XIV. Die Theosophischen Mahatmas

Frag.: Wer sind also diejenigen, welche man im theosophischen Sprachgebrauch «Meister» nennt? Einige sagen, es seien «Geister», oder eine andere Art übernatürlicher Wesen, während von anderen sie als «mythisch» betrachtet werden. Theos.: Sie sind weder das eine, noch das andere. Man konnte einmal von jemand, der außer der Gesellschaft stand, hören, sie seien eine Art «männlicher Meerfräulein», oder etwas Ähnliches. Aber, wenn man lediglich darauf horcht, was irgendjemand sagt, wird man niemals darüber eine sachgemäße Vorstellung erhalten. Vor allem sind es lebende Menschen, geboren wie andere geboren sind, und sterblich wie andere auch.

Frag.: Jawohl, aber es wird verbreitet, dass welche von ihnen tausend Jahre alt seien. Ist das richtig?

Theos.: So wahr wie das wunderbare Wachsen des Haares auf dem Haupte von «Merediths Shagpat». Wahrlich, kein theosophisches Schermesser ist im Stande gewesen, sie abzurasieren. Je mehr man dies in Abrede stellt, je mehr man sich bemüht, zurechtzurücken, was irgendjemand meint, desto unsinniger werden die Erfindungen. Es wird gesagt, Methusalem sei 969 Jahre alt geworden; aber niemand kann gezwungen werden, daran zu glauben; wer aber darüber lacht, setzt sich der Gefahr aus, als Gotteslästerer und Ketzer angesehen zu werden.

Frag.: Aber ist es nicht ernsthaft zu nehmen, dass sie ein höheres Alter als gewöhnliche Menschen erreichen?

Theos.: Welches ist das gewöhnliche Alter? Man kann im «Lancet» von einem Mexikaner lesen, der beinahe 190 Jahre alt wurde; aber es wird nicht behauptet, nicht von einem Laien, oder einem Adepten, dass er halb so alt geworden wäre wie Methusalem. Einige Adepten übertreffen allerdings um ein gutes Stück das, was man das gewöhnliche Alter nennt; doch es ist darin nichts wunderbares, und sehr wenige von ihnen sehnen sich nach einem sehr langen Leben.

Frag.: Was bedeutet eigentlich das Wort «Mahatma»?

Theos.: Einfach «Große Seele» — groß durch moralische Vollkommenheit und moralische Entwicklung. Wenn der Titel «groß» solch einem trunkenen Soldaten wie Alexander gegeben wird, warum sollte er nicht auf diejenigen angewendet werden, die größere Eroberungen in Bezug auf Naturgeheimnisse gemacht haben, als sie Alexander zu Stande gebracht hat auf dem Schlachtfelde? Abgesehen davon, der Ausdruck ist in Indien ein sehr altes Wort.

Frag.: Und warum nennt man sie «Meister»?

Theos.: Man nennt sie «Meister», insofern sie Lehrer der höheren Weisheit sind; und weil von ihnen die theosophischen Wahrheiten stammen, wie immer unvollkommen sie auch von einigen übermittelt, von anderen gar missverstanden werden mögen. Sie sind Männer von großer Gelehrsamkeit, und von noch größerer Heiligkeit des Lebens; man nennt sie auch Eingeweihte. Sie sind nicht Asketen im gewöhnlichen Sinne, obgleich sie abseits vom Tumult und Kampf der westlichen Welt leben.

Frag.: Aber ist es nicht selbstsüchtig, sich zu isolieren?

Theos.: Was ist Selbstsucht? Zeigt nicht das Schicksal der Theosophischen Gesellschaft, dass die Welt weder bereit ist, sie anzuerkennen, noch aus ihren Lehren Nutzen zu ziehen? Von welchem Nutzen wäre es, wenn Professor Maxwell eine Schulklasse von kleinen Knaben in dem Ein-mal-Eins unterrichtet hätte? Abgesehen davon, sie ziehen sich nur von dem Westen zurück. In ihren eigenen Gegenden gehen sie gleich anderen Menschen öffentlich herum.

Frag.: Werden ihnen nicht übernatürliche Fähigkeiten zugeschrieben?

Theos.: Die Theosophie glaubt an nichts Übernatürliches, wie bereits gesagt worden ist. Hätte Edison seinen Phonographen vor zweihundert Jahren erfunden, er würde höchst wahrscheinlich verbrannt worden sein, und die ganze Sache wäre auf teuflische Künste zurückgeführt worden. Die Kräfte, welche sie ausüben, sind einfach die höhere Entwicklung von solchen Fähigkeiten, die sich als Anlagen in jedem Menschen finden, und deren Dasein sogar die offizielle Wissenschaft beginnt, anzuerkennen.

