Goethe and the Present
GA 68c — 31 December 1907, Berlin
XXI. Über «Die Geheimnisse» von Goethe
Das mittelalterliche Christentum lässt die drei Weisen aus dem Morgenlande die Repräsentanten der drei Erdreiche sein — Europa, Asien, Afrika. Wie überall in der Esoterik solche Dinge an große Wahrheiten anknüpfen, so ist es auch mit der Illusion der Fall, dass ein König zum Mohren, der zweite zum Europäer, der dritte zum Orientalen gemacht ist. Die drei Weisen aus dem Morgenlande stehen mit großen kosmischen Wahrheiten in Verbindung. Schon vor vierzehn Tagen sagten wir, dass die Theosophie dem Menschen unmittelbares Empfinden, richtiges Verständnis für das, was im Laufe eines Jahres geschieht, wieder geben werde, sodass die Veränderungen uns zeigen, wie unser Geist mit kosmischen Ereignissen übereinstimmt.
Wie wir, wenn ein Menschenauge uns anblickt, hierin nicht bloß eine physische Bewegung sehen, sondern von dem äußeren Blick des Auges mit Recht auf die innere Verfassung einer Menschenseele einen Schluss machen, so ist der Theosoph sich klar, dass in jedem Donner und Blitz, in jedem Lufthauch, im Sonnenaufgang und -untergang nur der physische Ausdruck geistiger Wesenheiten zu suchen ist. Und wie die alltäglichen Ereignisse Wesen, die hinter ihnen stehen, ahnen und fühlen lassen, so lassen sich hinter den regelmäßig wiederkehrenden Erscheinungen des Jahres die Taten eines gesetzmäßig wirkenden göttlichen Geistes erkennen. Wir sehen, wie vom Frühling an die Kraft der Sonne immer mehr wächst, wie die Sonne von den kürzesten Tagen an ihre Kraft wiedergewinnt, wie sie das verhüllte Leben der Erde wachruft und neu ersprießen lässt, wie die Sonnenkraft sich in äußeren Taten auslebt. Von einem bestimmten Tage an nimmt die Sonnenkraft wieder ab, die Tage werden immer kürzer. Wenn die geringste physische Kraft der Sonne zu uns dringt, zieht sich das Leben unter die Oberfläche der Erde zurück. Der Mensch kann empfinden und erleben, dass hinter allen Taten der äußeren Natur das geistige Schaffen geistiger Wesenheiten steht.
Wenn er noch tiefer eindringt, sagen ihm die Lehren, die innerhalb der Mysterien gepflegt wurden, dass nicht nur das stattfindet, sondern dass mit der zunehmenden Sonnenkraft die Tätigkeit der Sonnenwesen abnimmt, dass in der Zeit, wo die äußerliche Sonnenkraft am schwächsten ist, nunmehr eine andere Kraft zunimmt. In der kürzesten Zeit ist eine andere, eine geistige Kraft am stärksten. Wenn die Finsternis am größten ist, gibt es im Laufe des Jahres ein Licht, das dann am stärksten leuchtet; das haben die Überlieferungen der Mysterien immer zum Ausdruck gebracht. Das Christfest steht im Zusammenhang mit der tiefen Weisheit der Welt. Alle Sagen berichten, dass in der Mittagsstunde die Götter schlafen. Es gibt Gegenden, wo den ganzen Tag über die Kirchen offen sind, nur in der Mittagsstunde sind sie geschlossen; das beruht auf der gleichen Voraussetzung. Was die christliche Menschheit als Weihnacht feiert, ist nur aus der Mysterienlehre zu verstehen. Dem Schüler wurde Sonne und Mond gezeigt, wie sie im normalen Lauf sich abwechseln. Sie wurden besonders darauf hingewiesen, dass während der Nacht die Erde selbst das Sonnenlicht verhüllt. In der Weihnacht wird dem Schüler in der tiefsten Stille eine transparente Erde gezeigt, durch welche die Sonne gesehen werden kann. «Die Sonne um Mitternacht sehen», das ist die uralte Sitte der Weihnacht. Derjenige, dem Materie kein Hindernis ist, kann durch die Erde hindurch die Sonne auf der anderen Seite sehen, nämlich die Sonnenwesen. Im Gegensatz zu der Überlieferung, dass die Götter um Mittag schlafen, war die Anschauung, dass die Götter um Mitternacht wachen, denn um Mitternacht kann das geistige Licht am besten gesehen werden. Mit besonderer Feierlichkeit sollte dies zu Weihnachten geschehen. Wir können verstehen, dass dies bis in unsere Zeit gewirkt hat, da das Christfest in diese Zeit verlegt ist. Auch das esoterische Christentum sieht in der Sonne einen Leib, und wie der Mensch sich nicht begnügt, den Leib nur physisch zu betrachten, so ist sich der Christ klar, dass durch die Sonne der Leib einer geistigen Wesenheit sichtbar wird und als Oberster der geistigen Wesenheiten Christus.
