Exkursionen hinaus, aber da sagt er nicht viel über das, was da draußen ist, weil er darüber nicht viel weiß. Seine ganze Wissenschaft wird darauf abgestellt, was er unter dem Versuchsträger sieht, wenn er erst selbst kleine Stückchen herausgeschnitten hat. Zu welcher Weisheit kommt er denn dann? Er kommt auf alles das, was im Schmetterling vorwiegend schon im Ei drinnen liegt, nur auf kleinwinzige Weise. Ja, man kann doch zu nichts anderem kommen, wenn man erst mit dem Rasiermesser zersägt und schneidet und durch das Mikroskop es anschaut! Man vergißt jaalles, was da draußen in Licht und Luft und Wasser wirkt. Man hat ja nur Präpariergläschen, auf die man das Mikroskop richtet. Man kann ja gar nichts erforschen! Man kann nur sagen: Da draußen ist der Schmetterling, aber da drinnen, was ich da anschaue unter meinem Mikroskop, da ist schon der ganze Schmetterling drinnen auf ganz kleinwinzige Weise.
Heute trauen sich die Leute das schon nicht mehr, aber früher, da hat man gesagt beim Menschen: Da haben wir die Anna; die hat eine Mutter, die heißt Marie. Nun ja, die Anna ist aus der Mutter Marie geboren. Nun schön; aber die ganze Anna besteht ja schon in der Eizelle drinnen, und die Eizelle, die steckte wieder in der Mutter, der Marie drinnen. So daß man also sich vorstellen muß: Da ist die Eizelle der Anna, da die der Marie, da steckt die Anna drinnen; aber die stammt wieder ab von der Gertrud, das ist die Großmutter von der Anna. Nun ja, aber da das Ei der Zelle der Anna in der Zelle der Marie war, so muß die wieder in der Zelle der Gertrud drinnenstecken. Nun ist die Urgroßmutter der Anna die Käthi, und die Zelle von der Anna, Marie und Gertrud stecken schon in der Eizelle der Käthi drinnen und so weiter, und dann bekommen wir eine längere Reihe bis zur ersten Eizelle - das ist die der Eva. Und so haben die Leute gesagt- es war natürlich der bequemste Weg-: Der Mensch, der jetzt lebt, der steckte schon drinnen als ein kleinwinziger Kerl in der Eizelle der Eva. — Man nannte das die Einschachtelungstheorie. Die Theorien, die heute noch existieren, die sind nur etwas unklarer, die getrauen sich nicht mehr zurückzugehen bis zu der Eva, aber sie sind im Geiste ganz dasselbe, sind nämlich gar nicht fortgeschritten: «Der ganze Schmetterling ist schon da drinnen!» Und in diesem Schmetterling hat Licht und Luft und Wasser, die doch da sind, gar nichts mehr zu tun!
Wenn man so diesen Wissenschaftsbetrieb ansieht, wie da der Professor die Leute in sein Kabinett hineinführt, wie er ihnen da seine furchtbar gelehrten Sachen, die aber eigentlich gerade Narrheiten sind gegenüber dem Schaffen der Natur, vorführt, so hat man das Gefühl: Ja, es ist doch auch noch Licht und Luft und alles da!- Aus dem entfernt sich der Professor und geht in sein finsteres Kabinett hinein, in dem womöglich ein künstliches Licht gemacht ist, um das Mikroskop nicht zu stören durch das Fensterlicht und so weiter. Und da denkt man sich: Donnerwetter, der bleibt beim Ei stehen, in dem schon alles drinnen ist- und Luft und Licht und alles andere ist von der heutigen Wissenschaft pensioniert! - Es ist in Pension gegangen, tut nichts mehr. Die heutige Wissenschaft kennt nichts mehr von dem Schaffen in Luft und Licht und Wasser, kennt nichts mehr davon. Es ist schon etwas, was furchtbar nagt an unserem sozialen Leben, daß wir eigentlich eine Wissenschaft haben, die die ganze Welt pensioniert, nur noch das sieht, was durch das Mikroskop zu sehen ist, geradeso wie sich der Staat nicht kümmert um einen Pensionär, als daß er ihm die Pension entsprechend auszahlt; er braucht ihn nicht mehr. Nicht anders ist es beim Wissenschafter, als daß er seine Nahrungsmittel daraus nimmt; aber er weiß nicht mehr, wie diese Nahrungsmittel wirken, und er beschäftigt sich nur noch mit dem Mikroskop, mit den Teilen. Die ganze Welt ist eigentlich in der heutigen Wissenschaft ein pensionierter Faulenzer. Das ist schon schrecklich, denn das ganze große Publikum kann ja das nicht überschauen. Das ganze große Publikum sagt: Ach, das sind die Leute, die es verstehen müssen!- Wenn sie noch kleine Kinder sind, denkt man schon daran, sie zu gelehrten Menschen zu machen; man gibt sie in die Schulen, wo sie viel lernen können. Nachher strengen sie sich heute viel an! Ja, bis zum siebenundzwanzigsten, achtundzwanzigsten Jahr muß man lernen: Das, was durch die zustande kommt, muß die Wahrheit sein! - Das kann das große Publikum natürlich nicht beurteilen, läßt sich dann durch «Gelehrte» dieses Zeug vorsagen, weiß nichts davon, daß das ja überhaupt nichts mehr mit der Natur zu tun hat. Das redet von der Natur wie von einer Pensionistin. Und so versumpft unser ganzes Geistesleben. Und in dieser Versumpfung des geistigen Lebens sollen wir jetzt vorwärtskommen! Wir kommen eben einfach nicht vorwärts, weil das große Publikum zu bequem ist, darauf zu hören, was man ihm sagt. Es sagt die Wahrheit ja heute nur die Anthroposophie! Das, was ich Ihnen hier sage, können Sie ja sonst nirgends hören. Es sagt die Wahrheit ja niemand; das große Publikum kümmert sich ja nicht mehr darum. Wenn man sie sagt, so heißt es, man sei verrückt. Es ist ja verrückt, daß das so ist! Aber es wird ja nicht derjenige als verrückt genommen, der wirklich verrückt ist, sondern der, welcher sagt, wie es ist, der wird als verrückt genommen. Es ist wirklich schon so, daß man das vollständig verwechselt.
