Human History and the World Views of Civilized Nations

GA 353 — 4 June 1924, Dornach

Sechzehnter Vertrag

Haben Sie etwas gefunden, das Sie fragen wollen, meine Herren?

Frage: Wie entstehen die Sonnenstrahlen? Ist das eine Substanz? Und wie kommt es, daß sie auf die Erde in einem Bogen einfallen?

Dr. Steiner: Nicht wahr, Sie meinen, daß die Sonnenstrahlen eine Wirklichkeit sind? Und warum Sie meinen, daß sie in einem Bogen einfallen, können Sie vielleicht noch etwas erklären.

Der Fragesteller sagt, er habe schon gehört, sie fielen nicht gerade auf die Erde, sondern in einem Bogen.

Dr. Steiner: Die Sache ist so: Die Sonnenstrahlen, wie man sie sieht, sind eigentlich keine Wirklichkeit; sondern, wenn wir die Sonne als solche betrachten, so ist sie eigentlich nicht ein physischer Stoff, sie ist eigentlich geistig und besteht in einer Aushöhlung des Raumes.

Nun, Sie müssen sich nur richtig vorstellen, was eine solche Aushöhlung des Raumes bedeutet. Wenn man - ich habe den Vergleich schon einmal gebraucht - eine Flasche mit Selterswasser hat, dann ist die Flasche mit Wasser angefüllt, und man sieht eigentlich das Wasser kaum; man weiß, daß Wasser drin ist, aber man sieht sehr deutlich die Perlen, die da drinnen sind. Sie wissen aber: Wenn Sie das Wasser herausgießen, dann verduften die Perlen; die sind eigentlich Luft. Sie sind als Luft dünner als das Wasser. Man sieht nicht etwas, was dichter ist als Wasser, aber das Dünnere der Luft sieht man dadrinnen. So ist es mit der Sonne da droben. Alles, was ringsherum um die Sonne ist, ist eigentlich dichter als die Sonne, und die Sonne ist dünner als das, was um die Sonne herum ist; dadurch sehen Sie die Sonne. Es ist also eine Täuschung, wenn man glaubt, daß die Sonne sozusagen etwas ist im Raume. Es ist eigentlich dort nichts im Raume; es ist ein großes Loch da, wie bei dem Selterswasser auch überall, wo eine Perle ist, Luft ist, ein Loch ist.

Daraus können Sie schon entnehmen: Es kann sich gar nicht darum handeln, daß von dem Loch Strahlen ausgehen. Die Strahlen entstehen auf ganz andere Weise. Sie können sich das auf folgende Weise klarmachen. Nehmen Sie einmal an, Sie haben eine Straßenlaterne; in dieser Straßenlaterne ist Licht drinnen. Wenn Sie nun auf der Straße gehen und Sie schauen sich diese Laterne an, und es ist ein recht heller Abend, so werden Sie die Laterne mit festem, schönem Glänzen sehen. Bedenken Sie aber: Es ist ein nebliger Abend, überall herum ist Nebel - da wird es Ihnen gerade so scheinen, als ob lauter Strahlen ausgehen würden von der Laterne, von dem Licht! Sie sehen dann also die Strahlen drinnen. Sie sehen bloß nicht die Strahlen vom Licht, sonst müßten Sie bei einem richtig guten Abend auch die Strahlen sehen. Die kommen aber von dem, was ringsherum ist; und je mehr Nebel ist, desto mehr sehen Sie die Strahlen. Daher sehen Sie die Sonnenstrahlen auch nicht als Wirklichkeit, sondern als etwas, wo Sie durch einen Nebel hindurch auf ein weniger Dichtes, in ein Leeres hinschauen. Versteht man das?

Nun aber weiter: Wenn man durch einen Nebel durchschaut in die Ferne, dann erscheint der Gegenstand, den man schaut, immer an einem anderen Ort, als wo er eigentlich ist. Wenn man hier auf der Erde steht und man schaut durch die Luft die Sonne, die eigentlich leer ist, an, dann wird, indem man hinschaut, die Sonne tiefer stehen als wo sie eigentlich steht - dann wird sie in der Leere des Raumes tiefer stehen. Dadurch erscheint dasjenige, was ohnehin gar keine Wirklichkeit hat, wie wenn es ausgebogen wäre. Es ist also eigentlich nur dadurch, daß man durch den Nebel durchschaut. Das ist in diesem Falle die Wirklichkeit. Man muß nur immer wiederum von neuem staunen, daß die Physiker heute die Dinge so aufzeichnen, als wenn da eine Sonne stünde und da Strahlen verlaufen würden, währenddem weder die Sonne noch die Strahlen eine äußere physische Wirklichkeit sind. Und in dem Raum, der da leer ist, dadrinnen ist allerdings dann Geistiges. Und das ist dasjenige, was dabei immer berücksichtigt werden muß. Das kann ich in bezug auf diese Frage sagen.

Vielleicht fällt jemandem noch etwas anderes ein?

Frage: Könnte man etwas hören über die Freimaurerei und ihren Zweck?

