7. Über Das Goetheanum

GA 289/1921-08-27 · 1921-08-27 · original · 54 passages · 3748 words
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## GA 289 — 27 August 1921, Dornach

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### 7. Über Das Goetheanum

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Meine sehr verehrten Anwesenden!

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Sie werden gestatten, dass ich in Anknüpfung und Ergänzung zu dem, was ich mir erlaubt habe zu sagen bei der Führung durch das Goetheanum, hier einiges über unsern Bau noch zusammenfassend heute vorbringe. Unsere anthroposophische Bewegung hat viele Jahre hindurch so gewirkt, dass sie ihre Versammlungen in gewöhnlichen Sälen abhielt, wie man sie heute eben haben kann. Und auch als wir, vom Jahre 1909 angefangen, übergehen konnten dazu, Dramatisches darzustellen, das aus den Impulsen anthroposophischer Weltanschauung selbst genommen war, mussten wir uns zunächst darauf beschränken, diese Darstellungen in gewöhnlichen Theatern und unter den gewöhnlichen Theaterverhältnissen zu haben. Als nun unsere anthroposophische Bewegung größere Ausdehnung gewann, entstand bei einer großen Anzahl von Freunden die Idee, der Anthroposophie ein eigenes Haus zu bauen. Und nun wurde mir gewissermaßen - ich bemerke das ausdrücklich, weil der Auftrag zum Bauen nicht etwa von mir ausgegangen ist, sondern von Freunden der anthroposophischen Weltanschauung — der Auftrag gegeben, ein der anthroposophischen Bewegung entsprechendes Heim zu schaffen.

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Es musste nun die Frage entstehen: Wie soll an den Bau eines solchen Hauses geschritten werden? Wenn irgendeine andere Gesellschaft, eine Vereinigung unter irgendeiner Aufgabe, einer Zielsetzung, heute sich ein Haus baut — was gibt es heute nicht alles Mögliche an Vereinigungen mit allen möglichen Zielsetzungen -, dann setzt sie sich auseinander mit irgendeinem Baukünstler. Man kommt überein, in welchem Stil, griechischem, gotischem oder Renaissancestil oder in einem sonstigen Baustil, solch ein Haus zu bauen. Das ist ja der gewöhnliche Vorgang von heute. Wäre Anthroposophie eine Bewegung, wie diese alle sind, dann hätte sie auch in dieser Weise vorgehen können. Aber Anthroposophie rechnet mit den großen Forderungen der Zeit nach einer durchgreifenden Erneuerung unserer ganzen Kultur, und deshalb konnte auf diesem Wege nicht gebaut werden.

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Außerdem ist Anthroposophie nicht einseitig ein Ideengehalt, sondern der Ideengehalt der Anthroposophie entspringt aus dem ganzen menschlichen Erleben, aus tiefen Quellen des Menschenwesens heraus. Und dasjenige, was in den Ideen der Anthroposophie lebt, das ist geradeso, wie es bei den älteren Kulturen der Fall war, eben einer Urquelle entsprossen. Und es kann genauso, wie dasjenige, was Anthroposophie in Worten durch den Menschenmund zu verkündigen hat, genauso, wie das als Lehre gegeben werden kann, so kann auf der anderen Seite für die unmittelbare künstlerische Anschauung dasjenige gegeben werden, was aus den Quellen heraus fließt, aus denen auch die anthroposophischen Ideen fließen. Es ist nicht eine Übersetzung oder Umsetzung anthroposophischer Ideen in Kunst, um die es sich da handelt, sondern es ist ein anderer Zweig aus derselben Lebensquelle heraus, aus der die anthroposophischen Ideen kommen, der als Kunst sich entwickeln kann. Dasjenige, was Anthroposophie zu offenbaren hat, kann von einem Podium aus in Worten, die Ideen bedeuten, gesagt werden. Es kann aber auch aus den Formen, aus plastischen Formen, aus der Malerei heraus sprechen, ohne dass Plastik oder Malerei Symbolik oder Allegorie werden, sondern innerhalb der Sphäre des rein Künstlerischen stehen. Das heißt aber nichts anderes, als: Wenn Anthroposophie sich eine bauliche Umhüllung schafft, in der sie wirken soll, dann muss sie dieser baulichen Umhüllung ihren eigenen Stil geben, wie auch ältere Weltanschauungen ihren baulichen Umhüllungen den entsprechenden Stil gegeben haben.

