Goethe and the Present

GA 68c — 15 June 1908, Munich

XIV. Goethe, Hegel und die Theosophie

Wohl viele, die den Goethe’schen Faust lesen, fühlen etwas für jede Menschenseele und für jedes Menschenherz höchst Bedeutsames aus des Dichters Worten ertönen, die da darstellen, wie Faust, dieser Repräsentant nach dem höchsten Streben der Menschlichkeit, wie dieser Faust, nachdem er durchgemacht hat dasjenige, was man in unserer Wissenschaft der verschiedensten Zweige erlangen kann, ratlos dasteht, ringend nach einer Erkenntnis, die mehr bedeutet als die Befriedigung theoretischer Bedürfnisse des Verstandes, die in sich schließt alles, was in den schwersten Stunden besonders der Mensch braucht zum Troste und zur Erhebung des Lebens, zur Kraft des Daseins und zum Schaffen in der Wirklichkeit. Und wenn wir hingewiesen werden durch des Dichters Worte auf eine Möglichkeit, außerhalb der bloßen Verstandestheorie sich hinaufzuschwingen in das Reich der geistigen Welt, wenn wir hingewiesen werden darauf, dass da etwas Höheres zu gewinnen ist als die Theorie und Verstandesweisheit, so mag es uns wohl, wenn wir uns auf der andern Seite interessieren für das, was unter dem Namen Theosophie heute den modernen Geisteswegen einverleibt werden soll, so mag es uns wohl drängen, gerade von dieser Seite aus einmal das zu betrachten, was in das deutsche Kulturleben durch Goethe eingeflossen ist. Es mag uns drängen, das ins Auge zu fassen, was eigentlich hinter jenem Gefühlsausdruck Goethes liegt, der, als Faust das Zeichen des Makrokosmos vor Augen sieht, sagt, dass er jetzt wisse, was der Weise meine mit den Worten:

Die Geisterwelt ist nicht verschlossen,
Dein Sinn ist zu, dein Herz ist tot!
Auf, bade, Schüler, unverdrossen
Die ird’sche Brust im Morgenrot!

Das ist gewissermaßen die Aufforderung aus Goethes Schaffen selbst heraus, das einmal vom Standpunkt der Geisteswissenschaft selbst zu betrachten. Solche Betrachtung des Schaffens großer Persönlichkeiten, die von tiefer Wirkung gewesen sind auf das Kulturleben, liegt gar sehr im Gebiet der Geisteswissenschaft, denn niemals kann diese Wissenschaft in den Fehler anderer Strömungen verfallen, dass sie behauptet, alles, was wahrhaft wertvoll ist in Bezug auf menschliches Wissen, sei erst durch sie geschaffen. Wenig Vertrauen könnte dann die Menschheit haben zu einer Erkenntnis, welche aufträte mit dem Ausspruch: Wie aus einer Pistole geschossen, sei es erst jetzt entstanden. Seit es menschliches Denken und Streben gibt, haben die Menschen nach Wahrheit geforscht. Sollten alle, die den betreffenden Wahrheitsforschern vorangegangen sind, vergeblich geforscht haben, nur in Irrtum befangen sein?

Wie ziemt es uns gegenüber einer würdigen Auffassung, immer wieder zu sagen, wie wir es so herrlich weit gebracht gerade mit unserer Weisheit. Die Theosophie tritt mit solcher Forderung nicht auf. Sie will nichts anderes als in eine besondere Form und Gestalt gebracht haben die uralte Weisheit, die von jeher in die Herzen derjenigen geströmt ist, die nach Wahrheit und Weisheit gestrebt haben; diese soll in eine neue Form gebracht werden, wie es dem gegenwärtigen Leben entspricht. Deshalb gehört es zur Aufgabe der Theosophie, bei den großen Geistern der Vergangenheit nachzuforschen, wie sich ihr Streben zu dem stellt, was wir heute durch unsere Geisteswissenschaft erforschen.

Wir wählen einen, der so Bedeutsames gewirkt hat, Goethe, und wenn wir neben ihn einen heute und durch lange Zeiten hindurch etwas Unbekannten stellen, unbekannt nicht dem Namen nach, sondern demjenigen nach, was er gewollt und geboten hat, Hegel, dann mögen uns die heutigen Betrachtungen zeigen, wie gerade theosophisches Leben es uns möglich macht, manchen Verkannten wieder zu würdigen, weil die Theosophie ein Instrument ist, Tiefen zu finden und zu erkennen, die auf andere Weise gar nicht hervorgekehrt werden würden. Wenn wir uns zunächst in Goethe vertiefen, so wird es uns wahrhaftig gar nicht schwer, in seinem Wesen, in seiner Natur jenen Grundzug geisteswissenschaftlichen Wollens und Erkennens zu finden, der sich dadurch charakterisiert, in allem Sichtbaren das Unsichtbare der geistigen Welt zu sehen.

