The Spiritual Development of Man

GA 84 — 22 April 1923, Dornach

Die Menschliche Erkenntnisfähigkeit in der Ätherischen Welt

In diesen letzten Tagen versuchte ich den Menschen hineinzustellen in das ganze Universum, so daß man auf der einen Seite die Gliederung des Menschen erkennt nach dem physischen Leib, dem ätherischen oder Bildekräfteleib, dem astralischen Leib und dem eigentlichen Ich, das von Erdenleben zu Erdenleben geht. Zugleich aber versuchte ich darauf hinzuweisen, wie die Glieder der menschlichen Wesenheit, jedes in anderer Weise, zusammenhängen mit dem Universum. So kann man sagen, hängt der physische Leib des Menschen zusammen mit alledem, was physisch-sinnliche irdische Welt ist. Dieser physische Leib des Menschen gehört also der physisch-sinnlichen Welt an. Wollen wir aber an den ätherischen oder Bildekräfteleib herangehen, dann müssen wir uns bewußt sein, daß dieser eigentlich einer ganz andersartigen Welt angehört, daß er derjenigen Welt angehört, die selbst ätherisch ist, und von der ich Ihnen gesagt habe, daß eigentlich der Mensch sie empfinden muß als aus den Weiten des Kosmos an sich herankommend. Wenn man also sich etwa vorstellt: Die Kräfte der Erde verbreiten sich von der Erde aus nach allen Seiten, und der Mensch lebt innerhalb dieser Kräfte, die die Kräfte der physischen Welt sind, dann müssen wir uns vorstellen, daß die ätherische Welt von allen Seiten, von der ganzen Kugelschale des Weltalls, des Kosmos ausgeht und gegen die physischen Kräfte, diesen also entgegenkommend, an den Menschen herantritt. Dadurch ist der Ätherleib des Menschen ja ganz anderen Gesetzmäßigkeiten unterworfen als der physische Leib. Und wiederum, wenn wir an den astralischen Leib des Menschen herangehen, dann finden wir diesen zusammenhängend mit Welten, die wir nun überhaupt in jenem Kosmos nicht antreffen, der im Physischen, der im Ätherischen beschlossen ist, in dem wir leben zwischen Geburt und Tod, sondern wir finden, daß wir mit unserem astralischen Leibe einer Welt angehören, die wir betreten zwischen dem Tode und einer neuen Geburt.

Und endlich mit dem Ich selbst gehört man einer Welt an, welche wie eine Strömung durch Welten durchgeht, die, wie zum Beispiel unsere Welt, wiederum dreigliedrig sind. Unsere Welt ist dreigliedrig: physisch, ätherisch, astralisch. Die Welt des Ich geht durch diese Welt hindurch und durch andere ähnliche dreigliedrige Welten. Sie ist also eine viel umfassendere Welt. Sie ist eine Welt, die wir überhaupt bezeichnen müssen als die Welt des Ewigen gegenüber dem Zeitlichen.

Nun ist sie aber außerdem so, daß wir, wenn wir an diejenigen Wahrnehmungs- und Erkenntnisfähigkeiten des Menschen herantreten, welche uns bekanntmachen mit dem ätherischen oder Bildekräfteleib, dem astralischen Leib und dem Ich, daß wir dann eigentlich immer ganz andere Welten betreten. Wir müssen in die Sphäre des aktiven Denkens, des erlebten Denkens übertreten, wenn wir an unseren Ätherleib herankommen wollen. Wir müssen uns nur vorstellen, wie ja dann alles, was um uns als Welt ist, anders ist, als solange wir innerhalb der physisch-sinnlichen Welt sind. Vor allem nehmen sich die Dinge und Vorgänge, mit denen wir aus der physischen Welt bekannt sind, ganz anders aus in diesen höheren Welten. Wir haben ja nur die letzten Wirkungen an den Dingen und an den physischen Vorgängen in der physischen Welt um uns. Diese Dinge und diese Wirkungen sind aber in den höheren Welten begründet. Wir sehen also dann gewissermaßen dasjenige, was ursprünglicher ist von diesen Dingen, als das, was uns in der physischen Welt vorliegt. Aber abgesehen davon: Wenn wir in der physischen Welt sind, so haben wir ja zunächst jene Welt, die dem gewöhnlichen Bewußtsein gut bekannt ist, die Welt, in der der Mensch umgeben ist von den drei Naturreichen und von seinem eigenen Reiche; wenn wir aber aufsteigen zu denjenigen Erkenntniskräften — ich habe sie in meinen Büchern die imaginative Erkenntnis genannt —, durch die wir gewahrwerden unseren eigenen ÄÄther- oder Bildekräfteleib, dann betreten wir eben die ätherische Welt. Und wenn wir uns so weit erkraftet haben, wenn wir uns innerlich so durchleuchtet haben, und uns gewissermaßen in dem zweiten Menschen, in dem Bildekräfteleib erleben, dann treten wir auch ein in die Welt, die sich uns wenigstens zunächst in ihren Bildern offenbart, in die Welt der Angeloi, Archangeloi, Archai.

