Entwürfe, fragmentarisch, zum ersten, zweiten, fünften, siebenten, achten und zehnten Bild
HILARIUS GOTTGETREU: Es war lieb von euch, der Bitte zu willfahren, die ich an euch gerichtet habe. Eine wichtige Besprechung mit mir zu pflegen, habe ich euch hie-her gerufen. Ihr wisset, der Mann soll demnächst in unsrer Stadt hier zum Besuche weilen, dessen Wort euren Anteil in so deutlicher Art gefunden hat. Wie wir uns bereiten sollen, den Besuch in rechter Art zu gestalten, darüber bitte ich um eure Meinung und euren Rat. Ich glaube viele von euch einig mit mir in dem Gedanken, daß Johannes Thomasius eine Tat vollbracht hat, die gewaltig eingreifen muß in den Geistesfortschritt der Menschheit. Und wenn ich meine bescheiden gemeinte Ansicht sagen soll, so ist es die, daß mit Thomasius' Leistung ein Höchstes vollbracht ist, was dem Menschengeist im Erdenlauf obliegt. Ich brauche kein Geheimnis daraus zu machen, daß meiner Seele mancher Einblick in geistige Sphären durch der Weltenlenker Gnade ist zuteil geworden. Doch fühlt' ich stets, wie nötig es der Menschheit ist, daß strengster Forschersinn, wie ihn die Gegenwart nur liebt, die Beweise liefere für die Wahrheiten, die das Seherauge wohl erkennt, doch nicht zur Anerkennung bringen kann, wenn Wissenschaft ihr nicht zur Seite tritt. Durch Thomasius ist dies geschehn. Wie er die Geisteslehre der Welt bewiesen hat, ist zwingend für jeden Menschen, der Vernunft und Wissenschaft gebrauchen will.
DOCTOR STRADER: Ich muß diesen Worten volle Zustimmung geben. Ich bin zu meiner Meinung von andren Lebenslagen aus gekommen als Freund Gott-getreu.
Doch auch mir erscheint Thomasius als Schöpfer höchster Geistesgüter. Nicht ein Mann der Gedankenträume spricht in mir zu euch. Der war ich einst. Ich habe nun viele Jahre lang die Kräfte am harten Widerstand des Stoffes wohl erprobt. Ich weiß, wie des Lebens Praxis das bloße Denken meistert, das nur durch sich selbst zu den Welten-rätseln dringen will. Doch weil ich dieses kenne, sprech ich mir ein Urteil zu über Thomasius' Leistung. Ich weiß nichts im Gebiete allerstrengster Wissenschaft, was im Widerspruch stünde mit der Art, wie Thomasius aus allem, was wir heute wissen können, der Menschenseele ihren wahren Ursprung weist.
JOHANNA LIEBESTARK: Verwandelt fühlen muß die Seele sich, welche die Wundertat des Thomasius an sich selbst erlebt hat. Gelehrte und ungelehrte Leute lechzten nach den Worten, die er gefunden hat. Wo war vorher ein Bringer solcher Geistesworte, die zu den Seelen von den ewigen Dingen sprachen, welche nun einmal unentbehrlich dem Menschenherzen sind, und die doch so erklangen, daß Widerspruch verstummen muß. Den einfachen Gemütern, die von Weltenzielen wissen wollten, ward bisher doch jeder Trost genommen, wenn sie stets hören mußten: was ihr glaubt, kann vor Vernunft und Wissenschaft nicht bestehn. Daß Sicherheit in unsre Seelen dringen kann: wir verdanken es der Lehre, die Thomasius der Welt gegeben hat.
FERDINAND REINECKE: Was ich hier hören muß, es läuft darauf hinaus, in Thomasius einen neuen Messias zu begrüßen und einem Cäsar des Geistes ein Triumphfest zu be-reiten. Mir erscheint dies als Rückfall in alte Sitten, die unsren Zeiten nicht mehr ziemen. Wir wissen heute, daß in Menschenköpfen wächst, was dem Fortgang dienen soll, doch wollen wir keinen Kultus der Persönlichkeit.
HILARIUS: Nicht von Festen soll hier die Rede sein. Ganz andres obliegt uns. Wir sind Zeitgenossen des Mannes, der getan hat, was in die fernsten Zeiten wirken soll. Was dem Einzelnen obliegen kann, hat er getan, daß es sich wirksam in die Menschenseelen finde, dazu gehört, daß sich Bekenner finden, welche Sorge tragen, daß erworbnes Geistesgut in rechter Art zur Wirkung komme.
RUDOLF WIDDER: Der Freund Reinecke hat doch ein rechtes Wort gesprochen; wir müssen jeden Schein vermeiden, als ob wir Thomasius' ein Fest bereiten wollten. Was er der Menschheit zu sagen hat, soll wirken durch seine eigne Kraft. Man wird sich seinen Lehren ergeben, wenn aller Widerspruch wirklich ihnen nichts anhaben kann.