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Nehmen wir den griechischen Baustil, wie er sich zum Teil ausgelebt hat im griechischen Tempel: Dieser griechische Tempel ist ganz und gar aus derselben Weltanschauung herausgewachsen, aus der die griechische Dramatik, die griechische Epik, die griechischen Götteranschauungen herausgewachsen sind. Der Grieche hat gefühlt, dass er, indem er seinen Tempel schuf, dem Gotte ein Wohnhaus baute. Und der Gott ist wieder nichts anderes als dasjenige, was ältere Kulturanschauungen in der durch den Tod gegangenen Menschenseele in weiterer Entwicklung gesehen haben; eine gewisse qualitative Verwandtschaft zwischen dem Gotte und der Menschenseele, die durch den Tod gegangen ist, empfand man in älteren Kulturströmungen. Und so, wie man in alten Zeiten den durch den Tod gegangenen Menschenseelen, indem man sie noch auf der Erde glaubte, Wohnhäuser baute, indem man also Totenhäuser baute, gestaltete man für die älteren Zeiten etwas Ähnliches, wie die Griechen dann auf späterer Stufe in ihren Tempeln gestaltet haben. Der Tempel ist das Wohnhaus des Gottes, das heißt, nicht der selber durch den Tod gegangenen Menschenseele, sondern derjenigen Seele, die einer anderen Hierarchie, einer anderen Weltordnung angehört.

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Wer Formen künstlerisch schauen kann, empfindet in den Formen, die durch Tragen und Lasten und anderes für den griechischen Tempel geschaffen worden sind, noch, wie in älteren Zeiten dem Toten, der sich nach dem Tode auf der Erde noch aufhielt, der gewissermaßen als chthonische Gottheit, als Erdengottheit wirkte, aus dieser Erde heraus dieses Wohnhaus geformt wurde; sodass eine Fortsetzung der Schwerkräfte der Erde, wie sie der Mensch empfinden kann, wenn er seine Gliedmaßenwesenheit irgend durchschaut, ein solcher Zusammenhang von Kräften als Tempel errichtet worden ist. Der griechische Tempel ist nur als vollständig anzusehen, wenn man ihn so ansieht, dass die Statue des Gottes drinnen ist. Derjenige, der Formgefühl hat, kann sich einen leeren griechischen Tempel nicht als etwas Vollständiges denken. Nur das kann er sich denken, das kann er empfinden, dass diese Hülle die Statue der Athena, des Zeus, des Apollon und so weiter in sich enthält.

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Überspringen wir einiges in der kunstgeschichtlichen Entwicklung und sehen wir nach dem gotischen Bau hin. Der gotische Bau, wenn man ihn empfindet mit seinen Formen, mit seinen eigentümlichen Fenstern, die das Licht in einer eigentümlichen Weise einlassen, so empfindet man eigentlich immer, dass, wenn man in den leeren gotischen Dom hineingeht, er keine Totalität, nichts Vollständiges ist: Der gotische Dom ist erst vollständig, wenn die Gemeinde darinnen ist, deren Seelen in Harmonie in ihren Wirkungen zusammenklingen. Ein griechischer Tempel ist die Umhüllung des Gottes, der bei den Menschen auf Erden durch seine Statue weilt, ein gotischer Dom ist in all seinen Formen dasjenige, was die in Eintracht und mit den Gedanken nach dem Ewigen gerichtete Gemeinde in sich umschließt.

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Griechische Weltanschauung, Weltanschauung, die sich in der Gotik Form geschaffen hat, sind für die Menschheit abgelebte Welten. Nur die aus ihnen stammenden degenerierten Niedergangskräfte können heute noch leben. Wir brauchen eine neue Kultur, aber eine Kultur, die sich nicht nur einseitig in Erkenntnissen und Ideen äußert, sondern eine Kultur, die sich auch in einer neuen Kunst äußern kann. Und so weist uns auch die kunstgeschichtliche Entwicklung auf die Notwendigkeit eines für die Anthroposophie, die eine neue Kulturform bringen will, notwendigen Baustiles hin.

