Spiritual Science and the Future of Humanity

GA 69e — 26 September 1912, Basel

VIII. Die Geisteswissenschaft und das Menschliche Leben

Sehr verehrte Anwesende! In dem gestrigen Vortrag bemühte ich mich zu zeigen, dass die [Ziele] und das Wesen der Geistesforschung, wie sie hier gemeint ist, dem Drange und Sehnen der Zeit der Gegenwart entsprechen, dass sie im Wesentlichen entgegenkommen den Bedürfnissen der Menschenseelen, die sich seit langer Zeit bis in unsere Gegenwart hinein vorbereitet haben und die heute für jeden, der sehen will, für jeden, der nur sich selbst richtig verstehen will, deutlich wahrnehmbar sind. Man kann nun, gerade wenn man die Frage in Erwägung zieht, welche Bedeutung diese Geistesforschung oder Geisteswissenschaft für das Leben, für das unmittelbare, man möchte sagen, volltätige Leben des Menschen hat, anknüpfen an die gestrige Bemerkung, aus dem Grunde, weil man die Bedeutung einer Sache für das Leben am besten einsehen kann, wenn man erst sieht gewisse Triebe und Bedürfnisse hervorgehen aus dem Leben, die diese Sache verlangen. Es erwarten heute viele Menschen eine [befriedigende] Weltanschauung. Die Geistesforschung oder Geisteswissenschaft wird sie geben.

Dasjenige, was die Seele braucht, wenn ihr Ich den Charakter durchbilden will, das erwarten viele Leute heute von einer Art Schlussfolgerungen, die aus der so wahrhaft fortgeschrittenen Naturwissenschaft unserer Zeit hervorgeholt werden können. Für gewisse Dinge ist das ganz gewiss berechtigt; allein, eine aufmerksame Betrachtung dessen, was geschieht in unserer Zeit, zeigt uns deutlich, wie auf diesem Wege manches doch nicht zu erzielen ist, wie gerade das Leben der Gegenwart so sehnsüchtig, so stark nach einer Forschung, nach dem Geiste verlangt.

Man könnte viele Tatsachen anführen; nur eine der neusten soll hier vorgeführt werden. Am 18. September auf der Naturforscher-Versammlung in Münster hat Professor von Wettstein einen Vortrag gehalten über die Bedeutung der Biologie, der Lebenslehre, für die Kultur und das Leben; das heißt, [er hat] mit vollständiger Berechtigung darauf hingewiesen, wie man im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts hat sehen können, dass in einer populären Art eine Weltanschauung gegeben werden sollte, die sich stützen sollte auf die Errungenschaften der Naturwissenschaft. Und er betont, wie die Naturwissenschaft einen ruhigen Fortschritt genommen hat, wie im Grunde gebrochen werden musste durch die Wissenschaft mit dem, was man im materialistischen Zeitalter hat zeigen wollen für die Menschenseele; und mit voller Berechtigung bemühte er sich, ruhig zu bleiben bei der Beobachtung der Tatsache und nicht voreilige Schlüsse zu ziehen über jene Weltanschauungsfragen, die gar sehr in das Gebiet hineinkommen können, wo sich menschliches Denken versteigt in allerdings Unberechtigtes.

Eigentlich will Geisteswissenschaft nichts anderes, als in ihrer Art und auf ihrem Gebiete einen solchen Rat befolgen; nicht durch allerlei Schlussfolgerungen und Indizienbeweise der Weltanschauung aus den äußeren sinnlichen Tatsachen zu der Wahrheit des Lebens gelangen, sondern durch Erweckung der schlummernden Kräfte der Seele, dessen, was Goethe mit den Worten bezeichnet «geistige Augen», beobachten, was hinter der Sinnenwelt, hinter dem Sinnensein überhaupt ist und womit sich die Menschenseele verbunden denkt.

Danach verlangt die Zeit und auch das Leben. Und wenn es bei der Geisteswissenschaft darauf ankommt, die Wahrheit zu ergründen, so wird die Art, wie [sie] sich stellen kann zu dem, was Leben befruchtend, Leben gesundend ist, so sein müssen, dass eine jede Seele Befriedigung findet. Daher darf wohl diese Forderung zur Beantwortung gestellt werden. Und da kann man eines sagen: Eines muss die Geisteswissenschaft erfüllen, soll sie den Lebensbedürfnissen entgegenkommen; sie muss die Macht haben, unabhängig von einer gewissen höheren Bildung, unabhängig von der Entwicklung dieser oder jener Tatsache der Wissenschaft, unabhängig selbst von einer gewissen Höhe philosophischer Weltanschauung, sich einzuleben auch in das einfachste Gemüt, das seine Tagesarbeit als Mensch verrichten muss und nicht Zeit hat, in eingehender Weise mit dieser oder jener einzelnen Wissenschaft sich zu befassen. Allgemein zugänglich muss Geistesforschung sein. Um nicht missverstanden zu werden, möchte ich hinzufügen, dass die Geistesforschung in allem Einklang sein muss mit der Wissenschaft der Zeit, dass sie deren gerechten Anforderungen nicht widersprechen darf. Der strengste Forscher mit seinen strengsten Forderungen mag kommen, und ihm muss die Geisteswissenschaft allerdings Rede stehen können. Und derjenige, der sich einlässt auf die ernste Literatur der Geisteswissenschaft, wird sehen, wie das sein kann.

