How Spirit Works in Nature

GA 351 — 10 October 1923, Dornach

2. Über Blausäure und Stickstoff, Kohlensäure und Sauerstoff

Guten Morgen, meine Herren! Ist Ihnen etwas eingefallen?

Fragesteller: Herr Doktor sagte einmal, daß die Gestirne, zum Beispiel der Mond, viel größer sind, als man sie sieht. Könnte man darüber vielleicht noch etwas hören?

Dr. Steiner: Ich will Ihnen heute etwas sagen, was möglich macht, daß wir in der nächsten Stunde noch genauer auf diese Himmelskörper eingehen. Natürlich ist es ja so, daß man erstens einmal einsehen muß, was diese Gestirne sind und wie das mit der Erde zusammenhängt; und auf der anderen Seite muß man einsehen, daß überall in diesen Gestirnen etwas Geistiges ist. Die Größe, Lage und so weiter, das macht ja natürlich nicht viel aus. Ich will Ihnen daher heute eine gewisse Grundlage von der Erde aus noch sagen, die Ihnen zeigen wird, wie man von der Erde aus die Sonne begreifen kann und wie man den Mond begreifen kann. Es ist natürlich so, daß die Sonne viel größer ist als die Erde und der Mond kleiner ist als die Erde. Der Mond ist ja natürlich größer als man ihn sieht, aber er ist kleiner als die Erde. Und die Sonne ist, so wie sie draußen ausgebreitet ist, größer als die Erde.

Aber nun müssen wir vor allen Dingen einmal einsehen können, aus welchen Bestandteilen diese Himmelskörper bestehen, was sie eigentlich sind. Wir müssen uns fragen, was man da antreffen würde, wenn man hinauffahren würde mit einem Luftschiff. Bei alledem muß man nun wiederum vom Menschen ausgehen. Wir haben ja immer wieder besprochen, wie der Mensch von seiner ganzen Umgebung abhängig ist: Sie atmen die Luft ein, Sie atmen die Luft wieder aus. Wenn Sie die Luft einatmen, dann kriegen Sie das in Ihren Körper hinein, was draußen in Ihrer Umgebung ist. Die Luft, die draußen ist, besteht aus Sauerstoff und Stickstoff. Das ist selber ein luftförmiger, ein gasförmiger Körper. Und dieser Sauerstoff, der ist zu unserem Leben unbedingt notwendig. Wir brauchen den Sauerstoff. Und zwar brauchen wir ihn so, daß wir ihn in der Nacht finster einatmen, bei Tag ihn so einatmen, daß die Sonnenstrahlen durchgehen. All das brauchen wir. So daß wir sagen können: Wir würden nicht leben, wenn wir den Sauerstoff der Luft nicht hätten. - Aber dieser Sauerstoff der Luft ist mit einem anderen Gas gemischt: mit dem Stickstoff. So daß man also in der Luft Sauerstoff und Stickstoff hat. Nun könnten Sie sagen: Braucht man auch den Stickstoff?

Wenn der Stickstoff allein nur da ist, muß man ersticken. Denken Sie sich einmal, wir brächten Sie alle, statt in dieses Zimmer, wo Sauerstoff mit Stickstoff gemischt ist, in ein Zimmer, wo bloß Stickstoff wäre: Sie würden alle miteinander ersticken! Wir könnten also sagen: Vielleicht könnte es uns höchst gleichgültig sein, ob der Stickstoff da ist oder nicht, wir könnten ja vielleicht den Sauerstoff allein haben. - Dann ist es aber so: Wenn bloß Sauerstoff da wäre, dann würde höchstens der Jüngste, der dort sitzt, noch leben - wir andern alle wären längst gestorben. Der Jüngste würde noch leben, würde aber einen langen Greisenbart haben und weiße Haare und Runzeln, er wäre schon ein Greis! Also wir würden alle, wenn bloß Sauerstoff da wäre, zu schnell leben. Nur dadurch, daß der Sauerstoff mit viel mehr Stickstoff gemischt ist - nur 21 Prozent sind Sauerstoff, das andere fast alles Stickstoff -, dadurch leben wir so lange, wie wir als Menschen leben können. Wenn wir also keinen Stickstoff hätten, so würden wir zu schnell leben. Wir würden nur so lange leben, daß wir etwa sechzehn, siebzehn, achtzehn Jahre alt würden, und dann wären wir schon Greise.

Der Stickstoff, wie er da in der Luft ist, hat aber noch eine ganz besondere Eigentümlichkeit. Sie könnten ja sagen: Wie wäre es denn, wenn nun ein bißchen mehr oder weniger Stickstoff in der Luft wäre? - Nehmen Sie einmal an, es wäre weniger Stickstoff in der Luft als diese Prozente, die eben da drinnen sind. Meine Herren, das wäre eine ganz kuriose Geschichte: Da würden Sie nännlich alle anfangen, in der Luft, die Sie ausatmen, mehr Stickstoff auszuatmen, als Sie sonst ausatmen, wo in der Luft gerade so viel drinnen ist, als eben jetzt drinnen ist. Also wenn zuwenig Stickstoff drinnen wäre, so würden Sie selbst aus Ihrem Körper den Stickstoff herauspumpen, um so viel aus Ihrem eigenen Körper in die Luft hineinzupumpen, als jetzt drinnen ist. Wenn mehr drinnen wäre, als jetzt drinnen ist in der Luft, dann würden Sie anfangen, den Stickstoff, den Sie einatmen, zurückzuhalten und weniger auszuatmen, als Sie jetzt ausatmen, damit in der Luft wieder weniger Stickstoff drinnen ist. Das ist sehr merkwürdig: Der Mensch braucht nicht nur den Stickstoff beigemischt dem Sauerstoff, damit er das Richtige einatmen kann, sondern er braucht in der Umgebung eine ganz bestimmte Menge von Stickstoff. Der muß da sein. Es kommt also nicht darauf an, daß wir in uns genügend Stickstoff und Sauerstoff haben, sondern daß in unserer Umgebung die richtige Menge drinnen ist. Und wenn sie nicht genügend drinnen ist, tun wir sie selber hinein.

