Star Wisdom, Moon Religion, Sun Religion
GA 353 — 13 March 1924, Dornach
Sternenweisheit, Monden- und Sönnenrelieion
Nun, meine Herren, wir wollen in der Betrachtung des Mysteriums von Golgatha fortfahren. Ich sagte Ihnen: die weitere Entwickelung muß nun davon ausgehen, daß dasjenige, was auf der Erde geschieht, nicht allein von der Erde abhängt, sondern von der ganzen Welt. Diese Abhängigkeit der Erdenereignisse von der ganzen Welt, das ist ja eine Vorstellung, die dem gegenwärtigen Menschen besonders schwer eingeht. Aber man kann schon das einfachste menschliche Ereignis nicht begreifen, wenn man nicht weiß, daß vom Weltenraum aus fortwährend Einflüsse auf die Erde geschehen. Nun, das habe ich Ihnen für die verschiedensten Dinge schon dargestellt. Heute muß ich es Ihnen in dem Zusammenhang mit dem Mysterium von Golgatha darstellen.
Ich habe Sie darauf aufmerksam gemacht, daß die Juden, die ich als das vierte der Völker im Entwickelungsgange angeführt habe, eigentlich das vierte Wesensglied des Menschen, das Ich des Menschen, entdeckt haben. Sie haben diesen vierten Bestandteil, als das göttliche Innere des Menschen aufgefaßt, Jahve genannt. Und sie haben auch diesen Jahve in eine gewisse Beziehung zum Weltenall und Sternenhimmel gebracht.
Nun wissen Sie ja, daß das Christentum seinen Ursprung in Palästina genommen hat. Jesus von Nazareth hat in Palästina gelebt, und die Umgebung des Jesus von Nazareth war eine jüdische. Die jüdische Religion herrschte dort in Palästina als Religion; die politische Herrschaft war schon die römische, aber die Römer waren in bezug auf diese weit entfernten Länder nicht in der Lage, etwa auch die Religion dort abzuschaffen. Also es herrschte um Jesus von Nazareth herum die jüdische Religion.
Was war eigentlich die jüdische Religion? Sie werden es noch besser verstehen, wenn ich Ihnen noch einiges sage über dasjenige Volk, das ich vor den Juden genannt habe, das in Mesopotamien gelebt hat, also etwas weiter in Asien drinnen: die Babylonier, Assyrier. Diese Völker, die da weiter in Asien drüben lebten, allerdings Nachbarn der Juden waren, sie hatten eine ausgesprochene Sternenreligion. Nun sagen die Leute jetzt: Ja, die Menschen da in Assyrien haben die Sterne angebetet. - Sie haben aber gar nicht die Sterne angebetet, sondern sie haben nur nach der instinktiven Weisheit der damaligen Zeit mehr noch gewußt von den Sternen, als die heutigen Menschen von den Sternen wissen. Es ist ja so, daß die heutigen Menschen glauben, alles über die Sterne zu wissen.
Nun werden Sie vielleicht in diesen Tagen gelesen haben, daß sogar dieses sichere Wissen von den Sternen droht zugrunde zu gehen. Es ist in diesen Tagen bekanntgeworden, daß eine Entdeckung gemacht worden ist, wonach tatsächlich die Erde umgeben ist nicht von dem leeren Weltenraum, sondern wenn man hinaufkommt in eine Höhe von vierhundert Kilometern, so ist die Erde umgeben von festen Stickstoffkristallen! So daß man also annehmen muß, daß der alte Kristallhimmel, von dem im griechischen Altertum gesprochen worden ist, heute von der Wissenschaft nach und nach wiederum gerechtfertigt wird. Aber das will ich nur nebenbei erwähnen. An solchen Dingen können die ganz gescheiten Leute der Gegenwart sehen, wie wenig eigentlich über die Sternenwelt bekannt ist.
Aber Sie brauchen ja nur das Folgende zu bedenken. Denken Sie sich einmal einen Marsbewohner - es wird ja in der Astronomie auch angenommen, daß der Mars bewohnt ist. Nun, wenn der herunterschaut, so sieht er auch nicht die Menschen auf der Erde; wenn der Marsbewohner nicht schon ganz fortgeschrittene Fernrohre hat, sieht er nicht die Menschen, sondern er sieht die Erde mit einem grünlichen Schein in den Weltenraum hinaus leuchten. Aber auf der Erde wimmelt es von Menschen, und diese Menschen stehen in Verbindung mit geistigen Wesenheiten. Ebenso die anderen Sterne. Und geradeso wie die physischen Kräfte der Sterne auf die Erde einen Einfluß haben, so haben natürlich auch die geistigen Kräfte der Sterne auf die Erde einen Einfluß, namentlich auf das Menschenwesen. Das hat nämlich die alte Weisheit, die instinktive Weisheit der Morgenländer gut gewußt, daß die Sterne auch geistige Wesenheiten in sich haben, und diese geistigen Wesenheiten, die haben sie verehrt auf ihre Art, nicht die äußeren physischen Sterne. In diesem Sinne war die Religion dadrüben in Vorderasien eine Sternenreligion. Das heißt, die Menschen haben angenommen, der Saturn zum Beispiel hat geistige Wesenheiten, die haben einen gewissen Einfluß auf die Menschen. Der Jupiter hat geistige Wesenheiten und so weiter, und alle diese Wesenheiten haben einen gewissen Einfluß auf das irdische Menschenleben.
