Goethe and the Present
GA 68c — 22 September 1909, Basel
XXVI. Die Geisteswissenschaftliche Bedeutung Des «Faust>»
Meine sehr verehrten Anwesenden!
Es war im Spätsommer des Jahres 1831 — also [nicht ganz] ein Jahr vor Goethes Tod —, da siegelte der große Dichter ein Paket ein. Der Inhalt dieses Paketes sollte liegen bleiben bis nach seinem Tod.
Das, was Goethe damals einsiegelte, das war der Abschluss seines großen Lebenswerkes, das war der zweite Teil seines «Faust», wie er uns heute vorliegt. Und bedeutungsvoll klingen die Worte, die Goethe damals zu einem seiner Freunde sprach, als er diese seine große Dichtung vollendet hatte. Da sagte er: Damit ist mein Lebenswerk vollendet, und es ist im Grunde genommen gleichgültig, was ich jetzt noch tue und ob ich überhaupt noch etwas tue.
Es ist ein eigentümliches Gefühl, das unsere Seele beschleichen muss, wenn wir eine solche Persönlichkeit angekommen sehen auf der Höhe des Lebens und zu gleicher Zeit im Abend des Lebens und wenn eine solche Empfindung durch die Seele dieser Persönlichkeit zieht. Diese Äußerung Goethes schließt ja ein, dass unser Dichter fühlt etwas tief innerlich Abgeschlossenes in seinem Lebenswerk: Er fühlt sozusagen zum Ende und zum Ziel gebracht etwas, woran er lange, lange — nicht Jahre, Jahrzehnte! — gearbeitet hatte. Und wenn wir daran denken, dass jenes Werk abgeschlossen ist, in das er seine höchsten Ideale und Lebensanschauungen hineingelegt hat, dann müssen wir einem solchen Werk eine ganz besondere Wichtigkeit beimessen — ein solches reiches, inhaltvolles Leben, das so von sich sprechen kann, mit einer solchen inneren Harmonie, mit dem Bewusstsein, an ein Ziel gekommen zu sein, [dass er der Welt gegeben, was er zu geben hatte, das ist die tiefe Bedeutung]. Hingegeben zu haben der Menschheit, was man als das Beste zu sagen hat! [Bei diesem großen Dichter kann man verstehen, wie sein Werk wächst mit der Entwicklung, immer reicher und reicher wird.]
Einen Eindruck, was das bedeutet, können wir gewinnen, wenn wir uns zurückversetzen in des Dichters Leben, in jene Zeit, wo er im September des Jahres 1783 in Ilmenau einritzte in eine [Bretterwand] die Worte:
Über allen Gipfeln
Ist Ruh,
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde
Ruhest du auch.
Wenn wir auch ein solches Gedicht aus der Situation heraus verstehen müssen und vielleicht daran denken müssen, dass es in einer solchen Persönlichkeit wie Goethe aus dem Augenblick heraus geboren war - Abend war es —, aus der Abendstimmung heraus, so dürfen wir uns doch auch sagen, dass diese inhaltschweren Worte herausgeschrieben sind aus Goethes damaliger Stimmung, aus jener Stimmung schwerer Sorgen des inneren Lebens, als schwere Rätsel auf seiner Seele lasteten.
Es war am Ende seines Lebens, da er wieder an der Stätte war, an welcher er diese Worte geschrieben hatte. Er las sie wieder in hohem Alter, und mit Tränen der Rührung blickte er zurück in diese Jugendstimmung. Was alles liegt in Goethes Leben zwischen zwei solchen Zeitpunkten! Was endlich liegt in Goethes Leben zwischen jener Zeit, da er begonnen hat, all seinen Erkenntnisdrang als ein Sehnen nach den Idealen des Lebens jugendlich in die [ersten] Partien des «Faust» hineinzulegen, und jenem Zeitpunkt kurz vor seinem Tode, der dieses Werk zum Abschluss bringt! Oh, es ist sehr eigentümlich, dass wir gerade bei diesem Werk des Dichters mehrere Schritte verfolgen können, wo es sich uns zeigt, wie es wächst und wächst mit des Dichters Persönlichkeit. Schon als er [in der Mitte] der Siebzigerjahre in Weimar eintraf, brachte er gewisse Partien seines «Faust» mit. Das war die erste Gestalt, wie er seine Lebensideale und -rätsel zum Ausdruck brachte. Diese Gestalt lag lange nicht gedruckt vor - [sie hat sich] erhalten bis zum neunzehnten Jahrhundert, [da wurde sie] gefunden im Nachlass eines weimarischen Hoffräuleins. Wiedergefunden beim Eröffnen des Archivs, wurde im Jahre 1790 der «Faust» als Fragment gedruckt. [Von da an wächst der «Faust» immer mehr.]
Heute soll es meine Aufgabe sein, diese gewaltige Dichtung mehr von außen her zu charakterisieren und damit die Vorbedingungen zu dem Vortrage von morgen, der in die tiefen Geheimnisse mehr eindringen soll, zu schaffen. Man hat viel gefabelt von der Unverständlichkeit des zweiten Teils. Dem gegenüber möchte ich einfach die Frage aufwerfen: Glauben Sie, dass eine solche Persönlichkeit wie Goethe an ihrem Lebensende ebenso leicht zu verstehen ist wie in früheren Jahren? Sollen wir nicht vielmehr uns bemühen, mit allen Kräften einzudringen in das, was er zu sagen hatte an seinem Lebensabend?
In drei Gestalten haben wir den «Faust»: zunächst den jugendlichen «Faust», den man den ersten Teil nennt. Er liegt uns in jenem Manuskript vor, das in Weimar im Nachlass jenes Hoffräuleins gefunden wurde. In zweiter Gestalt aus dem Jahre 1790. Und eine dritte, die 1808 erschienen ist. Dies ist die Gestalt, in der uns auch jetzt der «Faust» als erster Teil vorliegt. In der Zeit von da bis in die Zwanzigerjahre [des neunzehnten Jahrhunderts] hinein hat Goethe nicht daran gedacht, seinen «Faust» fortzusetzen. [Wir werden sehen, wo eigentlich die Gründe dafür lagen.] Für Goethe war das Problem zu groß, um es ohne Weiteres zum Abschluss zu bringen. Erst 1820 nahm der Dichter in seiner höchsten Lebensreife das Werk wieder auf und führte es mit Energie und mit Kraft bis in sein letztes Lebensjahr aus. Oh, wir haben in Goethe einen Menschen, der mit den größten Lebensinhalten schon in seiner Jugend dasteht, aber zugleich eine Persönlichkeit, die von Jahrzehnt zu Jahrzehnt in ihre eigene Seele blicken konnte und sagen: Jetzt bist du wieder ein Stück vorwärts gekommen.
[Und wenn wir sehen, wie hoch diese stets strebende Persönlichkeit über uns steht], muss uns nicht gerade der Drang beseelen zu verfolgen die Schritte, die er genommen zwischen dem ersten und dem zweiten Teile seines «Faust»? [Wahrlich, es ist ein gewaltiger Unterschied zwischen den Etappen des ersten Teiles des «Faust» und zwischen dem ersten und zweiten Teil.] Wenn wir zuerst die Gestalt, die 1775 hätte gedruckt werden können, ins Auge fassen, da würden wir sehen ein persönliches Werk, in dem Goethes eigenstes Sehnen und Streben eingeflossen ist. Alles, was Goethe gefühlt hat an Rätseln und tiefem Erleben, das hat er in dieses Werk hineingegossen.
