Cosmic Workings In Earth and Man
GA 351 — 31 October 1923, Dornach
Siebenter Vortrag
Guten Morgen! Ist Ihnen etwas eingefallen?
Fragesteller: Herr Doktor hat davon gesprochen, daß Volkskrankheiten ausbrechen könnten und wie sie eventuell zu bekämpfen wären. Nun ist eine Epidemie ausgebrochen, die Kinderlähmung, die auch die Erwachsenen ergriff. Könnte Herr Doktor etwas darüber sagen?
Ist es schädlich für den Menschen, wenn man Pflanzen im Zimmer hat?
Dr. Steiner: Was die Frage wegen der Pflanzen im Zimmer betrifft, so ist das so, sehen Sie: Dieses ist im Großen in der Natur absolut gültig, daß die Pflanzen Sauerstoff von sich geben, den der Mensch dann einatmet, und daß der Mensch selber die Kohlensäure ausatmer. Also dasjenige, was die Pflanze braucht, atmet der Mensch aus; dasjenige, was der Mensch braucht, strömt die Pflanze aus. Das ist im ganzen richtig. Nun, wenn man Pflanzen im Zimmer hat, muß man noch folgendes beachten. Wenn man Pflanzen bei Tag im Zimmer hat, dann geschieht ungefähr der Vorgang, von dem ich gesprochen habe. Wenn man Pflanzen in der Nacht im Zimmer hat, dann ist es so, daß die Pflanzen allerdings in der Nacht auch etwas Sauerstoff brauchen. Während der Nacht verhält sich die Pflanze etwas anders; sie braucht nicht in demselben Maße Sauerstoff wie der Mensch, aber sie braucht Sauerstoff. Also da macht sie, gerade wenn es finster ist, Anspruch auf dasjenige, was sie sonst dem Menschen gibt. Nun ist es natürlich nicht so, daß der Mensch den Sauerstoff vollständig zu entbehren hat, aber er kriegt zuwenig, und das wirkt dann giftig. Die Dinge gelten im großen und ganzen für das Naturdasein. Natürlich ist es wiederum so: Jedes Wesen hat etwas in sich, das etwas braucht, was die anderen auch brauchen. So ist es bei den Pflanzen, wenn man streng beobachten würde. Stellt man die Pflanzen, die man im Zimmer hat, in der Nacht, wenn man schläft, heraus, dann würde diese Giftigkeit nicht eintreten. Das in bezug auf diese Frage.
Nun, was die gerade jetzt auch in der Schweiz so stark auftretende Kinderlähmung betrifft. so ist es ja tatsächlich heute noch etwas schwierig, über diese Krankheit zu sprechen, aus dem Grunde, weil sie in der Form, wie sie jetzt auftritt, eigentlich erst seit einiger Zeit auftritt undman abwarten muß, was sie noch alles für besondere Symptome annimmt. Wir haben ja durchaus in der Stuttgarter Klinik zum Beispiel auch einen schweren Fall von Kinderlähmung gehabt; jedoch nach dem Bilde, das man heute schon haben kann - man kann ja immer nur nach den Fällen, die vorgekommen sind, urteilen -, nach den Fällen, die wir kennengelernt haben, die bei uns vorgekommen sind, muß man heute sagen, daß die Kinderlähmung, wie ja ihr Ausgangspunkt, die Grippe, die zu so sehr vielen Folgekrankheiten führt, auch eine außerordentlich komplizierte Sache ist. Und sie scheint nur zu bekämpfen zu sein, wenn man den ganzen Körper behandelt. Gerade neulich ist hier in ärztlichen Kreisen die Rede davon gewesen, wie man die Kinderlähmung bekämpfen soll. Es ist heute eben ein starkes Interesse dafür vorhanden, weil die Kinderlähmung im Grunde genommen mit jeder Woche sich mehr ausbreitet. Man nennt sie «Kinderlähmung», weil sie bei den Kindern am meisten auftritt. Aber es ist neulich ein Fall vorgekommen, wo ein junger Arzt - da ist man ja nicht mehr ganz Kind, wenn man ein junger Arzt ist- ich glaube am Samstag noch ganz frisch war, am Sonntag von der Kinderlähmung befallen wurde und am Montag tot war. Also die Kinderlähmung ergreift den Menschen unter Umständen in einer außerordentlich raschen Weise, und man könnte eigentlich besorgt sein, daß sie zu einer sehr schweren Epidemie sich ausbilden könnte.
Nun hängt sie ganz sicher zusammen, wie die Grippe selbst auch, mit unseren schwierigen Zeitereignissen. Es ist ja so: Seit es uns in Stuttgart in unserem Biologischen Institut gelungen ist, die Wirkungen kleinster Teile von Stoffen nachzuweisen, seit der Zeit muß über diese Dinge eigentlich ganz anders noch geredet werden; gerade auch in der Öffentlichkeit müßte anders noch geredet werden als sonst.
