Death and Immortality in the Light of Spiritual Science

GA 69d — 7 February 1912, Vienna

7. Das Wesen der Ewigkeit und die Natur der Menschenseele im Lichte der Geisteswissenschaft

Gestern durfte ich vor Ihnen von allgemeinen Gesichtspunkten aus über zwei bedeutsame Fragen sprechen, über Tod und Unsterblichkeit vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft, und am heutigen Abend soll es mir gestattet sein, auf einige besondere Dinge einzugehen, welche Licht auf diese Fragen werfen können. Geradeso, wie es gestern möglich war, angesichts der beiden besprochenen großen Fragen auf zwei wichtige Erlebnisse der menschlichen Seele hinzuweisen, welche eigentlich immer mehr oder weniger ausgesprochen oder unausgesprochen aus den verborgenen Tiefen der menschlichen Seele heraus diese Fragen aufwerfen, so können wir auch heute von zwei Erlebnissen unseres Inneren ausgehen, von zwei Erlebnissen, welche die Menschenseele immerzu hinweisen auf jene Idee, die eigentlich dem Verstande Schwindel erregen muss, wenn er sie in irgend bestimmter Art zu fassen versucht: die Idee der Ewigkeit. Und wenn die Menschenseele vielmals sagen will, dass sie irgendetwas zu tun habe mit der Ewigkeit gegenüber der Vergänglichkeit der äußeren Leibesgestalt, so könnte es scheinen, als ob solche Fragen eher hervorgingen aus den Begehrungen der menschlichen Seele, welche verlangt, ein anderes Schicksal zu haben als dasjenige zwischen Geburt und Tod. Aber auch hier können wir absehen von allen Wünschen und Begehrungen, selbst von aller Wissbegierde, und können auf zwei Erlebnisse der Menschenseele hinweisen, welche sie hinordnen nach der Idee der Ewigkeit. Es sind Erlebnisse tiefster, innerster Moralempfindung. Denn was könnte die menschliche Seele tiefer, ernster empfinden als das unbesiegliche Bestreben nach immerwährender Vervollkommnung? Man braucht sozusagen nur wirklich unbefangen in das eigene Innere sich zu vertiefen und man wird sagen müssen, dass man unwahrhaftig sein müsste gegenüber dem, was die Seele sein will, wenn man nicht sagen wollte: Ein unbesiegliches Streben nach Vervollkommnung, nach inhaltsvollerem Dasein wohnt dieser Menschenseele inne. Das ist das eine Erlebnis.

Das andere Erlebnis aber, das sich ebenso stark geltend machen kann, ist, dass wir in keinem Augenblicke unseres Lebens, und wenn wir auch ein noch so hohes Alter erreichen, leugnen können, wie weit wir entfernt sind von dem, was uns als Ideal der Vollkommenheit vorleuchten kann, wie sehr wir uns unvollkommen fühlen gegenüber dem, was wir nach dem innersten Wesen unseres Gemütes eigentlich sein wollen. Das Streben nach Vervollkommnung und zugleich das notwendige Geständnis der Unvollkommenheit, das erweckt in der menschlichen Seele die Sehnsucht nach einem ewigen Streben, nach einem Streben, das ungehindert ist durch jene äußeren Gesetze vom Entstehen und Vergehen, von denen wir uns im Ernste doch nicht denken können, dass sie irgendwelche Grenzen bieten können, innerliche Grenzen bieten können unserem Streben nach Vollkommenheit. So sehen wir förmlich, dass der Mensch nicht aus einer Begierde und einem Wunsche heraus, sondern aus dem Verlangen, der höchsten moralischen Ordnung zu dienen, die ihm vorschwebt, dem höchsten moralischen Vollkommenheitsideal nachzustreben, das er aus diesem im höchsten Sinne sittlichen Verlangen hinstellen muss, die Frage aufwirft nach der Unvergänglichkeit der Menschenseele - das ist aber die Frage nach der Ewigkeit.

Schon gestern wurde erwähnt, wie in einer schönen Weise der deutsche Philosoph Hegel gesagt hat: Unsterblichkeit der Menschenseele als eine Eigenschaft, die mit der Natur dieser Seele zusammenhängt, kann doch nicht erst beginnen, wenn der Mensch durch den Tod durchgegangen ist; wenn vielmehr etwas ist in der Menschenseele, woraus man erkennen kann, dass diese Seele eine Anwartschaft hat auf ein unvergängliches Dasein, so muss sich dies auch ankündigen in dem Leben der Seele innerhalb des leiblichen Daseins. Unsterblichkeit kann nicht erst nach dem Tode beginnen, sie muss auch schon im Leben - in diesem physischen Leben - vorhanden sein. — So weist uns denn doch auch die Frage nach dem Wesen der Ewigkeit auf die Untersuchung der Natur der Menschenseele, um aus dieser Natur der Menschenseele zu erkennen, inwiefern es denkbar, ja notwendig zu denken ist, die Seele herausgehoben zu denken aus den Gesetzen der Vergänglichkeit des Leibes. Und wenn wir - das ist auch gestern in einer Andeutung gesagt worden - wenn wir diese Natur der Menschenseele untersuchen wollen, dann müssen wir, wenn wir den wirklichen, wenn auch nicht den vorurteilsvollen Anforderungen der modernen Wissenschaft genügen wollen, diese Menschenseele herauslösen aus ihrer Verbindung mit dem Leibe. Denn wir konnten gestern darauf hinweisen, dass es auch unmöglich ist, zum Beispiel die Natur des Wasserstoffes zu untersuchen, solange er an das Wasser gebunden ist; wir müssen den Wasserstoff, wenn wir seine eigene Natur untersuchen wollen, herauslösen aus seinem Zusammenhang mit dem Wasser. Und so wissen wir ja, dass in dem gewöhnlichen, äußeren, normalen Leben die Seele zusammenhängt mit alledem, was wir die Leibesorganisation nennen können, indem wir empfinden durch unseren Leib, nach außen sehen, die Dinge beobachten durch die äußeren, leiblichen Sinneswerkzeuge, indem wir die Dinge denken durch jenes Denken, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist, und, wenn wir fühlen und wollen, wir auch gebunden sind an unsere Leiblichkeit. Wie der Wasserstoff an das Wasser gebunden ist und sich notwendig innerhalb des Wassers nicht erkennen lässt, so lässt sich nicht erkennen die Natur der Menschenseele in der Art, wie sie uns erscheint im normalen Leben, wo sie fest gebunden und für unser Bewusstsein nicht abgelöst ist von den äußeren Erlebnissen und jenen inneren Erlebnissen, welche aus der Körperlichkeit aufsteigen.