Aber ein anderes ist, dass sie Dinge zutage fördern muss, für die, unabhängig von jeder Bildung, jede Seele Verständnis finden kann. Und da möchte ich, nicht durch eine Theorie, sondern durch eine Art von Tatsache antworten, und nicht eine Tatsache möchte ich anführen, die zunächst der Geisteswissenschaft selbst entnommen ist, sondern eine Tatsache, die eigentlich noch hinweist auf etwas, das schon vor dem weiteren Hervortreten der Geisteswissenschaft geschehen ist, was aber zeigt, wie die Seelen, die sich sehnten nach einem Hinneigen zur geistigen Welt, in einer merkwürdigen Weise sich verstehen, unabhängig von dem sonstigen Bildungsgrad. Etwas, was für solches Verständnis Zeugnis abgibt, will ich anführen, und was in erhöhtem Maße eintreten wird, wenn Geisteswissenschaft mehr und mehr sich einleben wird in die Seelen, die ihrer bedürfen.

Einer der liebenswürdigsten und umsichtigsten Philosophen der Gegenwart, Moriz Carriere - nur darauf hingewiesen kann hier werden, dass er einer derjenigen war, der den Idealismus der Philosophie immer hochgehalten hat in einer Zeit, in der der Materialismus hereinbrach über die großen Weltanschauungsfragen -, hat, mit der Reinheit philosophischen Denkens durchdrungen, in seinem Werke über die Kulturentwicklung der Menschheit nicht nur dargestellt, wie das Geistige in der Menschheitsentwicklung wirkt, sondern, wie versöhnbar wahre Wissenschaft [ist] mit dem echten Bedürfnis der Seele über die großen Fragen des Daseins, über die Beziehungen von Weltanschauung zu Religion, [dies] ist aus seiner Feder geflossen. Nun erzählt uns Moriz Carriere selber ein merkwürdiges Erlebnis, das er gehabt hat, gerade, als er versuchte, zu zeigen, wie das Geistige im Verfolg der Menschenentwicklung wirkt, und wie sich namentlich die große Gestalt des Christus Jesus in die Menschheitsentwicklung hineinstellt. Da bekam er zugeschickt eine Reihe von Manuskriptblättern. Sie rührten her von einem einfachen Mann. Sein Name war auch niemals bekannt. Karl Zeuner heißt er. In den Zeiten, als die Wogen des revolutionären Lebens hoch gingen, hatte er sich irgendwie gegen das Gesetz vergangen und geriet in Gefangenschaft. In den Kerker geriet er. Und nun erzählt er, wie er verzweifelte an den Freunden, die mit ihm gestrebt hatten nach äußerlichen Zielen, an den Resten dessen selbst, was ihm übrig geblieben aus dem Religionsunterricht der Schule, wie er einsam war. Er erzählt, wie er dann in seinem Gefängnis hörte von fern einmal ein ihm bekanntes Lied. Er erzählt, wie das seine Seele befruchtete, wie da besondere Kräfte in seiner Seele sich regten. Er schrieb nieder Gedanken, die so allmählich der wieder aufblühenden Seele im Gefängnis kamen.

Gleich wenn man beginnt, diese Blätter zu lesen, da begegnet man merkwürdigen Sätzen, namentlich im Anfang. Da sagt er etwa so: «Wenn ich hinblicke auf meine eigene Seele und dann auf das, was mich umgibt, so fühle ich in meiner Seele dasselbe Wesen, das da draußen in allen Dingen lebt, und ich fühle mich in meiner eigenen Seele wie ein Teil der ganzen Weltenseele.» Und von da geht er aus, sich seine Ideen zu machen über den Gang der Weltgeschichte, schildert, wie der Geist in den Menschen, die sich nach und nach entwickelt haben, tätig ist.

Warum hat das Moriz Carriere so überrascht? Es ist überraschend, wenn man diese Blätter des einfachen Mannes vergleicht mit dem, was Moriz Carriere geschrieben hat auf Grundlage einer Erkenntnis der Wissenschaft der Gegenwart und Studien der Kulturentwicklung der Welt. Wenn man nimmt dessen Hauptideen - sie sind fast eine Übereinstimmung bis aufs Wort zwischen den beiden, dem einfachen Menschen und dem hochgebildeten Philosophen. Der einfache Mann in seiner Einsamkeit, der nur seine innersten Seelenkräfte aufruft, schreibt etwas hin, was gleich ist dem, was der Philosoph aus den Schachten der Gelehrsamkeit herausholt. Das heißt, wenn er zu den Fragen der Weltanschauung kommt, wenn der Mensch nur suchen will, da gibt es ein Verständnis zwischen dem, der sucht in seiner Seele, und dem, der diesen Weg auf Grundlage umfassender Gelehrsamkeit sucht.