Nun, die Juden haben sich um die anderen Sterne wenig gekümmert; aber dasjenige, was sie aus den alten Religionen genommen haben, das war der Einfluß des Mondes. Und sie haben ihren Jahve, ihren Jehova in Zusammenhang gebracht mit dem Geistigen im Mond. Das ist also eigentlich die ursprüngliche jüdische Religion, daß der Jahve, der im menschlichen Ich lebt, abhängig ist vom Mond.
Nun, meine Herren, das ist nicht eine bloße Sage, das ist auch nicht eine bloße religiöse abergläubische Vorstellung, sondern das ist etwas, was sich wissenschaftlich gut nachweisen läßt. Die Sache ist nämlich so, daß der Mensch tatsächlich in der Zeit, die auch wichtig ist für sein irdisches Dasein, in der Zeit während der Schwangerschaft der Mutter, also während er noch ein Menschenkeim, ein Embryo ist, ganz vom Monde abhängig ist. Diese Abhängigkeit des Menschen vom Monde während seiner Embryonalzeit, während seiner Keimeszeit, die hat man lange gewußt, und man hat darnach sogar die Zeit der Schwangerschaft berechnet auf zehn Mondmonate. Erst in der allerletzten Zeit ist es aufgekommen, die Mondenmonate auf Sonnenmonate zu rechnen, auf neun Monate. Aber in diesen zehn Mondmonaten, die man für die Zeit der Schwangerschaft mit Recht angenommen hat, da steckt noch drinnen, daß der Mensch in seiner Embryonalzeit, also als Menschenkeim, im Leibe der Mutter, abhängig ist vom Mond. Nun, inwieferne ist er abhängig vom Mond? Ich habe auch darauf schon aufmerksam gemacht.
Sehen Sie, die Sache ist so, daß dasjenige, was der erste befruchtete Eikeim ist, eigentlich zerstörte Erdenmaterie enthält, pulverisierte Erdenmaterie, und aus dem würde nie etwas, wenn nur Erdenkräfte auf ihn wirken würden - niemals! Aus diesem Menschenkeim wird lediglich dadurch etwas, daß vom Monde her der Einfluß auf die Erde stattfindet. Und man kann sagen: Der Mensch kommt ins Erdenleben durch die Kräfte des Mondes. - So daß also die Juden, die Jahve als eine Mondgottheit angesehen haben, eigentlich haben hinweisen wollen auf diese Abhängigkeit des Menschen von Mondenkräften, wenn er auf die Erde hereintritt.
Nun gewiß, die Leute weiter in Asien drüben, Babylonier, Assyrier, die haben auch noch andere Einflüsse als nur Mondeneinflüsse angenommen. Sie haben zum Beispiel gesagt: Der Jupiter, der hat einen gewissen Einfluß darauf, ob der Mensch in seiner weiteren Entwickelung gescheit wird oder dumm bleibt oder dergleichen. Aber auf solche nebensächlichen Einflüsse haben sich die Juden nicht eingelassen. Sie haben nur den einen Gott verehrt, und das war eben eine Mondengottheit. Das wird ja gewöhnlich als ein großer religiöser Fortschritt angesehen, daß die Juden von vielen Göttern zu einem Gotte fortgeschritten sind.
Diesen einen Gott, den die Juden verehrten, den Jahvegott, den hat auch Jesus von Nazareth angetroffen in der umliegenden jüdischen Religion. Und darin ist er gewissermaßen unterrichtet worden.
Nun, Sie können sich denken, wenn man nur den Mondengott verehrt, von dem der Mensch abhängig ist in der Zeit, wo er im Mutterleib getragen wird, dann führt man eigentlich alles darauf zurück, daß der Mensch schon sein ganzes Wesen, wie er ist und so weiter, auf die Erde mitbringt. Und das drückt sich auch aus in der alten jüdischen Religion, in der Jahvereligion. Wenn Sie irgendeinen alten Juden gefragt haben, der, sagen wir, krank geworden ist: Warum bist du krank geworden? - dann sagte er: Jahve hat es so gewollt. - Wenn ihm sein Haus angezündet worden ist und man fragte ihn: Warum ist dir dein Haus angezündet worden? - sagte er: Jahve hat es so gewollt - und so weiter. Er hat eben nur diesen einen Gott, durch den der Mensch in die Erdenwelt hereintritt, anerkannt, und alles führte er auf diesen Jahve zurück. Dadurch hat die jüdische Religion etwas von einer starren Religion. Der Mensch fühlte sich sozusagen sein ganzes Leben hindurch abhängig von dem, was er sich da mitgebracht hat auf die Erde.
Der Jesus von Nazareth lernte nun außer der jüdischen Religion andere Religionen kennen, die da sagten: Es findet nicht bloß ein Einfluß vom Monde auf den Menschen statt, sondern auch von den anderen Sternen. Sehen Sie, die Sache wird ja in den Evangelien auch angedeutet, daß schon eine Beziehung war zwischen den Sternenreligionen des Ostens, Asiens, und den von Juden bewohnten Ländern, in denen Jesus von Nazareth geboren worden ist. Es wird gesagt, daß die Weisen aus dem Morgenlande einen Stern gesehen haben, der sie hingeführt hat zur Geburtsstätte von Jesus von Nazareth.