Nun ist die physische Tatsache, dass der Mond das Sonnenlicht zurückwirft, ein Ausdruck für eine geistige Tatsache, die hinter der physischen steht. Schon im hebräischen Zeitalter sagte man: Bevor die Christuskraft in der Erde selbst wirkt und schafft, wirkt sie auf mittelbare Weise. Das jüdische Gesetz vor Christus war der geistige Hintergrund des Mondes. Solange das Erdenvolk unreif war und nicht geeignet, die Christuskraft zu empfangen, musste sie das reflektierte Licht des Mondes empfangen. Durch Moses haben wir das Gesetz bekommen, das Gesetz war geistiges Sonnenlicht im Reflex des Mondes. Eingeweihte konnten in der Weihnacht durch die Erde die Christuskraft sehen. Mit dem Eintritt des Christus in die Erde vereinigte sich die geistige Kraft der Sonne mit der Kraft der Erde, daher entsteht das christliche Weihnachtsfest. Es wird der Moment in der Erdenentwicklung gefeiert, durch welchen der Mensch reif geworden ist, die innere Sonne zu empfangen, nunmehr soll der Mensch durchsehen können durch die transparente Erde. Was früher Mysterienfest war, wurde christliche Weihnacht. Nun soll der Mensch auch am Tage und in der Erde die Christuskraft empfinden, nicht nur in der Sonne. Damit ist viel gesagt. Die Menschen empfanden das geistige Sonnenlicht in dem Reflexe verschiedener Religionen und Weltanschauungen. Diese Religionen und Weltanschauungen repräsentieren die drei Weisen des Morgenlandes. Jetzt ist die Zeit gekommen, wo die Sonne als einheitliche Kraft die Erde durchdringt, wo man die Grundkraft in allen Religionen ahnen soll.
Da kommen die Religionen geführt von einem Stern, dem Stern der Weihnacht. Nur den Weisen wird die transparente Sonne gezeigt, sie selbst ist der Stern von Bethlehem und hat sie dahin geführt, wo Christus im Fleische erscheint. Sie bringen Gold, das heißt ihre Weisheit, die Weisheit hat verschiedene Gestalten angenommen, jetzt ist der Stern da, der sie vereinigt. Weihrauch ist das Symbol der Verehrung [der einen Kraft], die [in allen menschlichen Taten, Meinungen, Fragen] den Frieden bringt; Myrrhe das Symbol der Unsterblichkeit, [für die geistige Kraft der Sonne. Durch das Schauen durch die Erde bekommt der Schüler die Erkenntnis, die innere Garantie für die Unsterblichkeit der Seele. Ferner bezeichnet Myrrhe gleich Auferstehen, Konservieren]. Nicht Willkür, sondern Ausdruck der Menschheitsentwicklung ist die Festsetzung des Christfestes am kürzesten Tage — ein wenig ist es verschoben. Die christliche Überlieferung weiß, welch tiefe Tatsache hier zugrunde liegt. [Während der Mittagsstunde schlafen die Götter, während der Mitternacht wachen die Götter.] Was äußerlich, physisch wirkt, bezeichnet die Mythe durch die Gestalt des Johannes, nämlich die physische Sonnenkraft neben der unmittelbaren Christuskraft. [Wenn die Sonne am stärksten ist, ist der Geist am stärksten.] Johannes’ Geburtstag ist, wenn die Sonne am stärksten leuchtet: Ich muss abnehmen, er aber wird wachsen. [Vom Sommer gegen den Winter zu, nimmt die physische Sonnenkraft gleich Johannes ab, und die geistige Sonne gleich Christus zu.] Im Sinne des esoterischen Christus Wirkende haben diese Idee des Friedens und Einklangs empfunden.