Es ist so, daß, wenn man gewissermaßen durchbricht in diejenige Weltsphäre, in der der Ätherleib oder Bildekräfteleib für uns ansichtig wird, dann innerhalb der flutenden Bilderwelt, in die man da eintritt, die Offenbarungen jener Wesenheiten erscheinen, die der dritten Hierarchie angehören: Angeloi, Archangeloi, Archai. Wir sind also da von Wesenheiten umgeben, die in der physisch-sinnlichen Welt nicht um uns sind. Die Art, wie wir von diesen Wesenheiten umgeben sind, ist eine solche, daß sie uns erscheint in den Qualitäten, möchte ich sagen, die auch hier in der Sinneswelt durch unsere Sinne uns gegeben sind.

Aber hier in der Sinneswelt sind zum Beispiel die Farben so, daß sie über die Oberfläche der Dinge hingebreitet sind oder daß sie uns in einer bloß physischen Konfiguration, wie zum Beispiel am Regenbogen, erscheinen. Es sind ‚die Töne so, daß sie für uns zusammenhängend erscheinen mit diesen oder jenen Dingen der physisch-sinnlichen Welt. Es sind auch Wärme und Kälte zum Beispiel so, daß sie ‘von diesen oder jenen Dingen der physisch-sinnlichen Welt ausgehen. Betrachten wir diese Welt, in der uns die dritte Hierarchie erscheint, dann haben wir nicht an den Dingen haftende Farben, nicht von den Dingen her klingende Töne und so weiter, sondern wir haben, man kann nicht einmal sagen, durch den Raum, sondern in der Zeit flutende Farben, flutende Töne, vibrierendes Warmes und Kaltes. Das ist nicht über die Oberfläche der Dinge hingespannt; was farbig ist, sondern das fluktuiert, das wellt. Nur weiß man einfach durch diejenigen Kräfte, durch die man sich in diese Welten versetzt hat, daß ebenso, wie man in der physischen Welt hinter dem Farbigen etwas Materielles vermutet, daß, wenn man irgendeine flutende Farbenwolke, einen flutenden, man kann schon sagen, Farbenorganismus in dieser Welt erblickt, darinnen ein Geistig-Seelisches waltet und webt, das zur dritten Hierarchie gehört. In dem Augenblicke also, wo dem Menschen jenes Lebenstableau erscheint, von dem ich gesprochen habe, das anschaulich zeigt, wie in einem Momente überschaubar, was wir durchlebt haben seit unserer Geburt, in diesem Augenblick lebt auch in dieser Strömung unserer eigenen Lebensereignisse drinnen dasjenige, von dem man sagen kann: Innerhalb der von der Materie freigewordenen flutenden Farben-, Tonwelt und so weiter, lebt nun die dritte Hierarchie.

Wenn wir uns dann durch die Kraft unseres Erkenntnisvermögens aufschwingen dazu, unseren eigenen astralischen Leib zu überblicken, also das, was von uns vorhanden war, ehe wir zum Erdendasein heruntergestiegen sind, was wir wiederum an uns tragen werden, wenn wir durch die Pforte des Todes geschritten sind, dann wissen wir: das ist eine weitere Welt, aber eine Welt, die wir auch nicht im Äther des Kosmos finden, die hinter dem Tor der Geburt und des Todes liegt. Es ist eine weitere Welt, die wir da betreten. Es ist die Welt des Astralischen.

Die Dinge fallen nicht genau zusammen mit dem, was ich in meiner «Theosophie» beschrieben habe; da ist die Sache von einem anderen Gesichtspunkte aus charakterisiert. Aber ebenso, wie wir die dritte Hierarchie treffen, wenn wir uns zu unserem Bildekräfteleib hinauf organisieren, ebenso treffen wir in dieser Welt, in der für uns ansichtig wird unser eigener astralischer Leib, die zweite Hierarchie: Exusiai, Kyriotetes, Dynamis. Und diese zweite Hierarchie erscheint uns jetzt für den wirklichen Anblick nicht in flutenden Farben, in flutenden Tönen, sondern sie erscheint uns so, daß sie uns einzelne Bedeutungen innerhalb des die Welt durchwellenden Logos verkündet und offenbart. Sie spricht zu uns.

Will man andeuten, wie man sich zu diesen Welten verhalten kann nach Erlangung der entsprechenden Erkenntniskräfte, will man das so andeuten, daß man Worte, an die man gewöhnt ist, zu diesen Andeutungen verwendet, Worte, die natürlich dann nicht mehr ihre ursprüngliche Bedeutung für die Sinneswelt haben, aber aus denen man doch etwas entnehmen kann für dieses Verhältnis zu den höheren Welten, so muß man sagen: Für die Ätherwelt wird das innerlich lebendige Denken eine Art Tastorgan. Mit dem innerlich lebendigen Denken berühren wir diese flutende Farbenwelt und so weiter. Wir dürfen uns nicht vorstellen, daß das so ist, daß wir das Rot so ähnlich sehen, wie wir das Rot der Sinne sehen, das über die Dinge hingespannt ist, gewissermaßen mit einem Auge sehen, sondern wir spüren, berühren Rot und Gelb und so weiter. Wir berühren die Töne. So daß wir sagen können: In der Ätherwelt ist das lebendige Denken Berührung dessen, was in der Welt der dritten Hierarchie lebt.