Das zeigt uns, wie über den Geist Verständigung möglich ist zwischen dem Allergebildetsten und der einfachsten, primitivsten Seele. Und wenn das damals in einem bestimmten Falle nur auf Grundlage bestimmter Begriffe und Ideen, schon ohne Geisteswissenschaft, möglich war, dann dürfen wir sagen: Erstens entspricht dieses Fördern einer solchen Übereinstimmung einem Drange unseres gegenwärtigen Lebens. Es entspricht dem Sinne und Geist unserer Zeit, dass die Seelen über die tiefsten Bedürfnisse über alle Stände hinaus, durch alle Bildungsgrade hindurch sich verständigen; und zweitens wird eine solche Verständigung umso mehr nötig sein, wenn die Seelen zu dem Geist nicht bloß zu kommen brauchen durch Begriffe und Ideen, die sie sich aus ihrem Innern herauspressen — die wie Schatten sind im Vergleich zu dem, was Geisteswissenschaft zu geben hat -, sondern es wird durch die Geisteswissenschaft dieses allgemein Verständliche, es wird durch Geisteswissenschaft umso mehr erreicht werden.

Damit ist aber eine Lebensforderung gerade unserer Zeit nach allgemeiner Verständigung über die Grundfragen des Daseins gegeben, und wir sind an der Pforte ihrer praktischen Lösung durch die Geisteswissenschaft angekommen.

Das heißt: Geisteswissenschaft ist in der Lage, in das Leben unmittelbar hineinzugreifen. Es gibt allerdings, und das wird von manchen Seiten auch betont, einen Einwand gegen diese Geisteswissenschaft, gerade, wenn es darauf ankommt, dieses allgemein Verständliche in das rechte Licht zu stellen. Man sagt: Ja, da wird aber erst gelehrt, dass der, der da hineindringt in die geistige Welt, die schlummernde Seele weckt. Und das, was gesagt ist in meiner «Erkenntnis der höheren Welten», das verlangt einen weiten Weg, bis man selber Einsicht nehmen kann von diesem geistigen Leben. Wie kann man da, so könnte man fragen, von allgemeiner Verständlichkeit sprechen, wenn erst einer, der seine Seele umgewandelt hat, in diese eindringen kann?

Dieser Einwand ist begreiflich und doch nicht ganz berechtigt; denn notwendig ist diese Forderung für den Geistesforscher, für das eigene Feststellen der Tatsachen der geistigen Welt. Der Geistesforscher, er kann geistige Tatsachen, die für das Leben wichtig sind, erforschen. Er kann sie dann formulieren, in Worte, Begriffe, Ideen bringen und der Allgemeinheit mitteilen. Zum Erforschen ist geistige Schulung nötig; wenn aber diese Tatsachen da sind und, formuliert in Begriffe, Worte, Ideen vor uns treten, dann kann sie das einfachste Gemüt verstehen, dann kann jeder das verstehen. Es ist nichts weiter nötig, als dass man unbefangen diesen Ideen, Begriffen und Worten sich hingibt; denn bei diesen geistigen Tatsachen ist es so, dass, wenn wir diese Ideen auf uns wirken lassen, sie sich selber beweisen. Sie können uns alles dasjenige geben, was wir von ihnen bedürfen für die Zwecke des praktischen Lebens — was wir von ihnen bedürfen an Aufrichtung, Stärkung, Gesundung des Lebens. Was treue Geistesforscher der Welt geben können, kann jederzeit von der Wissenschaft geprüft werden! Vor der leichten, seichten Kritik freilich werden diese Dinge vielleicht nicht bestehen, vor einer wahren können sie bestehen. Dasjenige aber, was mehr oder weniger ausgesprochen viele sagen, fühlen, das ist, dass sie ja zugeben müssen ein allgemeines Hinlenken der menschlichen Erkenntnis [auf die] höhere Welt, aber sobald man auf Einzelheiten der Geistesforschung eingeht, sobald man beginnt, aus den Beobachtungen der geistigen Welt zu schildern, zu schildern, was zwischen Tod und neuer Geburt ist, was man die Entwicklung der Menschheit nennt, nach den Impulsen, die von der Geisteswissenschaft gegeben werden, kurz, wenn Einzelheiten angeführt werden, dann zucken unsere Zeitgenossen noch vielfach zurück. Einen allgemeinen Hinweis suchen sie, ohne diesen - gestehen sie - könnte das menschliche Leben, das stärkende, gesunde, nicht bestehen. Aber wenn man auf Einzelheiten eingeht, wenn man schildert Wesen und Dinge der geistigen Welt, dann kommt gleich der Einwand: Da hinauf kann keiner dringen, davon können wir nichts wissen. Hier stehen wir auf dem Punkte, verehrte Anwesende, wo Geisteswissenschaft sich erst wird verständlich machen müssen dem, was zwar ausgesprochene Lebensbedürfnisse sind, was man aber nur in der Allgemeinheit haben will.