Dieses Gedicht ist so groß, der tiefste Zug des Christentums, des esoterischen Christentums liegt darin. Ein Pilger wird mit einem besonderen Auftrag nach dem Kloster geschickt. Zwölf Individualitäten finden sich dort, an der Spitze ein Dreizehnter. Bruder Markus wird durch mancherlei Gegenden geführt und uns sein Charakter beschrieben. Dieser ist tief bedeutsam, es wird uns gesagt, was äußere intellektuelle Kraft, Bildung und Schulung bildet. Bruder Markus kommt nach vielen Irrfahrten seinem Ziele nahe. Er strebt nach ernster Weisheitsschulung. [Jener einsame, merkwürdige Wanderer besitzt nicht die Wissenschaft des Verstandes, aber er besitzt Weisheit, die wie von Kinderlippen spricht. Aus ihm redet als Weisheit die umgewandelte Wissenschaft. Er spricht aus dem naiven Gefühl seiner Weisheit heraus, und das tönt in der Tat, wie wenn es von Kinderlippen käme.] Wir müssen hier die Wiederverkörperung wieder zugrunde legen. Ein Mensch, der früher viel, viel gelernt hat, eine Ideen-Welt und Anschauungs-Inhalt hat, wird dann wiederverkörpert. Die Ideen brauchen nicht in Ideenform aufzutreten. Er strebt nach ernster Weisheitsschulung. [Seine Weisheit ist ein gereiftes und verwandeltes Wissen aus früheren Verkörperungen her. Er hat in seiner jetzigen Verkörperung verstandesmäßig nicht viel Neues gelernt, wohl aber hat sich aus früheren Leben Weisheit in ihm angesammelt.] Jetzt ist es Liebe, Güte, Empfindung,
Bruder Markus erscheint nicht als ein Weiser, der viel gelernt, sondern als ein reifer Weiser, der in früheren Verkörperungen gelernt hat; dessen Weisheit Gold geworden ist. [Am Eingang zum Kloster, das er betritt, stößt er auf ein merkwürdiges Zeichen, das ihm den Sinn des Lebens versinnbildlichen soll: auf ein Kreuz, welches von roten Rosen umwunden ist.] Er sieht des Kreuzes Zeichen, zu dem sich so viele Menschen bekennen, von Rosen umwunden. Beachten Sie den Wortlaut in diesem Satz, es ist ein Kennwort des Rosenkreuzers:
Wer hat dem Kreuze Rosen zugesellt?
[Hieraus geht vielleicht hervor, dass Goethe ein rosenkreuzerisch Eingeweihter war. Das Kreuz bedeutet die drei unteren Leiber des Menschen, den physischen, den Äther- und den Astralleib. Der Mensch soll in seinem Leben diejenigen Eigenschaften dieser drei Leiber überwinden, welche ihm von außen her zugekommen sind. Es soll in ihm eine Umwandlung derselben erfolgen durch sein Ich.] Dadurch, dass sein eigenes Ich «Ich bin» zu sich sagen kann, wandelt er diese drei Leiber um. [Denn wer das nicht hat, dieses Stirb und Werde, der bleibt nur ein trüber Gast auf der dunklen Erde. Die niederen Leiber sind dargestellt im schwarzen Kreuz.] Nicht als Abtötung, sondern zu Werkzeugen seines Ichs, geläutert, gereinigt, zu Kräften seines eigenen Ichs verwandelt der Mensch diese niederen Kräfte und Eigenschaften. Er tötet, was ursprünglich in ihm war, und lässt es auferstehen als eine junge, frische Kraft — sein höheres Ich, das der Herrscher ist über die niederen Kräfte. Die abgetöteten Leiber — das schwarze Kreuz — in dem abgetöteten ursprünglichen Lebensbaum als drei Repräsentanten und ein vierter: sprossendes Leben. [Die vier Balken des Kreuzes sind aus dem Holze der Zypresse, der Zeder, der Palme und des Ölbaums hergestellt, und sie berühren sich an einer Stelle.] Zypresse ist gleich physischer Leib, Palme ist gleich Ätherleib und Zeder ist gleich astralischer Leib, der überwunden ist; Ölbaum, der die drei niederen Leiber wie mit Salbe, wie mit Öl durchtränkt, als das sich wieder Verjüngende, wieder Gebärende.