Das ist etwas, was die heutige Wissenschaft gar nicht weiß. Die heutige Wissenschaft schaltet den Menschen ganz aus aus der Welt, weiß nicht, daß der Mensch in Wirklichkeit der Herr der Welt sein kann, wenn er sich dessen nur bewußt ist. Wenn also irgendwo, sagen wir, es darauf ankäme, eine Kolonie zu gründen, wo zu wenig Stickstoff ist, ja, dann könnte man genügend Stickstoff dadurch herstellen, daß man einfach den Menschen solche Nahrungsmittel empfiehlt, durch die sie selber viel Stickstoff ausatmen können. Also Sie sehen, wie eine wirkliche Wissenschaft sogleich praktisch wird.

Nun aber kommt ja noch etwas anderes in Betracht. Betrachten wir zunächst diesen Stickstoff, nicht den, den wir draußen lassen, sondern den, den wir auch fortwährend ein- und ausatmen. Wenn wir ihn allein hätten, würden wir ersticken. In unseren Lungen ersticken wir durch den Stickstoff. Aber unsere Nieren, unsere Verdauungsorgane, unsere Hände und Füße, die brauchen den Stickstoff; da wird er durch das Blut hineingeleitet, da ist er notwendig. So daß wir sagen können: Wenn der Mensch da steht (siehe Zeichnung S. 36), so geht fortwährend der Stickstoff, den ich hier rot anzeichnen will, in seine Arme und Hände, in seinen Unterleib hinein, in seine Beine und Füße hinein. Da muß der Stickstoff drinnen sein. In den Lungen darf sich der Stickstoff nicht aufhalten, da darf er nur durchgehen und den Sauerstoff für die Lungen haben. Die Lungen können nur, wenn sie Sauerstoff haben, leben; aber der Stickstoff geht weiter, geht in Arme und Hände. Also überall da, wo ich rot angestrichen habe, muß der Stickstoff hinein. Und auch im Herzen muß er noch abgelagert werden, der Stickstoff. Da muß überall Stickstoff drinnen sein.

Dieser Stickstoff, der da drinnen ist, der geht, ich möchte sagen, immerfort in Brüderlichkeit zusammen mit dem Kohlenstoff. Kohlenstoff ist in der Kohle, im Diamant, ist im Graphit. Der Kohlenstoff ist aber auch in uns. Nur ist er in uns flüssig, schwimmt herum. Da drinnen (siehe Zeichnung) ist also der Stickstoff, den ich rot gezeichnet habe; jetzt will ich den Kohlenstoff blau einzeichnen. Der ist auch überall drinnen, so daß das Rote überall mit dem Blauen, dem Kohlenstoff, zusammen ist. Das ist etwas sehr Merkwürdiges: Sie tragen in Ihrem Inneren, in Ihren Beinen, Ihren Füßen, Ihren Armen und Händen, in Ihrem Magen, in Ihrer Leber, in Ihren Nieren, in Ihrer Milz, in Ihrem Herzen zusammen Kohlenstoff und Stickstoff - Stickstoff, wie er in der Luft ist, und ganz flüssigen Kohlenstoff, wie wenn Sie Kohle auflösen würden und dieses Schwarze im Wasser schwimmen würde. Das haben Sie in sich.

351-T03
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Aber das ist eigentlich eine gefährliche Geschichte, wenn irgendwo Kohlenstoff und Stickstoff nebeneinander sind. Wenn irgendwo Kohlenstoff und Stickstoff nebeneinander vorhanden sind, so ist immer die Gefahr vorhanden, wenn die richtigen Bedingungen dazu da sind, daß sie Blausäure, Zyansäure bilden; denn Blausäure besteht aus dem, was ich hier rot und blau angezeichnet habe im Schema. So daß Sie also herumgehen und während Sie herumgehen, ist immer die Gefahr vorhanden, daß sich Blausäure in Ihnen bildet. Also überall da, wo ich blau angezeichnet habe, ist immer die Gefahr vorhanden, daß sich durch den ganzen Menschen hindurch Blausäure bildet. Und weil die Knochen Kalk haben, kann sich die Blausäure auch mit dem Kalk verbinden; dann entsteht eine Zyan-Kalziumverbindung. Und dann entsteht Zyankali. Sie wissen, daß man sich mit Zyankali am technisch vollkommensten vergiften kann. Es gibt natürlich kein besseres Mittel als Zyankali dazu; da ist es sofort richtig. Nun ist aber im Menschen fortwährend die Gefahr vorhanden, daß er Blausäure und Zyankali bildet. Dieses muß sein. Denn, wenn Sie diese Anlage nicht in sich hätten, Zyankali zu bilden, dann könnten Sie nicht gehen und Ihre Arme nicht bewegen. Die Kraft, sich zu bewegen, das Bewegen der Arme und Beine, kommt von dem, daß Sie fortwährend der Gefahr ausgesetzt sind, daß Sie Zyankali bilden.

Nun ist da etwas sehr Feines: Dieses Zyankali will sich in uns fortwährend bilden und wir verhindern es fortwährend! Darin besteht unser Leben als bewegter Mensch. Sogar die Blutbewegung hängt davon ab, daß wir dieses verhindern, daß sich Zyankali bildet. Von dieser Widerstandskraft gegen die Zyankalibildung rühren unsere Bewegungen her. Und unser Wille rührt eigentlich davon her, daß er fortwährend genötigt ist, die Zyankalibildung und die Blausäurebildung in uns zu verhindern.