Kommen wir dann in die Welt hinein, der unser eigener astralischer Leib gewissermaßen angehört, so können wir nicht mehr von dieser astralischen Welt sagen, daß wir sie nur berühren, sondern wir müssen sagen: Diese Welt verstehen wir als Offenbarung der Wesen der zweiten Hierarchie. Jede einzelne Äußerung verstehen wir als ein Glied, als einen Teil des Weltenlogos. Durch das tiefe Schweigen kommt die Sprache der Geistwesen. Also nach der Berührung die Sprache, die Mitteilung.

Und wenn wir uns in der Art, wie ich das gestern angedeutet habe, hindurchringen zum Erleben des Ich, das von Erdenleben zu Erdenleben geht, und dazwischen die anderen Leben durchmacht zwischen dem Tode und einer neuen Geburt jeweilig, dann betreten wir eine Welt, die die eigentliche Geistwelt ist, die höhere Geistwelt. In dieser Welt ist es ja zunächst so, daß wir in ein ganz besonderes Verhältnis zu unserem wahren Ich kommen. Dasjenige Ich, das wir hier erleben innerlich im Erdendasein zwischen Geburt und Tod, das ist ja an die physische Leiblichkeit gebunden. Das ist wahrnehmbar für uns, solange wir uns in der physischen Leiblichkeit erleben, und wir werden in einer gewissen Weise zur Selbstlosigkeit gezwungen, wenn wir aufsteigen in die Ätherwelt, in die astralische Welt. Da haben wir höchstens etwas wie eine Erinnerung dieses Erden-Ichs.

Aber wir finden dann das wahre Ich in der angedeuteten Weise, wie es von Erdenleben zu Erdenleben geht. Wir finden dieses wahre Ich so, daß es uns zunächst vorkommt wie ein ganz anderes Wesen. Wir sagen uns: Hier stehe ich innerhalb dieses Lebens zwischen Geburt und Tod im irdischen Dasein. Ich blicke zurück durch das Stück Ätherwelt, das mir erscheint, bis zu meiner Erdengeburt hin. Dann blicke ich weiter durch in Welten, in weite Gefilde, die eigentlich nur zettliches Dasein haben, wo vom Raume zu sprechen im Grunde genommen ein Unding ist; aber es erscheint mir wie eine weite Perspektive die Welt mit all ihrem Inhalt, wie sie um uns herum lebt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Indem ich durch den Äther hindurchschaue, durch die Welt der dritten Hierarchie, indem ich durch das Astralische hindurchschaue, in dem ich war zwischen dem Tode und einer neuen Geburt wie in einer in der Offenbarung des Logos lebenden, wie sich selbst durch die Weltensprache offenbarenden übersinnlichen Welt, indem ich durch das alles hindurchschaue, schaue ich endlich hin zu einem zunächst weit von mir entfernten Wesen, zu demjenigen, was mein Lebensinhalt im vorigen Erdenleben war. Da erscheint mir zunächst die Sache so, daß ich mir sage: Ich stehe eben hier im irdischen Leben mit meinem jetzigen gespensterartigen Ich, und dann sehe ich weit zurück durch alles das hindurch, was ich eben bezeichnet habe, auf den Inhalt meines vorigen Erdenlebens. Aber ich schaue zugleich, wie der als sich loswindendes Ich durchgegangen war durch die Welten, durch die ich wie perspektivisch hindurchgeschaut habe, bis in mein gegenwärtiges Erdenleben herein. Ich schaue zunächst wirklich mein lebendes wahres Ich wie ein fremdes fernes Wesen. Und ich erkenne mich wieder in diesem mir zunächst erscheinenden gleichsam fremden Wesen.

In diesem Satze müßte eigentlich jedes Wort ganz intensiv genommen werden, denn jedes einzelne Wort hat in diesem Satze eine ganz besondere Wichtigkeit. Zu dem ganzen Erleben gehört es, daß man sich aus der Wahrnehmung des eigenen Ich wie eines zunächst Fremden durchringt dazu, daß man sich sagt: Das, was dir da zunächst als Fremdes erschienen war, das bist du ja selbst. Dir ist es so erschienen, als ob in ferner Vergangenheit ein anderes Wesen gelebt hätte, aber du bist es ja selbst.

