Theosophisches Glossarium
Absolutheit. Wenn dies Wort von dem allgemeinen Urgrund gebraucht wird, so ist das logischer und korrekter, als wenn das Eigenschaftswort «absolut» auf das angewendet wird, was weder Eigenschaften noch Begrenzungen hat.
Adam Kadmon (hebr.). Urbildlicher Mensch, Menschheit. Der «himmlische Mensch» vor dem Sündenfall. Kabbalisten beziehen das Wort auf die zehn Sephiroths, insofern sie in den Bereich der menschlichen Wahrnehmung fallen. In der Kabbala ist Adam Kadmon der geoffenbarte Logos — entsprechend dem dritten Logos in theosophischer Bezeichnung — indem der ungeoffenbarte der erste ideelle Urmensch und das Sinnbild des verborgenen oder des noch nicht in die Äußerung eingetretenen Weltalls — im aristotelischen Sinne — ist. — Der erste Logos ist «das Licht der Welt», der zweite und dritte dessen abgestufte Schatten.
Adept (lat. adeptus). Im Okkultismus jemand, welcher den Zustand der Einweihung erreicht hat und Meister der esoterischen Weltbetrachtung wird.
Äther (gr.). Bei den Alten die göttliche, leuchtende Substanz, welche das ganze Weltall durchdringt, das «Kleid» der höchsten Gottheit, des Zeus oder Jupiter. Bei den Modernen der äußerst feine Stoff, auf dessen Bewegung Licht- und Wärmestrahlung beruht. In der Esoterik eines der Prinzipien der kosmischen Siebenheit. Agathon (gr.). Platos höchste Gottheit, wörtlich das «Gute». In der theosophischen Ausdrucksweise Alaya oder die «Weltseele».
Agnostiker. Ein Ausdruck, den Huxley gebraucht als Bezeichnung für einen Menschen, welcher an nichts glaubt, was durch die Sinne nicht wahrgenommen werden kann.
Ahankâra (sanskr.). Die Wahrnehmung des «Ich», Selbstbewusstsein oder Sich-Selbst-Gleichheit; das «Ich», oder das als Selbst auftretende und trügerische Prinzip im Menschen, insofern es auf des Menschen Unwissen heit beruht, die das «Ich» abtrennt von dem allgemeinen Einen Selbst. Die Persönlichkeit oder auch die «Ichheit».
Ain Suph (hebr.). Die «schrankenlose» oder «grenzenlose» Gottheit, die allseitig ausströmt und sich ausbreitet. Ain Suph wird auch geschrieben «EnSoph» und «AinSoph», denn niemand, auch die Rabbis nicht, vermag genau die Vokale anzugeben. In den religiösen Metaphysiken der alten hebräischen Philosophen war das Eine Prinzip eine Abstraktion wie Parabrahman; moderne Kabbalisten haben es durch gewaltsame Schlussfolgerungen und Paradoxien zu dem «Höchsten Gott» gemacht, über den hinaus es nichts gibt. Bei den chaldäischen Kabbalisten war Ain Suph das, was ist «ohne Form und Eigenschaft», was «sich nur mit sich selbst vergleichen lässt» (Franck, Die Kabbala, $. 126). Dass Ain Suph niemals als «Schöpfer» betrachtet worden ist, geht unwiderleglich aus der Tatsache hervor, dass ein orthodoxer Jude wie Philo den Namen des «Schöpfers» dem Logos gibt, der zu dem «Grenzenlosen Einen» hinzukommt und der «zweite Gott» ist. «Der zweite Gott ist in seiner — des Ain Suph — Weisheit», sagt Philo. «Die Gottheit ist die Nicht-Dinglichkeit: Sie ist namenlos und wird daher Ain Suph genannt — das Wort «ain» bedeutet «Nicht-Ding». (Vergl. Francke, ebenda, S. 153.)
Alchemie, im Arabischen Ul-Khemi, bedeutet, wie der Name andeutet, die Chemie der Natur. Ul-Khemi oder Al-Kimia ist tatsächlich ein arabisiertes Wort, entlehnt von dem griechischen xnueia von xuuög «Saft», von einer Pflanze ausgezogen. Alchemie will zeigen, wie man die feineren Kräfte der Natur und die verschiedenen Bedingungen des Stoffes, in denen sie gefunden werden, behandeln kann. Der Alchemist sucht in einer sprachlichen Verhüllung, die mehr oder weniger kunstvoll ist, und welche den Uneingeweihten das «große Geheimnis» verbirgt, das erste Prinzip, das selbstsüchtigen Händen verborgen bleiben muss, als ein allgemeines Stoffelement, das in sich gleichförmig ist, und aus dem sich alle anderen Stoffe entwickelt haben. Diese Substanz wird das reine Gold oder «summum materiae» genannt. Dieses Stoffelement, das auch allgemeines Reinigungsmittel genannt wird, besitzt die Kraft, vom menschlichen Körper alle Keime der Zerstörung hinwegzunehmen und ihn zu verjüngen, sowie das Leben zu verlängern. Es ist der «Stein der Weisen». Die Alchemie kam zuerst nach Europa durch Geber, den großen arabischen Gelehrten und Philosophen, im achten Jahrhundert unserer Zeitrechnung; sie war aber lange vorher getrieben und verbreitet in China und Ägypten. Es sind zahlreiche Papyrusdokumente und andere Urkunden gefunden worden, welche zeigen, dass sie ein Lieblingsstudium von Königen und Priestern war; man bewahrt solche Dokumente unter dem Namen «Hermetischer» Abhandlungen auf. Man kann Alchemie unter drei verschiedenen Gesichtspunkten studieren, wodurch ihre Erklärungen eine dreifach verschiedene Gestalt annehmen. Diese Gesichtspunkte sind: der kosmische, der menschliche, der irdische. Diese drei Gesichtspunkte werden in den Ausdrücken für drei Zustände ausgedrückt: Sulphur, Mercur, Salz. Verschiedene Schriftsteller haben festgestellt, dass es drei, sieben, zehn und zwölf verschiedenartige Vorgänge in der Alchemie gibt; aber alle stimmen darin überein, dass deren Ziel ist, grobe Metalle in reines Gold zu verwandeln. Was aber mit diesem «Golde» wirklich gemeint ist, das wissen nur wenige Menschen genau. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass es in der Natur so etwas gibt, wie Verwandlung eines niedrigen Metalles in ein höheres; dies aber ist nur ein Gesichtspunkt der Alchemie, der irdische oder rein materielle, denn es liegt da derselbe Prozess zu Grunde, der sich im Innern der Erde abspielt. Außerdem gibt es einen Gesichtspunkt, welcher in die Alchemie eine sinnbildliche, rein psychische und spirituelle Erklärungsform einführt. Während der kabbalistische Alchemist die Verwirklichung des oben gekennzeichneten sucht, ist der okkultistische Alchemist, der alles Gold der Erde von sich weist, bestrebt, die Verwandlung der niederen Vierheit des Menschen in die obere Dreiheit zu entdecken, die, wenn sie endlich erreicht ist, Eines darstellt. [Der] spirituelle, mentale, psychische und physische Bereich des menschlichen Daseins [wird] in der Alchemie dargestellt durch Feuer, Luft, Wasser und Erde; und jedes von diesen hat eine dreifache Daseinsform: fest, flüssig und gasartig. Es ist dem weltlichen Wissen wenig oder nichts über den Ursprung des hier angedeuteten Forschungsgebietes bekannt; aber sicherlich hängt damit die Aufstellung des Tierkreises zusammen, und auch wahrscheinlich die Ausgestaltung der Mythen und Sagen, in denen jene Kräfte der Natur personifiziert erscheinen. Auch kann kein Zweifel darüber bestehen, dass die Kunst der Verwandlung innerhalb des physischen Bereiches der Welt in alten Zeiten bekannt war und den geschichtlichen Zeiten nur verloren gegangen ist. Die moderne Chemie verdankt ihre besten Entdeckungen der Alchemie, aber ohne Verständnis für die unzweifelhafte Wahrheit der Letzteren, dass es nur ein Element im Weltall geben könne, sieht sie die Metalle als Elemente an und beginnt erst gegenwärtig ein wenig aus diesem groben Irrtum herauszukommen. Nur einige Schriftsteller sehen sich gezwungen zu bekennen, dass, wenn auch die meisten Berichte von Verwandlungen falsch sind oder auf Täuschung beruhen, doch einige von ihnen so sich darstellen, dass sie den Eindruck des Wahrscheinlichen machen. Mit Hilfe der galvanischen Batterie ist entdeckt worden, dass die Alkalien eine metallische Grundlage haben. Die Möglichkeit, ein Metall aus andern Substanzen darzustellen, welche die Teile desselben enthalten, also die Verwandlung eines Metalls in ein anderes — muss somit als eine offene Frage gelten. Es dürfen keineswegs alle Alchemisten als Betrüger angesehen werden. Viele haben gearbeitet in der Überzeugung, dass ihr Ziel ein erreichbares sei, mit unermüdlicher Geduld und Reinheit des Herzens, die unaufhörlich durch die Alchemisten hingestellt wird als notwendige Vorbedingung für das Gelingen der Arbeit.
Alexandrinische Philosophen (oder Schule). Diese berühmte Schule blühte in Alexandrien (Ägypten), welches während langer Zeiträume der Sitz vieler Gelehrter und Philosophen war. Es war berühmt durch seine Bibliothek, welche durch Ptolemäus Soter im Beginn seiner Regierung begründet worden ist. (Er starb 283 v. Chr.). Die Bibliothek bestand aus 700000 Rollen oder Bänden (Aulus Gellius). Berühmt war ferner hier das Museum, die erste wirkliche Akademie der Wissenschaften und Künste; weiter waren hier die weltberühmten Gelehrten, wie Euklid, der Vater der wissenschaftlichen Geometrie, Apollonius von Perga, der Verfasser des hervorragenden Werkes über Kegelschnitte, Nicomachus der Arithmetiker; dann Astronomen, Naturphilosophen, Anatomen wie Herophilus und Erasistratus; Ärzte, Musiker, Künstler usw. Aber noch berühmter war Alexandrien durch seine eklektische oder Neu-Platonische Schule, welche 173 n. Chr. durch Ammonius Saccas begründet worden ist, und deren Schüler Origines, Plotinus und viele andere Persönlichkeiten waren, von denen die Geschichte berichtet. Auch die ausgezeichnete Schule der Gnostiker hat in Alexandrien ihren Ursprung. Philo Judaeus, Josephus, Jamblichus, Porphyrius, Clemens von Alexandrien, Eratostenes der Astronom, Hypatia die weise Jungfrau und zahlreiche andere Sterne zweiter Größe, sie alle gehörten zu verschiedenen Zeiten dieser großen Schule an und trugen das Ihre dazu bei, Alexandrien mit Recht zu einem der berühmtesten Sitze der Gelehrsamkeit zu machen, die nur je die Welt hervorgebracht hat.
Altruismus. Von «alter», das andere. Die Eigenschaft des Menschen, welche dem Egoismus entgegengesetzt ist. Handlungen, welche das Gute des Anderen bezwecken, ohne Rücksicht auf das eigene Selbst.
Ammonius Saccas. Ein großer und bedeutender Philosoph, der in Alexandrien im zweiten und dritten Jahrhundert unserer Zeitrechnung lebte, der Begründer der Neu-Platonischen Schule von Philalethen oder «Liebhabern der Wahrheit». Er war arm geboren, von christlichen Eltern, aber bestrebte sich in so hervorragender Weise der göttlichen Weisheit, dass man ihn den «Gottes-Denker», Theodidaktos, nannte. Er anerkannte in dem Christentum, was an ihm gut ist, brach jedoch mit ihm in einem frühen Lebensalter, weil er ihm nichts zuerkennen konnte, was es über die andern Religionen erhöbe.
Analogizisten. Die Schüler des Ammonius Saccas, die so genannt werden, weil sie die Praxis übten, alte Legenden, Mythen und Mysterien durch die Prinzipien der Analogie und Entsprechung zu erklären, was auch im kabbalistischen System gepflegt wird, und in den esoterischen Schulen des Ostens vorherrschend ist. (Vergl. «Die zwölf Zeichen des Tierkreises» von T. Subba Row, in «Five Years of Theosophy».) Ananda (sanskr.). Glückseligkeit, Freudezustand, Wonnezustand. Auch der Name eines Lieblingsschülers des Gautama Buddha.
Anaxagoras. Ein berühmter jonischer Philosoph, der 500 v. Chr. lebte. Er studierte Philosophie bei Anaximenes von Milet und lebte in den Tagen des Perikles in Athen. Sokrates, Euripides, Archelaus und andere ausgezeichnete Persönlichkeiten gehörten zu seinen Schülern. Er war ein sehr gelehrter Astronom und der erste, welcher öffentlich lehrte, was Pythagoras im geheimen mitgeteilt hatte — wie die Bewegung der Planeten, die Ekliptik von Sonne und Mond usw. — Er lehrte die Theorie vom Chaos nach dem Grundsatze, dass «aus Nichts nichts werde» (ex nihilo nihil fit) — die Theorie von den Atomen als dem, was aller Materie zu Grunde liegt, und was gleicher Art und Wesenheit ist mit den Körpern, die aus ihm bestehen. Diese Atome, so lehrte er, wurden zuerst in Bewegung gesetzt durch den «Nous» (die allgemeine Intelligenz, mahat der Hindus), welcher «Nous» immaterieller, ewiger, spiritueller Wesenheit ist; durch Atomkombination ist die Welt gebildet, in der Art, dass die materiell gröberen Körper niedersanken und die ätherisch feineren Atome (oder der feurige Äther) emporstiegen und sich in den oberen, himmlischen Regionen ausbreiteten. Er eilte der modernen Wissenschaft um 2000 Jahre voraus mit seiner Lehre, dass die Sterne aus demselben Stoff sind wie die Erde und die Sonne eine glühende Masse; dass der Mond ein dunkler, unbewohnbarer Körper sei, der sein Licht von der Sonne erhält; und er ging über diese Wissenschaft durch seine Überzeugung hinaus, dass die wirkliche Existenz der Dinge, welche durch die Sinne wahrgenommen werden, sich nicht erweisen lasse. Er starb in der Verbannung in Lampsacus im Alter von 62 Jahren.
Anima Mundi (lat.). Die «Seele der Welt», gleichbedeutend mit dem «Alaya» der nördlichen Buddhisten; die göttliche Grundwesenheit, welche durchdringt, durchsetzt, belebt und gestaltet alle Dinge, von dem kleinsten Stoffteilchen bis zum Menschen und zum Gotte. Sie ist in einem gewissen Sinne die «siebenhüllentragende Mutter» der Stanzen in der «Secret Doctrine»; die Wesenheit der sieben Welten des Empfindens, Erkennens und der Vervielfältigung, sowohl des Moralischen wie des Physischen. Von dem höchsten Gesichtspunkt aus ist es Nirvana; vom niedrigsten aus das Astrallicht. Es war weiblich bei den Gnostikern, den ersten Christen, und den Nazarenern; doppelgeschlechtlich bei anderen Sekten, die es nur innerhalb der vier niederen Welten in Betracht zogen, von feuriger und ätherischer Natur in der objektiven Welt der Formen, und göttlich und spirituell in den drei höheren Welten. Wenn behauptet wird, dass jede menschliche Seele auf die Art entstanden sei, dass sie sich selbst von der «Weltseele» abgetrennt habe, so ist damit esoterisch gesagt, dass des Menschen höheres Ich von gleicher Wesenheit mit ihr ist, und dass mahat eine Ausstrahlung des inneren unerkennbaren Absoluten ist.
Anoia (griech.). «Mangel an Verstand», «Torheit». Von Plato und anderen wird der Ausdruck für das niedere Manas angewendet, wenn dies zu eng mit Kama verbunden ist, welches durch Irrationalität zu kennzeichnen ist. Das griechische anoia oder agnoia ist augenscheinlich von dem Sanskritwort ajnäna (phonetisch agnyäna) abgeleitet, was Unwissenheit, Verstandlosigkeit oder auch Kenntnislosigkeit bedeutet.
Anthropomorphismus. Vom Griechischen «anthropos», der Mensch. Die Art, sich Gott oder die Götter mit einer menschlichen Gestalt oder menschlichen Eigenschaften vorzustellen.
Anugîtâ (sanskr.). Ein Upanishad, wenn der Ausdruck in einem ganz allgemeinen Sinne gebraucht wird. Eine von den philosophischen Abhandlungen im Mahäbhärata, dem großen indischen Epos. Eine sehr okkulte Abhandlung. Sie ist übersetzt in den «Sacred Books of the East».
Apollo Belvedere. Eins der alten Bildhauerwerke, darstellend Apollo, den Sohn des Jupiters und der Latona, genannt Phoebus, Helios, der Strahlende, und die Sonne — das beste Bildniswerk ist dasjenige, welches in der Belvedere-Galerie im Vatikan in Rom ist. Es wird PythonApollo genannt, weil es den Gott in dem Augenblicke seines Sieges über die Schlange Python darstellt. Die Statue ist in den Ruinen von Antium 1503 gefunden worden.