[Im Rosenkranz am Kreuze sieht das esoterische Christentum den Christus Jesus, durch welchen das Niedere am Menschen gereinigt und auf eine höhere Stufe gehoben wird.] Wenn der Mensch ansieht das sprossende Leben, noch nicht durchdrungen von Leidenschaften. Noch schlafend, nur ein dämmerhaftes Bewusstsein, ist Pflanzengrün. Wo es heraufsteigt bis zum Ich im astralischen Leib, wo sich das Ich zum Ausdruck bringt, da wird der grüne Pflanzensaft rotes Blut. [Das rote Blut als Farbe der Rosen ist das Symbol des Ich. Solange noch der grüne Pflanzensaft durch die Blätter quillt, verkündet er uns die reine, keusche Pflanzensubstanz. Die Durchdringung des Leibes mit Leidenschaften, Begierden, Instinkten bedingt die Entstehung des roten Blutes. Im Menschen ist die reine Pflanzensubstanz mit Begierden und Leidenschaften durchsetzt worden.] So hat der Mensch erkauft sein höheres Bewusstsein, durch das er wahrnimmt, wie er heute wahrnimmt: indem er die Pflanzensubstanz durchdrungen hat mit Begierden und Leidenschaften. Er wird sein Ich wieder reinigen, er wird sich wiederum die Keuschheit der Pflanze zurückerobern. [Das Ich muss im Laufe der Zeit allmählich die reine Pflanzensubstanz wiederherstellen. So muss der Mensch mit seinem roten Blute gleichsam wieder zu reiner Pflanzensubstanz werden. Solange diese grün bleibt, schläft sie.] Das rote Blut wird in Zukunft nicht mehr Triebe und Begierde, sondern der Ausdruck seines höheren Ichs sein. [Die roten Rosen am Kreuze bedeuten zugleich die Farbe unseres Blutes und die reine Pflanzennatur. Es schafft die mythenbildende Kraft ähnlich wie die Weisheit.] In der Kraft, die von Christus ausgeht, wird das Ich hinaufgeleitet, dass es wieder reine, keusche Pflanzensubstanz wird. In der roten Blume erblicken wir das gereinigte, geläuterte Ich. Es gibt eine schöne alte Mythe: Die Biene, wie sie zur roten Rose geht, um zu saugen, so ging sie hin zum Christus Jesus, um aus der Wunde zu saugen. [Der Teufel hasst am meisten die roten Rosen!] Das Blut will er haben, im Faust. Das geläuterte Blut, das zur roten Rose zurückgekehrt ist, das hasst er.
Wir haben in dem Gedicht zwölf Repräsentanten der verschiedenen Religionsbekenntnisse vereinigt zur führenden großen Bruderschaft der Menschheit. [Ein Dreizehnter leitet sie, weil er alle einzelnen Religionsbekenntnisse überschaut und umfasst], um von hier aus auszuströmen in die ganze Welt. Wie die drei Könige zu der Harmonie nach Bethlehem kommen, so senden die Zwölf ihre spirituellen Strahlen hinaus in die Welt. Und einer führt. Wir sehen hier die dreifach höhere Natur des Menschen, die aus einem Punkt dringenden Strahlen.
Markus erhält Einlass ins Kloster und er wird mit den elf vereint zu zwölf.
