129. Medizinische Fragenbeantwortung zum dreigliedrigen Organismus und Herz
[Handschrift Ita Wegman: Wie steht das kommende Karma mit dem Herzen in Beziehung?]
ad. I.) Der rhythmische Mensch ist der Vermittler zwischen dem Nerv[en]-Sinnes- und dem Stoffwechsel-Gliedmaßen-Menschen.
Der Nerven-Sinnes-Mensch dieser Inkarnation ist das Ergebnis der Metamorphose des Stoffwechsel-Gliedmaßen-Menschen der vorigen Inkarnation.
Der rhythmische Mensch stellt das Ergebnis der zwischen Tod und neuer Geburt wirksamen übersinnlichen Kräfte dar. Diese Kräfte wandeln sich so um, dass sie im irdischen den mittl. Menschen bilden. Sie gliedern sich da in die äußeren Kräfte des Luftkreises ein, während sie zwischen Tod und neuer Geburt in äußere Kräfte der Planeten-Umschwünge eingegliedert sind.
Das Karma bildet sich nun in dieser Art: Im Stoffwechsel-Gliedmaßen-Organismus ist völlige Unbewusstheit während des Erdenlebens. Da ist der Mensch (für das gewöhnliche Bewusstsein) in fortdauerndem traumlosen Schlaf. In diesen schlafenden Teil der Seele wird ein von Urkräften (Archai), die diesen Seelenteil durchdringen, gebildetes Urteil über Wert oder Unwert der menschlichen Handlungen aufgenommen. Dieses wird mit der Metamorphose unterzogen, in dem sich während der Zeit von Tod zu neuer Geburt der Stoffwechsel-Gliedmaßen-Mensch wandelt in den Nerven-Sinnesmenschen des nächsten Erdenlebens. Aber es tritt der metamorphosierte Impuls (d[as] i[st] vom Urteil über Wert oder Unwert der Taten in den Willen verwandelte, auszugleichen durch andre Taten) nicht bewusst in den Menschen ein, sondern in das zu ihm gehörige EngelWesen. Karma bleibt für den Menschen (das gewöhnliche Bewusstsein) deshalb im Unbewussten.
Das Herz ist bei der Karma-Bildung nur insoweit beteiligt, als es dem Stoffwechsel-Gliedmaßen-Organismus angehört. Als Organ des rhythmischen Menschen nicht.
[Handschrift Ita Wegman: Wie verhält sich das Blutgeschehen in der Lunge zu dem im Herzen?] ad II.) Blutgeschehen in Lunge und Herz.
Die Lunge nimmt mit der eingeatmeten Luft Kräfte des Kosmos auf. In diesen Kräften strömen die Weltgedanken ein. Diese sind ja dasselbe, was im Menschen als Wachstums-, als Gestaltungskräfte wirkt. Im Eintreten in den Organismus durch die Lunge metamorphosieren sich die Weltgedankenkräfte, indem sie sich zugleich gabeln. Das heißt ein Teil geht (im Wesentlichen aufwärts) in die Nerven-Sinnes-Organisation und wird die physische Stütze der Menschen-Gedanken; ein andrer Teil geht (im Wesentlichen abwärts, zum Herzen) in den StoffwechselGliedmaßen-Organismus und wird da einverwoben den Gliedern der Menschen-Organisation, die im weitesten Sinne mit den Kräften der Erde zusammenhängen.
Um in diesem Punkte richtig zu sehen, muss man das Folgende bedenken. Der Mensch stellt sich durch sein Stoffwechsel-Gliedmaßen-System in das Wirken der Erde hinein. Man sehe darauf hin, wie der Mensch geht: Er setzt das Bein vor, das heißt, er bringt es in eine ganz bestimmte Lage zur Schwerkraft der Erde. Und so verläuft Bewegen des Menschen in der Erdendynamik drinnen. Der Stoffwechsel verläuft im Erdenchemismus. Diese Erdendynamik und dieser Erden-Chemismus hören über das rhythmische System hinüber auf. Es ist eine völlige Illusion, zu glauben, dass im Nerven-SinnesMenschen Irdisches wirkt.
Man sieht daraus, dass mit der Atmung in die Lunge Außerirdisches aufgenommen wird. Dies wird dann übergeleitet in Irdisches. Die Atemströmung ist die verfeinerte Wiederholung des Herabsteigens des Menschen aus der geistigen in die physische Welt durch die Geburt. Nur werden bei diesem Herabsteigen in die physische und ätherische Organisation die Kräfte geschickt, während beim Atmen die Kräfte einströmen, die dem physischen und ätherischen Korrelat von Astralleib und Ich entsprechen.