Apollonius von Tyana. Ein gewaltiger Philosoph, geboren in Cappadocien, ungefähr zu Anfang des ersten Jahrhunderts; ein kühner Pythagoreer, der die phönizischen Wissenschaften unter Euthydemus studierte, und die pythagoreische Philosophie und anderes unter Euxenus von Heraclea. Entsprechend den Gepflogenheiten der pythagoreischen Schule war er Vegetarier sein ganzes langes Leben hindurch, aß nur Früchte und Kräuter, trank keinen Wein, trug Kleider nur aus Pflanzenfasern, ging barfuß und ließ sein Haar unbehindert wachsen. Er wurde eingeweiht durch die Priester des Tempels des Äskulap (Asclepios) zu Ägaea und lernte «wunderbare» Heilungsvorgänge für Krankheiten bei diesem Gott der Arzneikunde. Nachdem er sich für eine höhere Einweihung durch Schweigsamkeit während fünf Jahren und durch Reisen — er besuchte Antiochia, Ephesus, Pamphylia und andere Orte — vorbereitet hatte, ging er über Babylon nach Indien; allein, denn alle seine Schüler hatten ihn verlassen, weil sie fürchteten, in das «Land der Zauberei» zu kommen. Ein Schüler, Damis, den er zufällig auf dem Wege getroffen hatte, begleitete ihn auf den Reisen. Zu Babylon wurde er durch die Chaldäer und Magier eingeweiht, wie Damis erzählt, dessen Mitteilung durch einen gewissen Philostratus hundert Jahre später aufgezeichnet worden ist. Nach seiner Rückkehr von Indien zeigte er sich als ein Eingeweihter, indem er Krankheiten, Erdbeben, die Todesfälle von Königen und andere Ereignisse vorhersagte, und die Vorhersagungen richtig eintrafen. Zu Lesbos wurden die Priester des Orpheus auf ihn eifersüchtig, und sie weigerten sich, ihn in ihre besonderen Mysterien einzuweihen, doch taten sie es einige Jahre später. Er lehrte vor dem Volke zu Athen und anderer Gebiete die reinste und edelste Ethik, und die Phänomene, welche er hervorbrachte, waren ebenso wundervoll, wie sie zahlreich und gut verbürgt sind. «Woher kommt es», fragte Justinus der Märtyrer ganz furchtsam, «woher kommt es, dass die Talismane (telesmata) des Apollonius die Kraft haben, sodass sie — wie man sieht — schützen vor den rasenden Wogen und dem heftigen Winde und den Angriffen der wilden Tiere; und während die Wunder des Herrn einzig durch Überlieferung aufbewahrt sind, sind diejenigen des Apollonius die zahlreichsten, und wirklich geoffenbart als gegenwärtige Tatsachen?» (Quaest. XXIV.) Eine Antwort hierfür kann darin gefunden werden, dass Apollonius, nachdem er den Hindukusch überschritten hatte, zu der Wohnung gewisser Weisen gekommen war, welche Wohnung es bis heute gibt, und wo ihm deren unübertreffliche Erkenntnis gelehrt worden ist. Seine Unterredung mit dem Korinther Menippus gibt uns treu der esoterische Katechismus, der, wenn er richtig verstanden wird, viele von den wichtigen Geheimnissen der Natur enthüllt. Apollonius war Freund, Korrespondent und Gast von Königen und Königinnen, und keine «wundervollen» oder «magischen» Kräfte sind besser bezeugt als die seinigen. Gegen den Schluss seines langen und bedeutungsvollen Lebens eröffnete er eine esoterische Schule zu Ephesus. Er starb in dem hohen Alter von hundert Jahren.
Archangelus. Höchster erhabener Engel. Es ist zusammengesetzt aus den zwei griechischen Worten «arch», das erste, und «angelos» «Bote».
Arhat (sanskr.), wird auch gesprochen und geschrieben arahat, arhan, rahat usw., der «Würdige», ein vervollkommneter ärya, der über die Wiederverkörperung erhaben ist, dem «göttliche Ehren zukommen». Dieser Name wurde zuerst bei den Jainas gebraucht und nachher den buddhistischen Heiligen, die in die esoterischen Geheimnisse eingeweiht werden, gegeben. Der Arhat betritt den letzten und höchsten Pfad, der ihn von allem Wiedergeborenwerden befreit.
Arianer. Die Nachfolger des Arius, eines Priesters der Kirche in Alexandria im vierten Jahrhundert. Jemand, welcher behauptet, dass Christus ein geschaffenes und menschliches Wesen sei, geringer als Gott-Vater, obgleich ein großer und edler Mensch, ein wahrer Adept, der in alle göttlichen Geheimnisse eingeweiht war.
Aristobulus. Ein alexandrinischer Schriftsteller und Philosoph; ein jüdischer Gelehrter, der zu beweisen versuchte, dass Aristoteles die esoterischen Gedanken des Moses auseinandersetzte.
Aryan. Wörtlich der «Heilige»; einer, der im Besitze der «edelsten Wahrheiten» ist (ärya-satyäni) und der den «edlen Pfad» (ärya-märga) betreten hat, der zu «nirväna» oder «moksha» führt, den großen «viergliedrigen» Pfad. Ursprünglich waren Menschen dieser Art als Rishis bekannt. Nun aber ist der Name die Bezeichnung für eine Rasse geworden, und unsere Orientalisten, welche die Hindu-Brahmanen ihres Geburtsrechtes berauben, haben alle Europäer zu Aryanern gemacht. Gegenwärtig können in der Esoterik die vier Pfade nur betreten werden durch hohe spirituelle Entwicklung und «Wachstum an Heiligkeit», sie werden äryamärga genannt. Die Grade der Arhatschaft werden genannt: srotäpatti, Sakridägamin, anägämin und Arhat, oder die vier Klassen von Aryas, entsprechend den vier Pfaden der Wahrheit.
Aspekt. Die Gestalt (rüpa), in welcher sich irgendein Prinzip des siebengliedrigen Menschen oder der Natur kundsgibt, heißt in der Theosophie Aspekt dieses Prinzips.
Astralkörper. Der feine Leib, welcher dem physischen zu Grunde liegt.
Astrologie. Die Wissenschaft, die mit den Wirkungen der Himmelskörper auf die menschlichen Handlungen sich beschäftigt und welche behauptet, zukünftige Ereignisse aus der Lage der Sterne vorausbestimmen zu können. Sie hat ein so hohes Alter, dass sie in die frühesten Zeiten der Geschichte der Menschheit zurückreicht. Sie war lange Zeiträume hindurch eine geheime Wissenschaft des Ostens und ihr höchster Ausdruck ist es noch bis heute; ihre exoterische Anwendung ist im Westen zu einem gewissen Grad von Vollkommenheit gebracht worden, während der Zeit, als vor 1400 Jahren Varäha Mihira sein Buch über Astrologie schrieb. Claudius Ptolemäus, der berühmte Geograph und Mathematiker, welcher das unter seinem Namen bekannte astronomische Lehrgebäude schuf, schrieb sein Tetrabiblos, welches noch immer die Grundlage der modernen Astrologie ist, im Jahre 135 n. Chr. Die Wissenschaft vom Horoskop wird gegenwärtig hauptsächlich unter vier Gesichtspunkten studiert. Das sind: 1) in Bezug auf die Welt, indem man die Wirkungen der Himmelskörper in der Witterungskunde, den Bewegungen der Erde und in der Landwirtschaft untersucht; 2) in Bezug auf das Staatsleben und die privaten Angelegenheiten, in Bezug auf die Zukunft der Völker, Könige und Staatsmänner; 3) zur Behebung von Zweifeln, welche in Bezug auf irgend einen Gegenstand im Geiste aufsteigen; 4) in Bezug auf die Verhältnisse, die einem einzelnen Menschen von der Geburt bis zum Tode bevorstehen. Unter den ältesten Völkern waren die Chaldäer und die Ägypter am tiefsten in die Astrologie eingeweiht, doch sind ihre Arten, in den Sternen zu lesen, von denen der Modernen grundverschieden. Die letzten behaupten, dass Belus, der Bel oder Elu der Chaldäer, ein Spross der göttlichen Dynastie oder der Dynastie der göttlichen Könige, ursprünglich zum Lande von Chemie gehörte, es aber verlassen hatte, um eine ägyptische Kolonie an den Ufern des Euphrat zu begründen, in der ein Tempel gebaut wurde, der durch Priester des «Herrn der Sterne» bedient wurde. In Bezug auf den Ursprung dieser Wissenschaft ist einerseits bekannt, dass Theben die Ehre der Erfindung beansprucht, während andrerseits alle Kundigen einig sind, dass es die Chaldäer waren, welche diese Weisheit den andern Völkern lehrten. Aber es liegt Theben in der Zeit weit voran, nicht nur gegenüber «Ur in Chaldäa», sondern auch gegenüber Nipur, wo Bel zuerst verehrt wurde — Sin, sein Sohn (der Mond), war die in Ur herrschende Gottheit, in dem Lande der Geburt von Terah, dem Sterndeuter und Sternanbeter, und das des Abraham, seines Sohnes, des großen Astrologen der biblischen Überlieferung. Alles das trifft zusammen, um die ägyptische Behauptung zu bestätigen. Wenn der Name des Astrologen später in Rom und an anderen Orten in Verachtung gekommen ist, so geschah es wegen jener Betrüger, welche Geld durch das zu machen suchten, was ein Gut der heiligen Wissenschaft der Mysterien war und weil solche, die in den letzteren ganz unwissend waren, ein Lehrgebäude ganz und gar auf Mathematik begründeten, statt auf die transcendentale Metaphysik, wovon die physischen Himmelskörper nur der äußere Ausdruck sind. Doch trotz aller Gegnerschaft war die Zahl der Anhänger der Astrologie unter den intelligentesten und wissendsten Geistern immer sehr groß. Wenn Cardanus und Kepler unter den eifrigsten Bekennern waren, dann brauchen sich spätere Gläubige nicht zu schämen, wenn diese Weisheit auch jetzt in unvollkommener und verdorbener Form vorhanden ist. In «Isis Unveiled» wird gesagt (I. 259): «Die Astrologie verhält sich zur Astronomie genauso wie die Psychologie zur Physiologie. In der Astrologie und Psychologie schreitet man über die sichtbare Welt hinaus und tritt in den Bereich des unsichtbaren Geistes ein.»
Athenagoras. Ein platonischer Philosoph von Athen, der eine Verteidigung der Christen schrieb, 177 n. Chr., die an Marcus Aurelius gerichtet ist, um zu beweisen, dass die gegen sie gerichteten Anklagen, wie dass sie Blutschande und Kindermord treiben, falsch seien.
Atman oder Atmä (sanskr.). Der allgemeine Geist, die göttliche Monade; das siebente «Prinzip», so genannt in der exoterischen siebengliedrigen Einteilung des Menschen. Die höchste Seele. Aura (gr. und lat.). Die feine, unsichtbare Wesenheit oder das Fluidum, das von menschlichen, tierischen und andern Körpern ausströmt. Es ist eine psychische Ausströmung sowohl des Geistes wie des Leibes; und es gibt sowohl eine elektro-vitale wie eine elektro-mentale Aura; sie werden in der Theosophie die äkäschische oder magnetische Aura genannt.
Avatâra (sanskr.). Göttliche Verkörperung. Der Niederstieg eines Gottes, oder einer höheren Wesenheit, die für sich erhaben ist über die Notwendigkeit der Wiederverkörperung in einen menschlichen Körper. Krishna war ein «Avatära» von Vishnu. Der Dalai-Lama wird als ein Avatära von Avalokiteshvara angesehen und der Teschu-Lama als ein solcher von Tson-kha-pa, oder Amitäbha. Es gibt zwei Arten «Avatäras»: die eine durch eine Frau geboren, die andere «elternlos» — anupädaka.
Bhagavad-Gîtâ (sanskr.). Wörtlich der «Gesang des Herrn», ein Teil des Mahäbhärata, des großen indischen Epos. Es enthält ein Zwiegespräch, worin Krishna — der «Wagenlenker» — und Arjuna, sein Schüler (chelä), eine Unterredung haben über die höchste geistige Weltbetrachtung. Das Werk ist im hervorragenden Maß okkult oder esoterisch.
Boehme (Jacob). Ein Mystiker und großer Philosoph, einer der hervorragendsten Theosophen des Mittelalters. Er ist geboren im Jahre 1575 zu Alt-Seidenberg, etwa zwei Meilen von Görlitz (Schlesien) und starb 1624. Er war als Knabe ein gewöhnlicher Hirt und wurde, nachdem er in einer Dorfschule schreiben und lesen gelernt hatte, zu einem Schuhmacher in Görlitz in die Lehre gegeben. Er war ein natürlicher Hellseher mit den wunderbarsten Gaben. Ohne Bildung oder Gelehrsamkeit schrieb er Bücher, die voll von wissenschaftlichen Wahrheiten sind, wie man jetzt beweisen kann; aber er sagte selbst, dass er alles schrieb, weil er es «sah in den tiefen Abgründen des Ewigen». Sein Blick drang in das Weltall, wie es sich aus dem Chaos zum jungen Planeten formte; so sagt er selbst. Er war der vollkommenste geborene Mystiker, und offenbar in einer solchen Art, wie sie nur selten vorkommt; einer von jenen feinen Geistern, deren materielle Entwicklung in keiner Weise die unmittelbare, wenn auch nur gelegentliche Verbindung zwischen dem intellektuellen und geistigen Ich hindert. Solche Mystiker ohne regelmäßige Schulung wie Jacob Boehme sahen dieses «Ich» als «Gott» an. «Man muss einsehen», sagt er, «dass die Erkenntnisse, welche er mitteilt, nicht von ihm selbst kommen, sondern von Gott, welcher die Ideen der Weisheit in der Menschenseele offenbart in dem Maße, wie es ihm gefällt.» Wäre dieser große Theosoph dreihundert Jahre später geboren worden, so hätte er sich anders ausgedrückt. Denn dann hätte er gewusst, dass der «Gott», der durch das arme ungebildete und ungeschulte Gehirn spricht, das eigene göttliche Ich ist, die allwissende Göttlichkeit in ihm selbst, und dass dasjenige, was zum Ausdrucke kommt, nicht nach dem «Maße ist, wie es ihm gefällt», sondern nach jenem Maße, das die Fähigkeiten des vergänglichen und zeitlich begrenzten Menschen möglich machen.
Brahma (sanskr.). Der Lernende muss unterscheiden zwischen Brahma, welches sächlichen Geschlechtes ist, und dem männlichen «Schöpfer» des indischen Götterkreises, Brahmâ. Das erstere, Brahma oder Brahman, ist die unpersönliche, erhabene und unerkennbare Weltseele, aus deren Wesenheit alles ausfließt, und in welche alles wieder zurückkehrt; diese ist unkörperlich, unmateriell, ungeboren, ewig, anfang- und endlos. Sie durchdringt und belebt alles, sowohl das höchste Göttliche wie das kleinste mineralische Teilchen. Brahmâ andrerseits, der männliche, oberste «Schöpfer», existiert nur in seinen zeitlichen Offenbarungen, und verschwindet in einem Pralaya, das heißt, er ist zeitweise nicht vorhanden.
Brahmas Tag. Ein Zeitraum von 2160000000 Jahren, während dessen Brahmâ, nachdem er sein goldenes Ei (hiranya-garbha) verlassen, die materielle Welt erschafft und gestaltet (denn er ist einfach die hervorbringende und schöpferische Kraft der Natur). Nach einem solchen Zeitraum ‚wird die Welt durch Feuer und Wasser vernichtet; und er verschwindet mit der objektiven Welt; es bricht an:
Brahmas Nacht. Ein Zeitraum von gleicher Dauer, in dem Brahma gewissermaßen schläft. Nach seinem Erwachen beginnt er den ganzen Vorgang von neuem, und das geht so weiter, ein Lebensalter des Brahma hindurch, das aus «Tagen» und «Nächten» besteht, und welches hundert Zeiträume dauert, von denen ein jeder 2160000000 Jahre umfasst. Es bedarf fünfzehn Ziffern, um die Dauer eines solchen Lebensalters auszudrücken, nach dessen Vollendung das Mahâpralaya oder die große Auflösung einsetzt, und die wieder einen Zeitraum umfasst, der ebenso durch fünfzehn Ziffern nur ausgedrückt werden kann.
Brahma-Vidya (sanskr.). Die Erkenntnis oder die esoterische Wissenschaft von der wahren Wesenheit der beiden Brahmas (Brahman und Brahmâ).
Buch des Schlüssels. Ein altes kabbalistisches Werk. Das Original ist nicht mehr vorhanden; es gibt nur verfälschte und unechte Abschriften und Entstellungen davon.
Buddha (sanskr.). «Der Erleuchtete». Es ist dies der allgemein bekannte Titel von Gautama Buddha, dem Fürsten von Kapilavastu, dem Begründer des modernen Buddhismus. Der höchste Grad der Erkenntnis und Heiligkeit. Um ein Buddha zu werden, muss der Mensch die Fesseln des Sinnlichen und der Persönlichkeit zerbrochen haben; er muss eine vollständige Erfassung des wahren Selbst erlangt haben, und sich nicht mehr von anderen Selbsten abgesondert ansehen; er muss durch Erfahrung die völlige Unwirklichkeit aller Erscheinungen eingesehen haben, vor allem der ganzen sichtbaren Welt; er muss ferner frei geworden sein von aller Anhänglichkeit an das Vergängliche und Endliche; und er muss schon während seines Erdendaseins nur im Unsterblichen und Dauernden leben.
Budhi (sanskr.). Weltseele oder Weltgemüt. Mahâbudhi ist ein Name von Mahat; auch die geistige Seele im Menschen (das sechste Prinzip in exoterischer Bezeichnung), der Träger von Atma, dem siebenten, im Sinne der exoterischen Anordnung.
Buddhismus ist die religiöse Philosophie, wie sie von Gautama Buddha gelehrt worden ist. Sie ist nun in zwei Kirchen gespalten, die südliche und die nördliche. Die erstere wird die echtere genannt, weil sie sich die ursprünglichen Lehren des Gautama Buddha besser bewahrt hat. Der nördliche Buddhismus findet sich in Tibet, China und Nepal. Aber diese Unterscheidung ist ungenau. Denn wenn auch die südliche Kirche sich mehr an die exoterischen Lehren des Shäkyamuni gehalten hat, mit geringen Abweichungen in den Dogmen, wie sie sich auf verschiedenen Versammlungen nach dem Tode des Meisters herausgebildet haben, so hat sich doch die Nördliche Kirche die esoterischen Lehren unverfälscht bewahrt, welche Siddhärtha Buddha seinen auserwählten Jüngern und Arhats gegeben hat. Der Buddhismus kann in unserem Zeitalter nicht richtig beurteilt werden, wenn man nur die eine oder die andere seiner exoterischen Formen ins Auge fasst. Der wirkliche Buddhismus kann nur gewürdigt werden, wenn man die Philosophie der südlichen Kirche in Einklang bringt mit der Metaphysik der nördlichen Schulen. Wenn die eine Form zu bilderreich und asketisch, die andere zu metaphysisch und übersinnlich erscheint und vieles zu sehr überladen mit den Bekleidungen des indischen Exoterismus — viele von den Göttern des indischen Götterkreises sind unter neuen Namen auf tibetanisches Gebiet verpflanzt worden —, so ist dies die Folge davon, dass der Buddhismus in beiden Kirchen einen exoterischen Ausdruck angenommen hat. Die beiden stehen etwa zueinander in demselben Verhältnis wie Protestantismus und römischer Katholizismus. Beide haben Irrtum begangen durch Übereifer und mangelhafte Erklärungen, obgleich weder die südliche noch die nördliche buddhistische Geistlichkeit je bewusst von der Wahrheit sich entfernt haben, und obgleich sie durchaus dem nicht unterlegen sind, was man falsches Priestertum, Ehrgeiz, oder Streben nach persönlichem Gewinn oder persönlicher Macht nennen kann, wie das bei den späteren Kirchen der Fall ist.