Nun ist das natürlich so, wie es heute in den Evangelien steht, ja ein Mißverständnis. Die Sache ist vielmehr so, daß die Weisen aus dem Morgenlande von ihrer Sternenwissenschaft herkamen und aus der Sternkonstellation, aus der Stellung der Sterne gesehen hatten: ein ganz wichtiges Ereignis tritt ein. Und so kommt schon die Sternenweisheit des Ostens, die Sternenweisheit von Asien, bei der Geburt des Jesus von Nazareth in Berührung mit ihm selber. Diese Verbindung ist ja auch immer aufrechterhalten geblieben.
Und nun war das Hauptziel des Jesus von Nazareth, dem Menschen auch dann noch, wenn er schon auf der Erde herumgeht, eine innere Wesenheit zu geben. Der Jude sagte: Alles kommt von Jahve. - Aber der Jahve hat eben den entscheidenden Einfluß nur bis zur Geburt, und wenn der Mensch geboren ist, setzt er als ein auf der Erde herumgehender Mensch nicht einfach den Jahve-Impuls fort. Und Christus Jesus brachte vor allen Dingen in die Welt, daß der Mensch während seines Lebens nicht nur so eine abrollende Kugel ist, die gerade nur fortsetzt den Stoß, den Jahve im Mutterleibe gegeben hat, sondern daß der Mensch auch während seines Lebens noch einen inneren Willen hat, durch den er sein eigenes Wesen, seine Persönlichkeit besser oder schlechter machen kann. Das war für die damalige Zeit eine ganz große Idee. Denn, sehen Sie, die Sternenweisheit, die war eigentlich ganz geheimgehalten worden, und in Palästina selber wußte niemand etwas davon; in Rom erst recht nicht. Die Sternenweisheit war ganz geheimgehalten worden. Und es war eine sehr bedeutende Tat, als der Jesus von Nazareth, zunächst auf die Sonne und nicht auf die anderen Sterne hinweisend, sagte: Nicht bloß vom Monde her kommt ein Einfluß auf den Menschen, sondern es kommt ein Einfluß auch von der Sonne.
Damit war damals außerordentlich viel getan. Aber man muß nur bedenken, daß man solche Dinge nicht bloß als Theorien betrachten kann, sondern man muß sie der Wirklichkeit nach betrachten. Was geschieht denn eigentlich, während der Mensch im Leibe der Mutter ist, durch den Einfluß des Mondes? Ja, meine Herren, da ist es das Seelische, das Geistig-Seelische, das vom Monde her in den physischen Menschen hineinkommt. Der Mensch kommt als Seele aus der Himmelswelt herunter vom Monde her. Und was bedeutete es denn, daß die Juden sagten: Jahve hat Einfluß auf den Menschen während der Schwangerschaft der Mutter? - Das bedeutete, daß die Juden meinten: Alles, was im Menschen seelisch-geistig ist, das stammt vom Monde her; im Monde, da ist der Schöpfer der Menschenseele. - Wenn also die Menschen herumgehen auf der Erde, da sagt der Jude: Nun, das, was physisch am Menschen ist, was stofflich ist, das hat er von der Erde; dasjenige, was geistig-seelisch ist, das hat er durch den Mond aus der weiten Welt. - Da fährt also wirklich der Geist des Menschen durch den Mond in den Menschen hinein. Und damit ist eigentlich das gesagt: Begegne ich einem Menschen, so muß ich der Meinung sein: Deine Seele ist durch den Mond in dich hineingefahren, und was in dieser Seele drinnen lebt, das hast du auf dem Wege durch die Mondengötter erhalten.
Der Jesus von Nazareth lehrte: Ja, das ist richtig, der Mensch hat diese Seele; aber in seinem späteren Leben kann diese Seele noch verändert werden. Der Mensch hat etwas von einem freien Willen. Die Seele des Menschen kann im späteren Leben verändert werden.
Wie kam der Jesus von Nazareth dazu, so etwas zu behaupten? Das ist die große Frage. Und wenn man diese Frage beantworten will, dann kommt man auf das Folgende.
Sie wissen ja, daß man den Juden unterscheidet von der andern irdischen Bevölkerung. Und dieser Unterschied rührt schon davon her, daß durch Jahrhunderte hindurch die Juden in der Mondtreligion erzogen worden sind und jeden anderen Einfluß in ihrer Seele abgewiesen haben. Sehen Sie, man muß da schon auf gewisse Eigentümlichkeiten des Judentums eingehen, wenn man diese Dinge verstehen will. Sie können überall nachforschen: die Juden haben eine große Begabung für Musik, dagegen eine sehr geringe Begabung für Bildhauerei, Malerei und dergleichen. Die Juden haben eine große Begabung für den Materialismus, aber wenig Begabung für die Anerkennung der geistigen Welt, weil sie von der ganzen außerirdischen Welt einzig den Mond eigentlich verehrt haben und das kaum mehr gewußt haben. Der jüdische Charakter und der griechische Charakter sind vollständige Gegensätze. Die Griechen waren vorzugsweise auf die Bildhauerei, Malerei aus, auf die Baukunst wenigstens bildhauerisch aus. Die Juden sind das musikalische Volk, das PriesterVolk, das vorzugsweise das Innere ausbildet, was aus der ursprünglichen Begabung vom Mutterleibe herrührt.