Dann finden wir jenes «Fragment», das 1790 uns zuerst vor Augen getreten ist. Da finden wir einen merkwürdigen Unterschied gegenüber dem ersten: Goethe ist bereits abgeklärter. Das, was uns zuerst als Persönlichkeit mit individueller Note und Nuance entgegentritt, ist mehr in das Unpersönliche und Abgeklärte hinaufgehoben. [Wir fühlen schon mehr, dass] das, was [da verhandelt wird, nicht nur den Goethe in seiner Jugend, sondern] uns Menschen mehr oder weniger alle angeht.
Und nehmen wir dann die Gestalt von 1808 vor Augen, so finden wir, dass er [der «Faust»] mehr von dem Menschlichen ins Übermenschliche hineingerückt ist, in eine Sphäre, wo die Mächte des Himmels um den Menschen kämpfen und der Mensch hineingestellt wird in den Kampf des Guten und Bösen — insbesondere ausgedrückt in dem «Prolog im Himmel». Sehen wir im ersten Teil das Streben der Goethe-Seele wie ganz versenkt, als Mensch mitzutun, so sehen wir ihn 1808 hineingestellt in das ganze Menschenall, den Gesichtskreis erweitert von dem Menschlich-Persönlichen zu einem großen Weltentableau.
Aber im inneren Charakter finden wir, dass der erste Teil etwas enthält, was Goethe selbst im Lebensalter als etwas Persönliches, Unklares empfindet, nicht das allgemein Menschliche. Wer sich dahinein versenkt, findet darin etwas Theoretisches: Wie ein Mensch spricht, der vor ihm unbekannten Dingen steht, von denen er erst eine Ahnung hat. Der zweite Teil — so sonderbar das gegenüber den üblichen Vorurteilen klingen mag — ist ein realistisches Werk, herausgeflossen aus den ureigensten Erlebnissen, nachdem er von sich sagen konnte, er habe es zu einer befriedigenden Lösung aller Lebensfragen gebracht. [Dabei ist der zweite Teil noch höher hinausgehoben über das Persönliche]. Daher, wenn wir ihn richtig verstehen, erfüllt uns der «Faust» mit jener Befriedigung wie alle Literaturwerke, von denen wir sagen können: Hier hat sich eine künstlerische Individualität hinaufgerungen, die da spricht zu allen Menschen, zu innerer Ruhe, zu innerer Harmonie.
Wie Goethe herausströmen ließ aus seinem tiefsten Innern den Inhalt des «Faust», kann uns Aufklärung geben, warum der erste Teil mehr theoretisch, der zweite mehr realistisch erzählt Goethes Erlebnisse, wie er das erlebt hat, was er gibt.
Wenn wir Goethe in seinem «Faust» aufsuchen wollen, müssen wir uns sagen, dass das Ziel von vornherein in seiner Anlage von Kindheit an enthalten war. Deshalb ist es so bezeichnend, dass der siebenjährige Goethe sich bereits als Knabe unbefriedigt fühlte [von dem, was ihm seine Umgebung sagte] über die großen Untergründe des Lebens. Er kann es da natürlich nicht aussprechen, nur fühlen und empfinden; aber er empfindet in der Richtung, die er später in so scharfen Konturen hinstellen konnte. Und so finden wir, dass er eines Tages nach Ausdruck sucht für sein Empfinden gegenüber dem Göttlichen: Da nimmt er ein Notenpult, da legt er darauf dasjenige, was er an Naturprodukten finden kann in der Naturaliensammlung seines Vaters. Da hat er eine Art Altar sich errichtet, und durch die Erzeugnisse der Natur lässt er zu sich sprechen den Erzeuger, den schöpferischen Geist, der dahinter ist. Denn der siebenjährige Knabe hatte vor, dem Gotte, den er suchte, ein Opfer darzubringen. Und oben darauf stellt er eine Räucherkerze, und er nimmt ein Brennglas, sammelt die Strahlen der aufgehenden Sonne mit dem Brennglase und entzündet das Räucherkerzchen. Er hat seinem Gotte ein Opfer dargebracht an den Quellen der Natur selber. [Das ist die Richtung der Goethe’schen Seele, sein Hinstreben zu den Quellen des Lebens.] In seinen Erinnerungen sagt er selbst, dass er so als Knabe der Gottheit hat opfern wollen. Dieser Drang blieb in seiner Seele und prägte sich aus in all seinem späteren Streben.
So sehen wir ihn, als er als Leipziger Student eigentlich Jurisprudenz studieren soll, beschäftigt hauptsächlich mit dem, was er aus der Naturwissenschaft der damaligen Zeit aufnehmen kann; und in allen andern Wissenschaften und Kenntnissen des Lebens sieht er sich um, so wie er am Ende der Sechzigerjahre [des siebzehnten Jahrhunderts] sich umgesehen hatte in allen Kenntnissen. Nicht [Einzelerkenntnisse aber sucht er], wie man sonst [als junger Student] unter dem Zwange der Verhältnisse suchte. Er suchte sich den Weg zu bahnen zu Erkenntnissen aller Art; er strebte [nach einem allgemeinen Wissen über den geistigen Urquell der Menschheit], danach, das, was damals in abstrakten Begriffen ausgedrückt wurde, in nüchternen, trockenen Beobachtungen der äußeren Lebenseindrücke, das suchte er zu verbinden mit den innersten Sehnsüchten und Bedürfnissen seiner Seele: Aufklärung über die Rätsel des Lebens sollten ihm die Erkenntnisse bringen. Dazu waren die Erkenntnisse der damaligen Zeit allerdings nicht angetan.
Alles, was an ihn herantrat, verband sich bei Goethe mit seinem ganz individuellen Streben, mit allen Fragen, die sich bei ihm nach dem Unendlichen regten. Und sein Leben war schon in der Jugend geeignet, ihn hinzuweisen auf das Geistig-Ewige. Das aber, was so geeignet war, sein ganzes Leben zu vertiefen von Jugend an, sprach sich besonders aus in verschiedenen Ereignissen seines Lebens.
Nur zwei derselben sollen hier angeführt werden: In einer schweren Krankheit fühlte er sich dem Tode nahe. Ja, es stand der Tod an seinem Bette in seiner frühen Jugendzeit. Er wurde berührt durch dies Lebensereignis von der Vergänglichkeit alles Äußerlichen, und hingelenkt [wurde] auch äußerlich seine Seele zu dem Streben nach dem Unsterblichen.