Nun haben wir schon gestern gesagt, dass, im Grunde genommen, in jeder Nacht, wenn der Mensch schläft, hervorgerufen wird eine Loslösung seines seelischen Erlebens von dem äußeren Leibesleben. Wir werden allerdings im Laufe des heutigen Vortrages dasjenige, was gestern sozusagen nur als Behauptung der Geisteswissenschaft aufgestellt und nur logisch bewiesen worden ist, auch erweisen können, indem wir an die sogenannte geisteswissenschaftliche Betrachtung herangehen. Vorläufig aber wollen wir es noch hinnehmen, wie es gestern als Behauptung aufgestellt oder logisch bewiesen worden ist, dass sozusagen das Leben, das wir in der innersten Seele erfahren, nicht etwas ist, was nur wie die Flamme von der Kerze aufsprießt, sondern was als ein Selbstständiges des Morgens beim Aufwachen untertaucht in das Leibesleben und beim Einschlafen es wieder verlässt, sich also zu diesem Leibesleben so verhält wie die Luft zur Lunge. Aber schon gestern wurde gesagt, dass uns etwas, mit Frohschammer könnte man sagen, es «handgreiflich» unmöglich macht, das selbstständige, das vom Leibe getrennte Seelenleben zu untersuchen, wenn wir es vor uns oder in uns haben vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Es ist dies dadurch unmöglich, dass, wo die Loslösung geschieht, auch Bewusstlosigkeit eintritt. In diesem normalen Leben können wir also die Untersuchung nicht anstellen. Wir könnten uns nur dann unabhängig machen vom Leiblichen, wenn wir uns des Seelischen bewusst würden, wenn es abflutet, wenn es sich vom Leiblichen zurückzieht.

Aber es gibt ja eine Möglichkeit, einen Zwischenzustand ins Auge zu fassen, der hier wahrlich nicht im Sinne einer abergläubischen Traumwissenschaft erörtert wird, sondern im Sinne strengster Wissenschaftlichkeit: Es ist der Traumzustand, jener merkwürdige Zustand des Traumlebens, in dem wir so leben, dass wir auf der einen Seite Vorstellungen vor unsere Seele hingegaukelt fühlen, aber auf der anderen Seite der Verlauf dieser Vorstellungen sich ganz und gar unterscheidet von demjenigen Leben, das die Vorstellungen führen in ihrem Zusammenhange im normalen, wachen Tagesleben. Ein Zwischenzustand zwischen Wachzustand und dem tiefen traumlosen Schlaf ist der Traumzustand. Vielleicht können wir - so wollen wir uns zunächst ausdrücken - aus dem merkwürdigen Gaukelspiel des Traumes irgendetwas erkennen in Bezug auf die Natur der Menschenseele. Da müssen wir allerdings in Bezug auf das Traumleben nach ebenso strengen, logischen und wissenschaftlichen Forschungsgesetzen vorgehen, wie man sonst im Leben der Wissenschaft vorgeht. Und da sei gleich, damit wir diese Betrachtung nicht zu sehr ausdehnen, aufmerksam gemacht auf einen ganz bestimmten Traum, an dem wir gleichsam erkennen wollen, wie merkwürdig das Traumleben aufklärend wirken kann auf dasjenige, was eigentlich im Innern der Seele vorgeht. Nur das will ich voraussetzend sagen, dass, wenn hier solche Beispiele aus dem Leben, zum Beispiel hier aus dem Traumleben, erzählt werden, es sich nicht um ausgedachte Dinge handelt, sondern um Dinge, die sich wirklich ereignet haben - denn nur so kann gewissenhafte Forschung vorgehen. Der Traum, um den es sich handelt, ist folgender: Es war ein Schüler einer Mittelschule, der hatte eine besondere Begabung zum Zeichnen. Die Folge davon war, dass er in der letzten Klasse der Mittelschule eine sehr schwierige Zeichnung bekam, die er zu kopieren hatte. Alle anderen bekamen leichtere Vorlagen. Es war nun eingeführt in jener Mittelschule, dass immer am Ende des Jahres mehrere solcher Kopien von Zeichenvorlagen abgegeben wurden. Und es kam nun so, dass jener Schüler, gerade weil er eine besondere Begabung zum Zeichnen hatte und jene schwierige Vorlage bekam, das ganze Jahr und auch bis zum Schulschluss nicht fertig wurde. Dadurch wurde er sehr ängstlich, und dieser Angstzustand steigerte sich gegen den Schulschluss. Und obzwar man in der humanen Leitung jener Schule durchaus einsah, dass dies natürlich war, und es jenem Schüler nicht schadete, so hatte er doch dieses Erlebnis hinter sich, er hatte die Angstzustände durchgemacht. Interessant ist es nun, diesen Menschen im weiteren Verlauf seines Lebens zu verfolgen. Er zeigte natürlich weiter seine besondere Anlage zum Zeichnen. Und, periodisch wiederkehrend, stellte sich bei ihm ein ganz bestimmter Traum ein, der immer mehrere Nächte dauerte und dann vorüberging. Der Traum bestand darin, dass er sich bis ins späte Alter immer zurückversetzt fühlte in die letzte Mittelklasse, dort fühlte, wie er sich bemüht, zu zeichnen und zu zeichnen, und nicht fertig werden kann. Und was er da an Ängstlichkeit durchmachte, sodass er immer bebend aufwachte, das war im Traume so stark, dass es sich gar nicht vergleichen ließ mit jener Angst, die er wirklich durchgemacht hatte. Nach mehreren Jahren Pause trat immer der Traum periodisch wieder auf. Begreifen wird man dies nicht, wenn man nicht dieses merkwürdige Traumerlebnis im Zusammenhang betrachtet mit dem ganzen übrigen Leben jenes Menschen. Das Eigentümliche stellte sich nämlich ein, dass dieser Mensch jedes Mal, wenn er über ein solches Traumerlebnis hinweg war, fühlte, dass seine zeichnerischen Fähigkeiten in gewissem Sinne gewachsen waren; er konnte bessere Linien führen, konnte besser ausdrücken, was er sich vorstellte, er war geschickter geworden. Also wie ein etappenförmiges Sich-Vervollkommnen in den zeichnerischen Fähigkeiten nahm sich dieses Leben aus, und eingeleitet wurde jede Etappe durch den charakterisierten Angsttraum.

