The Essence of Christianity
GA 68a — 28 November 1904, Cologne
Die Christliche Mystik — Die Meister von Köln: Eckhart, Albertus Magnus
Über die christliche Mystik sprach am Montagabend im gelben Saale der Kasinogesellschaft der Generalsekretär der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft Dr. Rudolf Steiner, und zwar zunächst allgemein über die Jahrhunderte mystischer Blüte (13. bis 17.) und über das Wesen der Mystik, dann über einzelne berühmte Meister der Mystik wie Albertus Magnus, Eckhardt, Johannes Tauler, Hugo von Sankt Victor, Angelus Silesius u.a. und zum Schluss über das Wesen der Theosophie und die Vereinigung moderner Weltanschauung mit mystischer und theosophischer. Mystik ist nach dem Redner nichts Phantastisches, Unklares, sondern die Vorbedingung zur Klarheit, die Klarheit selbst basiert auf geistiger Erfahrung und dem Bestreben, das Innere zu entwickeln, zu läutern und dann auszugestalten, um durch das Innere selbst zu der Erfahrung der höhern Werte zu kommen. Die Mystiker gehen von dem Grundsatz aus, dass Licht nicht nur vom physischen Auge aufgenommen wird, sondern auch das seelische Auge, ein getrenntes Organ, Licht, eine kleine eigne Welt, den Mikrokosmos wahrnehmen kann, schöpferisches Licht, wenn sich der Mystiker in sich selbst versenkt. Mystik ist also Entwicklung des innern Lebens. Redner beleuchtete dann in großen Zügen die Wirksamkeit und die Hauptlehren der erwähnten großen Mystiker und ihrer Vorläufer, der Scholastiker; ihre Lehren hätten darin gegipfelt, sich heranzuerziehen zur Anschauung des Geistes, «Hingabe an den Geist, das ist die höchste Erkenntnis». Daraus entwickle sich dann die an den Mystikern zu preisende Selbstlosigkeit, die hohe Reinheit der Gesinnung, darum seien auch so viele, die das Geheimnis der höchsten Erkenntnis lehrten, unbekannt geblieben, so der Laie aus dem Oberlande und der Verfasser der deutschen Theologie. Im Verlaufe des formschönen Vortrags, dem nur verhältnismäßig wenig Zuhörer beiwohnten, streifte der Redner weiter noch Beziehungen Fichtes und Goethes, den er «im schönsten Sinne Mystiker und Theosoph» nannte, zur mystischen und theosophischen Weltanschauung.