Dr. Steiner: Nun, sehen Sie, meine Herren, die heutige Freimaurerei, die ist eigentlich, man könnte sagen, nur der Schatten dessen, was sie einmal war. Ich habe hier auch schon verschiedentlich davon geredet, daß es in sehr alten Zeiten der Menschheitsentwickelung nicht solche Schulen gab wie heute, auch nicht solche Kirchen und auch nicht solche Kunstanstalten, sondern das war alles eins. In den alten Mysterien, wie man es nannte, war zugleich die Schule, die Kunstanstalt und die Religion. Das ist erst später auseinandergegangen. So daß es eigentlich für unsere mitteleuropäischen Gegenden, man könnte sogar sagen, erst im 11., 12. Jahrhundert so geworden ist; früher waren die Klöster, ich möchte sagen, ein Andenken an die alte Zeit. Aber in ganz alten Zeiten war das so, daß Schule, Kirche und Kunstanstalten eines waren. Es war aber so, daß in den Mysterien alles das, was da getrieben wurde, viel ernster genommen worden ist als heute zum Beispiel in unseren Schulen und auch in unseren Kirchen die Sachen genommen werden.

Die Sache ist nämlich damals so gewesen, daß man lange Zeit hat vorbereitet werden müssen, bis man hat lernen dürfen. Heute entscheidet ja im Grunde genommen, ob man etwas lernen kann oder nicht, wirklich ein Prinzip, das gar nichts zu tun hat mit dem Lernen. Nicht wahr, heute entscheidet eigentlich nur das, ob für den Betreffenden, der lernen soll, das Geld aufgebracht werden kann oder nicht aufgebracht werden kann! Das ist natürlich etwas, was gar nichts zu tun hat mit den Fähigkeiten, die der Betreffende hat. Und ganz anders nun war die Sache in alten Zeiten. Da hat man unter der ganzen Menschheit diejenigen ausgesucht - man hat einen besseren Blick auch dafür gehabt als heute -, die etwa die Fähigsten waren. Natürlich ist die Sache dann fast überall, weil die Menschen schon einmal egoistisch sind, in Verfall geraten; aber das Prinzip war ursprünglich dies, daß man diejenigen aussuchte, die Fähigkeiten hatten. Und die wurden dann erst dazu berechtigt, daß sie geistig lernen konnten - nicht einfach durch Drill und durch Dressur und durch Elemente, wie heute gelehrt wird, sondern die konnten geistig lernen.

Dieses geistige Lernen, das ist nun aber damit verknüpft, daß man in der Vorbereitung lernt, ganz bestimmte Fähigkeiten auszubilden. Sie müssen nur bedenken, wenn man im gewöhnlichen Leben irgend etwas angreift, so hat man eigentlich eine grobe Empfindung davon; und das Äußerste, was heute die Menschen erreichen, ist, daß sie in der Empfindung manchmal Stoffe voneinander unterscheiden können, daß sie die Dinge so befühlen und etwas in der Empfindung unterscheiden. Aber die Menschen sind in ihrer Empfindung - ich meine, in der rein physischen Empfindung - heute eigentlich recht grob; sie unterscheiden Wärme und Kälte. Höchstens daß es die Leute, die darauf angewiesen sind, zu einer feineren Empfindung bringen. Das sind zum Beispiel die Blinden. Es gibt ja Blinde, die lernen, wenn sie das Papier überfahren, die Buchstabenformen befühlen. Jeder Buchstabe ist ja ein bißchen eingegraben ins Papier. Wenn das Gefühl in den Fingern fein ausgebildet wird, kann man schon die Buchstaben etwas befühlen. Das sind die einzigen Leute, die heute lernen, feiner etwas fühlen, feiner etwas empfinden. In der Regel wird die Empfindung gar nicht ausgebildet, aber man lernt ungeheuer viel, wenn man das Gefühl, und namentlich das Gefühl in den Fingerspitzen und in den Fingern ganz fein ausbildet. Heute unterscheidet der Mensch Wärme und Kälte nicht bloß durch das Gefühl. Ja, das kann er auch heute, deshalb, weil er das Thermometer lesen kann; da werden ihm die feinen Unterschiede in Wärme und Kälte sichtbar. Aber das Thermometer ist ja auch erst im Laufe der Zeit erfunden worden. Vorher hatten die Leute nur ihr Gefühl. Da wurden in den Mysterienvorbereitungen anfangs nämlich die Gefühle, besonders in den Fingern und Fingerspitzen, ganz besonders ausgebildet. Und es war so, daß man in feinster Weise empfinden lernte.

Wer war also eigentlich in den Mysterien derjenige, der zuerst vorbereitet worden war, ganz fein zu empfinden? Nun, die anderen Menschen konnten nicht so fein empfinden. Nehmen Sie nun an, irgendwo, an einem andern Orte, war ein Mysterium. Die Leute reisten ja viel im Altertum; sie reisten fast ebensoviel wie wir, und manchmal ist man erstaunt, wie schnell sie reisten. Sie hatten keine Eisenbahn; aber sie reisten, weil sie flinker waren, weil sie schneller gehen konnten, weniger müde wurden, auch etwas besser gingen und so weiter. Und nun trafen sie sich auf dem Wege, solche Leute. Ja, wenn sich zwei solche Leute, die fein empfinden konnten, die Hand gaben, so merkten sie das aneinander, und man sagte dann: Die erkennen sich an ihrer feineren Empfindung. Das ist dasjenige, was man den Griff nennt - den Griff, wenn man den anderen angriff in alten Zeiten und man merkte, der hat eine feinere Empfindung.