Dazu will ich Ihnen noch eine kleine Anekdote erzählen. Da ist einmal eine ärztliche Kommission, die studieren wollte, in ein Irrenhaus an das Tor gekommen, und als sie hineinkamen, stand ein Herr da, der sie empfing, so daß sie sich sagten: Nun ja, das ist der Herr Direktor, der dirigierende Arzt. Sie sagten zu ihm: Lieber Kollege, können Sie uns jetzt nicht in den Irrenzellen herumführen und uns alles erklären? - Und da führte sie dieser Mann, der am Tore stand, herum, erklärte ihnen alles, was in den einzelnen Zellen war, sagte ihnen: Da ist ein Irrsinniger, der hat merkwürdige Erscheinungen, Halluzinationen, gemischt mit epileptischen Krämpfen. Bei der nächsten Zelle erklärte er: Der hat Willensemotionen über das normale Maß hinaus. Das erklärte er sehr genau. Dann kamen sie zu den eigentlich Wahnsinnigen, die sich allerlei fixe Ideen in den Kopf setzten. Sehen Sie, sagte er, das ist einer, den immer Gespenster verfolgen, ein anderer, den immer wiederum Leute verfolgen, nicht Gespenster, aber Menschen. Nun werde ich Sie zu dem Allerverrücktesten führen, den wir haben, sagte er - und da führte er sie zu der Zelle des Allerverrücktesten, und sagte: Der Mann leidet an einer fixen Idee; er meint, er sei der Kaiser von China. Das ist natürlich eine Konsolidierung der Ideen vom Kopf: statt daß diese Ideen bloß in Gedanken bleiben, hat er sie konsolidiert. — Er erklärte das sehr genau und sagte: Aber Sie müssen wissen, meine Herren, daß das ein Unsinn ist, daß der der Kaiser von China ist, denn der bin ich nämlich selber! - Ja, er hatte ihnen alles erklärt, er hatte sie herumgeführt, aber nicht an der Wissenschaft, sondern an der Nase. Aber der war wirklich verrückt. Der andere, sagte er, sei deshalb verrückt, weil er meine, daß er der Kaiser von China sei; er aber, sagte er, er sei der Kaiser von China selber. Es war ein ganz Verrückter, der da die Kommission führte.
Man kann nicht immer unterscheiden, wenn einer verrückt in der Wissenschaft ist. Sie werden staunen, was für Gescheitheiten Ihnen die Verrückten erzählen, wenn Sie mit ihnen in Berührung kommen. Deshalb hat der Lombroso, der italienische Naturforscher, gesagt, daß ein eigentlicher Unterschied zwischen Genie und Verrücktheit gar nicht vorhanden ist: Genies sind immer ein bißchen verrückt und Verrückte immer ein bißchen Genies. — Sie können das nachlesen in einem Bändchen in der Reclam-Bibliothek, das Büchelchen heißt: «Genie und Irrsinn.»
Natürlich, wenn man nicht verrückt ist, kann man schon unterscheiden zwischen Genie und Irrsinn. Aber wir sind heute geradezu schon so weit gekommen, daß ganze Bücher existieren können, wie das von Lombroso - in deutscher Sprache erschienen in Reclams Universal-Bibliothek -, wo die Wissenschaft selber konstatieren will: Man kann nicht unterscheiden zwischen Genie und Irrsinn. So kann die Geschichte natürlich nicht länger fortgehen, sonst kommt man in eine vollständige Versumpfung des geistigen Lebens hinein. Man muß wiederum die pensionierte Natur anstellen, dann kommt man eben zu dem, wie wirklich das Ei zur Raupe, zur Puppe sich entwickelt, und wie das Licht darinnen gefangen ist, wie in uns das Licht darinnen gefangen ist, der farbige Schmetterling, der herausfliegt.
Das ist das, was ich im Anschluß an das, was wir schon besprochen haben, Ihnen habe sagen wollen, damit Sie sehen, daß das Licht schaffenden Geist in sich enthält. Denn der Wurm, die Raupe mußte erst verschwinden, dann konnte der Schmetterling entstehen. Der Schmetterling ist da drinnen, wo die Raupe untergegangen ist. Der Geist schafft. So geht überall zuerst der Stoff unter, verschwindet - dann schafft das Geistige das neue Wesen heraus. So ist es auch bei der Befruchtung des Menschen. Die Befruchtung bedeutet, daß der Stoff zunächst vernichtet wird. Da ist ein bißchen vernichteter Stoff, und da schafft nun der Geist und das Licht im Ich den Menschen. Wenn Sie das ein bißchen durchdenken, werden Sie sich das zusammenfassen können, was ich Ihnen gesagt habe: Man geht nicht blind vor, schaut sich die Kaulquappe an, den Frosch, und weiß, warum der Herz und Lunge hat und Füße, und warum die Kaulquappe noch schwimmen kann im Wasser! Alle diese Dinge schließen sich zusammen. Sie werden schon sehen an den Dingen, die wir immer mehr und mehr hinzunehmen, daß eine wirkliche Wissenschaft, die das versteht, eben nur innerhalb der Anthroposophie entstehen kann.