Sie werden es nicht unnatürlich finden, wenn nun Geisteswissenschaft folgende Erklärung dieses Traumes versucht. Es ist natürlich, dass so etwas wie eine Steigerung der zeichnerischen Fähigkeiten nicht plötzlich in einer Menschennatur auftreten kann, dass es sich vorbereitet, aber ausgesehen hat es so, als ob es immer nach jenem Angsttraum scheinbar plötzlich aufgetreten wäre. Es ist dies auch leicht so zu erklären: Es mussten erst gewisse innere, bis in den Leib hineinreichende Vorgänge geschehen, feinere rhythmisch-physiologische Vorgänge, weil wir ja alles, was sich auf die äußere Welt bezieht, gebunden haben an die Instrumente des Leibes. Es mussten sich in den Instrumenten des Leibes Veränderungen vollziehen. Diese Veränderungen vollzogen sich offenbar langsam und allmählich durch jene Perioden, in denen das Bewusstsein nichts [davon] ahnte, dass sich erhöhte Fähigkeiten zeigen werden. Eine Weile erlebt man es im Bewusstsein so, wie wenn die gleiche Intensität der Fähigkeiten da wäre. Da bereitete sich aber von unten in den Tiefen der ganzen Menschenorganisation das vor, was dann der Betreffende brauchte, als ins Bewusstsein hinauftrat die Erhöhung der zeichnerischen Fähigkeiten. Und woran zeigte sich das, was da unten gärte und arbeitete? Es zeigte sich dadurch, dass es zunächst, in dem Augenblicke, wo es fähig war, in das Bewusstsein heraufzubrechen, im halben Bewusstsein des Traumes sich abspielte, in Bildern des Traumes sich auslebte. Bevor noch der Wille in der Lage war, die Fähigkeiten zu gebrauchen, gaukelte es sich herauf aus den verborgenen Tiefen der Seele in dem Traumerlebnis, das im Grunde nur eine äußere Ähnlichkeit hat mit dem, was sich da im Grunde der Seele entwickelt. Zweierlei können wir sehen: den Übergang von einem Arbeiten unten in der unterbewussten oder, sagen wir, unbewussten Leibesorganisation zu einem Aufbrechen zuerst zu halb bewussten Vorstellungen des Traumes und dann zu einem Eintreten in das volle Bewusstsein. Wer könnte da noch zweifeln, dass dieselben Kräfte, die später im Bewusstsein auftreten als Erhöhung zeichnerischer Fähigkeiten, nur die umgewandelten Fähigkeiten sind, die früher unten in der Leibesorganisation arbeiteten? Sie zeigten sich ja sozusagen in ihrer halben Umwandlung in den Traumbildern. Das ist das eine, das wir sozusagen klar und deutlich vor uns haben: die Möglichkeit, auf diesem Gebiete der Geisteswissenschaft so zu denken, wie auch der Naturwissenschafter denkt. Jeder Physiker wird verstehen, dass die Druckkraft sich in Wärme wandelt. Ganz derselben Art zu denken gehört es an, wenn man sagt: Was später im Bewusstsein zeichnerischer Fähigkeiten auftritt, hat erst in anderer Form unten gearbeitet, hat selber erst die Organe zubereitet, und erst als die Organe da waren, konnte die Steigerung der Fähigkeiten eintreten - wie wenn ein Mensch erst an der Maschine arbeiten muss, um erst [danach] dann die Maschine zu benützen. Was zuletzt als benutzbares Instrument hervortritt, muss zuerst von derselben Geisteskraft zubereitet werden. Was zuletzt als Resultat auftritt, ist es selbst, was erst die Organe in den Tiefen der Seelenorganisation zubereitet.

Das andere ist dieses: wie der Traum merkwürdig arbeitet - und das ist vielleicht für eine tiefere Betrachtung der Menschennatur noch interessanter. Was hat es zu tun mit dem, was da geschehen ist mit der Umwandlung von in der Tiefe der Menschennatur waltenden Seelenkräften in bewusste, was da als Angstzustände in sonderbaren Bildern, die einer längst vergangenen Lebenszeit angehören, sich auslebt? Eines ist, dass der Gemütszusammenhang und nicht das Vorstellungsleben da in jenem Menschen arbeitet. Was der Mensch durchgemacht, was er in seinem Gemüt erlebt hat an Ängstlichkeit, ist eine Kraft, die viel intimer mit der Seele zusammenhängt, mit dem ureigensten Innern, als die Vorstellungskräfte, die doch im gewöhnlichen Leben der äußeren Welt entlehnt sind. Der Traum zeigt sich aber eben dadurch als intimer dem Seelenleben verknüpft denn das bewusste Vorstellungsleben des Tages, dass er sich darstellt in den Bildern so, dass wir sozusagen Bilder vor uns hinstellen, die nicht an ein Vorstellen erinnern, sondern an ein inneres Erleben, an das Gemütsleben. Das können wir überhaupt sehen, wie in Traumbildern, in seinen sonderbar scheinenden Zusammenhängen unser Gemütsleben arbeitet. Überall sind die Vorstellungen, die sich im Traume vor uns hingaukeln, das Gleichgültige; die leben und weben sich aus in einer scheinbar willkürlichen Weise - willkürlich im Vergleiche mit den regelmäßigen Zusammenhängen, die wir draußen sehen.

Da können wir zum Beispiel Folgendes erleben. Ein Mensch hatte einmal in ferner Vergangenheit einen anderen Menschen nicht gerne, weil er ihn in seiner Tätigkeit nicht besonders schätzen konnte, und hatte sich eine bestimmte Empfindung, ein bestimmtes Gemütserlebnis an jenem Menschen zurechtgelegt. Nun hatte er jene Dinge längst vergessen, die mit jenem Menschen in Zusammenhang waren. Nach vielen Jahren träumte er wieder von jenem Menschen, aber jetzt war jener Mensch nicht ein Mensch, sondern ein kleines Hündchen, das unangenehm bellte, aber das Bellen dann übergehen ließ in eine Sprache, deren Klang erinnerte an die Sprache jenes Menschen. Und im Traume konnte sich das Hündchen in einen Zusammenhang ganz willkürlich hineinfügen. Aber da war etwas, was anders ausging, als man selbst wünschte. Man wünschte, dass dieser Mensch nicht ganz und gar beleidigt war. Und da sagte man etwas zu dem Hündchen, und das Hündchen bellte so, dass es sagte: Es war schlimm, was du mir angetan hast, aber es macht nichts, es wird schon wieder gut, es war nur ein Missverständnis. - Was hat denn das Hündchen mit jenem Menschen zu tun? Wenn wir das logische Denken, alles an der Außenwelt geschulte Denken, ins Auge fassen, dann hat das kleine Hündchen wahrhaftig nichts zu tun mit alldem, was sich wirklich abspielt. Wenn wir aber die Gemütslage des betreffenden Menschen ins Auge fassen, die Art, wie er zu jenem Menschen gestanden hat, da sehen wir, dass diese treu wiederkehrt in einem viel späteren "Traum. Aber in Bezug auf die Ausgestaltung der Vorstellung, da ist unser Gemüt frei waltend, da verwandelt es, was es empfindet, in das Symbolum des Hündchens, da verwandelt es das Traumbewusstsein, alles in scheinbar willkürliche Bilder. Aber nur [das], was wir den logischen Ursachenzusammenhang nennen, einen Zusammenhang, den wir aus der Außenwelt haben, ist willkürlich; ganz gesetzmäßig aber ist das Durchwobensein der Vorstellungen, die noch so sehr verschieden sein mögen von der Außenwelt, mit dem, was unser Gemüt, unser Inneres weiterführt von den Lebensereignissen. Die Seele zeigt uns also im Traume: Sie ist mehr in ihrem Innern, als wenn sie mit ihren Leibesgliedern verknüpft ist. Wenn sie nach außen schaut, wenn sie mit ihren Organen verbunden ist, da lebt sie mit allem Äußeren, mit allem, was wir aus der Schule des Lebens lernen können. Im Traume hält sich die Seele nicht an das, was sie von außen erlebt, da bildet sie ihre Gemütszustände nur in Vorstellungen, und diese tragen genau die Siegel des Gemütslebens. Daraus können wir ersehen, dass, was wir unser Gemüts- und dann unser Willensleben nennen, in innigerem Verbande steht mit unseren tiefsten Seelengründen als das bloße Vorstellungsleben. Und jetzt wollen wir anwenden, was sich uns so gezeigt hat durch eine Beobachtung der Traumwelt an jenem Menschen mit dem Angsttraum, auf eine Betrachtung des ganzen Menschenlebens von der Geburt bis zum Tode. Da sehen wir etwas Merkwürdiges: dass wir mit unserer zusammenhängenden Erinnerung, mit dem, was wir als den eigentlichen Inhalt unseres Seelenlebens anschauen, im normalen Leben zurückreichen bis zu einem bestimmten Punkte unserer Kindheit. Über diesen Punkt hinaus kann sich der Mensch nicht zurückerinnern. Was vorher sicherlich geschehen ist, können nur andere Menschen, Eltern, ältere Geschwister und so weiter, uns erzählen. Zweifellos war das alles, wovon wir später wissen: Es ist unser bewusster Seeleninhalt; es ist der Inhalt dessen, was wir denken können wie den fortlaufenden Strom des Seelenlebens, was da drinnen kraftet, webt und lebt, schon vorher vorhanden. Dass wir uns unseres Ich bewusst werden von einem gewissen Zeitpunkte an, ist kein Beweis dafür, dass es vorher nicht da ist, dass es sich erst von diesem Punkte an entwickelt hat. Dass wir etwas wissen, hat mit der Realität nichts zu tun. Dass wir uns unseres Ich erst von einem bestimmten Punkte an bewusst werden, das hat nichts zu tun damit, dass dieses Seelenleben auch schon vorher vorhanden war.