[Bruder Markus empfängt im Kloster die tiefste Belehrung. Es wird im Gedicht die Charakterisierung des Dreizehnten, des Leiters der Versammlung, gegeben.] Der Dreizehnte wird dargestellt in seinem Wesen als der, der erhaben ist in seiner Seele, in seinem Herzen sind ausgeglichen die verschiedenen Bekenntnisse der Welt. [Bei seiner Geburt leuchtete ein Stern, der jene geistige Sonne bedeutet, die er bei seiner Einweihung gesehen hatte. Es ist derselbe Stern, der den Weisen aus dem Morgenlande bei der Geburt Jesu Christi leuchtete.] Ein Geier kommt herunter, der friedlich sich aufhält bei den Tauben. Friede ist die Atmosphäre, die sich ausbreitete bei der Geburt dieses Menschen. Von ihm erzählt man in der Jugend eine eigentümliche Sage: [Als Knabe schon überwand er die Otter, das ist die niedere Natur seines Wesens. In früheren Leben hatte er die Kräfte erworben zu dieser Selbstüberwindung. Die Otter war um den Arm seiner Schwester gewunden. Diese Schwester bedeutet seinen Ätherleib, der ja bei männlichen Menschen weiblich ist] — Sie wissen, dass der Ätherleib beim männlichen Geschlecht weiblich ist, das heißt immer im anderen Geschlecht. Um diesen schlingt sich der astralische Leib — die Otter, die Schlange, und diese überwindet er, die sich um seine Schwester — um seinen Ätherleib — legt. Der Knabe übt Gehorsam in der äußeren Welt. Er fügt sich zuerst dem, was das Elternhaus verlangt, mit einer gewissen Demut und Hingabe. Er darf nun in die Welt hinaus ziehen, und zuletzt darf er durch das Recht seiner Geburt an die Spitze des Ordens treten. [Durch das Recht seiner Geburt ist er an die Spitze seines Ordens gestellt worden, was etwas tief Bedeutsames ist.] Die Zwölf repräsentieren die verschiedenen Religionsbekenntnisse der Menschheit. Jedes von diesen [erlebt einen Moment in seiner Entwicklung, wo es der Wahrheit am meisten sich angenähert weiß]. Ein jeder hat etwas Besonderes zu erzählen, als Besonderes verwandt mit dem Dreizehnten. [In diesem Punkte sind die Zwölf dem Dreizehnten besonders nahestehend.]
In einem wichtigen Moment tritt Markus in das Kloster ein: Der Dreizehnte schickt sich an, das Kloster zu verlassen, um einzutreten in eine höhere Stufe. [Der Dreizehnte der Greise will hinaufsteigen in die höchste Region des Mystischen. Er braucht keine physische Verkörperung mehr durchzumachen. Dafür sollen die zwölf anderen so gereift werden, dass sie dann ohne den Dreizehnten auskommen können.]
In dem Saale sind dreizehn Stühle, die versinnbildlichen die geistig-spirituelle Arbeit der Dreizehn, und Bruder Markus wird herumgeführt. Die Aufgabe eines jeden ist sinnbildlich ausgeführt in einem Schild über dem Stuhl. Über dem Stuhl des Dreizehnten ist das Kreuz von Rosen umwunden. Der Dreizehnte, Humanus, ist ein Mittler für Harmonie und Frieden, die in der Welt differenziert sind. Die verschiedenen Religionsbekenntnisse, die sich streiten, hier auf höherer Warte finden sie sich zusammen, sodass die Kraft nicht verloren geht, sondern hinausströmt in die Welt. Rechts und links vom Stuhle ist der feuerfarbene Drache. [Der Feuerdrache ist die niedere astralische Natur, welche überwunden werden muss; und die Hand im Bärenrachen bedeutet das Ich des Menschen, welches umschlungen ist von der niederen, zerstörenden Natur, durch welches Stadium man als Myste aber durchgehen muss.] Die Bedeutung dieses Symbols finden wir auch bei dem Kriegsgott Mitteleuropas, mit der Hand im Rachen des Wolfes. Dies versinnbildlicht die Zeit, wo das Wort versenkt wurde in des Menschen Inneres. Die Kraft des Wortes, durch die der Mensch sich entwickelt. Hier [wird die tiefe Bedeutung ausgedrückt, dass Arbeit geleistet werden muss]. Denn gar mancher blickt hin auf das, was geleistet wird, was wichtiger ist als die physische Arbeit für die gesamte Entwicklung der Menschheit. Was aus den spirituellen Zentren geleistet wird, das unsichtbar ist. Des Lebens Lust und Leid haben die Zwölf erfahren, jetzt sind sie versammelt zu einer anderen Arbeit — verschlossen ist durch einen Teppich noch eine Tür. [Die zwölf Männer arbeiten hier nicht mehr in physischer Art, sondern in einer höheren geistigen Weise. Sie arbeiten durch ihre Vervollkommnung zugleich an der Fortentwicklung der Menschheit.]