Buddhi Taijasa (sanskr.). Ein durchaus mystischer Ausdruck, der mehrere Auffassungen zulässt. Im Okkultismus wird er mit Bezug auf die menschlichen Prinzipien (exoterisch) so gebraucht, dass er den Zustand des zweigeteilten Manas bezeichnet, wenn dieses, während des Lebens in einen Strahl von Buddhi, der geistigen Seele, eintaucht. Denn «Taijasa» bedeutet «Strahl», und Manas wird strahlend durch seine Vereinigung mit Buddhi; es wird gewissermaßen mit Buddhi durchtränkt, und dadurch Eins mit dieser; die Dreiheit ist Einheit geworden; und, da das Element der Buddhi das höchste ist, wird es Buddhi-Taijasa. Kurz gesagt: es ist die menschliche Seele erleuchtet durch die Einstrahlung der göttlichen Seele, die menschliche Vernunft erleuchtet durch das Licht des Geistes vom göttlichen Selbstbewusstsein.
Causalkörper. Dieser «Körper» ist in Wirklichkeit durchaus nichts Körperhaftes, weder im subjektiven noch im objektiven Sinn; sondern Buddhi, die geistige Seele, wird so genannt, weil sie die unmittelbare Ursache ist, dass der Sushupti-Zustand in den Turya-Zustand übergeht, den höchsten Zustand von Samädhi. Er wird auch «Käranopädhi», «die Grundlage der Ursache», durch die Täraka Räja Yogis genannt; und es entsprechen ihm im Vedantasystem die beiden «vijnänamaya» und «änandamaya kosha» (der letztere ist der nächste zum Atmä, und ist daher der Träger des Weltgeistes). Buddhi allein aber kann nicht Kausalkörper genannt werden, sondern bildet ihn nur im Verein mit Manas, der durch die Verkörperungen sich hindurchziehenden Wesenheit, oder dem Ich.
Chêla (hind.). Ein Schüler. Der Zögling eines Gurus oder Weisen; der Anhänger eines Adepten oder Schüler eines Philosophen.
Chrestos (griech.). Der frühere gnostische Ausdruck für Christus. Er wurde als technische Bezeichnung im fünften Jahrhundert v. Chr. durch Aeschylus, Herodot und andere gebraucht. Die «manteumata pythocresta», oder die «von einem pythischen Gott herrührenden Orakel» durch eine pythische Priesterin werden von den Alten erwähnt (Choeph. 901) und «pythocrestos» ist von «chrao» abgeleitet. «Chresterion» ist nicht nur «das Zeugnis des Orakels», sondern ein dabei vollbrachtes Opfer. «Chrestes» ist derjenige, welcher die Orakel auslegt, ein «Prophet und Wahrsager», und Chresterios, einer, welcher einem Orakel oder einem Gotte dient. Einer der ersten christlichen Schriftsteller, Justinus der Märtyrer, nennt in seiner ersten Apologie seine religiösen Genossen Chrestians: «Nur aus Unwissenheit nennen sich die Menschen Christen statt Chresten», sagt Lactantius (Lib. IV Kap. VII). Die Ausdrücke «Christ» und «Christen», die ursprünglich «Chrest» und «Chresten» lauten, stammen aus der Tempelsprache der Heiden. «Chrestos» bezeichnet gemäß jener Sprache «einen in Vorbereitung befindlichen Schüler», einen Kandidaten für die Priesterschaft; hatte er diese erreicht durch die Initiation, durch lange Versuchungen und Entbehrungen, und war er gesalbt worden (das ist «gerieben mit Öl», wie es mit Eingeweihten und auch mit Bildnissen der Götter nach den rituellen Vorschriften geschah), dann wurde er in einen Christos verwandelt — einen «geläuterten» in der esoterischen oder mystischen Ausdrucksweise. In der mystischen Sprechweise bezeichnet Christes oder Christos tatsächlich, dass der «Weg» oder «Pfad» bereits beschritten und das Ziel erreicht ist; gemeint ist also, dass die Früchte der beharrlichen Arbeit eingetreten seien, dass die vergängliche Persönlichkeit Eins geworden ist mit der unzerstörbaren Individualität, dass also der Mensch sich verwandelt habe in das unsterbliche Ich. «Am Ende des Weges stand der Christes», der Läuterer; und wenn die Einheit erreicht war, wurde der «Chrestos», «der Mensch der Entbehrungen», zum Christos. Paulus, der Eingeweihte, wusste dieses und meint es ganz genau, wenn er sagt, was allerdings in schlechter Übersetzung wiedergegeben wird: «Meine lieben Kinder, welche ich abermals in Ängsten gebäre, bis dass Christus in Euch eine Gestalt gewinne!» (Gal. IV, 19); die richtige Übersetzung davon würde sein: «bis ihr den Christus in Euch bildet». Aber die Profanen, die lediglich wussten, dass «Chrestos» in einem gewissen Zusammenhange steht mit Priester und Prophet, und die nichts von der verborgenen Bedeutung des «Christos» wussten, blieben dabei, wie Justin der Märtyrer und Lactantius es taten, Chresten zu nennen, was «Christen» heißen müsste. Jeder gute Mensch kann somit in sich den «Christus» finden, wie Paulus es ausdrückt, gleichgültig ob er Jude, Muselmann, Hindu oder Christ ist. (Ephes. III, 16, 17.)
Christus, vergl. «Chrestos».
Christliche Wissenschaft. Ein neu geprägter Ausdruck, um diejenigen zu bezeichnen, welche eine Heilkunst durch den Willen ausüben. Der Name ist etwas irreführendes, denn der Buddhist wie der Jude, der Hindu oder der Materialist kann diese neue Form der «westlichen Yoga» ausüben mit gutem Erfolge, wenn er nur seinen Willen mit hinreichender Festigkeit leitet und prüft. Die «geistige Wissenschaft» (mental Science) ist eine Nebenbuhlerin. Diese wirkt durch Ableugnung jeder Erkrankung und jedes Übels und behauptet, dass der allgemeine Geist niemals den Schmerzen des Fleisches ausgesetzt sein kann, und dass, weil jedes Stoffteilchen Geist sei und im Geist sei, und endlich, weil der Heiler und der Geheilte in diesem Geist enthalten seien: deshalb gäbe es nicht, und könne es nicht so etwas wie Krankheit geben. Das aber bewahrt in keiner Art sowohl christliche wie mentale Wissenschafter davor, dass sie Krankheiten unterliegen, und dass sie Schmerzen an ihrem Leibe erdulden wie andere Sterbliche.
Clemens, der Alexandriner. Ein Kirchenvater und bändereicher Schriftsteller, der ein Neuplatoniker und Schüler des Ammonius Saccas gewesen ist. Er war einer von den wenigen christlichen Philosophen im zweiten und dritten Jahrhundert unserer Zeitrechnung zu Alexandrien.
Collegium der Rabbis. Ein Kollegium zu Babylon, das besonders berühmt war in den frühesten Jahrhunderten des Christentums; sein Ruhm wurde stark verdunkelt, als in Alexandrien griechische Lehrer erschienen, wie Philo, der Jude, Josephus, Aristobulus und andere. Die ersteren rächten sich an diesen ihren Nebenbuhlern, indem sie sie Theurgisten und unerleuchtete Propheten nannten. Doch wurden die alexandrinischen Gelehrten in der Prophetie nicht als Sünder und Betrüger angesehen, wenn orthodoxe Juden an der Spitze solcher Schulen von «Hazim» waren. Es gab da Kollegien zur Unterweisung in der Prophetie und in den Geheimwissenschaften. Samuel war das Oberhaupt einer solchen Schule zu Ramah; Elisha einer andern zu Jericho. Hillel hatte eine regelrechte Akademie für Propheten und Seher; und Hillel ist es, als Schüler des Babylonischen Kollegs, welcher die Sekte der Pharisäer und der orthodoxen Rabbis begründete.
Cyclus (griech.). Von «Kuklos». Die Alten teilen die Zeit in endlose Kreise, Räder in Rädern; solche Perioden hatten eine verschiedene Dauer; und eine jede wurde angefangen oder beendigt bei einem kosmischen oder irdischen, einem physischen oder metaphysischen Ereignisse. Es wurden Zyklen von nur wenigen Jahren festgesetzt und Zyklen von ungeheuer großer Länge. Der große Orphische Zyklus, der sich auf die zeitliche Verwandlung der Rassen bezog, dauerte 120000 Jahre und jener von Cassandrus 136000 Jahre. Der letztere führte eine vollständige Veränderung in den planetarischen Einflüssen und den Beziehungen der Menschen zu den Göttern herbei — eine von den modernen Astrologen ganz verlorene Einsicht.
Deist. Derjenige, welcher die Möglichkeit der Existenz eines Gottes zugibt, aber behauptet, dass man von ihm nichts wissen könne, und der daher eine Offenbarung leugnet. Ein Agnostiker der früheren Zeiten.
Deva (sanskr.). Ein Gott, eine «strahlende» Gottheit. «Deva» (deus) kommt von der Wurzel «div», «scheinen». Ein Deva ist ein himmlisches Wesen, entweder ein gutes, ein schlechtes oder gleichgültiges, welches in den drei «Welten» wohnt, die über der unserigen liegen. Es gibt dreiunddreißig Gruppen oder 330 Millionen von Devas.
Devachan. Die «Wohnung der Götter». Ein Zustand zwischen zwei Erdenleben, in welchen das Ich (AtmaBuddhi-Manas, oder die Dreiheit in der Einheit) eintritt, wenn es sich von Käma Rüpa getrennt hat und wenn die niederen Prinzipien aufgelöst sind, also beim Tode auf der Erde. Dhammapada (Päli). Ein Werk, das Aphorismen aus buddhistischen Schriftstellern enthält.
Dhyâna (sanskr.). Einer von den sechs «päramitas» oder Vollkommenheitsgraden. Ein Zustand, der den ausübenden Asketen weit über das Gebiet des sinnlichen Wahrnehmens und über die Welt des Stoffes hinausführt. Wörtlich: «Versenkung». Die sechs Stufen von Dhyäna unterscheiden sich nur nach dem Grade der Abgezogenheit des persönlichen Ich von dem sinnlichen Leben.
Dhyân Chohans. Wörtlich: die «Herren der Versenkung». Die höchsten Götter, welche den katholischen Erzengeln entsprechen. Jene göttlichen Intelligenzen, denen die Lenkung des Kosmos obliegt.
Doppelgänger. Ein Ausdruck, der für die feineren Leiber des Menschen (Ätherleib, Astralleib) gebraucht wird.
Ego (lat.). «Ich»; das Bewusstsein eines Menschen von dem «Ich bin Ich»; oder das Wahrnehmen der «Ichheit». Die esoterische Philosophie lehrt das Vorhandensein zweier «Ichs» im Menschen, des sterblichen oder persönlichen, und des höheren, göttlichen oder unpersönlichen; das erstere wird Persönlichkeit genannt, das letztere Individualität.
Egoität. Damit ist das Charakteristische der Individualität gemeint, keineswegs der Persönlichkeit, während mit Egoismus oder «Selbstsucht» auf die letztere in hervorragendem Maße hingewiesen ist.
Eidôlon (griech.). Es ist dies der schöpferische feine Leih des Menschen, dessen Abbild der physische ist.
Einweihung, vergl. Initiation. Eingeweihter, vergl. Initiierter.
Ekstasis (griech.). Ein psycho-spiritueller Zustand; ein physischer Trance, welcher Hellsehen hervorbringt, und ein beglückender Zustand, der zu Visionen führt.
Elementale. Die Geister der Elemente. Die in den vier Naturreichen entwickelten Geschöpfe, in Erde, Luft, Feuer und Wasser. Sie heißen bei den Kabbalisten: Gnomen (für die Erde), Sylphen (für die Luft), Salamander (für das Feuer) und Undinen (für das Wasser). Mit Ausnahme einiger höherer Arten und ihrer Anführer sind sie eher Naturkräfte als ätherische Menschen. Als dienende Geister der Okkultisten können sie verschiedene Wirkungen hervorbringen; wenn sie aber durch «Elementare» gebraucht werden (von Käma Rupäs in Anspruch genommen werden) — in welchem Falle sie die Medien zu Sklaven machen —, dann werden sie zu täuschenden Geistern. All die niedern, unsichtbaren Wesen in dem fünften, sechsten und siebenten Plan unserer irdischen Welt werden Elementale genannt — Peris, Devs, Djins, Sylvane, Satyrn, Faune, Elfen, Zwerge, Trolle, Nornen, Kobolde, Nixen, weiße Frauen, Gespenster usw.
Eleusinien (griech.). Die eleusinischen Mysterien waren die berühmtesten und ältesten der griechischen (mit Ausnahme der Samothrakischen); sie wurden dargestellt nahe bei dem Dorf Eleusis, nicht weit von Athen. Epiphanius sagt, dass man sie bis in die Tage von Jacchos zurückverfolgen kann (1800 v. Chr.). Sie wurden zu Ehren der Demeter gefeiert, der großen Ceres und der ägyptischen Isis; und der letzte Akt der Darstellung bezog sich auf ein heiliges Opfer der Buße und der Auferstehung, wo der Eingeweihte zu dem höchsten Grade des Epopten zugelassen wurde. Die Abhaltung der Mysterien begann im Monat Boëdromion (September), der Zeit der Weinernte, und dauerte vom 15. bis zum 22., also sieben Tage. Das hebräische Fest des Tabernakels — das Erntefest — im Monat Ethanim (dem siebenten) begann auch am 15. und endete am 22. Der Name des Monats (Ethanim) ist abgeleitet, der Sache entsprechend, von «adonim, adonia, attenim, ethanim», und war so gebildet zu Ehren von Adonai oder Adonis (Tham), dessen Tod von den Hebräern in den Hainen von Bethlehem als Trauerfest gefeiert wurde. Das Opfer von «Brot und Wein» wurde sowohl in den Eleusinien wie auch während des Tabernakelfestes dargebracht.
Emanation. Die Lehre von der Emanation in ihrer metaphysischen Bedeutung steht der Evolution entgegen; doch ist sie eins mit ihr. Die Wissenschaft zeigt, dass physiologisch die Evolution eine solche Art der Entstehung ist, bei welcher der Keim, der sich bildet, bereits im Mutterorganismus vorgestaltet ist; die Ausbildung und die endliche Gestalt und die charakteristischen Eigenschaften des Keimes sind durch die Natur bestimmt; der Vorgang spielt sich — wie im Weltall — blind ab, durch das Zusammenwirken der Elemente und ihrer verschiedenen Teile. Der Okkultismus zeigt, dass dies nur scheinbar so ist, der wirkliche Vorgang ist die Emanation, die von intelligenten Kräften unter unabänderlichen Gesetzen geführt wird. Daher sind die Okkultisten und Theosophen, welche sich zur Lehre der Evolution bekennen, wie sie Kapila und Manu gelehrt haben, eher «Emanationisten» als «Evolutionisten». Einst war die Lehre von der Emanation allgemein verbreitet. Sie wurde sowohl von den Alexandrinischen wie von den indischen, den ägyptischen und chaldäischen Philosophen vertreten, nicht weniger aber von den hellenischen Priesterweisen und den Hebräern (in ihrer Kabbala und auch in der Genesis). Denn es ist eine falsche Übersetzung, wenn das hebräische Wort «asdt» von der Septuaginta mit «Engel» wiedergegeben wird; in Wirklichkeit sind «Emanationen», «Aeonen» gemeint, genau in demselben Sinn wie bei den Gnostikern. So wird im Deuteronomium (XXXIII, 2) das Wort «asdt» oder «ashdt» mit «feuriges Gesetz» übersetzt, während die richtige Wiedergabe ist «von seiner Rechten kam ein Feuer gemäß dem Gesetze», was bedeutet, dass das Feuer einer Flamme durch eine andere mitgeteilt wird, so, wie wenn etwas eine entzündbare Substanz anzündet. Das ist genau das, was man im Sinne von «Isis unveiled» Emanation nennt: «In Evolution sein», heißt in diesem Sinne den Anstoß nehmen zur Herausbildung einer höheren Form — was durch Manu klar ausgesprochen wird, und auch der Lehre anderer indischer Philosophen des frühesten Altertums entspricht. Der Baum des Philosophen veranschaulicht es durch das Beispiel der Zinkauflösung. Der Gegensatz zwischen den Bekennern dieser Schulen und den Emanationisten kann kurz so dargestellt werden: «Der Evolutionist bleibt bei gewissen Grenzen eines «Unerkennbaren» stehen; der Emanationist glaubt, dass nichts sich entwickeln könne — oder wie auch gesagt wird: geboren werden kann —, das nicht zuerst in diesen Keim gelegt worden ist, sodass alles Leben von einer spirituellen Kraft abgeleitet wird.»
Esoterisch. Verborgen, geheim. Es kommt vom griechischen «esotericos», was «innerlich» bedeutet.
Esoterischer Buddhismus. Geheime Weisheit oder Geheimwissenschaft, vom griechischen «esotericos», «innerlich», und dem Sanskritwort «bodhi», Kenntnis, was zu unterscheiden ist von buddhi «der Fähigkeit, zu erkennen oder zu begreifen» und von Buddhismus, der philosophischen Lehre des Buddha, des «Erleuchteten». Es wird für das obige auch die Schreibart gebraucht «Buddhismus» von «buddha» (Intelligenz, Weisheit), dem Sohn des Soma.
Eurasianer. Eine Abkürzung für «Europäer-Asier». Die gemischt farbigen Rassen; die Kinder von weißen Vätern und schwarzen Müttern oder umgekehrt.
Exoterisch. Äußerlich, öffentlich; das Gegenteil von «esoterisch» oder «verborgen».
Extra-Kosmisch. Außerhalb der Welt oder der Natur. Ein widersinniges Wort, das erfunden worden ist, um das Vorhandensein eines persönlichen, außerhalb der Welt für sich existierenden Gottes zu behaupten; die Welt aber ist unendlich und grenzenlos; sie kann also nichts außer sich haben. Der Ausdruck wird im Gegensatz zu der pantheistischen Idee gebraucht, wonach das ganze Weltall belebt und gestaltet ist von Geistigkeit und Göttlichkeit, wonach die Natur nur das Kleid und der Stoff, der Schattenschein des in Wahrheit unsichtbar Gegenwärtigen ist.