Nun, in der Zeit, als der Jesus von Nazareth lebte, war diese Eigenschaft ganz außerordentlich stark ausgebildet. Nicht wahr, die Juden, die man heute in Europa kennenlernt, die haben ja schon unter den anderen Völkern gelebt, und da haben sie sich manches angeeignet. Aber derjenige, der unterscheiden kann, kann immer noch die besondere Geistesart der Juden von der Geistesart der anderen Menschen unterscheiden. Damit ist gar nicht gesagt, daß sie schlechter ist, aber sie ist unterscheidend. Nun, wie war das bei den Juden? Das war so: Sie haben ihr ganzes Gemüt, die ganze Seele auf den Mond hingelenkt. Dadurch hat sich bei ihnen alles das ausgebildet, was sich auf den Mond bezieht, aber gar nicht dasjenige, was sich auf die Sonne bezieht. Die Sonne ist vollständig vergessen gewesen. Und wäre der Jesus von Nazareth ein Jude geblieben, so hätte er auch nichts anderes lehren können als die Mondenreligion. Aber er blieb nicht bloß Jude, sondern er bekam im Laufe seines Lebens einen anderen Impuls: ein direkter geistiger Einfluß wurde ihm zuteil von der Sonne her.
Sehen Sie, dadurch ist er gewissermaßen zweimal geboren. Dieses Zweimal-Geborenwerden, das haben die früheren morgenländischen Religionen alle noch gehabt. Aber es ist vergessen worden; heute ist es nur vorhanden als Nachricht. Da versteht man es nicht mehr. - So daß also der Jesus von Nazareth in einem bestimmten Momente gefühlt hat: Jetzt bin ich gewissermaßen noch einmal geboren; geradeso wie ich im Mutterleib durch den Mond meine Seele bekommen habe, habe ich jetzt eine Auffrischung meiner Seele bekommen von der Sonne her. - Und in Eingeweihtenkreisen nannte man von dem Momente an denjenigen, der Jesus von Nazareth war, den Christus Jesus. Und man sagte: Nun, der Jesus von Nazareth ist eben geradeso Mensch, Jude geworden durch die Mondenkräfte, wie die anderen Juden; aber dadurch, daß er in einem bestimmten Zeitpunkt seines Lebens den Einfluß von der Sonne bekommen hat, ist er ein zweites Mal geboren als Christus.
Natürlich, der heutige Mensch, der solche Sachen nicht geistig nehmen kann, der kann sich bei all diesen Sachen überhaupt nichts denken. Er denkt sich schon nichts dabei, daß der Mensch vor der Geburt im Mutterleibe durch den Mond mit seiner Seele vereinigt wird, diese also von der Außenwelt bekommt. Und er denkt sich erst recht nichts dabei, daß der Jesus von Nazareth einen Sonneneinfluß bekommen hat, daß gewissermaßen eine zweite Persönlichkeit in ihn hineingezogen ist. Wie die erste Persönlichkeit in den Mutterleib hineinzieht, so zieht in den Jesus von Nazareth als zweite Persönlichkeit eben das Sonnenwesen hinein.
Sehen Sie, die römisch-katholische Religion, die hat in ihren Worten das, was ich Ihnen jetzt erzählt habe, vollständig vergessen. Aber gehen Sie einmal in eine Messe; da werden Sie, wenn es eine feierliche Messe ist, auf dem Altar stehen sehen und damit auch den Segen erteilen sehen das sogenannte Sanktissimum, die Monstranz (siehe Zeichnung S. 80); hier drinnen die Hostie, hier nun Strahlen. Ja, was ist denn das? Das ist die Sonne, und darin der Mond. Und die ganze Monstranz, das ganze Sanktissimum sagt durch seine Gestalt, daß das Christentum abstamme von einer Anschauung, die nicht, wie die Juden, bloß den Mond anerkannt habe, sondern auch die Sonne. Und wie der Mensch bei seiner Geburt den Einfluß hat vom Monde, so der Christus von der Sonne her.
Nun kann man sagen: Da könnte ja jeder Mensch nun zweimal geboren werden und den Einfluß von der Sonne auch bekommen im Laufe seines Lebens. - Das ist aber nicht so; die Sache ist doch etwas anders. Die Sache ist nämlich so: Der Christus Jesus hat einen Einfluß bekommen, der direkt auf das menschliche Ich ging. Worauf geht der Einfluß vom Monde her, der im Mutterleibe besteht? Nun, meine Herren, ich habe Ihnen gesagt: Der Mensch besteht aus dem physischen Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich. Der Mondeneinfluß, der geht auf den astralischen Leib, und der astralische Leib, der im Menschen unbewußt ist, der wird vom Monde beeinflußt. Dagegen der Sonneneinfluß des Christus, der ging auf das Ich. Aber das Ich, das ist selbständig!