In allem Sichtbaren sehen wir die äußere Physiognomie eines Geistigen, den äußeren Ausdruck von etwas Übersinnlichem, wie wir in dem menschlichen Anblick den Ausdruck dessen sehen, was im Geiste, in der Seele lebt. Aber wir dürfen Goethe nicht so betrachten, wie es mancher der Bequemlinge macht, dass wir sagen, Goethe habe dasjenige, wonach die ganze Menschheit sich sehnt, was er nicht in klaren Worten habe schreiben wollen, was er nicht in ganz bestimmte Ausdrucksformen habe schnüren können, das habe er in mehr dunkeln nebelhaften Gefühlen schwelgend, hier zum Ausdruck bringen wollen. Schon der Schwabe Vischer, der Verfasser von «Auch Einer», hat darüber gepoltert, dass man Goethes Glaubensbekenntnis darin finden wolle, dass Faust zu Gretchen spricht:

Gefühl ist alles;
Name ist Schall und Rauch,
Umnebelnd Himmelsglut.

So wahr das war im Gespräch mit Gretchen, so wenig stimmt es sonst, denn alle wollen doch nicht eine Gretchenweisheit, die ein ernstes Streben haben, obwohl ja vielfach nur nach einer solchen Gretchenweisheit gestrebt wird. Aber in Goethe lebte noch etwas ganz anderes von Jugend auf, schon von seiner Knabenzeit an. Wenn wir ihn verfolgen bis in seine Knabenzeit hinein, so zeigt sich uns zwar nicht irgendwelches geisteswissenschaftliches Erkennen, aber dieselbe Gefühls-Formation der Seele, die ganze Gesinnung eines theosophisch Denkenden. Da sehen wir den siebenjährigen Knaben unbefriedigt durch allerhand Gefühlserlebnisse von alledem, was ihm von seiner Umgebung an äußeren religiösen Formen zufließt; aber ein höheres Geistiges kann er unbestimmt ahnen und empfinden. Er sucht in der botanischen Sammlung seines Vaters allerlei Pflanzen, wählt allerlei mineralische Objekte und legt sie auf ein Notenpult, das ist sein Altar. Und dem großen Gotte der Natur, wie er ihn später in klaren Worten nennt, dem will er schon in seinem Knabenalter in seiner sehnenden Kinderseele ein Opfer darbringen, dem Gotte, der hervorgezaubert wird durch das, was geschieht in der Welt, ihn will er so geheimnisvoll vor seine Seele rücken. Ein Räucherkerzchen nimmt er, stellt es oben darauf und sammelt in dem Brennpunkt eines Brennglases die ersten Strahlen der Morgensonne, sodass durch sie das Kerzchen entzündet wird. So verrichtet er mit einem Kerzchen, das von den Kräften der Natur selbst angezündet ist, sein Opfer. So denkt er schon als Knabe an dasjenige, was sich hinter der Physiognomie der Natur verzaubert, versteckt. Und das ist geblieben in seiner Seele sein ganzes Leben hindurch. Wunderbar klingt es uns, wenn wir seinen Prosa-Hymnus vernehmen, den er als Ausdruck dessen, was ihm die Natur ist, einem Schreiber vorspricht, bald nach seinem Eintritt in Weimar, es ist der Hymnus «Die Natur»:

Natur! Wir sind von ihr umgeben und umschlungen — unvermögend aus ihr herauszutreten, und unvermögend tiefer in sie hineinzukommen. Ungebeten und ungewarnt nimmt sie uns in den Kreislauf ihres Tanzes auf und treibt sich mit uns fort, bis wir ermüdet sind und ihrem Arme entfallen.

Oder wenn wir an die großen Worte denken: Alles ist Natur. Sie hat den Tod erfunden, um viel Leben zu haben. Und so geht es fort. Goethe bekannte später selbst, es liege dem Gedichte der Gedanke zugrunde, dass allen Naturvorgängen ein Geist innewohne, gerade wie auch allem Persönlichen ein Geist zugrunde liegt. Er sucht die Physiognomie des Geisteslebens; dadurch sehen wir ihn getrieben, die Natur in ihren Zusammenhängen zu betrachten. Nicht auf ihn als Naturforscher können wir hier eingehen, aber hinweisen dürfen wir darauf, dass er überall hinausgeht über das, was sein Fachstudium werden sollte. Überall sehen wir bei ihm das Bestreben, und das zeigt sich bei ihm schon während seiner Studienjahre, dass das einzelne Naturobjekt ihm Mitteilungen machen soll über die Zusammenhänge im Leben. Dazu studiert er dann später noch in Weimar; er hört bei Loder Knochenlehre, vergleichende Anatomie und so weiter. Er wollte nicht nur die zerstückelten Teile der Natur ins Auge fassen, das ersehen wir daraus, dass er auf der italienischen Reise schreibt: Nach alledem, was ich an Pflanzen und Tieren hier gesehen habe, möchte ich gerne eine Reise nach Indien machen, nicht um Neues zu erforschen, sondern um das Alte auf meine Art anzusehen. Seine Art anzusehen aber ist, in allem eine Schrift zu sehen, die in geheimnisvoller Art zum Ausdruck bringt das dahinter liegende Geistesleben. Dass Goethe dies durchaus im Auge hat, wird uns besonders anschaulich, wenn wir sehen, wie er alles Leben unter einen Gesichtspunkt, unter eine Perspektive bringt. In Italien verschafft er sich zum ersten Mal einen Begriff davon, was seinem großen Geiste die griechische Kunst sein kann. Vorher hatte er mit Herder vieles durchgesprochen. An Spinozas Denken bildete er sich heran zur Anschauung einer göttlich-schöpferischen Wesenheit hinter den Erscheinungen; aber hiermit war er nicht zufrieden. Er wollte an dem Menschen selbst eine göttlich-geistige Wesenheit erkennen. Er schreibt an seine Freunde von Italien aus, als er gestanden hat vor dem Kunstwerke, das ihm das Geheimnis der griechischen Kunst gegeben hat: Da ist Notwendigkeit, da ist Gott. Ich habe die Empfindung, dass die Griechen nach denselben Gesetzen verfahren sind, nach denen die Natur wirkt, und ich bin ihnen auf der Spur.

