How Spirit Works in Nature
GA 351 — 13 October 1923, Dornach
3. Mensch und Erde im Norden und Süden
Guten Morgen, meine Herren! Vielleicht ist Ihnen etwas am letzten Vortrag besonders aufgefallen, so daß Sie noch eine Frage daranschließen wollen?
Fragesteller: Gestern hat mir Herr Seefeld eine Photographie gezeigt von Schneeflocken. Die Formen kommen aus dem Weltenall. Es hat mich sehr interessiert; da ist ein Zusammenhang. Das hat mir schon weiter zu denken gegeben.
Dr. Steiner: Ich werde Ihnen einmal auch dieses im Zusammenhang darzustellen versuchen, namentlich weil sich ja der Anschluß dann leicht ergeben wird an das, was wir am letzten Montag besprochen haben. Ich habe Sie ja öfter darauf aufmerksam gemacht, der Mensch ist ein sehr kompliziertes Wesen. Das sieht man nicht so stark an dem Äußeren des Menschen, sondern man sieht es an dem Inneren des Menschen, auch an dem Körperlich-Inneren des Menschen. Da kann ich Sie zum Beispiel darauf aufmerksam machen, daß in den Gegenden, in denen die sogenannte heiße Zone ist, wo der größte Teil des Jahres warm ist und eigentlich nur abwechselnd mit der Wärme ein ganz kurzer regnerischer Winter - sagen wir im südlichen Ägypten, oder sagen wir in Indien -, daß da die Menschen eigentlich in ihrem Inneren ganz anders ausschauen als da, wo es beständig kalt ist, in den Gegenden zum Beispiel, die dem Nordpol naheliegen. Gegenden, die dem Nordpol naheliegen, haben ja sehr viel von dem, worüber Sie jetzt gerade gefragt haben; sie haben sehr viel von den Kräften, die sich dann ausdrücken in den schönen Formen der Schneeflocken. So daß wir also sagen können: Wir haben auf der Erde solche Gegenden, welche stark sonnendurchwärmt und sonnendurchleuchtet sind, wo die Sonne einen großen Einfluß hat, und wir haben Gegenden, wo die Sonne eigentlich wenig Einfluß hat, wo also Schnee, Eis herrscht. - Sie wissen ja, daß nicht nur die Schneeflocken schöne, allerlei wunderschöne Formen haben — die Schneeflocken haben erstens solche Formen, die auf das Sechseck hingehen, aber auch allerlei solche Formen (Zeichnung p. 52) -, sondern Sie haben doch ganz gewiß auch schon ans Fenster gesehen im Winter, wenn dort das Eis ist, das Wasser gefriert, das sonst als Dunst die ganze Fensterfläche bedeckt; da haben Sie gesehen, was da für wunderschöne Blumen sich bilden, wunderschöne Figuren, in die sich das Wasser hineinbildet. So daß wir sagen können: Das Wasser, das ja dem Schnee ebenso wie dem Eis zugrunde liegt - denn wenn es wieder warm wird, so zerfließt sowohl der Schnee wie das Eis zu Wasser -, das bildet, wenn die Sonne nicht recht Kraft hat, die schönsten Figuren. Die können natürlich nicht im Wasser drinnen sein. Denn etwas, was seine eigene Figur aus sich selber bildet, das behält ja seine Figur. Sie haben ja auch alle eine Figur. Von der menschlichen Figur aber kann man nicht sagen, daß Sie alle nur in Bildern die menschliche Figur haben, die, wenn die Sonne kommt, zerfließt. Das wäre auch schlimm, das tut sie nicht. Das Wasser hat diese Figur nicht in sich selber, die kommt von auswärts.

Nun wollen wir einmal untersuchen, woher das Wasser diese Figur bekommen hat, die da sowohl beim Schneekristall wie bei den Eisblumen diese schönen Bilder hervorruft. Das ist dann die Antwort auf Ihre Frage.
Wenn man eine solche Frage sich stellt, muß man immer eingehen können auf den ganzen Menschen. Nun sind im Menschen zwei Organe; die sind anders bei einem Menschen, wo die Sonne das ganze Jahr hindurch eine große Kraft hat, wie in den heißen Gegenden Südägyptens und Indiens. Die innere Gestalt dieser Organe unterscheidet sich bei diesen Menschen von denjenigen Menschen, wo es sozusagen das ganze Jahr kalt ist, wo immer so ein Hang ist in der Natur, Schneekristalle und Eisblumen zu bilden, wie bei den Eskimos. Die leben da oben, wo immer eigentlich Schnee und Eis sein will, wo das Wasser wenig zerfließt. Nun schauen wir aber einmal das Äußere an. Da werden die Leute sagen: Nun ja, die Leute in den heißen Gegenden sind äußerlich vielleicht etwas größer; aber die Eskimos, das sind kleine Leute. - Aber das ist nicht dasjenige, was die Sache ausmacht, sondern der große Unterschied zwischen Menschen der heißen Zone und den Eskimos, den Menschen der kalten Zone, der liegt in dem Unterschied ihrer Leberbildung und ihrer Lungenbildung. Die Eskimos haben verhältnismäßig zu ihrem Körper große Lungen und kleine Lebern, und die Menschen in der heißen Zone haben verhältnismäBig eine kleinere Lunge und eine große Leber. Also Sie sehen, da unterscheiden sich die Menschen in Gegenden, in denen Eisblumen entstehen, Eiskristalle entstehen, von den anderen dadurch, daß sie verhältnismäßig zu ihrem Körper eine kleine Leber und eine große Lunge haben. Und bei den Menschen, bei denen die Natur nicht die Neigung hat, solche Figuren zu bilden, sondern wo die Sonne alles immer schmilzt, alles wegschafft, da besteht die Eigentümlichkeit, daß sie eine verhältnismäßig kleine Lunge und eine große Leber haben. Wir müssen immer, wenn wir um etwas in der Natur fragen, also auch um die Eisblumen, auf den Menschen schauen. Wenn man nicht vom Menschen ausgeht, versteht man nichts in der Natur, gar nichts.