Faden-Seele. Das gleiche wie Süträtma. Vergl. dieses.
Ferho (syrisch). So wird bei den nazarenischen Gnostikern die höchste und größte schöpferische Gewalt genannt.
Feuer-Philosophen. Diese Bezeichnung legte man im Mittelalter den Hermetikern und Alchemisten bei und auch den Rosenkreuzern. Die letzteren, die Nachfolger der Theurgen, sahen das Feuer als das Sinnbild der Gottheit an. Es war für sie die Quelle nicht nur der materiellen Atome, sondern auch die Gewalt, welche die spirituellen und psychischen Kräfte enthält. Äußerlich in seine Glieder zerlegt, ist das Feuer ein dreiteiliges Prinzip; esoterisch ist es eine Siebenheit wie alle übrigen Elemente. Ein Mensch besteht aus Geist, Seele und Leib, welche von einem vierfachen Gesichtspunkt aus angesehen werden können. So ist es auch mit dem Feuer. Nach den Schriften von Robert Flud (Robertus de Fluctibus), der einer der berühmten Rosenkreuzer war, enthält das Feuer: erstens die sichtbare Flamme (seinen Körper), zweitens ein unsichtbares, astrales Feuer (Seele); und drittens seinen Geist. Die vier Gesichtspunkte sind a) Wärme (Leben), b) Licht (Gemüt), c) Elektrizität (kosmische oder moleculare Kräfte) und d) die zusammenfassenden Grundbestandteile, den höheren Geist oder die Grundursache seiner Existenz und Offenbarung. Für den Hermetisten und Rosenkreuzer besteht die Ansicht, dass eine Flamme, die in der physischen Welt verschwindet, nur aus der sichtbaren Welt in die unsichtbare übergeht, von dem Wahrnehmbaren in das Nicht-Wahrnehmbare.
Gautama (sanskr.). Ein indischer Eigenname, nämlich derjenige von dem Fürsten von Kapilavastu, dem Sohne des Suddhodana, des Shäkya Königs, eines kleinen Gebietes an den Grenzen von Nepal, der im siebenten Jahrhundert v. Chr. geboren ist, und welcher gegenwärtig der «Welterlöser» genannt wird. Gautama oder Gotama war der heilige Name der Shäkya-Familie. Er wurde als einfacher Sterblicher geboren, stieg dann aber durch seine eigenen persönlichen und unvergleichlichen Verdienste zur Buddhaschaft auf: — ein Mensch, wahrlich größer als irgendein Gott.
Gebirol. Solomon ben Yeliudah, der in der Literatur Avicebron genannt wird. Ein Israelit von Geburt, Philosoph, Dichter und Kabbalist; ein bändereicher Schriftsteller und Mystiker. Er wurde geboren im elften Jahrhundert zu Malaga (1021), erzogen zu Saragossa und starb zu Valencia (1070); er wurde von Mohammedanern getötet. Seine religiösen Anhänger nannten ihn Solomon, den Sephardi oder den Spanier, und die Araber Abu Ayyub Suleiman ben Ya’hya Ibn Djebirol, während die Scholastiker ihm den Namen Avicebron gaben (siehe Myers Quabbalah). Ibn Gebirol war unzweifelhaft einer der größten Philosophen und Lehrer seines Zeitalters. Er schrieb viel in arabischer Sprache und seine Manuskripte sind gut erhalten. Sein bedeutendstes Werk scheint zu sein «Megor’ Hayyim», das bedeutet «Brunnen des Lebens». Es ist «eine der ältesten Auseinandersetzungen der Geheimnisse spekulativer Kabbala», wie seine Biographen uns unterrichten.
Gesetz der Vergeltung, vergl. Karma.
Gnosis (griech.). Wörtlich «Erkenntnis». Es ist dies der technische Ausdruck, welchen die religionsphilosophischen Schulen sowohl vor den ersten Zeiten des Christentums, wie auch während derselben gebrauchten, um den Gegenstand ihres Strebens zu bezeichnen. Die spirituelle und heilige Erkenntnis, die gupta-vidyâ der Hindus, konnte nur durch Einweihung in die spirituellen Mysterien erlangt werden, von denen die zeremoniellen «Mysterien» ein Abbild waren.
Gnostiker (griech.). Diejenigen Philosophen, welche sich der Gnosis widmeten. Sie standen in Blüte in den ersten drei Jahrhunderten der christlichen Zeitrechnung. Die hervorragendsten waren: Simon Magus, Valentinus, Basilides, Marcion u. A. Goldenes Zeitalter. Die Alten teilten den Lebenskreislauf in das goldene, silberne, bronzene und eiserne Zeitalter. Das goldene galt als dasjenige der größten Reinheit, Einfachheit und des allgemein verbreiteten Glückes.
Großes Weltalter. Bei den Alten werden mehrere «Große Weltalter» erwähnt. In Indien umfasst ein solches das ganze «Mahä-Manvantara», das Lebensalter Brahmas, von dem ein jeder «Tag» den Kreislauf einer «Kette» oder einer Periode von sieben «Runden» umfasst (vergl. Sinnett, Esoterischer Buddhismus). Ein «Tag» und eine «Nacht» stellen zusammen dar: «Manvantara und Pralaya, 8640000000 Jahre, ein «Lebensalter» dauert 311040000000000 Jahre, danach wird das Pralaya oder die Auflösung des Weltalls eine allgemeine. Bei den Ägyptern und Griechen bezieht sich der Ausdruck nur auf das Weltenjahr oder das siderische Jahr, welches 25868 einzelne Sonnenjahre umfasst. Über das vollständige Weltalter — dasjenige der Götter — sagen sie nichts; dieses war ein Gegenstand, der nur während der Einweihungszeremonien berührt wurde. Das Große Weltalter der Chaldäer wurde in Zahlen angegeben, welche dieselben sind wie in Indien.
Guhȳa-vidyâ (sanskr.). Die geheime Wissenschaft der mystischen Mantras.
Gupta-vidyâ (sanskr.). Dasselbe wie guhya-vidyâ. Esoterische oder geheime Wissenschaft, Erkenntnis.
Gyges. «Der Ring des Gyges» ist ein in der europäischen Literatur oft vorkommendes Bild. Gyges war ein Lydier, der, nachdem er den König Kandaules getötet hatte, dessen Witwe heiratete. Plato erzählt von Gyges, dass er in einen Abgrund der Erde hinabgestiegen sei und dort ein ehernes Pferd gefunden habe, in dessen Seite er beim Öffnen das Skelett eines Riesen entdeckte, der einen ehernen Ring am Finger hatte. Wenn er diesen Ring an den eigenen Finger steckte, so machte er ihn unsichtbar.
Hades (griech.). Aides ist das «unsichtbare», das Land der Schatten; eines seiner Gebiete war der Tartaros, ein Ort vollkommenster Finsternis, wie ein solcher auch das Reich des tiefen, traumlosen Schlafes in Amenti war. Nach den Strafen, die dahin verlegt werden, war der Ort rein karmisch. Weder der Hades noch Amenti waren die Hölle, wie sie von einigen Priestern beschrieben wurde; und ob einer in den Hades oder in die Elysischen Felder kam, er konnte dahin nur gelangen, wenn er den Fluss bis «zum andern Ufer» durchschritt. Sehr gut drückt der ägyptische Glaube das aus in der Geschichte von Charon, dem Fährmann des Styx, die nicht nur bei Homer, sondern bei den Dichtern der verschiedensten Länder zu finden ist. Der «Fluss» muss überschritten werden, bevor man zu den «Inseln der Seligen» gelangt. Das Ritual der Ägypter beschreibt einen Charon und sein Boot lange vor Homer. Er ist Khu-en-ra «der Steuermann mit dem Habichtkopf.»
Halluzinationen. Ein Zustand des Bewusstseins, der durch physiologische Fehler hervorgerufen wird, bisweilen auch durch Mediumschaft, bei andern auch durch Trunkenheit. Aber die Ursachen, welche die Visionen hervorrufen, müssen tiefer gesucht werden, als es durch die Physiologie geschieht. All das, besonders alles, was durch Mediumschaft erzeugt wird, beruht auf einer Erschlaffung des Nervensystems, wodurch unregelmäßige Bedingungen geschaffen werden, die Krankheitsstoffe aus dem Astrallicht anziehen. Diese liefern dann die verschiedenen Halluzinationen, die zuweilen, nicht immer, das sind, was Ärzte behaupten, bloße leere und unwirkliche Träume. Niemand kann etwas sehen, was nicht existiert, das ist, was nicht von einem Eindruck herrührt — in der astralen Welt, oder über derselben. Aber ein Seher mag Gegenstände und Vorgänge wahrnehmen, aus der Vergangenheit, der Gegenwart oder der Zukunft, welche in keiner Weise von ihm selbst abhängig sind, und außerdem verschiedene ganz unzusammenhängende Dinge zu gleicher Zeit wahrnehmen, die ganz groteske und unsinnige Kombinationen ergeben. Sowohl Trinker wie Scher, Medien und Adepten sehen ihre bezüglichen Visionen im Astrallicht; nur dass der Trunkene, der Wahnsinnige, auch das nicht ausgebildete Medium oder der am Gehirnfieber Leidende sehen, weil sie es nicht ändern können, und auf eine ihnen selbst unbewusste Art Visionen verursachen die sie nicht kontrollieren können, der Adept und der ausgebildete Seher dagegen bat sie in seiner Gewalt und vermag sie unter seine Kontrolle zu stellen. Sie verstehen es, ihr Gesicht einzustellen, und die Szenen zu bestimmen, welche sie beobachten wollen, und die verschiedenen Gebiete des Astrallichtes zu unterscheiden. Bei den ersteren stellen sich blitzartige Gebilde im Meere des Astrallichtes ein; bei den letzteren sind die Visionen die treue Wiedergabe dessen, was wirklich war, ist oder sein wird. Die zufälligen Blitze, die sich bei dem Medium innerhalb des täuschenden Flimmerlichtes einstellen, werden unter dem leitenden Willen des Adepten und Sehers zu festumrissenen Bildern, der wahren Darstellung dessen, was in den Brennpunkt seiner Wahrnehmungen eintritt.
Heilige Wissenschaft. Eine Bezeichnung, die man den okkulten Wissenschaften im Allgemeinen gibt, von den Rosenkreuzern wird die Kabbala, und besonders die Hermetische Philosophie so genannt.
Hellhören. Die Fähigkeit — die entweder angeboren oder durch okkulte Übungen erworben ist — Dinge immer aus was für einer Entfernung zu hören.
Hellsehen. Die Fähigkeit mit innerem Gesicht oder geistigem Schauen wahrzunehmen. Wie man das Wort oft gebraucht, bildet es einen ungenauen und unbestimmten Ausdruck, der in seiner Bedeutung umfasst sowohl eine glückliche Ahnung, die aus natürlicher Anlage und Intuition stammt, wie auch die Fähigkeit, die in so bemerkenswerter Art Jacob Boehme und Swedenborg eigen war. Weil aber diese beiden großen Seher sich niemals höher erheben konnten als zu dem allgemeinen Geist der jüdischen Bibel und gewissen sektiererischen Lehren, haben sie das, was sie schauten, in Verwirrung gebracht. Sie sind oft weit vom wahren Hellsehen entfernt. Hermas. Ein alter griechischer Schriftsteller, von dessen Werken nur ein kleines Fragment sich erhalten hat.
Hierogrammatiker. Eine Bezeichnung, welche jenen ägyptischen Priestern gegeben worden ist, die mit dem Aufzeichnen und Lesen der heiligen und geheimen Urkunden beauftragt waren. Buchstäblich «die Schreiber der geheimen Urkunden». Sie waren die Unterweiser der Neophyten, welche für die Einweihung vorbereitet wur den.
Hierophant. Vom griechischen «hierophantes», wörtlich «der, welcher die heiligen Dinge auseinandersetzt»; eine Bezeichnung, welche den höchsten Adepten in den Tempeln des Altertums zukam, welche die Lehrer und Ausleger in den Mysterien waren, und die Initiatoren in die abschließenden großen Mysterien. Der Hierophant vertrat den Demiurgen und setzte bei der Einweihung die verschiedenen Erscheinungen der Schöpfung auseinander, die unter seiner Aufsicht dargestellt wurden. «Er war der einzige Ausleger der esoterischen Geheimnisse und Lehren. Einer uneingeweihten Person war es verboten, seinen Namen auszusprechen. Er saß im Osten und trug als das Sinnbild der Autorität eine goldene Kugel, vom Nacken herabhängend. Er wurde auch «Mystagogus» genannt. (Mackenzie, The Royal Masonic Cyclopaedia.)
Hillel. Ein bedeutender babylonischer Rabbi in dem Jahrhundert, das der christlichen Zeitrechnung vorangegangen ist. Er war der Begründer der Sekte der Pharisäer, und ein gelehrter und frommer Mann.
Hînayâna (sanskr.). Das «kleine Fahrzeug»; ein Schriftwerk und eine Schule der Buddhisten, die einen Gegensatz bilden zum «Mahäyäna», dem «großen Fahrzeug». Beide Schulen sind mystischer Art. Im exoterischen Sinn bedeutet es auch die niedrigste Form der Überwindung des Raumes.
Hölle. Ein Ausdruck, der von der skandinavischen Gottheit «Hela» herstammt, so wie das Wort «Ad» in der russischen und andern slawischen Sprachen, welche dasselbe ausdrückt, vom griechischen «Hades» abgeleitet ist. Der einzige Unterschied zwischen der skandinavischen kalten Hölle und der heißen Hölle der Christen liegt in ihren verschiedenen Temperaturen. Aber es ist der Gedanke dieser überheißen Region den Europäern nicht als etwas Ursprüngliches eigen; viele Völker haben die Vorstellung eines unterweltlichen Klimas, das in einer ähnlichen Art in die Mitte der Erde versetzt wird. Alle exoterischen Religionen — diejenigen der Brahmanen, Buddhisten, Zoroastrianer, Mohammedaner, Juden und anderer — stellen sich die Hölle heiß und finster vor, obgleich zuweilen eher anziehend als abschreckend. Die Idee einer heißen Hölle ist aus dem Missverständnis einer astronomischen Allegorie entstanden. Bei den Ägyptern wurde die Hölle ein Strafort nicht früher als unter der 17. oder 18. Dynastie, als Typhon aus einem Gott in einen Teufel verwandelt worden war. Aber wann auch immer diese schreckenerregende Vorstellung in die Gemüter der armen unwissenden Menge eingepflanzt worden sein mag, der Gedanke einer brennenden Hölle und darin verdammter Seelen ist rein ägyptisch. «Ra» (die Sonne) wurde der Herr des Feuerofens, in «Karr», der Hölle Pharaos, und die Sünder wurden mit Elend behaftet «in der Hitze des höllischen Feuers». «Ein Löwe war da», sagt Dr. Birch, «der das wütende Ungeheuer» genannt wurde. Andere beschreiben den Ort als den «bodenlosen Abgrund und den Feuersee, in welchen die Opfer geworfen werden» (vergl. Revelation). Das hebräische Wort «gaihinnom» (gehenna) hatte niemals wirklich die Bedeutung, welche ihm in der christlichen Orthodoxie gegeben wurde.
Homogenität. Von den griechischen Worten «homos» «dasselbe» und «genos» «Art». Das, was von gleicher Wesenheit im vollen Sinne des Wortes ist, ununterschieden in sich selbst, nicht zusammengesetzt, wie man sich das vom Golde vorstellte.
Hypnotismus. Eine Bezeichnung, welche Dr. Braid dem Vorgange gegeben hat, durch welchen ein Mensch von starker Willenskraft einen andern, der in dieser Beziehung schwächer ist, in eine Art von Trance versetzt; wenn dann der letztere in einen solchen Zustand versetzt ist, dann vermag ihm der Hypnotiseur irgendetwas zu suggerieren. Wenn dies nicht zu heilsamen Zwecken geschieht, so wird es von den Okkultisten als schwarze Magie oder Zauberei betrachtet. Es ist eine in moralischer und physischer Beziehung sehr gefährliche Praktik, da sie die Nervenkräfte beeinflusst.
Iamblichus. Ein großer Theosophist und Eingeweihter des dritten Jahrhunderts. Er schrieb vieles über verschiedene Arten von Dämonen, die durch Anrufung erscheinen können, doch sprach er sich ernst gegen solche Erscheinungen aus. Ihm war eine strenge Lebensführung, große Reinheit und Ernst eigen. Es wird von ihm angenommen, dass er sich zehn Ellen über den Erdboden erheben konnte, wie einige moderne Yogis und Medien.
Illusion. Im Okkultismus wird alles Endliche (wie das Weltall und alles in ihm Befindliche) als «Illusion» oder «mäyä» bezeichnet.
Individualität. Eine Bezeichnung, die man in der Theosophie und auch im Okkultismus dem menschlichen höheren Ich gibt. Man macht da den Unterschied zwischen dem unsterblichen und göttlichen und dem sterblichen menschlichen Ich, das vergeht. Das letztere oder die «Persönlichkeit» (persönliches Ich) überlebt den toten Körper nur für die Dauer des Käma löka: die Individualität jedoch für immer.
Initiierter. Vom Lateinischen «Initiatus». Die Bezeichnung für jemand, dem die Geheimnisse und Mysterien irgendwelcher Maurerei oder okkulten Strömung enthüllt worden sind. In Zeiten des Altertums wurden diejenigen so bezeichnet, welche eingeweiht worden waren in die geheimen Erkenntnisse durch die Hierophanten der Mysterien; in unseren neueren Zeiten diejenigen, welche durch die Adepten der mystischen Lehre eingeweiht werden, die ungeachtet des Fortschrittes der Zeitalter, doch nur in geringem Maße auf der Erde verbreitet ist.
Ishvara (sanskr.). Der «Herr» oder der persönliche Gott, der göttliche Geist im Menschen. Wörtlich «unabhängige» (souveräne) Existenz. Eine Bezeichnung, die man in Indien dem Shiva und anderen Göttern gibt. Shiva wird auch Ishvaradeva oder der «Unbedingte Gott» genannt.
Javidan Khirad (Pers.). Ein Werk mit moralischen Lehren.
Jhâna (Päli). Das Sanscrit-Wort «jnâna»; okkulte Weisheit.