Wenn der Sonneneinfluß auf den Menschen ebenso wäre wie der Mondeneinfluß, was würde da geschehen? Nun, meine Herren, auf unsere Geburt haben wir als einzelner Mensch nicht gerade einen sehr starken Einfluß; wir werden halt in die Welt hereingeschickt durch unsere Geburt. Wenn nun der Sonneneinfluß genau so wäre wie der Mondeneinfluß, da würden wir, sagen wir, mit dem dreißigsten Lebensjahr diesen Sonneneinfluß erfahren, und wir würden gar nichts dazu machen können, geradeso wie wir zu unserer Geburt nichts machen können. Wir wären mit dreißig Jahren plötzlich ein anderer Mensch, würden sogar das vergessen, was wir früher getan haben. Denken Sie sich, wenn Sie als junge Leute bis zum neunundzwanzigsten Jahre alle herumgehen würden, und dann käme meinetwillen Ihr dreißigstes Jahr, und da würden Sie alle wiedergeboren. Nun begegnet Ihnen einer, der noch nicht das dreißigste Jahr erreicht hat, wenn Sie wiedergeboren worden sind, und sagt zu Ihnen: Guten Morgen, Erbsmehl! - Was? Ich, ich weiß nichts von dem! Ich bin ja erst seit heute da! Was gehst du mich an? - So würde es sein, wenn tatsächlich auf jeden Menschen der Sonneneinfluß, sagen wir, im dreißigsten Jahre stattfinden würde. Ja, meine Herren, es wird Ihnen ganz unwahrscheinlich erscheinen, und dennoch ist es wahr. Es ist nur vergessen worden, weil fortwährend eine Geschichtsfälschung stattfindet; daher erfährt man nichts davon. Etwas ganz Ähnliches war nämlich in älteren Zeiten vorhanden, wenn auch nicht so drastisch stark, wie ich es Ihnen jetzt geschildert habe. Aber in ganz alten Zeiten, sagen wir, vor sieben- bis achttausend Jahren, wenn wir hinsehen zum Beispiel nach Indien, da ist es wirklich so gewesen, daß die Menschen dreißig Jahre alt geworden sind, nichts mehr gewußt haben von ihrem früheren Leben, ganz neue Menschen geworden sind. Und dann nahm sich ihrer ihre Umgebung an und sagte ihnen: Jetzt mußt du zum «Amt» gehen - ich gebrauche moderne Ausdrücke -, und da wurde dem Betreffenden erst wiederum gesagt, wie er heißt, wer er ist. Das ist natürlich immer schwächer und schwächer geworden, diese Umwandlung, aber sie war doch eben vorhanden. Und noch bei den Ägyptern war es zum Beispiel so, daß einfach die Menschen, wenn sie fünfzig Jahre alt waren, sich nicht zurückerinnerten an ihre Kindheit, sondern sich nur zurückerinnerten bis zu ihrem dreißigsten Jahr; das andere erfuhren sie von ihrer Umgebung, wie wir heute erfahren von unserer Umgebung, was wir getrieben haben, als wir ein Baby waren oder zwei Jahre alt. - Daß sich die Menschheit auf der Erde so verändert hat, das erzählt eben die Geschichte nicht, aber das ist dennoch so. Nun war der Jesus von Nazareth durch besondere Ereignisse der letzte Mensch, der, während die anderen alle schon keinen Sonneneinfluß mehr erlangt haben, noch den Sonneneinfluß erlangt hat. Es steht auch dieses von dem Sonneneinfluß in den Evangelien, nur legen das die Menschen immer falsch aus. Sehen Sie, es wird in den Evangelien erzählt, daß der Jesus sich im Jordan taufen ließ von Johannes. Dabei kam eine Taube herab. Diese Taube deutet eben den Sonneneinfluß an. Und da kam dieses Sonnenwesen in den Jesus. - Und jetzt war Schluß; er war der letzte, der dieses Sonnenwesen in sich bekam. Die anderen waren schon zu seiner Zeit durch ihre körperliche Beschaffenheit nicht mehr dazu reif. Er war der letzte.
Gehen wir zurück zu den Menschen im alten Orient; da konnte ein jeder sagen: Im Laufe des Lebens hat die Sonne einen Einfluß auf den Menschen; da kommt ein neues Wesen in den Menschen hinein. - In der Zeit, in der der Christus Jesus lebte, konnte man das im allgemeinen nicht mehr sagen, und die Priester wußten es nur aus der äußeren Wissenschaft, nicht durch innere Anschauung.
Nun, was mußte denn jetzt an die Stelle der Verehrung der Sonne treten? In alten Zeiten haben die Leute die Sonne verehrt, vor der Judenzeit, weil sie gewußt haben: Von der Sonne kommt dieser große, mächtige Einfluß während der Zeit des Lebens. - Jetzt konnten sie die Sonne nicht mehr verehren, weil sie ja keinen Einfluß mehr bekamen. Wer trat denn an die Stelle der Sonne? Der Christus Jesus selber! Und so wurde das Christentum so begründet, daß man mit der Sternenreligion auch eine Sonnenreligion hatte und direkt auf die Sonne hindeutete; als der Christus Jesus als der letzte diesen Sonneneinfluß erlangt hatte, konnte man nur auf den Christus hindeuten und konnte sagen: In dem steckt ja der Sonnengeist.