Also die Sache ist so: Die Leber im Menschen ist ein sehr wichtiges Organ. Wenn der Mensch keine Leber hätte, hätte er keine Galle, denn die Leber, die sondert fortwährend Galle ab. Die Galle kommt aus der Leber, geht in die Gallenblase über, von da in die Verdauungssäfte, von da in das Blut und geht dann in den ganzen Körper über. So daß wir sagen können: Der Mensch hat in der rechten Seite die Leber; aus der Leber rinnt die Galle heraus in die Gallenblase hinein, von da in das Blut, geht in den ganzen Körper über. - So daß also der Mensch seine Leber eigentlich hat zum Absondern der Galle.
Sie können nun fragen: Ja, warum kommt denn aus der Leber fortwährend diese Galle? - Meine Herren, wenn Sie keine Galle hätten, wären Sie sonderbare Leute. Sie verteilt sich natürlich in ganz kleine Mengen, aber sie muß im ganzen Körper sein. Wenn Sie keine Galle hätten, wären Sie fürchterliche Phlegmatiker; die Hände, die Arme, den Kopf ließen Sie hängen, und es wäre Ihnen zuwider, wennSie jemand ein Wort als Antwort geben sollten und so weiter. Also Sie wären ganz latschete, phlegmatische Leute, wenn Sie keine Galle hätten. Galle muß der Mensch haben; die Galle muß aus der Leber kommen. Und wenn die Leber verhältnismäßig klein ist, so wird eben der Mensch phlegmatisch; wenn die Leber verhältnismäßig groß ist, so hat der Mensch viel Feuer in sich, denn die Galle macht Feuer. Und sehen Sie, es kann auch in einem Menschen zuviel Galle sein, er kann zuviel Galle erzeugen; dann hat er eigentlich die Lust, wenn man nur ein bißchen was zu ihm sagt, einem ein paar herunterzuhauen. Namentlich bei den jähzornigen Leuten fließt aus der Leber fleißig Galle heraus; da fließt viel Galle in den Nahrungssaft und in das Blut über. So daß, wenn Sie innerlich den Menschen beobachten, zu dem Sie etwas sagen oder dem irgend etwas nicht gefällt, das auf ihn einen besonderen Eindruck macht - flugs rinnt viel Galle aus der Leber heraus und verbreitet sich sehr schnell in dem ganzen Körper, und er haut Ihnen ein paar herunter, oder er schimpft wie ein Rohrspatz. Das ist es, was man innerlich beobachtet, wenn ein Mensch zuviel Neigung hat, Galle abzusondern. Aber wie gesagt, wenn er gar keine Galle absondern würde, würde er gar kein Feuer haben, sondern so daherschlapfen, wie ich es Ihnen gesagt habe. Also Sie sehen, die Gallenabsonderung ist ja etwas, was unbedingt zur Absonderung des Menschen gehört. Ich weiß nicht, ob schon irgend jemand von Ihnen die Galle gekostet hat: sie schmeckt furchtbar bitter, richtig giftig, und eine größere Menge von der Galle richtig durch den Mund aufgenommen, ist auch ein Gift. Das hängt zusammen mit dem, was ich Ihnen am letzten Mittwoch gesagt habe. Ich hatte Ihnen gesagt: Wenn der Mensch lebendig wird, sich bewegt, geht, auch wenn er schimpft und Ihnen ein paar herunterhaut, ja, da gibt es so viel Gift, daß er die Neigung hat, viel von dem Zyankali, von dem ich Ihnen da gesprochen habe, zu erzeugen. Das muß er mit dem Blut vermischen. Ich habe viele Fälle schon kennengelernt, wo Leute einfach durch ihren Zorn eine innere Blutvergiftung bekommen haben. Man kann so zornig werden, besonders wenn man schnell zornig wird, daß man durch diesen Zorn überflüssig viel Galle absondert - eigentlich zunächst viel Zyan, dann Galle. Dann kriegt man eine furchtbare Giftmischung ins Blut, und da ruiniert man dann das Blut. Es kommt eine furchtbare Blutvergiftung durch den Zorn. Daraus sehen Sie, wie notwendig und wie schädlich wiederum beim Menschen dasjenige sein kann, was irgendein Organ seines Leibes tut. Denn alles, was geschieht, hängt mit dem Seelischen wiederum zusammen. Der Zorn ist etwas Seelisches, die Gallenabsonderung ist etwas Physisches; aber es gibt nichts im Menschen, das nicht zugleich seelisch ist und alles Seelische hat irgendwie eine physische Form.