Wer Goethe gerade in der damaligen Zeit in Bezug auf sein Leben verfolgt, wird sehen, wie dieses Ereignis sein Leben vertieft hat. Er war geeignet, in Frankfurt ganz besonderen [geistigen Kreisen] entgegenzutreten. Und die Persönlichkeiten, die im eminentesten Sinn die Seele darauf hinrichten, [den Rätseln des Lebens], dem Geiste und den Quellen des Daseins nachzuforschen, die aus den traditionellen Stimmungen der Religionen sich herausgearbeitet haben, die nachfragen: Wo sind die Grenzen unserer Erkenntnis? Wie viel müssen wir den bloßen religiösen Überlieferungen überlassen und wie viel unserer eigenen Einsicht? [Die nicht nach den Grenzen des Erkennens, nach der Grenze der Wissenschaft und Offenbarung fragen], die waren bei denen, die damals Goethes Freunde waren, nicht heimisch.
Eine andere Stimmung herrschte indessen unter denen, in deren Mitte das innige Fräulein von Klettenberg stand, die Goethe später verewigt hat in seinen «Bekenntnissen einer schönen Seele», Man sagte sich in diesem Kreise: In der Seele des Menschen ist etwas, das entwickelt werden kann, was immer höher und höher hinanreifen kann. Der Mensch ist nicht immer reif, das Höchste zu erkennen, aber in seiner Seele schlummern Kräfte, die er entwickeln kann [die man herausholen kann, wenn man strebt und an sich arbeitet. Innere Geisteskräfte erlangt man dann, die sonst nicht in der Seele vorhanden sind]. Und was er nicht erreichen kann, wenn er noch so menschlich sich bemüht, das kann er erreichen, wenn er Kräfte entwickelt, die im gewöhnlichen Leben nicht zu erreichen sind. Entwicklung der Seele, das war der Inhalt dieses Freundeskreises; denn es war ihre Überzeugung, dass in der Seele etwas ist, was dem gewöhnlichen Leben unbewusst, oder sagen wir unterbewusst, bleibt. [Im gewöhnlichen Leben ist der Mensch unbekümmert um die geheimnisvollen Kräfte, die da sind.] Wenn der Mensch so lebt, dass er bloß der Sinnesanschauung sich hingibt, und diese Sinnesanschauung bloß mit dem Verstande bearbeitet, da nähert er sich nicht den Quellen des Lebens, da geht er vorüber an den verborgenen Kräften der Seele, die er hinaufentwickeln, an denen er arbeiten kann. Und wenn der Mensch sich zu einer höheren Entwicklungsstufe hinaufgebracht hat, dann dringt er tiefer ein in das, was sich verbirgt hinter den Gegenständen. Dann tritt ihm entgegen das Geistige, das Ewige, das Unvergängliche. So war die Stimmung bei diesen Freunden.
Sie sehen also, dass zu der Frage selbst der Unsterblichkeit der Menschenseele diese Leute anders standen, als man vielfach im Leben steht, wo man vielfach verzichtet darauf, sich Aufschluss zu geben über das, was das Ewige draußen in der Natur oder in der Kunst ist, oder es überlässt den traditionellen Überlieferungen. Bei diesen Freunden war es nicht so. Sie sagten sich: Da draußen in der Natur ist etwas Unvergängliches, und es gibt Kräfte, die in der menschlichen Organisation sind wie draußen in der Natur. Was draußen Vergängliches ist und vergänglich sich zeigt, ist auch im Innern des Menschen vergänglich. Und wenn wir unsere Kräfte nur mit diesem Vergänglichen sehen, dann wird das Unsterbliche sich niemals enthüllen. Im Verborgenen der Seele aber liegen tiefere Kräfte des Menschen, Kräfte, die wie mit einem Schleier bedeckt sind dadurch, dass der Mensch nur etwas gibt auf die äußeren Sinnesanschauungen und den sie kombinierenden Verstand. Durch solche Kräfte, die geläutert sind, die [ebenso] objektive Erkenntnisse [des Ewigen] geben, [wie der Verstand sie für die sinnliche Welt gibt], müssen wir die Sinne läutern und von dem Vergänglichen abzulenken suchen. Das sagten sie sich: Wenn ich mich verbinde mit dem Ewigen in der eigenen Seele, dann stehe ich geistig Aug in Auge dem Unvergänglichen gegenüber, dann habe ich es aus mir selbst herausgeholt, dann kann mir nichts mehr die Gewissheit der Unsterblichkeit nehmen, dann bin ich mit dem Geiste in der eigenen Brust verbunden, der ebenso aus dem Gottesgeiste stammt, wie die Sinnesdinge stammen aus der äußeren Zusammengehörigkeit und Harmonie.
Goethe fühlte sich tief verwandt mit diesen Seelen. Aber es war viel Unklares in diesen Seelen. Das, was ich jetzt mit bestimmten Worten erzählt habe, drückte sich bei ihnen mehr aus in Form von Ahnungen, von unausgesprochenen Empfindungen der Seele; drückte sich mehr in gewissen Seelengebärden als in scharf umrissenen Erkenntnissen aus.
In diese Gesellschaft kam der junge Goethe. Und diese Gesellschaft hatte eine gewisse Vorliebe für eine gewisse Art von Schriften, die herauskamen aus einer schon vergangenen mittelalterlichen Erkenntnis. Schriften, welche zum Ausdruck brachten die Art und Weise, wie man sich zu nähern suchte den großen Geheimnissen der menschlichen Natur. Mit diesen Schriften kam auch Goethe in Berührung, und wie die Grundstimmung seines Herzens war, können wir erkennen, wenn wir ihn sehen mit unablässigem Erkenntnisdurst in diesen mittelalterlichen Schriften nachforschen, um zu finden Mittel, die verborgenen Kräfte seiner Seele herauszubilden, die endlich zur Erkenntnis des Unvergänglichen führen. Eine solche Schrift war die des Valentinus Basilius und des Theophrastus Paracelsus, [Wellings «Opus macrocabalisticum et theosophicum», vor allem aber Kirchwegers «Aurea catena Homeri»], die er selbst nennt kabbalistisch-theosophisch.
Was enthalten diese Schriften, dass damals ein Mensch, der von damals moderner Gesinnung war, in derartiger Schrift sich vertiefte, so wie wenn ein moderner Haeckelianer oder ein sonstiger moderner Gebildeter sich beschäftigen würde mit den merkwürdigen Schriften des Eliphas Levy? [Wenn ein gewöhnlicher Mensch sich damals da hineinvertiefte, hielte er diese Schriften für den reinsten Unsinn, für Phantasterei.] Genauso war es auch dazumal: Ein Moderner hatte das Gefühl, das ist ja der reine Unsinn, solchen Dingen kann sich nur ein phantastischer Mensch hingeben. Man kann verstehen damals und heute diese Stimmung. Man kann sie als eine von gewissen Gesichtspunkten durchaus berechtigte Stimmung erkennen. Durchaus braucht man sich nicht zu wundern, dass jemand, [der in seiner Seelenentwicklung] nicht weiter ist, nur den reinen Unsinn darin sehen kann. Goethe fand nicht nur reinen Unsinn darin. Nun waren sie aber zum Teil der reine Unsinn. Sie gehörten zum Teil noch der Zeit an, wo es noch keinen Buchdruck gab und noch alles mit der Hand niedergeschrieben wurde; aus der Zeit, wo die Wissenschaft noch nicht bereichert worden war durch das, was Galilei und Kepler gelehrt hatten. Da suchte man in der Zeit in ganz anderer Weise der Natur beizukommen. Wenn wir charakterisieren wollen in jener Zeit vor den großen Errungenschaften der Naturwissenschaft die Art und Weise, wie die Menschen dem Quell sich nähern wollten, so müssen wir sagen: Vor jener Zeit suchte der Mensch mit allem, was in seiner Seele war, in Natur und Welt hineinzutreten, nicht nur mit dem Intellekt; sondern [er suchte] Willen und Gefühl so zu läutern, dass er auch mit dem Gefühl objektiv so erkenne, wie die mathematische Erkenntnis forscht. [Etwas, wovon der heutige Mensch sich kaum eine Vorstellung machen kann. Ebenso kann die Begierde zur Erkenntniskraft werden. Dazu muss sie aber der Mensch verändern; er muss an ihr arbeiten; er muss sie von allen selbstsüchtigen Empfindungen reinigen und läutern.] Ebenso kann der Wille zu einer Erkenntniskraft heraufgehoben werden. Dafür darf aber der Mensch Gefühl, Empfindung und Begierde nicht so lassen, wie sie sind — er muss dran arbeiten!