Und dann wird man gewahr, wie dieses Selbst eben hergeströmt ist vom vorigen Erdendasein in dieses Erdenleben herein, wie es aber jetzt gewissermaßen in diesem Erdenleben zugedeckt ist, und nur erscheinen würde, wenn all die Ereignisse, die zwischen dem Einschlafen und Aufwachen vorkommen, vor die Menschenseele hintreten würden. Da drinnen webt und lebt weiter dasjenige, was aus dem vorigen Erdenleben, durch Astral- und Ätherwelt durchströmend, bis zu uns gelangt ist.

Sehen Sie, es liegt eine Welt von irdischen Widersprüchen und himmlischen Einklängen in diesem Sichdurchringen: Irdische Widersprüche so, daß man durch alles dasjenige, was man zunächst für das alltägliche Leben hier auf Erden hat, im Grunde genommen an dieses eigene wahre Ich nicht herangelangen kann. In diesem Erden-Ich lebt eigentlich nur das erste Rudiment der Liebe. Und schon dadurch ist dem Leben auf Erden ein Glanz verliehen, daß die Kraft der Liebe in dieses irdische Leben hereinstrahlt. Aber diese Liebe muß gesteigert werden. Diese Liebe muß so gesteigert werden, daß der Mensch fähig wird, durch die Steigerung der Liebe die Ätherwelt und die Astralwelt wahrzunehmen, und damit eigentlich dasjenige, was als sein Ich, als der Egoismus, als das Gegenteil der Liebe in ihm lebt, was im Leben als das Gegenteil der Liebe ihm die Möglichkeit gibt, als eigenes Ich sich zu empfinden innerhalb des Erdenlebens, das zu überwinden. Die Liebe muß so stark werden, daß man lernt, dieses Ich der Erde zu übersehen, es zu vergessen, nicht mehr achtend auf es hinzuschauen. Liebe ist das Aufgehen des eigenen Wesens in dem anderen. Das muß so stark sein, daß man des eigenen Ichs, wie es im irdischen Leibe lebt, nicht mehr achtet. Dann tritt der Widerspruch auf, daß man gerade durch Selbstlosigkeit, durch höchste Liebefähigkeit an das eigene wahre Ich herandringt, das in der Ferne der Zeiten dann uns entgegenleuchtet.

Man muß schon sein Erden-Ich verlieren, um sein wirkliches wahres Ich in der Anschauung zu bekommen. Und derjenige, der nicht diese Hingabe entwickeln würde, der kann eben an dieses wahre Ich nicht herankommen. Man möchte sagen: Das wahre Ich will nicht gesucht sein, wenn es erscheinen soll, wenn es sich offenbaren soll; und es verbirgt sich, wenn es gesucht wird. Denn es wird nur in der Liebe gefunden. Und Liebe ist Hingabe des eigenen Wesens an das fremde Wesen. Daher muß das wahre Ich wie ein fremdes Wesen gefunden werden.

Und in demselben Augenblicke, in dem man eintritt in dieses Ansichtigwerden des eigenen wahren Ichs, wird man zugleich ansichtig dessen, was nunmehr in einer weiteren Welt lebt, in der eigentlichen Geistwelt. Man trifft zusammen mit den Wesen der ersten Hierarchie: Seraphime, Cherubime, Throne.

Und geradeso, wie man da sein Ich wiederfindet, von dem man eigentlich nur einen Abglanz hier im irdischen Leben hat, so findet man für die ganze Welt der irdischen Umgebung deren wahre Geistgestalt. Man muß auch diese irdische Welt verlieren für diese Erkenntnis, um deren wahre Ursprungswelt zugleich mit unserem wahren Ich zu finden.

So daß man sagen kann: Was sich in der Geistwelt offenbart, ist Wiedererkennen, Berührung, Sprache, Wiedererkennen, aber Wiedererkennen von etwas, das man eigentlich vorher nur im Abglanz, im Abbild kennengelernt hat.

So lebt man sich, indem man den eigenen Menschen erlebt, mit der Erkenntnis des eigenen Menschen in die Totalität des Universums hinein. Und vollständig dargestellt ist diese Gliederung des Menschen im physischen Leib, Ätherleib, astralischen Leib und Ich eigentlich nur dann, wenn man zugleich schildert, wie diese einzelnen Glieder der Menschennatur mit den entsprechenden Welten des Universums zusammenhängen.

Das, was ich eben jetzt dargestellt habe, das muß gut verstanden und durchschaut werden, wenn man auf dasjenige kommen will, was da zugrunde liegt, wenn man überhaupt an die Aufzählung dieser vier Glieder der menschlichen Natur herantritt. Das ist schon durchaus einer derjenigen Punkte, wo sich recht deutlich zeigt, daß der Mensch nicht nur anderes denken muß, wenn er zur Wahrheit der geistigen Welt aufsteigen will, sondern daß er in anderer Art denken muß. Er muß das ganze Denken, das eigentlich nur ein Bildhaft-Totes ist innerhalb der bloß sinnlich-physischen Anschauung, in ein Lebendiges überführen.