Wir haben in Stuttgart ja einfach gezeigt, daß man, wenn man irgendeinen Stoff nimmt, ihn auflöst, ihn ganz stark verdünnt, mit diesem verdünnten Stoff eine Wirkung erzielt. Man gibt von einem Stoff eine ganz kleine Menge in ein Wasserglas: man verdünnt ihn also so, daß man einen Teil von dem Stoff in neun Teile Wasser gibt, er also zehnmal verdünnt ist. Jetzt nimmt man von dem, was man da hat, was nur noch das Zehntel von der ursprünglichen Substanz enthält, wiederum einen Teil; den behandelt man wieder so, daß man ihn in ein Wasserglas gibt und ihn wiederum auf die Größe von 1:10 ausdehnen läßt. Jetzt hat man ihn schon 10 mal 10 verdünnt; das erste Mal 1:10, das zweite Mal, wenn man die Tropfenmenge verdünnt hat mit einer Verdünnung 10 mal 10, gibt das also zwei Nullen, 1:100. Wenn Sie die jetzt weiter verdünnen, wenn Sie also wiederum eine solche Menge nehmen und sie in neun Teile Wasser bringen, so müssen Sie wiederum eine Null anhängen, dann haben Sie 1:1000. Jetzt hat man nur noch das Tausendstel der Substanz drinnen. So haben wir in Stuttgart die Verdünnung gebracht bis zu eins zu einer Trillion - das ist mit 18 Nullen; so weit und sogar noch weiter haben wir verdünnt.
Also Sie können sich denken, daß da nur noch eine Spur drinnen ist von der ursprünglichen Substanz, und daß es eigentlich gar nicht mehr ankommt auf das, wieviel von der ursprünglichen Substanz drinnen ist, sondern wie diese Substanz als Verdünnungsmittel wirkt. Das Verdünnungsmittel wirkt ganz anders. Diese Verdünnungen also sind in Stuttgart gemacht worden. Dieses wird nicht so leicht jemand nachmachen. Höchstens die deutsche Valuta wird das nachmachen können, aber sonst nicht so leicht jemand. — Das ist mit den allerverschiedensten Stoffen gemacht worden. Wir haben es dann weiterhin so gemacht, daß wir eine kleine Art von Blumentöpfen genommen haben und da hinein dasjenige gegeben haben, was wir da bekommen haben. Also zunächst gewöhnliches Wasser, die gewöhnliche Lösung, dann dasjenige, wo das Zehntel drinnen war, dann das mit dem Hundertstel, dann das mit dem Tausendstel, dann das mit dem Zehntausendstel, mit dem Hunderttausendstel und so weiter bis zu einer Trillion. Also dies ist gemacht worden. Dann haben wir in die Blumentöpfchen Samen, Weizenkörner hineingesetzt. Das Weizenkorn wächst (es wird gezeichnet), und es wächst in der Verdünnung besser als in der Nichtverdünnung! Und so geht das fort. Sehen Sie, man bekam bei der weiteren Verdünnung also immer schnelleres Wachstum: eins, zwei, drei, vier, fünf und so weiter, bis man heraufkam zu der zwölften Verdünnung. Bei der zwölften Verdünnung ging es wiederum zurück, wurde wiederum kleiner. Dann stieg es wiederum hinauf und ging dann wiederum herunter.

Also auf diese Weise bekommt man die Wirkung von kleinsten Substanzen heraus. Die Wirkung von kleinsten Substanzen - das ist sehr merkwürdig, sehen Sie -, die ist rhythmisch! Verdünnt man, so bekommt man zuletzt bei einer gewissen Verdünnung das stärkste Wachstum, dann geht es wieder herunter, dann geht es wieder herauf; das geht rhythmisch. So daß man sieht: Wenn die Pflanze aus der Erde herauswächst, dann wirkt auf sie etwas, je nachdem sie belastet ist mit den Stoffen, was rhythmisch in der Umgebung wirkt. Da wirkt sozusagen die Erdenumgebung herein; das sieht man ganz deutlich.
Nun, wenn man sich darüber klar ist, daß kleinste Mengen etwas wirken, so wird man auch keine Bedenken mehr tragen, anzuerkennen, daß in solchen Zeiten wie jetzt, wo so viele Menschen unrichtige Nahrungsmittel zu sich nehmen und dann als Leichnam in der Erde verwesen, daß das anders wirkt! Das ist natürlich für die ganze Erde in starker Verdünnung, aber es wirkt eben anders, als wenn die Menschen gesund leben. Und das ist doch wieder in der Nahrung enthalten, die aus der Erde herauswächst. Das essen die Leute mit. So daß man sagen kann: Das ist etwas, was durch die Zeitverhältnisse mitbewirkt wird. Natürlich machen sich das die Leute mit der groben materialistischen Wissenschaft nicht klar, weil die sich sagen: Nun ja, was soll das, was man da in die Erde hereinlegt als Menschenleib, für die ganze Erde eine Bedeutung haben? - Es ist sehr verdünnt natürlich, was da vom Menschen hineinkommt, aber es wirkt.
Sehen Sie, meine Herren, da ist es dann gut, wenn wir überhaupt einmal über die ganze Pflanze sprechen. Die Gesundheitsverhältnisse der Menschen hängen ganz vom Pflanzenwachstum ab, und deshalb muß man kennen, was da im Pflanzenwachstum eigentlich alles mitwirkt.