Wie er daran arbeiten muss, das wusste der Freundeskreis, der Goethe umgab. Während der Verstand sozusagen gelassen werden kann, wie er ist, weil er heute schon von vornherein so ist, wie man ihn lassen kann, [muss man Empfindung, Gefühl, Wille und Begierden so umgestalten, dass sie Erkenntniskräfte werden]. [Nur durch jene Arbeit] holt man seine verborgenen Fähigkeiten der Seele heraus, die dem Menschen eine Erkenntnis des Ewigen geben. [Der Verstand, der bequem so gelassen wird, kann nur Aufklärung geben über das Vergängliche.] Diese Art Erkenntnis durch Willen und Gefühle, sie war [gegenüber der Verstandeserkenntnis damals] mehr zurückgetreten, auch bei Goethe in seiner Jugend. Dagegen herrschte das, was man durch äußere Sinneserkenntnis und den Verstand gewinnt, wie das auch heute der Fall ist. Goethe aber kannte die Grenzen der SinnesVerstandes-Erkenntnisse. [So konnte er sich zwar nicht recht zurechtfinden in diesen Schriften, die, da sie verfasst waren von Nachzüglern, die nicht mehr eigene Erkenntnis hatten, viel Unsinn enthielten.] Da erhielt seine Seele — obschon er sich in ihnen nicht auskennen konnte — Nahrung in diesen Büchern, die vieles enthielten zwar, was reiner Unsinn war; aber wer hindurchschauen konnte zu dem, was tiefer in diesen Schriften enthalten ist, der fühlte heraus — und Goethe konnte es damals, obwohl unvollkommen —, der fühlte heraus, dass darin eine Erkenntnis schlummerte. Und das fühlte Goethe: die Erkenntnis, die nicht darauf ausgeht, die Welt fertig so zu nehmen, wie sie ist, sondern die darauf ausgeht, die Seele zu entwickeln, zu gestalten, die in ihr schlummernden Kräfte heraufzuholen. [Die Fähigkeit, diese zu erfassen, will er nun in sich entwickeln.]
In diesen Schriften fand Goethe merkwürdige Figuren, an denen nur ein Narr Gefallen finden kann heute. Aber es liegt hinter diesen Dingen etwas anderes; ich will nur ein Beispiel erwähnen. In jener Schrift «Aurea catena Homeri», die besonderen Eindruck auf ihn machte, finden Sie eine merkwürdige Figur: zwei Drachen. Einen oben als Halbkreis gebildet. Voller Leben strotzt er und macht den Eindruck eines guten Wesens. Unten mit ihm zusammengeschlungen ein zusammengeschrumpfter, vertrockneter Drache, der erscheint wie ein Symbolismus des Bösen. In einen Kreis sind die beiden zusammenverschlungen. Innerhalb des Kreises befinden sich zwei [ineinander verschlungene] Dreiecke: eine Spitze nach oben und an den Ecken die Zeichen, die für einzelne Planeten unseres Planetensystems gebraucht zu werden pflegen.
Wie fasziniert musste die Goethe’sche Seele ruhen auf einem solchen Zeichen, denn dasjenige, was diesem Zeichen gegenüber erlebt wird in der Seele, lässt die Seele nicht unberührt. Da regten sich innere Seelenkräfte, als er betrachtete dieses Zeichen: Was sonst nur den menschlichen Bedürfnissen diente, was Wille und Begierde ist, regte sich wie der Drang nach Erkenntnis. Er empfand etwas, was notwendig ist zur Erkenntnis solcher Schriften.
Wenn einer sagen will: Gewiss, wenn du überhaupt nur reden willst von dem abgeschmackten Zeug, so zeigst du, dass du gar keine Kenntnis von Wissenschaft hast, wie Philosophie und von anderen Wissenschaften. Diesen Einwurf kann man verstehen, auch wenn man sagt: Wir sollen in unserer Erkenntnis sehen auf das, was da ist in Wahrheit. Was da abbildet dieses phantastische Zeug, bildet keine Wahrheit ab. Wer so spricht, hat absolut recht. Nur worauf es ankommt, das weiß er nicht! Es kommt darauf an, was diese Bilder in der Seele für einen Eindruck machen; dass sie gerade diejenigen sind, die das, was sonst tief in der Seele ruht, herausholen, schöpferische Kraft haben für die Seele. Und Goethe fühlte, wie dies Zeichen auf ihn wirkte: Das wirkt auf deinen Willen, fühlte er. Aus deiner Seele zieht es Kräfte, die sich verbinden mit dem Weltenall. Er fühlte das. Aber noch etwas anderes fühlte er, etwas für ihn damals Furchtbares. Er stand gegenüber all diesen Dingen, fühlte, dass sie etwas auslösen konnten in der Seele, fühlte, dass sie wirken können — aber er fühlte nicht die Kraft in sich, dies Etwas auswirken lassen zu können. Er fühlte nur, dass sie etwas verbargen
und ich kann nicht verstehen, was ich da ahnen kann.
[Er fühlte aus ihnen etwas wie den Geist der Welt, aber er kann es nicht verstehen durch seine Erziehung und sein bisheriges Leben.] Furchtbar zerschmetternd war es für Goethes Seele, als er fühlte etwas wie Zusammenhänge mit höheren Seelenkräften, fühlte, was da herausströmen konnte aus dieser «Aurea catena Homeri», und doch sich sagen musste: Du bist noch nicht reif, du kannst nicht in die Geheimnisse der Welt eindringen, deine Erkenntniskräfte sind noch nicht reif geworden. Aber er suchte unsäglich, einen solchen erkenntnisreichen Weg zu gehen. Und so kam er zu anderen Zeichen, zu einem solchen Symbolum, welches darstellte nicht nur die große Welt, sondern das Wirken [des Geistes] auf der Erde. Näher fühlte er das schon, aber doch war er noch nicht imstande, die Kräfte aus der Erde herauszuholen. Jetzt fühlen wir, wie das, was er erlebte, hineinströmte in den «Faust». Da ist sein Blick gerichtet auf das Titelblatt der «Aurea catena Homeri». Es zeigt ihm, wie die Kräfte von Planet zu Planet gehen, wie ihre innere Verwandtschaft angedeutet wird mit menschlichen Begierden, [es zieht sie hinauf zum Guten, hinunter zum Bösen], in den Formen verholzter Drachen, mit den Dreiecken, deren eine Spitze nach oben gerichtet ist. — Ein paar Seiten weiter sieht er das Bild, welches bezeigt, wie «Himmelskräfte auf- und niedersteigen». Da muss er sich wegwenden, denn er fühlte seine Kräfte nicht reif, das zu verstehen.