Nun, meine Herren, es bildet sich eben nicht Zyankali; denn wenn es sich bilden würde, würden wir vergiftet werden. Aber in jedem Augenblick haben wir in uns die Möglichkeit, daß sich Zyankali bildet und wires verhindern müssen. Das ist natürlich nicht viel Zyankali, das sich da bilden will, aber es würde im Leben schon etwas zusammenkommen, wenn es sich bilden würde. Und diese Kraft, die da lebt in dem Zyankali, das sich bilden will, diese Kraft, die da lebt, die verbindet den Menschen auf der Erde mit der Sonne. So daß fortwährend das, was in der Blausäure lebt, vom Menschen in die Sonne hinaufströmt. Sie können also sagen, wenn Sie zur Sonne hinaufschauen: Ich habe eine Verbindung mit der Sonne; und die Kraft, die in mir lebt zur Rückbildung des Zyankalis, das sich fortwährend bilden will in meinem Leibe, diese Kraft, die geht von der Erde bis zur Sonne hinauf. Wenn Sie hier die Erde haben und hier die Sonne - ich muß sie jetzt groß zeichnen -, so gehen also von dem Menschen zur Sonne fortwährend solche Zyankaliströme, und von der Sonne gehen Ströme wieder zurück. Es strömt von dem Menschen zur Sonne dieses aufgelöste Zyankali, und von der Sonne strömt wiederum zurück dasjenige, was die Sonne macht aus diesem aufgelösten Zyankali. Und diese Entfernung, die ist zwanzig Millionen Meilen - eine Meile wird als sieben und ein halber Kilometer gerechnet. Wenn jetzt ein Licht angezündet wird auf der Sonne, so sehen wir es erst, weil das Licht so lange braucht, um herzukommen, sehr viel später. Also mit einem Weltenkörper, der so weit von uns entfernt ist, stehen wir einfach dadurch in Verbindung, daß wir diese Kraft ausströmen, die fortwährend bestrebt ist, Zyankali zu bilden. Namentlich in unseren Knochen ist fortwährend etwas wie ein Zyankaliherd, wie ein Quell von Zyankali.

Wäre das nicht der Fall, dann wären wir auf der Erde ganz eigentümliche Menschen. Würden wir nicht diese Verbindung mit der Sonne haben, dann würden wir auch hinaufstieren zur Sonne und würden sagen: Ja, das ist ein Weltenkörper, der uns gar nichts angeht. - Wir würden sehen, daß zwar Pflanzen wachsen; aber diese Pflanzen könnten auch nicht wachsen, wenn nicht dieses Zyankali hin- und hergehen würde. So würden wir also die Sonne anstieren und wir wüßten nicht, was für einen Bezug sie zum Menschen hat. Diesen Bezug, den ich Ihnen jetzt erzählt habe, den wissen die Menschen heute natürlich auch nicht, aber sie fühlen, daß sie zur Sonne gehören. Und sie fühlen das sehr stark. Denn wenn die Sonne untergeht - namentlich in alten Zeiten, wo die Menschen noch gesünder gelebt haben, bei Nacht geschlafen und bei Tag gewacht haben, da war es noch so —, dann spürt der Mensch, daß er die Sonne nicht so in sich aufnimmt. Da ist das Zyankali nur in ihm, allerdings nur in kleinen Mengen; dann schläft er ein. Es ist in der Tat die Sonne, die den Menschen immer aufweckt und einschläfert. Nur weil sich der Mensch etwas zurückbehält, kann er den Unfug begehen, daß er in der Nacht weiterschafft oder auch nicht schafft, sondern sich weitervergnügt. Aber es kommt auch das, was wir in der Nacht an Kräften aufbringen, durch den Zusammenhang dieser Kräfte mit der Sonne. Und ich möchte sagen: Wenn auf der Erde selber irgendwo Blausäure gebildet wird - zum Beispiel in gewissen Pflanzen wird Blausäure gebildet -, wenn also auf der Erde selber Blausäure gebildet wird, dann kriegt diese Sonnenkraft gewissermaßen die Pflanze dran, daß sie das bewirkt, was eigentlich im Menschen immerfort bewirkt werden will.

Sehen Sie, meine Herren, dazu, daß sich das bilden kann - und es muß sich bilden, denn in der Blausäure ist der Stickstoff drinnen -, dazu braucht man den Stickstoff in der Umgebung. Und die Sonne braucht den Stickstoff, damit sie in der richtigen Weise auf uns wirken kann. Wir könnten eben auf Erden als Menschen nicht stehen, wenn die Sonne nicht den Stickstoff hätte, durch den sie auf unsere Gliedmaßen, auf unsere Verdauungsorgane und so weiter wirken kann. Aber beim Kopfe ist das ganz anders, beim menschlichen Kopf, ganz anders. Sehen Sie, in der Lunge, da taugt der Stickstoff nichts; er muß durchgehen durch die Lunge. In der Lunge taugt nur der Sauerstoff etwas. Und wenn der Sauerstoff durch die Lunge durchgeht, dann darf der Teil, der dann zum Kopf geht, nicht so brüderlich zum Stickstoff hingehen. Der Sauerstoff, der zum Kopf hingeht, der muß vielmehr zum Kohlenstoff gehen. Und statt daß Blausäure gebildet wird gegen die Füße zu, wird jetzt gegen den Kopf zu — das will ich violett anstreichen - fortwährend Kohlensäure gebildet. Also gegen die Füße zu bildet der Mensch Blausäure, gegen den Kopf zu bildet er Kohlensäure. In der Kohlensäure würden wir, wenn wir darin atmen müßten, auch ersticken müssen; aber wir brauchen sie in unserem Kopf. Sehen Sie, meine Herren, das ist eine sehr interessante Sache: unser Kopf braucht die Kohlensäure.