Gehen wir weiter. Nehmen wir jetzt an, ein Mensch ist dem, was man oftmals Erkältungen nennt, namentlich Baucherkältungen, sehr häufig ausgesetzt. Also ein Mensch kriegt sehr häufig Baucherkältungen; dann sagt sein Bauch: Ja, ich bin wie ein Eskimo, ich bin wie in der kalten Gegend der Erde. - Und dann kommt es, daß der Bauch fortwährend die Leber zusammenzieht, so daß sie wie bei dem Eskimo klein ist. Wenn also der Mensch viel Baucherkältungen hat, dann zieht sich seine Leber zusammen, und dann preßt sie die Galle aus. Fortwährend träufelt Galle in die Gallenblase herein und von da in den Körper.
Nun, meine Herren, Sie haben alle schon dasjenige erlebt, was man zum Beispiel Sich-Überheben nennt. Man hebt etwas, was einem zu schwer ist; da reißt man sich die Muskeln auseinander, da zerstört man sich die Muskeln. Wenn man zuviel Kraft anwendet für irgendein Organ, so zerstört man sich das Organ. So ist es aber bei der Leber. Wenn sie immer fort und fort zuviel Galle absondert, dann schrumpft die Leber allmählich zusammen, sie wird untauglich. So daß also die meisten Leberkrankheiten, die der Mensch bekommt, dadurch entstehen, daß der Mensch durch Baucherkältungen die Neigung bekommen hat, zuviel Galle abzusondern und daß dadurch seine Leber verkümmert. Lebererkrankungen kommen aus Baucherkältungen durch Zusammenschrumpfen der Leber. Natürlich kommen ja alle möglichen anderen Zustände dazu. Wenn der Mensch Baucherkältungen hat, geht das Herz nicht ordentlich. Da sagen dann die Ärzte, die Leberkrankheiten kommen vom Herzen. Aber in Wahrheit kommen sie von dem, daß der Bauch sich erkältete.
Alles das aber - das können Sie schon aus dem entnehmen, was ich Ihnen gesagt habe - hat zu tun mit der Sonne. Daher ist es auch immer sehr gut, wenn einer gerade an Baucherkältungen leidet, daß man ihm seinen Unterleib dem Lichte aussetzt. Da ist zum Beispiel die Sonnenkur außerordentlich gut. So also müssen wir sagen: Alles das, was mit der Leber zusammenhängt, hängt auch mit der Sonne zusammen. Sonnentätigkeit fördert Lebertätigkeit. Mangel an Sonnentätigkeit bringt die Lebertätigkeit in Unordnung. Es ist ein sehr interessanter Zusammenhang zwischen der Sonne und der Leber.
Ich habe immer bewundert, daß in der deutschen Sprache das Wort Leber existiert. Alle anderen Sprachen haben für dieses Organ in der rechten Seite des Unterleibes gar kein so schönes Wort. Denn nach dem, was ich Ihnen jetzt erklärt habe, müssen wir ja sagen, das Feuer, sogar das, was dem Menschen von der Sonne kommt, diese belebende Feuerkraft, die muß in der Leber erst für den Menschen zurechtgekocht werden; da muß ihm die Galle bereitet werden, die dann in seinen Körper übergeht. Die Sonne bereitet in dem Menschen die Galle. Dasjenige, was der Mensch da tut, das nennen wir leben, und den, der dieses Leben anfeuert, den kann man einen Leber nennen. So wie man sagt: Wagen, Wagner, Zeichnen, Zeichner, so ist leben das Zeitwort, und Leber, der Leber - das hat man nur vergessen, daß das so ist, man sagt «die Leber» statt «der Leber»; eigentlich heißt es der Leber -, der ist das, was da belebt! Die Sprache ist manchmal wunderbar lehrreich, weil in den alten Volksinstinkten immer ein Wissen von dem vorhanden war, und da sind die Dinge richtig benannt worden. Leber ist das, was anfeuert, was den Menschen belebt. Das ist in bezug auf die Leber zu sagen. Nun, wenn man die Leber in ihrer Gallenabsonderung hat, dann muß man sagen: Die Absonderung der Leber ist dasjenige, was mit der Sonne zusammenhängt.
Jetzt gehen wir zu der Lunge über. Das haben wir ja oft besprochen und Sie wissen es auch: die Lunge atmet. Aber daß die Lunge da den Sauerstoff einzieht, atmet, das ist bei der Lunge nur ein Teil ihrer Tätigkeit. Die Lunge hat noch etwas anderes zu tun. Geradeso wie die Leber die Galle absondert, so sondert die Lunge dasjenige ab, was man den Schleim nennt. Die Lunge also sondert den Schleim ab. Die Lunge kann ebensowenig wie die Leber dasjenige, was sie in sich hat, in sich behalten. Die Leber könnte nicht sich ganz anfüllen mit Galle, die Leber muß die Galle an den Körper abgeben. Aber die Lunge, die muß fortwährend Schleim aussondern, immerfort Schleim aussondern. Und nun ist es so, daß wenn die Lunge Schleim aussondert, so geht der Schleim dann über in alle anderen Teile des Körpers. Er geht mit dem Schweiß fort, er geht sogar in die Ausatmungsluft hinein, er geht mit dem Urin ab, er geht überallhin, der Schleim. Aber das Organ, das den Schleim absondert, das ist die Lunge.