So ist ihm Kunst die Fortsetzung des Schaffens der Natur. Der Künstler soll sich hineinleben in die Gesetze der Welt und dann das Werk der Natur fortsetzen; was die Natur auf niederer Stufe vom Übersinnlichen in das Sinnliche übergehen lässt, das soll der Künstler auf einer höheren Stufe tun. In seinem Buche über Winckelmann sagt er:

Wenn die gesunde Natur des Menschen als ein Ganzes wirkt, wenn er sich in der Welt als in einem großen, schönen, wüi digen und werten Ganzen fühlt, wenn das harmonische Behagen ihm ein reines, freies Entzücken gewährt — dann würde das Weltall, wenn es sich selbst empfinden könnte, als an sein Ziel gelangt aufjauchzen und den Gipfel des eigenen Werdens und Wesens bewundern.

So ist für Goethe der menschliche Geist dasjenige, was schon in der strammen Natur lebt, in Gestein und Pflanzen, was sich da durch das Tier hinaufentwickelt, wird für Goethe im innersten Menschen bewusst, und wenn der Mensch seinen Geist in Formen ausgießt, dann schafft er selbst als höhere Natur über sich selbst hinaus. Aber das war ihm wie angeboren, in allem, was er sah, den Geist zu schauen, das war ihm natürlich, so natürlich, dass sich einmal abspielen konnte jenes bedeutsame Gespräch zwischen Goethe und Schiller nach einem Vortrage von Batsch in Jena. Schiller machte nachher die Bemerkung, dass es doch immer etwas Trostloses habe, nur die Natur im Einzelnen zu betrachten und nie im Ganzen. Goethe erwiderte, man könne auch anders verfahren, man könne auch vom Ganzen zu den Teilen gehen und das Geistige der eigentlichen Betrachtung zugrunde legen. Er zeichnete dann das symbolische Bild einer Pflanze auf und sagte von ihr, sie sei die Urpflanze und enthalte alle andern in sich; mit ihr könne man in beliebiger Weise neue Pflanzen, die Lebens- und Wirklichkeits-Möglichkeit haben, formen und erfinden, von den niedersten bis zu den höchsten Pflanzen. Schiller, der sich damals zu solcher Höhe nicht aufschwingen konnte, hat sich bald selbst zu dieser Ansicht durchgearbeitet. Jetzt aber entgegnete er Goethe, das, was er da gezeichnet hätte, sei keine Erfahrung, sondern eine Idee. Goethe verstand das gar nicht, sondern er meinte, wenn das eine Idee sei, so sehe er seine Idee mit Augen. Hier stehen sich zwei Weltanschauungen krass gegenüber. Schiller glaubte, erst das Geistige zu erfassen durch Abstraktionen; Goethe durch das Anschauen der Idee mit geistigen Augen. Goethe war sich klar darüber, dass der Geist in allem lebt, dass schaffende Geister unter dem Sinnlichen walten, und Goethe hat diese Weltanschauung nicht nur in einer ins Theoretische gehenden Weise ausgebildet, sondern er hat diese seine Weltanschauung hineingeheimnisst in seine Werke, in alles hat er sie hineingebracht, was er auch dichterisch gearbeitet hat. Das zeigt sich insbesondere, wenn wir den zweiten Teil des «Faust» in seiner Tiefe zu erfassen suchen.