Nun weiter, meine Herren, bedenken Sie einmal das zweite: Wenn erkannt wurde, daß einer eine feine Empfindung hatte, dann ging man weiter, denn man lernte noch mehr. In alten Zeiten schrieb man ja nicht so viel wie heute; man schrieb eigentlich nur sehr selten und das Allerallerheiligste auf. Allerdings, es gibt im Altertum auch schon eine Art von Korrespondenz; aber auch diese Korrespondenz war mehr in allerlei Zeichen. Und so entstanden viele Zeichen für alles mögliche. Es war ja auch so, daß die Leute, die nicht zu den Mysterien gehörten, die also nicht die Weisen, wie man sie nannte, waren, wenn sie reisten, nur in kleinerem Umkreis reisten; die kamen nicht sehr weit. Aber die Gelehrten, die Weisen, die reisten sehr viel. Da hätten sie eigentlich nicht nur alle Sprachen, sondern alle Dialekte kennen müssen. Es ist ja natürlich schwer, schon wenn man Norddeutscher ist, den Schweizer Dialekt zu können. Nun aber gab es für diese Leute in den Mysterien außer der Sprache, die sie sprachen, für alle Dinge, die sie interessierten, gewisse Zeichen. Sie machten Zeichen. So zum Beispiel, sagen wir, es wurde die gewöhnliche Gebärde, die man schon in der Empfindung hat, weiter ausgebildet: Ich begreife -; oder: Das ist nichts, was du mir sagst -; oder: Wir verstehen uns gut miteinander. - Man zeichnete das Kreuz hinein. So daß es eine voll ausgebildete Zeichensprache gerade unter den alten Weisen gab, und man legte alles, was man wußte, in solche Zeichen hinein. So daß Sie einsehen können: Alle die Leute, die in den damaligen hohen Schulen, in den Mysterien, waren, hatten für alles gewisse Zeichen. Sagen wir zum Beispiel, sie wollten nun diese Zeichen festhalten. Dann erst malten sie sie auf. So entstanden die aufgemalten Zeichen.

Es ist schon interessant, daß es heute noch gewisse Schriften gibt, welche deutlich erkennen lassen, daß sie aus Zeichen hervorgegangen sind. Das ist zum Beispiel die alte Schrift der Inder, die Sanskritschrift. Bei ihr sieht man überall, daß alles aus der krummen und aus der geraden Linie hervorgegangen ist. Krumme Linien: Unzufriedenheit mit etwas, Antipathie; gerade Linien: Sympathie. Bedenken Sie einmal: Es weiß einer, die geraden Linien bedeuten Sympathie, die krummen Linien bedeuten Antipathie. Jetzt will ich ihm etwas mitteilen. Dafür habe ich auch mein Zeichen. Er will mir etwas sagen; das kann ja anfangs gut gehen, später aber kann die Geschichte schlecht werden. Sehen Sie, da geht es noch gut; später zeichnet er eine Schlangenlinie: da kann es schlecht gehen. Und so hatte man für alles bestimmte Zeichen. An diesen Zeichen oder mit diesen Zeichen verständigten sich diejenigen wieder, die in den Mysterien waren. So daß man zum Griff dazu hatte das Zeichen.

Nun, etwas ganz Besonderes sah man früher in den Worten. Sehen Sie, wenn heute der Mensch Worte spricht, so hat er eigentlich gar keine Ahnung mehr, was es mit den Worten ist. Aber man kann doch noch etwas empfinden, was in den Lauten schon drinnen liegt. Sie werden leicht empfinden können, wenn einer irgendwie in einer Lebenslage ist und er fängt an: A - da hat das irgend etwas mit Verwunderung zu tun. A - der Buchstabe A ist Verwunderung. Nun nehmen Sie dazu den Buchstaben R: dadrinnen liegt das Hinrollen, Strahlen: R = Ausstrahlen. A = Verwunderung, R = Rollen, Ausstrahlen.

Nun wissen wir jetzt allerdings das, was wir eben über die Sonnenstrahlen gesagt haben. Aber auch wenn die Sonnenstrahlen scheinbar sind, wenn sie keine Wirklichkeit sind: es sieht so aus, wie wenn sie hinströmen würden. Nun denken Sie sich, es will einer sagen: Da oben ist etwas, das wirft mir hier auf der Erde etwas zu, was, wenn es mir am Morgen erscheint, Verwunderung hervorruft. Die Verwunderung drückt er aus durch A, aber daß es von oben kommt, mit R; das drückt er also aus mit: RA. Ja, so haben die alten Ägypter den Sonnengott genannt: Ra! In jedem von diesen Buchstaben liegt eben ein Empfinden darinnen, und wir haben die Buchstaben zu Worten zusammengesetzt. Es war also eine ganz ausgebreitete Empfindung drinnen. Das ist heute längst vergessen. So etwas kann man an verschiedenen Dingen spüren. Nehmen Sie zum Beispiel: I. Das ist so etwas wie eine leise Freude; man findet sich ab mit dem, was man erfährt, wahrnimmt: I. Daher wird auch das Lachen ausgedrückt mit: hihi. Das ist eine leise Freude. So hat jeder Buchstabe etwas Bestimmtes in sich. Und es gibt eine Kenntnis, durch die man geradezu die Worte bilden kann, wenn man Verständnis hat für die Laute, die in den Worten drinnen sind.