Wiederum sei ein konkretes Beispiel angeführt, wie sozusagen die Menschheit nach einer neuen Antwort sucht über die Bedürfnisse der Seele. Der gewesene Präsident der Harvard-Universität, USA, sprach das aus, nannte es das Bedürfnis nach einer neuen Religion. Geisteswissenschaft will keine neue Religion gründen, Geisteswissenschaft hat nichts mit Sektenbildung zu tun; sie will die alten verstehen, will im Geistigen erforschen, was die Menschenseele braucht. Unsere Zeitgenossen glauben, dass dieses Drängen, das nach Geistesforschung geht, ein Drängen nach einer neuen Religion sei. Dr. Eliot hat darauf hingewiesen, wie ihre Lebensbedürfnisse hindrängen nach Geisteswissenschaft. Dr. Eliot, der lange Zeit an der Spitze der Wissenschaft, der Präsident einer Universität war, der hat dem Sinne nach Folgendes ausgesprochen: Die Menschen haben immer eine vom Körper verschiedene, obgleich ihm innewohnende Seele angenommen. Jedermann glaubt, dass es im Menschen ein lebendiges, herrschendes, eigenartiges Wesen oder einen Geist gibt, der er selber ist. Dieser ist etwas im Grunde so Wirkliches wie der Körper. Er ist der wirksamste Teil des menschlichen Wesens und wird als solcher anerkannt: Und das war immer der Fall und wird immer der Fall sein.

Wenn man solche Worte hört, so kann man daraus den Schluss ziehen, dass auch die Leute, die umfassende Bildung haben, dies Drängen und Streben haben.

Man könnte viele Beispiele anführen; man wird überall sehen, dass überall auf den Geist hingedeutet wird aus dem Lebensbedürfnis heraus, nicht aus der Erkenntnis, aber in einer eigenartigen Weise, die zeigt, welche Abneigung noch besteht gegen die Einzelheiten, wie sie durch die Geisteswissenschaft vorzubringen sind.

Wenn jemand so, wie Dr. Eliot, hinweist auf die Bedürfnisse der Zeit, dann ist dieser Hinweis etwa so, als wenn man in Bezug auf Naturwissenschaft sagen würde: Niemand kann leugnen, dass es eine Natur gibt, eine Natur, die im Raume draußen Wesen hervorbringt, eine Natur, welche in der Zeit Geschehnisse hervorruft, welche ein Anfang und ein Ende haben, und so weiter. Jemand, der so auf die Natur hinweisen würde, lässt sich vergleichen mit jemand, der so hinweist auf den Geist wie Dr. Eliot. Aber kann jemand damit Befriedigung geben, dass man sagt: Es gibt eine Natur mit verschiedenen Lebewesen und Geschehnissen?

Das Befriedigende liegt darin, dass der Mensch hinausgehen kann und die einzelnen konkreten Wesenheiten wahrnehmen kann. Nicht das Abstrakte genügt den Menschen, sondern die Einzelheiten; Tatsachen müssen vor unsere Seele treten. Was niemand befriedigen könnte in Bezug auf die Natur, das ist das, was noch viele befriedigen soll in Bezug auf das Geistige - ein leeres Allgemeines, Abstraktes.

Aber man lehnt es noch ab, auf Teile, auf Einzelheiten einzugehen, auf die Einzelheiten, die Tatsachen der geistigen Welt, die aus der Geisteswissenschaft ebenso hervorleuchten wie in der Naturwissenschaft die einzelnen Tatsachen der Natur.

Geisteswissenschaft steht heute auf dem Boden, wo die Naturwissenschaft vor vier Jahrhunderten stand, als sie begann, aus ihren Mitteln heraus die Natur zu beschauen. Konnte gestern darauf hingewiesen werden, dass man in den naturwissenschaftlichen Dingen ins Einzelne geht, so muss heute darauf hingewiesen werden, wie man sich erst gewöhnen muss, über die Einzelheiten des geistigen Lebens so zu denken wie über die Einzelheiten der Naturvorgänge; und wie es nicht genügt, zu wissen, dass es allgemeine Naturprodukte gibt, wie der Naturforscher unterscheiden muss zum Beispiel zwischen Hafer und Weizen, so wird der Mensch auch immer mehr brauchen die Einzelheiten der geistigen Tatsachen. Ebenso, wie man nicht den natürlichen Bedürfnissen in derselben Weise mit Weizen und Hafer nahen kann, ebenso kann man nicht mit allgemeinen Hinweisen auf die geistige Welt den geistigen Bedürfnissen sich nahen. Wenn dieser oder jener Trost gebraucht wird oder wenn dieser oder jener Charakterzug sich eingießen soll in die Seele, dann müssen Einzelheiten, Tatsachen gegeben werden. Das ist der Weg, den Geisteswissenschaft einzuschlagen hat. Und weil dieser Zug nach dem Allgemeinen heute die Welt beherrscht, deshalb sieht man auch an den einzelnen Dingen, die gefordert werden, wie man zwar aus dem heutigen Leben heraus das Sehnen nach dem Geiste zugibt, der befruchtend wirkt auf die Seele, die er erfüllt, wenn es befriedigt wird, niemand aber über die wesentlichsten Dinge ein Zutreffendes sagen muss, weil man so allgemein widerstrebt dem Einzelnen.

Aus dieser Rede des Eliot können wir auch einen anderen Satz herausnehmen, in dem er davon spricht, wie die geistige Weltanschauung, die sich aufbaut, scheint auf alle wissenschaftlichen Errungenschaften der neuen Zeit, sich beschäftigen wird mit Freude und Leben.