Jetzt lesen Sie die Stelle in Goethes «Faust», die zeigt, dass man aus dem gewöhnlichen Wissen, aus wissenschaftlichem Wissen nichts erfassen kann, nichts, was in der Tiefe der Seele erfahren wird:
Da steh’ ich nun, ich armer Tor, Und bin so klug als wie zuvor!
Das war die Stimmung, als Goethe von Leipzig wegging.
Da suchte er in Frankfurt einen anderen Weg, was er im «Faust» so schön ausdrückt. Er schlug das Buch des Nostradamus auf und erblickte das Zeichen des Makrokosmos. [Da sieht er die wirkende Natur vor seiner Seele liegen, er sieht]:
Wie alles sich zum Ganzen webt,
Eins in dem andern wirkt und lebt!
Wie Himmelskräfte auf und nieder steigen
Und sich die gold’nen Eimer reichen!
Mit segenduftenden Schwingen
Vom Himmel durch die Erde dringen,
Harmonisch all das All durchklingen!
Das ist eine schöne, wunderbare Schilderung dessen, was Goethe so fasziniert erblickte. So drückt er aus, was er empfindet, als er das Zeichen des ersten Geistes erblickt. Dann wendet er sich an das Zeichen, das nur diejenigen Vorgänge, die auf der Erde vorgehen, betrifft. Er erblickt das Zeichen des Erdgeistes. Wieder fasziniert es ihn. [Vorher fühlt er, dass die Kräfte sich regen, die sich sonst als Interesse und Gefühl an Gegenständen ausdrücken. Diese Kräfte sollte jetzt das Erdgeistzeichen so entwickeln, dass sie zu Erkenntniskräften werden sollten.] Versuchen Sie, sich vor die Seele zu stellen die Kräfte, die als Erkenntniskräfte in Betracht kommen; zunächst die objektiven des Verstandes, die Denkkräfte. Sie sind bequem zu erreichen. Dann aber die Gefühlskräfte und Empfindungskräfte, die nur geläutert werden können auf die beschriebene Art und die geweckt werden können durch die Zeichen, welche die Geisteswelt wachrufen. Jetzt hatte Goethe ein solches Zeichen aufgeschlossen, und jetzt fühlte er, dass er dafür noch nicht reif sei. Auch dazu fühlte er sich nicht reif, die Erkenntniskräfte, die nur mit der Erde sich verbinden, zu verstehen — nicht reif!
Nun steigt etwas auf in seiner Seele. Aber zunächst nur Schrecken und Furcht, die sich uns widerspiegeln da, wo sich der «Faust» abwendet von dem Erdgeist, den er «schreckliches Gesicht» nennt, und worauf der Erdgeist dann zu ihm sagt:
Du gleichst dem Geist, den du begreifst, nicht mir!
So spiegeln sich Goethes Erkenntnisse im ersten Teil des «Faust». Aber Goethe war keine Persönlichkeit, die als «furchtsam weggekrümmter Wurm» unbedingt verbleiben konnte, war eine Persönlichkeit, die kraftvoll war weiterzustreben. Was sagte sich die Persönlichkeit? Nicht so sprach sie wie andere Persönlichkeiten, die glauben, dass sie Erkenntnisstreber sind, und sagen: Da sind Grenzen der Erkenntnis. Bequem und leicht ist es, all diese Sachen für Unsinn zu halten. Nein! Goethe sagte sich: Ich bin noch nicht reif dazu! Das ist etwas, was wir von Goethe lernen können, dass er sich sagte: Du bist jetzt nicht reif; du musst erst anfangen, an dir zu arbeiten, um das heranreifen zu lassen, was der Seele möglich ist. [Nun arbeitete er an sich, um weiter zu kommen.] Um das zu erreichen, stellt er sich jetzt in das Leben hinein, um das Leben und die Menschen und die Wissenschaft nach allen Seiten kennenzulernen. Und das sehen wir, als er nach der Frankfurter Zeit nach Straßburg kommt, sich in der Natur umsieht, um die Dinge zu erfassen, die er als siebenjähriger Knabe auf das Notenpult seines Vaters gelegt hat, um in ihrer Erkenntnis die göttlich-geistigen Wesenskräfte kennenzulernen. Die göttlich-geistigen Wesenskräfte aber nicht nur dessen, was äußerlich in der Natur sich gestaltet, sondern auch des Menschenlebens und seiner mannigfaltigen Form. Und jetzt schon sehen wir, wie er die günstige Gelegenheit hat, alle Höhen und Tiefen der Menschenseele kennenzulernen, der Menschenseele in ihrer unendlichen Güte und Liebe — aber auch in all ihren hämischen, gehässigen und schädlichen Eigenschaften mit all ihren Sehnsüchten, Qualen und Opfern. [Höchste Befriedigung, aber auch quälende Zweifel lernte er an den Seelen der Menschen kennen.] Da traf er in Straßburg die große Persönlichkeit des Herder, eine Persönlichkeit, die ihr ganzes Leben hindurch gestrebt hat, den Quellen des Lebens nahezukommen, welche auch fühlte, dass die Kräfte ihrer Seele nicht reif waren. Eine Stimmung furchtbarer Art war gerade damals in Herders Seele, der trotz dem titanischen Erkenntnisdrang den Mut verliert und sich sagt: [Du kannst nicht höher streben]. Das eigene Unvermögen ist ein allgemein menschliches Unvermögen. Solchen Stimmungen nahe war Herder, solche Stimmungen hatten in ihm die Herrschaft gewonnen und eine Lebensführung hervorgerufen, die herb und ablehnend war — nur für eine Seele zu ertragen wie Goethe, die wohlwollend war. Goethe hatte erkannt die große Seele des Herder. Und da mochte ihn Herder noch so sehr herunterputzen, er wusste, dass eine solche große Seele vor ihm stand. Und er hatte eine große Seele, groß genug, das Nichtbedeutende gegenüber dem Bedeutenden nicht zu beachten. Als er die Treppe hinaufstieg im Gasthof zum Heiligen Geist und unvermutet diese Persönlichkeit sah, die Herder in etwas brüsker Weise vorstellte — mit flatterndem Mantel, die Rockschöße kreuzweise in die Taschen gesteckt —, da empfand Goethe im unmittelbaren Erblicken, dass diese Persönlichkeit Herder war, und er sagte: Sie sind Herder. Von da an steigerte sich die Achtung vor ihm.