Nun werden Sie eines sagen, meine Herren: Ja, dann könnte es eigentlich, wenn das so wäre, nur eine einzige Sprache geben! - Ursprünglich hat es unter der Menschheit auch eine einzige Sprache gegeben; als man noch ein Empfinden hatte für diese Laute, diese Buchstaben, hat es nur eine einzige Sprache gegeben. Die Sprachen sind dann verschieden geworden, als sich die Menschen zerstreut haben. Aber ursprünglich haben die Menschen das empfunden, und in den Mysterien wurde das richtig gelehrt, wie man Laute, Buchstaben empfindet und zu Worten macht. Daher gab es eine eigene Sprache in den Mysterien. Diese Sprache, die sprachen alle untereinander. Sie sprachen untereinander nicht die Dialekte, aber diese Sprache, die verstanden alle. Wenn einer Ra sagte, wußte der andere, daß das die Sonne ist. Wenn einer zum Beispiel sagt: E - fühlen Sie nur: Ich schrecke etwas zurück, das paßt mir nicht; E = ich habe eine leise Furcht, so etwas wie Furcht! Nun, nehmen Sie L: Das ist so, wie wenn etwas hinschwindend ist, wie wenn etwas fließt, und EL, ja, das ist etwas, das hinfließt und wodurch man zurückschreckt, wodurch man sich fürchtet. So hat in Babylon El = Gott geheißen. So wurde alles nach diesem Prinzip bezeichnet. Oder nehmen Sie die Bibel: Wenn Sie sagen: O - das ist eine Verwunderung, eine plötzliche Verwunderung, gegen die man nicht aufkommt. Beim A - da hat man eine Empfindung, welche man gern hat, eine Verwunderung, die man gern hat; O - da will man zurück weichen; H, Ch ist der Atem. So daß man sagen kann: O = zurückweichende Verwunderung; H = Atem; I = da zeigt man hin darauf, man freut sich darüber, es ist leise Freude = I. Und M, das ist: Man will selber hineingehen. Sie spüren, wenn Sie M aussprechen: M - da geht der Atem hinaus, und man fühlt, man läuft förmlich nach dem Atem; M ist also: hinweggehen. Jetzt setzen wir das zusammen: El, das haben wir schon gesehen, ist der im Winde herkommende Geist, El; O = das ist die zurückweichende Verwunderung, H = der Atem; das ist also schon der feinere Geist, der als Atem wirkt; I ist die leise Freude; M ist das Hingehen. Da haben Sie Elohim, womit die Bibel beginnt; da haben Sie diese Laute drinnen. So daß man sagen kann: Was sind die Elohim? - Die Elohim sind im Winde Wesen, vor denen man etwas Angst hat, vor denen man etwas zurückweicht, die aber durch den Atem zur Freude der Menschen, im Hingehen zu den Menschen Freude haben: Elohim. Und so ist ursprünglich in den Worten nach den Lauten, nach den Buchstaben zu studieren, was die Worte eigentlich bedeuten. Die Menschen spüren heute gar nicht mehr, wie das eigentlich ist.

Wie heißt hier in der Schweiz die Mehrzahl von Wagen? Heißt es auch hier: Wagen, oder heißt es die Wägen ? (Antwort: Die Wagen! Diese Antwort ist falsch. Es heißt im Schweizerdeutsch «Wäge», wie Dr. Steiner vermutet hat.) - Die Wagen heißt es noch. Da ist es also schon verwuschelt; das Ursprüngliche wäre: der Wagen, die Wägen! Bei der Mehrzahl haben wir das in der verschiedensten Weise; zum Beispiel haben wir: der Bruder, die Brüder. Das ist aber doch wohl auch so in der Schweiz! Sie sagen doch nicht: die Bruder? Also: der Bruder, die Brüder. Oder sagen wir: das Holz, die Hölzer. Man sagt ja wohl auch hier nicht: die Holzer. Das Holz, die Hölzer. Sie sehen, meine Herren, wenn die Mehrzahl gebildet wird, da wird der Umlaut gebildet: ainä, uinü, oinö. Warum geschieht das? Ja, der Umlaut, der drückt aus, daß die Sache undeutlich wird! Wenn ich einen Bruder sehe, dann ist er deutlich da als eine Person; wenn ich mehrere Brüder sehe, dann wird es undeutlich, da muß ich schon einen von dem andern unterscheiden, und wenn ich das nicht kann, wird es undeutlich. Man muß einen um den andern anschauen. Das Undeutlichwerden wird überall durch den Umlaut angedeutet. Wo also ein Umlaut irgendwo in einem Worte ist, da ist irgend etwas undeutlich.

In der Sprache liegt also etwas, woran man eigentlich den ganzen Menschen erkennen kann; da ist der ganze Mensch. Und so drückten die Leute auch aus, wie schon in den Buchstaben, die man aufschrieb, in diesen Zeichen gewisse Bedeutungen drinnen liegen. A war immer Verwunderung. Wenn nun der alte Jude so x aufgeschrieben hat, so sagte er sich: Wer verwundert sich in der Erdenwelt? Die Tiere verwundern sich eigentlich nicht, nur der Mensch. Daher nannte er den Menschen überhaupt: die Verwunderung. Wenn er sein Aleph aufschrieb, das x , das hebräische A, dann bedeutete das aber auch den Menschen.