Solche Weltanschauung lebte damals durchaus nicht nur bei Goethe oder war nur bei wenigen zu finden, sondern sie war eine geistige Atmosphäre, in der Deutschlands beste Geister damals lebten, und aus dieser GeistPhilosophie wuchs auch Hegel heraus. Freilich für viele, die nur flüchtig etwas gehört haben über Hegel, für sie ist er ein abgetaner Philosoph, einer der großen Irrtumsträger der Vergangenheit. Wenn die Leute an große Geister herankommen, so benehmen sie sich ganz sonderbar. Es gibt eine schöne Schrift von einem russischen Gelehrten, Chwolson: Hegel, Haeckel und das zwölfte Gebot. Darin ist in gewisser Weise eine gute Charakteristik gegeben. Der Verfasser ist ein ausgezeichneter Physiker; er weiß gut die Schlüsse zu ziehen, die mit Recht aus unserer heutigen Weltanschauung gezogen werden können. Sein zwölftes Gebot ist eigentlich sehr selbstverständlich; aber von vielen wird es nicht verstanden. Es lautet: Du sollst niemals etwas schreiben, wovon du nichts verstehst! Wer im Geistesleben bewandert ist, der weiß, dass Chwolson von Hegel nichts versteht; so ist er selbst ein schlagendes Beispiel für sein Gebot. Man kann leicht spotten, wenn man aus dem Zusammenhange herausreißt. Man muss den ganzen Zusammenhang kennen. Hegel ist ein Geist, der reif war, recht reif, aber zum ersten Male mit eigenen Anschauungen auf den Plan trat. Schon 1770 in Stuttgart geboren, veröffentlichte er das erste Werk, das für den, der oberflächlich in Geistesdingen ist, vielleicht vielfach heute etwas ganz Unverständliches ist, erst in seinem Alter. Aber dieses Werk sollte tief bedeutsam sein für jeden, der Höhen im Geistesleben erklimmen will. Es ist die «Phänomenologie des Geistes». Es muss uns schon durch seine äußere Entstehungsweise erscheinen wie quellend aus geistigem Leben.

Er zeigt, dass er in äußerster Konzentration absehen konnte von den Dingen der äußeren Welt. Ungeheurer Intensität der geistigen Kraft bedurfte es, diese subtilen Dinge zu schreiben, die letzten Seiten sind geschrieben worden, während die Kanonen donnerten in der Schlacht von Jena. Da wurde dieses Werk vollendet, das uns einführen sollte in die geistige Welt. Und er hat sich immer Zeit gelassen; fast ein Jahrzehnt nachher erschien seine «Logik», außerdem besitzen wir von ihm eine Enzyklopädie und Rechtswissenschaft. Die Mehrzahl seiner Werke ist aus dem Nachlasse seiner Vorlesungen hervorgegangen durch seine Schüler. Es ist schwer, in kurzen Worten nur ein Bild zu geben von dem Sinn und dem Geist der Hegel’schen Lehre, aber es ist doch vielleicht möglich, in großen Zügen eine Anschauung zu geben. Man hat viel gespottet darüber, dass Hegel die ganze Welt, alles objektive Sein aus dem Geiste heraus, aus der Idee konstruieren wollte, weil er zunächst lauter Begriffe, lauter nur durch den menschlichen Intellekt zu verfolgende Ideenwelt aufbaut; deshalb sagt man, er habe nicht geforscht in der Erfahrung, sondern er habe alles aus dem Geiste heraus holen wollen, was man hierin nur erfahren kann, wenn man die Natur prüft. Der größte Fehler in der Beurteilung Hegels liegt schon da; es ist ganz unrichtig, wenn man sagt, Hegel habe die ganze Welt a priori aus seinem Kopfe heraus spinnen wollen. Er war sich ganz klar, dass sich draußen im Raume die Wirklichkeit ausbreitete, aber er wusste auch, dass hinter dieser objektiven Wirklichkeit geistige Zusammenhänge bestehen, die der Mensch in den Bildern der Ideen erfasst. Was konnte er dafür, dass er in den Dingen die Idee sah. Er erforschte erfahrungsgemäß die Welt, aber er sah eben mehr als die andern. Die Natur gab ihm auch die Ideen außer der grobsinnlichen Stofflichkeit, gerade wie es bei Goethe auch war. Konnten Goethe und Hegel dazu, dass die andern diese Ideen nicht finden konnten? Die, welche sie nicht finden können, glauben dann, Hegel habe sie aus seinem Kopfe gesponnen. Lichtenberg, der große deutsche Humorist, hat einmal von einem Buch und einem Menschen gesprochen und hat gesagt: Wenn ein Buch und ein Menschenkopf zusammenschlagen, und es klingt hohl, dann muss es nicht immer an dem Buch liegen. Und wenn der Menschenkopf und die Natur zusammenklingen, und der Kopf bleibt leer, weil er keine Ideen finden kann, so liegt es wahrlich nicht an der Natur. Hegel machte es sich zur Aufgabe, das, was sich im Raume ausdehnt, in dem gewaltigen Bau der Ideen aufzurichten, den er seine Logik nennt. Jenes Gewebe der Ideen, wovon er bildlich sagt, dass es der Gott sei, wie er vor der Erschaffung der Natur gewesen ist. Das war ihm mehr als ein Bild. Vom abstrakten Sein bis zum absoluten Sein hat man etwas vor sich wie ein Schaffen. Er sagt: Das diamantene Netz der Begriffe und Ideen ist etwas, in das hineinverwoben sind die Dinge der Natur. Dieses Netz wurde ihm ein Spiegelbild, aus dem ihm doch die Natur offenbar wieder entgegentritt. Er verfolgt die Natur durch alle ihre Stufen, um zu zeigen, wie es die Idee, der schöpferische Gedanke ist, der in allem lebt. Er betrachtet das Stein-, Pflanzen- und Tierreich, dann den Menschen; er zeigt, wie der Menschengeist nach und nach immer vollkommener wird, bis er sich heraushebt durch Verstand und Vernunft zu der Anschauung des Geistes in der Außenwelt. Es ist ein gigantisches Gebäude, das da vor uns aufsteigt, wenn es auch im Einzelnen fehlerhaft ist. Es ist ein Gebäude, das jeder aufführen kann, und es ist zugleich eine gute Schulung, da mit Notwendigkeit ein Begriff aus dem andern hervorgeht, jede Begriffsmasse hereinpassen muss in das, was an Ideen geschaffen wird. Eine gleiche Notwendigkeit finden wir höchstens nur dort, wo der menschliche Geist sich in die Zusammenhänge vertieft, die durch die Mathematik gegeben sind. Es wird wieder eine Zeit kommen, wo man wieder hinaufsteigen wird zu dieser bedeutsamen Geistesschulung.