Wenn Sie nun die Luft, die der Mensch ausatmet, untersuchen, dann kriegen Sie etwas Wunderschönes heraus. Man muß nur hauptsächlich nicht die vom Munde ausgeatmete Luft untersuchen, die ist zu unregelmäßig; man muß die von den Nasenlöchern ausgeatmete Luft untersuchen.
Sehr interessant ist es, wenn jemand recht langsam ausatmet. Da muß man sehr achtgeben: Atmet man auf eine Glastafel, dann entsteht im Atem, der ausgeatmet wird, etwas Ähnliches wie beim Schnee. Man muß es sehr sorgsam machen, und zwar so, daß man, wenn man zum Beispiel das linke Nasenloch beim Ausatmen zuhält, nur mit dem rechten Nasenloch langsam ausatmet auf die Glastafel, die man vor sich liegen hat, und dann mit dem linken. Man muß sehr langsam atmen, weil, wenn man schnell atmet, man das Ganze verwischt durch den Atemstoß. Es muß ganz sanft und milde geatmet werden. Das muß man eigentlich erst lernen. Aber da ist es dann interessant: Wenn man da durch ein Nasenloch atmet, dann entstehen auf der Glasplatte durch die ausgeatmete Luft gerade solche Figuren wie beim Schnee! Da ist die Ausatmungsluft nicht einfach solch ein Bröckelchen darauf, sondern solch eine Figur. Und das, ich möchte sagen, verteufelt Interessante dabei ist, daß wenn Sie das linke Nasenloch zuhalten und ausatmen, kriegen Sie eine Figur; wenn Sie das rechte Nasenloch zuhalten und ausatmen, kriegen Sie eine andere Figur. Nicht einmal die gleichen Figuren sind es! So daß wir also sagen können: Die Luft aus Ihnen heraus, aus Ihrem eigenen Menschen heraus, diese Luft geht in Figuren heraus. Sie geht gar nicht bloß als Tropfen heraus, sie geht in Figuren heraus, und sogar so merkwürdig, daß das linke Nasenloch noch eine andere Figur als das rechte Nasenloch gibt.
Nun, meine Herren, dasjenige, was da in der ausgeatmeten Luft drinnen ist, die ja, weil sie Wasserdunst enthält, diese Figuren gibt, die gleich wieder verdunsten, aber diese Figuren bildet, das ist der Schleim, der aus der Lunge in die ausgeatmete Luft übergeht. Der bildet sich zu diesen Figuren. Der Schleim klebt gewissermaßen die einzelnen, ganz winzigen Wassertröpfelchen zusammen zu solchen Figuren. So daß Sie in Ihrer Lunge nicht eben einfach die Neigung haben, Schleim in einer beliebigen Gestalt auszustoßen, sondern Sie haben die Neigung, aus Ihrer Lunge den Schleim eigentlich in Kristallen auszuatmen oder auszustoßen - in Kristallen! Nur verdunsten diese Kristalle gleich, lösen sich gleich auf, weil sie an die Sonne kommen.
Gerade so nun, wie die Galle mit der Leber zur Sonne in Beziehung steht, so steht die Lunge mit ihrer Schleimabsonderung zum Mond in Beziehung. Wir wissen ja, daß da in den Kopf hinauf, wie ich Ihnen gesagt habe, die Kohlensäure steigt, und ich habe Ihnen gezeigt, daß wenn der Mensch keine Kohlensäure in seinen Kopf hinaufschicken würde, er dann dumm werden würde. Diese prickelnde Kohlensäure, die sich in ganz kleinen Mengen fortwährend in den Kopf hinaufbringt, die macht, daß wir gescheite Menschen sind. Wir sind ja alle so furchtbar gescheite Menschen, nicht wahr! Sie wissen, wenn man Brausen trinkt, dann prickelt das; das ist dann sehr stark wahrzunehmen. Aber der Mensch erzeugt immer sehr schwach Kohlensäure. Die schickt er in den Kopf hinauf. Und dieses Prickeln im Kopf, das macht den Kopf regsam; dadurch ist er gescheit und nicht dumm. Diejenigen Menschen, die wirklich dumm sind — ich weiß nicht, ob es solche auch gibt -, die haben zuwenig Kraft, um den Kohlenstoff mit dem Sauerstoff zu verbinden und schicken keinen Kohlenstoff hinauf, sondern die verbinden den Kohlenstoff mit einem ganz anderen Gas. Also der Mensch, der gescheit ist, der verbindet den Kohlenstoff mit dem Sauerstoff: da entsteht die prickelnde Kohlensäure. Aber wie gesagt, diejenigen Menschen, die nun wirklich dumm sind, die verbinden den Kohlenstoff nicht mit dem Sauerstoff, sondern mit dem Wasserstoff. Die verbinden also Kohlenstoff mit Wasserstoff, und da entsteht dieses Gas, das man manchmal in Gruben findet: Grubengas, Sumpfgas. Wir alle senden auch etwas von diesem Grubengas in den Kopf; das brauchen wir auch, sonst würden wir nämlich zu gescheit. Damit wir immer auch ein bißchen dumpf bleiben können, auch so ein bißchen nicht ewig gescheit sind, entwickeln wir auch Sumpfgas. Aber diejenigen, die zu dumm werden, entwickeln zuviel Sumpfgas. Bei denjenigen Menschen, die halbwegs gescheit sind, geht die Kohlensäure in den Kopf. Das prikkelt. Und wenn dann sich nach und nach viel Sumpfgas angesammelt hat, dann werden sie schläfrig, dann kommt die Schlafmüdigkeit. Das tritt ein des Nachts, da entwickelt sich viel Sumpfgas. Nur bei denjenigen, die dumm sind, entwickelt sich das Sumpfgas auch wenn sie wachen. Also da muß immerfort die Kohlensäure hinauf. Aber die Kohlensäure allein tut es nicht: es muß von der Lunge aus der Schleim in den Kopf gehen. Er geht ja sogar durch die Nasenlöcher in Form von Kristallen heraus, geradeso wie in Leber und Galle. Nun, das wird Ihnen klar sein durch die Beschreibung, die ich am Mittwoch gegeben habe.