Und so war es, daß jeder Buchstabe zugleich ein bestimmtes Ding oder Wesen bedeutete. Das alles kannten wiederum die Leute, die in den Mysterien waren. Wenn also einer reiste und traf einen anderen, und sie hatten die gemeinsame Kenntnis, so erkannten sie sich am Wort. So daß man sagen kann: In den alten Zeiten war es so, daß die Leute, die etwas gelernt haben, die also viel wußten, einander erkannten an Griff, Zeichen und Wort. Ja, aber, meine Herren, da war etwas darinnen! Da war wirklich zugleich die ganze Gelehrsamkeit drinnen in diesen Zeichen, Griff und Wort. Denn dadurch, daß man fühlen lernte, lernte man die Gegenstände unterscheiden. Dadurch, daß man die Zeichen hatte, hatte man ein Nachahmen alles desjenigen, was Naturgeheimnisse waren. Und im Worte lernte man den inneren Menschen kennen. So daß man also sagen kann: Im Griff hatte man die Wahrnehmung; im Zeichen hatte man die Natur, und im Wort hatte man den Menschen, seine innere Verwunderung oder sein Zurückbeben, seine Freude und so weiter. Man hatte also Natur und Mensch und hat sie wiedergegeben in Zeichen, Griff und Wort.

Nun, im Laufe der Menschheitsentwickelung ist dann dasjenige entstanden, was sich auf der einen Seite trennte in die Universität und später in die Schulen, und auf der anderen Seite in die Kirche und in die Kunst. Alle drei haben nicht mehr verstanden, was ursprünglich vorhanden war; und ganz verloren ging Griff, Zeichen und Wort. Nur diejenigen haben es verstanden, die dann bemerkt hatten: Donnerwetter, diese alten Weisen, die hatten ja dadurch eine gewisse Macht, daß sie das wußten! Das ist eine gerechtfertigte Macht, dieein Mensch hat, wenn er etwas weiß, denn dadurch kommt es seinen Mitmenschen zugute; wenn keiner eine Lokomotive zu machen verstünde, so würde die Menschheit eben niemals eine Lokomotive haben! Also wenn einer etwas weiß, so kommt es den Menschen zugute; das ist eine gerechtfertigte Macht. Später aber haben sich die Leute einfach die Macht angeeignet, indem sie abgeguckt haben die äußeren Zeichen. Gerade wie diese oder jene Zeichen früher einmal etwas bedeutet haben und man später die Bedeutung verloren hat, so hat alles das die Bedeutung verloren. Und es bildete sich dann, ich möchte sagen, durch Nachäffung von den alten Mysterien, allerlei aus, in dem Sie nur äußerlich die Sache haben. Was haben die Leute getan? Die hatten die feine Empfindung nicht mehr, aber sie verabredeten ein Zeichen, an dem sie sich erkennen. Sie geben sich die Hand in einer bestimmten Weise, wodurch einer weiß: der gehört zu diesem Bund. Da haben sie sich erkannt am Griff. Dann machen sie noch in irgendeiner Weise ein Zeichen. Das Zeichen und der Griff sind verschieden, je nachdem der eine im ersten oder zweiten oder dritten Grad ist. Daran erkennen sich dann die Leute. Aber es ist nicht mehr darinnen als nur ein Erkennungszeichen. Und ebenso haben sie für jeden Grad bestimmte Worte, die sie aussprechen können in gewissen freimaurerischen Bünden; sie haben, sagen wir, für den ersten Grad zum Beispiel, wenn man wissen will: Was ist das Wort? - [das Losungswort] Jachin. Man weiß, er hat das Wort Jachin in der Freimaurerloge gelernt, sonst wäre er nicht im ersten Grad drin. Das ist nur noch ein Losungswort. Und ebenso macht er dann das Zeichen und so weiter.

Nun, eigentlich hat diese Art der Freimaurerei sich erst entwickelt, als alles übrige aus den Mysterien vergessen war; und es wurden einzelne von den alten Dingen, die man nicht mehr verstand, nachgeahmt. So daß dasjenige, was die Freimaurerei an Kultus übernommen hat, meistens heute von den Freimaurern nicht mehr verstanden wird; auch Zeichen, Griff und Wort verstehen sie nicht, weil sie all das nicht wissen, um was es sich da handelt. Sie wissen zum Beispiel nicht, daß, wenn sie das Wort des zweiten Grades aus Tafel 21 sprechen: Boas, daß das B so viel ist wie ein Haus; O ist, wie ich Ihnen gesagt habe, diese zurückhaltende Verwunderung; A: das ist die angenehme Verwunderung; $ ist das Zeichen für die Schlange. Damit haben Sie ausgedrückt: Wir erkennen die Welt als dasjenige an, was ein großes Haus ist, das der große Baumeister der Welt gebaut hat, über das man sich sowohl ängstlich als auch behaglich verwundern muß und in dem es auch das Böse gibt, die Schlange. - Ja, so etwas hat man gewußt in alten Zeiten; da hat man die Natur angeschaut nach diesen Dingen, den Menschen angeschaut nach diesen Dingen. Heute sprechen ahnungslos in gewissen Freimaurerbünden diejenigen, die den zweiten Grad haben, das Wort «Boas» aus. Ebenso, nicht wahr, wenn beim dritten Grad die Leute die Finger gelegt haben auf die Pulsader, dann war das wirklich eine Erkenntnis, daß der Betreffende eine feine Empfindung hat. Das merkte man an der Art und Weise, wie der Finger lag an der Pulsader. Das ist später geworden der Griff für den dritten Grad. Die Leute wissen heute nur noch, wenn einer kommt und so die Hand nimmt: das ist ein Freimaurer. Also in diesen Dingen ist eigentlich etwas Altes, Ehrwürdiges, Großes, etwas, worin alle frühere Gelehrsamkeit gelegen ist; das ist jetzt also ganz ins Formelhafte übertragen, ins Nichtige ausgegangen. So daß heute der Freimaurerbund solche Dinge hat; er hat auch Zeremonien, einen Kultus: das ist noch aus den Zeiten, wo man alles auch in einem Kultus, in Zeremonien gezeigt hat, damit es den Leuten mehr eindringlich war. Die Freimaurer machen das auch heute noch. So daß in dieser innerlichen Beziehung wirklich der Freimaurerorden keine Bedeutung mehr hat.