Und das ist nämlich der große Umschwung. Das ist die ungeheuerlichste Revolution im Denken, daß der Christus Jesus dasjenige, was man früher auf der Sonne gesehen hat, auf die Erde heruntergeholt hat. Und in alten Zeiten oder in den ersten Zeiten des Christentums hat man deshalb den Christus immer die Sonne genannt. Sie finden noch in den Evangelien überall den Ausdruck: «die Sonne, der Christus», weil man eben gewußt hat, um was es sich handelt. Das ist später ganz und gar vergessen worden. Bei jeder feierlichen Messe kann man es in dem Sanktissimum, in der Monstranz sehen. Aber wenn irgendeiner das dann auch wirklich sagt, daß es so ist, was man ja sehen kann, dann ist er ein großer Ketzer, dann wird er verfolgt als ein Irrgläubiger. Denn man hat es in der christlichen Kirche immer als gefährlich betrachtet, die Wahrheiten über die Sterne, also auch über die Sonne zu verkündigen.
Ja, meine Herren, warum ist denn das? Da muß man wiederum zurückgehen auf die alten Mysterien und sie vergleichen mit dem Christentum. Sehen Sie, in den alten Mysterien wurden ja nicht alle Leute zugelassen. Ich habe Ihnen gesagt, wie die Grade waren; die Eingeweihten waren Rabe, Okkulter, Verteidiger, Sphinxe und so weiter. Die wußten, daß von den Sternen der Einfluß kommt; die wußten das. Und deshalb hat auch die eingeweihte Priesterschaft streng gewacht darüber, daß nicht alle Leute gescheit wurden, daß nur bei ihnen in den Mysterien die Gescheitheit vorhanden sei. Denn Wissen ist schon eine Macht, wenn es auch oftmals unterdrückt wird. Aber wenn die Priesterschaft noch mächtig ist, dann ist eben das Wissen eine Macht.
Diese Sternenweisheit war aber zugrunde gegangen. Und nun kam der Christus Jesus. Der brachte sie neuerdings auf, allerdings in der verwandelten Gestalt, daß er sagte: Man muß den Sonnengott auf die Erde herunterholen. - Er brachte die Sonnenreligion neuerdings auf. Und wenn das nun geschehen wäre, daß der Christus ganz durchgedrungen wäre mit seiner Lehre, dann wäre die ganze alte Sternenreligion wiederum dagewesen als Sonnenwirkung! Das war auch in den ersten Zeiten des Christentums vielfach der Fall. Die alten Mysterien haben wieder aufgeblüht. Aber nun kam das, daß der Christus Jesus die ungeheure Revolution durchführte: Dasjenige, was früher eingeschlossen in den Mysterien war, hat er vor alle Welt hingestellt. Es wäre also für alle Menschen dagewesen. Nun, keine Bemühung konnte durchdringen, das, was ich Ihnen jetzt sage, unter die Menschen zu bringen.
Da war im 4. Jahrhundert ein römischer Kaiser, Julianus, den man den Abtrünnigen, den Apostaten nennt; der wollte seine alte Sternenreligion wiederum einführen. Er ist auf einem Zuge nach Persien ermordet worden! Dasjenige, was in Rom geschehen ist, das kann man nur in der folgenden Weise erzählen.
In Rom geschah das, daß der Sternendienst, der eigentlich mit dem Christus Jesus wiederum gegeben war, verleumdet wurde als Aberglaube, ja, nicht nur als Aberglaube, sondern als Teufelsglaube verleumdet wurde. Also gerade das, was zum wirklichen Erkennen, zur Erkenntnis des Geistigen in der Welt führt, das wurde verleumdet, das wurde gewissermaßen sogar abgeschafft. Dagegen sollte man nur an das äußere geschichtliche Ereignis mit dem Christus Jesus in Palästina glauben, so wie die Kirche es verkündet. Dadurch wurde die Kirche für alle diejenigen, die die Gläubigen wurden, die höchste Macht in dem, was man denken soll. Sehen Sie, das Christentum als solches ist eigentlich nicht über Rom nach Europa gekommen, sondern ein verändertes Christentum, das nur dieses äußere Ereignis von Palästina genommen hat, nicht den ganzen Weltzusammenhang. Und wodurch ist das gekommen?