Frag.: Ist es richtig, dass diese Menschen einige der theosophischen Schriftsteller inspirieren, und dass viele, wenn auch nicht alle der theosophischen Werke von ihnen diktiert sind?

Theos.: Mit einigen verhält es sich so. Es sind ganze Absätze von ihnen wörtlich diktiert, aber in den meisten Fällen inspirieren sie nur die Ideen und überlassen die Einkleidung den Schriftstellern.

Frag.: Aber dies ist doch wunderbar und in der Tat ein Wunder. Wie kann das geschehen?

Theos.: Wer solches sagt, befindet sich unter einem großen Missverständnisse und es ist die Wissenschaft selbst, welche sich in nicht ferner Zeit dagegen auflehnen wird. Warum sollte das angeführte ein Wunder sein? Ein Wunder ist doch angeblich etwas Übernatürliches, während es in Wahrheit gar nichts gibt, was über der Natur und ihren Gesetzen läge. Zu den mancherlei «Wundern», welche sich vor das Forum der modernen Wissenschaft stellen, gehört z.B. der Hypnotismus, und eine Form, unter der er sich zeigt, sind die Erscheinungen der «Suggestion», eine Form von Gedankenübertragung, welche mit Erfolg bei der Bekämpfung gewisser physischer Erkrankungen angewendet wird. Die Zeit ist nicht mehr fern, wo die Welt der Wissenschaft gezwungen sein wird, anzuerkennen, dass zwischen einem Geist und dem andern so viele Wechselwirkungen vorhanden sind wie zwischen einem Körper und dem andern bei unmittelbarer Berührung. Wenn zwei Geister Sympathie zu einander haben, und die Instrumente, durch welche sie auf einander wirken, magnetisch und elektrisch auf einander gestimmt sind, so gibt es nichts, was die Übertragung der Gedanken von dem einen auf den andern verhindern könnte; denn da der Geist nicht greifbarer Wesenheit ist, kann keine Entfernung ihn trennen von dem Gegenstande seiner Versenkung; deshalb kann die einzige Entfernung zwischen zwei Geistern diejenige sein, welche durch ihre Zustände gegeben ist. Wenn dieses letztere Hindernis überwunden ist, wo besteht dann ein «Wunder» in Bezug auf die Gedankenübertragung auf eine Entfernung hin?

Frag.: Aber man muss doch zugeben, dass der Hypnotismus derartiges nicht zu Stande bringt?

Theos.: Im Gegenteil; es ist eine festgestellte Tatsache, dass der Hypnotiseur solch einen Eindruck auf das Gehirn seines Subjektes hervorbringen kann, dass dieses dessen Gedanken vollkommen zum Ausdrucke bringt, und ebenso dessen Worte. Und wenn auch die Erscheinungen dieser Art bis jetzt noch nicht sehr zahlreich sind, man muss doch zugeben, dass sie noch einen weiten Umfang annehmen können, wenn erst die Gesetze, von denen sie abhängen, weiter erforscht sein werden. Und wenn es möglich ist, dergleichen durch die Kenntnis der Rudimente des Hypnotismus hervorzubringen, wer kann in Abrede stellen, dass der Adept durch die Beherrschung von psychischen und spirituellen Fähigkeiten Wirkungen hervorbringen kann, solcher Art, dass sie denen, welche die Natur innerhalb der gegenwärtig bekannten Kräfte begrenzt denken, «wunderbar» erscheinen müssen?

Frag.: Warum versuchen denn unsere Ärzte nicht, ob sie nicht etwas Ähnliches unternehmen können?1

Theos.: Weil sie, fürs erste, keine Adepten sind mit einem durchdringenden Verständnisse der Geheimnisse und Gesetze der psychischen und spirituellen Gebiete, sondern Materialisten, die eine Scheu davor haben, einen Schritt über das Gebiet des groben Stoffes hinauszugehen; und fürs zweite, weil sie nichts erreichen, solange sie ohne alles Bewusstsein von der tatsächlichen Existenz solcher Kräfte sind.

Frag.: Könnte man sie denn nicht belehren?

Theos.: Nein, bevor sie nicht jene Vorbereitung genossen haben, die allen groben Materialismus in ihrem Gehirn bis auf den letzten Tropfen getilgt hat.

Frag.: Das ist sehr interessant. Kann nicht gesagt werden, ob die Adepten viele der Theosophen auf diese Art inspiriert haben, oder ihnen diktiert haben?