Aber es ist doch so furchtbar langweilig für viele Leute gewesen, wenn solche Bündnisse eingerichtet worden sind, da die Sachen mitzumachen; denn eigentlich artete es aus in eine Art Spielerei. Es brauchte also etwas, was man wiederum hineinschüttete, hineingoß in die Freimaurerei. Und dadurch entstand das, daß dann die Freimaurer mehr oder weniger politisch wurden, oder wiederum mehr oder weniger religiöse Aufklärungslehren verbreiteten. Die unaufgeklärte römische Lehre wurde von Rom verwaltet. Diejenige Lehre, die Rom gegenüberstand, wurde dann von der Freimaurerei verbreitet. Daher sind Rom, der römische Kultus und die Freimaurerei die allergrößten Gegner. Das hängt gar nicht mehr zusammen mit dem, was nun der Kultus, Zeichen, Griff und Wort, bei den Freimaurern war, sondern das ist eben dazwischen gekommen. In Frankreich nannte man den Bund nicht Bund, sondern «Orient de France», weil alles von dem Orient genommen ist - «Grand Orient de France», das ist der große französische Freimaurerbund. Das andere, Zeichen, Griff und Wort, das ist nur noch, damit die Leute zusammenhalten, das ist das, woran sie sich erkennen. Der gemeinschaftliche Kultus ist das, wo sie zusammenkommen unter besonders feierlichen Umständen; so wie die anderen in der Kirche zusammenkommen, so kommen diese Freimaurer unter Zeremonien, die von alten Mysterien herrühren, zusammen. Das hält die Leute zusammen.

Es war ja auch besonders in Italien zu gewissen Zeiten, als politische Geheimbünde sich bildeten, Sitte, unter gewissen Zeremonien, Zeichen und Griff, sich zu erkennen und zusammenzukommen. Politische Bünde, politische Vereinigungen haben immer angeknüpft an dieses alte Mysterienwissen. Und es ist heute ja wiederum ganz merkwürdig: Wenn Sie heute zum Beispiel in gewisse polnische und österreichische Gegenden gehen, finden Sie Plakate; auf diesen Plakaten sind sonderbare Zeichen und sonderbare Buchstaben, die sich dann zu Worten verbinden; man weiß zunächst nicht, was dieses Plakat bedeutet - aber solch ein Plakat, das heute in polnischen und österreichischen Gegenden überall angeschlagen ist, das ist das äußere Zeichen für einen Bund, der von gewissen nationalistischen Seiten unter der Jugend gebildet wird. Da wird mit denselben Dingen vorgegangen. Es ist das eigentlich weit, weit verbreitet, und die Leute wissen ganz gut, daß das Zeichen auch eine gewisse starke Kraft hat. Es gibt Verbände, die Deutschvölkischen zum Beispiel, die haben ein altes indisches Zeichen: zwei ineinandergeschlungene Schlangen, oder auch, wenn Sie wollen, ein Rad, das sich dann so umgebildet hat zum Hakenkreuz. Die haben das heute als Abzeichen. Und Sie werden vielfach hören, daß das Hakenkreuz wiederum als ein Zeichen angenommen wird für gewisse chauvinistische völkische Kreise. Das ist aus dem Grunde, weil man die Überlieferung hat: durch solche Zeichen haben die Alten ihre Herrschaft ausgedrückt. Und so ist es im großen Maßstabe immer gewesen beim Freimaurerbund. Der Freimaurerbund ist eigentlich dazu da, um gewisse Leute zusammenzuhalten, und das tut er durch Zeremonien, durch Zeichen, Griff und Wort. Und dann verfolgt er geheime Ziele, indem er unter all denen, die unter diesen Zeremonien, Zeichen, Griff und Wort, verbunden sind, gewisse Geheimnisse bewahrt. Natürlich, geheime Ziele kann man nur verfolgen, wenn sie nicht alle wissen; und so ist es bei den Freimaurerbünden, daß sie vielfach politische oder kulturelle und dergleichen Ziele verfolgen.