Nun kennen Sie ja gewiß alle die Kohlensäure. Sie haben sicher alle schon solch eine Brauselimonade gehabt oder solch ein Wasser, das moussiert: da sind die Perlen drinnen, diese Gasperlen. Das ist oftmals Kohlensäure, denn in kohlensauren Wassern, da ist die Kohlensäure drinnen und steigt in kleinen Perlen auf. Meine Herren, Sie könnten nicht denken, Sie hätten überhaupt Ihren Kopf zu nichts, wenn nicht in Ihrem eigenen Körper fortwährend durch das Blut solche kleine Perlen aufschössen. So wie in der Brauselimonade in der Flasche die Perlen aufschießen, so gehen fortwährend kleinwinzige Perlen in Ihnen nach Ihrem Kopfe hin. Sie könnten Ihren Kopf zu nichts verwenden, wenn Sie nicht selber eine solche Flasche wären. Ein Dreizehntel bis ein Vierzehntel vom Gewicht Ihres eigenen Körpers nimmt das Blut ein. Also Sie können sich vorstellen: Sie sind eigentlich eine solche Flasche, in die statt dem Brausewasser Blut gefüllt ist, und da schwimmen, nach aufwärts strebend, ganz genau so wie beim Brausewasser, nur viel kleiner, diese Perlen, wie in der Limonadeflasche. Der Kopf könnte nicht denken, wenn nicht diese Perlen in Ihnen fortwährend aufsteigen würden.

Nun aber darf diese Kohlensäure nicht untätig sein in Ihrem Kopfe. Sie können sich ganz gut denken, Sie wären in bezug auf Ihr Blut solch eine Flasche, und da stiegen die Perlen auf nach Ihrem Kopfe hin. Nun haben Sie geradeso da drinnen die Kohlensäure in Ihrem Kopfe, diese Blasen, wie bei der Brauselimonadenflasche. Wenn Sie zu wenig im Kopfe haben, schlafen Sie ein; also die brauchen Sie in Ihrem Kopfe. Aber diese Kohlensäure, die kommt in Ihrem Kopfe in Berührung - nirgendwo anders -, aber in Ihrem Kopfe kommt sie in Berührung, in Zusammenhang mit dem Eisen in Ihrem Blut. Das Eisen ist überall im Blut. Aber jenes Eisen, das da in den Händen im Blute ist, das kann mit der Kohlensäure nichts machen; nur im Kopfe kommt die Kohlensäure mit dem Eisen zusammen. Und ich möchte sagen: die küssen sich im Kopfe, werden miteinander sehr intim, das Eisen und die Kohlensäure; und von da aus geht durch die Adern dann das Eisen in das ganze Blut über. Die Kohlensäure, die trägt dann das Eisen ins ganze Blut, wenn es mit ihm in Berührung gekommen ist im Kopfe. Ein Rendezvous können sich Eisen und Kohlensäure nur im Kopfe geben; aber nachher, wenn sie sich das Rendezvous gegeben haben, können sie im ganzen Blute herumspazieren. Wenn daher ein junges Mädchen bleichsüchtig wird, zu wenig Eisen im Blut hat, so bedeutet das, daß in ihrem Kopf zu wenig Rendezvous stattfinden, zu wenig Stelldichein zwischen Eisen und Kohlensäure. Das Mädchen hat nicht die Kraft, genügend Eisen und Kohlensäure im Kopf zusammenkommen zu lassen.

Nun haben Sie aber wahrscheinlich schon gehört von solchen kohlensauren Wassern und selbst schon welche getrunken. Solche kohlensauren Wasser — Eisensäuerlinge nennt man sie -, die sind besonders gesund. Sehen Sie, da wo Eisensäuerlinge sind - es gibt eben sehr viel kohlensäurehaltiges Wasser in der Erde -, da übt die Natur das in der Erde aus, daß sich in der Erde fortwährend das ausbildet, was der Mensch in seinem Kopfe ausbildet. Große eisenhaltige Quellen sind in der Erde da und dort. Da schickt man dann die Menschen hin, wenn ihr eigener Kopf zu schwach geworden ist. Denn jeder Menschenkopf ist eine solche eisenhaltige Quelle, es bildet sich da drinnen noch fortwährend sogar ein Eisensäuerling, kohlensaures Eisen. So viele Sie hier sitzen, so viele Quellen sind Sie. Nur wenn einer den Winter hindurch ganz schwer lumpt, dann wird sein Kopf schwach, und dann wird der KohlensäureEisengehalt in seinem Kopfe schwach. Er fühlt so etwas, was viele Menschen dann im Frühling fühlen, er fühlt so etwas, wie wenn es in seinem Blut nicht mehr richtig ginge — natürlich, wenn er gelumpt hat! -, er fühlt sich im Kopfe schwach, muß in ein kohlensaures Bad geschickt werden, damit er durch den Magen und von da durch den Kopf bekommt, was er eigentlich selber bilden müßte durch ein solideres Leben. - Die eisenhaltigen Quellen sind gar nicht so selten: es sind so viele, als Menschen sind auf der Erde! Also wir haben das, was wir brauchen an Eisen, in unserem Blute durch dieses kohlensäurehaltige Eisen.

Das müssen wir allerdings fortwährend selber bilden in unserem Kopfe. Aber ebenso müssen wir es im Moment, wo es entstehen will, gleich wieder verhindern, so wie wir die Blausäure verhindern müssen. Das darf nur anfangen, sich zu bilden. Wissen Sie, heute reden die Chemiker nur davon: Nun ja, wir können also Eisen und Kohlenstoff und Sauerstoff zusammenbringen, kriegen da kohlensaures Eisen. Das muß dann da sein, dieses kohlensaure Eisen. - Aber so geschieht das nicht im Leben! Geradeso wie ein Unterschied ist zwischen einem Stein und einem Stück Leber von Ihnen, geradeso ist ein Unterschied zwischen dem, was der Chemiker im Laboratorium als kohlensaures Eisen macht und dem, was in Ihrem Kopf als Eisen, als kohlensaures Eisen existiert. Das lebt! Das ist eben der Unterschied, daß das lebt. Und sehen Sie, von diesem kohlensauren Eisen, das in Ihrem Kopfe ist, gehen fortwährend Strömungen hinauf zum Mond. Geradeso wie zur Sonne die Zyankaliströme gehen, so gehen zum Mond hinauf und wieder zurück diese Strömungen, die der Mensch dadurch entwickelt, daß er die Kraft in sich hat, das kohlensaure Eisen zu beherrschen.