Und da kann man aus der Kultur der Gegenwart, aus dem Geistesleben der Gegenwart etwas ganz Besonderes erleben, was einem zeigt, welche Hindernisse zu überwinden sind, wenn Anthroposophie in die Seele der Menschen einziehen soll.

Als meine «Geheimwissenschaft» erschienen war, da machte sich ein vielgenannter Philosoph der Gegenwart über diese Geheimwissenschaft her. Nun, dieser Philosoph der Gegenwart las zunächst das Kapitel, wo von der Gliederung der menschlichen Natur in physischen Leib, ätherischen Leib, astralischen Leib, Ich und so weiter die Rede ist. Diese «Geheimwissenschaft» haben auch viele naive Menschen gelesen, die aber gesunden Menschenverstand haben. Die konnten sich dabei doch etwas vorstellen, weil die Dinge immer mit dem gesunden Menschenverstand zu verfolgen sind, geradeso wie man ein Bild verstehen kann, auch wenn man kein Maler ist. Aber bei gar manchem, der in der Gegenwart eben ein vielgenannter Philosoph ist, hapert es wesentlich mehr mit dem Verstehen als bei dem naiven Menschenkind. Denn dieser vielgenannte Philosoph, der las nun: physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib, Ich — ja, merkwürdig, was soll ich daraus machen? Was ist das alles? Physischer Leib, selbstverständlich; Ätherleib — nun ja, das kann ja sein; was im physischen Leib dichte Materie ist, das kann ja feinere Materie sein, aber es ist doch Materie. Also ist das doch ein willkürlicher Trennungsstrich zwischen dem physischen Leib und dem Ätherleib. Astralleib - man weiß etwas, sagte sich dieser vielgenannte Philosoph, von einer Seele, aber Astralleib? In der Seele ist Denken, Fühlen und Wollen. Das sind Funktionen des physischen Leibes. Hat man den physischen Leib begriffen, so hat man ja auch Denken, Fühlen und Wollen damit erfaßt. Und Ich — das ist ja nur die Zusammenfassung von alledem.

Und nun, sehen Sie, wie formulierte sich jetzt der kritische Gedanke dieses vielgenannten Philosophen? So formierte er sich: Er betrachtete dasjenige, was er da in der «Geheimwissenschaft» vor sich hatte, so wie man ungefähr auch einen Sessel betrachtet, und er sagte sich: Man kann ja auch den Sessel einteilen in die Beine, in den Sitz und in die Lehne, erster, zweiter, dritter Teil. So, glaubte er, kann ich nun auch den Menschen einteilen, wie man einen Sessel einteilt. Nun, da fand er: Das ist ja ganz schön zur Übersicht des Menschen, aber damit ist ja nichts besonders Neues gesagt — weil er eben meinte, wenn man den Menschen in diese vier Glieder einteile, dann sei es so, wie man einen Sessel einteilt.

Sehen Sie, in der Naturforschung ginge ja die Sache schon besser. Da könnte man nicht mehr so von bloßen Einteilungen sprechen. Denn wenn man Wasser hat, so zerlegt der Chemiker dieses Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff, (H_2O); der Naturforscher wird es nicht gelten lassen, daß man das Wasser bloß abstrakt in zwei Teile einteilt, in Wasserstoff und Sauerstoff. Das kann er nicht gelten lassen, denn er weiß, der Wasserstoff braucht nicht bloß an den Sauerstoff gebunden zu sein, wie im Wasser, sondern er kann an etwas ganz anderes, zum Beispiel wie in der Salzsäure, an das Chlor gebunden sein. Also der Wasserstoff, der im Wasser ist, ist nicht nur ein Stückchen, ein Teil von dem Wasser, sondern, wenn er aus dem Wasser heraußen ist, kann er ganz andere Verbindungen eingehen. Und wiederum der Sauerstoff, wenn er aus dem Wasser heraußen ist, kann ganz andere Verbindungen eingehen, kann an ganz andere Stoffe gebunden sein, zum Beispiel an das Kalzium im Kalk. Also, es kann der Wasserstoff fortgehen und mit Chlor zusammen Salzsäure werden, der Sauerstoff kann fortgehen, mit dem Kalzium zusammen Kalk werden. Da geht es nicht, daß man sagt, du hast das Wasser bloß abstrakt einzuteilen wie einen Sessel.

Mit dem Menschen steht man auf einer noch höheren Stufe. Da hat man es nicht mit einer bloßen Einteilung zu tun, mit physischem Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich, sondern da muß man sagen: Dasjenige, was des Menschen physischer Leib ist, das gehört zur Erde. Und wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geht und zurückläßt seinen physischen Leichnam, dann geht der physische Leib zur Erde, der Ätherleib aber steigt zum Äther auf. Der astralische Leib aber geht von beiden weg in diejenigen Welten, wo die zweite Hierarchie drinnen ist. Und das Ich gehört wieder einer anderen Welt an, der Welt, in der die erste Hierarchie drinnen ist. Diese vier Glieder sind nicht Einteilungsglieder, diese vier Glieder gehören ganz verschiedenen Sphären des Weltenalls an. Mit der Einteilung ist zugleich auf das Wesen des Menschen hingewiesen. Da ist das auf einer weit höheren Stufe vorhanden, als dasjenige, was man schon auf dem Wege vom Sessel zum Wasser suchen muß.