FRANZISKA GLAUBENSWEIS: Es scheint mir wenig angebracht, daß wir mit solchen Reden hier die Zeit verlieren. Was Thomasius getan, darüber müßten die Seelen in ihren Tiefen aufjauchzen. Sie würden, wenn sie es nicht täten, nur zeigen, daß die Stumpfheit den äußern Fortschritt begleiten will und daß alle Einsicht hilflos ist gegenüber dem bequemen Sinn, der den Menschen unter das vernunftlose Geschöpf erniedrigt.
STRADER: Man sollte an Professor Capesius' schwerem Schicksal erkennen, was durch Thomasius geschehn. Für meinen alten Freund kam die Rettung leider zu spät. Er, der eine Leuchte der Wissenschaft war und zugleich ein Sucher nach den Wegen der Seele, konnte noch mit ansehen, wie Menschen von dem Streben nach dem Geisteslichte ergriffen werden; er ward selbst von diesem Streben mächtig fortgerissen, und schon stand er an der Schwelle in die Sphäre der Geisteswelt. Wunderbare Einblicke waren ihm gestattet. Doch zu schwach war seine Kraft, die Einblicke mit den Gewohnheiten seines vorigen Denkens zu vereinigen. Überwältigt von dem, was er schauen durfte, und gelähmt zugleich von der eignen Ohnmacht, verbrütet er nun sein Dasein, wie gefesselt durch die eignen Seelenkräfte, die auf der einen Seite ihn ins Geistgebiet kraftvoll drängen und ihn zugleich erbeben lassen, wenn er die entscheidenden Schritte machen soll.
5. BÜRGER: Wer ein wenig in die Zeit und in die Zukunft blicken kann, der vermag ganz leicht zu begreifen, daß die Menschen, welche sich mit heißem Streben stets dem Menschenwohle widmen, früher als andre einsehen können, was wirklich in der Zukunft bedeutungsvoll sein muß.
6. BÜRGERIN: Es ist die neue Meinung in ihren Folgen für die Menschenseele völlig ungewiß und unberechenbar. Unmöglich ist es, nicht zu hören auf das Gefühl, das stets Vorsicht heischt in Dingen, weh ehe mit allen guten Überlieferungen der Vergangenheit brechen. Es gibt gewiß nichts Gutes, wenn die Erkenntnis sich der Dinge bemächtigen will, die nur dem Glauben gewahrt sein sollten.
REINECKE: Man sollte sich nicht zum Lenker der Zukunft aufwerfen wollen. Die Früchte zu genießen, die uns der Menschheit vergangenes Streben für die Gegenwart geliefert hat, ist unsre Sache. Es stand stets schlecht mit den Leuten, welche in geheimen Geistesbrüderschaften der Menschheit Geschicke lenken und Auserlesene zu besonderer Einweihung bringen wollten. Mir sind bekannt geworden durch viele ältere Schriften die Lokkungen, welche aus solchen Brüderschaften an Menschen ergingen, welche die Neugierde plagte. Man nahm sie auf, gab ihnen niedre Grade, in denen man ihnen den Glauben erweckte, daß sie in höhern Graden erst die Deutung all der absonderlichen Formeln ergreifen könnten, die sie in den niedern überliefert erhielten als wertlosen Sinnbildkram. In den höhern Graden erfuhren dann die Getäuschten, daß ihnen nichts Wertvolles überliefert wurde, und in den höchsten Graden endlich sahen sie ein, daß die geistigen Führer selbst nichts wissen und entweder sich selbst oder andre täuschende Menschen sind. Es ziemt mir fast, als ob ich durch mancherlei, was ich weiß, ein sonderbarer Wohltäter der Menschheit werden könnte, indem ich die aus Torheit und Täuschung gemischte Art der Bundesbrüder an den Tag bringe.
STRADER: Es ist nur stets dieselbe Geistesträgheit Und Mangel an Unterscheidungskraft, Die schönstem Menschenwerk sich widersetzen. Es hat der Mann nun erfahren, Daß durch Bünde, die sich abschließen von der Welt, Viel Unfug und Trug getrieben worden ist; So glaubt er auch ohne Prüfung Mißtrauen zu müssen dem, was ihm hier begegnet. Ich gehörte dem engen Kreis zwar niemals an, Der hier sich uns vereinen will zum echten Fort schrittswerk; Doch dank ich ihm meines Lebens bedeutungs vollsten Wendepunkt.