Er stellt sich damit entgegen dem Alter, Tod, und so weiter. Da haben wir vor Augen ein Fern-sich-Halten von Tod und Trauer, Tod und Sünde seitens derer, die dem Menschen erzählen, was das Leben der Seele sein soll, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geschritten ist. Dass man das alles nicht braucht, das fordert Dr. Eliot von der neuen Weltanschauung, dass man in ihr sich beschäftigen soll mit Leben und Freude. Es entspricht das ganz der Anschauungsweise unserer Zeit, welche den Blick auf die lebendige Tat richtet und Gründe sieht, das Leben stark, freudig zu machen. Das ist vollberechtigt. Vollberechtigt ist es auch, wenn man sagt, die neue Lebensanschauung muss sich befassen mit Leben und Freude; und demgegenüber klingt der Satz doch wunderbar, dass sich die neue Weltanschauung hinwegsetzen soll über Tod und Trauer. Einen gewichtigen Einwand gibt es doch: Wenn sich noch so sehr das menschliche Denken nicht damit befassen will - Tod und Trauer werden sich schon mit dem Menschen befassen und ihr Dasein dem Menschen zeigen, und das Leben wird schon immer verlangen, damit man es begreifen kann, über den Tod und seine Rätsel etwas zu wissen, und die Freude wird verlangen nach Kräften, die wieder emporrichten, wenn die Trauer uns niederdrückt.

Das ist aber gerade das Streben der Geisteswissenschaft, im Innern der Seele das im Menschen zu erwecken, was sie zur berechtigten, zur sicheren Überzeugung bringt, wie das, was des Menschen wahres Sein ist, nicht teilnimmt an dem äußeren Sinnlichen, sondern von ewiger Art ist, von Leben zu Leben geht. Und dieses Gewahrwerden des tiefsten Lebendigen in seinen Einzelleben, das wird erst die von Eliot geforderte Erkenntnis des wahren Lebens bringen, weil sie als Erkenntnis weiß, wie das wahrhaft Lebendige über den Tod stets siegt. Und diese Erkenntnis wird hervorzuholen wissen aus den Tiefen der Seele Kräfte, die dem Geistigen entspringen und die uns wieder aufzurichten wissen, wenn das äußere Leben uns herabstimmt durch Trauer oder etwas anderes.

Wir können eine Tatsache aus dem menschlichen Leben entnehmen, eine Tatsache aus dem Geiste unserer Zeit, und dann unsere Schlüsse ziehen, was das Leben des Einzelnen bekommen kann durch die Resultate der Geistesforschung.

Ein jeder erlebt es ja, dass sein Leben eine Jugend hat, fortschreitet, und dass endlich ein Kulminationspunkt erreicht wird, und dass er dann wiederum zum Abstieg gelangt. Er erlebt es, wie allmählich verdorrt, vergeht dasjenige, was er sein Physisches, das Körperliche, nennt. Eine oberflächliche Wissenschaft hat gerade von dieser Tatsache auf die Abhängigkeit des Geistigen vom Körperlichen geschlossen. Weil das Gehirn verwelkt, sodass eine äußere Regung des Intellekts nicht möglich ist, zieht man den Schluss, dass das Seelisch-Geistige hinwelkt mit dem Körperlichen. Das ist, als wenn man aus der Unbrauchbarkeit eines Klaviers schließt, dass der Spieler nicht mehr da wäre.

Wenn einmal Geisteswissenschaft wird einfließen lassen, was sie weiß aus der geistigen Welt, dann wird die Seele gegen das Alter hin Kräfte haben, die gesundend in das Leben eingreifen. In meiner kleinen Schrift über die Erziehung des Kindes können Sie sehen, wie die Geisteswissenschaft auch in das Einzelne der praktischen Erziehung eingreift. Wie oft hört man Leute allerlei pädagogische Maßregeln geben. Dem, der das Leben kennt, wird oft bange bei solchen allgemeinen Sätzen und Regeln, und wer aufmerksam die Literatur verfolgt, wird sehen, wie ungenügend dem heranwachsenden Menschenleben diese Reformgedanken von heute sind. Wenn man aber weiß aus der Geistesforschung, wie unter ganz anderen Bedingungen der Mensch heranwächst in den verschiedenen Jahren und Perioden seines Lebens, wie bis zum siebten Jahr der physische Leib sich entwickelt, wie dann ganz anders wirken die Erziehungsmaßregeln im siebten bis vierzehnten Jahre, wo der Ätherleib sich herausbildet, und vom vierzehnten bis einundzwanzigsten Jahre, wo der Astralleib sich entwickelt -, erst, wenn man weiß, wie differenziert sich diese Epochen im Menschenleben ausnehmen, wie der Mensch in genau differenzierten Stufen fortschreitet, erst dann ist man imstande, aus der Natur des Menschen heraus solche Grundsätze aufzustellen, welche wirklich das heraufholen, was in der Seele liegt. Die Zukunft wird zeigen, wie durch solche Pädagogik, die aus der Geisteswissenschaft genommen wird, das Leben befruchtet werden kann; denn wer so sich zum Leben stellt, dass uns die Bedingungen hergestellt werden, dass der Seele gegeben werden können zu bestimmten Zeiten die Kräfte, die das Leben wecken, der muss dann ja immer selbst sehen, was Geisteswissenschaft für alle Menschen werden kann. Wo auch der Mensch steht - er kann sich nicht nur theoretische Erkenntnisse erwerben, sondern Geisteswissenschaft gibt der menschlichen Seele wahrhaft geistige Substanz, geistige Nahrung, die in der Seele arbeitet und verdaut wird, wenn ich den trivialen Ausdruck brauchen darf, die die Seele immer weich, innerlich tätig, inhaltvoll, ihrer selbst bewusst erhält. Das ist ein Wissen, das braucht das Leben und wird es immer mehr brauchen.