Aber da ist nun natürlich innerhalb unserer gegenwärtigen Geistesentwickelung wiederum ein bedeutsames Hemmnis geschaffen, denn der vielgenannte Philosoph könnte lernen, schon bei der Chemie, daß man nicht immer nur von abstrakten Einteilungen zu reden hat, daß man das wohl beim Sessel tun kann, nicht aber beim Wasser. Aber die Philosophie des sogenannten Philosophen reichte eben nicht vom Sessel bis zum Wasser. Sie reichte nicht von der Auffassung der Lebenstrivialitäten, die nur in abstrakte Begriffe gebracht werden, bis in die Naturwissenschaft hinein. Und die Naturwissenschaft auf der andern Seite reicht wiederum nicht in die Philosophie herein. So daß der Chemiker heute überhaupt nicht nachdenkt über solche Dinge.

Also in der Philosophie, die man von diesem Gesichtspunkte aus auch eine Sessel-Lehre nennen könnte, in dieser Philosophie herrscht noch nicht naturwissenschaftliches Denken. In der Chemie, in der Naturwissenschaft, da herrscht wiederum keine Philosophie. So sind die Bedingungen gar nicht vorhanden, gerade innerhalb der Gelehrtenwelt nicht vorhanden, um an die tiefere innere Wahrheit des Universums in seinem Zusammenhange mit dem Menschen heranzukommen.

Jener Mann, der sich kritisch so an die Sache herangemacht hat, hat mir ja auch den Aufsatz zunächst im Manuskript geschickt. Aber was soll man denn anfangen mit so etwas? Man kann mit so jemandem ja nicht diskutieren; ihm fehlen ja die allerersten Vorbedingungen. Ich habe ihn liegen lassen, den Aufsatz. Dann habe ich ihn wiedergefunden, eben gedruckt mit all den Fehlern, mit all dem Unsinn eigentlich, der da in dieser Sessel-Philosophie enthalten war. Das sind eben solche Schicksals-Tücken der Anthroposophie auf ihrem Wege. Und gesehen werden muß, wie die Lage ist zwischen der Anthroposophie und dem, was oftmals kritisch sich über sie hermacht. Es ist gerade auf dieser Seite zunächst nicht die geringste Möglichkeit des Verstehens vorhanden.

Und dieser, unter Philosophen heute vielgenannte Philosoph, gibt sogar gewisse Dinge zu, die so mehr an die gewöhnlichen Vorstellungen der heutigen Zivilisation erinnern. So zum Beispiel gibt er zu, daß es einstmals eine Atlantis gegeben hat, einen Kontinent zwischen Europa und Amerika, und daß da die alten Atlantier, daß da eine Vormenschheit gelebt hat. Nun findet sich in jenem Aufsatze von ihm die Hypothese — nicht genau mit denselben Worten ausgedrückt -: Wie kommt denn jemand dazu, heute noch, wo es nun doch eine ordentliche Physiologie, eine ordentliche Psychologie gibt, den Menschen so einzuteilen? — Natürlich teilt man ihn in der Anthroposophie nicht wie einen Sessel ein, aber er glaubt das. Das entstand für diesen in seiner Art ja ganz gewissenhaften Philosophen als eine Rätselfrage: Wie kommt einer dazu, solch eine Einteilung zu machen? Das ist ja etwas so Primitives gegenüber dem, was der heutige Philosoph hat! -— Nun, der heutige Philosoph hat zwar nicht gerade besonders viel vom Gesichtspunkt der Wahrheit, aber er denkt, er habe ganz besonders viel. Ich habe vor zwei Tagen den verehrten Besuchern des Lehrerkurses einmal vorgeführt, wie man eigentlich das, was heute als sogenannte Psychoanalyse auftritt, aufzufassen hat.

Diese Psychoanalyse, ich möchte das auch hier wiederholen, hat nämlich das Eigentümliche, daß sie auf der einen Seite aus einer dilettantischen Physiologie hervorgeht, die nicht bis zum Geiste in der Seele heraufkommt, die unten stehenbleibt beim Leibe, und auf der andern Seite wiederum ausgeht von einer dilettantischen Psychologie. Die zwei kommen nicht zusammen. Und dadurch werden groteske Beziehungen aufgesucht zwischen dem, was man an Dilettantismus versucht in der Psychologie und dem, was man an Dilettantismus versucht in der Physiologie. Und der Dilettantismus ist ungeheuer groß und in beiden Fällen gleich groß. Der psychologische Dilettantismus ist bei den Psychiatern selber ebenso groß wie der physiologische Dilettantismus; wenn aber beide Größen gleich groß sind und zusammenarbeiten, so multipliziert es sich miteinander. Das ist der Dilettantismus im Quadrat, nach einer sehr einfachen Rechnung. So daß eigentlich die Psychoanalyse für eine wirkliche Anschauung eben der Dilettantismus im Quadrat ist, weil sie aus der Multiplikation des Dilettantismus mit Dilettantismus entsteht.