Josephus, Flavius. Ein Geschichtsschreiber des ersten Jahrhunderts; ein hellenisierter Jude, der in Alexandrien gelebt hat, und in Rom gestorben ist. Es wird von Eusebius behauptet, dass er die sechzehn berühmten Zeilen über Christus geschrieben habe, die aber sehr wahrscheinlich von Eusebius selbst, dem großen Fälscher unter den Kirchenvätern, in die Schrift des Josephus eingefügt worden sind. Diese Stelle, durch die Josephus, obgleich er ein eifriger Jude war und als Jude gestorben ist, sich zu der Messiasschaft und zum göttlichen Ursprung des Jesus soll bekannt haben, wird nunmehr durch die meisten christlichen Bischöfe (Lardner unter Andern) für unecht erklärt; ebenso durch Paley. (Vergl. dessen «Evidences of Christianity). Durch Jahrhunderte hindurch galt sie als einer der schwerwiegendsten Beweise für die wirkliche Existenz von Jesus, dem Christus.
Jukabar Zivo. Eine gnostische Bezeichnung. Der «Heil der Äonen» im nazarenischen System. Er ist der Schöpfer (Ausstrahler) der sieben «heiligen Leben» (der sieben ersten Dhyän Chohans oder Erzengel, von denen ein jeder eine der Grundkräfte darstellt) und er wird selbst der dritte Logos genannt. In dem «Codex Nazarenus» wird er als «Stamm» und «Weinstock» in der Nahrung des Lebens genannt. Das ist übereinstimmend mit dem, was Christus (Chrestos) sagt: «Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Weingärtner (Joh. XV, 1). In der römisch-katholischen Kirche wird Christus als das «Haupt der Äonen» angesehen, wie auch Michael ist «derjenige, der ist wie Gott». Das war auch der Glaube der Gnostiker.
Kabbala (hebr.). «Die geheime Weisheit der hebräischen Rabbis des Mittelalters, die abstammt von älteren Geheimlehren über die göttlichen Urgründe und die Weltentwicklung, die nach der Zeit der babylonischen Gefangenschaft der Juden mit einer Theologie verbunden worden waren.» Alle Werke, welche von esoterischer Art sind, werden kabbalistisch genannt.
Kâmaloka. (sanskr.). Die halbmaterielle Welt, für die Sinneswahrnehmung subjektiv und unsichtbar, in welcher die entkörperten «Persönlichkeiten» sind, jene astralen Formen, die man Kamarupa nennt, und welche da erhalten bleiben, bis sie verschwinden durch die vollständige Erschöpfung der Wirkungen, welche von den Gedankenformen der niederen tierischen Leidenschaften und Wünsche ausgehen. Es ist dies der Hades der Griechen und das Amenti der Ägypter — das Land der stummen Schatten.
Kâma Rûpa (sanskr.). Metaphysisch und in der esoterischen Philosophie wird die subjektive Gestalt so genannt, welche durch die verstandesmäßigen und physischen Wünsche und Gedanken in Verbindung mit den stofflichen Dingen geschaffen wird; es kommt dies bei allen empfindenden Wesen vor. Es ist eine Form, welche den Tod des Körpers überlebt. Nach diesem Tode verbleiben auf der Erde drei von den «sieben Prinzipien» (oder man könnte auch sagen: Welten der Sinne und des Bewusstseins, in denen die menschliche instinktive und gedankliche Wesenheit ihre Tätigkeit entfaltet): der Körper, der Ätherleib und der Astralleib; die drei höheren Prinzipien, zu einer Einheit zusammengruppiert, gehen in den Zustand des Devahan über, in welchem das höhere Ich bleibt, bis die Stunde der Wiederverkörperung schlägt, und die Gedankenform der früheren Persönlichkeit verlassen ist in ihrer neuen Daseinsart. Da lebt die Nachform des Menschen ein Pflanzendasein fort, für eine Zeit, deren Dauer dem Grade von Materialität entspricht, in dem sie verlassen worden ist, und die sich nach dem letzten Leben des Verstorbenen bestimmt. Sobald sie der höheren Geistigkeit, und der physischen Sinne beraubt ist, also überlassen ihren eigenen sinnlosen Kräften, zerfällt sie langsam und teilt sich auf. Wenn sie aber in die irdische Sphäre zurückgezwungen wird, sei es durch die leidenschaftlichen Wünsche und Anrufungen der lebenden Freunde, sei es durch reguläre Praktiken der schwarzen Zauberei — die eine der schlimmsten Wirkungen der Mediumschaft ist —, können solche «Gespenster» für eine Zeit sich erhalten und das natürliche Leben ihres Körpers fortsetzen. Wenn auf diese Art das Käma Rüpa einmal sich gewöhnt hat zu lebenden Körpern zurückzukehren, wird es ein Vampyr, der die Lebenskräfte derjenigen aufzehrt, die sich mit ihm abgeben. In Indien nennt man solche Gedankenformen «pisächas» —; sie werden sehr gefürchtet.
Kapilavastu (sanskr.). Der Geburtsort des Buddha, auch die «gelbe Stadt» genannt, der Wohnsitz des Vaters von Gautama Buddha.
Kardec, Allan. Der angenommene Name des Begründers des französischen Spiritismus, dessen wirklicher Name Rivaille war. Er war es, der die im Trance gewonnenen Erfahrungen von Medien aufzeichnete und veröffentlichte, woraus dann eine «Philosophie» gemacht wurde, welche zwischen 1855 und 1870 eine gewisse Rolle spielte.
Karma (sanskr.). Im physischen Sinne: Handlung; im metaphysischen das Gesetz des Ausgleiches, das Gesetz der ethischen Verursachung. Nemesis ist es nur im Sinne von schlechtem Karma. Es ist das elfte Nidäna in der Verkettung von Ursachen und Wirkungen im orthodoxen Buddhismus; doch ist es die Macht, die alle Dinge kontrolliert, das Ergebnis des moralischen Handelns, die metaphysische Samskära, oder die moralische Wirkung einer Handlung, die wegen der Befriedigung eines persönlichen Wunsches begangen worden ist. Es gibt ein Karma des Verdienstes und ein Karma der Schuld. Doch bestraft Karma weder, noch belohnt es; es ist einfach das weltumfassende Gesetz, welches unbeugsam und, so zu sagen, blind, wie andere wirksame Gesetze gewisse Wirkungen ins Leben ruft, wenn ihre bezüglichen Ursachen vorhanden sind. Wenn der Buddhismus lehrt, dass «Karma jener moralische Kern ist (oder das Wesen), welcher allein den Tod überlebt und auch in der Umwandlung fortlebt» oder in der Wiederverkörperung, so ist damit nichts anderes gemeint, als dass von der Persönlichkeit nichts fortbesteht als die Ursachen, die durch sie hervorgebracht sind, jene Ursachen, welche unsterblich sind, die nicht ausgelöscht werden können aus dem Zusammenhange des Weltalls, bis ihre gesetzmäßigen Wirkungen eingetreten sind, und die nur mit diesen verschwinden. Und solche Ursachen, insofern sie durch die entsprechenden Wirkungen während des Lebens einer Person nicht zum Ausgleich gebracht werden, müssen das sich wiederverkörpernde Ich verfolgen, bis eine völlige Harmonie zwischen Ursachen und Wirkungen eingetreten ist. Nicht die «Persönlichkeit», welche weiter nichts ist als ein Bündel von materiellen Atomen und instinktmäßigen und gedanklichen Eigenschaften, kann natürlich eine Fortsetzung finden in der Welt des rein Geistigen. Nur dasjenige, was in seiner wahren Wesenheit unsterblich und göttlich ist, nämlich das Ich, kann immerwährend bestehen. Und wie es jenes Ich ist, welches sich die Persönlichkeit bestimmt, in die es nach jedem Dwahan einziehen will, und welches durch diese Persönlichkeit die Wirkungen empfängt, die es durch die karmischen Ursachen hervorgebracht hat, so ist es auch das Ich, das «Selbst», auf welches der «moralische Kern» sich bezieht, und in dem das Karma verkörpert ist, das also «den Tod überlebt».
Kaste. Ursprünglich das System von vier vererbbaren Klassen, in welche die indische Bevölkerung geteilt wurde: Brahmanen, Kshatriyas, Vaishyas und Shüdra. Die erste Kaste besteht aus Brahmas Nachkommen, die zweite aus Kriegern, die dritte aus Kaufleuten, die vierte, die niedrigste aus Ackerbauern. Aus diesen vier hat die Einteilung in hunderte von kleineren Kasten ihren Ursprung.
Kether (hebr.). «Die Krone, das höchste der zehn Sephiroth; das erste der übersinnlichen Dreiheit». Es ent spricht dem Macroprosopus, dem All-Enthaltenden oder Arikh Anpin, das sich gliedert in Chokmah und Binah.
Krishna (sanskr.). Die berühmteste Avatära des Vishnu, der «Erlöser» der Hindus und der volkstümlichste Gott. Es ist die achte Avatära, der Sohn der Devaki und Neffe von Kansha, dem indischen Helden, welcher, während ihn die Hirten suchten, welche ihn verborgen hielten, tausende ihrer neugeborenen Kinder tötete. Die Geschichte von Krishnas Empfängnis, Geburt und Kindheit ist das vollkommene Gegenbild der Erzählung des Neuen Testamentes. Die Missionare versuchten daher, zu zeigen, dass die Hindus die Geschichte entlehnt haben den Erzählungen, welche die Christen zu ihnen gebracht haben.
Kshetrajña, oder Kshetrajneshvara (sanskr.). Ein verkörperter Geist im Okkultismus, das bewusste Ich in seiner höchsten Kundgebung; das sich immer wieder verkörpernde Prinzip, oder «Gott in uns».
Kumâra (sanskr.). Ein jungfräulicher Knabe oder junger Zölibatär. Die ersten Kumäras waren die sieben Söhne des Brahmä, geboren aus den Gliedern des Gottes in der sogenannten «neunten» Schöpfung. Der Name wurde ihnen gegeben, weil sie sich weigerten, etwas zu «schaffen», was in ihrer Art ist, und so blieben sie, im Sinne der Legende, «dauernde Yogis».
Labro St. Ein römischer Heiliger, der vor Jahren feierlich selig gesprochen worden ist. Seine große Heiligkeit bestand in dem Sitzen in einem der Gärten Roms Tag und Nacht durch vierzig Jahre hindurch und im Verbleiben in ungewaschenem Zustande diese ganze Zeit; das Ergebnis war, dass er von dem eigenen Ungeziefer aufgefressen worden ist.
Langes Antlitz. Ein kabbalistischer Ausdruck; «Arikh Anpin» im Hebräischen; im Griechischen: Macroprosopos, was mit «kurzem Antlitz» einen Gegensatz bildet, oder dem «Zeir Anpin», dem Microprosopos. Das eine entspricht der Gottheit, das andere dem Menschen, dem «kleinen Abbild der großen Form».
Lao-Tze (chin.). Ein großer Weiser, Heiliger und Philosoph, der Zeitgenosse des Konfuzius war.
Linga-sharira (sanskr.). Der «Ätherleib», das ätherartige Gegenstück des Körpers. Der Ausdruck bedeutet «Doppelgänger». Er ist das «Eidolon» der Griechen, der lebendige und vorbildliche Körper, die Reflexion des fleischlichen Menschen. Er wird vor dem Menschen geboren und stirbt, oder löst sich auf mit dem Verschwinden des letzten Teiles des Körpers.
Logos (griech.). Die geoffenbarte Gottheit, wie jedes Volk sie hat; der äußere Ausdruck oder die Wirkung der Ursache, die immer verborgen bleibt. So vorgestellt ist der Logos der ausgesprochene Gedanke; daher, im metaphysischen Sinne, kann man den Ausdruck übersetzen durch «Wort».
Longinus, Dionysius Cassius. Ein berühmter Kritiker und Philosoph, geboren im Anfang des dritten Jahrhunderts (um 213 n. Chr.). Er war ein emsiger Arbeiter, und hörte zu Alexandrien die Vorträge des Ammonius Saccas, des Begründers des Neuplatonismus; er war aber eher ein Kritiker als ein Anhänger. Porphyrius (der Jude Malek oder Malchus) war sein Schüler, bevor er derjenige des Plotinus wurde. Man sagt von ihm, dass er eine lebendige Bibliothek und ein wandelndes Museum war. Gegen das Ende seines Lebens wurde er der Lehrer für griechische Literatur der Zenobia, der Königin von Palmyra. Sie belohnte seine Dienste damit, dass sie ihn vor dem Kaiser Aurelianus verklagte, indem sie angab, er sei ein Rebell gegen den letztern, ein Verbrechen, für das Longinus mit mehreren Andern durch den Kaiser im Jahre 273 zum Tode verurteilt wurde.
Makrokosmos. Das umfassende Weltall; wörtlich «die große Welt».
Magie. Die «große» Wissenschaft. In Übereinstimmung mit Deveria und anderen Orientalisten «ist Magie zu betrachten als die heilige Wissenschaft, welche von der Religion nicht zu trennen ist. So wird sie durch die ältesten und gebildetsten Völker angesehen. Die Ägypter z.B. waren eine streng religiöse Nation, wie es auch waren und noch sind die Hindus. «Magie besteht in dem Dienst der Götter und wird durch ihn erworben,» sagt Plato. Könnte ein Volk, das, wie durch unzweifelhafte Beweise in Schriften und Dokumenten sich zeigen lässt, tausende von Jahren an Magie geglaubt hat, durch eine so lange Zeit getäuscht worden sein? Oder ist es wahrscheinlich, dass Generationen auf Generationen von gelehrten und frommen Priesterschaften, unter denen viele zu Märtyrern wurden, zu Heiligen oder Asketen, sich selbst oder das Volk getäuscht haben könnten (oder auch nur das letztere), nur um des Vergnügens halber, den Glauben an «Wunder» fortzupflanzen? Es mag gesagt werden, sie waren Fanatiker, die alles taten für den Glauben an ihre Götter und Götzen. Darauf ist zu erwidern: In einem solchen Falle waren die Brahmanischen und ägyptischen «rekhget-amens» oder Hierophanten nicht; sie hätten nicht popularisiert den Glauben an die Gewalt des Menschen über die Kräfte der Götter durch magische Ausführungen; denn diese Götter sind in Wahrheit nur die verborgenen Gewalten der Natur, personifiziert durch die gelehrten Priester selbst, die in ihnen nur Attribute des Einen unbekannten und namenlosen Prinzipes sahen. Wie Proclus, der Platonist, es ausdrückt: «Als die alten Priester bemerkten, dass zwischen den Dingen der Natur eine gewisse Beziehung und eine Zusammenstimmung ist, und dass sich aus den Dingen verborgene Kräfte offenbaren, und dass alle Dinge ihre Grundlage im All haben: brachten sie eine heilige Wissenschaft zustande von der wechselweisen Zusammenstimmung und Ähnlichkeit ... und sie verwendeten für verborgene Zwecke sowohl die himmlischen wie die irdischen Wesenheiten, wodurch sie, gestützt auf eine gewisse Zusammenstimmung, die göttlichen Wesenheiten in ihren inneren Wohnungen aufsuchten.» Magie ist die Wissenschaft von der Art, wie man sich mit höheren, überweltlichen Kräften in Verbindung setzt, so gut wie jene, wodurch man die niederen Gebiete beherrscht; eine praktische Kenntnis der verborgenen Geheimnisse der Natur, die nur wenigen offenbar sind, weil man sie nur schwer erwirbt ohne in einen Fehler gegen die ewigen Gesetze zu verfallen. Alte und mittelalterliche Mystiker teilten Magie in drei Klassen: Theurgie, Goetie und Natürliche Magie. «Theurgie bestand lange, bevor sie ein besonderes Gebiet der Theosophisten und Metaphysiker bildete», sagt Kenneth Mackenzie. «Goätie ist schwarze Magie, und «natürlich® oder weiße Magie entstand mit der Heilkunde unter ihren Fittigen in der stolzen Lage eines exakten und fortschrittlichen Studiums.» Die Bemerkungen, die der verstorbene Theosoph hinzufügt, sind bemerkenswert: «Die realistischen Neigungen der modernen Zeit haben die Magie in Misskredit gebracht und sie der Lächerlichkeit preisgegeben ... der Glaube (an das eigene Selbst) ist ein wahres Element der Magie, und er existierte lange vor anderen Ideen, die seine Existenz voraussetzen. Man sagt, dass man sich zum Narren machen müsse, um für weise genommen zu werden; und die Ideen eines Menschen müssen bis zur Narrheit ausarten, das heißt, sein empfängliches Gehirn muss hinausgehen, weit über den niedern Stand der modernen Zivilisation, bevor er ein wahrer Magier werden kann, denn die Verfolgung seiner Wissenschaft macht eine gewisse Vereinsamung und ein Loskommen von dem Selbst notwendig.» Wahrhaftig, eine schr große Vereinsamung, deren Vollendung eine wunderbare Erscheinung, ein Wunder an sich selbst bedeutet. Zugleich ist Magie nicht etwas übernatürliches. Wie durch Jamblichus auseinandergesetzt, wird «sie, durch die heilige Theurgie, kündigen an, dass sie imstande sind, hinaufzudringen zu erhabenen und universellen Wesenheiten und zu dem, was über das Schicksal herrscht, das ist zu Gott und dem Welterbauer: weder indem sie einen Stoff gebrauchen, noch indem sie irgend andere Dinge in ihren Bereich ziehen, außer die Beobachtung des weisen Zeitmaßes.» Bereits beginnen Einige die Existenz feinerer Kräfte in der Welt zu erkennen, von denen sie vorher nichts gewusst haben. Aber es ist, Wie Dr. Carter Blake richtig bemerkt: «Das neunzehnte Jahrhundert ist nicht dasjenige, welches das Werden des Neuen beobachtet hat, noch die Erfüllung des Alten, in Methode und Gedanken»; wozu Mr. Bonwick hinzufügt, dass, «wenn auch die Alten wenig von unserer Methode der Untersuchung wussten über die Geheimnisse der Natur, wir wissen noch weniger von ihrer Forschungsmethode».
Magie, schwarze. Zauberei, Missbrauch von geheimen Kräften.
Magie, zeremonielle. Eine Magie, welche in Übereinstimmung mit kabbalistischen Riten ausgearbeitet worden ist, wie sie hervorgebracht wird von den Rosenkreuzern und anderen Mystikern durch Anrufung von geistigen Mächten, welche höher sind als der Mensch und durch Befehligen jener Elementarwesen, welche in der Reihe der Wesen tiefer stehen als dieser.