Denken Sie, meine Herren, daß Sie zum Mond hinaufschauen. Da können Sie sich sagen: Er hat viel mit meinem Kopfe zu tun. Und so ist es auch, wenn Sie in irgendeine Gegend kommen - ich will zum Beispiel sagen, Sauerbrunn in Ungarn oder Götsch in der Steiermark, Gießhübl und so weiter; in der Schweiz sind, glaube ich, auch welche -, wenn Sie da hinkommen, so ist das eine Stätte, wo durch das Erdreich der Mond am besten auf die Erde wirken kann, denn nur dort entstehen solche Wasser. So daß wir also da sehen, wie die Erde und der Mensch auf der Erde mit Sonne und Mond zusammenhängen dadurch, daß man darauf kommt: Nach der Sonne gehen die vom Menschen beherrschten Zyankaliströmungen, nach dem Monde gehen die vom Menschen beherrschten Eisen-Kohlensäurestrrömungen.

Wenn man vernünftig wäre, so würde man alle solche Sachen ordentlich untersuchen. Das tut man heute nicht. Sie müssen eben nur bedenken, daß die Pflanzen, die auf der Erde sind, fortwährend Kohlensäure brauchen. Kohlensäure ist da. Wir Menschen und die Tiere atmen Kohlensäure aus. Kohlensäure ist da! Die Pflanzen, die auf der Erde sind, die atmen nicht Sauerstoff, sondern Kohlensäure ein. Den Sauerstoff werfen sie weg, den Kohlenstoff behalten sie in sich. Daher ist die Pflanze auf der Kohlensäure aufgebaut. Aber dieser ganze Vorgang, der entwickelt sich am besten bei der Pflanze so, daß die Pflanze sich herausentwickeln kann aus der Kohlensäure, wenn der Vollmond scheint, weil das mit der Kraft des Mondes zusammenhängt. Dagegen, wenn Neumond ist, entwickelt sich das weniger. Und so ist es für die Pflanze eben immer eine Grundbedingung, daß sie vom Vollmond beschienen werde. Das Wachstum schläft bei Neumond und entwickelt sich besonders stark bei Vollmond.

Da haben Sie ja auch im «alten Aberglauben» den Einfluß des Mondes erklärt! Solche Sachen hat man natürlich früher, als die Menschen noch keine Wissenschaft hatten, schon beobachtet. Daher finden Sie natürlich überall in den alten Bauernregeln Andeutungen darauf, wie wichtig der Vollmond für das Pflanzenwachstum ist. Und sehen Sie, meine Herren, man sollte eigentlich nicht nur so reden über die Beziehungen der einzelnen Himmelskörper untereinander, sondern man sollte ausgehen von dem, wie das eigentlich auf der Erde unter den Menschen sich äußert. Der Mensch hat, wie Sie jetzt gesehen haben, vom Mond und von der Sonne außerordentlich viel. Dem Mond verdankt der Mensch das, daß er seinen Kopf gebrauchen kann. Der Sonne verdankt der Mensch, daß er sein Herz und seine Beine und Hände gebrauchen kann. Geradeso wie wir den Boden unter unseren Füßen haben müssen, damit wir darauf herumgehen können, damit wir nicht immer hinunterfallen, müssen wir Sonne und Mond haben, denn zum Denken brauchen wir den Mond, zum Gehen brauchen wir die Sonne, die Sonnenkraft. Wenn wir in der Nacht gehen, so gehen wir durch die aufgespeicherte Sonnenkraft, die wir bei Tag bekommen haben. Wir brauchen eben diese Himmelskörper!

Nun aber, wenn Sie das wissen, was ich jetzt gesagt habe, dann werden Sie auch sich sagen können: Ja, in früheren Zeiten, wie war es denn da? Von den früheren Zeiten habe ich Ihnen gesagt, da waren die Sonne und der Mond und die Erde überhaupt ein einziger Körper; die haben sich erst im Laufe der Zeit getrennt. Wir haben das also heute so, daß wir Sonne, Erde und Mond, das heißt drei Körper haben, im Weltenraum verteilt. Früher hatten wir die Sonne, riesig groß; darinnen war die Erde und darinnen in der Erde war wiederum der Mond selber. Die steckten ineinander (Zeichnung S. 44). Wenn wir also in der Entwickelung zurückgehen, so kommen wir zu einem Zeitpunkt, wo die Sache so war, wie wenn Sie, meine Herren, sehr mächtig wären, wir alle sehr mächtig wären und würden jetzt hier in der Versammlung beginnen, die ganze Erde zusammenzupacken, sie auf einen Weltenwagen zu laden, schnell zum Mond hinfahren würden - den Mond, den stecken wir hinein in die Erde, in den Stillen Ozean, und nachher fahren wir mit der Erde und dem Mond, den wir aufgepackt haben in den Stillen Ozean, hinauf und fahren flugs in die Sonne hinein: dann hätten wir wiederum den Zustand herbeigeführt, der einmal war. Nur würden sofort alle Stoffe der Erde und alle Stoffe des Mondes eine andere Gestalt annehmen, als sie jetzt haben. Aber das war einmal so! Und als das noch so war, da gab es nicht eine solche Luft, wie sie jetzt ist, sondern da gab es auf der Erde Blausäure. Da war also überall in der Sonne Blausäure und Kohlensäure darinnen. Da werden Sie sagen: Aber da war ja kein richtiger Sauerstoff; in Blausäure und Kohlensäure, da kann der Mensch nicht leben! — Ja, meine Herren, so wie der Mensch heute ist, könnte er dabei auch nicht leben; aber dazumal hatte der Mensch noch keinen physischen Körper. Da lebte er als Seele in diesem Gebilde, in diesem Himmelskörper, der Sonne und Erde und Mond zugleich war. Und wir kommen einfach, wenn wir die Sache richtig betrachten, darauf zurück, daß die ganze Weltenkörperbeschaffenheit anders war seinerzeit, daß, als wir noch in der Sonne lebten, wir natürlich nicht von Sauerstoff lebten, sondern von Blausäure und Kohlensäure lebten. Blausäure gab uns die Sonne, in der wir ja drinnen lebten; Kohlensäure gab uns der Mond, der in der Erde drinnen war.