Gerade das mit der Kinderlähmung hat mich ungeheuer stark beschäftigt, und es ist dabei herausgekommen, daß man eigentlich den ganzen Menschen behandeln muß. Es haben sich auch schon Anhaltspunkte für allerlei Heilmittel gerade für die Kinderlähmung ergeben. Dieses ist wahrscheinlich von einer großen Wichtigkeit, weil die Kinderlähmung in der Zukunft eine wirklich schmerzliche Rolle spielen könnte. Es ist natürlich eine Frage, die einen tief beschäftigt, und ich habe mich gerade damit beschäftigt. Es wird wahrscheinlich ein Arzneimittel hergestellt werden müssen, das da besteht aus Sodabädern, arseniksaurem Eisen und aus einer besonderen Substanz noch, die genommen wird aus dem Kleinhirn, aus dem hinteren Teil des Hirnes bei den Tieren. Also es wird ein sehr kompliziertes Heilmittel geben müssen gerade bei einer solchen Kinderlähmung. Sehen Sie, hier handelt es sich bei einer solchen Krankheit, die aus sehr verborgenen Ursachen kommt, darum, daß sie auch gerade kompliziert wieder wird geheilt werden müssen. Die Dinge sind eigentlich heute durchaus aktuell, und es ist gut, wenn Sie sich klarmachen, wie das ganze Pflanzenwachstum vor sich geht.

Da wächst also die Pflanze aus dem Erdboden heraus. Ich will es heute sodarstellen, wie es geradederFrage entspricht, diederHerrDollinger gestellt hat (siehe Zeichnung). Nun wächst aus dem Keime die Wurzel heraus. Nehmen wir zunächst einen Baum; wir können dann zu der gewöhnlichen Pflanze übergehen. Wenn wir einen Baum nehmen, so wächst da der Stamm heraus. Ja, meine Herren, sehen Sie, schon dieses Wachsen des Stammes ist etwas außerordentlich Merkwürdiges. Dieser Stamm, der da wächst, der ist eigentlich nur dadurch gebildet, daß er Saft von der Erde nach oben gehen läßt, und dieser Saft, der aufsteigt - also das, was ich hier rot gezeichnet habe -, dieser aufsteigende Saft, der reißt mit sich alle möglichen Salze und Bestandteile der Erde; dadurch ist der Stamm überhaupt fest. Wenn Sie also Holz anschauen aus dem Stamm eines Baumes, so haben Sie einen aufsteigenden Saft, und dieser Saft reißt dann die festen Staubteile der Erde mit, allerlei Salze, also sagen wir kohlensaures Natrium, Eisensalzbestandteile in den Pflanzen. Alles das wird nun damitgerissen, und dadurch ist das Holz in sich fest. Nun, das Wesentliche ist, daß da der Saft aufsteigt.
Was geschieht denn da eigentlich? Sehen Sie, da kommt, wenn da das aufsteigt, das Feste, das Erdige, zum Flüssigen, und wir haben da aufsteigend Erdig-Flüssiges. Erdig-Flüssiges steigt da auf, es ist solch ein dicklicher, erdig-flüssiger Stoff. Das Flüssige verdunstet dann, und das Erdige bleibt zurück. Das, was da erdig zurückbleibt, das ist das Holz. Wenn der Saft nun da hinaufsteigt, so entsteht er nicht etwa da (es wird auf die Zeichnung hingewiesen), sondern dieser Saft, der da im Holz aufsteigt — nennen wir ihn Holzsaft -, der ist eigentlich in der ganzen Erde enthalten, so daß die Erde in dieser Beziehung ein einziges großes Lebewesen ist. Dieser Holzsaft, der im Baum nach aufwärts steigt, der ist im Grunde, wie gesagt, in der ganzen Erde vorhanden; nur, in der Erde ist dieser Saft eigentlich etwas ganz Besonderes. Er wird erst zu dem, was er im Baume darstellt, er wird erst dazu im Baume. In der Erde ist er nämlich der eigentlich erdenbelebende Saft. Die Erde ist wirklich ein Lebewesen. Und das, was dann in den Baum hinaufsteigt, das ist in der ganzen Erde; durch das lebt die Erde. Im Baum, da verliert nämlich dieser Saft seine Lebensfähigkeit, er wird ein Chemiker, da hat er nur noch chemische Kräfte.
Wenn Sie also einen Baum anschauen, so müssen Sie sich sagen: Das Erdig-Flüssige im Baum, das ist chemisch geworden, und in der Erde selber drunten, da war es noch lebendig. Es ist also der Holzsaft zum Teil gestorben, indem er in den Baum hinaufging.