So wie die Leber mit der Sonne zusammenhängt, so hängt nun die Lunge mit dem Mond zusammen. Sehen Sie sich einmal den Mond an. Der Mond ist nur ganz anders als die Sonne. Wenn Sie auf die Sonne schauen, dann ist die Sonne ja rund, aber sie breitet eigentlich ihre Strahlen nach allen Seiten aus. Die Sonne, die scheint nach allen Seiten; sie zerfließt nach allen Seiten, so wie die Galle in dem menschlichen Leib nach allen Seiten hin geht. Man kann dann die Sonne in ihrem Zerfließen, im Auseinanderfließen vergleichen mit dem Zerfließen der Galle. Aber der Mond - ja, meine Herren, wenn Sie den Mond anschauen, der hat immer eine ganz bestimmte Gestalt. Der Mond ist ganz fest. Und er ist in seinem Inneren auch so, daß das, was die Substanz, den Stoff des Mondes ausmacht, kristallisiert, geradeso wie unsere Ausatmungsluftformen, die aus der Nase kommen, kristallisiert sind. Da wirken drinnen die Mondwirkungen, so wie in der Leber und Galle die Sonnenwirkungen. In der Lunge wirken die Mondkräfte, und der Mond bewirkt diese Absonderung von Schleim.
Jetzt können wir sagen: Gehen wir in die heißen Gegenden, ja, dann wirkt die Sonne. Die läßt alles zerfließen; die Leute bekommen viel Feuer. Das Feuer, es braucht ja nicht bloß im Jähzorn zu leben, sondern es lebt auch in den schönen Dingen und in der schönen Weisheit der Eifer. Die Leute bekommen viel Feuer. Gehen wir in die kalten Gegenden, dann muß sich in diesen kalten Gegenden, wo die Sonne nicht die Kraft hat zu wirken, wo namentlich der Mond in den kalten Nächten hineinscheint in die Eiseskälte, die Lunge, die sich verhältnismäßig vergrößert, sehr stark anstrengen: da wird viel Schleim abgesondert. Und derjenige, der das nicht gewöhnt ist, der erkältet sich, der sondert zuviel Schleim ab.
Sehen Sie, meine Herren, jetzt haben Sie auch die Ursache der Lungenkrankheiten. Die Lunge muß ein gewisses Quantum von Schleim absondern, so wie die Leber ein gewisses Quantum von Galle absondern muß. Aber geradeso wie die Leber, wenn sie zuviel Galle absondert, sich ruiniert, so ruiniert sich die Lunge, wenn sie zuviel Schleim absondert. Das ist bei den Lungenkrankheiten der Fall. Da wird die Lunge durch dasjenige, was sie erlebt, aufgerüttelt, zuviel Schleim abzusondern. Denken Sie sich also, Sie leben statt in einer mäßig feuchten Luft, statt in einer ein bißchen feuchten Luft in einer stark feuchten Luft: dann muß sich die Lunge sehr stark anstrengen. Aber wenn sich die Lunge anstrengt, so sondert sie Schleim ab. Und da fängt die Lunge dann an, dadurch, daß sie zuviel feuchte Luft atmet, sich zu stark anstrengen muß, krank zu werden. Und der Mensch spuckt, wenn er lungenkrank wird; nach und nach spuckt er seine ganze Lunge aus, wenn er zuviel krank ist.
Man kann der Lunge dann zu Hilfe kommen, indem man eine bestimmte Arznei bereitet. Man darf dazu keine Wurzeln verwenden, sondern man muß die Blätter verwenden von Pflanzen, eine bestimmte Arznei daraus bereiten. Es ist das also zum Beispiel der Fall bei ganz bestimmten Pflanzenarten. Wenn man da richtig den Saft nimmt und bestimmte Arzneien bereitet, kann man der Lunge zu Hilfe kommen, wenn sie zuviel tätig ist. Denn solche Arzneien haben die Eigentümlichkeit, daß sie die Lungentätigkeit übernehmen; dann strengt sich die Lunge etwas weniger an. Das Heilende besteht also meistens darinnen, daß man sich frägt: Die Lunge, die sondert also zuviel Schleim ab; das ist ein Zeichen, daß sie sich zu stark anstrengt. Schön, was tue ich? Ich suche mir eine Pflanze, die einen Saft hat, der die Lungentätigkeit übernehmen kann.