Heute ist von all dem nur zurückgeblieben, daß in der Luft der Stickstoff ist, von dem wir ja auch nicht leben können. Der ist von der Blausäure zurückgeblieben. Die riesige Blausäureluft der Sonne hat uns, als sich die Sonne und die Erde getrennt haben, zurückgelassen den Stickstoff. Der Stickstoff ist also zurückgeblieben von der Blausäure. Und der Sauerstoff, der ist zurückgeblieben von der Kohlensäure, nachdem der Mond herausgekommen ist. So daß wir sagen können: Unsere Luft, unsere gewöhnliche Luft, die aus Stickstoff und Sauerstoff besteht, die ist ja nicht ewig dagewesen, die ist ja erst seit der Zeit vorhanden, seit sich die Sonne von der Erde getrennt hat; da ist der Stickstoff gekommen. Und seit sich der Mond von der Erde getrennt hat, da ist der Sauerstoff gekommen.

Nun geht das aber weiter! Ich habe Ihnen gesagt, es ist eigentlich nur ein bißchen Sauerstoff in der Luft, 21 Prozent etwa, und recht viel Stickstoff, rund 78 Prozent. Nun, ich habe Ihnen aber auch gesagt: Die Sonne ist groß, der Mond ist klein; den Sauerstoff haben wir vom Mond, daher ist weniger davon in der Luft; den Stickstoff haben wir von der Sonne, daher ist sehr viel davon in der Luft, weil die Sonne viel größer ist als der Mond. Man sieht es also sozusagen der Luft an ihrem Stickstoff an, daß die Sonne größer ist als der Mond, weil wir den Stickstoff von der Sonne, den Sauerstoff vom Monde haben.

Weiter aber habe ich Ihnen gesagt: Die Kohlensäure, die besteht aus Sauerstoff und Kohlenstoff. Der Kohlenstoff, der in der schwarzen Steinkohle ist, der ist da; der Sauerstoff ist in der Luft. Nun habe ich Ihnen gesagt, als der Mond herausgegangen ist von der Erde, da ist der Sauerstoff entstanden. Aber aus der Kohlensäure ist ja dann der Kohlenstoff, der in der Erde bleibt, das ist die Steinkohle in der Erde, entstanden. Also denken Sie, wir graben heute die Steinkohle aus der Erde heraus. Was müssen wir uns denn sagen, wenn wir nicht bloß wie die Regenwürmer in der Erde bohren, sondern uns aufklären darüber, wie diese Steinkohle entstanden ist? — Einmal ist der Mond aus der Erde herausgegangen, hat der Luft den Sauerstoff geschenkt und dem Erdboden die Kohle. Wir müssen eigentlich wirklich sagen: Du, Mond, du hast uns reichlich beschenkt, als du die Erde verlassen hast; du hast dich nicht bloß gedrückt, als du die Erde verlassen hast; du hast uns zurückgelassen in der Luft den Sauerstoff und in der Erde die Steinkohle! - Also der Mond, der ist eigentlich ein ganz feiner Kerl im Weltenall draußen; denn als er noch bei uns war, da hat er unsere Seelen unterhalten dadurch, daß er selber immer Kohlensäure entwickelte; das hat er uns zurückgelassen. Und draußen hat er uns den Kohlenstoff zurückgelassen und in der Erde die Steinkohle. Er drückte sich nicht so wie ein Dieb, daß er nichts zurückließ oder gar noch mitnimmt, sondern er hat den physischen Menschen erst möglich gemacht. Vorher gab es keinen physischen Menschen, sondern nur einen geistigen Menschen in der Sonne mit Mond und Erde.

Und noch früher haben sich Erde und Sonne getrennt. Die Sonne hat die Erde versorgt mit Blausäure, eigentlich mit Zyankali. Das braucht man, um seelisch-geistig zu leben, also wenn man nicht den physischen Körper hat. Man muß die Blausäure in der Umgebung haben, da wo man sie gerade nicht brauchen kann, wenn man als physischer Mensch leben soll. Den physischen Menschen löst die Blausäure gleich auf. Aber die Sonne ist auch solch eine feine Person: die hat uns zurückgelassen in der Luft den Stickstoff, als sie damals weg ist, sich getrennt hat; und in der Erde hat sie uns zurückgelassen das Zyankali und andere Zyanverbindungen. Diese bestehen aus Kohlenstoff, Stickstoff und Kalium - Kalium ist ein Stoff, der so fein glänzt wie das Silber - oder auch Kalzium. Diese Sonne also, die hat in der Luft uns den Stickstoff zurückgelassen, auch etwas Kohlenstoff noch, aber der ist nicht zur Steinkohle geworden, sondern der lebt in den Pflanzen, dieser Kohlenstoff; aber Kalzium hat sie abgesondert und davon kommen die Kalkberge, der Jura und so weiter. Daß wir also überhaupt einen festen Erdboden haben, das rührt ja davon her, daß die Sonne einmal bei uns war und hinausgegangen ist in den Weltenraum und uns den Kalk zurückgelassen hat. Der Mond hat uns die Steinkohle zurückgelassen, die Sonne hat uns den Kalk zurückgelassen in der Erde. Der Mond hat uns in der Luft den Sauerstoff gelassen, die Sonne hat uns in der Luft den Stickstoff gelassen.