Nun können Sie aber noch eines sagen, meine Herren. Sehen Sie, die Leute, die in Freimaurerbünden verbunden sind, sind keineswegs deshalb anzufechten, weil sie das tun, sondern manchmal haben sie die allerbesten und edelsten Absichten; sie sind nur der Ansicht: Man kann die Menschen nicht auf eine andere Weise als durch solche Bündnisse für so etwas gewinnen, und daher haben die meisten Freimaurerbünde auch wiederum den Zweck, Wohltätigkeit im großen zu üben. Das ist schön, Wohltätigkeit und Humanität zu üben. Das ist nun auch etwas, was von diesen Bünden in großem Maßstabe ausgeübt wird. Daher ist es kein Wunder, wenn der Freimaurer immer darauf hinweisen kann, daß furchtbar vieles außerordentlich Humanes und Wohltätiges gerade von den Freimaurerbünden gestiftet und begründet wird. Man muß nur eben sich sagen: In der heutigen Zeit sind eigentlich alle solche Dinge nicht mehr zeitgemäß. Denn, nicht wahr, was müssen wir denn heute an solchen Dingen hauptsächlich ablehnen? Wir müssen die Absonderung ablehnen. Es entsteht dadurch auch bald eine geistige Aristokratie, die es nicht geben soll. Und das demokratische Prinzip, das immer mehr und mehr zur Geltung kommen muß, das widerstrebt eigentlich durchaus dem Freimaurerbund ebenso wie den geschlossenen Priesterschaften. So daß man also sagen kann: Es ist schon einmal so, daß derjenige, der noch heute verstehen kann, was in manchen freimaurerischen Zeremonien für den ersten, zweiten und dritten Grad enthalten ist, in dem, was die Freimaurer selber oft nicht verstehen, erkennen kann, daß sie oftmals zurückreichen auf ganz alte Weisheit; aber dieses hat nicht die große Bedeutung. Die große Bedeutung hat dieses, daß eigentlich heute bei vielen freimaurerischen Verbänden, Bündnissen, eben viele politische oder sonstige soziale Wohltätigkeitsbestrebungen leben. Aber bis aufs Messer bekämpfen sich die katholische Kirche und die Freimaurer. Das hat sich aber auch im Laufe der Zeit erst herausgebildet.

Nun, solche Dinge kann man natürlich sehr leicht verkennen. Und es ist auch das aufgetreten: Die Freimaurer haben eine bestimmte Bekleidung bei ihren Zeremonien; sie haben zum Beispiel ein Schurzfell aus Lamm, das Lammschurzfell. Da haben manche gesagt: Die Freimaurerei ist überhaupt nichts anderes als eine Spielerei mit dem Maurerhandwerk, weil der Maurer ein Schurzfell hat. Aber das ist nicht wahr. Und das Schurzfell, das da ist, das ist durchaus dazu da - und es ist immer ursprünglich aus Lammleder gewesen -, um zu zeigen, daß derjenige, der in solchen Bündnissen ist, nicht ein wütender Kerl sein soll in bezug auf die Leidenschaften; es sollen also die Geschlechtsteile bedeckt werden mit seinem Schurz, und das ist das Zeichen dafür. Also es handelte sich da doch um etwas, was in Zeichen ausdrückte den menschlichen Charakter. Und so ist es mit sehr vielen Zeichen, die auch in der Bekleidung liegen.

Man hat dann auch höhere Grade, wo ein ganz priesterähnliches Kleid getragen wird; da bedeutet alles einzelne etwas. Zum Beispiel habe ich Ihnen gesagt, daß der Mensch ja außer dem physischen Leib noch einen Ätherleib hat. Und geradeso wie der Priester ein weißes Linnenkleid, ein hemdartiges Gewand hat, um den Ätherleib auszudrücken, so haben auch gewisse hohe Grade der Freimaurer ein solches Gewand, und für den Astralleib - er ist farbig -, da hat man eine Toga, ein Übergewand; das drückt alles das aus. Und der Mantel, der dann verbunden war mit dem Helm, der drückte aus die Macht des Ich.

Alle diese Dinge führen eben zurück auf alte, sehr sinnreiche, bedeutsame Gebräuche, die heute ihre Bedeutung verloren haben. Wenn jemand die Freimaurerei gern hat, so soll er das nicht als etwas Abschätziges behandeln, was ich gesagt habe. Ich wollte nur auseinandersetzen, wie das ist. Es kann natürlich ein Freimaurerorden bestehen, der außerordentlich gute Menschen in sich vereinigt und so weiter. Und in der heutigen Zeit kann so etwas besonders wichtig werden. Wirklich, was heute meistens der Mensch lernt, wenn er Arzt oder Jurist wird - ja, das ergreift sein Herz nicht. Und deshalb werden noch viele Juristen und Ärzte Freimaurer, weil sie dann wenigstens die Feierlichkeit der alten Zeremonien haben und etwas, wobei sie sich nicht mehr viel denken können, was aber immerhin noch etwas ist: Zeichen, Griff und Wort, was aber hinweist darauf, daß der Mensch nicht bloß im äußeren Materiellen lebt.

Das ist das, was ich Ihnen sagen wollte. Haben Sie sonst noch irgend etwas, was Sie gerne fragen wollten?

Frage: In Amerika gibt es etwas, das «Ku-Klux-Klan» genannt wird. Wie ist es damit? Können wir von Herrn Doktor etwas darüber hören, was das bedeutet? Man liest immer wieder darüber.

