105. Der Mensch als übersinnliches Wesen

Die Gedanken stehen im Übersinnlichen und das «Ich» steht im Übersinnlichen. Es handelt sich darum, die Ge danken zu verdichten, sodass sie in die Wirklichkeit eingreifen: Sie müssen gebildet werden zu:

1.) Imaginationen, die sonst erinnert werden, also in den Organismus eingreifen - sie dürfen das nicht. Es muss der Vorgang des Wahrnehmens beobachtet werden, nicht die fertige Wahrnehmung aufgefasst: Meditation. 2.) Dadurch werden keine Gedanken produziert, sondern ein Prozess erlebt. Dieser gibt Inspiration, indem, wenn nicht der Wahrnehmungsinhalt einfließt, die übersinnliche Welt einfließt. Man muss sorgen für nicht erregende seelische Vorgänge (jedenfalls nicht religiöse Prätentionen im Anfange). 3.) Man muss entwickeln das in 2.) auftretende «Ich». - Es erscheint nicht mehr ruhend; es erscheint im Fluss. - Das Spätere kann in das Frühere sich versenken.

Dadurch lernt man den übersinnlichen Menschen kennen:

1.) Als webendes Gedankenwesen, das durch den Lebenslauf hindurchwirkt. 2.) Als von einer Welt aus sich erfüllend, von der man im gewöhnlichen Bewusstsein abgeschlossen ist. Eine Welt, die unwirksam wird, sobald der Mensch die physische Welt betritt. 3.) Man lernt erkennen, dass eben dieses Wesen darauf zielt, das physische Menschwesen hervorzubringen. 4.)Man stellt richtig die Vorstellung, die nur auf den Menschen nach dem Tode sieht.

Nun aber die Umgebung: Man hat nicht mehr die Welt der sinnlichen Wahrnehmungen um sich. Man hat um sich die Welt der objektiven Gedankenbildung mit ihren Wesenheiten. Die Welt, aus welcher der Mensch durch die Geburt heraustritt. Solche Wesen sind nicht gestaltet. Man nimmt sie nur wahr, indem man mit ihnen in Ge schwindigkeitsdifferenz ist.

Durch die Wahrnehmung dieser Geschwindigkeitsdifferenz nimmt man wahr, wie man selbst in anderer Akzeleration ist als der Weltlauf -: das in sich ruhende: die vorige Inkarnation. —

Man kann sich in sie versetzen. Sie tritt auf, indem man das Bindende in dem eigenen Gedankenwesen entdeckt. Einen zweiten Menschen, der ganz anders denkt. Der alles nicht hat, was dem Schicksal ablehnend gegenübersteht, dem manches ganz unsympathisch ist, was man in diesem Erdenleben sympathisch findet. Aber es ist in diesen Sympathien und Antipathien alles nur auf einen Kreis beschränkt. Es sind die Dinge, welche in ihren Ursachen nicht hinter das zurückgehen, was in der Außenwelt liegt. Sie gehen nicht auf Inneres. Man schaut, wie eine frühere Zeit selbst diese Sympathien und Antipathien durch einen [selbst] entwickelt. Würde man in solcher Verfassung nicht einen solchen Kern finden, so hinge man innerlich nicht durch ein «Ich» zusammen.

German original of The Human Being as a Supersensible Being · ← Previous · Next →