Theos.: Nein, im Gegenteile, nur sehr wenige. Solche Dinge erfordern besondere Bedingungen. Ein skrupelloser aber kundiger Adept der «Schwarzen Brüderschaft» — «Brüder des Schattens» oder Dugpas, wie man sie nennt — hat weniger Schwierigkeiten bei seiner Arbeit. Denn da es Gesetze der spirituellen Natur für ihn nicht zu beobachten gibt, so kann solch ein Dugpa-Zauberer ohne weitere Förmlichkeiten Gewalt über irgendeinen Geist erringen und ihn ganz in seine böse Gewalt bringen. Aber die Meister, von denen die Theosophie spricht, werden dergleichen niemals tun. Sie haben kein Recht, — wenn sie nicht der schwarzen Magie verfallen sollten, — irgendeine Herrschaft über eines Menschen unsterbliches «Ich» auszuüben; und sie können daher nur auf die psychische und physische Natur eines Menschen ohne die Beeinträchtigung seines freien Willens wirken. Tritt also jemand nicht freiwillig in psychische Beziehungen zu den Meistern, und steht er diesen nicht bei durch den vollen Glauben an den Lehrer, die letzteren würden große Schwierigkeiten zu überwinden haben bei jemand, der solche Bedingungen nicht erfüllt, wenn sie durch Gedankenübertragung auf ihn wirken sollten. Aber dies eingehend zu erörtern, ist hier nicht der Ort. Es muss genügen, zu sagen, dass eine solche Kraft existiert, denn es gibt Intelligenzen (verkörperte oder nicht verkörperte), welche diese Kraft beherrschen und auch lebendige bewusste Werkzeuge, auf die sie wirken kann. Man muss sich nur vor schwarzer Magie hüten.

Frag.: Aber was bedeutet denn schwarze Magie in Wirklichkeit?

Theos.: Einfach den Missbrauch von psychischen Gewalten, oder von irgendwelchen Naturgeheimnissen; die Anwendung der Kräfte des Okkultismus zu unrichtigen Zwecken. Ein Hypnotiseur, der aus seinen Kräften der Suggestion Vorteil zieht, der jemand dadurch zum Dieb oder Mörder macht, würde in diesem Sinne ein schwarzer Magier zu nennen sein. Die berühmte «Verjüngungsprozedur» von Dr. Brown-Sequard in Paris, durch eine schlimme Einspritzung in das Blut — ein Ding, das von allen medizinischen Zeitschriften in Europa jetzt besprochen wird — ist, wenn die Sache auf Wahrheit beruht, unbewusste schwarze Magie.

Frag.: Aber dieses ist mittelalterlicher Glaube an Zauberer und Hexerei. Selbst die Gesetzgebungen haben aufgehört, mit solchen Dingen zu rechnen.

Theos.: Umso schlimmer für die Gesetzgebung, denn durch solchen Mangel an Unterscheidungsvermögen sind mannigfache Irrtümer in Bezug auf richterliches Urteil vorgekommen. Es ist lediglich das Wort, das so abschreckt, weil man ihm das Brandmal des Aberglaubens aufgedrückt hat. Würde nicht das Gesetz einen Missbrauch der Kräfte der Suggestion bestrafen? Es geschieht sowohl in Frankreich wie in Deutschland. Aber man will sich nicht dazu verstehen, einen Fall von schlimmer Zauberei zu bestrafen. Wie aber bringt man es fertig, an die Wirklichkeit der Suggestionskräfte zu glauben, die durch Ärzte, Mesmeristen und Hypnotiseure angewandt werden, und zu gleicher Zeit von diesen Kräften nichts wissen zu wollen, wenn mit ihnen Missbrauch getrieben wird? Glaubt man aber daran, dann glaubt man auch an Zauberei. Wer könnte den Glauben an das Gute haben, und zugleich im Unglauben an das Böse verharren? Wer gutes Geld annimmt, der muss sich dessen bewusst sein, dass es auch falsches Geld gibt. Nichts kann es geben, ohne dass nicht auch dessen Gegenteil existieren würde; es kann nicht Tag, nicht Licht, nicht Gutes in des Menschen Bewusstsein zur Vorstellung kommen, wenn es nicht auch Nacht, Dunkelheit und Böses als Gegensatz davon gäbe.

Frag.: Es sind tatsächlich Menschen bekannt geworden, die, während sie an das, was man psychische Kräfte nennt, durchaus glaubten, dennoch bei Erwähnung von Zauberei lachten.

Theos.: Was beweist dieses? Einfach, dass sie unlogisch sind. Umso schlimmer für sie. Diejenigen aber, welche wissen, dass es heilige und gute Adepten gibt, glauben mit derselben Sicherheit auch an die unheiligen und schlechten Adepten, oder — Dugpas.