Tiefe Ideen lebten in Herder, wie wir sie finden können zum Beispiel in seiner Abhandlung «Ideen zu einer Philosophie der Geschichte der Menschheit». Aber ihm war das alles nicht genug. Da lernte Goethe ein gewaltiges Streben kennen, das nahe daran war, mutlos zusammenzubrechen, und dadurch niedergehalten wurde. Aber Goethe hatte schon von einer andern Persönlichkeit kennengelernt die Unzulänglichkeit des gewöhnlichen Verstandes: an seinem Freunde Merck. Von diesem sagte selbst die wohlwollendste Frau, die Mutter Goethes, Frau Rat: Er kann nie den Mephisto zu Hause lassen, er bekrittelt alles. Goethe sah diese Persönlichkeiten, und er sah an ihnen etwas, was jetzt wiederum bedeutungsvoll auf seine Seele wirkte: dass sie besonders ausgeprägt hatten, wovon er selbst ein groß Teil in seiner eigenen Seele trug. Wie im Spiegel sah er seine Seele, sich selbst! Sah den Verstand, in den sich hineinschleichen Irrtum und Aberglaube der äußeren Welt. [Er suchte den Geist der Erde zu begreifen, den er im «Faust» sagen lässt]:
In Lebensfluten, im Tatensturm
Wall’ ich auf und ab,
Webe hin und her!
Geburt und Grab,
Ein ewiges Meer,
Ein wechselnd Weben,
Ein glühend Leben,
So schaff' ich am sausenden Webstuhl der Zeit,
Und wirke der Gottheit lebendiges Kleid.
Er hatte versucht aus innerem Drange, zu begreifen den Geist und die Seele, der in Lebensgewalten, in den Bildern der «Aurea catena Homeri» zu ihm sprach. Aber er hatte auch empfunden, dass er noch nicht reif war, zu diesen Geisteshöhen sich emporzuschwingen. Er hatte jetzt erkannt warum: weil in ihm noch zu viel von den Sinnesinteressen war. Jetzt wusste er, dass der Geist, dem er noch zu sehr gleiche, der böseste war, der Mephisto-Geist.
Du gleichst dem Geist, den du begreifst,
konnte der Erdgeist sprechen, der das Mephistophelische in Goethes Seele sah.
Jetzt leuchtete ein guter Teil der «Faust»-Idee in Goethe auf: Warum kommt der Mensch in seinem gewöhnlichen Fühlen und Empfinden nicht zur hellen Erkenntnis wie im Denken? Warum sind Begierde und Empfinden nicht solche Kräfte wie die Denkkräfte? Weil innerhalb dieser Seelenkräfte sind, die nicht wir selber sind, die aber in uns wirken. Diejenigen Kräfte, die wir.mit unserem Wirken und unseren Begierden umschließen, mischen sich hinein nach einer uralten Anschauung, aber auch nach einer neuen geisteswissenschaftlichen Anschauung: die Kräfte Luzifers, und bringen diese Begierde so weit herunter, dass sie in diesem Leben keine objektive Erkenntnis[kraft] werden kann. So wirkt Luzifer.
Aber auch noch eine andere Art von Kräften gibt es, die uns handeln machen, unserem Verstande wirkliche Erkenntnis erringen, wenn nur die Empfindung auf diese Welt sich richtet. Da wirken hinein diejenigen Kräfte, die mit den Worten des Zarathustra zuerst geprägt wurden als ahrimanische. So wirken in uns die ahrimanischen Kräfte, welche von der Begierde durchdrungen sind, und welche bis zum Makrokosmos hinein dringen würden — [Sie hindern das Gefühl, zu einer Erkenntniskraft gegenüber der Erde zu werden, wie die luziferischen Geister die Begierde verhindern, bis zu kosmischer Erkenntnis emporzusteigen] da wirken hinein die luziferischen Wesenheiten.
Goethe fühlte das, was den Blick des Menschen trübt und in den Irrtum hineinführt, dasjenige, was man die ahrimanischen Kräfte nennt. Denn Ahriman ist dasselbe, was wir gewohnt sind mit Mephistopheles zu bezeichnen, nach dem, der das menschliche Verhalten zur Lüge bezeichnet: aus dem hebräischen «Mephis» ist Lügner und «tofel» ist Verderben. Es bedeutet dasselbe, was Zarathustra als Ahriman bezeichnet. [Nicht aber bedeutet Mephisto den Luzifer. Er ist diejenige Macht, die den Menschen zur Lüge, zum Sehen des äußeren Lebens in täuschender Gestalt, nicht in Wahrheit bringt.] Alle diese Kräfte wirken da, wo der Mensch das Leben durchläuft und durch seine Interessen hineingeführt wird, das Leben in seiner täuschenden Gestalt zu sehen.
Goethe konnte trotz seines ehrlichsten Strebens in der Zeit nicht zu den Quellen der Wahrheit dringen, weil er noch zu viel von dem Mephistopheles in sich hatte — Du gleichst dem Mephistopheles, nicht mir! Und daher erscheint [im «Urfaust» gleich nach dem Erdgeist unvermittelt] wie aus der Pistole geschossen der Mephisto. [Unvermittelt, weil Goethe den Zusammenhang nur ahnte, nicht klar erkannte.] Wieder ein tief ergreifendes Seelengeheimnis.
So sehen wir, wie Goethe gleichsam hineingießt in den «Faust», was er erlebt, wie er darzustellen versucht, wie ihn Mephisto führt, dazu, Gefallen zu finden an solch schalem Zeug wie in Auerbachs Keller, an mancherlei Äußerlichkeiten des Lebens, die er von höherem Standpunkt als banal bezeichnen muss. Aber zu noch etwas anderem führt ihn dieser Mephisto. Wenn wir Goethe verfolgen von Straßburg zu der Zeit, wo er die Advokatenprüfung abgelegt hatte, etwas später, da finden wir zwei Eigenschaften, die gerade eine tiefe und suchende Seele in merkwürdige Konflikte bringen mussten. Die eine tritt uns entgegen, wenn wir ihn aufsuchen als Rechtsgelehrten. In der positiven Gesetzeserkenntnis war es nicht weit her mit ihm, [Gesetzesparagraphen wusste er nur wenige]. Wenn es sich aber darum handelte, schnell und rasch irgendeinen Fall aufzufassen, flugs ihn zu durchdringen, da war er einer der Allerersten, noch heute bewundert von Fachleuten, die verfolgen seine Prozesse. [Er war ein praktischer Mensch, der sich mit dem Verstande rasch im praktischen Leben zurechtfand.] Gerade er ist ein Beweis gegen den unerhörten Satz, dass diejenigen Menschen, die den Zugang suchen zu dem geistigen Leben, unpraktische Gesellen im Leben sein müssen. Goethe hat im höchsten Grade den Zugang gesucht zu den geistigen Welten und war zugleich ein eminent praktischer Mensch gegenüber allen solchen Menschen, welche unpraktisch sind, weil sie unbegabt sind. Da meint mancher junge Dichter, es gehört dazu, dass man ganz aufgeht in dem geistigen Leben, dass man muss ein unpraktischer Mensch sein. Solche Menschen sind nur bis zu einer zweifelhaften Weise begabt. Niemals wird Goethe abgesprochen werden die besondere Begabung, die er [beim Schreiben] seiner «Iphigenie» zeigte. Drauf lagen auf seinem Tische die Listen für die Aushebung der Rekruten. Während die Rekruten ausgehoben wurden, schrieb er zwischendrinnen die Verse zu seiner «Iphigenie». Das war ein ganzer Mensch! Das Eindringen in die geistige Welt hindert niemals, in die praktische den Weg zu finden. So fühlte sich Goethe als ein praktischer Mensch.