Wenn nichts anderes wäre, dann würde überhaupt niemals eine Pflanze entstehen, sondern es würden nur Stümpfe entstehen, die nach oben absterben und in denen chemische Vorgänge sich abspielen. Aber da kommt ja das, was sich aus dem Holzsaft bildet, der Stamm, in die Luft heraus - und die Luft ist immer von Feuchtigkeit durchsetzt -, er kommt in die feuchte Luft heraus, in das Feuchte, in das Wäßrig-Luftige. Der Holzsaft- mit dem, was er erzeugt- kommt also aus dem Erdig-Flüssigen in das Flüssig-Luftige. Und im Flüssig-Luftigen, da bildet sich wiederum das Leben neu, so daß sich der Stamm ringsherum besetzt mit dem, was dann im grünen Laub lebt (es wird gezeichnet) und zuletzt in der Blüte und in allem, was da draußen ist. Das wird wiederum zum Leben erweckt. Im Laub, im Blatt, in der Blüte und in der Knospe, da lebt wiederum Lebenssaft; der Holzsaft ist abgestorbener Lebenssaft. Im Stamm stirbt fortwährend das Leben ab, im Blatte macht es sich neu. So daß wir sagen müssen: Wir haben Holzsaft, der steigt nach oben; dann haben wir Lebenssaft. - Was tut denn der? Sehen Sie, der Lebenssaft der kreist da herum und erzeugt überall die Blätter. Daher können Sie auch solche Spiralen, in denen die Blätter angeordnet sind, beobachten. Der Lebenssaft, der kreist also eigentlich herum. Und der rührt aus dem Flüssig-Luftigen her, in das die Pflanze kommt, wenn sie aus dem Erdig-Flüssigen herausgewachsen ist.
Sehen Sie, meine Herren, daß der Stamm, der Holzstamm tot ist und nur das da hier bei der Pflanze lebt, was sich ringsherum ansetzt, das können Sie auf eine sehr einfache Weise beweisen, nämlich folgendermaßen: Denken Sie einmal, Sie gehen an einen Baum heran, haben da den Holzstamm, dann haben Sie da die Rinde, und in der Rinde drinnen, da wachsen nun die Blätter darinnen (es wird gezeichnet). Jetzt gehe ich her Tafel! und schneide die Rinde weg - dadurch kommt das Blatt auch weg -, hier lasse ich aber die Blätter daran mit der Rinde. Und die Geschichte stellt sich so heraus, daß hier der Baum lebendig, frisch bleibt, und daß er da anfängt, abzusterben. Das Holz allein mit seinem Holzsaft kann den Baum nicht lebendig erhalten. Da muß von außen einfließen dasjenige, was mit den Blättern kommt; das enthält wieder das Leben. Wir sehen auf diese Weise: Die Erde kann zwar den Baum heraustreiben, aber sie müßte ihn sterben lassen, wenn er nicht von außen, von der feuchten Luft das Leben gekriegt hätte; denn im Baum drinnen ist der Holzsaft nur ein Chemiker, kein Lebenserreger. Das Leben, das herumkreist, das macht sein Leben aus. Und man kann eigentlich sagen: Wenn der Holzsaft im Frühling aufsteigt, so wird in der Erde der Baum neu. Wenn dann im Frühling der Lebenssaft wieder neu herumkreist, wird der Baum jedes Jahr neu lebendig. Die Erde wirkt auf den Holzsaft, das Erdig-Flüssige; das Flüssig-Luftige wirkt auf den Lebenssaft.
Das ist aber noch nicht zu Ende, sondern jetzt, während das geschieht, bildet sich zwischen der Rinde, die noch vom Lebenssaft durchzogen ist, und dem Holz eine neue Pflanzenschicht; da kann ich gar nicht mehr sagen, daß sich da ein Saft bildet. Hier habe ich gesagt: Holzsaft, Lebenssaft; aber hier kann ich nicht mehr sagen, daß sich ein Saft bildet, weil das, was sich da bildet, ganz dicklich ist. Es heißt das Kambium. Das bildet sich darinnen zwischen der Rinde, die noch zu den Blättern gehört, und dem Holz. Wenn ich also das da hier wegschneide (es wird gezeichnet), so bildet sich dadrinnen kein Kambium. Aber das Kambium, das braucht die Pflanze auch in einer gewissen Weise. Der Holzsaft bildet sich im Erdig-Flüssigen, der Lebenssaft bildet sich im Flüssig-Luftförmigen, und das Kambium bildet sich in der warmen Luft, im Warmig-Luftigen oder im Luftig-Warmen. Die Pflanze entwickelt Wärme, indem sie von außen das Leben empfängt. Diese Wärme schickt sie in ihr eigenes Inneres, und aus dieser Wärme bildet sich da drinnen das Kambium. Oder, wenn sich noch nicht Kambium bildet - das Kambium braucht die Pflanze, Sie werden gleich noch hören wozu -, aber bevor das Kambium sich bildet, bildet sich schon etwas Dickliches: das ist der innere Pflanzengummi. In ihrer Wärme bilden die Pflanzen nach innen auch den Pflanzengummi, der unter Umständen ein wichtiges Heilmittel ist. Also der Holzsaft reißt die Pflanze nach aufwärts, die Blätter beleben die Pflanze; dann aber bilden wiederum die Blätter, indem sie die Wärme erregen, den Gummistoff, der wiederum zurück auf das Kambium wirkt. Und bei alten Pflanzen, bei ganz alten Pflanzen hat sich dieser Gummi, indem er zur Erde heruntergegangen ist, durchsichtig gemacht. Als die Erde noch weniger fest war, noch feucht-flüssig war, hat er sich durchsichtig gemacht, und da ist er zum Bernstein geworden. Also Sie sehen, wenn Sie ein Stück Bernstein nehmen, so ist das dasjenige, was bei einer uralten Pflanze der Erde aus dem Blatt wie Blut herausgeronnen ist, zur Erde herunter: Harz, Pech. Das alles fließt wieder nach unten, das gibt die Pflanze wieder der Erde zurück: Pech, Harz, Bernstein. Und wenn es die Pflanze selber behält, wird es eben das Kambium. Durch den Holzsaft steht die Pflanze mit der Erde in Verbindung; der Lebenssaft bringt die Pflanze in Verbindung mit dem, was um die Erde herumkreist, mit dem luftig-feuchtigen Umkreis der Erde. Aber das Kambium, das bringt die Pflanze in Verbindung mit den Sternen, mit dem, was oben ist. Und da ist es nun so, daß in diesem Kambium drinnen schon die Gestalt der nächsten Pflanze entsteht. Das geht dann auf den Samen über und dadurch wird die nächste Pflanze geboren; so daß die Sterne auf dem Umwege durch das Kambium die nächste Pflanze erzeugen. Also die Pflanze wird nicht aus dem Samen bloß erzeugt - das heißt, sie wird natürlich schon aus dem Samen erzeugt, aber der Samen muß zunächst die Einwirkung vom Kambium, das heißt, die Einwirkung vom ganzen Himmel haben.