Oder ich bemerke, daß die Leber zuviel Galle absondert: ich suche mir eine Pflanze, welche die Lebertätigkeit übernehmen kann. Da gibt es zum Beispiel eine Pflanze, die heißt Cichorium intybus, Wegwarte. Wenn man den Saft aus der Wurzel dieser Pflanze zu einer Arznei bereitet und ihn dem Menschen eingibt, dann übernimmt der die Lebertätigkeit, und man kann dann finden, daß der Mensch zwar zunächst nicht weniger Galle absondert, daß auch zunächst seine seelischen Zornzeiten nicht zurückgehen, daß aber seine Leber sich nach und nach wieder kräftigt und allmählich die Besserung eintritt.
So hilft man einem Menschen also dadurch, daß man weiß, daß zum Beispiel die Säfte der Blätter - nicht die Wurzeln - gewisser Kohlarten bestimmte Lungentätigkeiten übernehmen können, und daß der Saft aus der Wurzel von Cichorium intybus - sie wächst auch da draußen, Sie werden sie alle kennen, sie hat so blaueBlüten-besonders heilsam ist für die Leber.
So können wir sagen: In heißen Gegenden, da zerfließt das Wasser; Wärme, Sonnenwärme löst alles auf. - Wenn die Sonne weniger tätig ist, wenn die Sonnenkraft nachläßt oder das ganze Jahr hindurch schwach ist, wie in nördlichen Gegenden, dann wird der Mond um so mächtiger. Wenn die direkten Sonnenstrahlen nicht wirken, so wirken diese merkwürdigen Sonnenstrahlen, die vom Mond zurückgeworfen werden. Die aber erzeugen die Kristallformen und Eisblumenformen. Das ist sehr schön. Wir können also sagen: Wenn wir hier die Erde haben (siehe Zeichnung), dann haben wir hier die heiße Zone. Auf die heiße Zone wirken besonders die Sonnenstrahlen. - Oh, das ist sehr schön, wie da die Sonnenstrahlen wirken! Diese Sonnenstrahlen, die regen die Lebertätigkeit an. Die Leber schickt überall die Galle hinein, und die Galle breitet sich im ganzen Körper aus. Und wenn sich die Galle zum Beispiel in die Federn der Vögel oder in die Flügel der Kolibri hinein ausbreitet, da wird sie zu den schönen Farben. Daher glitzern die Kolibris in der heißen Zone, weil ihre Galle sehr schnell abgesondert wird und sehr schnell in die Federn geht.

In kalten Gegenden, da ist das nicht so, da hat die Sonne wenig Kraft. Da ist dafür das zurückgeworfene Sonnenlicht, das Licht des Mondes besonders tätig, und dieses Licht bewirkt, daß der Schnee sich zu Kristallen bildet, daß das Eis die Eisblumen gibt. Bei uns entsteht das nur, wenn eben im Winter die Sonne an Kraft verliert. Aber in den Gegenden des ewigen Eises, am Nordpol oder auf den hohen Bergen, da bilden sich, weil die Sonne auch keine Kraft hat, weil die Sonne die Kraft erst entwickeln kann in der dichten Luft, diese schönen Formen des Eises.
Wir bekommen schon, wenn wir so in die Natur hineinschauen, einen wunderbaren Eindruck! Wir bekommen den Eindruck, daß überall, wo die Sonne hineinscheint, Leben wird, Leben, das zerfließt und verdunstet, das sich ausbreitet. Überall wo der Mond hineinwirkt, entstehen Gestalten, Bildnisse. Das ist schon ein mächtiger Eindruck, den man da bekommt. Und diese Dinge durchschaut man nur, wenn man eben aufs Geistige eingehen kann. Es ist ja wirklich so, daß man sagen muß: In der Lunge, wo der Mensch also eigentlich den Schleim erzeugt, da wirken auch die Mondenkräfte. Und sie wirken so, daß sie nicht das direkte Sonnenlicht brauchen, sondern daß sie das zurückgeworfene Sonnenlicht verwenden. Wenn daher hier im Norden die Mondenkräfte vorzugsweise tätig sind, die Sonne sich ausschaltet, dann kommt noch etwas anderes; dann wird die Luft da drüber so, daß etwas, was hier immer in der Erde drinnen ist, herausgeht. In der Erde nämlich ist überall Magnetismus und Elektrizität drinnen. Die Erde ist ganz voll von Magnetismus und Elektrizität. Daß in der Erde überall Magnetismus und Elektrizität ist, das können Sie daraus sehen: Nicht wahr, wenn Sie auf einer Station einen Telegraphenapparat haben (es wird gezeichnet), wenn das also zum Beispiel in Dornach ist, dann haben Sie hier einen, sagen wir in Basel; da können Sie hinein telegraphieren; aber man kann nur telegraphieren, wenn ein Draht geht. Drähte müssen ja durch die Luft gehen; nur dann kann man telegraphieren. Aber das genügt nicht, wenn Sie hier einen Telegraphenapparat aufstellen würden und einen in Basel, und einen Draht ziehen! Da könnten Sie noch so lange mit dem Taster hintelegraphieren: Sie würden hinkommen nach Basel, aber Sie müssen wiederum zurück verbinden, es muß ein geschlossener Strom sein. Und wenn Sie das machen, dann können Sie hier telegraphieren, es kommen dann dort die Zeichen an. Sie wissen ja - das sage ich nur der Vollständigkeit wegen -: da ist hier so umgewickelt ein Papierstreifen, und wenn eine Spitze auf diesen Papierstreifen drückt, entsteht entweder ein Punkt oder ein Strich, wenn es lange drückt, und aus Punkten und Strichen ist dann das telegraphische Alphabet zusammengesetzt, a ·-, b -···, c -·-·. Aber das Merkwürdige ist: Man braucht diesen zweiten Draht doch nicht, wenn man von dem Apparat in die Erde einen Draht hineinleitet und da eine Kupferplatte hineinlegt, und dort auch wiederum eine Platte hineinlegt; den Draht können Sie dann wegtun, denn dann ist eine Verbindung da. Warum? Weil die Erde selber Elektrizität hat und von der einen Platte zu der anderen die Elektrizität geleitet wird. Die Erde ersetzt sich selber den Draht durch ihren eigenen Stoff. Die Erde ist nämlich ganz voll von Elektrizität. Aber wenn die Sonne auf die Erde scheint, wie am Äquator, in der heißen Gegend, da wird diese Elektrizität, wenn sie in die Luft herauskommen will, sogleich vernichtet. Das Sonnenlicht ist eine Kraft, die die Elektrizität auslöscht. Aber da, wo die Sonnenwirkung schwach ist, da geht die Elektrizität hinauf, in die Luft hinein, und man sieht sie, wie sie oberhalb der Erde ist. Sehen Sie, meine Herren, das Nordlicht ist die elektrische Kraft der Erde, die unter dem Einfluß der Mondenkräfte ausströmt. Daher ist das Nordlicht in unseren Gegenden sehr selten; aber es ist häufig, fast immer da in nördlichen Gegenden.