Aber nun merken wir gerade an dem Kindesleben in einer eigentümlichen Art, wenn wir es nur innig betrachten, wie es vorher vorhanden ist. Ist es nicht so, dieses Kindesleben, dass wir sagen können: Das Traumesschlafesleben hat etwas Ähnliches mit dem, was wir da in unbestimmtem Dunkel empfinden von unserem bewussten Seelenleben? Der Mensch schläft oder träumt sich sozusagen in das Erdendasein hinein: Wie das Kind sich mit der Umgebung beschäftigt, wie es, was es erlebt, hinüberträgt in spätere Zeitpunkte, wie es die Dinge vergisst und neue hineindringen lässt, diese ganze Art des Lebens des Kindes hat eine Ähnlichkeit mit dem Schlaf- und Traumesleben. Der Mensch schläft sich in das Leben herein, der Mensch lebt sich herein in dieses Erdenleben mit einem herabgeminderten Bewusstsein, mit einem herabgestimmten Seelenleben. Aber was verdankt er diesem herabgestimmten Seelenleben alles! Es ist tief wahr, was Jean Paul gesagt hat, dass wir in den ersten drei Lebensjahren mehr lernen als in den drei «akademischen». Aber noch etwas anderes ist wahr: In den ersten Lebensjahren, wo wir keine Möglichkeit haben, das Seelenleben zum Bewusstsein aufzurufen, da können wir beobachten, wie gründlich gearbeitet wird, erst an der Herausgestaltung, an der Herausorganisierung unserer physischen Leiblichkeit. Unbestimmt — das muss auch die äußere Wissenschaft zugeben - sind noch die feineren Organe des menschlichen Leibeslebens, ja, für denjenigen, der solche Dinge empfinden kann, ist es geradezu eine tief geheimnisvolle Sache, wie das Kind die wichtigsten Dinge lernt in den ersten Lebensjahren, was wir so ausdrücken können: In wunderbarer Weise erhebt sich das Kind von einem Nicht-gehen-Könnenden zu einem Aufrechten, von einem Nicht-sprechen-Könnenden zu einem Sprechfähigen. All das aber ist verbunden mit der Zubereitung unserer Leibesorgane, mit deren Ausziselierung und plastischer Zugestaltung. Haben wir da nicht im Großen etwas Ähnliches wie bei unserem Träumer, der seinen Angsttraum träumt?

Wie wir bei ihm sagen konnten: Während der Traumperiode hat zuerst in den Organen dasjenige gearbeitet, was erst später im Bewusstsein hervortritt, so arbeitet die träumende Kindesseele zuerst an der Leibesgestaltung, an der Ausgestaltung des Leibeslebens - es ist eine Umwandlung dessen, was später bewusst auftritt, in solche Kräfte, die im Unbewussten arbeiten an unserer Leibesorganisation, sodass wir sagen müssen: All das, was wir später erleben, was Inhalt unserer Seele ist, sodass es wie in einem fortwährenden Strome in unserer Erinnerung bewusst ist, ist deshalb herabgedämpft, weil es da andere Aufgaben hat, als das Bewusstsein aufzurufen; da muss es arbeiten an der Leibesgestaltung. Da sehen wir, wenn wir dies im Sinne modernen Denkens verfolgen, dass wir die Seele als das Ursprüngliche betrachten müssen: nicht als ein Ergebnis der Leibesorganisation — wie die Flamme ein Ergebnis der Kerze ist -, sondern als das, was an der Leibesorganisation arbeitet, was diese Leibesorganisation erst gestaltet.

Schon gestern erwähnte ich, dass es ganz natürlich ist, dass der heutige Wissenschaftler und diejenigen, welche ihm blindlings folgen, dies nicht zugeben. Aber die wirklich vorurteilslose Auffassung gerade der modernen Resultate ergibt, dass Geisteswissenschaft hier mit ihren Aufstellungen im Rechte ist und dass wir einer Zeit zustreben, in der die Resultate der Geisteswissenschaft anerkannt werden. Heute ist es leicht zu sagen: Zeigt sich dann gegenüber der Geisteswissenschaft nicht, dass zum Beispiel eine bestimmte Partie unseres Gehirns durch ihre eigentümliche Furchung geradezu darauf aufmerksam macht, wie wir abhängig sind in unserem Sprechen und Sprachvorstellen von einer materiellen Ausgestaltung in unserem Gehirn? Gerade dieser Gedanke, im richtigen Sinne gefasst, zeigt aber die Selbstständigkeit des Seelenlebens, sodass wir erkennen können, wie die Seele es ist, die den Leib bearbeitet, nicht umgekehrt. Wir müssen nur in richtiger Weise trennen, was in der bloßen Vererbungslinie liegt, was an uns erscheint als unmittelbar vererbt. Was wir ererbt haben, tritt an uns auf, auch ohne dass wir mit der Außenwelt in Beziehung kommen. Wir könnten einen Menschen auf eine ferne Insel versetzen; er würde zweite Zähne sicher bekommen, weil dies in der Vererbung begründet ist, aber jeder weiß, dass, wenn wir ihn von menschlicher Sprache lostrennen, durch die vererbten Eigenschaften er nicht zum Sprechen und zum Denken kommt. Das kann nur aufgerufen werden von außen, indem der Gedanke gesprochen wird in der Umgebung. Also umgekehrt: Jene Gehirnwindungen, welche später die Werkzeugsgrundlage des Sprechens sind, werden selbst erst durch das Einströmen der Sprache als Instrument gebildet.