So wird in der Atmung vom Kosmos in den Menschen hinein gebildet und gestaltet. Anders bei der Blutzirkulation. Diese kommt von dem her, was in Erdendynamik und Erden-Chemismus eingegliedert ist. Aber indem Blut aus der Sphäre von Erdendynamik und Erden-Chemismus in das Herz strömt, nimmt es die Impulse des menschlichen astralischen Leibes und des Ich auf. Und so ist im Herzblut Geist und Seele des Menschen hinstrebend aus dem individuellen Sein zum kosmischen Sein. Blut im Herzen nach dem Atem in der Lunge strebend ist Streben des Menschen nach dem Kosmos. Atemluft in der Lunge nach dem Blute des Herzens strebend ist Begnadung des Menschen durch den Kosmos. Blut nach dem Herzen strebend ist der verfeinerte Prozess des Sterbens.
Blut als Träger von Kohlensäure aus dem Menschen strebend stellt den verfeinerten Sterbeprozess dar.
So strömt im Blutlauf der Mensch fortdauernd in den Kosmos hinein, ein Vorgang, der nach dem Tode radikal sich gestaltet, indem er vom Blute aus den ganzen physischen Menschen ergreift.
Von diesen Betrachtungen ausgehend, findet sich dann die Brücke zu der Frage-Erweiterung in Bezug auf Christus Jesus und die Mysterien. Es ist richtig, dass die südlichen Mysterien mehr auf die Geheimnisse des Blutlaufs - des Herzens - (des Menschen) die nördlichen mehr auf die der Atmung — der Lunge - (des Kosmos) gingen.
Das Christus Mysterium ist die Enthüllung des großen Wunders, das sich zwischen Herz und Lunge abspielt: Der Kosmos wird Mensch; der Mensch wird Kosmos. Die Sonne trägt den Menschen aus dem Kosmos zur Erde; der Mond trägt den Menschen von der Erde in den Kosmos. Ins Große umgesetzt: Was von der Lunge zum Herzen strömt, ist menschliches Korrelat des Herabsteigens des Christus auf die Erde; was vom Herzen nach der Lunge kraftet, ist menschliches Korrelat des Hindurchführens des Menschen nach dem Tode durch den Christus Impuls in die Geistes-Welt.
Insoferne lebt das Geheimnis von Golgatha auf menschlich organhafte Art zwischen Herz und Lunge.
[Typoskript, Frage von Frau Margarete Bockholt: Wenn ich mir vorstelle, dass die Bildekräfte des Rumpfes ohne den jetzigen Kopf den Kräften des Kosmos ohne Einwirkung der Erde überlassen sind, so muss eine Rundung eintreten. Versuche ich das bei mir, so biege ich die Wirbelsäule, das obere Ende stößt mit der Symphyse zusammen, wird also zum Hinterhaupt. Es ergibt sich dann das jetzige Zwerchfell als Scheidewand zwischen Nasenund Stirnbeinhöhle. Das Kreuzbein wird vorgeschoben und zum Nasenrücken; zieht man die Beine an, so ergeben sie deutlich den Unterkiefer, die Arme mit dem Schultergürtel zusammen Oberkiefer - Ohr. Der Lage nach müsste die Umwandlung der inneren Organe dann sein, dass die Nieren zu den Augen werden, die Nebennieren zu den Tränendrüsen. (Die Form der Nebennieren entspricht den Ausatmungen aus den Nasenlöchern, wie Dr. Wachsmuth es beschreibt halbmondförmig und dreieckig, das hängt vielleicht mit der Umwandlung der Tränendrüsen zusammen.) Es würden die Lungen zu den Seitenlappen des Gehirns werden. Wie Milz und Leber sich zur Gehirnbildung verhalten, ist mir nicht klar, das Herz käme in die Lage der Epiphyse, die Genitalorgane in die der Hypophyse. Vielleicht können auch die 20 Milchzähne mit den je 10 Fingern und Zehen zusammenhängen.]
ad III.) Ja, dem liegen gute plastische Vorstellungen zum Grunde. Am besten kommt man aber zurande, wenn man die im Organismus latenten plastizierenden Kräfte so in die Vorstellung aufnimmt:
Das Haupt steht unter dem Einfluss der kosmischen Bildekräfte; verkümmert sind bei ihm die irdischen (wie sich beide zueinander verhalten, wird klar sein, wenn das von Wegman und mir gearbeitete Buch erschienen sein wird).
Der Stoffwechsel-Gliedmaßen-Mensch steht unter dem Einfluss der irdischen Bildekräfte; verkümmert sind bei ihm die kosmischen.
Stellt man sich nun die am Unterkopfe verkümmerten irdischen Kräfte ausgebildet vor, so metamorphosiert sich der Unterkopf zum Stoffwechsel-Gliedmaßen-Menschen; umgekehrt für den Stoffwechsel-GliedmaßenMenschen.
Der mittlere (dem rhythmischen zugeordnete) Organismus enthält die Organe nach beiden Seiten hintendierend. Dieser mittlere Teil ist Kopf, der zum Gliedmaßen-System strebt und Gliedmaßen-System, das zum Kopfe strebt.