Und so ist die Erde aus Sonne und Mond heraus gebildet. Und nachdem sie herausgebildet ist, schauen wir hinauf und sehen Sonne und Mond. Aber als eben das alles noch beieinander war, als Sonne, Mond und Erde ineinander waren, da konnte der Mensch nur als seelisch-geistiges Wesen leben, konnte nicht anders leben! Ja, meine Herren, damals war der Mensch fähig, trotzdem zu leben als seelisch-geistiges Wesen, trotzdem er niemals einen physischen Körper bekommen hat, weil Sauerstoff und Stickstoff und das alles nicht da war. Aber nun, wenn wir heute, so wie wir nun einmal sind auf der Erde, Zyankali in uns hineinbringen, dann vernichtet das in unserem Körper alle unsere Bewegungen und Lebenskräfte. Und das Schlimme ist, daß immer Gefahr vorhanden ist, wenn einer sich mit Zyankali vergiftet, daß das die Seele mitnimmt und der Mensch, statt daß er in der Seele weiterleben könnte, überhaupt in der ganzen Welt verteilt wird und namentlich im Sonnenlicht verteilt wird.

Wenn anthroposophische Erkenntnisse sich verbreiten würden, so würde sich kein Mensch mehr mit Zyankali vergiften. Es würde ihm gar nicht einfallen! Daß Vergiftungen mit Zyankali eintreten, das ist nur die Folge der materialistischen Weltanschauung, weil die Menschen glauben: tot ist tot, ganz gleichgültig, ob man durch Zyankali den Tod erleidet oder durch die innere Auflösung. Das ist aber nicht gleichgültig! Wenn man durch die innere Auflösung den Tod erleidet, dann haben Seele und Geist den gewöhnlichen Weg zu gehen in die geistige Welt hinein; sie leben eben weiter. Wenn Sie aber durch Zyankali sich vergiften, dann hat die Seele die Absicht, überall mit jedem Körperteilchen mitzugehen, und namentlich sich auszubreiten im Stickstoff und sich aufzulösen im Weltenall. Das ist der wirkliche Tod von Seele und Geist. Wenn nun die Menschen wissen würden, daß Seele und Geist der eigentliche Mensch ist, dann würden sie sagen: Wir können unmöglich diese furchtbare Explosion hervorrufen, die dann hervorgerufen wird in feiner Weise im ganzen Weltenall, wenn ein Mensch sich vergiftet mit Zyankali. - Denn jeder Mensch, der sich mit Zyankali vergiftet, der schaltet sich ein auf eine unrichtige Weise in den Strom, der von der Erde zur Sonne geht. Und man müßte, wenn man die richtigen Instrumente hätte, jedesmal, wenn sich ein Mensch durch Zyankali vergiftet, in der Sonne eine kleine Explosion sehen. Und die Sonne wird schlechter dadurch. Der Mensch verdirbt das Weltenall und auch die Kraft, die von der Sonne zur Erde strömt, wenn er sich vergiftet mit Zyankali. Der Mensch hat wirklich Einfluß auf das Weltenall. Wenn sich der Mensch mit Zyankali vergiftet, dann ist das so, daß er eigentlich die Sonne ruiniert! Und so ist es bei jeder Zyankalivergiftung.

Und das ist schon etwas, was nicht eine solche künstlich erzeugte religiöse Stimmung hervorruft, sondern was die wirklich religiöse Stimmung hervorruft, daß der Mensch weiß: Ich gehöre dem Weltenall an, und was ich tue, ruft fortwährend Einflüsse im Weltenall hervor. - Das ist es eben, daß das von den Menschen ganz vergessen worden ist, daß das so ist und daß die Menschen gar nicht wissen: Der Stickstoff, der da in meiner Umgebung ist, den hat die Sonne geschaffen; der Sauerstoff, der da in meiner Umgebung ist, den hat mir der Mond geschaffen. - Und daher ist eine wirkliche Wissenschaft im Grunde genommen heute gar nicht mehr da. Es ist ja gar keine wirkliche Wissenschaft mehr da! Die wirkliche Wissenschaft nimmt die anderen Weltenkörper zu Hilfe. Und so sehen die Menschen durch ihre Fernrohre auf die Sterne hinauf, rechnen bloß, wissen aber nicht, daß zum Beispiel zwischen jedem Eisenteilchen, wovon Millionen in unserem Blute herumschwimmen, zwischen jedem Eisenteilchen in unserem Blute und all dem, was im Mond vorgeht, ein inniger Zusammenhang ist. Und so ist es schon, daß zum Beispiel ein bleichsüchtiges junges Mädchen ja keine richtige Beziehung zum Mond entwickeln kann und dadurch ganz herauskommt aus dem Weltenzusammenhang. So daß ein solches bleichsüchtiges junges Mädchen zum Beispiel das Gedächtnis verliert, alles, was sich auf den Kopf bezieht, und daß dadurch nicht jene lebendige Beziehung entsteht, alles das, was, wie ich Ihnen gesagt habe, zwischen Eisen und Kohlensäure entstehen soll - das alles ist nicht vorhanden beim bleichsüchtigen jungen Mädchen: der Kopf wird von Gedanken leer.