So kann die Tatsache, die von der materialistischen oder, moderner ausgedrückt, monistischen Weltanschauung ausgesprochen wird, gerade als Hinweis auf die Geisteswissenschaft dienen. So kommen wir zu dem Gedanken, dass die Seele arbeitet an dem Leibe und dass wir keine Berechtigung haben, dieses Seelische als bloße Funktion des Leiblichen anzusehen. Und je tiefer man geht, desto mehr sieht man ein, dass schon von der ersten Atom- oder Zellengestaltung des Leibes an dieses Seelische am Leben arbeiten muss. Damit aber ist gegeben, dass die Seele uns entgegentritt als etwas, was vor dem Beginne des ersten Atoms des Leiblichen vorhanden sein muss. Wir blicken zurück auf ein seelisches Leben, weil es vor dem leiblichen Leben da sein muss, in einem rein seelisch-geistigen Leben da sein muss. Wir schen den ewigen Gebrauch des Seelischen, wir sehen, wie wir das Seelisch-Geistige nicht hervorgehend denken können aus irgendeinem Physisch-Leiblichen, sondern aus einem Geistigen, und annehmen müssen, dass unsere Seele, bevor sie eintritt in die Leiblichkeit, in einem geistigen Dasein vorhanden war, geistiges Land durchlebt hat. So dachten alle, die vorurteilslos darüber nachdenken konnten. Und man findet alles, was bis zu diesem Gedanken führen muss, nur anders dargestellt, bei Aristoteles. Aber Aristoteles macht nun hier einen merkwürdigen Sprung: Da kommt die Seele unmittelbar aus einem göttlichen Dasein heraus, schnürt sich gleichsam ab von einem göttlichen Dasein, tritt ein in das menschliche Dasein, von dem sie sich wieder loslöst im Momente des Todes. Dieser Gedanke, dass in jedem Einzelleben eine besondere Seele von Gott sich abschnürte, scheitert gegenüber einer unbefangenen Beobachtung des Lebens.

Fassen wir ins Auge, wie unsere Seele sich im Erdenleben entwickelt. Kein Mensch wird leugnen, dass unser Seelenleben gerade in seinem Gemütsinhalt, in seinen Stimmungen, in seiner ganzen Grundverfassung immer so ist, wie es aufgrund vorhergegangener Erlebnisse sein kann, wie man - zum Beispiel Menschen, die sich den ganzen Tag geärgert haben, dann abends brummig werden für ihre Umgebung, und diese oft schon aus den Mienen, aus der Art, wie der Betreffende eintritt, erkennen kann, was tagsüber auf den Betreffenden gewirkt hat. So sehen wir, wie unsere Stimmung zusammenhängt mit dem, was wir vorher erlebt haben. Wenn wir aber unser Seelenleben betrachten, wie wir es hereintreten sehen in das gegenwärtige Erdendasein, so stellt es sich so dar, dass es sozusagen schon vorneherein vorhandene Gemüts- und Willensrichtungen der Seele gibt. Die sind so bestimmt ausgeprägt, dass sogar ein Philosoph, der darin unrecht hatte, Schopenhauer, glaubte, diese Gemüts- und Willensrichtung, der ganze Charakter des Menschen sei mit der Geburt gegeben und bleibe unverändert das ganze Leben hindurch. So ist es nicht. Eine unbefangene Beobachtung zeigt, dass wir vorwärtsschreiten können auch in Bezug auf unsere Willens- und Charaktergestaltung. Aber der Irrtum Schopenhauers konnte nur daraus hervorgehen, dass der Mensch uns eine gewisse Stimmung zeigt, die sich in der Grundnuance seines Charakters ausdrückt, die wir gar nicht verschieden finden, wenn wir sie nur gehörig betrachten, von einer Gemütsstimmung, die wir uns aneignen durch die Ereignisse des gewöhnlichen Lebens. Wir treten in die Welt herein so, dass sich dieser Charakter, diese Stimmung schon so zeigt, dass wir diese Stimmung forttragen durch das gegenwärtige Dasein. Es ist unmöglich, wenn man nicht phantasiert, sondern sich auf wirkliche Tatsachen und ernste Beobachtung stützt, von der Stimmung, mit der die Seele hereintritt in das Erdendasein, anders zu denken als von einer Stimmung, die wir uns im Leben erworben haben. Wenn wir das Kind betrachten, so sehen wir zwar, dass es sein Vorstellungsleben noch nicht hat, aber in der Art, wie das Kind etwas abweist, sympathisch oder antipathisch empfindet, wie es sich bewegt und so weiter, darin sehen wir schon die Grundstimmung, die wir durchaus auch im späteren Leben antreffen und von der wir nicht anders denken können, als dass sie sich nicht aus einem Jenseits, nicht aus einem unmittelbar göttlichen Dasein abschnürt, sondern dass sie das Ergebnis ist von irdischen Leben - ebenso wie eine im kleinen Maßstab verlaufende Stimmung -, sodass wir sagen können: Aus der Art und Weise, wie wir die Seele betrachten, ergibt sich uns die Anschauung von den wiederholten Erdenleben, von jenem Gesetz, [das besagt], dass wir im innersten Wesenskern uns selbst zwar angehören, aber mit diesem innersten Wesenskern von Leben zu Leben auf der Erde durchgehen und dass zwischen jedem Tod und einer [jeden] neuen Geburt unsere Seele in ein rein geistiges Dasein eingebettet ist. Das Gesamtleben des Menschen verläuft also fortwährend so, dass es auf der einen Seite da ist im physischen Körper zwischen Geburt oder Empfängnis und Tod und wieder in einer geistigen Welt zwischen Tod und neuer Geburt.

Diese Dinge könnten nun weit ausgeführt werden, aber das ist heute nicht das Wichtige und Wesentliche. Aber wesentlicher ist, dass auch gezeigt wird, wie sozusagen durch geistiges Experiment das bekräftigt werden kann, dass die Seele ein selbstständiges Wesen ist, das an seiner Leibesorganisation arbeitet. Dieses Experiment kann allerdings nicht so gemacht werden wie äußere Laboratoriumsexperimente. Es gilt für diese in besonderem Maße, was Goethe ahnungsvoll in die Worte gebracht hat:

Geheimnisvoll am lichten Tag
Lässt sich Natur des Schleiers nicht berauben,
Und was sie deinem Geist nicht offenbaren mag
Das zwingst du ihr nicht ab mit Hebeln und mit Schrauben.

Diejenigen, die Goethe gerne uminterpretieren möchten, betonen allerdings das «nicht» so, als ob gar nicht enthüllt werden könnte, was hinter den Dingen liegt. So also kann das geistige Experiment nicht verlaufen, dass wir uns unserer physischen Werkzeuge bedienen, sondern so, dass in der Tat der Mensch sein eigenes Seelenleben, sein eigenes Innere zum Werkzeug umgestaltet. Eine genauere Darstellung hierüber findet sich in der «Erkenntnis höherer Welten». Heute soll nur eine flüchtige Skizze gegeben werden, wie sich die Seele selbst zum Instrumente macht, um in die geistige Welt hineinzuschauen.