Aber dazu fühlte er noch das: Als er eines Tages mit sich zurate ging, musste er sich etwas sagen, was einen tiefen Eindruck auf seine Seele machte. Es gibt viele, viele Dinge, in denen du nicht auf deiner eigenen Höhe warst in deinem Leben — und vor allem: Du bist schuldig geworden! Die Selbsterkenntnis: Du bist schuldig geworden — solchen Fällen gegenüber, wie der Frankfurter Dichter in Sesenheim erlebte, den Kampf der heftigsten Leidenschaften der gegenüber, welche ihm dort in Friederike entgegentrat. Er wusste auch, dass sie nicht zueinander passten, dass er gelähmt würde in seinem ganzen Streben, wenn er eine Verbindung gesucht hätte mit ihr. Er wusste aber, dass durch die Art und Weise, wie er sich benahm, er schuldig geworden war, wusste, dass ihn Mephisto geführt; wie wir, wenn wir statt in klare Verhältnisse in Irrtum und Täuschung hineingeführt werden, von Mephisto geführt werden.
Goethe fühlte ganz und gar und in dem tiefsten Innern, weil er alle diese Fragen in ihrem Zentrum ergriff, dass dieses in der menschlichen Seele, was alles die menschliche Seele führt, dass [diese mephistophelische Kraft] sie weit führen kann, zu ganz anderen Selbstgeständnissen als dem, was er in die Worte kleiden musste: Du bist schuldig geworden. Er wusste, dass wenn diese Mephisto-Kräfte in das Erkenntnisstreben hineinwirken, dann können sie den Menschen gegenüber dem höheren Erkenntnisstreben machen zu einem Scharlatan! Da stand er mit seiner Seele vor etwas Ungeheuerlichem; da stand er [vor einem ungeheuren Abgrund], dass er sich sagte: Du musst hinaus über das, was nur der Verstand erfahren kann, du musst die Empfindungs- und Gemütskräfte aufrufen zur Erkenntnis, [die, die Mephistopheles herunterzieht], aber in dir lebt noch erwas vom Mephisto. Ein anderes Ich lebt in dir daneben. Jetzt erst wurde ihm klar eine Figur des sechzehnten Jahrhunderts, die [so viele Menschen interessiert und erschreckt hat], die Furcht und Entsetzen den Menschen eingejagt hat. Jetzt ging ihm der «Faust» des sechzehnten Jahrhunderts auf, Wie ging er ihm auf? Da tun wir einen tiefen Blick in Goethes psychologische Selbsterkenntnis, wenn wir danach forschen. Goethe sagte sich, wie noch heute viele Menschen sich sagen könnten: Der Mensch kann eigentlich nicht anders als den Zugang suchen zu den Kräften, die über das Sinnliche hinausgehen. Daher haben wir auch in unserer heutigen Zeit, die so herzlich wenig für die tiefsten Bedürfnisse der Seele tut, so zahlreiche Strömungen, die ausgehen von solchen Menschen, die den Zugang zu den geistigen Strömungen, zu den geistigen Untergründen der Seele suchen.
Das Erste, [was nötig ist], damit der Mensch ohne Schaden den Zugang [in die geistige Welt] finde, damit er läutere und reinige seine Seele, ist, dass er sich frei mache von allem, was man jetzt im Goethe’schen Sinne mephistophelische Kräfte nennt, von den bloß negierenden, kritisierenden Bestrebungen, [was bloß auf die Dinge der äußeren Welt gerichtet ist]. Das ist nicht leicht; wie schwierig es ist, das zeigt Goethe selber, indem er sich gefesselt sieht an den Mephisto wie an einen Geist, der einen Teil seiner Seele ausmacht.
[Hört der Mensch auf diesen Mephisto in ihm, dann sagt er den Mitmenschen nicht die Wahrheit, sondern das, wozu ihn das mephistophelische Element, verstärkt durch das luziferische Element, aufstachelt, was zu Hochmut, Ehrgeiz, Stolz, Scharlatanerie führt.
Wahrlich ein ganz feines Spinnwebchen trennt den Scharlatan vom wahren Geistesforscher. Das kann man auch heute sehen. Da tritt die theosophische oder andere Geistesströmungen auf, weil sie der Sehnsucht unserer Welt entsprechen. Aber es ist nicht leicht, ein solcher Verkündiger des Geistes zu werden.]
Ist der Forscher nicht frei von diesen mephistophelischen Kräften, dann ist er kein richtiger Forscher, sondern ein Scharlatan, der aufstachelt, was zur Eitelkeit auf dem Erkenntnisgebiet führt. — Hier ist wirklich ein feines Empfinden nötig, um zu unterscheiden zwischen edlem Streben nach höherer Erkenntnis und Scharlatanerie. Und schwer ist zu unterscheiden der Scharlatan von dem Geistesforscher für den, der nicht tief eindringt in das geistige Leben. Diese Gefahr besteht auch in der Theosophie. Es ist nicht leicht, die Sehnsuchten zu befriedigen. Wer eindringen will in die geistige Welt, steht vor der Gefahr der Scharlatanerie. Es ist daher nur zu begreifen, wenn Scharlatan und Geistesforscher verwechselt werden. [Nur zu berechtigt ist der Vorwurf der Außenwelt: «Man kann ja den Scharlatan nicht vom wahren Geistesforscher unterscheiden».] Dies, was uns im Leben so anschaulich entgegentreten kann, trat Goethe in seiner Seele entgegen. Das Mephistophelische bringt dich so nahe in einer Wesenheit, wie es ist der Faust, vor dem die Menschen sich fürchten, von dem man sagen kann, er habe sich verbunden mit dem Teufel, sei verfallen den Kräften, die zu Lug und Trug führen. Und jetzt stand vor Goethes Seele die Frage: Wie rettet sich der Mensch vor der Gefahr der Scharlatanerie, dass Mephisto ihn nicht in Abgründe herunterführt? So war für Goethe die Faustfrage geworden, und zu einer Angelegenheit des Herzens geworden.