Frag.: Wenn aber die Meister existieren, warum treten sie nicht vor die ganze Menschheit hin und widerlegen die vielen Anklagen, welche gegen Frau Blavatsky und die Gesellschaft gemacht werden?

Theos.: Was für Anklagen?

Frag.: Dass sie gar nicht existieren, und dass sie erfunden seien. Beeinträchtigt dieses nicht ihren Ruf?

Theos.: In welcher Art kann ihr solch eine Anklage wirklich schaden? Hat sie sich jemals Gewinnst an Geld aus der Behauptung von der Mahatma-Existenz verschafft, oder Vorteile, oder Ruhm, oder dergleichen? Sie hat nur Angriffe sich dadurch zugezogen, Beschimpfungen, Verleumdungen, die sehr schmerzlich gewesen wären, hätte sie sich nicht längst gegen dergleichen gleichgültig gemacht. Und zu welchem Ende führen solche Dinge? Zu einer verhüllten Anerkennung, welche ihre Ankläger ihr wohl niemals würden dargebracht haben, wenn sie nicht in blindem Hass gedankenlos wären. Wenn man sagt, sie habe die Meister erfunden, so kommt das der Behauptung gleich, dass sie alle Einzelheiten der Philosophie erfunden haben muss, die sich in der theosophischen Literatur vorfinden. Sie müsste der Autor der Briefe sein, die dem «Esoterischen Buddhismus» zu Grunde liegen; alles müsste von ihr herrühren, was sich in der «Geheimlehre» findet, von der man sagen müsste — falls die Welt gerecht wäre — dass sich in ihr eine hinreichend große Zahl von fehlenden Gliedern der Wissenschaft vorfindet — doch das wird in hundert Jahren erkannt werden. Wäre wahr, was ihre Verleumder sagen, dann müsste sie an Klugheit hunderte von Menschen übertreffen (worunter nicht wenige Gelehrte und Männer der Wissenschaft sind), welche glauben, was sie sagt — denn im entgegengesetzten Fall müsste sie sie alle getäuscht haben. Wenn sie die Wahrheit redet, dann müssten mehrere Mahatmas in ihr selbst enthalten sein, so zusammengerollt wie ein Nest chinesischer Büchsen.

Frag.: Es wird behauptet, dass es sich vom Anfange bis zum Ende um eine Romanze handelte, die Frau Blavatsky aus ihrem eigenen Gehirn heraus gesponnen habe.

Theos.: Nun wohl, sie mag manches getan haben, was weniger klug ist als dieses. Auf keinen Fall kann gegen diese Theorie etwas Ernsthaftes eingewendet werden. Sie sagt zu dem selbst, sie zöge es vor, wenn die Menschen nicht an die Meister glaubten. Sie erklärt offen, dass sie wünschte, die Menschen hielten die graue Masse ihres Gehirns für die eigentliche Heimat der Meister, und sie habe sie nur heraufgeholt aus den Tiefen des eigenen Bewusstseins; damit deren Namen und das große Ideal weniger in den Staub gezogen würden, als dies jetzt der Fall ist. In den ersten Zeiten pflegte sie gegen jeden Zweifel an diese Existenz zu protestieren. Später aber tat sie nichts mehr, um irgendetwas in dieser Richtung zu beweisen, oder zu widerlegen. Es mögen die Menschen denken, was sie wollen.

Frag.: Wenn aber solche weise und gute Menschen die Führer der Gesellschaft sind, wie kommt es, dass so viele Missgriffe gemacht worden sind?

Theos.: Die Meister führen die Gesellschaft nicht, noch ihre Gründer; und niemand hat behauptet, dass so etwas geschehe; sie wachen nur über sie und beschützen sie. Das ist hinlänglich dadurch bewiesen, dass sie hat durch keinen Missgriff zerstört werden können, und dass sie weder durch innere Skandale, noch durch heftige Angriffe von außen hat überwunden werden können. Die Meister richten den Blick in die Zukunft, nicht in die Gegenwart; und aus einem jeden Missgriff geht eine Weisheit hervor, welche in der Zukunft Früchte tragen wird. Jener andere «Meister», welcher den Menschen mit den fünf Talenten aussandte, sagte ihm nicht, wie er sie verdoppeln sollte, noch hinderte er den törichten Diener daran, seine Talente in die Erde zu vergraben. Jeder muss die Weisheit erwerben durch eigene Erfahrung und eigenes Verdienst. Die christlichen Kirchen, welche für sich einen weit höheren Meister in Anspruch nehmen, den wahren «Heiligen Geist» selbst, haben stets nicht nur «Missgriffe» begangen und tun es noch heute, sondern von ihnen sind blutige Taten durch die Zeitalter hindurch getan worden. Dennoch würde kein Christ seinen Glauben an jenen Meister ableugnen, wie vorausgesetzt werden kann, obgleich seine Existenz weit hypothetischer ist als diejenige der Mahatmas; und wenn einerseits keiner je den heiligen Geist gesehen hat und seine Leitung der Kirche, so könnte andererseits noch gesagt werden, dass die Geschichte der Kirche im Widerspruch stehe mit der Annahme einer solchen Führung. Irren ist menschlich. Es sei zu dem Thema zurückgekehrt.