Magie, weiß. «Wohltätige Magie» wird die göttliche Magie genannt, welche alle Selbstsucht vermeidet, ebenso alles Streben nach Macht, allen Ehrgeiz und alle Besitzlust, und die einzig und allein bestrebt ist, das Gute für die Welt im Allgemeinen und die Nächsten im Besonderen zu tun. Der geringste Versuch, eine abnorme Macht zur Förderung des eigenen Selbst zu gebrauchen, macht diese Kräfte zur Zauberei und schwarzen Magie.
Mahâmanvantara (sanskr.). Das große Zwischenspiel zwischen den «Manus», die Periode der universellen Tätigkeit. Manvantara bedeutet einfach eine Periode von Tätigkeit, welche dem Pralaya, der Ruhe, entgegengesetzt ist — ohne Bezug auf die Länge des Zyklus.
Mahat (sanskr.). Buchstäblich das «Große Eine». Das erste Prinzip der universellen Intelligenz oder des Bewusstseins. In der «pauränischen Philosophie» bedeutet es das erste Produkt des Wurzelwesens oder «pradhäna» (gleichbedeutend mit mülaprakriti); der Hervorbringer von «manas», dem denkenden Prinzip, und von «ahankära», dem Egotismus, oder dem Erleben von «Ich bin Ich» im niedern Manas.
Mahâtmâ (sanskr.). Buchstäblich «große Seele». Ein Adept des höchsten Grades. Ein erhabenes Wesen, welches zur Bemeisterung der niederen Prinzipien gekommen ist; es ist daher unbehindert durch den «Menschen des Fleisches». Mahatmas sind im Besitz von Erkenntnis und Kräften, entsprechend dem Zustande, den sie in der Evolution erreicht haben. Im «Päli» heißen sie Arahats oder Rahats.
Mahâyâna (sanskr.). Eine Schule der Buddhistischen Philosophie; wörtlich das «große Fahrzeug». Ein durch Nägärjuna begründetes mystisches System. Seine Bücher sind im zweiten Jahrhundert n. Chr. geschrieben.
Manas (sanskr.). Wörtlich «Geist». Die geistige Fähigkeit, die aus einem Menschen ein intelligentes und moralisches Wesen macht und ihn von dem bloßen Tiere unterscheidet; es ist in gewisser Beziehung gleichbedeutend mit «mahat». Esoterisch jedoch bedeutet es, wenn es ohne weitere Bezeichnung auftritt, das höhere Ich oder das sich immer wieder verkörpernde Prinzip im Menschen. Mit einer besonderen Bezeichnung wird es bei den Theosophen Buddhi-Manas genannt, die spirituelle Seele, im Gegensatz zu deren menschlicher Spiegelung: Käma-Manas.
Mânasa-putra (sanskr.). Wörtlich «die Söhne des Geistes» oder die geistgeborenen Söhne; ein Name, der unseren höheren Egos gegeben wird für den Zustand, bevor sie sich in der Menschheit inkarniert haben. In der exoterischen, allegorischen und symbolischen Bedeutung der Puränas (der alten mythologischen Bücher der Hindf[u]s) ist es ein Titel, welcher den geistgeborenen Söhnen des Brahmä, den Kumäras, gegeben wird.
Manas-sûtrâtmâ (sanskr.). Zwei Worte, welche bedeuten: «Geist» (manas) und «Fadenseele» (sûtrâtmâ). Es ist gewissermaßen gleichbedeutend mit Ego oder dem, was sich wieder verkörpert. Es ist ein technischer Ausdruck der Vedanta-Philosophie.
Manas-Taijasa (sanskr.). Wörtlich, das «strahlende Manas»; ein Zustand des höheren Ich, den nur Personen mit höherer metaphysischer Begabung imstande sind, zu fassen und zu begreifen. Dasselbe wie «Buddhi-Taijasa», welches man vergleichen möge.
Mantras (sanskr.). Verse aus vedischen Büchern, die in Form von Gesängen und Formeln angewendet werden. Unter «mantras» werden alle Teile der Veden verstanden, welche verschieden sind von den Brähmanas oder ihren Erklärungen.
Manu (sanskr.). Der große indische Gesetzgeber. Der Name kommt von der Sanscritwurzel «man», welches «denken» bedeutet. «Man» wird in Wirklichkeit nur angewendet für Sväyambhuva, dem ersten der Manus, der ausging von Svayambhü, dem Schöpfer seiner selbst, welcher daher der Logos ist und der Schöpfer der Menschheit. Manu ist der erste Gesetzgeber — fast ein göttliches Wesen.
Manvantara (sanskr.). Eine Periode der Offenbarung, im Gegensatz zu Pralaya, Auflösung oder Ruhe; der Ausdruck wird für verschiedene Zyklen gebraucht, besonders für einen Tag des Brahmä — 4320000000 Sonnenjahre — und für die Regierung eines Manu — 308448000 Jahre. Wörtlich «Manu-antara» — «zwischen den Manus» (vergl. Secret Doctrine II, 68ff.).
Materialisationen. Im Spiritismus bezeichnet das Wort die objektive Erscheinung der sogenannten «Geister der Verstorbenen», welche sich gelegentlich im Stoffe wieder verkörpern, das heißt, sie bilden sich aus dem Materiale, das sie im Umkreis ihrer Umgebung oder in den Ausstrahlungen der Anwesenden finden, einen zeitweiligen Körper, der die menschliche Gestalt trägt, welche dem Verstorbenen im Leben eigen war. Theosophisten erkennen die Erscheinungen der «Materialisation» an, aber sie verwerfen die Theorie, dass sie durch «Geister» hervorgebracht würden, das ist durch die unsterblichen Prinzipien der entkörperten Personen. Theosophisten sind der Ansicht, dass, wenn Erscheinungen entstehen — was in selteneren Fällen Tatsache ist, als man gewöhnlich glaubt — sie hervorgebracht werden durch die «Larven», die «Schattenbilder» oder kämalokischen «Gespenster» der toten Persönlichkeiten. (Vergl. «Käma-loka» und «Käma-Rüpa».) Wie Käma-loka zum Bereich der Erde gehört und sich von dieser nur durch den Grad der Stoffdichtigkeit unterscheidet, wodurch es für das gewöhnliche Bewusstsein unwahrnehmbar ist, so ist die gelegentliche Erscheinung solcher Schatten etwas natürliches wie eine elektrische Kugel oder andere atmosphärische Erscheinungen. Elektrizität ist als ein Fluidum oder ein atomischer Stoff (denn Okkultisten glaubten mit Maxwell, dass sie atomisch ist) immer in der Luft vorhanden. Dieses Fluidum kann sich in verschiedenen Gestalten offenbaren, aber nur, wenn gewisse Bedingungen eintreten, unter denen es sich «materialisieren» kann. Dann geht es aus seiner eigenen Welt in die unsere über und wird objektiv. Ähnlich ist es mit den «Schatten» des Todes. Sie sind stets um uns herum, aber sie gehören einer andern Welt an, von der aus sie uns nicht besser wahrnehmen, als wir sie. Wenn aber die starken Wünsche der Lebenden und die abnorme Beschaffenheit der Medien als Bedingungen zusammenwirken, dann werden diese Schattenbilder angezogen, dadurch in unsere Welt hereingedrängt, und werden so objektiv. Das ist schwarze Zauberei; sie bringt den Toten nichts Gutes, und den Lebenden nur Leid, in Anbetracht der Tatsache, dass sie mit einem Gesetze der Natur in Widerstreit steht. Die gelegentliche Materialisation von «Astralleibern» oder Ätherdoppelleibern lebender Personen ist etwas ganz anderes. Diese «Astralerscheinungen» werden oft missverständlich als die Erscheinungen von Toten aufgefasst, während in chamäleonartiger Verwandlung unsere eigenen Elementarwesen in Verbindung mit denen der Entkörperten und der kosmischen Elementale oftmals die Gestalt jener Bilder annehmen, die in unseren Gedanken gegenwärtig sind. Kurz gesagt, bei den sogenannten «Materialisationssitzungen» ist das Angeführte da, dem das Medium dann seine besondere Gestalt gibt. Unabhängige Erscheinungen gehören zu einer anderen Art psychischer Vorkommnisse.
Materialist. Ein solcher ist nicht etwa nur derjenige, der an keinen Gott und keine Seele glaubt, sondern jeder, welcher das rein Geistige sich körperhaft vorstellt; derjenige, welcher an einen menschenähnlichen Gott glaubt, an eine Seele, die in einem höllischen Feuer brennen kann, an eine Hölle und an ein Paradies, welche besondere Orte, nicht Bewusstseinszustände sein sollen. Amerikanische «Substanzialisten», eine besondere Sekte, sind Materialisten, und auch viele, die sich Spiritualisten nennen.
Maya (sanskr.). Illusion; jene kosmische Kraft, welche die erscheinende Welt bewirkt und die Wahrnehmung davon ermöglicht. In der Hindu-Philosophie wird allein das, was wandellos und ewig ist, Wirklichkeit genannt; alles, was Gegenstand einer Veränderung ist durch Verfall und Vermannigfaltigung, und was daher Anfang und Ende hat, wird als Mäyä, als Illusion angesehen.
Mediumschaft. Ein Wort, das gegenwärtig für den abnormen psycho-physiologischen Zustand gebraucht wird, der eine Person dazu bringt, ihre Einbildungen von Bildern, Halluzinationen, die auf natürliche Art entstehen oder künstlich hervorgebracht werden, für Wirklichkeiten zu halten. Keine vollkommen gesunde Person in der physiologischen oder psychischen Welt kann Medium sein. Was das Medium sieht und fühlt, ist «wirklich», aber unwahr; es ist entweder hervorgebracht von der astralen Welt in einer täuschenden Art, oder es stammt aus reinen Halluzinationen, die keine wirkliche Existenz haben als nur für denjenigen, der sie wahrnimmt. «Mediumschaft» ist eine Art vulgarisierte «Vermittlerschaft», durch die ein mit dieser Fähigkeit Behafteter der Bote wird für den Verkehr eines lebenden mit einem abgeschiedenen «Geist». Es gibt regelmäßige Methoden für die Entwicklung dieser nicht wünschenswerten Fähigkeit.
Mercavah (hebr.). Ein Wagen. Die Kabbalisten sagen, dass das höchste Wesen, nachdem es die zehn Sephiroths gebildet hatte, die in ihrer Gesamtheit Adam Kadmon sind, oder der vorbildliche Mensch — diesen als einen Triumphwagen oder Thron gebrauchte, in dem es bis zu dem Menschen herabstieg.
Mesmerismus. Der Ausdruck knüpft an Mesmer an, der die dadurch bezeichnete magnetische Kraft und deren praktische Anwendung im Jahre 1775 wieder entdeckte, und zwar zu Wien. Es ist dies ein Lebensstrom, den eine Person auf die andere überführen kann, und durch den ein abnormer Zustand des Nervensystems herbeigeführt wird, der einen unmittelbaren Einfluss auf Gemüt und Willen des Subjekts oder der mesmerisierten Person bewirkt.
Metaphysik. Vom Griechischen «meta» = über, und «physica» = die Dinge der äußeren materiellen Welt. Es heißt den Geist außer Acht lassen und sich an den toten Buchstaben halten, wenn man übersetzt: «übernatürlich» oder supranatural, während es sich um das handelt, was über dem Sichtbaren liegt. Metaphysik, als Ontologie und Philosophie, ist die Bezeichnung für diejenige Wissenschaft, die von den wirklichen und dauernden Wesenheiten handelt im Gegensatz zu den unwirklichen, illusionären Erscheinungen.
Mikrokosmos. Die «kleine Welt», womit der Mensch gemeint ist, der erzeugt ist nach dem Bilde seines Schöpfers, des Makrokosmos, oder der «großen Welt», und der alles das enthält, was in dieser vorkommt. Diese Ausdrücke werden im Okkultismus und in der Theosophie gebraucht.
Mishnah (hebr.). Wörtlich: eine «Repetition», von dem Worte «shänäh», etwas mündlich Gesagtes wiederholen. Eine Summe von geschriebenen Wiedergaben von Überlieferungen der mündlichen Lehren der Juden und eine Sammlung von Schriften, auf denen der spätere Talmud beruht.
Moksha (sanskr.). Dasselbe wie «Nirväna», ein Zustand von Ruhe und Seligkeit der Seele nach dem Tode. Monade. Es ist dies die «Einheit», das «Eine»; doch wird der Ausdruck im Okkultismus oft für die geeinte Zweiheit, Atmä-Budhi, gebraucht, oder den unsterblichen Teil des Menschen, der in den niederen Reichen verkörpert ist, und der stufenweise seinen Weg aufwärts geht bis zum letzten Ziel, bis Nirväna.
Monas (griech.). Im pythagoreischen System strömt die Zweiheit von der höheren Monas aus, die so gedacht ‚ wird als die wahre Ursache.
Monogenes (griech.). Wörtlich: «der aus Einem Gewordene»; ein Name für Proserpina und andere Göttinnen und Götter, so auch für Jesus.
Mundaka Upanishad (sanskr.). Wörtlich: die «Mundaka Esoterische Lehre». Ein Werk des höchsten Altertums.
Mysterien. Die heiligen Mysterien wurden in den alten Tempeln durch die eingeweihten Hierophanten verrichtet, zu Gunsten und zur Belehrung der Kandidaten. Die feierlichsten und geheimsten waren sicherlich diejenigen, welche in Ägypten gehalten wurden durch die «Gemeinschaft der Geheimnis-Verwahrer», wie Bonwick die Hierophanten nennt. Maurice beschreibt deren Wesenheit in wenigen charakteristischen Linien. Indem er von den Mysterien vor Philae (der Nil-Insel) spricht, sagt er: Es war in diesen düstern Höhlen, wo das große mystische Arcanum der Göttin (Isis) den verehrenden Jüngern entfaltet wurde, während der feierliche Hymnus der Einweihung durch die langen Räume dieser steinernen Gänge erklang.» Das Wort Mysterium ist abgeleitet vom Griechischen «muö», den Mund schließen, und jedes Sinnbild, das damit verbunden war, hatte eine verborgene Bedeutung. Wie Plato und viele andere Weise des Altertums sagen, waren diese Mysterien eine hohe Schule der Religion, Moral und Ethik. Die griechischen Mysterien, diejenigen der Ceres und des Bacchus, waren nur Nachahmungen der ägyptischen und der Verfasser von «Egyptian Relief and Modern Thought» unterrichtet uns davon, dass unser eigenes Wort «Kapelle» bedeutet «caph-el» oder die Schule von «el», der Sonnengottheit. Die wohlbekannten Kabiren hängen mit den Mysterien zusammen.
In Kürze: Die Mysterien waren in jeder Gegend eine Reihe dramatischer Darstellungen, in denen die Geheimnisse der Kosmogonie und der Natur im allgemeinen durch die Priester und Neophyten verpersönlicht wurden, welche Teile verschiedener Götter und Göttinnen vorbrachten durch Vorführung von Szenen (Bildern) aus deren Leben. Diese wurden auseinandergesetzt in ihrer verborgenen Bedeutung den Zöglingen der Einweihung und der philosophischen Lehren.
Mysterien-Sprache. Der heilige, geheime «Sprachgebrauch» der eingeweihten Priester, der nur angewendet wurde, wenn heilige Dinge besprochen wurden. Jedes Volk hatte seine eigene Mysterien-Sprache, die allen denen unbekannt war, welche nicht zu den Mysterien zugelassen wurden.
Mystiker. Vom griechischen Worte «mysticos», das war einer, der zu den Mysterien zugelassen wurde; in unseren Zeiten bedeutet es einen solchen, der Mystik ausübt, der von mystischen, übersinnlichen Gesichtspunkten ausgeht etc.
Mystik. Jede Lehre, die das Mystische und Metaphysische umschließt, und die in ideelleren Worten als die gebräuchlichen sind, die Tatsachen der Welt zum Ausdruck bringt.
Nazarenischer Codex. Die Schriften der Nazarener und auch der Nabathäer. Gemäß verschiedenen Kirchenvätern, wie Hieronymus und Epiphanius, verstand man darunter ketzerische Lehren; in der Tat aber gehörten sie zu den verschiedenen gnostischen Lehren über Kosmogonie und Theogonie, die von verschiedenen Sekten hervorgebracht wurden.
Nekromantik. Die Auferweckung der Bilder der Toten; im Altertum und auch von den Okkultisten als eine Art schwarzer Magie betrachtet. Jamblichus, Porphyrius und andere Theurgisten verwerfen die Ausübung nicht weniger als Moses, welcher die «Hexen» seinerzeit zum Tode verurteilte; diese «Hexen» waren oft nichts als Medien, z.B. die Hexen von Endor und Samuel.
Neuplatoniker. Eine Philosophenschule, welche im zweiten und dritten Jahrhundert n. Chr. ihre Höhe erreichte und durch Ammonius Saccas von Alexandrien begründet worden ist. Man bezeichnet sie auch als Philalethen und Analogisten; auch als Theurgisten und mit noch anderen Namen werden sie bezeichnet. Sie waren die Theosophisten der früheren Jahrhunderte. Neuplatonismus ist platonische Philosophie bereichert um die Ekstase, göttliche Räja Yoga.
Nephesh (hebr.). «Lebensatem», tierische Seele. Der Ausdruck wird mit sehr wenig Genauigkeit in der Bibel gebraucht. Er bezeichnet im allgemeinen Präna, «Leben»; in der Kabbala bezeichnet er die tierischen Leidenschaften, das Tierisch-Seelische. In Übereinstimmung mit theosophischen Lehren gebracht, kann er für das pranakamische Prinzip oder die lebendige Seele im Menschen gebraucht werden.