Nun, sehen Sie, eigentlich stammt Rom ab von einer Schar von Räubern, die ursprünglich sich da zusammengesammelt haben. Und etwas von dieser Gesinnung ist eben lange eingeflossen damals. Und so hat Rom immer darnach gestrebt, mit der weltlichen Herrschaft zugleich die religiöse Herrschaft an sich zu reißen. Das ist geradezu ein Zug von Rom, mit der weltlichen Herrschaft auch die geistige Herrschaft an sich zu ziehen. Und an die Stelle des alten, noch heidnischen Hohepriesters, des Pontifex Maximus, von dem er nur den Namen angenommen hat, ist der Papst getreten. Der Papst ist eigentlich im Laufe des Mittelalters an die Stelle der römischen Cäsaren, der römischen Kaiser getreten, hat die Weltherrschaft angetreten zugleich mit der Herrschaft über die Gedanken. Nur einmal war es, im Anfange des 11. Jahrhunderts, als in Mitteleuropa ein sehr bedeutender deutscher Kaiser etwas ähnliches machen wollte wie damals Julian, den man den Apostata, den Abtrünnigen nannte; das war Heinrich II. Es ist sehr interessant! Heinrich II. wurde zunächst angesehen wie eine Art Heiliger, weil er die christliche Anschauung sehr gut vertrat. Von 1002 bis 1024 regierte er. Wie eine Art Heiliger regierte er. Er hat auch in der Geschichte den Beinamen: der Heilige. Ja, sehen Sie, wenn man heute noch bei katholischen Priestern das Brevierbuch, wo alle Heiligen drinnenstehen, sich anschaut, so steht auch dieser Heinrich II., der Heilige, drinnen. Aber dieser Heinrich II. war eben auch einer, der auf so etwas wie die alte Wahrheit hindeuten wollte. Er wollte retten für das Christentum die Anschauung, daß in dem Christus Jesus der Sonnengeist gelebt hat. Und da hat er angestrebt eine Ecclesia catholica non romana, das heißt, eine katholische Kirche, die nicht römisch ist. Bedenken Sie die Jahreszahl: anfangs des 11. Jahrhunderts! Erst später ist das Luthertum gekommen. Wäre das dazumal gelungen, was Heinrich II. angestrebt hat, eine katholische Kirche, die nicht römisch ist, so wäre das Christentum in seiner Weltbedeutung in Europa aufgetreten, und man hätte durch das religiöse Leben dazumal schon eine wirkliche Geisteswissenschaft bekommen. Aber Rom hat dazumal gesiegt, das heißt das religiös-cäsaristische Rom. Es kam eben keine Ecclesia catholica non romana, sondern es lebte die Ecclesia catholica romana weiter. Ganz trennen wollte der Kaiser Heinrich II. die katholische Kirche von der weltlichen Herrschaft.
Nun werden Sie ja alle zugeben müssen: Es wäre eine ungeheuer große Tat gewesen, denn all dasjenige, was dann nachgekommen ist an Verfolgungen von Ketzern, von Irrgläubigen, hätte dann nicht kommen können. Denn alle diese Verfolgungen kommen nur von der Herrschaft über die Gedanken. Aber in Wirklichkeit kann man ja die Gedanken nicht beherrschen. Denken Sie nur einmal nach darüber! Kann man denn Ihre Gedanken in Wirklichkeit beherrschen? Nein, man kann sie nicht beherrschen! Man kann sie nur beherrschen, wenn man den Menschen beherrscht von der weltlichen Seite her, wenn man den Menschen dazu zwingt, in bestimmte Schulen zu gehen, ihm da gewisse Dinge eintrichtert, wenn man ihn dazu bestimmt, in eine gewisse Klasse zu gehören. Mit der Klasse bekommt er dann seine Anschauung und so weiter. Die Gedanken lassen sich nicht beherrschen! Niemals hätte eine Kirche schädlich werden können, wenn ihr die weltliche Herrschaft nicht geholfen hätte, indem sie die Herrschaft über den Menschen als physisches Wesen ausübt. Denn die Kirche kann nur lehren, und der Mensch muß das, was sie lehrt, selber annehmen. Und das wollte Heinrich II. herstellen. Nur eben, wie gesagt, siegte der alte Cäsar, der alte Kaiser in dem Papst damals. Und Sie wissen ja: damals war die weltliche Herrschaft sehr stark. Man mag das schlimm finden, aber jedenfalls war die weltliche Herrschaft in der Zeit, als Heinrich I. wirkte, sehr stark. Und würde es damals gelungen sein, eine katholische Kirche einzurichten, die nicht römisch ist, so wäre eben außerhalb der weltlichen Herrschaft die Lehre der Kirche dagewesen.
Sehen Sie, im Grunde genommen verfolgten ja die Kreuzzüge dasselbe. Von den Kreuzzügen wird immer gesagt, daß sie im Dienste von Rom geführt worden seien. Die Kreuzzüge werden gewöhnlich so geschildert: Weil diese entsetzlichen Türken Jerusalem erobert hatten, da konnten die Pilger in Jerusalem nicht mehr in Ruhe ihre Gebete verrichten, wenn sie dahin wallfahrteten. Da setzte sich Rom ein, schickte den Peter von Amiens überall hin; der predigte in Europa den Kreuzzug. Das heißt, es sollten viele Leute zum Kreuzzug zusammenströmen, sollten hinüberwandern nach Asien, nach Jerusalem. Nun kam ja allerdings auch durch die Predigten des Peter von Amiens ein großes Kreuzfahrerheer zustande, stand auch unter dem Kommando des Peter von Amiens und des Walther von Habenichts. Warum er von Habenichts geheißen hat, können Sie sich vielleicht denken. Nun, er war eben solch ein Habenichts wie wir alle. Wir könnten auch nicht aufbringen das ganze, was ein Kreuzzug nach Asien hinüber kostet. - Dieses ganze Kreuzzugheer ging aber schon auf dem Wege zugrunde. Es hat gar nichts erreicht.