Da ist wiederum so ein Punkt, wo die Wissenschaft an einer bestimmten Stelle nicht weiter kann. Natürlich weiß diese Wissenschaft heute, daß die Erde voll von Elektrizität ist. Diese Wissenschaft schaut auch immer das Nordlicht an. Aber wenn Sie in den Büchern nachlesen, was eigentlich dieses Nordlicht ist, so glauben die Leute immer, das ist etwas, was von der Welt hereinströmt auf die Erde. Das ist aber ein Unsinn, es strömt nicht herein, sondern es strömt gerade heraus! Was da die Wissenschaft mit dem Nordlicht macht, ist deshalb so interessant, weil es gleich dem ist, wenn irgendeiner seine Schulden mit seinem Kapital verwechselt. Das ist schon so. Nicht wahr, im Menschenleben macht das etwas aus, wenn man seine Schulden mit seinem Vermögen verwechselt. Aber die Wissenschaft, die kann das ungestraft tun, die kann das Nordlicht ansehen als etwas, was aus der Welt hereinströmt, während das Nordlicht in Wirklichkeit etwas ist, was von der Erde herausströmt. Aber in den heißen Gegenden, da wird es gleich in Empfang genommen vom Sonnenlicht, und da wird es ausgelöscht. In den nördlichen Gegenden, da ist das Mondenlicht vorzugsweise tätig, wenn es scheint; und wenn es nicht scheint, so bleibt es tätig in der Nachwirkung, und da wird das Nordlicht, die ausströmende Elektrizität, sichtbar. Nun, dieses Nordlicht ist dort besonders stark, weil die Mondenkräfte besonders stark sind. Es ist eigentlich überall etwas Nordlicht, nur sieht man es nicht, weil es schwach ist. In unseren Gegenden ist das Nordlicht, das heißt eben die ausströmende Elektrizität, auch schwach. Aber in der drahtlosen Telegraphie ist es so stark, daß es wirkt. Dasjenige, was in der drahtlosen Telegraphie wirkt, ist dasselbe, was man im Nordlicht leuchten sieht. Da haben Sie den Grund. Die Elektrizität im Verein mit dem Mondenlicht, die macht die Eisblumen und die Schneekristalle. Sie müssen Nordlicht und Mondschein studieren, wenn Sie die Eiskristalle, die Eisblumen und Schneekristalle studieren wollen. Weil im Winter die Sonnenkraft geringer ist, die Mondenkraft dadurch die Oberhand bekommt und die Elektrizität weniger bei uns ausgelöscht wird, wird der Schnee in so schöne Kristalle hineingestaltet. Das ist Mond und Elektrizität zusammen, was die schönen Kristalle bildet, was die Eisblumen verursacht.