Wenn wir zu empfinden versuchen, wie da Geist und Natur bei Goethe und Hegel zusammengestellt werden, fühlen wir da nicht den Geist theosophischen Empfindens? Ja, wir fühlen das. Nur eines wird der Geisteswissenschaftler bei Hegel vermissen, was er bei Goethe findet in den Worten des «Faust», die Goethe «Chorus mysticus» nennt:

Alles Vergängliche
Ist nur ein Gleichnis;
Das Unzulängliche
Hier wird’s Ereignis;
Das Unbeschreibliche,
Hier ist’s getan;
Das Ewig-Weibliche
Zieht uns hinan.

Nehmen wir die ersten drei Zeilen. Vor uns steht die Natur, wie sie in ihren einzelnen Teilen entsteht und vergeht; alles, was durch Geburt und Tod hindurch muss, das ist ihm ein Gleichnis für das Ewige, Übersinnliche, für alles, was dahinter steht. Da ist Hegel ein Gesinnungsgenosse Goethes; er, der Philosoph, drückt dasselbe denkerisch so aus: Alles Vergängliche in der Natur ist ein Gleichnis für die ewig schaffende Ideenwelt. Dann folgt etwas, wonach der Dichter streben konnte, das aber dem Philosophen verloren ging:

Das Unzulängliche,
Hier wird’s Ereignis;
Das Unbeschreibliche,
Hier ist’s getan.

Wenn wir diese Worte recht fühlen, so merken wir hier, wo es an Hegels rein logischer Welterklärung fehlt. Wir können auch durchaus die straffere Disziplin anwenden in diesem Aufsteigen zu diesem Begriffs- und IdeenNetze, das hinter dem Vergänglichen liegt. Aber es ist in diesem Ideengespinste etwas, was unzulänglich ist, was aber nicht Ereignis werden kann durch verstandesgemäße Anschauung allein. Hegel meint: In diesem logischen Gerüste habe ich vor mir den Gott, bevor er in seine Erscheinung getreten ist. Aber wir müssen fühlen: Ja, du hast etwas von dem Gotte, der dir hätte erscheinen können als großer Weltenplan, in den alles hineingefügt ist. Aber diesem Ideengespinste fehlt das Leben, und das fühlte Hegel.

Nicht kann der Philosoph, der bloße Logiker hindurchdringen zu dem übersinnlichen Leben. Hier konnte sein hauptsächlich für die Logik eingerichteter Geist nicht eindringen. Unzulänglich ist alle Idee, wenn es sich darum handelt, den Inhalt herausfließen zu lassen. Aus dem Schattenreich heraus strahlt die Wirklichkeit, wenn zum Ideengefüge das Leben kommt. Jenes Leben kann nur gefunden werden, wenn der Mensch nicht nur bei dem stehen bleibt, was sich seiner Intelligenz darbietet, sondern der Weg muss angetreten werden zu den Stufen der höheren Erkenntnis. Der Mensch muss anfangen, in sich selbst den Geist leben zu lassen. Dazu braucht man ein Erkennen, das nicht nur in den scharf konturierten Begriffen allein lebt, sondern in dem, was wir hier oft genannt haben, im Bildlichen, in den Imaginationen, die ein über alles begriffliche Erkennen hinausstrebendes Erkennen darstellen. Hinter allem Ideellen liegt eine Welt schöpferischer Prinzipien, die reicher ist, als alle Ideen. Das ist das Unzulängliche, das niemals in die Idee eintreten kann, das erlebt werden muss und kann, wenn man über die Idee hinausgeht zum Bilde, das der Dichter hat, oder zum übersinnlich Wirklichen, zum Geistigen. Darum konnte als Dichter Goethe sich dem nähern, was Hegel fehlte.