Da war für diesen vielgenannten Philosophen die Sache so: Er konnte sich nicht erklären, wie jemand heute dazu kommt, in so primitiver Weise, wie man einen Stuhl einteilt in drei Glieder, den Menschen in vier Glieder einzuteilen. Das konnte er sich nicht erklären. Daher stellte er die Hypothese auf, ich sei ein wiederauferstandener Atlantier. Das ist eigentlich ganz geistreich vom Standpunkte der Stuhl-Philosophie.

All diese Dinge aber weisen darauf hin, daß man eben tatsächlich, will man zur wahrhaftigen Anthroposophie herankommen, sich schon entschließen muß, einiges zu überwinden. Und zu dem, was zu überwinden ist, gehört zum Beispiel das Folgende: Man lernt das Seelische, das Geistige direkt erkennen und kann dann vom Seelischen und Geistigen außerhalb des Physischen sprechen. Man spricht nicht vom Seelischen und Geistigen durch irgendwelche Schlußfolgerungen, sondern man spricht vom Seelischen und Geistigen, weil man es eben in seiner Realität betrachtet. Heute kommen dann Leute, die schon nicht mehr anders können, als das Seelische als ein inneres Bedürfnis irgendwie zuzulassen. Aber sie sagen dann, man muß aus den Wirkungen des Physischen das Seelische erschließen.

Ich sagte ja, daß für manchen von den «erleuchteten» Anthroposophen das eine Wiederholung sein wird. Also es wiederholt sich so manches, was Sie schon wissen. Zum Beispiel, daß es heute naturphilosophierende Philosophen oder philosophierende Naturhistoriker gibt, die sagen: Da gibt es eine Pflanze, die Venusfliegenfalle. Sie hat eigentümlich gestaltete Blätter und Blüten. Wenn ein Insekt in die Nähe kommt, dann schließt sie sich. Die Venusfliegenfalle fängt dieses Insekt ab und zehrt es auf. - Ja, wenn man aus solchem äußerlichen Verhalten die Seele erschließen will, sagen will, die Pflanze habe auch eine Seele, dann kann ich Ihnen etwas nennen, was dann auch eine Seele haben muß. Das ist ein gewisses, sogar von Menschen zusammengestelltes Instrument. Man gibt etwas angeräucherten Speck hinein, und es hat eine Klappe daran, die zufällt, wenn eine Maus kommt, die durch den Speck angezogen wird und sich in dieses Instrument hineinbegibt. Wenn die Klappe zufällt, so ist es ganz dasselbe, wie bei der Venusfliegenfalle, bei der Pflanze. Man kann genau ebenso auf die Seele der Mausefalle schließen, wie jener LiteraturNaturphilosoph auf die Seele der Pflanzen schließt. Aus solchen Äußerlichkeiten lassen sich eben die Dinge durchaus nicht herleiten.

Nun muß man sich aber klar sein darüber, daß hier etwas vorliegt, was überhaupt hinausgeht über die Vorstellungen vom gewöhnlichen Beweisen oder Widerlegen, die die Leute zumeist haben. Denn sehen Sie, lernt man von diesem wahren Gesichtspunkte aus den Menschen kennen, so erfährt man dasjenige, was als physische Natur sich äußert im Menschen; das wird im Erdenleben ein vollständiger Abdruck dessen, was der Mensch als geistiges Wesen ist. Und Sie können ebenso wahr, wie Sie im Siegellack das Eingravierte des Petschafts haben, im physischen Leib des Menschen überall den Abdruck finden von dem, was der Mensch geistig-seelisch ist. Was der Mensch geistig-seelisch ist, Sie können es überall nachweisen in den Windungen des Gehirnes. Und wenn Sie also sich stumpf machen wollen gegen die geistige Welt, so können Sie sagen: es ist ja alles im Physischen enthalten. Man kann, wenn man will, durchaus Materialist sein. Es fehlt einem gar nichts beim Menschen von der Natur. Man muß eben nicht nur pochen auf Beweise oder Widerlegungen nach gewöhnlichem Zuschnitt, wie sie in der Welt sonst gesucht werden, sondern man muß sich klar sein, daß man den Zug hin haben muß zum Geiste, daß man das Geistige als etwas Selbständiges erkennen muß. Dann wird man nicht leugnen, daß es ein Petschaft gibt, weil es den Abdruck im Siegellack gibt. Der Materialist sagt: Petschaft gibt’s nicht, das ist alles aus dem Siegellack heraus geworden. So kann er beweisen, daß ja im Petschaft auch nichts anderes ist: da steht Josef Müller, der steht im Siegellack; der ganze Mensch ist im Siegellack drinnen.