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Dasjenige, was Anthroposophie ausleben soll, beruht ja drauf, dass gewissermaßen eine höhere Wesenheit im Menschen, die aber der Mensch selbst ist, zu demjenigen Menschen redet, der im gewöhnlichen Leben lebt, das zwischen Geburt und Tod abläuft. Indem ich das durchempfand, ergab sich mir als die notwendige Bau-Umhüllung für diesen Grundimpuls anthroposophischer Weltanschauung der Zweikuppel-Bau. In der kleinen Kuppel, gewissermaßen äußerlich-physisch zusammengedrängt dasjenige, was innerlich groß und weit ist; in dem großen Kuppelraum dasjenige räumlich geweitet, was innerlich weniger weit ist, was innerlich dem Leben angehört, das wir eben zwischen Geburt und Tod führen.

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Und wenn im Sinne einer solchen anthroposophischen Weltanschauung der Mensch diesen Bau betritt, so muss er seine eigene Wesenheit auffinden. Das ist in dem begründet, was eben gesagt worden ist. Und er muss, indem er drinnen ist, den Bau so empfinden, wie wenn er sich als Mensch, als Mikrokosmos nicht beengt fühlte durch den Bau, sondern durch die ganzen Bauformen mit dem Universum, mit dem Makrokosmos in einer äußerlichen Verbindung wäre. Wenn man aber den [Bau] von außen anschaut, so muss man das Gefühl haben: Da drinnen geht etwas vor, was zu dem irdischen Dasein ein Überirdisches, ein Außerirdisches dazubringt. Da drinnen geht etwas vor, was im Irdischen selber verborgen ist. So muss es möglich sein, den Bau anzuschauen nach seiner gesamten Form und auch nach den plastischen Ausweitungen, die, wie ich ja drüben gesagt habe, organische Gliederung darstellen müssen.

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Von diesem Gesichtspunkte aus bitte ich die Lichtbilder anzusehen, die ich nunmehr mir erlauben werde Ihnen vorzuführen. Sie geben ja natürlich nichts anderes, als was Sie schon geschen haben; sie sollen nur abschließend vor die Seele bringen, was abschließend an dem Bau gesehen werden kann. Wir werden zunächst eine Ansicht von außen mit dem Blick nach dem Westportal hin zeigen.

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Der Bau von etwas weiter angesehen (Abb. 6), Blick nach dem Westportal hin.

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Das nächste Bild (Abb. 7): Ein Blick mehr nach dem Südportal hin, West- und Südportal mehr zusammen gesehen.

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Hier (Abb. 2) ein Blick vom Osten auf den Bau hin mit der Aussicht zu gleicher Zeit auf dasjenige Gebäude, welches die Beleuchtungs- und Beheizungskörper für den Bau enthält. Dieses Kesselhaus ist in seiner Form natürlich ganz besonders angefochten, weil es ja anders ausschaut, als man bei Bauten gegenwärtig gewöhnt ist. Also auch dieses Kesselhaus ist nach keinem anderen Prinzip gebaut als alles, was hier überhaupt gebaut worden ist. Es handelte sich ursprünglich darum, eine Anzahl von Einrichtungen für die Beheizung, für die Beleuchtung zu haben. Das ist gewissermaßen die Nuss. Und nun handelt es sich darum, dass, wie bei der Nuss, aus einer inneren gesetzmäßigen Notwendigkeit nur die Nussschale als eine Umhüllung entstehen kann, dass auch, wenn man einen solchen Utilitätsbau hat, man nicht anders als so vorgehen kann, dass man alles dasjenige, was in diesem Bau drinnen sein muss, in seiner Wesenheit empfindet und dann eine Umhüllung macht, die in derselben Weise diesem Inhalt entspricht, wie die Nussschale der Nuss entspricht.

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Natürlich lässt sich das nur empfinden; darüber lässt sich nicht diskutieren. Ein anderer mag es anders empfinden. Wenn man aber in den Grund und Boden kritisiert, so möchte ich den Leuten, die das tun, zu bedenken geben, was da stehen würde, wenn nicht versucht worden wäre - wenn es auch auf den ersten Anhub nicht gleich ganz gelungen ist -, für Heizung und Beleuchtung eine richtige Umhüllung zu suchen, sondern bei dem Heutigen stehengeblieben wäre, dann stünde hier vielleicht ein roter Schornstein. Vielleicht liebten Philister ihn mehr; aber die Kunst käme ja dabei weniger auf ihre Rechnung.