Sehen Sie, das ist schon etwas Wunderbares: Wenn man einen Pflanzensamen in die Hand bekommt, so hat dieses anspruchslose, bescheidene kleine Staubkörnchen Samen nur dadurch entstehen können, daß das Kambium - jetzt nicht im Flüssigen, sondern in etwas Dicklichem - die ganze Pflanze nachmacht. Und diese Gestalt, die da drinnen im Kambium entsteht — eine neue Pflanzengestalt -, die überträgt die Kraft auf den Samen, und davon hat der Samen dann die Kraft, wiederum eine neue Pflanze unter der Einwirkung der Erde nach aufwärts wachsen zu lassen.
Also Sie sehen, meine Herren, mit dem bloßen Spekulieren, wenn man einfach das Samenkorn unter das Mikroskop legt, kommt nichts heraus. Da muß man sich klar sein darüber, wie das Ganze zusammenhängt mit dem Holzsaft, Lebenssaft und Kambium. Daher ist auch der Holzsaft ein verhältnismäßig dünnlicher Saft; er ist eigentlich darauf berechnet, daß in ihm leicht chemische Wirkungen sich bilden können. Der Lebenssaft der Pflanze, der ist schon viel mehr dicklich, er sondert ja auch den Gummi ab. Wenn Sie den Gummi ein bißchen dick machen, können Sie wunderbare Figuren daraus machen. Der Lebenssaft also, der hat schon etwas Dicklicheres gegenüber dem Holzsaft, der schmiegt sich schon mehr der Pflanzenform an. Und dann gibt er die ganze Form an das Kambium ab. Das ist noch dicklicher, schon ganz zäh, ist nur noch so weich, daß es die Formen annehmen kann, die ihm von den Sternen gegeben werden.
So ist es beim Baum, so aber auch bei der gewöhnlichen Pflanze. Wenn da die Erde ist und man da das Würzelchen hat, so wächst der Sproß nach oben; aber jetzt setzt es nicht gleich die festen Stoffe ab, es wird nicht zum Holz - es bleibt so wie eben ein Krautstengel ist -, das kommt nicht so weit; dann bilden sich gleich die Blätter daran im Umkreis, spiralig, und dann bildet sich auch da im Inneren gleich das Kambium aus, und das Kambium nimmt wiederum alles zur Erde mit zurück. So daß bei der einjährigen Pflanze der Prozeß, der ganze Vorgang viel schneller vor sich geht. Beim Baume, da sondern sich nur die festen Bestandteile ab, und es wird nicht gleich alles verwendet. Aber derselbe Vorgang findet auch bei der ganz gewöhnlichen Pflanze statt, nur kommt es nicht so weit wie beim Baume. Beim Baume ist es überhaupt ein ziemlich komplizierter Vorgang. Wenn Sie den Stamm von oben anschauen, haben Sie das so, daß zunächst das Mark darinnen ist - das ist also etwas, was die Richtung angibt; dann bildet sich um das Mark herum das, was Holzablagerungen sind. Geht es jetzt gegen den Herbst zu, da kommt der Gummi von der anderen Seite, und der klebt das Holz zusammen. Jetzt haben wir von einem Jahr das gummierte Holz. Im nächsten Jahr geschieht mit dem, was da aufsteigt, wiederum dasselbe, es muß jetzt nur mehr an einen anderen Ort gehen, wird wiederum zusammengummiert im Herbst, und dadurch, daß immer weiter zusammengummiert wird, entstehen die Jahresringe. Also Sie sehen, alle die Dinge werden sehr erklärlich, wenn man nur innerlich die Vorgänge richtig verstehen kann, wenn man nur weiß, daß da dreierlei Stoffe vorhanden sind: Holzsaft, Lebenssaft und Kambium. Der Holzsaft ist am flüssigsten, der ist also eigentlich ein Chemiker. Der Lebenssaft, der belebt; der ist also eigentlich, wenn ich mich so ausdrücken darf, ein Lebendiger. Und dasjenige, was im Kambium geschieht - ja, da wird eigentlich aus den Sternen heraus die ganze Pflanze gezeichnet. Es ist wirklich so, meine Herren! Da geht der Holzsaft aufwärts, stirbt ab; da entsteht wieder das Leben, und jetzt kommt die Sternenwirkung: da entsteht das, daß aus dem Kambium, das schon zäh, dicklich geworden ist, aus dem Sterneneinflusse die neue Pflanze gezeichnet wird. So daß man im Kambium richtig eine Zeichnung, eine Bildhauerarbeit der neuen Pflanze hat; das wird da hinein gebildhauert. Da wird von den Sternen hineinmodelliert aus dem ganzen Weltenraum dasjenige, was dann die ganze Pflanzenform ist. Da, sehen Sie, kommen wir aus dem Leben in den Geist hinein. Denn was da modelliert wird, das wird aus dem Weltengeist heraus modelliert. Das ist sehr interessant, meine Herren: Die Erde gibt ihr Leben zunächst an die Pflanze ab, die Pflanze stirbt, die Luftumgebung gibt der Pflanze mit ihrem Licht zusammen wiederum das Leben, und der Weltengeist gibt die neue Pflanzenform herein. Die bewahrt sich dann im
Samen und wächst dann wieder auf die gleiche Weise. So daß man also in der aufsteigenden Pflanze einen Weg sieht, wie aus der Erde heraus durch den Tod zum lebendigen Geist die ganze Pflanzenwelt sich aufbaut.