Goethe kommt im zweiten Teil des «Faust» so nahe als möglich demjenigen, was wir heute theosophische Weltanschauung nennen. Nichts Geringeres strebt er an, als dasjenige zum Inhalt der höchsten geistigen Menschheitskultur zu erhalten, was den Menschen anknüpft an das große Geistige, was er als Knabe ahnte, als Mann suchte und in dem Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie zum Ausdruck brachte. Er will wirklich jene Geheimnisse vor seine Seele hinstellen vom Geistigen und Sinnlich-Physischen im Menschen. Auch im zweiten Teil im Faust sucht er dasselbe zu tun; aber wir müssen mit andern Augen herangehen, als das gewöhnlich von den Gelehrten geschieht. Wir müssen etwas aufnehmen, was manchen der heutigen Faust-Erklärer als etwas recht Verrücktes anmuten wird; aber wir werden bewahrheitet finden, was Goethe sagt zu Eckermann: Ich habe so gearbeitet, dass die, die nur für ihre äußere Schaulust etwas haben wollten, gar sehr auf ihre Rechnung kommen, für Esoteriker aber habe ich gar manches hineingeheimnisst.

Zuerst wird Faust hindurchgeführt durch die kleine Welt. Nachdem er sinnliches Glück und sinnliche Misere durchgemacht hat, sehen wir, wie er aufgenommen werden soll in einen Ideenkreis, wo ihm die größten Geheimnisse der Weltennatur klar werden sollen. In die große Welt wird er eingeführt. Faust wünscht sich zu vereinigen mit der griechischen Helena, der längst verstorbenen. Sie soll als leibhaftige Frau mit Faust sich vereinigen. Helena bedeutet für Faust und Goethe ganz etwas anderes als für die meisten. Sie ist für sie die Repräsentantin des Volkes und Schaffens, das Goethe in den Griechen bewunderte, von denen er sagte, sie seien dem Geheimnis alles natürlichen Schaffens auf den Grund gekommen und deuteten es in ihren Kunstwerken an.

Aber nur recht vorbereitet kann der Mensch erleben das Geheimnis, dass das Ewige, das Unvergängliche des Menschen in einer neuen Verkörperung uns entgegentreten kann; nichts Geringeres ist es als das Rätsel der Verkörperungen, das uns hier entgegentritt. Faust strebt nach Helena — er berührt sie, da gibt es zunächst eine Explosion, weil er noch nicht innerlich gereinigt ist, und er muss erst die Geheimnisse der Menschwerdung erfassen, die Stufe für Stufe an Faust gezeigt werden. Für Goethe besteht auch der Mensch aus dem physischen Menschen, der die äußere Leiblichkeit des Menschen darstellt, das, was er mit allen umliegenden Mineralien gemeinsam hat. Dann gibt es auch in Goethes Anschauung ein zweites Glied: das Seelische, den astralischen Leib, den Träger der Begierden und so weiter. Als das Höchste gilt auch bei Goethe der Geist, der das eigentlich Ewige darstellt, das von Verkörperung zu Verkörperung hineilt, Inkarnation auf Inkarnation durchmacht. Und Faust soll erfahren, wie sich Geist, Seele und Leib zusammenfinden zu dieser sinnlichen Welt. Da muss er erst erkennen, wo das Ewige ist, wenn es nicht physisch auf Erden verkörpert ist. Das Ewige ist in einem rein geistigen Gebiete. Deshalb muss Faust hinuntergeführt werden in das geistige Land, in jenes Reich, wo die «Mütter», die Urmütter alles Geistigen sind. Mephisto steht an Faustens Seite mit dem Schlüssel zum Reiche der Mütter, den er Faust übergibt. Das kann Mephisto tun; er kann auch das äußere Reich beschreiben; aber hinein kann er nicht. Er ist der Repräsentant des bloß verstandesmäßigen Menschen; er bezeichnet sogar das Reich als das Nichts. Daher ist er der Repräsentant des Realismus, des Monismus. Man soll bis zur Pforte des Geisteslebens kommen; die strengste Wissenschaft hat den Schlüssel, aber sie führt nur bis zur Türe, Wer eine nur auf Sinnlichkeit gestützte Erfahrung hat, der spricht auch heute noch die Worte des Mephisto deutlich aus, dass da in dem geistigen Reich das Nichts sei. Faust aber erwidert, was auch heute erwidert werden sollte:

In deinem Nichts hoff ich das All zu finden!