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Das nächste Bild (Abb. 4) wird eine Ansicht geben mehr aus der Ferne auf das NordwestPortal.

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Das nächste Bild (Abb. 1) soll von einer noch größeren Weite aus den Bau zeigen.

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Es ist nun, trotzdem ja der Bau ursprünglich nicht für hier gedacht war, sondern mitten unter Häusern, doch mein Bestreben gewesen, ihn zuletzt hier so zu gestalten, dass er sich der ganzen Konfiguration der Landschaft, der Jura-Landschaft einfügt. Ich kann, indem ich versuche, mir jede Illusion zu nehmen, doch nicht anders als sagen, dass ich meine, der Bau wächst schon durchaus auch aus den plastischen Formen der Landschaft heraus.

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Hier erlaube ich mir, Ihnen den Grundriss (Abb. 20) vorzuführen, der eben ausdrückt dasjenige, was ich vorhin ausgesprochen habe. Es handelte sich darum, eben das Wirken, ich möchte sagen, der einen Seite der menschlichen Wesenheit auf die andere, im Grundriss und in der ganzen Bauform durchzuempfinden.

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Es folgt nun ein Durchschnitt durch den ganzen Bau (Abb. 21).

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Nun werde ich diesen Durchschnitt noch so zu zeigen versuchen; Ich meine dasjenige, was auf diesem Durchschnitt aufgebaut werden kann, so zu zeigen versuchen, dass ich Ihnen hier zeige das Modell durchschnitten, das ich ursprünglich gemacht habe (Abb. 22). Dieses ist also das ursprüngliche Modell des Baues, des großen Kuppelraumes, des kleinen Kuppelraumes, wie ich es ausgefertigt habe hier ab Herbst 1913. Es ist zum großen Teil, insofern man es mit plastischen Formen zu tun hat, aus Wachs gemacht, zum andern Teil aus Holz.

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Das nächste wird einen Seitentrakt bringen, von der Seite gesehen (Abb. 13), wo Sie besonders nun die Metamorphose betrachten können, welche das Motiv, das über dem Westportal zu sehen ist, bei kleinerer Form annehmen kann. Die Formen werden ja äußerlich-sinnlich ganz anders, sind der Idee nach aber doch innerlich anzuschauen dasselbe.

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Das nächste Motiv stellt dar das Stück über dem Südportal, das über der südlichen Eingangstüre ist (Abb. 11): Dasselbe Motiv wie am Westportal, aber in einfacherer, primitiverer Metamorphose. Zunächst bringen wir jetzt einen Teil desjenigen Raumes, den man betritt, wenn man unten in den Beton-Unterraum hereingeht, der zum Ablegen der Kleider bestimmt ist (Abb. 23). Man geht dort über die Treppen hinauf. Es ist ja jedenfalls allen verehrten Anwesenden bekannt geworden, welche Empfindungen der Ausformung dieses Raumes zugrunde liegen.

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Die Treppe mit dem, was dazugehört (Abb. 24), die wir besonders schnell übergehen können, weil sie ja nur zur Rekapitulation bestimmt sind. Das Nächste, was ich bringe, ist eine Säule aus dem Innenraum, den man betritt, wenn man über die Treppen hinaufgegangen ist, also bevor man in den Hauptraum hineingeht (Abb. 27). Es ist bereits alles dasjenige, was hier gearbeitet ist, in Holz gearbeitet.

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Hier führe ich Ihnen das Orgelmotiv vor, aber nicht so, wie Sie es jetzt sehen, sondern wie es als Modell war (Abb. 30). Es ist fotografiert das Orgelmotiv-Modell und Sie sehen zu gleicher Zeit es hier (Abb. 29) im unfertigen Zustande. Ich habe ja gesagt bei der Beschreibung drüben im Bau, dass versucht worden ist, die ganze Plastik um die Orgel so zu gestalten, dass die Orgel nicht wie in den Raum hineingefügt erscheint, sondern aus ihm herausgewachsen. Sie sehen hier die Arbeit dieser Orgel-Plastik noch halbfertig. Man musste zunächst, ich möchte sagen, die Sache im Allgemeinen herausarbeiten, und erst später habe ich die allgemein herauszuarbeitenden Formen genau dem angepasst, was sich als die Linien ergeben hat durch die Enden der Orgelpfeifen nach oben.