Dann haben wir, wenn das Leben beginnt, seinen Abstieg anzutreten, wenn Runzeln in unser Gesicht sich hineingraben, wenn unsere Haare zu bleichen beginnen, dann haben wir nicht bloß theosophisches Wissen, sondern tragen durch eine geisteswissenschaftliche Auffassung des Lebens in uns einen lebendigen Kern, der inhaltvoll ist, [der] sich erlebt, je mehr das Äußere abfällt, und es fühlt in sich der Mensch: Die Hülle und den Leib, das Physische, legst du ab, aber in dir trägst du die Kräfte, um durch die geistige Welt zu gehen, dir da zu holen neue Kräfte für den Aufbau eines neuen Lebens. Das innerlich sich sagen gibt Sicherheit.

Das gilt im Allgemeinen für alle Menschen. In einer gewissen Weise wird Geisteswissenschaft den Menschen immer mehr hinweghelfen über das, was naturgemäßerweise sich ergeben muss, wenn man nicht fühlt den lebendigen Geist.

Eine andere Tatsache, die insbesondere in unserer Zeit sehr wichtig ist, ist die der Nervosität. In einer gewissen Weise fühlt heute jeder, was gemeint ist mit dem Zeitalter der Nervosität, denn das hängt innerlich zusammen mit gewissen Begriffen, die man sich gebildet hat. Wie häufig fühlt der Mensch diese oder jene Ohnmacht, diesen oder jenen Fehler, diese oder jene Untugend ganz im Sinne der materialistischen Weltanschauung so, dass der Mensch hinblickt auf seine Vorfahren, auf seine Vererbungslinie.

In der Dichtkunst wird oft dargestellt, wie der Mensch, der sich beladen fühlt im Hinblick auf seine Vorfahren, sich sagt: Das ist vererbte Anlage, das ist nicht zu ändern. Erzeugnis solcher Seelenstimmung ist Schwäche, Trostlosigkeit - keinem Beobachter sollte es entgehen, wie dadurch tatsächlich die Menschen schwach gemacht werden.

Man macht heute merkwürdige Erfahrungen. Gerade bei materialistischen Forschern sieht man, wie sie sprechen von dieser Nervosität unserer Zeit, wie sie materialistische Erklärungen getan. Erst jetzt ist von einem österreichischen Gelehrten ein Buch erschienen, der merkwürdigerweise die ganze Veranlagung mit einem Ausdruck belegt: dass alles beim Menschen beruhe auf der physikalisch-chemischen Komposition seines Organismus, sogar sein Charakter. Und wenn man das Buch weiter verfolgt, zeigt sich etwas Sonderbares: Der Betreffende gibt Ratschläge. Man sollte allerdings denken, man könnte erwarten, dass irgendein Heilmittel, das man verschluckt, angewendet würde, um der verfehlten chemisch-physikalischen Komposition aufzuhelfen; der betreffende Herr empfiehlt nicht, wenigstens für viele Fälle nicht, irgendein Pülverchen, sondern empfiehlt Stärkung des Charakters durch moralische Mittel, durch allerlei Seelendinge!

Wir wollen nicht rechten mit unserer Zeit auf solchem Gebiete. Wir wollen unsere Aufmerksamkeit richten auf die Frage: Woher sollen die Dinge genommen werden, die einen Menschen, der trostlos dasteht mit diesem oder jenem Gebrechen - physisch-chemische Bedingungen, die seinen Charakter ausmachen -, woher sollen die Mittel genommen werden, die ihn zum Kämpfer machen gegen seine Nervosität, gegen seine Neurasthenie?

Geisteswissenschaft wird antworten: Wenn der Mensch wissen wird, dass es ebenso ein Fehler war, wenn man hinwies, dass der Komplex von Eigenschaften des Kindes bloß sich ergibt aus der Vererbung von den EItern, wenn man so schließt, ist das ebenso gut ein Beobachtungsfehler, wie es einst ein Beobachtungsfehler war, als man im sechzehnten Jahrhundert, ja auch im siebzehnten, sagte, und zwar nicht nur Laien, sondern gelehrte Forscher glaubten es, dass höhere Tiere, sogar Fische, aus unlebendiger Substanz hervorgehen können.

Und es gab eine große Revolution, als der italienische Naturforscher Francesco Redi den Satz aufstellte: Aus Unlebendigem kann nie Lebendiges entstehen. Das Lebendige kann nur aus dem Lebendigen entstehen. Mit [knapper] Not ist Francesco Redi dem Schicksal des Giordano Bruno entgangen.