Aber wiederum, wenn der Mensch nicht imstande ist, das richtig zu bekämpfen, was da an Zyankali in seinem Körper entstehen will, dann wird zu viel Kalk abgelagert in den Knochen; die Knochen werden brüchig und nach und nach schiebt sich sogar der Kalk in die Blutadern hinein: alles im Menschen wird brüchig. Der Mensch kann nicht mehr das richtige Verhältnis zur Sonne entwickeln. Das muß aber sein. Der Mensch muß durch dasjenige, was in seinen Bewegungen lebt, woran ja die Knochen ihren wichtigen Anteil haben, seine richtige Beziehung zur Sonne entwickeln. Und der Mensch muß durch dasjenige, was in seinem Kopfe lebt, die richtige Beziehung zum Mond entwickeln. Ja, meine Herren, es ist schon so, daß wenn der Mensch nichts denkt, zu faul ist zum Denken, dann kümmert sich der Mond nach und nach nicht um den Menschen! Dann wird der Mensch dumpf, dumm. Und wenn der Mensch gar nicht geht, sich fortwährend ins Bett legt, dann kümmert sich die Sonne nicht um den Menschen. Dann wird der Mensch in bezug auf seine Gliedmaßen dumpf und stumpf und träge und lässig. Ob einer recht faul ist in Bewegungen oder ob einer recht faul ist in Gedanken, das hängt von seiner

Beziehung zu Sonne und Mond ab. Ist man mit Sonne und Mond gut Freund, dann denkt man gern und geht gern herum und arbeitet gern. Ist man mit Sonne und Mond schlecht zu sprechen, dann hört man auf zu denken, und dann hat man auch keine Freude am Herumgehen und am Arbeiten. Aber der Mensch hängt schon ganz innig zusammen mit Sonne und Mond. Wenn Sie den einen oder anderen heute fragen nach dem, was er gelernt hat von all dem, was man heute lernen kann - der eine sagt einem, wie man mit dem Mikroskop arbeitet, der andere erzählt einem, wie man mit dem Teleskop, dem Fernrohr zu Sonne und Mond schaut, wie man die Winkel berechnet, wie viel da an Entfernungen sind, daß die Sonne Sonnenflecken hat, daß sie eine Korona um sich hat, wie die Nebel aufsteigen -, das alles erzählt er einem.

Wenn Sie mich fragen, was der Zusammenhang zwischen den Himmelskörpern ist, dann kann ich Ihnen dasselbe sagen, weil ich zwar auch das gelernt habe, was die anderen gelernt haben. Aber wenn eine lebendige Wissenschaft daraus werden soll, so muß ich es Ihnen so erzählen, daß es zuletzt darauf hinauskommt, daß das menschliche Gehen und Stehen mit der Sonne zusammenhängt; das ist eben lebendige Wissenschaft und das andere ist tote Wissenschaft, lebendige Wissenschaft und tote Wissenschaft! Diese lebendige Wissenschaft und diese tote Wissenschaft, das ist eben der Unterschied zwischen dem Goetheanum und, sagen wir, einer heutigen Universität. Wenn Sie an eine heutige Universität kommen, so erzählt man dem jungen Mediziner, wenn sich irgendein Körper mit dem Sauerstoff verbindet, so verbrennt er. Sie haben also eine Kerze; da ist allerlei Brennstoff, Fette, da haben Sie die Flamme und da verbinden sich diese Stoffe mit dem Sauerstoff der Luft. Und das ist die Verbrennung, Verbindung von Stoffen mit dem Sauerstoff der Luft, also Verbrennung. Und dann geht der Professor über dazu, daß er sagt: Im Menschen ist auch eine Verbrennung drinnen, denn da ist der Kohlenstoff drinnen, der Sauerstoff wird eingeatmet, verbindet sich mit dem Kohlenstoff; im Menschen ist auch eine Verbrennung drinnen. - Und so erzählt Ihnen der Herr Professor von der Verbrennung im Menschen. Aber das ist geradeso ein Unsinn, wie wenn einer sagt: Kerl, deine Leber ist furchtbar schlecht geworden, ich schneide dir eine aus Holz und setze sie dir ein. - Ja, das ist eine tote Leber! Der Mensch braucht aber eine lebendige Leber. Wenn Sie eine Kerze anzünden, haben Sie eine tote Verbrennung; die Verbrennung, die im Menschen drinnen ist, ist aber eine lebendige Verbrennung! Gerade derselbe Unterschied wie zwischen Kerze und der lebendigen Verbrennung im Menschen, ist auch zwischen einer lebendigen Leber und einer Leber aus Holz. Wenn also der Professor erzählt, im Menschen findet eine Verbrennung statt, so erzählt er überhaupt nicht vom wirklichen Menschen, sondern von einem, den er aus Holz geschnitzt hat. Das ist ja alles Unsinn! Die Verbrennung selber ist lebendig im Menschen. Und das ist der große Unterschied zwischen der Verbrennung, die draußen ist, der toten Verbrennung, und der lebendigen, die im Menschen drinnen ist. Aber die betrachten die Verbrennung ganz gleich, die sagen: draußen verbrennt das Fett, der Talg oder so irgend etwas in der Kerze, und drinnen verbrennt der Kohlenstoff zu Kohlensäure. - Es ist ein ganz kompletter Unsinn! Es ist derselbe Unsinn, wie wenn man sagt, man könnte ebensogut eine Leber aus Holz oder Stein machen. Das wäre eine tote Leber! Man kann eben im Körper nicht eine solche Verbrennung bloß haben wie bei einer Kerze, sondern eine lebendige Verbrennung ist da im Menschen und sie unterscheidet sich von dem, was man sonst Verbrennung nennt, eben geradeso wie sich die Leber von einem Stück Holz unterscheidet. Daher unterscheide ich diese Ausdrücke, die die gewöhnliche Naturwissenschaft gebraucht von Verbrennung und so weiter; ich sage es nur, indem ich zugleich erkläre, daß das eine lebendige Verbrennung ist. Schon in dem Wort, wenn man sagt, in dem Körper findet eine Verbrennung statt, in dem Wort liegt ein Unsinn, weil jeder denkt: Dasselbe wie bei der Kerze geht im Menschen vor sich. - Schon wenn man die Worte ausspricht, redet man einen Unsinn.

Am nächsten Samstag, wenn ich da bin, halte ich einen Vortrag; sonst am Montag.

German original of Hydrogen Cyanide And Nitrogen, Carbonic Acid And Oxygen · ← Previous · Next →