Dagegen machten sich dann andere Leute auf unter der Führung des Gottfried von Bouillon. Die waren nicht im Dienst von Rom, sondern die wollten wiederum etwas Ähnliches wie Heinrich II. Die wollten die weltliche Herrschaft ausschalten. - Hier ist Italien (es wird gezeichnet), hier Griechenland, das Schwarze Meer, Asien, hier Palästina, hier Jerusalem: und da sollte das Kreuz ja hinübergehen, und Jerusalem sollte der Hauptsitz der christlichen Religion werden. Rom sollte abgesägt werden von dem wirklichen ersten Kreuzzug an. Es waren die Kreuzzüge eigentlich gegen Rom geführt. Und wiederum wollte man die Ecclesia, die Kirche, unabhängig machen von der weltlichen Herrschaft.
Nun, alle diese Dinge sind ja nicht gelungen. In die späteren Kreuzzüge haben sich wiederum die romanischen Fürsten hineingemischt. Die Sache ist ja auch in der Kreuzzugsgeschichte zu lesen.
So ist es eigentlich dann gekommen, daß diese ganze Grundlage des Christentums, die die großartige Idee enthält, daß die Sonnenkraft heruntergeholt worden ist durch den Christus Jesus auf die Erde, und daß jeder Mensch, der das einsieht, dadurch frei werden kann - «Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen», aber es wurde nicht die Wahrheit erkannt -, diese ganze Sache, die ist im Grunde genommen durch die ganze menschliche Entwickelung hindurch unbekannt geblieben, und erst heute muß man wieder durch Geisteswissenschaft das wirkliche Christentum entdecken. Es ist gar nicht wunderbar, daß diejenigen, die das heute bestehende Christentum vertreten, sich wenden gegen das Christentum, das nun wirklich an den Christus Jesus anknüpft und dasselbe lehrt, was der Christus Jesus gelehrt hat. Aber das geschieht in der Anthroposophie. Daher ist es auch nicht zu verwundern, daß bei denjenigen, die das Christentum heute nur kennen von dem, was da ist, eine große Abneigung gegen das Christentum ist. Aber die Abneigung bezieht sich nicht auf das Christentum. Das Christentum hat ja in sozialer Beziehung einen ungeheuren Fortschritt gebracht, nämlich den, daß die Sklaverei nach und nach verschwunden ist. Gäbe es kein Christentum, ja, meine Herren, dann wäre auch die ganze Wissenschaft von heute nicht da. Denn schauen Sie nach: Die meisten wirklich großen Entdeckungen sind ja eigentlich von den Mönchen gemacht worden. Bloß die Luftpumpe ist vom braven Bürgermeister Guericke von Magdeburg; aber die meisten großen Entdeckungen sind von Mönchen gemacht worden. Und derjenige, der das Kopernikanische System gefunden hat, Ko‚pernikus, das war ja ein Domherr, ein katholischer Domherr. Und die Schulen waren eigentlich alle abhängig von den Mönchen.
Aber da kommt eben etwas anderes dazu. Sehen Sie, die Sache ist ja so, daß man die Klöster eigentlich nicht gern gesehen hat in der alten Kirche, weil die Mönche noch viel bewahrt hatten von der alten Wissenschaft. Und bei den Mönchen - die durften nur nicht den Mund aufmachen - findet man schon ein Wissen von der alten Sternenweisheit. Das ist schon durchaus zu finden, wenn man es nur suchen will. Dinge, die ich Ihnen erzählt habe - ich habe Ihnen das letzte Mal aufgezeichnet, wie man Weib und Mann noch im 17. Jahrhundert unterschieden hat -, ja, die haben sich fortgepflanzt in alten Zeiten über das Mönchtum, nicht über das äußere weltliche Regiment, sondern über das Mönchtum, und im Grunde ist es erst im 17., 18. Jahrhundert gelungen, damit vollständig aufzuräumen. Das Mittelalter ist gar nicht so finster, wie man gewöhnlich glaubt. Nur dasjenige ist finster, was die Leute gewöhnlich sehen. Aber im Geheimen haben die Leute viel Weisheit gehabt; nur versteht man sie heute nicht, selbst wenn man in alten Schriften liest. Ich habe Ihnen ja beim Ausdruck «Mumie» gezeigt, daß kein Mensch heute bedenkt, was Mumie ist. Ich habe es Ihnen erklärt.
Und so ist es schon, daß also die größte Idee des Christentums diese ist von dem Herunterfahren der Sonnenkraft auf die Erde.
Sehen Sie, meine Herren, dadurch ist eigentlich erst das gekommen, was man Geschichte nennt. Denn im Morgenlande drüben hat man eine große Sternenweisheit gehabt, aber auf die Geschichte hat man nichts gegeben. Diejenigen, die im Morgenlande die Gelehrten, die Wissenden waren, die haben immer darauf hingewiesen: In den Himmelsweiten ist die Schöpfung. Aber was die Menschen auf der Erde gemacht haben, darum haben sie sich nicht viel gekümmert. Bei den Juden tritt etwas ein von Geschichte, aber das ist eine Geschichte, die ja auch mit der Sternenweisheit beginnt, denn die «sieben Schöpfungstage» sind Sternenweisheit. Und dann wird es chaotisch, dann geht es durcheinander. Eine richtige Geschichte, die die ganze Entwickelung auf der Erde einteilte in das Vorchristliche und das Nachchristliche, trat eben erst mit dem Christentum ein.
Das ist dasjenige, was ich Ihnen heute sagen konnte. Einige Ergänzungen dazu will ich dann noch am nächsten Samstag geben.