Man kann Materialist sein, wenn man keine Möglichkeit hat, aus den Kräften der Seele, in der Selbsterfassung des Geistig-Seelischen, den Ausgangspunkt für den Weg zu finden ins Geistig-Seelische, ins Urbild hinein. Mit den groben Beweisen ist es ja nicht getan, denn Sie können den Materialismus beweisen, wenn Sie eben mit Ihren Beweisen in der physischen Welt bleiben. Das ist es, um was es sich handelt. Es muß eine innere menschliche Tat sein, sich vom Physischen in das Geistige hineinzufinden, nicht ein abstraktes Beweisen. Zur wahren Anthroposophie kommt man eben durch eine innere menschliche Tat, die aktiv das Erkennen weiterführt. Und alle Beweise-Plänkelei nützt nichts, denn bei dem, der mit seinen Beweisen in der physisch-sinnlichen Welt stehenbleibt, klappen alle Beweise zusammen, und Sie können einem Menschen, der eben nicht aus der Urkraft des menschlichen Eigenlebens heraus den Anfang des Weges in die geistige Welt findet, seine Beweise gar nicht widerlegen.

Diesen Tatbestand muß man einsehen. Man muß einsehen, daß es in des Menschen Freiheit gegeben ist, vom Physischen in das Geistige sich zu erheben, daß es nicht eine Tat der unfreien Beweise ist, sondern eine Tat des inneren menschlichen bewußten Erlebens, dieses Aufsteigen zu den geistigen Welten. Und wenn man das wirklich innerlich erfühlt, dann erst hat man das, was man braucht, um in der richtigen Weise die Stellung der Anthroposophie zu den bloß physischen Erkenntnisarten zu durchschauen.

Das aber ist unserer Zeit so sehr notwendig. Wir können nicht von einer Philosophie, die mit Bezug auf ihre Analyse bloß anwendbar ist auf Stühle, verlangen, daß sie dasjenige, was menschenwürdig ist, wirklich begreift; sie kann nur begreifen, was sesselwürdig ist. Die Menschheit braucht aber heute das, was den Menschen zum Menschen selber hinführt, nicht bloß zu seinem Abdruck. In der Anschauung bietet der Abdruck alles, was im Urbilde in der geistigen Wesenheit drinnen ist, im Erleben aber nicht. Denn im Erleben muß der Mensch sich als geistseelisches Wesen finden. Dann findet er auch die Welt als geistseelisches Wesen. Daher ist im Grunde genommen aller Erkenntnisweg damit verbunden, daß man sich selber als das Bild des wahren Menschen erkennt.

Steigt man in der Erhöhung der Liebe so weit in der Erkenntnis auf, daß einem zunächst das eigene Ich wie ein Fremdes erscheint und man es erst wiedererkennt, und steigt man so auf, daß man die Erdenwelt in der Umwelt wiedererkennt, dann steht man nicht bloß in einem abstrakten Erkenntnisprozeß drinnen, sondern in einem lebendigen Erkenntnisprozeß.

Und in diesem lebendigen Erkenntnisprozeß ist es, daß sich die Welt dem Menschen durch sein eigenes Wesen offenbart und daß sich das eigene Wesen des Menschen in dem Erleben der Welt draußen offenbart. Da wird wirklich der Mensch ein Wesen, das sich wiederfindet im ganzen Universum, denn, sich erkennend, lernt er die Welt erkennen, und die Welt erkennend, lernt er sich erkennen. Und im Wechselverhältnis zwischen Welt und Mensch enthüllt sich dasjenige, was dann den Menschen verbindet mit dem Göttlich-Geistigen, was den Menschen innerlich durchglüht mit der religiösen Stimmung aller wirklichen höheren Erkenntnis. Und wenn so sich abrundet zuletzt das ernste Erkennen in dem religiösen Erleben, dann wird der Glanz des Religiösen dem Erkennen verliehen, und dann wird die Durchsichtigkeit des Erkennens hinaufgehoben in das Gebiet, wo der Glaube zum Wissen wird durch seine eigene innere Erkenntniskraft. Es wird gefunden die Welt im Menschen, der Mensch in der Welt, durch den erkennenden Gang durch die Welt.

Da wird Welt und Mensch zu dem einen allumfassenden kosmischen geistig-göttlichen Wesen vereinigt, in dem dann der Mensch sich und die Welt findet und dadurch erst auf steigt zu seiner wirklichen wahren Menschenwürde, die dann auch in sein religiöses, in sein sittliches Ethos wahrhaft übergehen kann und ihn zum vollen Menschen macht.

In der Ätherwelt durch das lebendige Denken: Berührung. In der Astralwelt durch das tiefe Schweigen: Sprache. In der Geistwelt: Wiedererkennen.

German original of Man's Faculty of Cognition in the Etheric World · ← Previous · Next →