Holzsaft: Erde: Chemisches
Lebenssaft: Umkreis der Erde: Lebendiges
Kambium: Sterne: Geist
Nun werden in Stuttgart noch andere Versuche gemacht. Diese Dinge hier sind außerordentlich lehrreich. Statt daß man bloß das Wachstum untersucht — was also schon wichtig ist, besonders wenn man in die höheren Verdünnungen hinaufkommt von eins zu einer Trillion, was also schon sehr interessant ist -, kann man nämlich noch folgendes machen. Man nimmt ganz verdünnte, auf die beschriebene Weise verdünnte Me- Tafel 10 talle oder Metallverbindungen, sagen wir zum Beispiel man nimmt Kupfe- """ riges, ganz verdünnt, so daß man es in einer Lösung hat. Jetzt gibtman das in einen Blumentopf. Da ist Erde drinnen. In diese Erde gibt man gewissermaßen als eine Art Dünger das Kupfer hinein. Daneben stellt man einen Topf auf, der bloße Erde hat, dieselbe Erde, die aber nicht durch das Kupfer gedüngt ist. Es muß dieselbe Erde sein, aber sie hat nicht das Kupfer. Nun nimmt man wiederum ganz dieselben Pflanzen - die Pflanzen müssen möglichst gleich weit im Wachstum sein -, setzt die eine Pflanze hinein in die mit Kupfer also gewissermaßen gedüngte Erde, und die andere Pflanze setzt man in die Erde hinein, in der keine Kupferdüngung enthalten ist. Und das Merkwürdige stellt sich heraus, gerade wenn man das Kupfer recht stark verdünnt hat, daß die Blätter hier am Rande Runzeln kriegen — die anderen kriegen keine Runzeln, wenn sie glatte Blätter haben, nicht schon von vornherein Runzeln haben. Deshalb muß man dieselbe Erde nehmen, weil viele Erden ja schon von früher das Kupfer enthalten. Man muß dieselbe Erde nehmen - das eine Mal verkupfert man sie- und man muß die gleiche Pflanze nehmen, damit man das genau vergleichen kann.
Nun nimmt man eine dritte Pflanze, gibt in ein drittes Gefäß wiederum dieselbe Erde hinein, gibt ihr aber jetzt statt Kupfer Blei hinein. Da fällt es den Blättern gar nicht ein, sich zu runzeln, sondern sie werden in der Spitze dürr und blättern ab, werden also welk am Ende und blättern ab, wenn man Blei hineintut. Jetzt haben Sie auf einmal ein ganz merkwürdiges Bild. Diese Untersuchungen werden in Stuttgart gemacht, und sie sehen sehr schön aus, diese Dinge, wenn man da hintereinander alle die Blumentöpfe stehen hat und nun sieht, wie die Stoffe der Erde auf die Pflanzen wirken.
Sie werden sich künftighin nun nicht mehr verwundern, wenn Sie irgendwo Pflanzenformen sehen mit runzeligen Blättern. Wenn man da in die Erde hineingräbt, so werden Sie Spuren von Kupfer finden. Oder wenn Sie Blätter haben, die am Rande leicht runzeln und dürr werden, und Sie graben dann in die Erde hinein, so werden Sie leicht Spuren von Blei finden. Sehen Sie zum Beispiel hin auf die bekannte Pflanze, die man Zinnkraut nennt, mit der man die Töpfe scheuert. Diese Pflanze wächst wiederum gerade an solchen Orten, wo der Boden Silizium enthält; daher bekommen sie diese steifen kieseligen Stengel. So können Sie aus dem Boden heraus die Pflanzenformen verstehen.