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Wir sehen jetzt in dem nächsten Bild [das Kapitell der ersten Säule im Westen] (Abb. 33), und ich bitte Sie, die drei nächsten Bilder zu beachten. Sie werden hier vorgeführt, um zwei aufeinanderfolgende Kapitelle zu zeigen. Sie sollen daraus entnehmen, dass ein einzelnes Kapitel anzusehen eigentlich nichts für sich ist. Dasjenige, worauf alles beruht, ist die Art, wie immer ein folgendes Kapitell aus einem vorhergehenden hervorgeht. Daher zeige ich zwei auseinander hervorgehende Kapitelle [der zweiten und dritten Säule] (Abb. 36, 38), und dazwischen die zwei zusammen [mit dem Architrav darüber] (Abb. 37), also jedes Einzelne aufeinanderfolgend und dazwischen die zwei zusammen.

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Wir sehen hier das vierte Kapitell (Abb. 40). Nun die beiden Kapitelle aufeinanderfolgend, das vierte und fünfte (Abb. 41). Jetzt das fünfte allein (Abb. 42).

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Ebenso werde ich jetzt zwei aufeinanderfolgend ausgebildete Sockel zeigen, wiederum der einzelne nicht für sich zu verstehen, sondern nur das Hervorgehen aus dem Vorhergehenden.

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Der eine Sockel, der fünfte (Abb. 52).

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Jetzt der sechste (Abb. 53). Das nächste Bild wird dasjenige Motiv zeigen, das sich ergibt, wenn wir einen Blick nach Osten werfen, im Bau stehend und sehen dasjenige, was als Motiv im Osten ist (Abb. 57).

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Eine Säulenordnung: Das ist der Blick nach dem Orgelmotiv hin, wenn man im Bau steht, vom Osten nach dem Westen schauend (Abb. 29).

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Hier sehen Sie dasjenige Motiv oben in Holz geschnitzt, welches sich über dem Vorhangschlitz befindet (Abb. 55). Der Vorhang ist offen, wir sehen in den kleinen Kuppelraum hinein, sehen unten auch die Schnitzerei des kleinen Kuppelraums, nur etwas undeutlich, und darüber die Malerei.

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Das nächste gibt dasjenige Motiv, welches im kleinen Kuppelraum geschnitzt worden ist: gewissermaßen als der synthetische Abschluss der einzelnen Formen (Abb. 67). Wenn Sie vom Zuschauerraum in den kleinen Kuppelraum hineinsehen, so sehen Sie unmittelbar unter dem gemalten Christus-artigen Bild, das Luzifer über sich, Ahriman unter sich hat, in Holz geschnitzt alle Formen zusammengefasst, die sich sonst über den Bau verteilt finden - aber zunächst, ich möchte sagen, nur organisch, noch nicht seelenhaft zusammengefasst.

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Psychisch nämlich ist es erst zusammengefasst in der Christusgruppe (Abb. 93), die eine neun Meter hohe Holzgruppe ist, ganz im Osten stehen wird und als Hauptfigur in der Mitte den Menschheitsrepräsentanten zeigen wird, der als der Christus aufgefasst werden kann - er muss es aber in der Empfindung - [und] über sich das luziferische, unter sich das ahrimanische Prinzip hat. Das wird psychisch alle einzelnen Formen zusammenfassen.

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Ich gebe jetzt einige Motive aus der kleinen Kuppelmalerei.