Und Faust geht hinunter in das Reich der Mütter und holt herauf den lebendigen ewigen Geist der Helena, das, was von Verkörperung zu Verkörperung zieht. Wer die Beschreibung des «Reiches der Mütter» verfolgt und versteht, der wird in jedem Worte den Wissenden in Goethe erkennen.

Versinke denn! Ich könnte auch sagen: Steige!

In diesem Reiche ist das gleich — da genügen unsere Raumbegriffe nicht mehr. Die Mütter sitzen auf einem glühenden Dreifuß. Das ist die symbolische Andeutung für das eigentlich Ewige im Menschen, das sich gliedert in: Manas, Budhi, Atma oder Geistselbst, Lebensgeist und Geistmensch. Dieses Symbolum des Dreifußes, den umgeben die ewig schaffenden Mütter, drückt an solcher bedeutungsvoller Stelle genug aus. Der Geist, den Faust so holt, muss umhüllt werden mit dem Astralischen und der physischen Hülle, und das geschieht. Goethe stellt dasjenige, was zwischen Geist und physischem Leib mitten darin steht, die astralische Welt, dar in Homunculus. Dasjenige, was nichts zu tun hat mit irgendetwas, was der physischen Welt angehört, was getrennt vom Geiste der Helena geschaffen wird, das sich aber später mit ihm verbinden soll, das ist das Astralische im Menschen, das, was im physischen Körper im Menschen wohnt. Goethe tut alles, um darauf hinzuweisen, dass wir in Homunculus haben das Astralische im Menschen. Könnte das Astralische getrennt sein vom Physischen, so müsste es hellseherisch sein — hellseherisch müsste es in die astrale Welt schauen. Im physischen Leibe ist es nicht mehr hellseherisch. Und Goethe stellt den Homunculus hellseherisch vor. Gleich als er auftritt, sieht er das, was Faust träumt; die ganze Ideenwelt des «Faust» sieht er. Und gehen wir weiter — wird uns nicht klar gesagt:

Ihm fehlt es nicht an geistigen Eigenschaften,
Doch gar zu sehr am greiflich Tüchtighaften.

— das Physische fehlt ihm ja doch. Homunculus ist eine Seele, die sich verkörpern will. In jedem Worte, das da gesprochen wird, kann man Goethes Meinung in der angegebenen Richtung erkennen. Aber die Worte Goethes müssen auch im richtigen Sinne verstanden werden.

Es wird! Die Masse regt sich klarer
Die Überzeugung wahrer, wahrer.

Da finden wir doch sogar bei Faust-Kommentaren: in Wagner rege sich die Überzeugung wahrer — es ist aber gemeint, die astralische Natur zeugt in einer Weise, die über menschlicher Zeugung steht. Es ist eine Überzeugung — wie Übermensch. Es wird den Leuten schwer, da Goethe zu verstehen, wo er esoterisch ist. Schon zu seinen Lebzeiten hat er hören müssen, wie Leute immer hingewiesen haben auf das, was er aus der ganzen Fülle seiner jugendlichen Natur und seines dichterischen Gefühls hineingegossen habe, wozu man nicht besonders viel braucht, um es zu verstehen. Solche Leute hat er schön abgefertigt. Es fand sich ein Zettel in seinem Nachlass:

Da loben sie den Faust
Und was noch sunsten
In meinen Werken braust
Zu ihren Gunsten.
Das alte Mick und Mack
Das freut sich sehr;
Es meint das Lumpenpack,
Man wär’s nicht mehr!

Auch vom Geistesforscher glaubt man das. Goethe weist in allem darauf hin, dass er in Homunculus dieses zweite Glied der menschlichen Wesenheit charakterisieren will, dass dieses Seelische, bevor es den Geist aufnehmen kann, sich vereinigen muss mit alldem, was in den niederen Naturreichen ist. Wir sehen, wie das Astralische durch alle Reiche der Natur geht bis herauf zum Menschen. Er führt uns deshalb mit Faust, Mephisto und Homunculus zur klassischen Walpurgisnacht. Es ist dies ein wichtiges Kapitel, das uns sagt, was Homunculus da eigentlich will. Da sind die schaffenden Kräfte in der Natur, da will Homunculus das Geheimnis erfahren, wie man als Astralisches die physische Hülle um sich herum gliedert, wie man vom Mineralischen anfangend, im untersten Reich beginnend, Hülle um Hülle um sich herumlegt — bis herauf zum Menschen hast du Zeit. — Beim Übergang vom Mineralischen ins Pflanzliche findet Goethe den schönen Ausdruck: «Es grunelt so». Es wird dann gezeigt, wie er weiter fortschreitet bis herauf, wo er bereit ist, sich aus den Elementen eine physische Hülle zu schaffen. Da tritt Eros in die Erscheinung, die Liebe. Wenn ein Mensch aus dem Geistigen ins Sinnliche treten will, so müssen nach den großen Geheimnissen sich verbinden Geist, Seele und Leib. Wenn die drei sich vereinigen, dann kann der Mensch sinn- und geistgemäß vor uns erscheinen. Helena ist gefügig, der ewige Geist ist aus dem Reich der Mütter heraufgekommen. Homunculus hat sich mit sinnlicher Materie umgeben, mit dem Geiste sich vereint, und Helena steht vor uns. Der Dichter konnte die Verkörperung nicht anders darstellen als so. Im dritten Akt wird hingestellt das Geheimnis des Werdens.