Nirmânakâya (sanskr.). Dieser Ausdruck bezeichnet esoterisch etwas ganz anderes, als was man nach gebräuchlicher Meinung oder im Sinne der Phantasien der Orientalisten sich vorstellt. Einige nennen «Nirmana Kâya» = das Nirvana mit Erinnerung (Schlagintweit), wahrscheinlich auf die Vermutung hin, dass er eine Art Nirvanazustand ist, während dessen das Bewusstsein und die Form erhalten sind. Andere sagen, dass er eine Art von «trikäya» (drei Körper) sei, mit der Kraft, sich eine Erscheinungs-Form zu geben, gemäß dem traditionellen Buddhismus (Eitels Idee); auch wird gesagt, er sei «verkörperte avatära einer Gottheit». — Der Okkultismus aber sagt («Stimme der Stille»), dass «Nirmanakâya» ein Zustand sei, obgleich er wörtlich einen Körper ausdrückt. Er ist die Form eines Adepten oder Yogi, welcher diesen Zustand nach dem Tode wählt, um nicht «Dharmakâya» zu werden oder in den absoluten Nirvana-Zustand einzutreten. Er tut dies, weil der letztere «Kâya» ihn für immer von der Welt der Form befreit, indem über ihn ein Zustand von selbstischer Seligkeit kommt, an dem kein anderes lebendes Wesen teilnehmen kann, und der Adept so ausgeschlossen wäre von der Möglichkeit, der Menschheit oder selbst Göttern zu helfen. Als ein «Nirmanakäya» wirft der Adept nur den physischen Leib ab und behält alle anderen «Prinzipien», außer dem kamischen, denn er hat dieses für immer aus seiner Natur während des Lebens ausgetilgt, und es kann nach seinem Tode nicht mehr sich geltend machen. So geht er, anstatt in den Zustand selbstischer Seligkeit, freiwillig in ein Leben der Selbstaufopferung ein, das ist ein Dasein, welches erst mit dem Lebenszyklus endet und ihn befähigt, der Menschheit zu helfen in einer unsichtbaren, darum aber nicht unwirksamen Weise. (Vergl. Stimme der Stille, dritte Abteilung, «die sieben Tore».) So ist nicht, wie zuweilen geglaubt wird, ein «Nirmanakâya» der Körper, in dem ein Buddha oder Bodhisattva auf Erden erscheint, sondern in Wahrheit, ob ein «Chutuktu» oder ein «Khubilkhan», es ist einer, der ein Adept oder ein Yogi während des Lebens war und seither ein Mitglied jener unsichtbaren Schar geworden ist, welche beschützt und bewacht die Menschheit innerhalb der karmischen Grenzen. Irrtümlich sieht man in diesen Wesen oft «Geister» oder Dewas, die Gottheit selbst usw., doch ist ein Nirmanakâya immer ein beschützender, mitleidsvoller, behütender Engel für denjenigen, der seiner wert ist. Was immer gegen diese Lehre vorgebracht werden mag, wie immer man sie ableugnen mag, weil sie in der Tat in Europa bisher nicht zu einer öffentlichen gemacht worden ist und daher den Orientalisten unbekannt ist, ja von ihnen als «Mythe der modernen Erfindung» bezeichnet wird: es wird niemand kühn genug sein, zu sagen, dass diese Idee, der leidenden Menschheit zu helfen um den Preis eines unbegrenzten Selbstopfers, nicht eine der größten und edelsten sei, welche je in einem menschlichen Gehirn entsprungen sind.
Nirväna (sanskr.). Gemäß den Anschauungen der Orientalisten das «Verwehen» oder «Auslöschen» gleich der Flamme einer Kerze, die völlige Vernichtung des Daseins. In esoterischer Auffassung ist es jedoch der Zustand absoluten Daseins und absoluten Bewusstseins, in dem sich das Ich eines Menschen, welcher den höchsten Grad von Vollkommenheit und Heiligkeit während des Lebens erreicht hat, nach dem Tode des Körpers befindet, oder ausnahmsweise, wie bei Gautama Buddha und anderen, auch noch während des Lebens.
Nirvâni (sanskr.). Einer, der «Nirvâna» erreicht hat, eine befreite Seele. In dieser Beziehung ist mit Nirvâna etwas gemeint, was sehr verschieden ist von den kindlichen Vorstellungen der Orientalisten. Es wird das jeder Gelehrte gewahr, der Indien, China oder Japan besucht hat. Es heißt: «entstiegen dem Elend», aber nur demjenigen des Stoffes, frei von «Klesâ» oder «Kâma», und die vollständige Auslöschung der tierischen Wünsche. Wenn gesagt wird, dass Abhidhamma das Nirvâna als einen «Zustand vollständiger Auslöschung» bezeichne, ist darauf zu erwidern, dass zu dem letzteren Worte noch beizufügen ist, «in Bezug auf jegliches Ding, das einen Zusammenhang hat mit dem Stoffe oder der physischen Welt; und dies einfach aus dem Grunde, weil die letztere (und alles in ihr Befindliche) Illusion oder «Mâjâ» ist. Shâkyamuni Buddha sagte in den letzten Augenblicken seines Lebens: «der spirituelle Körper ist unsterblich.» Eitel, der gelehrte Sinologe, drückt dies so aus: «Die volkstümliche exoterische Meinung erklärt Nirväna negativ als einen Zustand vollständiger Ausschließung von dem Kreis der Verwandlungen, als einen Zustand völliger Freiheit von allen Formen des Daseins, der beginnt mit der Freiheit von aller Leidenschaft und Betätigung; einen Zustand von Gleichmütigkeit gegenüber aller Empfindlichkeit», — und man könnte hinzufügen: «der Abtötung alles Zusammenhanges mit der leiderfüllten Welt.» Und darum steht der Bodhisattva, der den Nirmânakâya dem Dharmakâya vorzieht, in der volkstümlichen Schätzung höher als die Nirvanis. Aber derselbe Gelehrte fügt hinzu: «positiv (oder esoterisch) wird Nirvâna als der höchste Zustand geistiger Seligkeit gedacht, als absolute Unsterblichkeit durch Sichzurückziehen der Seele (besser des Geistes) in sich selbst, sodass nur die Individualität bewahrt wird, sodass Buddhas, nachdem sie in Nirvâna eingetreten sind, auf Erden (in einer künftigen Manvantara) wieder erscheinen können.»
Noumenon (griech.). Das wahre Wesen eines Dinges zum Unterschied von dem täuschungsvollen Gegenstand der Sinne.
Nous (griech.). Ein platonischer Ausdruck für die höhere Seele. Es bedeutet «Geist», im Unterschiede von der tierischen Seele, «Psyche»; das göttliche Bewusstsein oder den Geist im Menschen. Der Name ist von den Gnostikern angenommen worden für ihr erstes bewusstes «aeon», welches, wie bei den Okkultisten, der dritte Logos ist, im kosmischen Sinne, und das «dritte Prinzip» (von oben), oder Manas im Menschen.
Nout (egypt.). Im ägyptischen Pantheon bezeichnet dies das «Eine, außer dem kein anderes ist», weil man, im Sinne der volkstümlichen oder exoterischen Religion, nicht höher aufsteigen soll als zur dritten Offenbarung, [die] aus dem Unerkennbaren ausstrahlt, dem Unbekannten [der] esoterischen Philosophie eines jeden Volkes. Der «Nous» des Anaxagoras war das «Maliat» der Hindus — Brahma, die erste offenbare Gottheit, «der Seelengeist, der sich selbst hervorbringt.» Dieses schöpferische Prinzip ist der «erste Beweger» für alles, was sich im Weltall vorfindet, dessen Seele und Ideation.
Okkultismus (Okkulte Wissenschaften). Die Wissenschaft von den Geheimnissen der Natur im physischen und psychischen, intellektuellen und spirituellen Sinne. Man nennt sie auch hermetische oder esoterische Wissenschaft. Im Westen könnte man von «Kabbala» sprechen; im Osten von Mystik, Magie und Yoga-Philosophie. In Indien wird die letztere Bezeichnung von den Cheläs auf die «siebente Erkenntnisstufe (darshana)» oder philosophische Schule bezogen, während der profanen Welt nur sechs darshanas bekannt sind. Diese Wissenschaften sind, und das gilt für alle Zeitalter, dem Profanen verborgen, aus dem sehr guten Grunde, dass, wenn sie von den in Selbstsucht lebenden Klassen gekannt wären, sie im Selbst-Interesse verwendet würden. Dadurch würde sich die göttliche Weisheit in schwarze Magie verkehren, abgesehen davon, dass der Ungebildete sie nicht verstehen würde. Es ist oft als eine Anklage gegen die esoterische Philosophie der Kabbala vorgebracht worden, dass ihre Literatur erfüllt wäre von «barbarischen und unverständlichen» Ausdrucksweisen, welche dem gewöhnlichen Verständnis unbegreiflich bleiben. Aber lässt sich nicht von «exakten» Wissenschaften — Medizin, Physiologie, Chemie u.a. — das gleiche sagen? Hüllen nicht die offiziellen Wissenschaftsträger ihre Tatsachen und Entdeckungen in eine verborgene und zumeist barbarische griechisch-lateinische Ausdrucksweise? Mit Recht wird von Kenneth Mackenzie bemerkt: «Zu verbergen in Worten, wenn die Tatsachen so einfach sind, ist die Kunst der Wissenschaftträger in der Gegenwart, im schlagenden Gegensatz zu jenen des siebzehnten Jahrhunderts, welche Spaten «Spaten» nannten und nicht «Ackerbauwerkzeuge.» Dazu kommt, dass solche Dinge in ihrer Einfachheit begreiflich sein würden, wenn man von ihnen in gewöhnlicher Sprache spräche, während die okkulten Tatsachen von so abstruser Wesenheit sind, dass in den meisten Fällen in den europäischen Sprachen für sie keine Worte existieren. Zuletzt ist der okkulte «Jargon» eine doppelte Notwendigkeit: a) diese Tatsachen klar zu beschreiben einem, welcher mit der okkulten Ausdrucksweise vertraut ist, und b) sie zu bewahren vor der profanen Menge. Okkultist. Einer, der Okkultismus treibt, ein Adept in okkulten Wissenschaften; der Ausdruck wird aber sehr oft für einen bloßen Studenten angewendet.
Okkulte Welt. Der Name, den A. P. Sinnett dem ersten Buche über «Theosophie» gab, in dem er deren Geschichte und gewisse ihrer Lehren behandelte. (Sinnett war damals Herausgeber der führenden indischen Zeitung, des «Pioneer», zu Allahabad.)
Olympiodorus. Der letzte der berühmten und gefeierten Neuplatoniker in der Schule von Alexandrien. Er lebte im sechsten Jahrhundert unter dem Kaiser Justinian. Doch gab es mehrere Schriftsteller und Philosophen dieses Namens in vor- und nachchristlichen Zeiten. Einer von diesen war der Lehrer des Proclus, ein anderer ein Geschichtsschreiber des achten Jahrhunderts usw.
Origenes. Ein christlicher Kirchenvater, geboren am Ende des zweiten Jahrhunderts, wahrscheinlich in Afrika, von dem wenig, wenn überhaupt etwas, bekannt ist, außer seinen biographischen Fragmenten, welche der Nachwelt unter der Autorität des Eusebius überliefert sind, des unermüdlichsten Fälschers, der jemals in einem Zeitalter gelebt hat. Er soll einige hundert Briefe des Origines (Origines Adamantius) gesammelt haben, die nun verloren sein sollen. Für Theosophisten ist das interessanteste von allen Werken des Origenes seine «Doktrin der Praeexistenz der Seele.» Er war ein Schüler des Ammonius Saccas und lange Zeit Zuhörer der Vorträge dieses großen Lehrers und Philosophen.
Panaenus. Ein platonischer Philosoph aus der alexandrinischen Schule der Philalethen.
Pandora. Im Sinne der griechischen Philosophie das erste Weib der Erde, geschaffen durch Vulcan aus Ton, um Prometheus zu täuschen und seinen Gaben an die Sterblichen Hindernisse zu bieten. Ein jeder Gott hatte ihr ein Geschenk mit irgend einer Fähigkeit gemacht; sie sollte dies alles in einer Büchse dem Prometheus bringen, welcher, mit Vorgesicht begabt, sie wegschickte, indem er die Gaben in Böses verwandelte. Als dann sein Bruder Epimetheus, der sie nachher heiratete, die Büchse öffnete, strömten alle die Übel von ihr auf die Menschheit und sind seither in der Welt verblieben.
Pantheist. Derjenige, welcher Gott mit der Natur und diese mit Gott gleichsetzt. Da wir das Göttliche als ein unendliches und allmächtiges Prinzip zu betrachten haben, so kann anderes kaum gedacht werden, als dass die Natur der physische Ausdruck der Gottheit ist oder deren Körper.
Parabrahman (sanskr.). Ein Vedanta-Ausdruck für «Über-Brahmâ.» Das höchste und erhabenste Prinzip, unpersönlich und namenlos. Im «Veda» wird es als «Dieses» bezeichnet.
Parinirvâna. In der buddhistischen Philosophie die höchste Form des Nirvâna, über dem letztern. Parsis. Die gegenwärtigen persischen Bekenner des Zoroaster, die nun in Indien wohnen, besonders in Bombay und Gujerat; Sonnen- und Feuerverehrer. Eine sehr geschätzte und intelligente Gemeinschaft in jener Gegend, die im allgemeinen Handel treibt. Es sind ihrer 50000 bis 60000 in Indien, wo sie einige tausend Jahre wohnen.
Persönlichkeit. Die okkulten Lehren teilen den Menschen in drei Aspekte, den göttlichen, den denkenden oder rationalen, und den irrationalen oder tierischen Menschen. Er wird für metaphysische Zwecke auch in sieben Glieder geteilt, wie das in der Theosophie zu geschehen pflegt. Man sagt auch, er sei aus sieben «Prinzipien» zusammengesetzt, drei von ihnen bilden den höheren Menschen, die höhere «Triade», und die anderen vier die «Quarternität.» In der letzteren befindet sich die Persönlichkeit, welche alle charakteristischen Eigenschaften eines jeden physischen Lebens umfasst, mit Einschluss von Gedächtnis und Bewusstsein. Die Individualität ist das höhere Ich (Manas) der Dreiheit, die dabei als eine Einheit betrachtet wird. Mit anderen Worten, die Individualität ist unser unvergängliches Ich, welches von Inkarnation zu Inkarnation geht und sich jedes Mal in eine neue Persönlichkeit kleidet.
Phallus-Dienst. Geschlechts-Dienst; Anbetung und Verehrung, die jenen Göttern und Göttinnen bezeugt werden, welche, wie Shiva und Durgä in Indien, die beiden Geschlechter repräsentieren. Philadelphier. Wörtlich «diejenigen, welche ihre Menschen-Brüder lieben.» Eine Sekte des siebzehnten Jahrhunderts begründet durch Jane Lead. Sie widerstrebten allen Riten, Zeremonien und Formen der Kirche, und auch der Kirche selbst, und bekannten, von einer inneren Gottheit in Seele und Geist geführt zu werden. Ihr eigenes Ich oder Gott in demselben nannten sie ihren Führer.
Philalethen. Vergleiche Neuplatoniker.
Philo der Jude. Ein hellenisierter Jude in Alexandrien, berühmter Geschichtsschreiber und Philosoph des ersten Jahrhunderts; geboren ungefähr im Jahre 30 v. Chr. und gestorben zwischen 45 und 50 n. Chr. Philos Symbolik der Bibel ist schr bemerkenswert. Die Tiere, Vögel, Reptilien, Bäume und die erwähnten Orte sind alle, wie er behauptet, «Allegorien von Seelenzuständen, Fähigkeiten, Anlagen und Leidenschaften. Die nützlichen Pflanzen seien Allegorien von Tugenden, die Giftgewächse von Neigungen der Unweisen, und ein gleiches gelte für die Mineralien; durch Ströme und Quellen, durch Felder und Häuser. Durch Metalle, Substanzen, Waffen, Kleider, Ornamente, Verzierungen werden der Körper und seine Teile, die Geschlechter und unsere äußeren Lebensbedingungen bezeichnet». (Dict. Christ. Biog.) All das wären Belege dafür, dass Philo mit der alten Kabbala bekannt war.
Philosophischer Stein. Ein Ausdruck in der Alchemie; man nennt so auch die «Kraft der Projektion», ein geheimnisvolles «Prinzip», welches die Kraft hat, die Metalle in Gold zu verwandeln. In der Theosophie symbolisiert er die Verwandlung der niederen Natur des Menschen in die höhere, göttliche.
Phren. Ein pythagoreischer Ausdruck für Käma-Manas, das noch überschattet ist von Buddhi-Manas.
Plan. Vom lateinischen «planus» (Blatt, Lage), eine Ausdehnung des Raumes, entweder im physischen oder metaphysischen Sinn. Im Okkultismus bedeutet es die Ordnung oder Ausdehnung eines Bewusstseinszustandes, oder den Zustand des Stoffes in Übereinstimmung mit den entsprechenden Kräften einer besonderen Art der Sinne; oder die Wirkung besonderer Kraftformen.
Planeten-Geister. Beherrscher und Lenker der Planeten. Planetarische Götter.
Plastisch. Im Okkultismus wird so die Wesenheit des Astralleibes oder der «Bildseele» bezeichnet.
Pleroma: «Fülle»; ein gnostischer Ausdruck, welcher auch von Paulus gebraucht wird. Göttliche Welt oder die Wohnung der Götter. Weltenraum, der in überirdische «Äonen» geteilt wird.
Plotinus. Ein hervorragender neuplatonischer Philosoph des dritten Jahrhunderts, ein bedeutender praktischer Mystiker, der durch seine Befähigungen und durch seine Gelehrsamkeit berühmt geworden ist. Er vertrat eine Lehre, welche mit derjenigen der Vedantisten übereinstimmt, namentlich, dass die Geist-Seele von dem einen göttlichen Prinzip ausfließe und nach ihrer irdischen Pilgerschaft wieder zu ihm zurückkehre.
Porphyrius. Sein wirklicher Name war Malek, was dazu führte, dass er als Jude angesehen wurde. Er kam aus Tyrus, und nachdem er zuerst bei Longinus, dem bedeutenden philosophischen Kritiker, studiert hatte, wurde er zu Rom der Schüler des Plotin. Er war Neuplatoniker und ausgezeichneter Schriftsteller, besonders berühmt durch seine Kontroverse mit Jamblichus, in Ansehung der schlimmen Seiten praktischer Theurgie, doch hatte er sich zuletzt zu den Anschauungen seines Gegners bekehrt. Ein durch die Natur zum Mystiker bestimmter, folgte er, gleich seinem Lehrer Plotin, dem reinen indischen Yoga-System, das durch Übung zur Vereinigung der Seele mit der All-Seele der Welt führt, und des Menschen mit seinem göttlichen Selbst, Budhi-Manas. Er bekennt, dass er, trotz aller Anstrengungen, den höchsten Zustand der Ekstase nur einmal erreichte, und dies, als er schon siebzig Jahre alt war, während sein Lehrer Plotin diese höchste Seligkeit sechsmal in seinem Leben erreicht hatte.
Pot Amun. Ein koptischer Ausdruck, der bedeutet: «geheiligt dem Gott Amun,» dem Gott der Weisheit. Ein Name für einen ägyptischen Priester und Okkultisten unter den Ptolemäern.