Da müssen wir uns klar sein darüber, dass die Seele zunächst in ihr Inneres hinein sich wenden muss, unabhängig werden muss von allem äußeren Leben. Dazu gehört, dass der Mensch wirklich das künstlich vollziehe, was sich sonst natürlich vollzieht im Momente des Einschlafens. Jeder weiß, dass die Seele da ohnmächtig wird, sich ihrer Leibesorgane zu bedienen, nicht mehr hinausschauen, hören kann und so weiter, aber damit sieht [sinkt?] sie zugleich im normalen Leben hinunter in die Finsternis der Bewusstlosigkeit. Das eine müssen wir erreichen und das andere darf nicht eintreten. Der Geistesforscher muss durch eine besondere Ausbildung des Willens, die möglich ist, in die Lage kommen, wirklich jene innere Windstille des Gemütes eintreten zu lassen, wo er, wie im Momente des Einschlafens - aber willkürlich - verstummen macht all das, was durch die Sinne zu ihm spricht, verstummen macht auch das gewöhnliche Denken, das er sich erzogen hat durch die äußere Beobachtung, verstummen auch, woran wir uns erinnern können, insoferne unser Leben angeregt ist von außen, durch Freud und Leid - all dies müssen wir künstlich unterdrücken, die Seele rein, die Seele frei machen von allen äußeren Eindrücken. Und dann müssen wir in die Lage kommen, in die Seele durch unseren bloßen Willen, durch unseren starken Willen etwas hineinzuschieben, auf das wir in strenger innerer Konzentration oder Meditation das ganze Seelenleben richten. Dadurch wird die Seele umgestaltet zu einem Instrument der geistigen Welt. Was können wir da in die Seele hineinsenken? Gewöhnliche Vorstellungen nicht - die haben die Aufgabe, die Wahrheit abzubilden, wie sie draußen ist. Wenn wir uns nur Bilder verschaffen dessen, was draußen vorgeht, dann können wir sie nicht ordentlich loslösen, dann können wir sie nicht zum eigentlichen Eigentum, zum inneren Inhalte der Seele machen. Wir müssen uns daher Vorstellungen bilden, die zwar mit dem Leben zusammenhängen, aber so zusammengestellt sind, dass sie sozusagen bloß aus unserer Willkür hervorgehen.

Nehmen wir an, der Mensch, der seine Seele zum Instrumente des geistigen Lebens machen will, sagt sich — und was hier gesagt wird, ist durchführbar, und der es durchführt, wird den Erfolg für das praktische Leben schon sehen: Ich will mir vorstellen, was Liebe ist im tiefsten moralischen Sinne. - Hier müssen wir an äußere Vorgänge anknüpfen, können aber das Äußere eigentlich nicht durchschauen. So werden wir den Begriff der Liebe nicht durchdenken können, aber wir können eine Eigenschaft der Liebe denken. Wir werden nur nicht eine Eigenschaft der Liebe einfach denken, sondern von einer liebevollen Handlung uns ein Sinnbild machen, ein Bild, das scheinbar willkürlich ist, aber doch in einem gewissen Gemütszusammenhange steht mit dem, was in uns als Erlebnis der Liebe vorhanden ist. Wir bilden die Vorstellung eines Glases Wasser, das nicht ganz gefüllt ist; wir gießen das Wasser immer in kleinen Teilen aus, dabei wird aber jedes Mal das Wasser nicht weniger, sondern immer mehr. Eine Vorstellung, die phantastisch, die träumerisch, die geradezu verrückt ist gegenüber der äußeren Welt - aber wir sind uns ja bewusst, dass das für uns nur eine sinnbildliche Vorstellung ist. Was Liebe ist, können wir nicht überschauen, aber diese eine Eigenschaft können wir fühlen an der Liebe. Der Mensch, der liebt, gibt, und indem er gibt, wird er immer liebefähiger und liebefähiger. Wir geben unser Bestes hin, aber die Liebe macht uns immer reicher und reicher. Gerade dadurch, dass wir immer mehr restlos hingeben in der Liebe, vermehrt sie sich.

Diese abstrakte Vorstellung tut nichts zur Erziehung unserer Seele. Aber indem wir das bewusst tun, was der Traum unbewusst tut, indem er den Menschen in das Hündchen verwandelt, und diese Vorstellung so in den Mittelpunkt unseres Bewusstseins rücken, dass wir nun unsere ganze bewusste Tätigkeit auf eine solche Vorstellung richten, dann erreicht uns eine solche Vorstellung. Eine solche Vorstellung hat etwas ganz anderes an sich, als wenn wir uns in abstracto eine Definition der Liebe geben. Das merkt schon der, der sich diese Vorstellung bildet. Gerade solche Vorstellungen, welche nicht die Aufgabe haben, Äußeres abzubilden, sondern durch das, was wir an ihnen fühlen, durch das, was sie unserem Gemüte sind, wirken, wo das eine mit dem anderen zusammenhängt nicht nach Gesetzen des Vorstellungsverlaufs, sondern des Gemütslebens, [...] durch Vermittlung des Gefühls, die müssen jetzt als Vorstellungen, als Bilder, die unsere Seele ausfüllen, in unserem Bewusstsein leben, und wir müssen mit Ausschließung alles anderen Lebens uns solchen Vorstellungen hingeben. Das ist oft eine lange, innere Lebensarbeit, aber wenn wir solches ausführen, dann werden wir Geistesforscher und auf keine andere Weise. Die Einwendung könnte berechtigterweise gemacht werden: Ja, wenn das oft jahrelang und mit großer Energie unveränderlich durch viele Jahre geübt werden muss, so sei nicht jeder in der Lage, Geistesforscher zu werden und sich selbst zu überzeugen von der Realität der Aussagen des Geistesforschers.

Aber wie viele Menschen überzeugen sich heute von dem, was in den Sternwarten vorgeht? Draußen lernt man ja auch nur das Äußerliche kennen; das Eigentliche wird ergründet von jenen, die in den Laboratorien arbeiten, und daraus bilden sich die anderen eine Weltanschauung. Man kann zwar diese Dinge in jedem Leben durchführen, aber man wird je nach der Anlage nur bis zu gewissen Graden kommen. Aber der Geistesforscher muss durch Anwendung solcher Übungen die Seele vom Leibe losreißen. Dadurch gerät er in einen Zustand, der ähnlich ist dem Schlafzustand und doch wieder ganz anders, dadurch, dass alle äußere Welt schweigt, dass alle Sorgen und Bekümmernisse schweigen, gelöscht werden wie vom Schlafe, dass wir aber nicht umgeben sind von der Finsternis des Bewusstseins, sondern erleben, dass wir etwas erfahren, was wir vorher nicht erfahren, wovon wir vorher keine Ahnung haben; ja, wir erleben es so klar, dass wir jetzt etwas innerhalb unserer Seele erleben, etwas ohne unsere Leibesorgane, ja außerhalb derselben erfahren, so klar, dass wir einen Zwischenzustand durchmachen, der sogar unbehaglich ist, dass wir, wenn wir es bis zu einem gewissen Grade getrieben haben, fühlen: Jetzt erlebst du dein Seelisches, jetzt bist du in dir so, dass du erlebst, was du nicht von außen erfährst, sondern jetzt erlebst, was nur im Seelischen «urständet» - um diesen Ausdruck Jakob Böhmes zu gebrauchen -, was nur im Geistigen vorhanden ist. Aber man erlebt es nur und man kann es anfangs nicht so in Begriffe fassen, wie man gewohnt war, die äußeren Vorstellungen [Wahrnehmungen] in Vorstellungen zu bringen. Warum nicht? Das zeigt uns das innere Erlebnis klar, wie man außerhalb des Leibes ist; das Gehirn ist geformt worden nur für Vorstellungen, an die wir gewöhnt sind. Jetzt erleben wir etwas Neues; das in Begriffe zu bringen, dazu ist das Gehirn nicht vorbereitet. Wir erleben es deshalb so, dass wir uns fühlen wie töricht, wie ein Kind, das noch nicht in Vorstellungen ausdrücken kann, was es erlebt.