Für Geistig-Seelisches muss dasselbe gesagt werden: Geistig-Seelisches geht nur aus geistig-Seelischem hervor, wir blicken zurück zum Geistig-Seelischen, das der Keim ist in früheren Zeiten zu unserem jetzigen Leben. Wir fühlen das Unrecht, dass das, was wir als Schicksal, als Anlagen, als geistig-seelischen Besitz in uns tragen, nur ein Vererbtes der Vorfahren sein soll, und erkennen, dass es in dem Geistigen, wie wir es vorher, in früheren Zeiten erworben haben, begründet ist. Da wird der Mensch sich bewusst, dass noch etwas außer den vererbten Merkmalen in ihm ist. Und in dem Maße, als er das erkennt, braucht er nicht hinzublicken auf seine ererbten Merkmale und nicht sich zu sagen: Die muss ich tragen; nein, der Geistesforscher muss, wenn er seinen Seelenkern erkannt, suchen, seine Kräfte zu stärken, der Entwicklung voranzuhelfen.

So wird Geisteswissenschaft hineinwirken in das Leben, es gesund machen, und der Einzelne wird sich kräftig in das Leben hineinstellen.

Damit ist im Grunde angedeutet das andere Lebensergebnis der Geistesforschung: das Soziale. Unsere Zeit hat zunächst - allerdings berechtigt - nur die Tendenz, die äußere Anordnung zu studieren, wie man diese oder jene Einrichtung treffen soll, damit die Menschen ihre Existenz finden sollen. Die innere Tendenz bringt die Geisteswissenschaft, wie die Menschen ihr Inneres herausbringen sollen, um, dem Leben gewachsen, sich in das Leben hineinzustellen.

Zu all diesem wird gehören, dass diese Zeit sich bewusst werden muss, dass sie es in der Geistesforschung nicht mit toter Theorie zu tun hat, sondern damit, dass Lebenskräfte selbst geweckt werden. Dadurch wird es — das Zeitalter - die Realität dessen, was aus der Geisteswissenschaft kommt, erkennen, sie erleben, weil Geisteswissenschaft sich am Leben begreifen wird. Dadurch wird der Mensch, der Geisteswissenschaft in sich trägt, sich in anderer Weise ins Leben stellen, was ohne Geisteswissenschaft unmöglich ist, was aber das Leben immer mehr und mehr fördern wird. Wenn der Geist, die Seele, die Realität, von allen begriffen wird, wenn begriffen wird, dass die Seele die Realität ist, dann wird man nicht mehr Unverständnis der ernsten Lebenstatsache entgegenbringen, dass aus dem gesunden, kraftvollen Erfassen des Seelenkerns auch Kräfte ausströmen, die das äußere Körperliche vor Schädigungen, Schwächen, ja vor Krankheit bewahren können.

In dieser Beziehung zeigt die Auffassung unserer Zeit in dem gewöhnlichen Gebrauch eines Sprichwortes ihren Charakter, der aber immer mehr im Absterben ist: «In einem gesunden Körper wohnt eine gesunde Seele», womit man meinen will, wenn man den Körper nur gesund macht, dann wohnt in dem Körper eine gesunde Seele. Das wird man in der Geisteswissenschaft ganz anders auffassen, dass eine gesunde Seele in einem gesunden Körper wohnt, weil die innerste Seele in ihrer Gesundheit in dem Körper das physische Leben formt. Die heilenden Kräfte, die Geisteswissenschaft hineintröpfelt in die Seele, die werden die Menschen erkennen. Freilich mit den Mitteln, die man heute zum Erkennen anwenden will, nicht, denn man wird heute hinsehen und sagen: Da ist ein Mensch, der sich mit Geisteswissenschaft beschäftigt hat, doch krank geworden. — Dagegen lässt sich antworten: Die Geisteswissenschaft oder Geistesforschung ist noch nicht sehr weit in Bezug auf ihre Verbreitung gediehen, und zweitens kann ja selbstverständlich gegen äußere Schädigungen des physischen Körpers nichts direkt ausgeführt werden, wenn diese Schädigungen nur vom Physischen kommen, wie man denn ein gebrochenes Bein nicht vom Seelischen aus heilen kann.

Es gibt wiederum aber auch etwas, das wir erkennen durch die eigentümliche Art, wie die Erkenntnisse der Geistesforschung wirken, dass die Seele sich zurückverwandelt zu einem äußeren Zusammenleben mit dem Dasein, wie sie es hatte vor der Entfremdung von der Natur. Wir sehen beim Kinde, auch beim Tier, noch ein instinktives Zusammenwachsen mit dem Dasein der geistigen Welt. Wir sehen, wie das Tier nicht zu viel frisst, wie der Instinkt gesund ist, wir sehen aber, wie beim Kulturmenschen gewisse Dinge bedingt werden dadurch, dass er sich entfremdet von der Natur. Man kann das manchmal mit Schaudern ansehen, wie die Menschheit sich von diesem unmittelbaren Erleben und Zusammenleben mit dem Dasein entfernt. Erst neulich sah ich einen Menschen, der wog sich ab ein gewisses Quantum von Speisen für jede Mahlzeit. Bei der jetzigen Verwandlung in rein mechanische Wissenschaft schen wir sogar den menschlichen Magen und die Verdauungswerkzeuge behandelt wie Retorten. Da bleibt es - das Mechanische - nicht bloß bei der Wissenschaft, da geht es über in die Behandlung des menschlichen Lebens. Dem gegenüber steht der Strom der Geistesforschung. Mit dem Wissen geht der Mensch wieder über zu dem Dasein, sodass er sich instinktiv im höheren Sinne bewahrt vor dem, was nicht sein soll. Und man wird dann allerdings die gesundende Wirkung der Geistesforschung etwas anders beurteilen müssen, als man es heute tut.

