Anthroposophy Has Something to Add to Modern Science
GA 73 — 15 October 1918, Zurich
Naturerkenntnis, Sozialwissenschaft und Religiöses Leben im Lichte Geisteswissenschaftlicher Anschauung
Die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft, von der ich hier in der vorigen und in dieser Woche zu sprechen hatte, sie ist, wie ja vielleicht schon aus den beiden Vorträgen hervorgeht, so ziemlich alles dasjenige nicht, wovon diejenigen, die sie nicht kennen, glauben, daß sie es sei. Insbesondere wird man bei Persönlichkeiten, die nur oberflächlich dieser geisteswissenschaftlichen Bestrebung nahegetreten sind, hören können, wie die Ergebnisse, oder sagen wir vorläufig: die gemeinten Ergebnisse, dieser Richtung durch die naturwissenschaftlichen Einsichten der Gegenwart völlig ausgeschlossen seien.
Weiter wird man hören können, wie dasjenige, was aus der geistigen Welt heruntergeholt sein soll, was Ergebnis übersinnlicher Erkenntnis sein soll, wie das gerade gegenüber den bedeutsamsten, größten, einschneidendsten Fragen der Gegenwart, die ja alle mehr oder weniger auf sozialem Gebiete liegen, unpraktisch, bedeutungslos sich erweise. Und endlich von einer dritten Seite wird immer wieder und wiederum betont, wie diese Geisteswissenschaft geeignet sei, die Menschen hinwegzubringen von wirklichem, gut gegründetem religiösen Empfinden und Fühlen, wie sie beitrage zur Religionslosigkeit unserer Zeit, und sogar von dieser Seite bedeutsame Gefahren in sich schließe.
Über diese drei Mißverständnisse gegenüber anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft möchte ich heute vor allen Dingen reden, um dann übermorgen den Versuch zu machen, noch ein Bild der geschichtlichen Entwickelung der neueren Menschheit vom Gesichtspunkte dieser übersinnlichen Erkenntnis zu geben.
Man muß, wenn man tiefer in das ganze Geistesgefüge unserer Zeit eindringen will, unbedingt den Blick auf alles dasjenige wenden, was gemacht hat im Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte, insbesondere des 19. Jahrhunderts, daß das naturwissenschaftlihe Denken jene einschneidende Bedeutung erhalten hat, von der ich ja auch in den vorigen Vorträgen hinlänglich gesprochen habe. Man muß den Blick auf diese Entstehung des naturwissenschaftlichen Denkens lenken aus dem Grunde, weil heute nicht etwa bloß in der Naturwissenschaft naturwissenschaftlich gedacht wird, sondern weil in aller Welt jede Frage - zwar in ganz berechtigter Weise — in eine gewisse naturwissenschaftliche Beleuchtung gestellt wird. Daher darf man schon sagen: Insofern man erkennt, daß die historische EntwickeJung der neueren Menschheit in ganz elementarer Weise aus dem Inneren des Menschen eine naturwissenschaftliche Orientierung hervorgebracht hat, ist diese naturwissenschaftliche Orientierung berechtigt. Man darf demgegenüber sagen, Geisteswissenschaft würde sich von vornherein dadurch ein schlechtes Zeugnis ausstellen, daß sie mit dem naturwissenschaftlichen Denken der neueren Zeit in irgendeinen Widerspruch kommen würde. Sie kommt aber nicht in einen Widerspruch, sondern im Gegenteil: naturwissenschaftliches Denken und damit die ganze geistige Orientierung der Gegenwart bis in alle Zweige des Lebens hinein wird erst ein festes Fundament dadurch erhalten, daß diese naturwissenschaftliche Richtung sich bequemt, auf Geisteswissenschaft als auf ihre Grundlage zu bauen.
Will man zunächst, ich möchte sagen in negativer Art, sich der damit gestellten Frage nähern, so muß man ein wenig hinschauen darauf, wie nicht die moderne Naturwissenschaft, sondern die besondere Artung des modernen Denkens nach der Naturwissenschaft hin entstanden ist. Und da muß man sagen, wer die Geschichte nicht äußerlich, oberflächlich betrachtet, sondern wer sie so betrachtet, daß er sich frägt: Wie entwickelte sich die Menschheit so von Zeitalter zu Zeitalter in ihren tiefsten, auch seelischen Fähigkeiten? — So wie sich ein einzelner Mensch entwickelt, und man nicht sagen kann, daß er als Dreißigjähriger, als Vierzigjähriger, als Fünfzigjähriger dieselbe Seelenverfassung hat, wie entwickelte sich die Menschheit in ihren Vorstellungen, in ihrer ganzen Denkweise, um zuletzt zu jenen Begriffen, zu jenen Ideen zu kommen, von denen sie vorzugsweise in der Gegenwart beherrscht ist? —, der wird bei einer vorurteilslosen Verfolgung der geistigen Entwickelung der Menschheit finden, daß diese Menschheit überhaupt in älteren Zeiten, und man kann sagen bis ins 17. Jahrhundert hinein, andere Vorstellungen hatte, sowohl über das menschliche Seelenleben als auch über das Göttliche in der Welt und über die Natur. Man kann das, was man aus der tieferen Verfolgung dieser Entwickelung ersehen kann, auch äußerlich bestätigt finden: Man gehe zurück in frühere Zeiten und man wird da, wo von Naturanschauung die Rede ist, nirgends getrennt finden die Betrachtung der äußeren Sinneswelt, der äußeren Natur und dessen, was man die Natur der menschlichen Seele nannte. Noch im 16. Jahrhundert und bis ins 17. Jahrhundert herein enthalten diejenigen Schriften, die über die natürliche Ordnung der Dinge handeln, auch immer dasjenige, was man in der betreffenden Zeit über die Natur der menschlichen Seele zu sagen hatte. Ja, es gab in dieser Zeit neben den geoffenbarten Lehren der Theologie eine Theologia naturalis, eine Theologie, welche ihre Lehre, ihre Anschauung aus der Natur der menschlichen Seele ableiten wollte.
Das ist ein äußeres Zeichen für eine bedeutungsvolle Tatsache. Man hatte eben in früheren Zeiten, bevor das naturwissenschaftliche Denken der neueren Zeit heraufkam, solche Vorstellungen, welche zu gleicher Zeit geeignet waren, den Menschen eine befriedigende Naturerklärung zu geben und auch etwas zu sagen über das menschliche Seelenleben. Es waren die Begriffe über die Seele und den Geist nicht so getrennt von den Begriffen über Natur und Welt, wie das der Fall ist seit dem i7., 18. Jahrhundert, seitdem das naturwissenschaftliche Denken voll eingesetzt hat. Und diese andersgearteten Begriffe - und das ist das Wichtige-, die sind nicht etwa willkürlich damals aufgestellt und später verändert worden. Daß die Begriffe anders geartet wurden, hängt zusammen mit solchen Enwickelungskräften der Menschheit, die ebenso notwendig im Fortgang dieser Entwickelung liegen, wie die Veränderung der Körper- und Seelenkonstitution im Fortgang der individuellen menschlichen Entwickelung liegt, indem man älter wird vom Kind bis zum Greis.
Wir haben heute einmal durch die Naturwissenschaft solche Begriffe erlangt, welche nicht mehr, wie wir in der vorigen Woche gesehen haben, unmittelbar anwendbar sind, wenn man sich das menschliche Seelenleben erklären will. Und derjenige, welcher nun redlich, ehrlich und mit Ziehung der notwendigen Konsequenzen heute naturwissenschaftlich denken kann, der muß sich fragen: Was bedeutet eigentlich das Eintreten der Naturerkenntnis in die moderne Menschheitsentwickelung?
Er kann eine befriedigende Auskunft über diese Frage nur erlangen, wenn er imstande ist, die Naturerkenntnis selber ihrem Wesen nach zu erforschen. Wer von vorneherein einfach auf dem Glauben fußt, daß die Naturwissenschaft das Um und Auf, das Eins und Alles in der Welterklärung ist, der kann nicht zu einer befriedigenden Antwort über diese Frage kommen. Nur wer imstande ist, sich zu fragen: Wie steht Naturwissenschaft zu der gesamten menschlichen Entwickelung? Wie steht sie zu den tiefsten Bedürfnissen und Fragestellungen, die aus der Seele des Menschen hervorquellen können? — nur der kann sich Aufklärung darüber geben, was Naturwissenschaft vermag.
Man muß gewissermaßen die Naturwissenschaft selber naturwissenschaftlich betrachten können. Und da darf man wohl darauf aufmerksam machen, daß ein Bedeutsames darin liegt, daß gerade auch schon bedeutende Denker, die sich mit dieser Frage befaßt haben, doch darauf gekommen sind, daß die Naturwissenschaft gewissermaßen naturgemäße Grenzen hat, Grenzen, von denen wir ja im ersten Vortrage gesprochen haben, die aber von dem denkenden Menschen der Gegenwart schon so gefühlt werden, daß, wenn die Leute einen Überblick sich verschaffen über dasjenige, was die Naturwissenschaft in ihren verschiedenen Gebieten verzeichnet, sie sich dann sagen müssen: Mit all diesen Vorstellungen, mit all diesen Begriffen, die uns die Naturwissenschaft verschafft auf Grundlage einer so strengen methodischen Forschung, wie wir sie haben, mit all diesen Begriffen, gerade wenn wir sie recht streng anschauen, kommen wir doch eigentlich in das nicht hinein, in das hineinzukommen wir ein natürliches Erkenntnisbedürfnis in unserer Seele tragen. Man fühlt gewissermaßen, daß die Naturwissenschaft zwar da ist, nicht anders sein kann, als sie ist — selbstverständlich von Irrtümern und Ausnahmen abgesehen -, aber daß sie gerade, wenn sie ihr Ideal erfüllt, nicht das tiefste Erkenntnisbedürfnis des Menschen auch gegenüber der Natur selber befriedigen kann.
Ich möchte dasjenige, was empfunden wird, in der folgenden paradoxen Weise aussprechen. Die Leute sind ja darüber sich einig geworden - so ist die Entwickelung gegangen in der neueren Zeit —, daß die Vorfahren auf einer kindlichen Stufe des Erkennens standen, bis eben die neuere Naturwissenschaft eine Änderung gebracht hat. Die Alten haben aus einer mehr oder weniger phantasteähnlichen Seelenbeschaffenheit heraus sich Vorstellungen auch über die Natur gebildet, Vorstellungen, die allerlei Geistiges in der Natur vermuteten, die allerlei Geistiges in der Natur sich auch begrifflich veranschaulichten. Man hat davon gesprochen, daß die Leute die Kräfte suchten, die hinter den Erscheinungen der Natur seien. Allein in ihren kindlichen Vorstellungen fanden diese Alten nicht Naturkräfte, sondern nur Naturgespenster. Und man sah wirklich, indem man stolz ist auf die Errungenschaften der neueren Naturwissenschaft, mit einem gewissen Hochmut zurück auf diese alten Denker, diese alten Erdenmenschen, die suchten, was hinter der sichtbaren Natur stecke. Und statt der wirklichen Naturkräfte, welche nun heute endlich gefunden werden, suchten diese Alten allerlei Gespenster, persönlich geartete Wesenheiten und dergleichen hinter den Naturerscheinungen, Wesenheiten, von denen man eben innerhalb des naturwissenschaftlichen Zeitalters sich nur die Vorstellungen bilden konnte, daß sie gar nichts zu tun haben mit der Naturordnung, daß sie hervorgehen aus einer menschlichen Seelenkraft, die eben nicht eindringen kann in die Wirklichkeit der Natur, und die sich daher von sich aus über diese Natur allerlei Vorstellungen macht.
Nun aber, nachdem dies, was ich jetzt gesagt habe, noch vor ganz kurzer Zeit eigentlich ein selbstverständliches Dogma für jeden naturwissenschaftlich Denkenden war, kommen heute doch schon einzelne Persönlichkeiten, und deren Anschauungen sind immerhin bemerkenswert, darauf: Ja, wenn wir nun wirklich unsere Naturbegriffe anschauen, wenn wir nicht in dem Vorurteil leben, wir begreifen mit den Naturbegriffen auch das Wesen der Natur, sondern wenn wir diese Naturbegriffe so nehmen, wie sie sind, und abwarten, wie sie sich zu dem stellen, was wir eigentlich erleben an der Natur, wenn wir den vollen Menschen, nicht bloß unseren Verstand und unsere Experimentierkunst wirken lassen, dann verhalten sich diese naturwissenschaftlichen Vorstellungen einer unbefangenen Einsicht gegenüber doch so wie die alten Gespenster. Die naturwissenschaftlichen Vorstellungen haben etwas sehr Gespenstisches. — Es gibt heute doch schon so vorurteilslose Leute, die sagen: Die Alten haben aus ihrer Seelenverfassung heraus sich Gespenster vorgestellt; aber wir tun schließlich, gerade wenn wir rechte Naturforscher sind, auch nichts anderes. Denn das, was wir glauben in unseren Köpfen zu tragen als Vorstellungen über die Natur, ist in demselben Grade unwirklich gegenüber der Natur, wie die alten Gespenster unwirklich geglaubt wurden von der Naturwissenschaft.
Diese Einsicht hat etwas sehr Berechtigtes. Und man findet die Berechtigung, wenn man sich frägt: Ja, wie kommt der Mensch eigentlich zur Naturerkenntnis? Zuerst steht der Mensch ja nicht erkennend, sondern höchstens beobachtend der Natur gegenüber. Und indem er die Natur beobachtet, tritt sie ihm allerdings in einer ganz anderen Lebendigkeit entgegen, als dann das Bild lebendig ist, das er sich machen kann in seinen naturwissenschaftlichen Vorstellungen. Wenn wir mit Augen und Ohren, wenn wir als ganzer Mensch, aber auch mit unserem Verstande der Natur gegenüberstehen und nicht bloß denken in Naturgesetzen und experimentieren im Laboratorium, wenn wir eben der Natur, so wie sie sich uns darstellt, beobachtend und die Beobachtungen denkend durcharbeitend gegenüberstehen, dann leben wir mit der Natur. Aber indem wir beginnen über die Natur zu forschen, können wir nicht das Leben aus der Natur mitnehmen. Und weil wir das Leben nicht mitnehmen können, weil wir lebendig als eins mit der Natur nur im unmittelbar erlebenden Beobachten stehen, so machen wir eigentlich die Natur, indem wir sie durch die Naturwissenschaft zu erfassen, gleichsam in uns einzusaugen versuchen, wir machen die Natur ärmer. Und wenn wir richtig naturwissenschaftlich erkennen wollen, machen wir sie eben in unserem Naturerkennen zum Gespenst. Das ist einfach eine Tatsache, die sich ebenso der Beobachtung ergibt, wie irgend etwas anderes sich der Beobachtung ergibt.
Es kommt nun allerdings gegenüber einer solchen Tatsache darauf an, daß man den Mut hat, sie sich zu gestehen. Was wird man tun, wenn man sich diese Tatsache gesteht: Wir kommen, indem wir die Natur erkennen, eigentlich zu einer Art von Auffassung, die unser erkennendes Bild von der Natur als Gespenst nimmt. — Man kommt dazu, sich diese Wahrheit wirklich vor die Seele zu legen und sich zu sagen: Also ist Naturerkenntnis etwas, was ins Gespenstische hinführt. — Und im erkennenden Wechselverkehr des Menschen mit der Natur auf naturwissenschaftliche Art verhält sich der Mensch so, daß er, wenn er sich von der Natur, von der Naturbeobachtung entfernt, ein Gespenst der Natur nährt.
Es gibt eine Persönlichkeit der neueren Menschheitsentwickelung, die nicht so offen, dafür aber nicht so paradox dasjenige ausgesprochen hat, was ich eben jetzt ausgesprochen habe, die es aber tief empfunden hat — und das ist Goethe. Weil Goethe in seinem Zeitalter schon zu stehen wußte in dieser mit sich selbst im Einklange sich befindlichen Weise zur Natur, deshalb wurde er auch nicht verstanden, für einen Dilettanten gehalten auf dem Naturforschergebiete. Man hat heute noch alle Mühe - ich darf es sagen, weil ich mich seit Jahrzehnten bemühe, einiges Verständnis für Goethe in unserer Zeitgenossenschaft nach dieser Richtung hin zu erwecken -, Goethes Art der Naturanschauung zum Verständnisse zu bringen.
Was ist diese Art? Diese Art, die immer mehr und mehr wird ausgebildet werden, die — mag sein, bei Goethe noch dilettantisch, unvollkommen -, die aber weiter ausgebildet, echt wissenschaftlich ausgebildet werden muß, die dann zur wahren Naturerkenntnis auf allen Gebieten führen kann, was ist diese Art? Diese Art besteht darin, daß man dem menschlichen Erkennen, insoferne es sich von der Natur entfernt, dem bloßen Nachdenken, von dem ich auch schon die vorige Woche sprach von einem anderen Gesichtspunkte aus, so sich nähern kann, daß man dieses Nachdenken nicht nur dazu verwendet, um der Natur Gelegenheit zu geben, ihre gespenstische Wesenheit vor die menschliche Seele zu stellen. Goethe strebte nicht nach Naturgesetzen, die immer Abstraktionen sind, die immer etwas Totes sind gegenüber der lebendigen Natur. Goethe strebte nach reinen Erscheinungen, wie er es nannte: Urphänomenen. Er strebte dahin, das menschliche Denken nicht so zu verwenden, als ob es von sich aus Aufklärungen geben sollte über die Natur, als ob es solche Gesetze finden sollte wie die Gesetze von der Erhaltung der Kraft oder des Stoffes, die rein ausgedacht sind; sondern Goethe strebte danach, den Gedanken dazu zu verwenden, die Erscheinungen so zusammenzustellen, daß nichts mehr vom Menschen selbst durch diese Naturerscheinungen spricht, sondern daß die Erscheinungen rein durch sich selbst sprechen.
Wenn wir jetzt aus dem Instinktiven, das der Gedanke bei Goethe hatte, herausgehen zu einem vollbewußten, besonnenen Erfassen, wohin kommen wir hier? Da kommen wir dahin, die Frage so zu beantworten, wie sie nur die übersinnliche Erkenntnis beantworten kann. Wir kommen dahin, zu fragen: Ja, was liegt eigentlich vor in dem, was wir in der Natur beobachten, wenn wir mit unseren Sinnen beobachten? — Es liegt dasjenige vor, was in der angedeuteten Art ein Gespenst ist, ein Gespenstischbilden. Das ist natürlich schon in der Natur enthalten, denn wir saugen es aus ihr heraus. Aber was ist noch in der Natur enthalten, außer dem, wenn wir mit ihr durch unsere Augen und Ohren in lebendigem Verkehr stehen, wenn wir uns unmittelbar den sinnenfälligen Eindrücken hingeben?
Wer in dieser Weise, wie wir in der vorigen Woche hier angedeutet haben, auf der einen Seite das Vorstellungsvermögen, auf der anderen Seite das Willensvermögen bis zur übersinnlichen Erkenntnis schult, der kommt dahin, sich zu sagen: In dem Sinnenfälligen, wie es uns umgibt, ist schon, soweit es die Natur betrifft, das Übersinnliche drinnen. —Nur, auf dem Wege der Naturerkenntnis lassen wir das Übersinnliche weg und müssen es weglassen. Warum? Weil wir Menschen, insofern wir zwischen Geburt und Tod hier im physischen Leibe so organisiert sind, wie wir eben sind, dasjenige, was unser Geistig-Ewiges ist, selbst in einen sinnenfälligen Leib verwandelt haben. Wir sind nicht dadurch Mensch, daß wir in einem Hause des Übersinnlichen, das in uns als Ewiges lebt, wohnen, sondern wir sind dadurch Menschen, daß, indem wir eingetreten sind aus einer übersinnlichen Welt durch die Geburt oder die Empfängnis in das Sinnliche, das Übersinnliche, das vorher im rein Geistigen gelebt hat, sich umgewandelt hat in einen sinnlichen Leib, der zwischen Geburt und Tod als Sinnliches sich auslebt und der durch den Tod wiederum in das Übersinnliche eingeht, wie ich das im vorigen Vortrage auseinandergesetzt habe.
Dadurch, daß wir selbst als Menschen sinnlich organisiert sind, muß dasjenige, was seinen Weg durch uns macht, die Naturbeobachtung, wenn sie Naturerkenntnis wird, sich vom Übersinnlichen entfernen. Und so kommt man durch eine wirklich übersinnliche Betrachtung auf folgendes. Man kommt darauf, einzusehen: wenn wir der Natur in ihrer bunten Mannigfaltigkeit des Lichtes und der Farben, in ihren Tönen, in allen ihren anderen sinnenfälligen Erscheinungen gegenüberstehen, dann offenbart sich ungetrennt ein Übersinnliches mit einem Sinnlichen, Übersinnliches im Sinnlichen. Insofern wir aber als Menschen betrachtend, erklärend an die Natur herantreten, können wir nur dasjenige aus der Natur entnehmen, was wir Menschen — die wir sinnliche Wesen sind und die der Sinnlichkeit angehören zwischen Geburt und Tod, nicht dem Übersinnlichen, das sich im Sinnlichen offenbart - in uns verarbeiten können. Weil wir so organisierte Menschen sind, machen wir durch unsere eigene sinnliche Natur dasjenige, was wir als Naturwissenschaft ausbilden, zu einem bloßen Bilde des Sinnlichen, was ein Gespenst sein muß, weil in dem, was uns als Natur umgibt, zugleich das Übersinnliche drinnen enthalten ist.
Daher gelangt derjenige, der wirklich auf die Art, wie Sie sie auch angegeben finden können in der «Geheimwissenschaft im Umriß» oder in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», sich in die Fähigkeit versetzt, Übersinnliches zu beobachten, dazu, sich zu sagen: Im Weltenall, dem man gegenübersteht, ist überall Übersinnliches enthalten. Und gehen wir über das Gespenst hinaus, das wir uns selbst in dem Bilde über die Natur machen müssen, so kommen wir nicht zu toten Atomen, kommen wir nicht zu Kraft und Stoff, sondern wir kommen zu übersinnlich Geistigem. Dieses Übersinnlich-Geistige kann und muß einen übersinnlichen Erkenntnisweg zu erkennen uns möglich machen.
Wer Einsicht erhält in das Verhältnis des Menschen zu der ihn umgebenden Natur, sucht nicht nach toten Atomen, nicht nach Molekülen, nicht nach einem Übersinnlich-Sinnlichen, sondern nach dem wirklichen Übersinnlichen. Und dann findet man, wenn man übersinnlich forscht, nicht materielle Unterlagen desjenigen, was uns in Farben und Tönen umgibt, sondern man findet geistige Wesenheiten, übersinnliche Wesenheiten, die überall in der Natur enthalten sind. So daß die Naturwissenschaft, richtig aufgefaßt, gerade wenn sie rein die Erscheinungen im Goetheschen Sinne vor die Seele hinstellen will, dann in bezug auf das, was jenseits der Erscheinungen liegt, nicht Totes, sondern Lebendig-Geistiges wird. Gerade wenn man ehrlich und konsequent mit der Naturforschung zu Werke geht, wenn man nicht durch den Verstand oder durch die Experimentierkunst glaubt, über die Natur etwas ausmachen zu können, sondern wenn man weiß, daß man nichts anderes kann, als die Natur bis zur Erscheinung zu treiben, wo sie sich selbst ausspricht, dann weiß man, daß man mit diesen Erscheinungen, mit dem, was Goethe Urphänomene nennt, unmittelbar vor dem Übersinnlichen steht, daß man dann nicht nötig hat, aus Gesetzen der Kraft und des Stoffes heraus zu erklären, sondern daß man dann in die Notwendigkeit versetzt ist, aus Geistigem heraus zu erklären. Dies gibt im Grunde eine wirklich kritische, unbefangene Betrachtung, ich möchte sagen eine naturwissenschaftliche Betrachtung des Naturerkennens selbst.
Wie verhält sich dazu nun die Geisteswissenschaft, die übersinnliche Erkenntnisse von sich aus will? Wenn Sie den Weg ins übersinnliche Erkennen nehmen, wie ich es Ihnen in der vorigen Woche charakterisiert habe, so werden Sie sich sagen: Wenn der Mensch durch jene Umwandlungen des Vorstellungsvermögens, des Willensvermögens wirklich dahin gelangt, das Übersinnliche so zu schauen, wie man durch Augen die Farben schaut, durch Ohren die Töne hört, wenn der Mensch dieses Übersinnliche so schaut, wie er sonst im gewöhnlichen Leben das Sinnliche schaut, dann ist dieser Übergang zum übersinnlichen Schauen wahrhaftig im Seelenerleben wie ein Aufwachen. Und dieses Erleben macht auch wirklich derjenige durch, der ein Geistesforscher ist. Man kann sagen: Wie im gewöhnlichen Erleben der Mensch aufwacht vom Schlafe oder Traumesleben und weiß, daß er während des Schlafes und Traumeslebens bloß in Bildern gelebt hat, und dann übergeht dadurch, daß er seinen Willen mit der äußeren Wirklichkeit in Verbindung zu stellen weiß, zu einer Welt, die er wirklich nennt gegenüber der Bilderwelt des Traumes, so wacht aus der Welt, in der wir sonst im gewöhnlichen wachenden Zustande sind, der Geist-Erkenner, derjenige, der bis zur übersinnlichen Forschung dringt, auf, indem er eine andere Welt vor sich hat, die sich zu der gewöhnlichen Sinneswelt verhält, wie sich die gewöhnliche Sinneswelt zu der Bilderwelt des Traumes verhält. Es ist ein Aufwachen. Dieses Aufwachen kann in der Seele erlebt werden.
Dann wiederum werden diejenigen Erscheinungen, die wir in der Welt ringsherum um uns haben, eben zu Bildern in bezug auf die höhere, übersinnliche Welt, wie die Traumbilder bei gesundem Denken als Bilder genommen werden von dem, was man in der Sinnenwelt hat. Ich möchte an einem Beispiel andeuten, wie sich für den Geist-Erkenner die gewöhnliche Welt des Sinnlichen in eine Bilderwelt verwandelt. Man muß diese Dinge nur richtig verstehen, nicht irgendwie mystisch träumen, und nicht ins Nebulose kommen.
Die gewöhnliche Naturwissenschaft betrachtet selbstverständlich den Menschen, indem sie gewissermaßen gleichwertig nebeneinandersetzt das Haupt, den Rumpf, die Gliedmaßen, die Extremitäten — mit dem, meine ich jetzt, was sich nach innen fortsetzt, wo zu den Gliedmaßen dann in morphologischer Denkungsweise auch alles Sexuelle gehört. Für das gewöhnliche Anschauen sind diese drei Glieder der menschlichen Natur etwas, ich möchte sagen, Absolutes, etwas Gleichwertiges. Vor der Geistesanschauung wird der Mensch, indem er als Sinneswesen vor uns steht, Bild seiner höheren, übersinnlichen Wesenheit, wie das gewöhnliche Tageserlebnis zum Bilde wird, wenn wir davon träumen. Dann aber wird auch die Menschenerkenntnis dadurch, daß der Mensch bezogen wird auf seine ewige übersinnliche Wesenheit, eine andere werden.
Indem man das Erkennen mit der Bildnatur durchdringt, vorstellend, wird das ganze Erkennen des Menschen anders. Dann bleiben nicht mehr das Haupt — wenn ich nur auf diese zwei Glieder der Menschennatur Rücksicht nehmen will - und die Extremitätennatur gleichwertig, sondern dann sieht man in der Hauptesgestalt, wenn man sie genau studiert, dasjenige, was in seiner Formung dem vergangenen geistigen Leben nachgebildet ist, bevor der Mensch in die Sinneswelt eingetreten ist. Und in demjenigen, was Extremitätennatur ist, sieht man dasjenige, was vorgebildet ist — jetzt noch embryonal, was aber sich ausbilden wird in dem, was aus dem Menschen wird in der Zukunft, vor allen Dingen dann wird, wenn er in die übersinnliche Welt durch die Pforte des Todes eintritt. Es mag heute noch paradox klingen, allein das ist dasjenige, was in einer wirklich geisteswissenschaftlichen Auffassung aus der Goetheschen Metamorphosenlehre hervorgehen wird.
Goethe betrachtete die einzelne Form der Pflanze, die einzelne Form am Tier und Menschen in ihrer Verwandlung, wie sie Bilder sind einer Grundgestalt. Eine umfassende geistige Metamorphosenlehre wird betrachten das Haupt als eine Metamorphose der Extremitäten des Menschen, aber so, daß sie das eine auf die Vergangenheit, das andere auf die Zukunft bezieht. Dann wird der Mensch selbst in seiner äußeren Konfiguration Bild desjenigen, was er im Geistigen ist. Und so wird alles Bild des Übersinnlichen, wie der Traum Bild wird, wenn wir uns in den Schlaf begeben. Was der Mensch im Übersinnlichen ist, wird während seiner Anwesenheit im Sinnlichen, während er darinnen wacht, Bild des Übersinnlichen, wie das Sinnliche Bild wird, wenn er in den Schlaf sinkt. Diese Erkenntnis ist ein unmittelbares, ich darf sagen empirisches Ergebnis der übersinnlichen Erfahrung.
Und nun vergleichen wir, was diese übersinnliche Erkenntnis aus sich selbst heraus, also als Anschauung über die Welt gewinnt, selbst über die Natur des Menschen, wenn sie Naturerkenntnis des Menschen anstrebt: Der Mensch und alle Natur wird zum Bilde, das erst bezogen werden muß auf eine übersinnliche Wirklichkeit. Nun stimmt das nicht vollständig mit dem überein, was der Naturforscher heute, wenn er denkt, selber findet als eine letzte Konsequenz. Er findet, daß seine Naturerscheinung gespenstisch wird, zum Bilde wird. Die übersinnliche Erkenntnis zeigt, daß alles dasjenige, was wir im Sinnenfälligen wahrnehmen, Bild werden muß, daß es bezogen werden muß auf ein Übersinnliches. Kurz, es gibt nichts, was so sehr zusammenläuft in ein harmonisches Auffassen der Welt als dasjenige, was man findet, wenn man nicht ein dogmatisch gläubiger Naturwissenschafter der Gegenwart ist, sondern ein denkender Naturwissenschafter, der seine Naturwissenschaft selber naturwissenschaftlich beobachten kann, der dann mit dem übereinstimmt, was der Geistesforscher über die Natur sagen muß, insoferne sie sich uns in der Beobachtung darbietet.
Das ist dasjenige, was kommen muß in die Menschheit hinein: daß die Menschen sich in die Lage versetzen, wirklich zu sehen, wie der Weg ins Übersinnliche und der denkerisch durchdrungene Weg ins Sinnliche zusammenlaufen; denn daraus erst wird sich ein totales Bild der Welt ergeben, welches uns nicht zum bloßen Besitzer eines gespenstischen Abbildes der Natur macht, sondern erkennen läßt, uns gestehen läßt, daß wir mit der gewöhnlichen Naturerklärung ein solches Gespenstisches haben schaffen müssen, uns aber zu gleicher Zeit zeigt, wie wir über dieses Naturbild hinaus ins Geistig-Übersinnliche hineindringen können. Dies ist die Stromrichtung, welche auch das naturwissenschaftliche Denken nehmen muß, um hinauszukommen über dasjenige, in das es sich selber notwendig, gerade wenn es sein Ideal erfüllt, hineinbringen muß. Es finden sich gewisse Widersprüche, indem man glaubt, man habe im Naturerkennen die Natur erfaßt, aber man hat eigentlich nur etwas erfaßt, mit dem man nicht hochmütig über die alten «Gespenster» hinwegblicken kann und was selbst nur ein Gespenst ist, hinter dem man die geistige Wirklichkeit suchen muß.
So steht Geist-Erkenntnis, wie sie hier gemeint ist, nicht in einem Widerspruch zu der Naturerkenntnis, sondern im Gegenteil: sie liefert der Naturerkenntnis dasjenige, was die Naturerkenntnis suchen muß, wenn sie sich selbst versteht; sie liefert, was unbewußt im Grunde genommen in jedem wahren Naturforscher als das Ziel seines Suchens enthalten ist; sie liefert das, was allein Befriedigung geben kann, während das bloße Naturforschen, gerade wenn es richtig betrieben wird, notwendig durch seine eigene Wesenheit ins Unbefriedigende hineinführen muß.
Wird man immer mehr und mehr den wahren Charakter der übersinnlichen Erkenntnis, die gerade aus der Naturwissenschaft hervorgegangen ist, erkennen, dann wird man finden, daß Naturwissenschaft in neuerem Sinne nur dann bestehen kann, wenn sie sich durch Geisteswissenschaft ergänzt. Die Naturwissenschaft selber muß verlangen nach dieser übersinnlichen Erkenntnis. Dann wird sie erst wahre Naturerkenntnis, das heißt, selbst ein Weg ins Übersinnliche hinein.
Ich wollte darüber nur diese Andeutungen geben. Man könnte viele Vorträge halten, die dann zeigen würden, daß der Gedanke der Naturwissenschaft selber Geisteswissenschaft fordert, wenn sie nicht ins Nichtige auslaufen will, wenn sie nicht in Mißverständnisse über ihr eigenes Forschen kommen will. Ich wollte nur zeigen, wie Naturwissenschaft selbst diese Geisteswissenschaft suchen muß. Naturwissenschaft hat große Triumphe gefeiert, hat Ungeheures im Erkenntnisweg der Menschheit geleistet; aber gerade wenn sie auf ihrem Wege fortschreiten wird, wird sie über sich hinausgelangen, wird sie in den Geist hineinführen.
Heute liegen die Dinge so, daß eigentlich nur der sich kritisch verhalten sollte zur Naturwissenschaft, der selber naturwissenschaftlich denken kann, der nicht, sei es durch Unkenntnis, sei es durch Antipathie, negativ zur Naturwissenschaft steht, sondern positiv zu ihr steht. Und wenn ich eine persönliche Bemerkung machen darf, die ich eben nur mache, da sie vielleicht mit Sachlichem zusammenhängt, so ist es diese: Man hat mir vielfach vorgeworfen, daß ich in der langen Reihe meiner Schriften auch solche habe, welche sich intensiv damit befassen, die Naturwissenschaft des 19. Jahrhunderts zu rechtfertigen, welche sich ganz, soweit man das mit naturwissenschaftlicher Denkungsweise kann, auf den Boden der Naturwissenschaft stellen. - Allein ich würde kein Wort über die Naturwissenschaft zu Ihnen zu sprechen haben und zu einem anderen Publikum in einer solchen Richtung, wie ich es heute gesprochen habe, wenn ich nicht darauf hinweisen könnte, daß ich es auch verstanden habe da, wo es darauf ankam, mich ganz positiv, zustimmend, insoweit die Zustimmung berechtigt ist, zur Naturwissenschaft zu verhalten. Ich glaube, daß nur derjenige über die Naturwissenschaft sprechen darf, der diese Naturwissenschaft kennt, und der ihre Errungenschaften zu würdigen weiß; während alles Gerede von sogenannten Mystikern oder Theosophen über die Naturwissenschaft, wenn sie die Naturwissenschaft nicht kennen, eben ein müßiges Gerede ist.
Damit glaube ich wenigstens in einigen Andeutungen über das erste Mißverständnis gesprochen zu haben, das sich gegenüber der hier gemeinten anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft von denjenigen ergibt, die über sie sprechen, ohne sie zu kennen.
Das zweite Mißverständnis ist dieses, daß man sehr häufig so etwas, was auf übersinnliche Erkenntnis geht, in dem angedeuteten Sinne für unpraktisch, für untauglich für das gewöhnliche Leben hält, und daß man das insbesondere in der Gegenwart als einen Tadel auffaßt, weil ja die Gegenwart genötigt ist, sich wirklich in vollstem Sinne des Wortes in das praktische Leben hineinzustürzen. Nun, nur von einer Seite wollen wir das, aber von einer sehr wichtigen Seite, ins Auge fassen, von seiten der Auffassung des sozialen Zusammenlebens der Menschheit. Wissenschaftliche und sonstige Betrachtungen des sozialen Zusammenlebens der Menschheit sind ja geradezu zur Devise, zum Losungswort der neueren Zeit geworden. Und auch dasjenige, was auf diesem Gebiete geschehen ist, steht im Grunde ganz in dem Lichte naturwissenschaftlicher Denkungsweise. Ich lege sogar wenig Wert darauf, daß sich diejenigen, die heute Soziologen sein wollen im rechten Sinne des Wortes zeitgemäß, die eine soziologische Wissenschaft begründen wollen, sich immer mehr und mehr bestreben, naturwissenschaftliche Vorstellungen und Begriffe herüberzunehmen aus der Naturwissenschaft und auf das menschliche soziale Zusammenleben anzuwenden. Darauf möchte ich sogar viel weniger Wert legen, weil Theorien für das wirklich praktische Leben - das zeigt insbesondere die übersinnliche Betrachtungsweise — eigentlich doch nur eine sehr geringe Bedeutung haben.
Was hat sich nicht Lassalle alles vorgestellt, als er jene Denkungsart in sich ausbildete, die er dann zusammenfaßte in seinem berühmten Vortrage «Die Wissenschaft und die Arbeiter». Er hatte das Ideal vor Augen, daß das menschliche Zusammenleben gerade durch den modernen Sozialismus aus dem Instinktiven ins Wissenschaftliche herübergetragen werden müsse, daß das Proletariat der neueren Zeit die Aufgabe habe, sich zu durchdringen mit der Wissenschaft, um dadurch gerade diese neuere Zeit herbeizuführen. Man hat dann gesehen, daß in einer anderen Art, bewußt so denkend, wie man in der Naturwissenschaft denkt, der Marxismus mit seiner materialistischen Geschichtsauffassung versuchte, aus einer Theorie heraus dasjenige zu begründen, was in die Gemüter übergehen sollte und was zu einer sozialen Gestaltung der Welt führen sollte.
Nun, diejenigen, die heute noch nicht sehen, nachdem die letzten vier Jahre über die Welt hingezogen sind, daß aus solchen Theorien heraus die menschlichen Gemüter sich sozial sehr wenig beinflussen lassen, die werden es in den nächsten Jahrzehnten eben zu sehen bekommen! Theorien kommen eigentlich wenig in Betracht, wenn das gemeint ist, was hier eigentlich gemeint sein soll: Soziales Zusammenleben und Gestaltung dieses sozialen Zusammenlebens aus den menschlichen Impulsen heraus im umfänglichsten Sinne. Es ist ja sehr viel drinnen in dem, was man zusammenfassen kann in das Wort: aus den menschlichen Impulsen heraus Gestaltung des sozialen Zusammenhanges.
Man könnte jetzt wiederum viel sprechen von all den Versuchen, die gemacht worden sind, mehr oder weniger utopisch, dieses soziale Zusammenleben eben in einer der neueren Menschheit würdigen Weise zu gestalten. Aber darauf lege ich weniger Wert. Viel mehr Wert möchte ich darauf legen, daß sich ja das Leben gestaltet hat, allerdings gestaltet hat bis zu dem, was wir nun als eine furchtbare Weltkatastrophe sich entwickeln sehen in den letzten vier Jahren. Und mindestens einen Teil der Ursachen, die zu dieser furchtbaren Weltkatastrophe geführt haben, haben wir zu suchen in dem realen Widerspruch und Widerstreit der Impulse, in die sich das soziale Leben der Menschheit über die Erde hin hineingetrieben hat.
Mit Recht hat man darauf aufmerksam gemacht, daß die Menschheit in früheren Zeiten — es ist das dieselbe Zeit, in der man noch nicht im modernen Sinne so naturwissenschaftlich gedacht hat, wie ich es in diesem Vortrage charakterisiert habe — korporativ gelebt hat; Gilden, Zünfte, Zusammengehörigkeiten in der mannigfaltigsten Art waren da.
Dann kam das Zeitalter des modernen Individualismus mit seinem Ideale der menschlichen Freiheit. Man glaubte, diesem Ideale der menschlichen Freiheit, diesem Impuls des Individualismus schuldig zu sein, nach und nach die alten Korporationen aufzulösen. Und wer die Geschichte verfolgt, findet ja, wie diese Korporationen dann allmählich aufgelöst wurden. Man sah dann den weiteren Verlauf des volkswirtschaftlichen Lebens, und man sah, wie im Laufe der letzten Zeiten die Korporationen wieder ins Leben getreten sind. Ich will und kann mich nicht auf Einzelheiten einlassen, sonst müßte man Schritt für Schritt zeigen, wie auf der einen Seite korporative Gesellschaften oder Genossenschaften wie die Konsumentengenossenschaften entstanden, müßte zeigen, wie zum Teil durch Fortschleppen, durch Wiederaufleben der alten Gemeinschaftlichkeit die Menschen versuchten, mit dem Leben zurechtzukommen. Die alten Korporationen sind nicht wieder entstanden; aber bis zu den Trustbildungen hin sind neue Korporationen entstanden und durchziehen unsere soziale Struktur. Auf diese praktische Gestaltung des sozialen Lebens, wie es sich herausgebildet hat, nicht auf die Theorien, die die Menschen darüber ausgedacht haben, möchte ich viel mehr Wert legen.
Aber wie sich das alles gestaltet hat, auch wenn man Rücksicht nehmen muß auf die verschiedensten Interessenkräfte, auf andere Impulse des modernen Lebens, so muß man doch sagen: herausentwickelt hat sich die moderne Korporation auf verschiedensten Gebieten; erhalten hat sich dasjenige, was fortgeschleppt wird aus älteren Zeiten dadurch, daß es doch menschlichen Instinkten und menschlichen Willensimpulsen entspricht. Und in dem, wie man die Welt gestaltet hat — darauf lege ich Wert, nicht wie man darüber gedacht hat, sondern wie man die Welt gestaltet hat, wie man die Gemeinschaften gebildet hat, wie man Mensch zu Mensch, wenn auch unbewußt, gegliedert hat -—, in dem liegt als innerster Impuls wiederum das naturwissenschaftliche Denken der neueren Zeit, aber in einer ganz besonderen Weise.
Sieht man verständnisvoll zurück auf dasjenige, was früher die Menschen, als sie in Zünften, in Gilden gelebt haben - ich verteidige dieses selbstverständlich nicht und weiß, daß sie mit Recht abgeschafft worden sind -, sieht man auf das zurück, was die Menschen damals zusammengeführt hat und wie sie in diesen Gemeinschaften gelebt haben, dann merkt man einen beträchtlichen Unterschied von dem, was sie heute zusammenführt. Ein ganz hervorragendes Kennzeichen — jeder Kenner muß das zugestehen — der alten Gemeinschaften ist das, daß sich die Menschen sowohl innerhalb derselben als auch von Gemeinschaft zu Gemeinschaft verstanden haben. Selbstverständlich geschieht alles in der Welt nur bis zu einem gewissen Grade; aber verstanden haben sich die Menschen. Lehrmeister und Gesellen haben sich verstanden, indem der Lehrmeister wußte, wie es in der Seele des Gesellen aussah. Positiv verhielten sie sich zueinander. Warum? Weil in diesen Instinkten, aus den Willensimpulsen, aus denen diese Gemeinschaften entstanden sind, noch Geistig-Seelisches war, Geistig-Seelisches, das mit dem Körperlichen verbunden war.
Dasselbe, was in älteren Zeiten machte, daß man mit den Vorstellungen, die man hatte, nicht nur die Natur anschauen konnte, sondern auch die Seele anschauen konnte, dieselben Vorstellungen, die instinktiv, unbewußt in den Menschen lebten und die aus Natur und Seelenleben eine Einheit machten, die lebten auch in den Instinkten, und die machten, daß man durch das Blut zusammenhing als Sohn zum Vater, als Tochter zur Mutter, oder als Angehöriger einer Nation oder als Angehöriger einer Zunft - wenn man durch das Blut zusammenhing oder durch irgendein anderes Interesse —, das machte, daß man aus den Instinkten heraus, denen aber geistig-seelische Impulse eingeboren waren, die Gemeinschaft forderte.
Nun kam das naturwissenschaftliche Kulturdenken. Die neuere Zeit ist nicht durch irgend etwas anderes in ihrer eigentlichen Struktur in bezug auf den Menschen gestaltet worden als gerade durch das naturwissenschaftliche Denken. Dadurch, daß der Mensch zu einem Naturdenken kam, welches die Erscheinungen, selbst wenn er es sich nicht gestand, so hinstellt, daß sie als gespenstischer Inhalt nichts mehr mit ihm zu tun haben, dadurch steht der Mensch auf sich selbst gestellt. Der alte Mensch war mit der Natur zusammen. Draußen erschien der Blitz, donnerte es, aus der Wolke fiel Regen: der alte Mensch sah darinnen die Äußerung einer Naturkraft. Innen verspürte er diesen oder jenen Trieb. Er sah diese Triebe instinktiv als ein Gleichnis einer solchen Naturkraft an. Er handelte gewissermaßen aus der Natur heraus, weil er sich durch die besondere Artung der genannten Naturerkenntnis noch nicht aus der Natur herausgestellt hatte.
In den letzten Jahrhunderten wurde der Mensch gerade dadurch, daß er zur reinen Naturerscheinung vordrang, aus der Natur herausgestellt. Die Naturerkenntnis bekommt dadurch erst ihre rechte Aufgabe, ihre rechte Mission im Entwickelungsgange der Menschheit, daß sie nicht absolute Erkenntnisse liefert, wie man heute noch abergläubisch meint — naturwissenschaftlich abergläubisch -, sondern daß sie die Menschen frei macht. Dann erst versteht man die Mission der Naturwissenschaft im Entwickelungsgange der Menschheit, wenn man die Natur als eine Erzieherin zur Freiheit auffaßt.
Dadurch, daß der Mensch die Naturerscheinungen in der neueren Naturwissenschaft aussondern muß, daß er sich entfernt von der Natur, dadurch wird er als Persönlichkeit auf sich gestellt. Dadurch aber war er zunächst, bevor er nun wiederum auf jenem übersinnlichen Weg, den ich angedeutet habe, zur übersinnlichen Welt kam, um sich wieder in die Welt hineinzustellen — wie er früher natürlich drinnengestanden war, so jetzt übersinnlich —, bevor er zu diesem Weg kam, den er nunmehr gegen die Zukunft hin zu beschreiten haben wird, war der Mensch gewissermaßen rein auf die Spitze seiner Persönlichkeit gestellt. Die Naturwissenschaft hat ihn auf die Spitze der Persönlichkeit gestellt. Die Naturwissenschaft hat die ganze Seelenverfassung bestimmt. Sie hatte seine Instinkte eingenommen. Dadurch stehen sich die modernen Menschen nicht so wie die alten Menschen als Bluts- oder Zunftverwandte, sondern sie stehen sich als Individualitäten, als Persönlichkeiten gegenüber. Sie müssen aus der Freiheit heraus ihre Vereinigungen, ihre sozialen Gemeinschaften suchen. Und sie haben sie daher zunächst nur aus Instinkten gefunden, aber aus Instinkten, die etwas Widerspruchsvolles haben, weil die Zeit der Instinkte vorüber ist, weil der Mensch auf der einen Seite nicht mehr instinktiv denken kann, sondern bewußt denken muß unter der Erziehung der Naturwissenschaft. Und auf der anderen Seite hatte der Mensch noch nicht die Möglichkeit, sich wieder durch übersinnliche Erkenntnis in die Welt hineinzustellen. Daher stellte er sich hinein in eine neue Welt, über die er dachte, und in die alte Welt so, wie er nicht mehr über sie dachte. Die alten Instinkte pflanzte er fort in die Welt, die ihm durch das moderne naturwissenschaftliche Denken gar nicht mehr vor der Seele lag. Dadurch kam, wenn man tiefer seelisch erfaßt, was durch die neuere Menschheit weht, jener klaffende Widerspruch in das moderne soziale Leben hinein.
Mit unzulänglichen Mitteln ist der Sozialismus, der gewiß ein Ideal der Menschheit ist, begründet worden. Warum? Die Naturerkenntnis stellt den Menschen nicht in die Welt hinein; sie sondert ihn als Persönlichkeit ab, sie macht das Bewußtsein der Persönlichkeit immer größer und größer. Daher kann er nur aus seinen selbstischen Instinkten heraus Gemeinschaften bilden. Sein Denken unterscheidet sich von dem, was er als Gemeinschaften aus Instinkten heraus bildet. Eine Disharmonie tritt auf und die Folge davon ist, daß eine disharmonische soziale Ordnung entstehen muß, wenn man bloß die Naturwissenschaft hat und bloß naturwissenschaftliche Begriffe anwendet auf die Gestaltung des sozialen Lebens, daß ein Widerspruch entstehen muß, ein innerlicher, lebendiger Widerspruch, der so lange bestehen wird, bis die Menschheit sich dazu entschließt, sich zu sagen: Gerade das moderne Leben muß, wenn es soziale Ordnung begründen will, Disharmonien schaffen, wenn es nicht einführt übersinnliche Erkenntnis in das soziale Zusammenleben, übersinnliches Empfinden und Wollen. — Solange man nicht von Mensch zu Mensch einander so gegenübersteht, daß man in dem anderen Menschen das Bild, die Erscheinung des unsterblichen Menschen sieht, solange man nicht in jedem Menschen, wenn man mit ihm in sozialem Zusammenhange lebt, zwar ein individuelles Wesen sieht, aber ein solches Wesen, das der Ausdruck ist einer übersinnlichen Wesenheit, solange man das, was der Soziologie und dem sozialen Impulse aus der Naturwissenschaft zuwachsen kann, nicht ergänzen will durch dasjenige, was man aus geistigem Erkennen gewinnt, so lange wird man mit dem modernen sozialen Denken, aber hauptsächlich mit der modernen sozialen Gestaltung, mit dem praktischen Auslegen der Begriffe in ein solches Leben hineinkommen, das sich selber auflösen muß, das zu Streit und Disharmonie führen muß.
Wer diesen inneren Zusammenhang versteht, der weiß, welchen Anteil an den vier letzten Jahren dasjenige hat, was ich eben jetzt angedeutet habe. Nicht, als ob ich behaupte, daß es allein schuld wäre, aber es hat einen ganz. wesentlichen Anteil, einen ungeheuer wesentlichen Anteil daran. Derjenige, welcher Sozialismus wünscht und will, ehrlich will, der muß die Menschheit zu Begriffen führen, die nicht bloß naturwissenschaftlich sind, weil im Leben von Mensch zu Mensch anderes lebt, anderes west, als was im Naturwissenschaftlichen zu erfassen ist.
Naturwissenschaft zeigt das dadurch, daß sie ein bestimmtes Ideal hat, und dieses bestimmte Ideal ist wiederum berechtigt. Die Naturwissenschaft strebt immer mehr und mehr zu dem Experiment hin, sie geht mehr und mehr von der bloßen Beschreibung und von der Beobachtung ab. Was ist das Experiment? Das Experiment ist zunächst etwas, was zusammengestellt ist von unserem Verstande, der gerade wegführt von der Natur, der — wie ich in dem Vortrag der vorigen Woche gezeigt habe - in das Nichts eines Menschen hineinführt. Was wir im Experiment darstellen, hat im Grunde genommen nur scheinbar mit dem Leben der Natur zu tun. In Wahrheit hat es mit dem zu tun, was in der Natur erstirbt. Das zeigt sich, wenn man dasjenige, was durch experimentelle Denkweise gewonnen ist, anwenden will auf die Konfiguration des sozialen Lebens. Wer rein naturwissenschaftliche Begriffe, die ganz redliche, ehrliche, gerade ideal naturwissenschaftliche Begriffe sind, in das soziale Leben einführen will, der führt solches ins Leben ein, das nicht zum Aufstieg, zum Leben führt, sondern zum sozialen Tode führt. Und erfahren müßte die Menschheit, wenn sie nicht Übersinnliches zu dem Naturwissenschaftlichen einführen will in das soziale Leben, daß mit allem sozialen Wollen, mit allem Sozialismus nur Ordnungen geschaffen würden, die Unordnungen sind, die Verfall sind.
Derjenige Sozialismus, der die Menschen vom Übersinnlichen wegführt, wird soziale Strukturen der Zerstörung schaffen, soziale Strukturen des Hinwegführens, und er kann höchstens nur so weit kommen, daß er Altes benützt, um seine verfallenen Gedanken zu realisieren. Denn was ist im Grunde genommen bisher, nicht durch soziale Theorien, sondern durch den praktischen Sozialismus geschehen? Hat er sich wirklich als Weltgestalter radikal gefühlt? Dann würde er sich nicht in die alten Formen hinein bequemt haben, was er bis heute tut! So in den alten Formen kommt er einem vor wie jemand, der die Krinoline verpönt, aber sie nicht zu überwinden sucht, sondern sie auswattiert. So auch sehen wir, daß in dem sozialen Denken der neueren Zeit die alten Formen beibehalten werden, auswattiert werden. Denn was wollen die meisten Führer des neueren Sozialismus? Dort die Macht erlangen, wo andere die Macht erlangt haben, nicht gestalten, sondern umtauschen die Macht.
Das ist, ich möchte sagen, nur von einer anderen Seite auch ein experimenteller Beweis dafür, daß man von Sozialismus nur sprechen kann, wenn man gleichzeitig den Willen hat, die Menschen zum Übersinnlichen hinzuführen, zu denjenigen Impulsen, die man der modernen Menschheit geben muß, wenn sie aus der Neigung zu Katastrophen, in die rein naturwissenschaftliche Impulse sie geführt haben, herauskommen will. Diese Impulse müssen gerade im sozialen Leben übersinnliche sein.
Wahrhaftig, Geisteswissenschaft ist auf diesem Gebiete nicht unpraktisch. Sie kann vorläufig in vielen Beziehungen nur ihr Bedauern darüber aussprechen, daß es viele Menschen gibt, die sich so recht praktisch, so furchtbar praktisch vorkommen, daß sie sich die Finger ablecken möchten über ihre eigene Lebenspraxis, und die verachtungsvoll hinschauen auf die unpraktischen Leute, die aus Ideen heraus, aus dem Geiste heraus irgend etwas in die Welt einführen möchten! Nun, man kennt ja diese Seite der Philistrosität, die sich heute aufspielt gerade als die große Lebenspraxis, und die in brutaler Weise alles das abweist, was aus dem Geiste heraus kommen soll. Ins Absurde, ins Unmögliche wird sich diese Lebenspraxis hineinführen. Denn allein dasjenige ist praktisch, was auf die ganze, nicht auf die halbe oder Viertelswirklichkeit geht. Wer einen Hufeisenmagneten vor sich hat und, wenn ihm der andere sagt: Du, das kannst du benützen, das zieht anderes Eisen an, das ist ein Magnet -, ihm antwortet: Ach was, ich erkenne doch aus dieser Form nur ein Hufeisen, um ein Pferd damit zu beschlagen -, der gleicht dem, der das soziale Leben nur nach den Begriffen, die das Übersinnliche meiden, ordnen will. Derjenige aber, der da weiß, daß zur wahren Lebenspraxis die ganze Wirklichkeit gehört und damit das Übersinnliche, der gleicht dem, der den Hufeisenmagneten nicht mißbraucht, um das Pferd damit zu beschlagen, sondern ihn als Magneten verwendet.
Damit habe ich das zweite Mißverständnis besprochen, von dem ich heute reden möchte, wiederum nur andeutungsweise. Das dritte betrifft das, was nun ganz ins Innere des Menschenlebens hineingeht, was zu tun hat mit dem, was dem Menschen in vieler Beziehung am allerheiligsten sein muß; es betrifft das religiöse Leben.
Nun, da sind allerdings sehr viele, namentlich solche, welche offizielle Vertreter oder auch nichtoffizielle Vertreter dieses oder jenes positiven Religionsbekenntnisses sind, solche, die wiederum, selbstverständlich ohne dem Autoritätsprinzip — sagt man heute höflich - nachzuhängen, diese anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft verlästern als etwas, was die Menschen in Irreligiosität führen werde, die ihnen ein scheinbares Geist-Erkennen geben will anstatt dasjenige, was unmittelbar dem Menschen jenen Weg zeigt, durch den er aus dem Wesen seiner Natur heraus in das Übersinnliche, Religiöse hineinkommen kann. Ich werde heute nicht — obwohl das sehr verlockend wäre, aber die Zeit drängt, und auch sonstiges ist dabei zu bedenken — über dieses oder jenes Religionsbekenntnis sprechen, sondern über das religiöse Empfinden als solches.
Wer die Geist-Erkenntnis, wie sie hier gemeint ist, ihrem wahren Wesen nach betrachtet, der wird, wie ich glaube, sehr bald daraufkommen können, daß sie ebensowenig, wie sie unpraktisch oder antisozial oder unnaturwissenschaftlich ist, ebensowenig irreligiös ist, ebensowenig geeignet, jemand von der Tiefe seiner religiösen Empfindung abzubringen. Denn, was ist denn nach dem Geiste der Ausführungen, die ich hier nun in diesen drei Vorträgen gemacht habe, gerade das Wesentliche der neueren, übersinnlichen Erkenntnis, wie sie durch die Anthroposophie angestrebt werden will?
Das Wesentliche ist, daß der Weg, der zur übersinnlichen Forschung führt, ins Unpersönliche münden muß. Bedenken Sie nur, wie radikal in der vorigen Woche darauf aufmerksam gemacht werden mußte, daß dasjenige, was der Mensch als Geistiges schaut, vor der Geburt oder nach dem Tode liegt, daß das Wesentliche des Lebens zwischen Geburt und Tod darin besteht, daß sich der Mensch in Materielles verwandelt hat. Und man kann sagen, gerade Geisteswissenschaft, die so hinführt durch die übersinnliche Erkenntnis zu dem wahren Unsterblichen, zu dem unwiderleglich Unsterblichen der menschlichen Seele, die kann in dieser Beziehung mit dem Materialismus sogar einverstanden sein. Sie weiß, daß das, was der Mensch materiell darlebt, eine Metamorphose, eine Umwandlung des Geistigen ist, und daß das Geistige seine Früchte daraus schöpft, daß es in den Abgrund des Materiellen geht und da gerade durch die Naturerkenntnis sich zur Freiheit entwickelt.
Aber das setzt nicht voraus, daß der Mensch aus dem Persönlichen, aus dem unmittelbaren Erleben hier im Leibe mit seiner Forschung ins Unpersönliche hineinmündet. Wenn man etwas übersinnlich erkennen will, setzt es eine Seelenverfassung voraus, die immer mehr und mehr geistig ins Unpersönliche hineinkommt, wie der Mensch früher physisch, als er noch nicht Naturerkenntnis hatte, im allgemeinen physisch im Übersinnlichen drinnenstand.
Der Mensch muß unpersönlich forschen im Geistigen, wenn er will, daß das Licht des Geistigen ihm hereinstrahle in das Materielle, in das Stoffliche. Allein, je weiter man kommt in diesem übersinnlichen Forschen, je mehr man sich durchdringt mit diesem übersinnlichen Forschen, mit diesem das Unpersönliche fordernden übersinnlichen Forschen, desto mehr fühlt man, wie vom anderen Pol des Menschen aus, vom Willenspol, dasjenige ausströmt, was unmittelbare religiöse Empfindung ist. Denn dieses unmittelbare religiöse Empfinden, es will auch nach dem Übersinnlichen, aber es will nach dem Übersinnlichen so, daß dabei die Persönlichkeit nicht verloren ist, daß alles das, was unmittelbar mit dem Persönlichen zwischen Geburt und Tod zusammenhängt, sich vereinigen kann mit demjenigen, was übersinnlich ist.
Gerade wenn man im rechten Sinne den Gang ins Übersinnliche durch die Wissenschaft versteht, wird man hingewiesen durch eine innere Kraft, die sich insbesondere als Bedürfnis der Verehrung des Geistigen kundgibt, zum Religiösen. Die wahre Entwickelung innerhalb des Weges in die geistige Welt hinein durch übersinnliches Erkennen ist diese, daß man immer mehr und mehr zu einer Vertiefung seines religiösen Lebens getrieben wird, daß man gerade verstehen lernt dasjenige, was man an religiösem Leben hat. Die Geisteswissenschaft führt notwendigerweise, weil das in der Entwickelung der Menschheit liegt, aus dem Persönlichen in das Unpersönliche, damit das Licht des Geistes wieder hereinleuchten kann in die sinnliche Welt.
So muß auf der anderen Seite gerade als Folge dieser Geist-Erkenntnis ein vertieftes religiöses Leben auftreten, denn tief in der Menschennatur ist es begründet, daß das Geistige nicht nur in seinem Leuchten, in seinem Weisheitsvollen angeschaut werde, sondern auch verehrt werde. Diese Verehrung aber muß aus der Persönlichkeit kommen. In diese Region des Menschenerlebens kann nicht in unmittelbarer Gestalt dasjenige hinein, was geistig geschaut wird, sondern es muß sich erneuern, eine Metamorphose durchmachen, es muß sich verwandeln, es muß sich umsetzen in das Persönliche. Der Mensch wird, wenn er auf der einen Seite das Licht des Geistigen empfängt, hingehen und verehren dieses Geistige, suchen, wo er religiöses Leben, religiöse Vertiefung finden kann.
Man muß nur auch von der anderen Seite, von der Seite der Vertreter des religiösen Lebens, die Dinge im richtigen Lichte sehen können. Man hat in alten Zeiten auf gewissen Seiten der menschlichen Bekennerschaft gesagt und hat es immer wieder wiederholt bis heute, das alte Heidnische hätte darin bestanden, daß man durch die bloße Weisheit sich nähern wollte dem Göttlichen. Aber mit Recht kann man das Wort immer wieder und wiederum wiederholen: Durch Weisheit werde das Göttliche in der Welt nicht erkannt -, das Göttliche nicht, das Übersinnliche, in dem der Mensch seine Unsterblichkeit hat, gewiß. Aber es kann als Göttliches nicht erkannt werden, denn das Göttliche muß verehrungsvoll empfunden werden. Es muß das Geistige erst den Weg in das Persönliche finden, den Weg, wo der Mensch als Persönlichkeit drinnensteht, indem er entweder durch den Gang der Naturbetrachtung zum Jehovadiener wird — indem er schaut dasjenige Wesen, das von Generation zu Generation als Übersinnliches im Blute wirkt und webt -, oder indem er auf dasjenige Wesen hinschaut, das mit seiner Seele in erlösendem Zusammenhange steht, auf den Christus Jesus [Nachschrift unvollständig].
Der Mensch muß den Weg finden in die sinnliche Welt, wo er mit seiner Persönlichkeit steht. Aber auf der anderen Seite muß jenes Verständnis kommen, welches nicht nur sagt: Durch Weisheit wird das Göttliche nicht erkannt, weil es verehrungsvoll empfunden werden muß -, sondern: aus der bloßen Weisheit, aus der bloßen Religion kann nicht das Übersinnliche geschaut werden. Die Religion muß sich ergänzen durch die Anschauung des Übersinnlichen, sonst wird sie nur scheinbar einem naturwissenschaftlichen Zeitalter genügen können, indem sie alte Anschauungen fortpflanzt und sich gegen die neuen wendet. Religion, richtig erfaßt, braucht sich nicht zu fürchten vor dem Auftreten neuer, auch übersinnlicher Wahrheiten.
Und weiter entsteht noch so manches andere Mißverständnis: Wenn Religion glaubt, daß übersinnliches Erkennen ihr irgendwie schade, sie irgendwie beeinträchtigen könne in denjenigen Bestrebungen, in denen sie berechtigt ist, dann rechnet derjenige, der das glaubt, nicht mit der Fortentwickelung der Menschheit. Haben wir nicht, in der modernen Entwickelung stehend, indem wir auf der einen Seite gar nicht die Möglichkeit haben, zu rechtem sozialem Leben zu kommen, wenn nicht der Weg ins Übersinnliche genommen wird, haben wir nicht auch gesehen, wie dieses selbe naturwissenschaftliche Denken zu der Irreligiosität trieb, wie der Gang ins Naturwissenschaftliche zum Gang der Persönlichkeit hinein zur Irreligiosität trieb? [Lücke in der Nachschrift.] Heutige Geisteswissenschaft spricht stärker zu der menschlichen Natur, so daß sie getrieben werden kann zur religiösen Verehrung, wenn man sich nicht etwa, wie mancher oberflächliche Naturerkenner, von der religiösen Verehrung abwenden will. Stärker muß heute zur Seele gesprochen werden von dem übersinnlichen Leben, denn bewußter ist die Seele geworden, individueller. Die Kraft des religiösen Lebens muß stärker sein, wenn sie sich in der alten Gestalt entwickeln will.
Und noch ein anderes Mißverständnis gerade auf diesem Gebiete ist dieses, daß man glaubt, Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, wolle selber sektenbildend oder religionsbildend auftreten. Geisteswissenschaft hat dazu eine viel zu klare Einsicht in das Werden des Menschengeschlechts. Sie weiß, daß im Werden des Menschengeschlechts eben aufeinanderfolgende wirksame Kräfte walten, wie im Leben des einzelnen. Wie der Mensch im vierzigsten Lebensjahr nicht dieselbe Seelenverfassung haben kann, die er im zwanzigsten Jahre hatte, ebensowenig kann die Menschheit im 20. Jahrhundert dieselbe Seelenverfassung haben wie in früheren Jahrhunderten und Jahrtausenden.
Geisteswissenschaft sieht überall auf das Wirkliche und beurteilt dieses Wirkliche nicht nach ausgedachten Begriffen. Daher redet sie nicht, wie so mancher Mensch der Gegenwart, der wissenschaftlich eine Religion der Zukunft begründen will; sondern sie weiß, daß die Zeit der Religionsbildungen vorbei ist, abgeschlossen ist gerade mit der Bildung des Christentums. Denn diejenige Seelenverfassung, in der die Menschheit erfaßt werden konnte von jenem religiösen inneren Erleben, das dann fortgepflanzt werden muß, diese Zeit hängt innig zusammen mit der Weltverfassung, die in früheren Zeiten war. Nunmehr sind wir als Menschheit in eine Seelenverfassung eingetreten, die gerade durch die Naturwissenschaft heranerzogen werden mußte, die aber auch nach naturwissenschaftlichem Vorbilde ins Übersinnliche hineindringen will, die übersinnliches Wissen schaffen will, durch dieses übersinnliche Wissen immer größere Klarheit schaffen will über das, was in religiösen Zeitaltern auf religiöse Art sich geoffenbart hat, die aber nicht mehr selbst religionsbildend auftreten kann. Immer mehr und mehr verstehen dasjenige, was der Menschheit an Religion gegeben ist, dazu wird wahre Geisteswissenschaft führen, dieses Religiöse auch erlösen aus den Banden derer, die es unter allerlei Macht- und sonstigen Gelüsten auf falsche Bahnen geführt haben. Doch das kann ich nur andeuten. Es würde, weiter ausgeführt, eben zu weit führen.
Mit diesen Andeutungen wollte ich eben nur kurz darauf hinweisen, wie Geisteswissenschaft schon ihrer Natur nach weder irreligiös machen kann, noch wie sie wollen könnte irgendeine neue Religion oder dergleichen stiften. Das alles sind Dinge, die nicht aus einer wirklichen Durchdringung desjenigen hervorgehen, was die hier gemeinte Geisteswissenschaft wirklich anstrebt, auch wenn sie behauptet werden. Und so kann man auch sagen: Gerade diejenigen Angriffe, die jetzt nur so hageln auf diese anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft auch von seiten der Vertreter der Religionsbekenntnisse, sie beruhen allerdings auf manchmal recht gewollten Mißverständnissen und falschen Auslegungen. Am wenigsten hätten diejenigen, die es mit dem religiösen Leben der Menschheit ernst meinen, irgendeine Veranlassung, sich gegen die Geisteswissenschaft zu wenden. Denn die Geisteswissenschaft wird wieder zur wahren Religiosität zurückführen, während das bloß naturwissenschaftliche Zeitalter und die bloße positive Religion, welche nur Althergebrachtes bewahren will, von der wirklichen Religion hinwegführen muß. Denn diese positive Religion stammt aus den Zeiten, wo der Mensch anders in der Welt drinnenstand. Aber der Mensch wird sich nicht zurückschrauben lassen, so wie ein Vierzigjähriger nicht mehr zwanzig werden kann.
Daher wird dasjenige religiöse Bekenntnis, das sich gegen die übersinnliche Erkenntnis der neueren Zeit stemmt, sich selber das Grab graben, auch wenn es noch so sehr darnach gelüstete, durch äußere Macht sich zu befestigen. Und immer wieder muß ich, was ich schon im vorigen Jahre hier in Zürich getan habe, daran erinnern, wie ein viel besserer Theologie- und Religionsbekenner der war, der einmal, obwohl er katholischer Priester war, als Rektor an der Universität über Galilei seine Antrittsvorlesung gehalten und darauf aufmerksam gemacht hat, wie die katholische Kirche — seine Kirche — seinerzeit sich gegen den Kopernikanismus gewandt hat, ja, es bis zum Jahre 1822 getan hat; wie er aber betonen mußte — Professor Müllner, katholischer Theologe und Philosoph -, als er sein Rektorat an der Wiener Universität antrat, daß wahre Religiosität, auch wahrer Katholizismus sich nicht wenden sollten gegen die Fortschritte der menschlichen Erkenntnis, weil jeder weitere Fortschritt in der menschlichen Erkenntnis nur die Wunder des Göttlichen in der Welt großartiger und herrlicher vor den Menschen hin ins Licht stellt.
Das ist wirkliche religiöse und auch wirkliche christliche Denkweise! Und wie nicht eine äußerlich naturwissenschaftliche Erkenntnis von manchem, der das Religiöse wirklich, wahrhaft empfindet, als gegnerisch empfunden zu werden braucht, so auch nicht eine übersinnliche Erkenntnis, die sogar auf direktem Wege den Menschen wiederum zur Religiosität, aber allerdings zur freien Religiosität, zu derjenigen Religiosität, die in der Individualität, in der Persönlichkeit verankert ist, hinführen muß. Daher darf wohl gesagt werden, man sollte sich recht sehr anschauen gerade diejenigen Angriffe, die von diesen Seiten auf die anthroposophische Geisteswissenschaft kommen; denn sie gehen wahrhaftig nicht in Wirklichkeit von dem aus, wovon auszugehen sie vorgeben. Auch sie entspringen aus der Furcht und aus der Interesselosigkeit, wie ich das für die allgemeine Stellung der Menschheit zur Geisteswissenschaft im ersten dieser Vorträge charakterisiert habe. Man muß nur im richtigen Sinne lesen, was von dieser Seite gesagt wird! Allerdings werden diejenigen, die diese Dinge schreiben, nicht zu bekehren sein, und man sollte sich nicht der Naivität hingeben, daß man sie bekehren kann. Eine Widerlegung wäre ganz fruchtlos. Aber allerdings werden auch diejenigen, für die sie meistens schreiben, nicht zur Einsicht zu bringen sein. Der Gang der menschlichen Entwickelung kann aber bei denen doch nicht aufgehalten werden, die in ehrlicher Weise fühlen, was die Entwickelungskräfte der neueren Zeit in die menschliche Seele hineingelegt haben.
Durch den heutigen Vortrag — den ich übermorgen ergänzen will durch wiederum eine ganz positive Betrachtung über den neueren Geschichtsverlauf vom geisteswissenschaftlichen Standpunkte, was unmittelbar in das allernächste Leben des Menschen hineinführen wird und in die brennendsten Fragen der Gegenwart — glaube ich gezeigt zu haben, wie jenes Suchen nach der übersinnlichen Erkenntnis, das.durch anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft angestrebt wird, weder naturwissenschaftfeindlich noch sozial unpraktisch, noch irgendwie für das religiöse Leben von Gefahr ist. Dagegen glaube ich gerade gezeigt zu haben: für denjenigen, welcher durchschaut, was die Gegenwart in der menschlichen Seelenverfassung für Kräfte erregen muß, und insbesondere, was für Kräfte die Zukunft erregen wird, für den wird es klar, daß für drei brennende Fragen dieser Gegenwart und der nächsten Zukunft das geisteswissenschaftliche Wissen bedeutungsvoll ist.
Wissenschaft steht seit Jahrhunderten und insbesondere in der Gegenwart und noch mehr in der Zukunft im Mittelpunkt des menschlichen Strebens. Die Frage wird entstehen: Was vermag Wissenschaft für die höchsten Bedürfnisse des Menschen nach der übersinnlichen Welt? Antwort darauf wird nur diejenige Wissenschaft geben können, die an der Geisteswissenschaft nicht vorbeigehen wird.
Eine weitere brennende Frage der Gegenwart und der nächsten Zukunft wird sein: Wie finden wir diejenigen Impulse, welche das soziale Leben gestalten können? Die Antwort wird sein müssen: Allein dasjenige, was geisteswissenschaftlich gewonnen ist, macht die Metamorphose durch, wenn es sich in das Menschenleben einfindet, daß es zum unmittelbar bewußten sozialen Leben von Mensch zu Mensch und damit auch zur sozialen Konfiguration des Menschengeschlechtes über die Erde hin führen kann.
Und die dritte brennende Frage wird die sein: Wie kann das innerste Bedürfnis, das Verehrungsbedürfnis des Göttlichen in der menschlichen Seele in dem Zeitalter, das durch die Wissenschaft zur Individualität und zu der Persönlichkeit gekommen ist, befriedigt werden durch stärkere Kräfte, als sie von alters her aufgebracht worden sind? — Die Antwort muß wiederum sein: Solche stärkere Kräfte kann nur erregen dasjenige übersinnliche Schauen, was, wenn es in die menschliche Persönlichkeit sich hineinlebt, in die menschliche Persönlichkeit hineinmetamorphosiert, in ihr selber persönlich wird. Solche Kräfte kann nur dieses Übersinnliche durch Geisteswissenschaft, durch übersinnliche Erkenntnis angestrebte Wissen und Schauen werden, wie es die moderne Religiosität braucht, die Religiosität braucht, welche die Menschheit wirklich in bezug auf Gegenwart und Zukunft in den tiefsten Bedürfnissen der Seele, ja in den Untergründen der Seele wird befriedigen sollen.