Und wenn man dann in Energie und mit innerer moralischer Kraft, mit auf sich selbst gebauter Energie solche Seelenübungen fortsetzt, dann fühlt man zunächst, wie sich uns Widerstand um Widerstand gegenüberstellt, aber jetzt erscheint unser Gehirn selber, unser ganzer Leib wie ein Klotz, der nicht mitkann. Und erst bei Fortsetzung, bei moralisch starker Fortsetzung fühlen wir, wie es allmählich herankommt, dass wir, was wir selbst erlebt haben, auch denken können, wir können es dann auch schauen. Wir fühlen und schauen, wie nun wieder etwas in uns geschieht während der geistigen Übungen, was sonst nur in den ersten Kindheitsjahren geschehen ist, dass wir sozusagen plastisch bilden an dem Werkzeug unserer Seele, dass wir unseren Leib neu formen, und wenn wir fühlen: Jetzt haben wir die große Anstrengung gemacht, die das Kind an dem wachen Leibe spielend macht, jetzt haben wir etwas Ähnliches gemacht, wir haben gearbeitet an unserem Leib - dann stellt sich das ein, dass wir auch erzählen können, was wir erlebt haben, und nur dann, wenn es erzählt wird, ist es Geisteswissenschaft. Und wenn es erzählt wird, dann kann es jeder, wie das, was im Leben erforscht wird, durch seinen gesunden Menschenverstand einsehen. Das ist der Weg, durch das echte, geistige Experiment die Seele in ihrer Selbstständigkeit zu erleben, [so] dass wir wissen: Diese Seele ist es, die aus ihrem geistig-seelischen Inhalt, immer, wenn sie ihn sich erworben hat, erst an ihrer Leibesorganisation arbeitet so, wie wir gewahr werden, dass das Kind an seiner Leibesorganisation arbeitet mit dem, was es sich aus seinem vorigen Leben an gestaltenden Kräften mitgebracht hat.

Und jetzt überblicken wir noch einmal unser Leben zwischen Geburt und Tod, dann sehen wir es in aufsteigender und absteigender Linie. Da sehen wir, wie nach und nach sich die inneren Kräfte heraufarbeiten, die wir herüberkommen sehen aus einem früheren Leben, wie sich aus den unbestimmten Zügen bestimmte Züge bilden, ungeschickte Bewegungen in geschickte Bewegungen sich verwandeln: Das sehen wir als aufsprossendes Leben. Dann wird ein Teil an die Bewusstheit abgegeben, ein anderer arbeitet fort, so lange, bis wir fühlen, dass das Leben sich in absteigender Linie bewegt, bis wir fühlen, dass dieses unser Werkzeug in absteigender Linie begriffen ist. Nun fühlen wir aber, dass dieses Leben sich fortdauernd bereichert hat, wir Neues aufgenommen haben. So fühlen wir, dass [das], was in unserem gegenwärtigen Leben vorzugsweise gestaltend wirkt, was in unser Leben hineinlegt die Grundlinien unseres Gemütscharakters, aus einem früheren Leben herüberkommt, dass wir aber ohnmächtig sind - weil unser Leben, unser Zusammenleben mit der Außenwelt aus einem früheren Leben herübergeht, weil dieses Leben von früher gegeben ist -, was wir als Bereicherung empfangen haben, unmittelbar «hineinzuenergisieren» ins Leben. Wir fühlen dann, dass es sich als Kraft bildet und bildet. Wenn nur unser Gemüt, unser Wille erfassen kann, was wir gewonnen haben, dann werden wir, wenn wir durch die Pforte des Todes gehen, vorbereiten können unser künftiges Leben. Wir brauchen nur nichts anderes als richtig zu erfassen, als dass [das], was wir uns in dem einen Erdenleben aneignen, im Grunde nur das ist, was der Intellekt hat, dass aber die Grundrichtung unseres Gemütes, wie sie hereintritt in das Leben, kommen muss aus früheren Erdenverkörperungen. Und so sehen wir den Lessing’schen Satz bestätigt, dass das Vorstellungsleben nicht aus einem früheren Leben hereintreten kann. Nichts, was wir vorstellen, kann aus einem früheren Leben stammen. Denn die Vorstellungen drücken sich in der Sprache aus, und für viele Menschen ist alles Vorstellen nur wie eine Tochter der Sprache. Die Sprache aber eignen wir uns in diesem Leben an, die Sprache muss neu gelernt werden. Jedenfalls müssten die Gymnasiasten anerkennen, dass sie, wenn sie auch im alten Griechenland verkörpert waren, sich darum das Erlernen der griechischen Sprache nicht erleichtern. Das muss neu gelernt werden. Nur die Grundrichtung des Gemüts, des Willens, des Charakters ist das Ergebnis früherer Inkarnationen, ist das, was sich aus dem Vorstellungsleben der früheren Leben herüberrettet.

Friedrich Hebbel wollte einmal ein Drama schreiben, wozu er den ersten Entwurf verfasst hat. Darin sollte der wiederverkörperte Plato auftreten als ein Schüler, der den Plato nicht verstehen kann. So hätte gezeigt werden können, wie sich nicht herüberlebt, was unmittelbares Vorstellungsleben war, aus einem früheren Dasein in ein späteres. Was dazumal Plato erlebt hat, das wandelt sich um in Gemütsleben, in Gemütsrichtung, in Seelenstimmung, und lebt sich so in ein neues Dasein herein. Daher muss es uns klar werden, dass auch der Einwand nicht gelten kann, dass man sich im gewöhnlichen Leben nicht an die früheren Leben erinnert. Man erinnert sie so, dass einem das jetzige Leben in seinem Gemütsinhalt als Wiederholung des früheren erscheint, aber nicht so, wie man sich im Vorstellungsleben an Früheres erinnert. Denn das Vorstellungsleben ist dasjenige, was die jetzige Erinnerung in der einen Verkörperung auszeichnet. So sehen wir, dass gerade einer wirklichen Lebensbetrachtung gegenüber das bekräftigt erscheint, wovon wir sagen müssen, dass die aufgeklärtesten Geister dazu getrieben worden sind, es anzuerkennen: die Tatsache der wiederholten Erdenleben. Man kann sich ja Lessing gegenüber ausreden, dass er die «Erziehung des Menschengeschlechtes» schon in der Schwäche des Alters geschrieben habe. So redet man sich größeren Geistern gegenüber aus, auch wenn solch ein Werk wie die «Erziehung des Menschengeschlechtes» sich als letztes Ergebnis, als reife Frucht eines reichen Lebens darstellt. Solche Geister glauben dann, dass der Geist eines solchen Menschen schwach geworden ist. Das nur nehmen sie nicht an, dass sie nicht mitkommen von dem Standpunkte, den sie noch anerkennen, bis zu jenem Standpunkte, zu dem sich der Geist dieser Menschen aufgeschwungen hat. Aber auch diese Ausrede gilt nicht gegenüber einer anderen Behauptung, die Lessing in der Vollkraft seines Lebens getan hat, in der «Hamburgischen Dramaturgie», und die etwas enthält, was sich anschließt an das, wozu Geisteswissenschaft führen muss, wenn sie die heute und gestern entwickelten Gedanken weiter verfolgt. Diejenigen Inhalte, die wir in der Seele haben zwischen Tod und einer neuen Geburt, führen ein selbstständiges, ein rein geistiges Dasein. Damit aber ist anerkannt die Existenz einer rein geistigen Welt. Welcher moderne Aufklärer schauderte nicht, wenn er hörte, dass eine geistige Welt jenseits der materiellen angenommen wird? Und wer würde nicht deklamieren: Haben dazu so erleuchtete Geister wie Lessing und andere gewirkt, dass wir wieder zurück sollen zu der alten, abergläubischen Auffassung von der Existenz einer geistigen Welt? Ihnen aber könnte man entgegenhalten Aussprüche derselben erleuchteten Geister, zum Beispiel den Ausspruch Lessings:

Wir glauben keine Gespenster mehr? Wer sagt das? Oder vielmehr, was heißt das? Heißt es so viel: Wir sind endlich in unsern Einsichten so weit gekommen, dass wir die Unmöglichkeit davon erweisen können; gewisse unumstößliche Wahrheiten, die mit dem Glauben an Gespenster im Widerspruche stehen, sind so allgemein bekannt worden, sind auch dem gemeinsten Manne immer und beständig so gegenwärtig, dass ihm alles, was damit streitet, notwendig lächerlich und abgeschmackt vorkommen muss? Das kann es nicht heißen. Wir glauben itzt keine Gespenster, kann also nur so viel heißen: In dieser Sache, über die sich fast ebenso viel dafür als darwider sagen lässt, die nicht entschieden ist und nicht entschieden werden kann, hat die gegenwärtig herrschende Art zu denken den Gründen darwider das Übergewicht gegeben; einige wenige haben diese Art zu denken, und viele wollen sie zu haben scheinen; diese machen das Geschrei und geben den Ton; der größte Haufe schweigt und verhält sich gleichgültig und denkt bald so, bald anders, hört beim hellen Tage mit Vergnügen über die Gespenster spotten und bei dunkler Nacht mit Grausen da von erzählen.

Das ist eine für die moderne materialistische Naturwissenschaft gewiss unbehagliche Stelle. Wir könnten aber auch im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts noch manchen Geist anführen, der durch eine innere Notwendigkeit, wenn auch noch nicht auf Grundlage aller Erwägungen, die heute aus der Geisteswissenschaft heraus angeführt worden sind - weil dies damals nicht möglich war -, auf die einzig mögliche Annahme wiederholter Erdenleben für die menschliche Seele gekommen ist. Darum betont es auch Lessing so stark, dass dies die einzig mögliche Annahme ist über das Leben der Seele jenseits von Entstehen und Vergehen. Damit aber schwingen wir uns auf zu einer wirklich wesensvollen Idee der Ewigkeit, denn jetzt ist uns das Leben nicht bloß ein Leeres, in das wir hineinversetzt werden durch etwas, was außer uns ist, sondern jetzt verspüren wir: Das, was wir in dieses Leben hineingestellt haben, das bringen wir aus früheren Leben mit, das haben wir uns in früheren Leben erarbeitet. Was wir aber jetzt erfahren, wird umgewandelt, es wird, wenn wir durch die Pforte des Todes gehen, so verarbeitet, dass wir uns die Kräfte aneignen, durch die wir uns den späteren Leib wieder gestalten können. Wir sehen das in dieser Verkörperung wachsen, was in einer nächsten Verkörperung lebendig in uns gestalten wird. So sehen wir, wie sich die Ewigkeit als etwas Konkretes zusammenfügt, wir fühlen die Ewigkeit nicht als eine unendliche Leere von vorne und rückwärts, sondern wie die Ewigkeit wird, wie die Seele sich in die Ewigkeit hineinlebt, so hineinlebt, dass sie immer wieder fühlt: Das trage ich herüber aus früheren Daseinsstufen; so verwerte ich in späteren Leben das in früheren Erworbene - es ist das, was mir die Gestalt schafft; und ebenso kann ich mir durch das gegenwärtige Leben eine Anwartschaft erwerben für die Zukunft. - Und aus diesen einzelnen Anwartschaften auf die Zukunft ergibt sich eine konkrete, eine wirkliche Idee vom Wesen der Ewigkeit. Denn wo wir zukunftssicheres Arbeiten zu zukunftssicherem Arbeiten fügen, dehnen wir uns in Bezug auf unsere Lebenshoffnungen in die Ewigkeit aus. Wir fühlen die wirkliche, reale Idee der Ewigkeit, nicht die leere Idee, die uns so oft vorgehalten wird. Und dadurch allein können wir sie fühlen, dass wir dieses ganze innere Leben betrachten, aber nicht nur nach Vorstellungen, sondern nach der ganzen Gemütsverfassung, nach den Gemütsstimmungen, nach dem Willensleben. Fassen wir diese dreifache Natur der Seele ins Auge, wie sich diese Kräfte ineinander verwandeln, wie das, was im Vorstellungsleben heranreift, in Gemütsstimmungen übergeht, um als solche aufzutreten im nächsten Leben, als Willensleben aufzutreten, dann fassen wir das ganze Leben der gesamten Menschenseele.

Wir brauchen nur eines zu erfüllen, um das, was Geisteswissenschaft uns geben kann, zu einer nicht bloß begründeten, sondern zu einer auf echtem Wissen gebauten Hoffnung auf Ewigkeit zu führen. Wir brauchen nur die Seele nicht nach einer ihrer Seiten zu betrachten, sondern in ihrer Gesamtheit, und dann kommen wir dazu zu fühlen, wie wahr es ist, wenn wir sagen: In Denken, in Fühlen und Wollen, in der ganzen Natur der Seele enthüllt sich uns die Welt, insoferne wir in ihr gegründet sind, insoferne wir für alle Zukunft in ihr gegründet sein werden. Dasjenige, was - es sei dies noch einmal hinzugefügt — was nicht als Theorie, nicht als abstrakte Wissenschaft in uns lebt, sondern wie ein Lebenselixier sich in unser ganzes Sein gießt, sodass wir die Ewigkeit nicht nur ergründen, sondern erleben - erleben, wie sie sich aufbaut aus ihren einzelnen Bausteinen -, das drängt sich zusammen in dem Spruche des zweiten Mysteriendramas, wo zum Ausdruck kommt, was die Seele fühlen kann, wenn sie ihr eigenes Leben fühlt, wenn sie das fühlt, was sie selber hinübertragen muss von Erdenleben zu Erdenleben als Anwartschaft auf die Ewigkeit. So ruft uns ein wirkliches Erkennen unseres Selbst, unseres Seelenlebens zu, wenn wir nur in wirklicher Selbsterkenntnis dieses Seelenleben erfassen:

In deinem Denken leben Weltgedanken,
In deinem Fühlen weben Weltenkräfte,
In deinem Wollen wirken Weltenwesen.
Verliere dich in Weltgedanken,
Erlebe dich durch Weltenkräfte,
Erschaffe dich aus Willenswesen.
Bei Weltenfernen ende nicht
Durch Denkens Traumesspiel
Beginne in den Geistesweiten
Und ende in den eignen Seelentiefen:
Du findest Götterziele
Erkennend dich in dir.

German original of The Essence of Eternity and the Nature of the Human Soul in the Light of Spiritual Science · ← Previous · Next →