Wenn Fragen nun kommen müssen, wie: Vor wie vielen Krankheiten bewahrt uns denn eigentlich das Heilende der Geisteswissenschaft? —, das ist schwer zu beantworten, weil sie nicht kommen, die Krankheiten; trotzdem ist es vernünftig[er], dass der Mensch, durch Einleben in das Instinktleben, durch die Geisteswissenschaft bewahrt wird vor Krankheiten, als dass er [sich] nachher heilen muss. Gott sei Dank, man kann es nicht nachweisen, denn es ist der Erfolg, dass diese Schädigungen nicht mehr eintreten.

So sehen wir, wie die Rückkehr zur Natur, im ganz modernen Sinne, durch Geisteswissenschaft für das Leben bewirkt wird. Vieles könnte noch angeführt werden; alles würde zuletzt klar darauf hinweisen, dass durch Geisteswissenschaft Gesundung, Förderung des Lebens, rechtes Hineinstellen in das Leben, in den natürlichen Zusammenhang des Lebens bewirkt wird.

So wird nicht nur Erkenntnis, das wertvollste Gut, sondern es werden bedeutsame Folgen für das Leben hervorgerufen aus der Geisteswissenschaft, Folgen, von denen man sich bloß eine Vorstellung machen kann, wenn man sie so betrachtet, wie, allerdings nur in flüchtiger Weise, heute angedeutet werden konnte. Alles das aber wird eintreten dadurch, dass der Mensch eindringen wird in die geistigen Welten, nicht nur im Allgemeinen, sondern dadurch, dass er erkennen wird die einzelnen geistigen Tatsachen. Wie er in der Natur nicht nur von der allgemeinen Natur spricht, sondern erkennt die Einzelheiten, die einzelnen Mineralien, die einzelnen Pflanzen und die einzelnen Tiere, so wird er auch die geistige Welt in ihren Einzelheiten erkennen. Dann wird die geistige Natur um ihn herum sein, wie die Natur selbst das physische Leben zu fördern, zu befruchten, ja zu erhalten bestimmt ist.

Dann wird der Mensch sich fühlen dem Geist gegenüber eingebettet in ihn, wie er sonst im Physischen sich fühlt eingebettet in die Stoffe der Natur. Man wird fühlen lernen, im Geiste zu leben wie im Physischen. Wie man im physischen Organismus fühlt die Vorgänge, die sich draußen im Universum vollziehen, so wird man fühlen die geistigen Beziehungen, zu Trauer und Freude, zu Leiden und Lust, zu Begehren und Anschauen in ihrer eigenen Welt, und das Leben wird finden dasjenige, was aus dem Geiste heraus das Leben fördert und gesundet.

Das ist, was von Geisteswissenschaft zu erhoffen ist, weil diese Geisteswissenschaft erfüllen soll die Forderung der Seele, sich eins zu fühlen mit allem, was im universellen Geistigen vorgeht. Wenn der Mensch nicht mehr denken wird, dass alles nur ein Geschehen, ein Leben ist, was in ihm vorgeht, und sein Wollen wie eine Kraft, die keine Bedeutung für die Umwelt hat, wenn er wissen wird, dass, was in ihm vorgeht, so zusammenhängt mit dem Geistigen wie mit dem Physischen der physische Körper, dann wird der Mensch durch solche Wissenschaft Kraft und Stärke, Lebensgesundheit erhalten; dann wird der Mensch finden das, was ich in meinem Drama «Die Prüfung der Seele» anzudeuten suchte, wie eine Seele dieses Geborgensein im Geistigen ausdrückt, dass der Mensch sich im Geiste weiß, im Geiste sich erlebt, im Geiste denkt und darin wirklich atmet und in diesem wirklichen Lebensatem ein lebenskräftiges Dasein erlangt.

Diese Seelengesundheit wird ausgehen von der Geisteswissenschaft, wenn erfüllt wird, wenn durch Geisteswissenschaft gegeben wird, was in jenen Worten ausgedrückt ist, wo gesagt ist, was in einer suchenden Seele vorgehen kann. Zusammengefasst kann werden dasjenige, was heute gesagt worden ist, in dem, was eine Seele, die sich im Geiste fühlt, zu sich sagen kann:

In deinem Denken leben Weltgedanken

— wohnen nicht bloß vorübergehend im Menschen, sondern sind ewige Weltgedanken -,

In deinem Fühlen weben Weltenkräfte,
In deinem Willen wirken Weltenwesen.
Verliere dich in Weltgedanken,
Erlebe dich durch Weltenkräfte,
Erschaffe dich aus Willenswesen.
Bei Weltenfernen ende nicht,
Durch Denkens Traumesspiel - -;
Beginne in den Geistesweiten,
Und ende in den eignen Seelentiefen: —
Du findest Götterziele,
Erkennend dich in dir.

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