Dr. Steiner: Ja, sehen Sie, der Ku-Klux-Klan, der ist eine der neuesten Erfindungen auf diesem Gebiet, und zwar eine solche Erfindung, die schon wichtiger genommen werden sollte als man sie gewöhnlich nimmt. Sie wissen ja, meine Herren, daß eigentlich eine Begeisterung für einen gewissen Kosmopolitismus nur war vor einigen Jahrzehnten. Heute ist er zwar noch da, selbstverständlich, unter der Arbeiterschaft, unter dem Sozialdemokratismus - diese sind ein internationales Element -, aber in den bürgerlichen Kreisen und in anderen Kreisen, da nimmt der Nationalismus furchtbar überhand, und die Stimmung für den Nationalismus ist ja stark da. Und Sie werden sich auch erinnern, daß diejenigen Menschen, die hinter Woodrow Wilson standen - er selber war ja nur eine Art Strrohmann -, eigentlich gerechnet haben mit diesem Nationalismus, überall nationale Staaten haben wollten, überall den Nationalismus aufstacheln wollten und so weiter. Ja, darüber kann man so seine Ansichten haben! Aber nun gibt es eben Menschen, die entwickeln heute überall die Tendenz, den Nationalismus bis auf die Spitze zu treiben. Und in diesem Bestreben, den Nationalismus bis auf die Spitze zu treiben, ist eben in Amerika diese Verbindung Ku-Klux-Klan entstanden. Der arbeitet nun eben durchaus mit solchen Mitteln, wie zum Beispiel Zeichen sind, in dem Sinne, wie ich es gesagt habe.

Wenn man nun gerade wiederum solche Verbindungen ins Auge faßt, dann muß man wissen, daß Zeichen schon auch eine gewisse hypnotisierende Kraft haben. Sie wissen ja, wenn Sie ein Huhn haben (es wird gezeichnet), dieses Huhn mit dem Schnabel auf die Erde aufstoßen lassen, und Sie zeichnen von da aus einen Kreidestrich, läuft das Huhn dem Kreidestrich nach! Es ist hypnotisiert, es läuft dem Strich nach! Sie müssen nur erst den Schnabel aufstoßen auf den Anfang, dann läuft es dem Kreidestrich nach, weil es hypnotisiert ist von dem Strich. So hat jedes Zeichen - nicht nur für das Huhn die gerade Linie - eine Bedeutung, eine bestimmte einschläfernde Bedeutung, wenn man es darauf anlegt. Und das benützen nun wiederum gewisse Geheimverbindungen, um gerade solche Zeichen zu wählen, durch die sie den anderen Menschen betören, einschläfern, so daß er seine eigene Urteilskraft nicht geltend macht. Und mit solchen Mitteln arbeiten extrem namentlich solche Geheimverbindungen. Dazu gehört in Amerika wiederum der KuKlux-Klan. Nun ist der Ku-Klux-Klan aus dem Grunde gefährlich, weil solche Verbindungen nicht nur auf das eine Volk ausgehen, sondern sie wollen das nationalistische Prinzip überall haben. Es kann niemand sagen: Der Ku-Klux-Klan braucht bloß eine amerikanische Einrichtung zu bleiben, weil er den amerikanischen Nationalismus besonders befördern will. - So sagt der Anhänger des KuKlux-Klan nicht; sondern er sagt: Man soll überhaupt den Nationalismus befördern, also den in Ungarn, den in Deutschland, den in Frankreich. - Sehr schön! Nicht auf den Amerikanismus kommt es ihm an, er ist nicht ein Patriot, sondern er sieht in diesem Pochen der Menschen auf den Nationalismus etwas, was, wenn es dann zusammenwirkt bei den verschiedensten Nationen, dann bewirkt, was er erreichen will: nämlich die Menschen absolut ins Chaos hineinbringen. Das will er: Er will alles ins Chaos hineinbringen! Es ist die reine Zerstörungswut darinnen. Und so ist der Ku-Klux-Klan besonders aus dem Grund gefährlich, weil er sich in allen Ländern ausbreiten kann. Und Sie können nicht sagen, wenn er sich einmal ausbreiten will hier in der Schweiz, das sei eine amerikanische Einrichtung, sondern es ist dann eine nationale schweizerische Einrichtung.

Und so waren im Grunde auch die freimaurerischen Bündnisse; sie waren international, aber für die einzelnen Länder immer nationalistisch. Aber darauf gaben sie nicht viel, sondern sie haben es mehr der Außenwelt gegenüber getan, daß sie mitmachten, was in der Außenwelt war. Und man kann nun sagen: Aber sind denn solche Menschen nicht eigentlich wahnsinnig, die aufrütteln wollen so etwas wie ein absolut nationalistisches Prinzip, und die da alles zerstören wollen? Das kann man eigentlich auch nicht sagen. Natürlich, wenn man frägt, heißt es: Selbstverständlich macht man solche Sachen nicht mit. - Aber die Leute sagen sich: Es ist alles so verdorben heute - die Führenden sagen sich das bei den anderen, die nachlaufen -, das ist ja den anderen ganz einerlei, so daß es gar keinen Sinn hat, die Dinge zu pflegen, die heute da sind. Man muß erst die Menschheit wie eine wirre Masse behandeln. Dann werden die Menschen wieder zu sich kommen, und dann werden sie wiederum etwas Ordentliches lernen. Also eine Idee haben die Leute schon, und namentlich der Ku-Klux-Klan hat eine Idee in dieser Beziehung.

Sie meinen: nicht?

Der Fragesteller: Doch! Aber das ist komisch!

Dr. Steiner: Sehen Sie, viele Dinge sind im Kulturleben komisch, und wir haben ja auch schon Dinge erwähnt, die komisch aussahen. Aber das Komische ist manchmal recht gefährlich. Es scheint einem komisch, aber es ist manchmal außerordentlich gefährlich.

Nun, meine Herren, muß ich morgen im Laufe des Tages wiederum - nach Breslau - verreisen. Ich werde dann sagen, wann wir die nächste Stunde haben werden.

German original of The Nature of the Sun – Origins of the Freemasonry: The Sign, grip and word — Ku Klux Klan · ← Previous · Next →