Nun können Sie aber auch verstehen, was es für eine Bedeutung hat, wenn ganz kleine Mengen von irgendeiner Substanz dem Grund und Boden beigemischt werden. Natürlich ist der Kirchhof irgendwo draußen, aber die Erde ist ja überall ganz durchzogen vom Holzsaft, und die kleinen Mengen gehen überall gerade in den Boden über. Und wenn man einmal die Versuche gemacht hat, wie diese kleinen Mengen wirken, von denen ich Ihnen jetzt erzählt habe, dann sagt man sich: Ja, dasjenige, was gerade in kleinen Mengen in den Boden hinein verflüchtigt war, das essen wir ja mit! Es ist so stark, daß es in der Pflanzenform lebt. Und was geschieht da weiter? Denken Sie sich, ich hätte also hier eine Pflanzenform gekriegt, die aus einem bleihaltigen Boden kommt. Heute, sagen die Leute, entsteht das Blei nicht. Aber im Boden entsteht eben Blei, wenn man gerade in den Boden hinein verwesendes Lebendiges bringt. Es entsteht eben einfach im Boden Blei. Da wächst nun die Pflanze heraus - wir können geradezu sagen: es wächst eine Blei-Pflanze heraus. - Nun schön. Wenn wir diese Pflanze, diese Blei-Pflanze essen, dann hat sie eine ganz andere Wirkung, als wenn Sie eine Pflanze essen, die keine Blei-Pflanze ist. Wenn wir eine Blei-Pflanze essen, so wirkt das so, daß unser Kleinhirn, das da hinten im Kopfe ist, trockener wird, als es sonst ist. Es wird trockener.
Jetzt haben Sie einen Zusammenhang zwischen dem Boden und dem Kleinhirn. Es kann also Pflanzen geben, die einfach durch die Beschaffenheit des Bodens, durch das, was man irgendwo in die Erde hineinbringt und was sich dann irgendwo verteilt, das Kleinhirn etwas austrocknen. Nun, meine Herren, in dem Augenblick, wo wir das Kleinhirn nicht in voller Kraft haben, werden wir ungeschickt. Wenn dem Kleinhirn irgend etwas passiert, werden wir ungeschickt, können die Füße und die Arme nicht mehr ordentlich bewegen; und wenn das dann etwas stärker wird, werden wir an den Gliedern gelähmt.
Sehen Sie, meine Herren, so ist der Weg von dem Boden zu der Menschenlähmung. Der Mensch ißt von einer Pflanze, und wenn diese an dem Rande der Blätter etwas Absterbendes hat, wenn sie so geworden ist, wie ich es Ihnen beschrieben habe, so wird jetzt sein Kleinhirn etwas vertrocknen. Im gewöhnlichen Leben merkt man es nicht gleich, aber der Mensch kann sich dann nicht mehr richtig orientieren; wird das stärker, so kommt die Lähmung. Nun ist es wiederum so, daß zuallererst, wenn man sich nicht orientieren kann, wenn dieses auftritt im Kopfe, daß man sich nicht orientieren kann - was vom Vertrocknen des Kleinhirns ausgeht -, so ergreift das zunächst alle die Muskeln, die da oben im Kopfe von einer kleinen Drüse versorgt werden, von der sogenannten Zirbeldrüse, und namentlich die Sehpartien. Geschieht das, dann kriegt man bloß die Grippe. Geht die Lähmung weiter, so bildet sich die Grippe um zum ganzen gelähmten Menschen. So daß also in allen Lähmungserscheinungen etwas steckt, was mit dem Boden der Erde innig zusammenhängt. Und daraus sehen Sie, daß man wirklich von vielen Seiten her die Kenntnisse nehmen muß, damit man etwas Gesundendes für den Menschen zustande bringt. Es genügt wirklich nicht, daß man allerlei Redensarten macht, so und so soll es sein! Denn wenn man nicht weiß, wodurch die Menschen zuerst ihren Organismus abgestorben bekommen, dann kann man noch so gute Einrichtungen haben: die Menschen werden halt eben doch nicht mehr tüchtig sein. Denn alles dasjenige, was in der Pflanze wirkt und von der Pflanze in den Menschen übergeht, das ist ja auch im Menschen wiederum von einer großen Bedeutung.
Sehen Sie, der Holzsaft, der entspricht eigentlich im Menschen dem ganz gewöhnlichen farblosen Zellsaft, dem Schleim. Der Holzsaft in der Pflanze ist beim Menschen der Lebensschleim. Der Lebenssaft der Pflanze, der da von den Blättern herumkreist, der entspricht dem menschlichen Blute. Und das Kambium der Pflanze, das entspricht im Menschen der Milch und dem Milchsaft. Wenn die Frau zum Stillen kommt, entwickelt sie nur den Milchsaft durch gewisse Drüsen in der Brust stärker. Da haben Sie wiederum das, was am stärksten beim Menschen von den Sternen beeinflußt wird: der Milchsaft. Dieser Milchsaft aber, der ist ganz besonders notwendig zur Bildung des Gehirns. Das Gehirn ist sozusagen eigentlich im Menschen verhärteter Milchsaft. Wenn man also solche Blätter hat, die absterben, dann erzeugen sie kein ordentliches Kambium, weil sie nicht mehr die Kraft haben, zurückzuwirken in der richtigen Wärme. Sie lassen die Wärme durch die absterbenden Teile nach außen wirken, nicht mehr richtig zurückwirken. Wir essen Pflanzen mit einem nicht ordentlich ausgebildeten Kambium: sie bilden in uns den Milchsaft nicht ordentlich aus; die Frauen bilden die Frauenmilch nicht ordentlich aus, die Kinder bekommen schon eine Milch, auf welche die Sterne nicht besonders stark wirken, die Kinder können sich nicht gut ausbilden. Daher tritt diese Lähmung natürlich auch besonders bei Kindern auf. Sie kann aber auch bei Großen auftreten, weil ja der Mensch das ganze Leben beeinflußt bleiben muß von der Sternenwelt, wie ich Ihnen schon auseinandergesetzt habe.