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Hier sehen Sie zunächst jenes Kind, das in einem Orangeton gehalten ist (Abb. 72), vor der blauen Figur, die Faust-ähnlich sich ausnimmt (Abb. 70), und die eine Tafel mit dem «Ich» — dem einzigen Wort, das sich als Ort in dem ganzen Bau finden wird, aus ganz bestimmten Gründen - hält. Es wäre mir angenehm, meine sehr verehrten Anwesenden, wenn Sie aus diesen Bildern, die ja nur in Schwarzweiß betrachtet werden konnten, etwas Absurdes empfinden würden, weil hier die Malerei so durchgeführt ist, dass alles aus der Farbe herausgeholt ist. Man kann eigentlich in der Nachbildung nur etwas geben, worin der Empfindung nach eben etwas fehlen muss, also etwas Absurdes. Man soll vielleicht hier gerade sehen, dass etwas ganz Unfertiges, etwas Absurdes vor einem steht, und man soll sich dann die Antwort geben: Das muss eigentlich so sein, weil die Sache einen Sinn nur in der Farbe hat. Wer den innerlichen Sinn der farbigen Welt versteht, der wird durchaus begreifen, dass selbst Figurales bis zu einem gewissen Grade durchaus aus der Farbe heraus geschaffen werden kann. Wer das Blau oben sieht in der Nachbarschaft der anderen Farben, wird es rein als aus der Farbe mögliche Schöpfung empfinden, dass hier eine Art Faust-Figur erscheint. Das nächste Bild (Abb. 71) zeigt den Tod unterhalb des Faust. Der modern erkennende Mensch, der hineingestellt ist zwischen Tod, dem Ende des Lebens, Geburt, dem anderen Ende des Lebens, das im Kinde zur Darstellung gekommen ist.

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Das nächste Bild (Abb. 78): Eine Art Figur, die ähnlich ist einem ägyptischen Initiierten.

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Die über ihm schwebenden Inspiratoren, initiierende Weltenmächte (Abb. 77). Durch die Art der Behandlung wird es ersichtlich sein, dass ich wohl sagen darf: Trotzdem sich Figurales hier aus dem Farbigen heraushebt, so gilt doch das, was ich über das in der Farbe Schöpferische gesagt habe.

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Hier sehen Sie ein Detail, eine Art Ahrimankopf (Abb. 81). Es ist nur denkbar, aus der Farbe heraus zu malen, die oben in der Kuppel verwendet ist: ein eigentümliches Braun-Gelb.

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Hier zusammen: Ahrimankopf und Luziferkopf (Abb. 79). Kontrastiert sind sie erst richtig in der Farbe. Unten dasjenige, [was inspiriert wird] von Luzifer und Ahriman, wenn man sie in ihrer Objektivität erfasst, wenn man nicht selber von ihnen erfasst wird, was dann im Menschen ganz besonders wirksam ist oder werden kann dadurch, dass der Mensch von besonderer Art ist, die so zum Kinde steht, wie es in der unteren Figur angedeutet ist.

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Das nächste Bild stellt den Luziferkopf für sich dar (Abb. 80), also gemalt; plastisch nimmt er sich anders aus.

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Hier (Abb. 82) sehen Sie den [germanischen] Menschen mit dem Kind, der über sich Ahriman und Luzifer hat, wie es vorhin gezeigt worden ist.

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Hier (Abb. 87) sehen Sie den Luzifer in einer rötlich-gelben Malerei über dem Menschheitsrepräsentanten im Mittelbilde der kleinen Kuppel.

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Das nächste Bild (Abb. 88) stellt dann Ahriman dar unter dem Menschheitsrepräsentanten — Ahriman, der umschlungen wird mit seinem Liebestrahlen wie von einem zermalmenden Blitz.

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Das ist der gemalte Menschheitsrepräsentant, das heißt der Kopf davon (Abb. 90). Dieses (Abb. 91) stellt mein Modell dar, wie es zunächst gearbeitet wird in Profilansicht vom Menschheitsrepräsentanten; während das früher Gezeigte also eine Malerei darstellt, stellt dieses hier eine Plastik dar. Das ist das erste Modell des Menschheitsrepräsentanten in der Plastik, des Menschheitsrepräsentanten, den man als Christus empfinden kann.

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Das nächste wird darstellen einen Teil der plastischen Gruppe (Abb. 98). Links oben wird sich dieses Elementarwesen zeigen, ein Elementarwesen, gewissermaßen aus den Kräften des Felsens herausgewachsen. Unterhalb sehen Sie den hinaufstrebenden Luzifer. Das Elementarwesen [ist] aus den Kräften des Felsens herausgewachsen hier in der Holzgruppe, wobei ersichtlich wird, wie man hier zuerst gewagt hat, mit Asymmetrie Wege der Überwindung der bloßen Komposition durch das organische Gestalten zu [er]arbeiten, also in Asymmetrie zu arbeiten, Es kommt hier darauf an, dass die Form genau aus dem Orte heraus gearbeitet ist mit allen [Asymmetrien], aus dem Orte, an dem sich dieses Wesen in der neun Meter hohen Gruppe befindet.