Das Erste, was der Mensch sich sagen muss, wenn diese Frage vor seine Seele tritt, ist: [Du musst einfältig, demütig werden]. Du musst etwas durchmachen, wo du das Einzelne suchst in dir; vom kleinsten Erlebnis, von der kleinsten Beobachtung, um in jedem einzelnen Erlebnis das Göttliche zu finden. Diesen Weg trat Goethe an. Auf diesem Wege sehen wir ihn durch Italien wandern, bescheiden, demütig alle Einzelheiten sammelnd. In dem unscheinbaren Huflattich sucht er sich klar zu werden über das verschiedene Wirken der Pflanzenformen, [beobachtete den Unterschied in seinem Auftreten hier und anderswo]. In inniger, selbstloser Art von Bild zu Bild, von Kunstwerk zu Kunstwerk sehen wir ihn eilen. Wie er zwar zu Hause Spinoza gelesen hat, um sich zu erheben, aber dabei nicht verweilt, weil er demütig ist. [Er geht zu den Kunstwerken und sagt sich]: Wenn ich sie ansehe, so weiß ich, dass die Alten schufen wie die Natur, indem sie die Kräfte auf eine höhere Stufe erhoben. Darin ist Notwendigkeit, ist Gott. Nicht im Fluge sucht er sich eine Weltanschauung zu erbauen, von Ding zu Ding, demütig das Kleinste sucht er, um im Kleinsten bescheiden das Göttlich-Geistige zu suchen. [Sie finden es vielleicht gar manchmal unbequem, wenn der, der von der Geisteswissenschaft redet, von Einzelheiten spricht.] Das menschliche Erkenntnissuchen ist nicht bescheiden genug, will nicht von Einzelheit zu Einzelheit gehen, will gleich höher hinauf; auf einmal mit einem Worte umspannen die ganze Welt möchte man. Wenn zum Beispiel in der theosophischen Bewegung Wert darauf gelegt wird, in den Einzelheiten von Stufe zu Stufe zu gehen, so wird so manchmal gesagt: Ich möchte gleich in die höchsten Stufen des Logos hinauf, obgleich der Betreffende nicht mehr versteht vom Logos, als dass das Wort «Logos» aus fünf Buchstaben zusammengesetzt ist. [Da ist vor allem Bescheidenheit nötig; zu dieser notwendigen Bescheidenheit brachte es Goethe.]
Goethe lernt von Einzelheit zu Einzelheit. Das war, was Goethe tat. Dadurch brachte er es zu jener Geläutertheit, zu jener Reinheit, in der er stand, nachdem er eine Weile diesen Weg durchgemacht hatte, dass er jetzt in anderer Weise sprechen kann von [seiner Begegnung mit jenen geistigen Kräften wie dem Erdgeist, von denen er sich früher weggekrümmt, fortgewandt hatte wie «ein furchtsam weggekrümmter Wurm»], von seiner Begegnung mit dem Erdgeist, der das Geschehen der Erde durchlebt. Damals musste er sich sagen lassen:
Du gleichst dem Geist, den du begreifst, nicht mir!
Der Geist war ihm aus dem Feuer erschienen. Jetzt, nachdem er also durch die Bescheidenheit, durch das umsichtige Forschen von dem Stück Natur zu dem Stück Natur gegangen war, sodass er dem «Faust» einverleiben konnte das Stück, das er in Italien schreiben konnte, jetzt sprach er diesen Geist der Erde anders an, wie charakterisiert ist in jenem schönen Monolog in «Wald und Höhle»:
Erhabner Geist, du gabst mir, gabst mir alles,
Warum ich bat. Du hast mir nicht umsonst
Dein Angesicht im Feuer zugewendet.
Gabst mir die herrliche Natur zum Königreich,
Kraft, sie zu fühlen, zu genießen. Nicht
Kalt staunenden Besuch erlaubst du nur,
ergönnest mir, in ihre tiefe Brust
Wie in den Busen eines Freunds, zu schauen.
Du führst die Reihe der Lebendigen
Vor mir vorbei, und lehrst mich meine Brüder
Im stillen Busch, in Luft und Wasser kennen.
Und wenn der Sturm im Walde braust und knarrt,
Die Riesenfichte stürzend Nachbaräste
Und Nachbarstämme quetschend niederstreift,
Und ihrem Fall dumpf hohl der Hügel donnert,
Dann führst du mich zur sichern Höhle, zeigst
Mich dann mir selbst, und meiner eignen Brust
Geheime tiefe Wunder öffnen sich.
Das war der Fortschritt, den Goethe durch seine Bestrebungen gemacht hatte. Jetzt fühlte er sich, nachdem er bescheiden Schritt für Schritt der Natur nachgespürt hatte, nicht mehr als ein Bequemling der Erkenntnis, und näher dem Geiste, der ihn früher zurückgestoßen hatte. Jetzt durfte er mit einer anderen Befriedigung und Beseligung in seine Seele schauen. [Was er früher im Fluge erreichen wollte, hatte er jetzt in fleißigster Einzelarbeit erkannt; in Demut war er aufgestiegen. Jetzt stand ihm der Geist gegenüber, der nicht nur als Erdgeist in der äußeren Welt lebt, der auch lebt in der eigenen Seele des Menschen. In die sichere Höhle, in eigene Innere, zur Selbsterkenntnis führte er ihn!] Er hatte eine Naturanschauung gewonnen, die den Geist jetzt wirklich in der Natur erkennen lässt:
Du führst die Reihe der Lebendigen
Vor mir vorbei, und lehrst mich meine Brüder
Im stillen Busch, in Luft und Wasser kennen.
Jetzt war er aufgestiegen — allerdings immer mit den Kräften, die ausgelöst haben dazumal seine Frankfurter Bestrebungen —, aber in Demut aufgestiegen war er. Und jetzt trat ihm auf, was in der eigenen Seele lebte als das Ewige, Unsterbliche. Mit dem, was er so verbinden konnte, nachdem er in der äußeren Welt erkannte diesen «Geist der Erde», da führte ihn der Geist zur Selbsterkenntnis. Jetzt fühlte er sich reif, in sich die Kräfte zu finden, die er früher im Sturm gesucht. Und so lernen wir von dem großen Goethe, wie wir mit ihm aus dem Grunde reifen, vorsichtig und demütig sein sollen und sagen sollen: Dieses kann jetzt nicht auf unsere Seele wirken, aber sie will geduldig warten und reifen lassen. Wer so tut, wird sagen: Das ist gut, dass du so getan, manches auch aufgeschlossen hast, denn das musste erst in dir reifen und nachher aufblühen. Glauben an die Entwicklung der menschlichen Seele, Glauben an die Notwendigkeit des Heranreifens, damit wir glauben können an die Unvergänglichkeit des Ewigen, [damit wir allmählich hineinwachsen in die geistige Welt]; das können wir von Goethe lernen.
Dazumal, als er fand in der inneren Seele eine Höhle, in der sich die Geheimnisse des eigenen Herzens enthüllten, da glaubte er nicht fertig zu sein, sondern strebte immer höher hinauf. Und wir werden sehen, wie der «Faust», der 1790 im Fragment erschienen, immer höher hinaufsteigt.
Dazumal war vieles ihm nur äußeres Erlebnis. Aber immer mehr verband er sich mit den Erlebnissen der inneren Seele: In das Mystische drang er ein. [Nachdem Goethe in der äußeren Welt den lebendigen Erdgeist geschaut hatte, fand er auch seine inneren Kräfte: «Und meines eignen Geistes tiefe Schächte öffnen sich» — der Goethe von 1790 strebt immer tiefer und tiefer. Demütig und bescheiden blickt er auf.] Daher kam er dazu, in tiefster Seele heiß zu fühlen: Es gibt ein Unvergängliches, und die menschliche Seele kann es erkennen, weil sie in sich selber das Unvergängliche erkennen kann. Das war das Testament, das er in der Vollendung seines «Faust» hinterließ, das er versiegelte; was sich aussprach in den Schlussworten:
Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis.