The Spiritual Development of Man

GA 84 — 20 April 1923, Dornach

Das Anschauungserlebnis der Denktätigkeit und der Sprachtätigkeit

Ich bin in den letzten Vorträgen auf das Wesen des Menschen so eingegangen, daß ich glauben kann, die Betrachtungen, die da angestellt worden sind, können auch für diejenigen verehrten Besucher verständlich sein, die uns jetzt die Freude machen, zum Lehrerkurs hier zu sein. Und ich habe im Beginne dieser Betrachtungen ja schon bemerkt, daß das, was ich sage, in vieler Beziehung für die «erleuchteten Anthroposophen» eben eine Art Wiederholung sein muß. Nun möchte ich heute in diesen Betrachtungen insofern fortfahren, als ich nach einer kurzen Wiederholung wesentlicher Punkte übergehen werde zu dem, was sich dann an den vorigen Vortrag anschließt.

Ich habe bemerklich gemacht, wie der Mensch für die äußere Anschauung, für dasjenige, was der Sinnesbeobachtung gegeben ist, was dann der Verstand aus den Sinnesbeobachtungen vielleicht auch mit Hilfe des Experimentes kombinieren kann, wie der Mensch für all das zunächst nur seinen physischen Leib offenbart. Zugrunde liegt nun diesem physischen Leibe das, was man den Äther- oder Bildekräfteleib nennen kann, eine feinere Menschheitsorganisation, gewissermaßen ein zweiter Mensch im Menschen. Wie kommt man zu einer wirklichen Anschauung dieses zweiten Menschen? Es ist — das muß immer wieder betont werden — eigentlich gar nicht einmal so besonders schwierig, zu einer wirklichen Anschauung dieses zweiten Menschen zu kommen, die ebenso gültig vor einem steht wie das, was die Sinne beobachten und was der Verstand kombinieren kann. Man muß nur — weil der Mensch in der heutigen Zeit nicht so stark, wie das in früheren Zeiträumen der Menschheitsentwickelung der Fall war, in dem Gedankenelemente selber lebt, sondern sich in dem Gedankenelement mehr einem passiven Verhalten hingibt und Eindrücke erwartet von der Sinneswelt —, man muß nur durch Übungen dieses Gedankenelement verstärken. Gewiß, der Mensch hat auch heute Gedanken, aber er kann kaum zu einer wirklichen Einsicht in die Wesenheit des Denkens, der Denktätigkeit kommen, weil er ganz und gar gewöhnt ist, in seine Gedanken sogleich einfließen zu lassen, wenn er erwacht, die äußeren Sinneseindrücke; weil er eigentlich nur auf diese äußeren Sinneseindrücke etwas gibt. Er kommt dadurch zwar dazu, für seine Gedanken einen Inhalt zu haben, nämlich den äußeren Sinnesinhalt; aber er kommt nicht dazu, die eigene Tätigkeit des Denkens zu fühlen, zu empfinden. Dies wird für den heutigen Menschen eben durch solche Übungen erreicht, wie ich sie besprochen habe zum Beispiel in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?».

Solche Übungen verlangen vom Menschen, daß er gewissermaßen sich mit seinem ganzen Wesen in die Denktätigkeit hineinversetzt, daß er sich hingibt mit aller inneren Gewalt dem Denken, und daß ihm bei diesem Denken dann gleichgültig ist, was die äußeren Sinne ihm überliefern, daß er also ganz bewußt nur in der Denktätigkeit lebt.

Helfen kann einem viel zu dieser inneren Denkübung, wenn man sich einmal mit Mathematik beschäftigt hart, namentlich mit Geometrie. Diese Denktätigkeit, die man in der Geometrie auszuüben hat, braucht man nur — ich möchte sagen durch einen mächtigen Ruck in das eigene Wesen - in ihrer Selbständigkeit, in ihrer Bildhaftigkeit, in ihrem inneren Leben und Weben zu erfahren, dann hat man schon, wenn man ein Dreieck aufzeichnet, eben ein Erleben der Aktivität des Denkens. Sie können ja allerdings ein Dreieck auf die Tafel zeichnen. (Es wird gezeichnet.) Aber ist das ein Dreieck? Das, was auf der Tafel steht, ist kein Dreieck, das ist eine große Anzahl von Kreideklümpchen, die da an der schwarzen Tafel kleben, die man sogar, wenn man ein hinreichend starkes Mikroskop hätte, abzählen könnte. Das ist ja kein Dreieck. Es ist ein Unsinn zu glauben, daß da auf der Tafel das Dreieck ist. Das Dreieck können Sie nur in Ihrer Seele haben, in dem Gedanken, den Sie sich an der Hand dieser Kreideklümpchen, die da an der Tafel kleben, machen. Und wenn Sie auch absehen von den Kreideklümpchen, die an der Tafel sind — Sie können meinetwillen recht oft diese Tafelbeschmiererei mit Kreide gemacht haben -, dann können Sie, ohne daß Sie eine Tafel haben, wenn Sie einfach sitzen oder stehen, selbst ohne einen Finger zu bewegen, bloß in Gedanken die Vorstellung des Dreiecks haben, und dann können Sie verfolgen, wie Sie — aber alles nur in Gedanken - hier anfangen einen Strich zu ziehen, dann einen zweiten, dann einen dritten. Sie können leben in dieser inneren Tätigkeit, ohne daß Sie irgend etwas da außen machen. Sie können immer mehr und mehr solche Übungen machen, insbesondere auch kompliziertere Übungen. Zum Beispiel denken Sie sich einmal, Sie haben hier. noch einmal die Tafel beschmiert mit roten Kreideklümpchen und beschmieren sie jetzt mit grünen Kreideklümpchen. Und jetzt mache ich noch einmal die Schmiererei, und Sie machen meinetwillen das Folgende: Sie haben sich an diesen beiden Figuren veranschaulicht, was Sie innerlich machen sollen, und jetzt stellen Sie sich vor, schnell nur, geradeso, :wie Sie vorhin das Dreieck in Gedanken gezeichnet haben: das Rote wächst in das Grüne hier hinaus, hört hier auf, und das Grüne schiebt sich unter dem Roten durch, so daß aus dieser Figur diese Figur entsteht, und diese Figur aus jener — bloß im Denken. Da haben Sie das Rote in der Mitte, das Grüne ringsherum. Jetzt stellen Sie sich vor: das Rote wächst, das Grüne zieht sich zusammen. Nun haben Sie vor sich den grünen Kreis zusammengezogen, das Rote hier herum, das rote Rad; jetzt wiederum umgekehrt: das Rote schiebt sich herein, das Grüne dehnt sich aus, und das lassen Sie abwechseln, ganz in rhythmischer Folge, indem innerlich ein Kreis ist, außen ein Rad: rot, grün; grün, rot; rot, grün; grün, rot. Sie stellen sich das vor, ohne daß Sie irgendwie nötig haben, etwas äußerlich zu tun. Da werden Sie allmählich gewahr werden, daß Denken heißt: geradeso innerlich etwas tun, wie etwas äußerlich tun heißt, seine Hand gebrauchen, seinen Arm gebrauchen. Wenn Sie Ihren Arm gebrauchen, das spüren Sie. Nun müssen Sie spüren lernen, was es heißt: die Gedankenkräfte gebrauchen. Wenn Sie Ihre Arme gebrauchen und spüren, so erleben Sie Ihren physischen Leib. Wenn Sie anfangen, in dieser Weise Ihre Gedanken zu gebrauchen, so spüren Sie Ihren zweiten Menschen, Ihren Ätherleib, Ihren Bildekräfteleib. Sobald Sie wirklich das so weit gebracht haben, daß Sie sich nur einen Ruck zu geben brauchen, um überzugehen vom Armbewegungen-Spüren, Beinbewegungen-Spüren zum Spüren der inneren Denkkräfte, in diesem Augenblicke erleben Sie Ihren zweiten Menschen, Ihren Äthermenschen, Ihren Bildekräftemenschen. Aber Sie erleben ihn so, daß er eigentlich ganz aus Gedanken gewoben ist. Und in diesem Augenblick wird Ihnen zugleich Ihr ganzes Erdenleben wie gegenwärtig. Wie in einer einzigen Überschau sehen Sie Ihr ganzes Erdenleben zurück bis in die erste Kindheit hinein.

Was Sie da als den zweiten Menschen erleben, ist eben nicht ein Raumesleib, ist ein Zeitleib. Und man kann, das sagte ich schon in diesen Vorträgen, wenn man den physischen Menschen zeichnet, dann hineinzeichnen diesen Zeitleib. Aber es ist nur eine Phase festgehalten, also so, wie wenn man eine Phase des Blitzes festhält. Dieser Bildekräfteleib lebt nicht im Raume; er lebt nur für einen Augenblick im Raume. Im nächsten Augenblick ist er etwas anderes. Er ist in fortwährendem Fluktuieren, in fortwährender Veränderung. Und diese Veränderung erlebt man als das Lebenstableau.

Aber zu gleicher Zeit damit erlebt man, daß man nun sich als einen Teil des ganzen Universums fühlt, daß man nicht mehr. der Meinung ist, man sei in seiner Haut abgeschlossen, sondern daß man selbstverständlich zu der Meinung kommt, man fluktuiere innerhalb des ganzen Universums, man ist eigentlich nur eine Welle im ätherischen Universum.

Und man bekommt noch andere Anschauungen über diesen zweiten Menschen. Man bekommt noch die Anschauung, daß er fortwährend das Bestreben hat, die physische Materie, die man in sich trägt, in ihr Nichts aufzulösen. Ich habe in diesen Tagen zu einer Anzahl von Ihnen in einem anderen Zusammenhange gesagt: Die physische Materie, der physische Stoff drückt; dasjenige, was im Ätherischen lebt, saugt, bringt das, was den Raum erfüllt, aus dem Raum heraus, saugt alles auf. Und wir leben eigentlich in unserem Erdenleben fortwährend in diesem Wechselspiel. Wir ernähren uns, bringen dadurch in uns physische Materie hinein. Diese physische Materie strömt durch die Ernährung ein Stück in unseren Leib hinein, richtet da allerlei Prozesse, Vorgänge an, die im Sinne dieser physischen Materie orientiert sind. Wenn wir Sauerkohl essen, so benimmt sich der Sauerkohl zunächst so — indem er ein Stück hineingeht in unseren Organismus —, wie er eben nach seinen chemischen und physischen Eigenschaften als Sauerkohl sich benehmen kann. Wenn wir Milch trinken, benimmt sich die Milch nach Milchesart. Aber das wird der Milch und dem Sauerkohl bald ausgetrieben. Da beginnt der Ätherleib seine Tätigkeit und hat das Bestreben, nun das Milchsein und Sauerkohlsein auszulöschen, so daß ein fortwährender Kampf in uns ist zwischen Sauerkohlsein und Milchsein einerseits und dem Ausgelöschtwerden von Sauerkohlsein und Milchsein. Dieser Kampf ist da, und er spielt sich ab. Es zeigt sich das Vorhandensein dieses Kampfes in dem, was der Mensch absondert, und in demjenigen, was als Bildekräfte, als übersinnliche Menschheitsorganisation, nach dem Kopfe hin wandert. Genau ebensoviel, wie wir absondern durch die verschiedenen Absonderungsorgane, verwandelt sich nach der anderen Seite in negative Materie, in negativen Stoff, der als saugendes Prinzip in unserem Nervensystem, insbesondere in unserem Gehirn lebt. Und niemand kann den Menschen kennenlernen, der nur auf den physischen Leib hinschaut, denn da lernt man sozusagen nur von der Peripherie herein ein Stück der Vorgänge kennen, die im menschlichen Organismus sind. Da lernt man ein Stück dieser Vorgänge kennen, die längs des Ernährungstraktes verlaufen. Und dann lernt man erkennen dasjenige Stück, das sich durch Schweiß oder durch Sonstiges absondert. Aber für alles solches Absondernde, das heißt ins Grobmaterielle Verfallende, ist der andere Pol da, das, was sich nach dem Nervensystem als das Ätherische hinzieht. Für alles das, was wir als äußere materielle Substanz absondern, geht in uns Ätherisches hinein. Dieses Ätherische, das wirbelt und wellt und webt in unserem ätherischen oder Bildekräfteleib, der uns in der Weise, wie ich es beschrieben habe, ganz durchsetzt.

Und sich selbst lernt man, wie ich schon angedeutet habe, als diesen zweiten Menschen dadurch kennen, daß man beachtet, wie die Erinnerungskraft, das Erinnerungsvermögen sich verändern kann. Im gewöhnlichen Leben nehmen wir die äußeren Eindrücke wahr. Sie setzen sich nach innen zu fort in den Gedanken, in den Vorstellungen, und stocken dann. Wir können sie wieder hervorrufen. Aber wenn wir sie wieder hervorrufen, dann kommen wir mit unserer inneren Kraft nur bis zu den Nervenendigungen. Wenn wir also das Auge betrachten, wenn wir eine äußere Wahrnehmung machen, so stoßen wir durch die Nervenendigungen des sich im Auge ausbreitenden Sehnervs hindurch bis in die Blutzirkulation des Auges. Dadurch entsteht die Wahrnehmung. Wenn wir uns bloß erinnern, so stoßen wir nur bis zu dem Ende des Nerven im Auge, bis da, wo der Nerv gewissermaßen ausläuft. Wir stoßen nicht durch die Nervenendigungen durch bis ins Blut mit unserem ätherischen oder Bildekräfteleib.

Wenn wir dann das Denken verstärken, dann ist es so, als ob wir nicht bloß jenen Rückstoß erfahren würden, den wir in der gewöhnlichen Erinnerung haben, wo wir erst die Wahrnehmung aufgenommen haben, sie zu Vorstellungen umgebildet haben, die dann in uns stocken, zurückgestoßen werden; sondern wenn wir, gewissermaßen von rückwärts herkommend, noch dasjenige aufnehmen, was ätherisch in der Welt ist, dann stoßen wir mit diesem ätherischen Gedankeninhalt der Welt in unserem Organismus gerade so weit vor, wie wir sonst mit den Erinnerungen, die aber nur Reminiszenzen des Lebens sind, vorstoßen. Dann eignen wir uns eben ein Bewußtsein von dem ätherischen Geschehen in der Welt an, dann leben wir in dem Äthergeschehen der Welt drinnen. Und derjenige Mensch, der sich in dem Äthergeschehen der. Welt erlebt, der erlebt sich, wenn ich das skizzenhaft aufzeichnen soll, so: Da ist das Äthergeschehen der Welt in mannigfaltigster Weise (gelb). Sie müssen es sich konfiguriert denken. Da webt und lebt alles drinnen. Und dann erlebt sich der Mensch in diesem Äthergeschehen. Es wird sonderbar da aussehen, aber es ist so — was ich hier aufzeichne (rot), muß man so auffassen —: die Füße, die Beine bemerkt man kaum. Man erlebt nun das Äthergeschehen so, daß man gewissermaßen an einem Punkte aus diesem Äthergeschehen herauswächst. Man erlebt das Äthergeschehen bis zu seinen Nervenendigungen hin. Das geht durch den Rücken durch und geht bis zu den Nervenendigungen des Vorderleibes, und man ist so der letzte Ausläufer der Ätherwelt. So nimmt sich das gegenüber der gegenwärtig vorhandenen Ätherwelt aus. Man nimmt die Ätherwelt durchaus so wahr, daß, wenn man sich da so hinausgedrängt sieht wie in eine letzte Ecke des Äthergeschehens, das letzte Stück noch in einen hereinragt und bei einem dann dieses Äthergeschehen aufhört. Kurz, man lebt sich auf diese Weise in das Äthergeschehen der Welt ein.

Und es ist wirklich wahr: Es wäre gar nicht so schwierig zu erreichen, wenn die Menschen nur in der gegenwärtigen Zeit die Neigung hätten, sich, wie ich es beschrieben habe, in die Denktätigkeit selbst einzuleben.

Man kommt ja am leichtesten dazu, sich in diese Denktätigkeit selbst einzuleben, wenn man das, was in meiner «Philosophie der Freiheit» enthalten ist, richtig durchlebt. Dort ist zum Beispiel hingewiesen auf dieses Denkerleben für die ethische, für die moralische Welt. Qualitativ ist es dasselbe, was ich da beschrieben habe. Und wenn man in der richtigen Weise die «Philosophie der Freiheit» studiert, so kommt man darauf, was eigentlich dieses Äthererleben, dieses Bildekräfteerleben ist.

Das nächste Erleben kann dann so entstehen, daß man nicht bloß die Denktätigkeit ergreift, sondern daß man die Sprachtätigkeit ergreift, daß man sich zur Anschauung der Sprachtätigkeit erhebt. Hier kann man sogar bei der ganz gewöhnlichen Sprachtätigkeit des alltäglichen Lebens beginnen. Nur muß man es mit der Sprachtätigkeit ebenso weit bringen wie mit der Denktätigkeit. Mit der Denktätigkeit muß man es so weit bringen, daß die Sinne schweigen, daß man nur aktiv im Denken lebt, daß man von den Sinnen nicht beeindruckt wird. Mit der Sprachtätigkeit muß man es dazu bringen, daß man vieles auszusagen hat, daß man nicht Worte-arm, sondern Worte-reich ist, daß man furchtbar vieles zu erzählen hat, aber auch nach Willkür für eine gewisse Zeit der Übung alles verschweigen kann. Ich weiß, daß das für manche Menschen eine äußerst starke Zumutung ist; aber für das Erkennenlernen des dritten Menschen ist das durchaus notwendig. Man muß geradezu verstehen, was das heißt: Man hat alle Vorbereitungen innerlich dazu gemacht, daß einem das Wort aus der Zunge herausfahren sollte; aber man lernt schweigen, aktiv schweigen. Passiv schweigen lernen, wenn man in einem leeren Raum ist — natürlich nicht in einem luftleeren, sondern in einem menschenleeren Raum -, wo man zu niemandem etwas zu sagen hat, bloß passiv schweigen lernen, das hilft nichts, sondern aktiv muß man schweigen lernen.

Nun können Sie sagen: Da wird man ja ein recht langweiliger Kerl werden, wenn man unter den Menschen herumgeht und sich im Schweigen übt, das heißt, sich vor die Menschen hinstellt, und statt daß man ihnen etwas erzählt, sie anschweigt. Nun will ich durchaus nicht leugnen, daß das, so wenig erfreulich es in sozialer Beziehung wäre, sogar in bezug auf das geistige Vorwärtskommen außerordentlich viel Fruchtbares erbringen könnte. Ja, es könnte schon ganz fruchtbare Resultate liefern, wenn zum Beispiel irgendein Mensch in eine Gesellschaft ginge, wo man gewöhnlich nicht schweigt, und wo er auch sonst nicht gewöhnt ist, zu schweigen, und er nun anfängt zu schweigen. Er redet nichts, trotzdem er ungeheuer viel weiß, und eigentlich aus demselben, was er da weiß, früher immer furchtbar viel geschwatzt hat. Ich sage, man könnte das tun; aber man braucht es nicht äußerlich zu tun, und es wird, trotzdem es fruchtbar sein könnte, dennoch wiederum in bezug auf höhere Intentionen nicht allzuviel liefern. Es handelt sich vielmehr darum, daß man den ganzen Vorgang, den ich beschrieben habe, innerlich macht, daß man alle Veranstaltungen zum Reden macht, aber es innerlich nicht zum Reden kommen läßt.

Sie werden besser verstehen, was ich meine, wenn ich Ihnen zum Beispiel sage, daß man ja im gewöhnlichen Leben gar nicht wirklich denkt. Man denkt zum Beispiel über Mathematik, wenn man ein Dreieck in der Weise macht, wie ich es vorhin beschrieben habe; man denkt insbesondere, wenn man solch absonderliche Dinge macht, für die es in der Sprache keine Worte gibt. Aber wenn man nur in den Dingen denkt, die so landläufig unter den Menschen heute leben, so denkt man eigentlich nicht wirklich, denn in diesem Denken vibrieren fortwährend die Sprachorgane mit, wenn auch so leise, daß man es nicht hört. Das Denken der Menschen heute, wo sie so wenig das Denken lieben, dem nichts Äußerlich-Sinnliches entspricht, ist gar kein wirkliches Denken. Es ist nur ein seelisches Weben in Wortschatten. Man prüfe sich nur einmal, und man wird sehen, wie dieses seelische Weben in Wortschatten vorhanden ist. Wenn man nun in der Lage ist, seinen Kehlkopf wirklich auch innerlich vollständig zur Ruhe zu bringen und dennoch die innerliche Tätigkeit in der Seele ausübt, die sonst der Kehlkopfbewegung zugrunde liegt, wenn also die Übung, aus den Worten herauszukommen, eine ganz innerliche bleibt, wenn man mit der Sprachfähigkeit mit anderen Worten dasselbe macht, was man vorher mit der Denktätigkeit gemacht hat, die eine umgewandelte Erinnerungsfähigkeit ist - da stößt man nur bis zu den Nervenendigungen, jetzt übt man die Sprachtätigkeit nur bis zum Kehlkopf aus, gerade bis zu dem Punkte, wo er anfangen will zu sprechen -—, dann bildet sich nach und nach eben dasjenige aus, was ich in der letzten Zeit in den öffentlichen Vorträgen «das tiefe Schweigen der menschlichen Seele» genannt habe. Nämlich, es nicht zum innerlichen Reden kommen zu lassen, heißt, das tiefe Schweigen der Seele ausbilden.

Das tiefe Schweigen der Seele muß man so verstehen: Denken Sie sich, Sie sind in einer Stadt, vielleicht nicht gerade in Basel, sondern in London oder in einer noch tosenderen Stadt. Sie sind im lauten Tosen drinnen. Jetzt entfernen Sie sich von der Stadt. Das Tosen wird schwächer. Sie gehen weiter, und das Tosen wird immer schwächer. Sie kommen vielleicht in die einsame Stille des Waldes. Sie sagen: es ist ganz ruhig innen und außen. Es wird einen Punkt geben, wo die Ruhe Null eintritt, also die Nullruhe eintritt. Erst ist das Geräusch, jetzt wird es ruhiger, nun kommt die Nullruhe. Nun kann das aber weitergehen. Und daß es weitergeht, daß man nicht nur jene Ruhe hat, wo die äußere Welt auch in der Seele schweigt, sondern daß man das tiefe Schweigen bekommt, das kann eben ein Ergebnis dieses Sichenthaltens der Worte sein, trotzdem man all die innere Tätigkeit, die es zu den Worten bringen kann, ausübt, nur nimmt man den physischen Leib nicht in Anspruch. Die einzelnen Übungen habe ich in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» beschrieben. Da merkt man dann, daß es noch etwas mehr gibt als die Nullruhe. Und ich habe in den öffentlichen Vorträgen einen triivialen Vergleich gebraucht, ich habe gesagt: Denken wir, einer habe ein bestimmtes Vermögen. Er gibt davon aus; da hat er weniger. Er gibt weiter aus, da hat er wieder weniger. Endlich hat er Null. Ja, jetzt gibt er weiter aus, da macht er Schulden, da hat er noch weniger als Null. Und so geht es weiter. Die Mathematiker haben ja da die negativen Zahlen eingeführt -6 -4 -2 0 2 4 6 8 usw. So können Sie sich auch vorstellen, daß die Nullruhe übergeht in das Negative, in dasjenige, was stiller als die Stille, ruhiger als die Ruhe ist. Das können Sie in der Seele herstellen.

Dann aber, wenn auf diese Weise die äußere Welt nicht nur schweigt, sondern mehr tut als schweigen, wenn die Reaktion der Seele über die Nullruhe hinausgeht in das Negative des äußeren Tönens und Lautens, dann beginnt aus dem tiefen Schweigen der Seele heraus der Geist zu sprechen, und dann nehmen wir unseren dritten Menschen wahr, den wir dann den astralischen Menschen nennen. Ausdrücke sind gleichgültig, es ist eine Terminologie, man könnte ihn auch anders nennen. Dieser astralische, dieser dritte Mensch, den werden wir gewahr, wenn wir bei dem tiefen Schweigen der Seele ankommen, und aus dem tiefen Schweigen der Seele heraus das andere, das Geistige tönt, was das entgegengesetzte Tönen des physischen Tönens ist. Und dieser astralische Leib führt uns in jeder Beziehung weiter als der bloße ätherische Leib. Um das zu verdeutlichen, lassen Sie mich etwas Kosmisches anführen.

Der heutige physische Forscher oder Astronom, überhaupt der heutige Naturwissenschafter, was tut er? Er erforscht Naturgesetze. Er beobachtet und gewinnt dadurch Naturgesetze; oder aber er experimentiert und gewinnt dadurch Naturgesetze. Jetzt hat er sie, diese Naturgesetze; sie sind seine Wissenschaft, sie geben ihm dasjenige, was in den Dingen liegt. Mehr sollte er eigentlich nicht sagen. Aber jetzt fängt er an, auf seine Naturgesetze stolz und hochmütig zu werden und tut jetzt eine Behauptung, die er eigentlich gar nicht tun könnte, nämlich: daß diese Naturgesetze im ganzen Universum gelten. Er sagt, wenn ich auf der Erde in meinem Laboratorium etwas erforscht habe, und wenn die Bedingungen ebenso hergestellt werden könnten auf den fernsten Sternen des Weltenalls, von denen das Licht so und so viele Lichtjahre braucht, um zur Erde zu kommen — die Menschen geben ja vor, daß sie sich bei diesen Dingen etwas vorstellen können —, so würden, wenn eben dort die Bedingungen ebenso hergestellt werden könnten, die Naturgesetze selbstverständlich dort auch gelten, denn diese Naturgesetze sind eben von absoluter Gültigkeit.

Ja, aber so ist es nicht. Wenn hier eine Lichtquelle ist, so leuchtet sie in der Umgebung zunächst stark. In weiterer Verbreitung ist die Lichtstärke wesentlich geringer; wenn wir noch weiter gehen, noch geringer, und wenn wir ganz weit gehen, wird sie lichtschwach. Es nimmt da die Lichtstärke mit dem Quadrate der Entfernung ab. Das ist so beim Licht. Und das ist kurioserweise auch so auf der Erde bei Naturgesetzen.

Was Sie auf der Erde als Naturgesetze konstatieren, das wird immer ungültiger, je weiter Sie sich von der Erde entfernen. Nicht wahr, es ist ja furchtbar, so etwas auszusprechen, und vor dem geregelten Naturforscher muß man eben ein wirklicher Idiot sein, wenn man so etwas ausspricht, selbstverständlich. Das versteht man ja ganz gut, denn wenn man zu diesen Dingen kommt, so kann man sich sehr leicht in die Seele eines gegenwärtigen Naturforschers hineinversetzen. Nur das Umgekehrte ist nicht der Fall: er kann sich nicht in die Seele des Geistesforschers hineinversetzen. Wie der Naturforscher zu alledem kommt, was er behauptet, das weiß der Geistesforscher sehr gut, nur eben das Umgekehrte ist nicht der Fall. Daher sind auch zumeist die Kritiken über die Geistesforschung, die von naturforscherischer Seite ausgehen, von jener Seite ja vollständig berechtigt; aber sie besagen weiter nichts, als daß sich der Naturforscher bei den Aussagen des Geistesforschers nichts denken kann. Das muß man ihm aber glauben, denn das ist so. Er kann sich eben nichts denken. Er muß eben zuerst ein Geistesforscher werden, wenn man überhaupt mit ihm polemisieren will. Daher ist alles Polemisieren mit demjenigen, der ein Naturforscher bleiben will und sich nichts denken kann bei den Ergebnissen der Geistesforschung, etwas ganz Vergebliches.

Nun, das bezüglich des Lichtes wird ja der Naturforscher zugeben — das ist ja natürlich sein eigenes Resultat —, bezüglich der Naturgesetze wird er es nicht zugeben. Aber schon bezüglich des Lichtes muß der Geistesforscher eine Einschränkung machen. Sehen Sie, der Naturforscher sagt, wenn das Licht da ausstrahlt, so nimmt seine Lichtstärke immer mehr und mehr ab, eben je weiter man hinauskommt, und zuletzt wird es so, daß man die Lichtstärke von der Null nicht mehr unterscheiden kann. Aber sehen Sie, eine solche Behauptung ist genau ebenso gescheit, wie wenn einer sagt: Ich habe hier einen Ball, der ist elastisch; den drücke ich jetzt ein. - Nun, in Wirklichkeit hat der Ball dann das Bestreben, wie Sie wissen, nach der anderen Seite auszuschlagen. Die Elastizität treibt die Oberfläche hin und her. Nun sagt einer: Das kann ja gar nicht sein; wenn ich da überhaupt etwas Elastisches einbiege, so muß das immer weiter und weiter sich biegen; nur wird es zuletzt hier so schwach, daß man es nicht mehr sieht, nicht mehr wahrnehmen kann. — Aber es ist eben nicht so. Das Elastische schnellt wieder zurück. Geradeso ist es mit dem Licht. Das Licht breitet sich ja nicht so aus, daß man sagen kann: da draußen ist es so schwach, daß es schon bald in die Finsternis hineinkommt, aber es breitet sich immer weiter aus. Das ist eben nicht wahr. Es breitet sich nur bis zu einem gewissen Punkte, bis zu einer gewissen Kugelschale aus, und dann schnellt es zurück. Und indem es zurückkommt, sieht es nur der Geistesforscher, nicht der Naturforscher. Denn wenn das Licht seine Elastizität erschöpft hat und zurückschnellt, kommt es als Geist, als Übersinnliches zurück. Da wird es dann vom Naturforscher nicht wahrgenommen. Es strahlt kein Licht aus, das nicht an eine gewisse Grenze kommt, wieder zurückstrahlt und als Geist zurückkommt. Aber dasjenige, was ich Ihnen hier für das Licht sagen möchte, ist auch für die Naturgesetze so. Die Naturgesetze nehmen in bezug auf ihre Gültigkeit ab, je weiter ich da in die Umgebung hinauskommen würde. Aber das geht nur bis zu einer gewissen Kugelschale; dann kommt alles wieder zurück. Dann aber kommen die Naturgesetze als sinnvolle Gedanken zurück. Und das ist der Weltenäther.

Der Weltenäther hat nicht eine radial ausstrahlende Bewegung in bezug auf die Erde, sondern eine hereinkommende Bewegung, eine von allen Seiten herankommende Bewegung. Aber das, was in dieser Einstrahlung auf die Erde lebt, das sind überall sinnschöpferische Gedanken. Eine Gedankenbildekräftewelt ist zugleich der Weltenäther. Aber noch einen Haken hat dieses. Wenn ich hier auf Erden Gedanken so fasse, wie man sie faßt, daß man zu Naturgesetzen kommt, da sind die Gedanken so hübsch eben in Linien gebildet, wenn ich mich figürlich ausdrücken darf, daß man dann sagen kann: es gibt eine gewisse Konstanz des Stoffes, eine Konstanz der Kraft. Es gibt einen Brechungsexponenten der Lichtlehre und so weiter. Man formuliert durch Gedanken dasjenige, was im Materiellen lebt. Wenn die Gedanken aber zurückkommen, wenn man es erlebt, wie die Gedanken im Weltenäther leben, da sind sie nicht solche logischen Gedanken und nicht solche Gedanken mit scharfen Konturen, da sind sie Bildgedanken, Bilder, Imaginationen.

In diesen Dingen erlebt man ja gerade gegenüber dem heutigen Geistesleben ganz merkwürdige Dinge. Ich habe wiederum zu einigen von denen, die hier sitzen, vor einigen Tagen gesagt: Über den Weltenäther sind ja im Laufe der letzten vierzig, fünfzig Jahre Theorien über Theorien oder Hypothesen meinetwillen geformt worden. Der Weltenäther wurde von einigen als starrer Körper, von anderen als flüssiger Körper aufgefaßt, von anderen als Weltengas, als etwas, was in einer Art von wirbelnder Bewegung lebt und so weiter. Aber was geschieht denn da, wenn man solche Hypothesen aufstellt? Wenn man solche Hypothesen aufstellt, dann fährt man eben mit dem Denken so fort, wie man dieses Denken gewöhnt worden ist an den sichtbaren Naturwesen und Naturvorgängen. Aber das, was einem da zurückkommt, das hat ja längst aufgehört in solche Gedanken sich fassen zu lassen, welche die Naturgesetze formulieren. Was da zurückkommt, ergreift man nur, wenn man anfängt, in Bildern zu denken, imaginativ zu denken. Man möchte sagen: Der Inhalt, die Formulierung unserer Naturgesetze nimmt mit dem Quadrat der Entfernung an Gültigkeit ab, bis zu einer gewissen Kugelschale hin. Dann haben die Naturgesetze überhaupt aufgehört zu sein. Da verwaschen sie sich alle ineinander, da verschwimmen sie ineinander, und da kommen sie wiederum zurück, aber jetzt als Bilder; in Formungen, in Gestaltungen kommen sie zurück.

Und nun schaut man, wenn man eben in solche Lage des Schauens gekommen ist, wie ich es vorhin beschrieben habe, die Welt ätherisch an, das heißt in Bildform, und man muß sich das Geständnis machen: Jetzt siehst du für die Weile, während du in diesem Ätherischen lebst, nichts von deinem physischen Leib, aber es ist dir auch das Denken verdunstet, das du in der gewöhnlichen Welt anwendest. Jetzt ist es so, wie wenn das Universum überall zurückstrahlte, Bilder schickte, Imaginationen schickte. So daß man anfängt, das logische Denken in plastisch-malerisches Denken überzuführen, wenn man den Äther begreifen will. Daher wird es ganz selbstverständlich, daß der Äther nicht begriffen werden konnte von allen den Hypothesen, die ihre Rechnungen von dem Standpunkte hier anstellten; denn bis dahin, wo der Äther ausstrahlt, haben alle Rechnungen und all das Zeug, das man über die physischen Naturerscheinungen macht, ihre Bedeutung verloren. Da findet gar nicht das Ausstrahlen mehr statt, sondern das Hereinkommen, und da kommt nicht dieses Denken herein, das man hier im gewöhnlichen Bewußtsein anwendet, sondern da kommt ein Denken herein, das im Grunde genommen nur in der Kunst lebt, aber in der Kunst auch nur eben in irdischer Weise.

So paradox das ist, was ich Ihnen jetzt sagen muß, es ist Wahrheit einfach für denjenigen, der die Welt durchschaut. Denken Sie sich, ich mache eine Holzplastik, und mache diese Holzplastik in der Form, in der Gestaltung eines Menschen; also meinetwillen einen Menschen forme ich. Ich mache diese Holzplastik in der Form, in der Gestaltung eben recht menschenähnlich. Sagen wir, es gelingt mir wirklich, die äußere Formung so zu bekommen, wie die äußere Formung des Menschen ist. Nur das eine bringe ich als Plastiker nicht zustande: daß der Raum ausgesaugt wird. Ich bringe als Plastiker es nur zustande, die physische Materie zu bemeistern. Könnte ich an der Stelle des Raumes, wo ich diese Holzplastik mache, auch die Äthergesetze des Weltenalls in Tätigkeit bringen, das heißt würde dieses tiefe Schweigen äußerlich eintreten, würde die negative Ruhe, nicht bloß die Nullruhe da sein, würde nicht bloß Raum da sein, sondern etwas, wo auch noch der Raum heraus ist, dann würde zwar aus meiner Holzplastik nicht der Mensch entstehen, aber etwas Pflanzenähnliches. Die Holzplastik bleibt nur eine Plastik, weil eben nur mit dem Physischen gerechnet wird, also bloß der Abdruck der Form gemacht wird, weil nicht auch dasjenige, was der Form eigentlich eigentümlich wäre, gemacht wird, das Aussaugen des Raumes. Das kann eben nicht geschehen, sonst würde meine Holzplastik ein wachsendes Gebilde sein. So müssen Sie sich klar sein darüber, daß Sie mit einem gewöhnlichen künstlerischen Denken, mit einem gewöhnlichen künstlerischen Empfinden allerdings nicht an die Ätherwelt herankommen, weil dieses Herankommen an die Ätherwelt etwas ist, wo man nicht nur in den Raum etwas hineinschaut, sondern wo man den Raum ergreift, so daß der Äther den Raum leer macht. Und dann erlebt man das Lebendige in diesem ausgesaugten Raume, oder eigentlich besser gesagt, in dem Aussaugen des Raumes. Es muß eben ein ganz anderes Denken eintreten, wenn man zu diesen höheren Welten hinaufkommen will.

Und dann, wenn man das andere noch erlebt hat, was ich Ihnen gesagt habe, das tiefe Schweigen der Seele, dann tritt noch etwas anderes ein. Da erleben Sie, wie die Gestaltungen, die Äthergestaltungen aus dem Weltenall an Sie herankommen. Aber zu gleicher Zeit erleben Sie in den Äthergestaltungen empfindende Geistwesen. Es kommen jetzt nicht nur Äthergestaltungen, sondern wirkliche Geistwesen der sogenannten höheren Hierarchien an Sie heran. Sie erleben als Geist unter Geistern. Sie erleben eine wirkliche geistige Welt. Die kommt mit diesem Rückstrahlen heran; überall wo die Äthergestaltungen an uns herankommen, erscheint die geistige Welt. Das Physische ist hinausgegangen, kommt in Äthergestaltungen zurück. Mit den Äthergestaltungen können aber jetzt Geistwesen zurückkommen. Nur, wenn Sie sich jetzt fragen: Wo kommen denn die her — da hat das «Wo» keine räumliche Bedeutung mehr. Die räumliche Bedeutung haben Sie dadurch, daß sie von der Peripherie des Weltenalls herkommen, sie kommen von allen Seiten des Weltenalls her, weil sie im Weltenäther sich tragen lassen. Der Weltenäther gibt ihnen ein räumliches «Wo»; dieses räumliche «Wo» ist nun aber ein Von-außenHerankommen.

Diese zwei Substantialitäten, die ich auf diese Weise in der Welt entdecke, das Bildekraftmäßige, das mir in Äthergestaltungen entgegenkommt und mich überflutet, und dasjenige, was in dem als Geist-Wesenhaftes lebt, die eignet sich der Mensch an, indem er aus dem vorirdischen Leben in das irdische Leben heruntersteigt und sich ausfüllt mit etwas, was er nun in sich zusammenhält mit einem Teil der unendlichen Bildekraftwelt - unendlich im relativen Sinne, . nämlich nur so weit, als das Universum reicht — und angefüllt selbst mit dem astralischen Leib, mit demjenigen, was da hereinkommt, und was ein «Wo» nur durch den Äther hat.

Wir tragen in uns den physischen Leib, der aus den physischen Ingredienzien der Erde besteht. Wir tragen in uns den Ätherleib, der eigentlich uns zukommt aus den Weiten des Kosmos, und wir tragen innerhalb dieses Ätherleibs den Astralleib, der Geist aus dem Geist des Kosmos ist. Wir grenzen dasjenige, was unbestimmt, grenzenlos erscheint für das Universum, in uns ab.

Und wenn wir nun noch höhere Übungen machen, wo wir nicht bloß bis zum tiefen Schweigen der Seele kommen, sondern wenn wir dieses tiefe Schweigen noch durchdringen und in unserem eigenen Wollen aufwachen, wie wir sonst nur im Denken, im Vorstellen aufwachen, dann erleben wir unsere vierte Menschlichkeit, unser Ich. Und von diesem Erleben des Ich will ich dann morgen um dieselbe Zeit zu Ihnen sprechen.

German original of The Inner Experience of the Activity of Thinking · ← Previous · Next →