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Ich zeige Ihnen jetzt mein erstes Ahrimanmodell (Abb. 99), welches 1915 entstanden ist, in Wachs gearbeitet. Nach diesem Ahrimankopf sind die anderen Ahrimanköpfe hier gearbeitet. Ich bemerke nur: So würde der Mensch aussehen, wenn er gar kein Herz und nur Verstand hätte. Denn das Ahrimanische stellt das Übergescheite, das Überverstandesmäßige im Menschen dar.

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Ich zeige jetzt zwei Ansichten vom Heizhaus, dem Kessel- und Beleuchtungshaus (Abb. 106, 107).

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Nun kommt auch das untenstehende Glashaus, in welchem Sie so manche Versammlungen hier abgehalten haben, zur Darstellung (Abb. 103). Sie sehen da den Doppelkuppel-Bau in einer anderen Form, eine Metamorphose des großen Baues, metamorphosiert gerade in der Weise, dass eben die beiden Kuppeln gleich groß sein mussten und nicht aneinandergrenzen, sondern auseinander liegen. Dass hier an diesen Bauten alles bis ins Einzelne hinein individualisiert ist, möchte ich noch veranschaulichen durch das Tor dieses Glashauses (Abb. 104), an dem Sie die Individualisierung bis zu der Treppe hinunter und bis zu der Holzschnitzerei sehen werden.

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Jetzt noch ein Bild (Abb. 110 oder 112), welches zeigen soll, wie dasjenige, was durch das Auskratzen in der farbigen Glasscheibe gedacht ist, was aus dem Materialgefühl heraus so geschaffen ist, dass es eben nur in der betreffenden Farbe erscheinen kann. Ich bitte Sie, das hier anzusehen und sich zu überzeugen, dass wenn das unfarbig erscheint, es scheußlich ist,

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Indem ich diese Dinge rekapitulierte, glaubte ich noch einmal hinweisen zu können darauf, wie Anthroposophie nicht sein will nur eine Wissenschaft, sondern sein will durchaus dasjenige, was kulturschaffend auftreten kann, was in Worten sprechen kann, was aber auch in künstlerischen Formen sich offenbaren kann. Und nun will ich nur noch hinzufügen an dieser Stelle, dass Ihnen ja vielleicht hervorgegangen sein kann aus demjenigen, was wir hier im Bau gesehen haben, was Sie hier am Bau gehört haben, was gewollt ist und wie es zusammenhängt mit den Zeichen der Zeit. Es konnte dasjenige, das zustande gekommen ist, nur [zustande kommen] durch die große Opferwilligkeit eines Teiles unserer Mitglieder; aber wir sind durch die Valuta-Verhältnisse der Welt, durch die Armut der Mittelländer auf einem Standpunkt angekommen, von dem aus ich dasjenige sagen musste vor kurzer Zeit, was ja auch durch eine kleine Broschüre verbreitet worden ist, die bei den Mitgliedern herumgeschickt worden ist: Wenn wir nicht tatkräftige Hilfe von der Welt erhalten, so werden wir den Bau nicht zu Ende führen können, sondern es wird der Bau stillstehen müssen. Wenn der Eifer unserer Mitgliedschaft sich dieser Bau-Vollendung in derselben Weise zuwendet, wie man sich zugewendet hat der Begründung des Welt-Schulvereins, die innig mit dem Baugedanken von Dornach zusammenhängt, so werden wir im Herbste sehr bald vor einem Torso stehen, den man wird als Torso ansehen können.

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Ich darf, da Ihre Zeit bemessen ist, namentlich die Zeit eines Teiles unserer verehrten Besucher, zu dem Gesagten jetzt nichts weiter hinzufügen, sondern bitte Sie, hinüberzukommen in den Bau, wo ich mir dann gestatten werde, noch ein paar Schlussworte für diese Sommerveranstaltung zu sprechen.

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Cite: GA 289/1921-08-27 · edition original