Markus ist im Vorhof aufgenommen und wartet, ins Innerste zu kommen. [Bruder Markus hat bloß einen Einblick in das astralische Reich erhalten, aber es ist ein Hinweis dabei, dass er zu gegebener Zeit auch die geistige Welt kennenlernen werde. Er sah davon zunächst nur Bilder und Farben. Die geistigen Welten hingegen erklingen] im geistigen Ton, in Harmonien des Sphärenklangs. [Er hört nach seinem Schlafe drei Schläge und dazwischen leichten Flötenklang. Das ist als Sinnbild der Sphärenharmonie zu betrachten. Ferner spürt er das allmähliche Erwachen der dreifach höheren Natur des Menschen. So wird er eingeführt, um schließlich selber ein Mitglied der höheren kosmischen Welt zu werden. Dann erst fühlt er sich eigentlich aufgenommen in den großen Sphärenklang], die Geburt des höheren Menschen durch die Kraft der Rosen vollzieht sich, [symbolisch dargestellt durch die drei Jünglinge. Sie bedeuten die Geburt der drei höheren Wesensteile des Menschen. Die Christuskraft bringt uns Menschen hinauf zum wahren Selbst als der höchsten Stufe mystisch-geistiger Entwicklung]. Die größte Seligkeit, die ein Mensch erringen kann, ist Manas, Budhi, Atma. Dadurch wird er Mitglied der großen kosmischen Geheimnisse der Entwicklung der Erde.
Heute am Silvester-Abend geht der Brudergruß von Seele zu Seele, von Herz zu Herz, und wenn wir uns durchringen mit diesen Impulsen, so ist es ein Brudergruß, der etwas enthält von den Zielen des Weltenprinzips. Ein Jahr nach dem anderen geht dahin im gleichmäßigen Fortgang der Zeit. Solche Betrachtungen wie heute sollen uns erfüllen und erinnern, dass nicht bloß Jahre gehen und kommen, sondern dass diese Stufen sind, zu immer höherem und höherem Hinaufsteigen des Einzelnen und der ganzen Menschheit. Wir fühlen, dass dies nicht Wiederholung des Gleichen, sondern Aufstieg ist mit Zielen innerhalb des Lebens mit der wahren, echten Vervollkommnung der Menschheit. Diese Betrachtungen durch die Seele ziehen lassen und so den Impuls des echten Silvester-Neujahr-Grußes in sich fühlen, der in unseren Seelen durch das Christusprinzip angeschlagen wird, als Gruß, der die ganze Menschheit umfasst.
Zum Aufwärts-Wandeln der Menschheit wollen wir einander helfen, grüßen wir uns bei jedem Wechsel der Jahre. Zusammenwirken wollen wir, in theosophischer Brüderlichkeit, um aufwärts zu wandeln den Vervollkommnungsweg der Menschheit. Dann ist im Klang der Silvesterglocken etwas enthalten von der Sphärenharmonie. Es sind Bräuche und Sitten, und wenn wir die Seele mit diesen Sitten verbinden, und mit dem Klang der Silvesterglocken den Gruß, der von Seele zu Seele geht, brüderlich mitklingen lassen, sagen wir: Wir wollen sein Helfer einander im Vorwärtsklimmen der Menschheit zu ihren höchsten Zielen.