Frag.: Ist es denn nicht richtig, was man hört, nämlich dass viele der theosophischen Schriftsteller behaupten von den Meistern inspiriert zu sein, oder mit ihnen gesprochen zu haben?

Theos.: Es möge dies dahingestellt bleiben. Wie soll man darüber ein Urteil abgeben? Das müssen sie selbst beweisen. Einige von ihnen, wenige — sehr wenige in der Tat — müssen entweder die Unwahrheit gesagt haben, oder Halluzinationen verfallen sein, indem sie sich solcher Inspiration rühmten; andere waren in Wahrheit von großen Adepten inspiriert. Man erkennt den Baum an seinen Früchten; und wie alle Theosophen nach ihren Taten beurteilt werden sollten, und nicht nach dem, was sie schreiben oder sagen, so soll man auch die theosophischen Bücher nur nach ihrem Wert hinnehmen, nicht nach der Berufung des Verfassers auf irgend eine Autoritat.

Frag.: Würde Frau Blavatsky das von ihren eigenen Werken behaupten, z.B. von der «Geheimlehre»?

Theos.: Sicherlich; sie sagt in der Vorrede ausdrücklich, dass sie widergibt, was sie von den Meistern gelernt hat, dass sie aber keine Inspiration beansprucht für die letzte Niederschrift. Was die besten Theosophen anberrifft: Ihnen allen wäre es lieber, wenn die Namen der Meister niemals mit ihren Büchern hätten in Zusammenhang gebracht werden müssen. Mit wenigen Ausnahmen, die meisten dieser Werke sind nicht nur unvollkommen, sondern irrtümlich und irreführend. Groß sind die Herabwürdigungen, denen die Namen der beiden Meister ausgesetzt worden sind. Es ist kaum ein Medium vorhanden, dass nicht behauptet, sie gesehen zu haben. Jede Schwindelgesellschaft, die nur Handelsgeschäft ist, behauptet nun, unmittelbar von «Meistern» geführt zu werden, die womöglich weit höher stehen sollen als diejenigen der Theosophischen Gesellschaft. Schwer ist das Unrecht derer, welche diese Ansprüche vorbringen entweder aus Geschäftssinn, oder Eitelkeit, oder auf Grund unverantwortlicher Mediumschaft. Viele Menschen sind an ihrem Gelde durch solche Gesellschaften geschädigt worden, welche vorgaben, verkaufen zu können die Geheimnisse der Macht, der Erkenntnis, der spirituellen Wahrheit für wertloses Geld. Aber das schlimmste ist, dass die heiligen Namen des Okkultismus und dessen heiliger Wahrer in diesen schlimmen Schlamm gezogen worden sind, dass sie haben zusammengeworfen werden können mit unrechten Beweggründen und unmoralischen Praktiken, während tausende von Menschen zurückgehalten worden sind von dem Weg der Wahrheit und des Lichts durch den Misskredit und die böse Nachrede, die durch solche Schwindeleien, Betrügereien und dergleichen über die ganze Sache gebracht worden sind. Nochmals sei es gesagt, jeder ernste Theosoph bedauert dies jetzt aus der Tiefe seines Herzens, dass diese heiligen Namen und Dinge jemals in der Öffentlichkeit erwähnt worden sind, und er gibt zu, dass dem vorzuziehen wäre, sie hätten als Geheimnis in einem kleinen Kreis von wahren und ergebenen Freunden bleiben können.



  1. So etwas wie auf dem Gebiete des Hypnotismus und der Suggestion z.B. Prof. Bernheim und Dr. C. Lloyd Tuckey; Prof. Beannis und Liegeois in Nancy; Delboeuf in Liege; Burot und Bourru in Rochefort; Fontain und Sigard in Bordeaux; Forel in Zürich; Dr. Despine in Marseille; Van Renterghem und Van Eeden in Amsterdam; Wetterstrand in Stockholm; Schrenck-Notzing in München und viele andere Ärzte und Schriftsteller von Bedeutung. ↩

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