Nun habe ich Ihnen ja gesagt, erinnern Sie sich nur: Wenn einer zuwenig Mondtätigkeit hat, wenn einer zuviel Sumpfgas entwickelt in seinem Kopf, so wird er, wie der Volksmund sagt, ein «Sumser», das heißt ein Dummkopf. Und da entwickelt er also zuwenig Mondenkraft in sich. Nun, was muß man denn also haben in seinem Kopf? Man muß alles das, was vom Mond kommt, die Kohlensäure von der Atmung, den Schleim von der Lunge, die muß man in den Kopf hineinkriegen, also eine Kraft, die da im Kopf fortwährend Kristalle bilden will. Schnee, meine Herren, möchte sich fortwährend in unserem Kopf bilden; wir lösen ihn nur immer wieder auf. Aber der will sich bilden. Denken Sie, meine Herren, Sie haben eigentlich alle in Ihren Gehirnen ein ganz merkwürdiges Organ. Nämlich, wie Herr Seefeld dem Herrn Burle diese schönen Schneekristallfiguren gezeigt hat, da hat ihn das interessiert, und da hat er sich gedacht: Das muß interessant sein, was da eigentlich für ein Zusammenhang ist. Ja, da hat der Herr Burle diese Schneekristalle in sich photographiert! Es ist so, wie wenn man eine ganz geschwinde Photographie machte, und das, was flugs entsteht, wieder verschwindet, wenn man durch die Nasenlöcher ausatmet. Wenn man rasch photographieren könnte, was da drinnen im Kopfe von Herrn Burle vorgeht, oder in Ihren Köpfen allen, so würde man dieselben Photographien finden. Es würden sich solche Stückchen bilden von Schneekristallen, von Eisblumen, Fensterblumen; die könnten photographiert werden von Ihren Ätherköpfen, und die wären gleich! Ihr Kopf ist ein ganz merkwürdiges Ding. Wenn Sie einen solchen Photographenapparat hätten, wie es ihn ja noch nicht gibt- man müßte es furchtbar schnell machen, weil es sich immer sogleich auflöst-, so würden Sie finden: Da schauen wir ja aus in unserem Gehirn wie ein recht schönes Stückchen Schnee oder wie ein recht schönes Eisblumenfenster!- Es muß gleich wieder verschwinden, sonst würden sie uns stechen, diese spitzen Kristalle, wir würden nicht mit ihnen denken. So daß also, wenn wir hinausschauen auf den Schnee, oder wenn wir hinausschauen auf unsere Fensterblumen, Eisblumen, wir uns da sagen können: Donnerwetter, das ist ja dasselbe, was in unserem eigenen Kopf vor sich geht!- nur daß dieses da sich immer wieder schnell auflöst. Es denkt ja die ganze Natur! Und im Winter, wenn es kalt wird, fängt sie erst recht an zu denken. Im Sommer ist es ihr nur zu warm zum Denken. Da läßt sie die Sonne auseinanderstieben und macht sie zu Nahrungsmitteln und so weiter. Aber im Winter, wenn es kalt ist, bilden sich die Gedanken im Schnee, im Eis. Wenn da draußen keine Gedanken wären, hätten wir in unserem Kopfe auch keine. Also Sie sehen, es ist eigentlich wunderschön, dieses Entsprechen von der Natur draußen im Winter, wo die Natur so gescheit wird, daß sie das sichtbar, äußerlich macht, was in unserem Kopfe immer als unsere Gescheitheit vor sich geht. Wir können überall in der Natur sehen, was in uns selber vor sicht geht. Wir müssen es nur in der richtigen Weise auffassen.
Nun, aber das alles hat eine große, auch praktische Bedeutung. Denken Sie also, meine Herren, einer bekommt, sagen wir, eine ganz bestimmte Art von Kopfkrankheit dadurch, daß er zuwenig Schleim absondert. Man kann dadurch eine Kopfkrankheit bekommen. Wenn man dann, wenn einer zuwenig Schleim absondert, ihm etwas kieselsaures Eisen gibt als Heilmittel, dann übernimmt auch wiederum dieses kieselsaure Eisen die Schleimabsonderungstätigkeit und stößt ihm den Schleim in den Kopf hinauf, und man kann damit wiederum Heilung hervorrufen. Sehen Sie, das ist ja der Unterschied der anthroposophischen Medizin von der anderen Medizin, die nur immer probiert. In der Anthroposophie lernt man, daß ein Mensch, der eine bestimmte Kopfkrankheit hat, zu schwach ist, um in seinem Gehirn Kristalle zu bilden, dieses immerwährende Entstehen und Vergehen von Eisblumen. Nun muß man ihm helfen. Das kann man durch bloße Kieselsäure. Wenn Sie hinaufgehen auf die hohen Berge und dort den schönen Quarz sehen, der ist Kieselsäure. Er ist ein wunderschöner Kristall. Der hat die Tendenz, diese Kristalle zu bilden. Wenn Sie diesen Quarz entsprechend behandeln, so kriegen Sie ja das auch unter unseren Heilmitteln so wirksame Kieselsäurepräparat. Und dieses Kieselsäurepräparat ist so wirksam für alle Krankheiten, die vom menschlichen Kopf ausgehen. Bildet er vom Inneren nicht Kristalle, so muß man ihm von außen durch solche schönen Kristalle, die solche schöngebildete Kristallbildungen in sich haben, zu Hilfe kommen. Aber wenn er vor seinem schönen Schneefenster mit den Eisblumen in seiner Stube steht wie der Ochse am Sonntag, wenn er die ganze Woche Gras gefressen hat, wie es unsere Wissenschaft tut, ja, dann steht er auch mit der Wissenschaft so vor dem Menschenkopf; dann kann er ja nichts machen, weil er nichts darüber weiß. Alle diese Dinge zeigen Ihnen, wie man durch eine wirkliche Erkenntnis des Menschen die Wissenschaft vertiefen muß.
Das geht dann natürlich bis in die Erziehungskunst hinein, weil man erst wissen muß: Wenn man dem Menschen meinetwillen selbst die Buchstaben beibringt, so ist das eine so starke Mondentätigkeit, daß es, wenn es zu stark gemacht wird, wenn es unrichtig gemacht wird, ganz austilgt die Kristallisationskraft des Ätherkopfes. Der Mensch kann, es ist wirklich so, durch vieles Lernen noch dümmer werden, wenn er nämlich nicht in der richtigen Weise lernt. Es ist schon so. Aber damit man das einsieht, werden wir das nächste Mal noch etwas zu besprechen haben. Es ist nötig, dies alles zu wissen.