Das Unzulängliche, hier wird’s Ereignis,

so zusammenfassend sagt er, was er nach dieser Sichtung hin aussprechen will. Da, wo wir aufsteigen den höheren Erkenntnispfad zu höheren Formen, da zeigt sich der Geist schaffend, lebendig, da wird er in lebendiger Gestalt vor unsere Seele hingestellt. Und wir sehen, was der Geist auch haben muss, wenn er nicht ein bloßes Gespenst der ewigen Ideen sein soll — Willen muss er haben. Er deutet an, dass er nicht nur Gedanken und Begriffe haben muss. Das Unbeschreibliche, das getan werden muss, das ist der Wille. Er tritt uns als Erkenntnisvermögen entgegen, wo wir den innersten Quell höchster Erkenntnis in uns fließen fühlen. Wenn wir uns abkehren von allem Sinnlich-Physischen. Der Mensch kann diese Stufe erreichen, und Faust hat sie erreicht. Das zeigt uns Goethe symbolisch wiederum, indem er Faust auf der höchsten Stufe erblinden lässt, sodass er das Physische nicht sehen kann.

Allein im Innern leuchtet helles Licht.

Da finden wir uns hinein in die Taten der geistigen Welt:

Das Unbeschreibliche, hier ist’s getan,

das, was sich nicht beschreiben lässt mit Worten aus der Sinnenwelt. Wir sehen, wie der lebendige, logische, willensvolle Geist in uns einfließen kann. Und das befruchtet, was im höchsten Sinne als das Weibliche gilt, die Seele. So verstehen wir, was Goethe meint mit den letzten Worten des «Faust», wenn wir wissen, dass die Seele immer dargestellt wird als erwas Weibliches, das befruchtet werden muss und das uns hinanzieht zu allem, was Tat wird. Das will uns Goethe darstellen.

Nur einige wenige grobe Striche konnte ich anführen. Dasjenige, was über Hegel gesagt worden ist, wird Ihnen zeigen, dass Hegel auf dem Pfade der Theosophie war. Er ist so weit gegangen, als er konnte. Mit ungeheurer Energie hat er in der Natur geforscht, die Zusammenhänge gesucht und gefunden. Goethe, der Dichter, ist noch weiter gegangen. In seinen dichterischen Bildern hat er die strammen Konturen der Begriffsbilder, das, was im Leben Weisheit und Wissenschaft werden soll, durch Erfassen des lebendigen Geistes zu erweitern gesucht. So hat denn Goethe durch seinen Faust so recht bekräftigt, dass es ihm eine tiefe Wahrheit war, was er betont hat am Ausgangspunkt seiner wissenschaftlichen Schriften, dass wir die Außendinge der physischen Welt sehen, weil unsere Sinne geschaffen sind für die äußeren sinnlichen Dinge. Das äußere Bild stellt sich so dar, wie unsere Augen sind:

Wär nicht das Auge sonnenhaft,
Die Sonne könnt’ es nie erblicken,
Läg’ nicht in uns des Gottes eigne Kraft,
Wie könnt’ uns Göttliches entzücken!

Wie die sinnliche Sonne durch das sinnliche Auge gesehen wird, so ist der Geist der Schöpfer des geistigen Auges im Menschen, und wird durch das geistige Auge in seiner Wirksamkeit gesehen. Diese Worte gehen hervor aus seiner Weltanschauung. So versteht er den die Welt durchwirkenden Geist, und so hat er sich in seiner Kraft hinaufgerungen zu einer Erkenntnis, die nur wenige finden. Er sagt selbst zu einem seiner Freunde ganz am Ende seines Lebens: Das Wichtigste, was ich geschrieben habe, das sind Sachen, nicht für die große Welt, sondern für wenige, die ein Gleiches auf geistigen Pfaden suchen können.

Das, was er für wenige erreicht hat, das muss ein Gemeingut für viele werden, das darf nicht eine theoretische Weltanschauung bleiben, sondern es muss Gemüt und Willen ergreifen. Und so müssen denn gerade die, die geisteswissenschaftlich herannahen zu Goethes und Hegels Weltanschauung, zu der Überzeugung kommen, wie viel Theosophie bei beiden zu finden ist. Diese Überzeugung schließt sich zusammen in den Worten, die der Weise gesprochen haben soll:

Die Geisterwelt ist nicht verschlossen,
Dein Sinn ist zu, dein Herz ist tot!
Auf, bade, Schüler, unverdrossen
Die ird’sche Brust im Morgenrot!

German original of Goethe, Hegel and Theosophy · ← Previous · Next →