Prajnâ (sanskr.). Ein Ausdruck für das «Weltdenken», gleichbedeutend mit «Mahat». Pralaya (sanskr.). Auflösung, das Gegenteil von «Manvantara», das Dasein während einer Ruheperiode, während die letztere eine Zeit voller Tätigkeit für einen Planeten oder auch für das ganze Weltall bezeichnet.
Prana (sanskr.). Lebensprinzip, Lebensatem, «Nephesh».
Proteïsche Seele. Ein Name für «Mäyävi-rüpa» oder den Gedanken-Körper, die höhere Astralform, die alle Formen annimmt, die sie nach dem Willen eines Adepten annehmen soll.
Psychismus. Dies Wort wird gegenwärtig gebraucht, um alle Arten von geistigen Phänomenen zu bezeichnen, ebensowohl diejenigen, welche durch Mediumschaft erzeugt werden, wie auch die von höherer Empfindungsfähigkeit herrührenden. Es ist ein neu geprägtes Wort.
Pythagoras. Der berühmteste griechische mystische Philosoph, geboren zu Samos ungefähr 586 v. Chr. Er lehrte das heliozentrische Weltsystem, die Reinkarnation, die höchsten mathematischen und metaphysischen Wahrheiten, und hatte eine weltberühmte Schule.
Quaternität. Die vier niederen «Prinzipien» im Menschen, welche die Persönlichkeit zusammensetzen (Körper, Ätherkörper, Astralkörper und niederer Manas oder «Gehirn- geist»), zum Unterschiede von der höheren Seele, dem Geiste und dem Atman (dem höheren Selbst).
Reinkarnation oder Wiedergeburt; die einzige allgemeine Lehre, welche zeigt, dass das «Ich» auf dieser Erde wiederholt geboren wird. Gegenwärtig wird sie von den Christen geleugnet, die dadurch sich einer missverständlichen Auffassung ihrer eigenen Evangelien hingeben. Aber es ist der Eintritt der höheren Menschenseele in das Fleisch im Verfolg langer Zeitläufte in der Bibel ebenso gelehrt, wie in allen anderen alten Schriften, und die «Auferstehung» bedeutet nur die Wiedergeburt in einer andern Form.
Reuchlin, Johann. Ein großer deutscher Philosoph und Philologe, Kabbalist und Gelehrter. Er ist geboren zu Pforzheim 1455 und war in seiner Jugend Diplomat. Er erhielt dann das höchste Amt bei dem Gerichte in Tübingen, wo er elf Jahre verblieb. Er war der Lehrer Melanchtons und wurde von der Geistlichkeit verfolgt wegen seiner Verherrlichung der Kabbala; zugleich nannte man ihn den «Vater der Reformation». Er starb 1522, in großer Armut, dem allgemeinen Schicksal aller, die sich in jener Zeit gegen den Buchstaben der Kirche auflehnten.
Samâdhi (sanskr.). Der in Indien gebräuchliche Name für spirituelle Ekstase. Es ist ein Zustand von vollkommenem Trance, der mit den Mitteln der mystischen Konzentration erreicht wird.
Samkhâra (Pâli). Einer von den fünf buddhistischen «Skandhas» oder Eigenschaften. «Strebungen des Geistes».
Samma Sambudha (Päli). Die plötzliche Erinnerung an eine vergangene Verkörperung, eine Erscheinung im Gedächtnis, welche durch Yoga erreicht wird. Ein buddhistischer Ausdruck.
Samothrake. Eine Insel im griechischen Archipel, in alten Zeiten durch seine Mysterien berühmt, die in seinen Tempeln heimisch waren. Diese Mysterien waren weltberühmt.
Samyuttaka Nikaya (Pâli). Eines von den buddhistischen «Sûtras».
Sannâ. Einer von den fünf «Skandhas» oder Merkmalen; bezeichnet die «abstrakten Ideen».
Selbst. Es gibt zwei «Selbst» im Menschen, — das höhere und das niedere, das unpersönliche und das persönliche Selbst. Eines ist göttlich, das andere halbtierisch. Zwischen beiden sollte scharf unterschieden werden.
Sephiroth. Ein hebräischer Ausdruck für die zehn Ausströmungen des Ain-Suph, des unpersönlichen, allgemeinen Prinzips oder der Gottheit.
Sitzung (Séance). Ein Ausdruck, der gegenwärtig gebraucht wird für eine Sitzung mit einem Medium, um verschiedene Phänomene hervorzubringen. Man gebraucht ihn hauptsächlich bei Spiritisten.
Skandhas. Die Merkmale einer jeden Persönlichkeit, die nach dem Tode die Grundlage liefern für eine neue Verkörperung. Es gibt deren im gewöhnlichen exoterischen Lehrsystem der Buddhisten fünf. Sie sind: Râpa, die Form des Körpers, welche seine magnetischen Atome und verborgenen Fähigkeiten bildet; Vedanâ, die Empfindungsfähigkeit, die in ähnlichem besteht; Sana, oder die abstrakten Ideen, welche die aus einer Inkarnation zur anderen wirkende Kräfte sind; Samkhara, die Strebungen des Geistes; und Vinnâna, die geistigen Kräfte.
Sommerland. Der phantastische Name, den die Spiritualisten dem Wohnsitz ihrer entkörperten «Geister» geben, die sie irgendwohin in die Milchstraße versetzen. Es wird auf die Autorität der zurückgekehrten «Geister» hin beschrieben als ein liebliches Land mit schönen Städten und Gebäuden, einem Versammlungssaal, Museen usw. usw. (Siehe die Bücher von Andrew Jackson Davis).
Somnambulismus. «Schlafwachen.» Ein psycho-physischer Zustand, der zu bekannt ist, als dass er einer weiteren Erklärung bedürfte.
Spiritismus. Dasselbe wie Spiritualismus, nur mit dem Unterschiede, dass die Spiritualisten zumeist die Lehre der Reinkarnation einmütig verwerfen, während die Spiritisten sie zur Grundlage ihres Glaubens machen. Es ist überdies ein großer Unterschied zwischen den letztern und den philosophischen Lehren der östlichen Okkultisten. Die Spiritisten gehören zu der französischen Schule, welche Allan Kardec begründet hat, und die Spiritualisten von Amerika und England zu jener der «Fox girls», welche ihre Theorien von Rochester in den Vereinigten Staaten aus in die Welt setzten. Theosophisten verwerfen die Ideen der «Geister», während sie an die mediumistischen Erscheinungen der Spiritualisten und Spiritisten glauben.
Spiritualismus. Der moderne Glaube, dass die Geister der Verstorbenen auf die Erde zurückkehren zum Verkehr mit Lebenden.
St. Germain, Graf. Eine geheimnisvolle Persönlichkeit der zweiten Hälfte des achtzehnten und des Anfangs des neunzehnten Jahrhunderts, die in Frankreich, England und vielen andern Orten lebte.
Stein der Weisen. Vergl. Philosophischer Stein.
Sthûla Sharira (sanskr.). Der physische Leib des Menschen, gebraucht als Ausdruck im Okkultismus und in der Vedänta-Philosophie.
Sthûlopâdhi (sanskr.). Der physische Leib im tätigen, bewussten Zustande (Jagrat).
Sûkshmopâdhi (sanskr.). Der physische Leib im träumenden Zustand (svapna), und Kâranopâdhi, der «Causal-Leib.» Diese Ausdrücke sind in der Târaka Râja Yoga-Schule gebräuchlich.
Swedenborg, Emanuel. Ein berühmter Gelehrter und Hellseher des achtzehnten Jahrhunderts, ein Mann von großer Gelehrsamkeit, der viel zum Fortschritt der Wissenschaft beigetragen hat, aber dessen Mystizismus und transzendentale Philosophie ihm den Ruf eines halluzinierenden Visionärs eingetragen haben. Er ist gegenwärtig allgemein bekannt als der Begründer der Swedenborg’schen Sekte, oder der Kirche des Neuen Jerusalem. Er ist geboren zu Stockholm (in Schweden) 1688, von lutherischen Eltern; sein Vater war Bischof von West-Gothland. Sein ursprünglicher Name war Swedberg, aber bei seiner Adelung wurde er geändert in Swedenborg. Er wurde Mystiker im Jahre 1743, und vier Jahre später trat er von seinem Amte zurück (als außerordentlicher Beirat des Bergwerkkollegiums) und ergab sich ganz der Mystik. Es starb 1772.
Taijasa (sanskr.). Von tejas «Feuer»; es bedeutet das «Strahlende», das «Leuchtende»; es bezieht sich auf «Mänasa-Rüpa», den manasischen Leib, auch auf das sternenartige, die sternähnlich erscheinenden Hüllen. Ein Ausdruck, welcher in der Vedanta-Philosophie gebräuchlich ist, wo er außer dieser im Okkultismus gebräuchlichen noch andere Bedeutungen hat.
Târaka Räja Yoga (sanskr.). Eines von den brahmanischen Yoga-Systemen, das am meisten philosophische und auch das geheimste von allen, das niemals veröffentlicht wurde. Es ist eine rein intellektuelle und spirituelle Schulung. Tetragrammaton (griech.). Der Gottesname in vier Buchstaben, die in moderner Form sind JH V H. Es ist eine kabbalistische Bezeichnung und entspricht in einer materielleren Welt der heiligen Pythagoreischen Tetrak bys.
Theodidaktos (griech.). Der «Gottesgelehrte», ein Titel, welcher dem Ammonius Saccas gegeben worden ist.
Theogonie, vom griechischen «Theogonia», wörtlich das «Werden der Götter.»
Theosophia (griech.). Wörtlich «göttliche Weisheit», oder die «Weisheit Gottes.»
Therapeuten (Therapeutae, griech.). Eine Schule jüdischer Mystiker oder Heiler, auch Esoteriker, die mit Unrecht von einigen als Sekte bezeichnet wird. Sie wohnten nahe bei Alexandrien und ihre Tätigkeit, sowie ihr Bekenntnis sind bis heute ein Geheimnis für die Kritiker; ihre Philosophie scheint eine Kombination von orphischen, pythagoreischen, essenischen und rein kabbalistischen Praktiken zu sein.
Theurgie. Vom griechischen «Theiourgia.» Riten für das Herabbeschwören von planetarischen oder anderen Geistern und Göttern auf die Erde. Um zu einer solchen Betätigung zu gelangen, muss der Theurgist durchaus rein und selbstlos in seinen Beweggründen sein. Die Praxis der Theurgie ist gegenwärtig wenig wünschenswert und auch gefährlich. Die Welt ist zu verdorben geworden und zu gottlos, um etwas auszuüben, was solch heilige und gelehrte Männer wie Ammonius, Plotinus, Porphyrius und Jamblichus (der gelehrteste aller Theurgen) ohne Gefahr ausgeübt haben. In unserer Zeit droht alle Theurgie oder göttliche, heilige Magie sich in Goetik oder Zauberei zu verkehren. Theurgie ist die erste der drei Unterabteilungen der Magie, welche sind Theurgie, Gotik und natürliche Magie.
Thymos (griech.). Ein pythagoreischer und platonischer Ausdruck; auf die menschliche Seele unter einem gewissen Gesichtspunkt angewendet, um deren leidenschafterfüllten, kämarupischen Zustand zu bezeichnen; fast gleichbedeutend mit dem Sanskritwort «tamas», «die Eigenschaft der Finsternis», und wohl von dem letzteren stammend.
Timaeus von Lokris. Ein pythagoreischer Philosoph, der zu Lokris geboren ist. Er weicht in gewisser Beziehung von seinem Lehrer in der Lehre der Metempsychose ab. Er schrieb eine Abhandlung über die Seele der Welt, über deren Natur und Wesenheit, welche im dorischen Dialekt verfasst und noch vorhanden ist.
Triade oder Trinität. In jeder Religion und Philosophie wird so die «Dreiheit in der Einheit» bezeichnet.
Universeller Bruderbund (Universal Brotherhood). Der Untertitel der Theosophischen Gesellschaft und die Bezeichnung der ersten von den drei Aufgaben, denen sie sich widmet.
Upâdhi (sanskr.). Die Grundlage von etwas, die GrundOrganisation; im Okkultismus ist Substanz der «Upädhi» des Geistes.
Upanishaden (sanskr.). Wörtlich «esoterische Lehre». Der dritte Teil des Veda, welcher der Auslegung gewidmet ist («shruti», oder das «geoffenbarte Wort»). Etwa 150 oder auch 200 der Upanishads sind vorhanden, obgleich nicht mehr als etwa 12 vollkommenes Vertrauen genießen können, d.h. frei von Fälschungen sind. Diese 12 sind sämtlich früher als im sechsten Jahrhundert vor Christus entstanden. Ähnlich wie die Kabbala den esoterischen Sinn der Bibel enthüllt, so die Upanishads den mystischen Gehalt des Veda. Man findet bei Professor Cowell zwei interessante und korrekte Angaben über die Upanishads. Er sagt: 1) Diese Werke haben eine «bemerkenswerte Eigentümlichkeit, es ist bei ihnen nichts von der brahmanischen Ausschließlichkeit in der Lehre vorhanden. Sie atmen einen ganz verschiedenen Geist, eine Freiheit des Gedankens, die mit Ausnahme der Rig Veda-Hymnen selbst in früheren Werken unbekannt is; und 2) «die großen Lehrer der höheren Erkenntnis (gupta-vidyä) und Brahmanen werden fortgesetzt dargestellt, als ob sie zu Kshatriya Königen gingen, um deren Schüler (cheläs) zu werden.» Dies zeigt klar, dass a) die Upanishads vor der Verschärfung des Kastenwesens und der Brahmanischen Macht geschrieben sind, dass sie also an Altertum den Vedas folgen; und b) dass die okkulten Wissenschaften oder die «höhere Erkenntnis», von der Cowell spricht, weit älter ist als die Brahmanen in Indien oder als irgend eine Kaste oder irgend ein System. Jedenfalls sind die Upanishaden weit später entstanden als gupta-vidyä, oder die «geheime Wissenschaft», die so alt ist als das menschliche Denken selbst.
Vâhan (sanskr.). «Wagen», so viel als «Upâdhi».
Vallabâchâryas (sanskr.). Die «Sekte der Mahârâjas»; eine zügellose Gemeinschaft mit Phallus-Dienst, deren Hauptsitz in Bombay ist. Der Gegenstand ihrer Verehrung ist das Krishna-Kind. Die englisch-indische Regierung hat sich mehrere Male gezwungen gesehen, diesen Riten und Übungen Einhalt zu gebieten; und der regierende Mahârâjah, eine Art Hoherpriester, ward mehr als einmal gefangen gesetzt; und dies gerechter Weise. Man hat es mit einem der schwärzesten Flecken von Indien zu tun.
Vedânta (sanskr.). Dies heißt wörtlich das «Ende der Erkenntnis». Unter den sechs Darshanas oder Philosophenschulen wird es auch genannt Uttara mimânsâ, oder die «spätere» Mimânsâ. Es gibt Personen, welche unfähig sind, den Esoterismus dieser Geistesart zu verstehen und welche sie als atheistisch ansehen; dies ist aber unrichtig, und es war Shankarâchârya, der große Apostel dieser Schule und ihr Veröffentlicher, einer der größten Mystiker und Adepten Indiens.
Vidyà (sanskr.). Erkenntnis, oder noch besser, «Weisheits-Erkenntnis».
Vinnana (Päli). Einer der fünf «Skandhas»; exoterisch bezeichnet es «Gedankenkraft».
Weisheits-Religion. Von einigen wie Theosophie gebraucht. Der Name, den man der geheimen Wissenschaft gibt, die allen exoterischen Schriften und Religionen zu Grunde liegt.
Wesenheit (Seinheit). Ein von Theosophisten angenommener Ausdruck, um die wirkliche Bedeutung des nicht zu übersetzenden Wortes «Sat» anzudeuten. Dies Wort bedeutet nicht «Sein», denn der Ausdruck «Sein» setzt ein empfindendes Bewusstsein von Existenz voraus. Aber der Ausdruck «sat» wird einzig gebraucht von dem absoluten Prinzip, jenem allgemeinen, unerkannten und auch unerkennbaren Prinzip, welches der philosophische Pantheismus annimmt, indem er so die Wurzel des Kosmos und den Kosmos selbst benennt. Dies kann nicht durch den einfachen Ausdruck «Sein» bezeichnet werden. «Sat» ist auch nicht, wie einige Orientalisten übersetzen, das «undurchdringliche Wesen»; denn es ist nicht mehr ein Wesen als ein Nicht-Wesen. Es ist beides. Es ist, wie gesagt, absolute «Seinheit» oder «Wesenheit», nicht «Sein»; es ist das Eine, neben dem kein Zweites ist, das unteilbare und ungeteilte All; — die Wurzel sowohl der sichtbaren wie der unsichtbaren, der subjektiven wie der objektiven, der begreiflichen und niemals ganz begreiflichen Natur.
Yoga (sanskr.). Eine philosophische Schule, die durch Patanjali begründet wurde, aber welche als ein besonderes Lehrsystem und eine Lebensanschauung lange vor diesem Weisen bestand. Es ist Yânavalkya, ein berühmter und sehr alter Weiser, dem Yayur Veda, Shatapatha Brâhmana und Brihad Aranyaka zugeschrieben werden und der in den Zeiten vor Entstehen des Mahâbbârata lebte, von dem angenommen wird, dass er die Notwendigkeit und positive Verpflichtung der religiösen Meditation und des Zurückziehens in Wälder einschärfte, und dem deshalb die Begründung der Yoga-Lehre zugeschrieben wird. Professor Max Müller behauptet, dass es Yâynavalkya war, der die Welt für die Predigt des Buddha vorbereitete. Patanjalis Yoga ist jedenfalls bestimmter und genauer als irgendeine Philosophie und enthält mehr von den geheimen Wissenschaften als irgend eines der Werke, die dem Yâjnavalkya zugeschrieben werden.
Yogi oder Yogin (sanskr.). Ein Andächtiger, einer, welcher das Yoga-System anwendet. Es gibt mehrere Grade und Arten von Yogis, und der Ausdruck ist nunmehr in Indien gebräuchlich geworden, um irgendeine Art des Asketismus anzudeuten.
Yuga (sanskr.). Ein Weltalter, wie es deren vier gibt, die einander in dieser Weise folgen: Krita (oder satya) yuga, das goldene Zeitalter; tretâ yuga, dvâpara yuga und zuletzt Kaliyuga, das schwarze Zeitalter, in welchem wir gegenwärtig leben.