In diesen Dingen muß die Naturwissenschaft und die Heilmethode zusammenarbeiten. Das muß überall zusammenarbeiten. Aber man kann nicht in irgendeiner einzelnen Wissenschaft sich abschließen. Nicht wahr, heute gibt es überall Leute, die beschäftigen sich nur mit den Tieren; andere nur mit dem Menschen, das sind die Anthropologen. Dann wiederum andere mit einem Teil vom Menschen: mit kranken Sinnen, mit kranken Lebern, kranken Herzen; also auf Inneres spezialisieren sich diese Leute. Dann wieder studieren die Botaniker nur die Pflanzen, die Mineralogen die Steine, die Geologen das ganze Erdreich. Dadurch wird etwas sehr Bequemes geschaffen für die Wissenschaft. Man hat weniger zu lernen, wenn man bloß Geologe wird oder bloß von den Steinen zu lernen hat. Ja, aber solch ein Wissen nützt gar nichts! Es hat gar keinen Zweck,
solch ein Wissen; wenn man mit dem Menschen etwas anfangen will, wenn er krank ist, so muß man die ganze Natur zusammennehmen. Es hat keinen Nutzen, solch eine bloße Geologie oder eine bloße Botanik oder eine bloße Chemie zu verstehen. Nicht wahr, die Chemie muß man verfolgen können bis hinein in das Arbeiten des Holzsaftes! Es ist wirklich so. Die Studenten haben einen Spruch ersonnen - es gibt ja an der Universität, wie Sie vielleicht wissen, ordentliche Professoren und außerordentliche Professoren -, und die Studenten haben da den Spruch ersonnen: Die ordentlichen Professoren wissen nichts Außerordentliches, und die außerordentlichen Professoren wissen nichts Ordentliches. - Aber das kann man heute viel weiter ausdehnen: Der Geologe weiß nichts von der Pflanze, vom Tier, vom Menschen;der Anthropologe weiß nichts vom Tier, von der Pflanze, von der Erde. Keiner weiß eigentlich, wie die Dinge zusammenhängen, mit denen er sich beschäftigt. Geradeso wie man sich in der Arbeit spezialisiert hat, verspezialisiert man sich im Wissen. Und da ist es viel schädlicher. Es ist haarsträubend, wenn es nur Geologen, nur Botaniker und so weiter gibt, denn dadurch wird das ganze Wissen zersplittert, und es kommt nichts Ordentliches zustande. Es ist dieses zur Bequemlichkeit der Menschen geschehen. Die Leute sagen heute schon: Man kann nicht ein Mensch sein, der alles weiß. - Ja, wenn man eben nicht ein Mensch sein will, der alles Wissen zusammennehmen kann, dann muß man eben auch gleich sagen: Man muß überhaupt verzichten auf ein nützliches Wissen. Wir leben schon in einer Zeit, in der die Dinge im Grunde eine fürchterliche Gestalt angenommen haben. Es ist gerade so, wie wenn einer, der mit der Uhr zu tun hat, dazu bloß das Feilen von Metallen lernen will. Nicht wahr, dann muß eben natürlich das herauskommen, daß schließlich einer das Feilen der Metalle kennt, der andere das Schweißen der Metalle und so fort. Und dann käme wiederum einer, der das Zusammensetzen der Uhr kennt, aber wiederum nicht weiß, wie man die einzelnen Metalle bearbeitet. Nun, nicht wahr: beim Maschinellen, da geht es wiederum ein bißchen, obwohl es natürlich auch wiederum nicht geht, ohne daß man die Menschen zwingt. Aber im Medizinischen zum Beispiel wird überhaupt nichts erreicht, wenn man nicht alles Wissen, bis zum Wissen der Erde, zusammennehmen kann. Denn im Holzstamm drinnen lebt dasjenige, was von der Erde, also von dem Gegenstand der Geologie, aufwärtsgetragen wird bis zum Holzsaft. Da erstirbt es. Man muß nun auch die Meteorologie, die Luft kennen, weil von der Umgebung den Blättern dasjenige zugetragen wird, was wiederum Leben hervorruft. Und man muß auch Astronomie, Sternkunde kennen, wenn man die Gestaltung des Kambium verstehen will. Wiederum muß man das kennen, was mit dem Kambium in den Menschen hineinkommt, wenn er ihn verzehrt: den Milchsaft, der zum Gehirn sich umbildet; so daß man also, wenn man verdorbenes Kambium kriegt, als Erwachsener ein verdorbenes Gehirn bekommt. Und auf diese Weise erzeugen sich aus dem, was in der Erde drinnen ist, die Krankheiten.
Das ist dasjenige, was darüber zu sprechen ist, woher solche scheinbar unerklärlichen Krankheiten kommen. Sie liegen im Erdboden drinnen begründet.