STRADER: Es scheint nicht ganz verständlich, was mich bewegen kann, Mit Liebe von dem Mystenbunde zu sprechen Und für seine Taten einzutreten, Trotzdem mir wohlbekannt sein müsse, Was Mechanik als Erkenntnis Des Kräftespieles im Weltenganzen bedeutet. Ich muß gestehen, daß eben jene Grund empfindung, Mit der ich in dem Kraftzusammenhang, Der mein eignes Werk ist, mich fühle, Mich immer wieder zwang, auch Im Naturzusammenhang des Geistes Schöpfer kraft Zu suchen. Man kann die Pflanzenblüte, Die man in Händen hält, Wohl für sich betrachten, verstehn kann man sie nur, Wenn man bewußt sich wird, wie sie ohne Wurzel Ihres Wesens Schein nur ist Und nicht dessen Wahrheit. So ist alle Naturmechanik nur der Wahrheit Schein Und die volle Wahrheit nur im Geisterkennen zu finden. Darum müssen auch die Seelen veröden, Die von den Dingen nur erfassen wollen, Was an ihnen mechanisch sich erweist. Mir gilt deshalb eine Wissenschaft als nichtig, Die ohne Aufstieg zur Geisterkenntnis bleibt. Nun aber muß ein Denken des Geistes Lebendig Wesen bald verlieren, Wenn es zu trinken nicht vermag Am Lebensquell des Mystenpfades. Wenn ich nicht mit der ganzen Seele mich Dem Wesen eines Kraftmechanismus So oft verbunden hätte fühlen müssen, So würde ich vielleicht so denken können, Wie jener Redner fordert, der mich tadelt. Was ich an meiner Arbeit stets empfand, Es ist ein Band, das meine eigene Seele Zur Einheit macht mit Kräftemechanismen, Die dieser Seele selbst entsprungen sind. Wer so der eignen Seele Leben Ins Spiel der Kräfte sich ergießen sieht Und sich als Seelenwesen neben seinem Werke weiß, Der kann den Mechanismus der Natur Fürwahr nicht seelenlos sich denken. Ihm stehen Weisheitswesen und Willensmächte Lebendig hinter allem Sinnessein. Doch wie wenig versteht der von meiner Seele, Der sie nur in meinen Mechanismen sucht. Er weiß, wie ich denke, Doch was ich erlebe, kennt er nicht.
THOMASIUS: Es trat in diesem Reiche ein wahrer Kenner der Weltgesetze mir entgegen. Was dieser Kenner dem Welturteil bedeutet, das kann nicht entscheiden, sondern allein der kann ihn beurteilen, der ihn kennen gelernt hat in seiner wahren Wesenheit. Und er ließ mich schauen, daß von größtem Glück es wäre, wenn mein Werk nie vor die Welt getreten wäre. Alles, was in ihm ist, und was der Welt Beifall jetzt findet, es kann nichts entscheiden über seinen Wert. Denn alles, was Wissenschaft und Denken an solchem Werke richten können, es kann sowohl gut als auch schlecht in der Wirkung sich erweisen. Und so kann eine Schöpfung, die von der Vernunft als die beste angesehen wird, als wahrhaft schädlich sich erweisen, wenn ihre Wirkung im Weltenfortgang sich entfaltet. Ahriman zeigte mir, daß niemand glauben dürfe, eine Schöpfung, die er vollbracht, könne sich jemals von ihm loslösen. Sie bleibt mit ihm verbunden. Und so mag es erscheinen, als ob ich etwas geleistet hätte, das gut ist und Gutes nun weiter wirken könne. Doch werde ich, wenn dies scheinbar im Erdgebiet geschieht, vom Geistesland aus in mein Werk hineinzuwirken haben, und Menschen um so gewisser zum Irrtum führen, weil sie glauben können, dem Guten zu folgen. Und dies wird geschehen müssen, weil mich Ahriman durch die Gewalt, die er über mich hat, so lenken kann, daß ihm die Wirkungen meiner Taten in der Zukunft zufallen müssen. Und so werde ich durch ein Werk, das durch den Schein der Wahrheit die Menschen verführt, diese um so gewisser zum Schlechten geleiten. Während ich an meiner Arbeit war, und in Entzücken und Beseligung von Schluß zu Schluß eilte, da konnten in meiner Seele sich voll entfalten all die Triebe, die in ihr längst veranlagt waren. Denn da mein Geist nur meinem Denken zugewandt war, da wucherte durch mein Selbst unbewacht alles was im Herzen wild nach Dasein strebte. Ich glaubte mich im höchsten Geistgebiet und ich war im tiefsten Seelentriebe. Ich hatte mich, bevor ich an die Arbeit ging, ja Lucifer ergeben. Er umspielte mein Denken mit schönsten Gebilden, die doch auch nur dem Trieb entsprangen, an ihnen die Denkerlust zu befriedigen. Doch während dies mir bewußt war, pflanzte er in meine Wesensuntergründe die wilden Triebe, welchen ich nun verfallen bin. Es kann mir Karma noch jetzt gestatten, daß ich so über alles dieses spreche, wie ich es tue. Doch werden Zeiten kommen, in welchen die Triebe meinen Geist verfinstern, und ich mit Notwendigkeit ihnen verfallen werde. Und ich werde gierig dann im Weltenwerden alles ergreifen, was aus meinem Werke folgt und es zu der Menschheit Verderben wenden. Denn ich werde Ahriman lieben müssen und mit Freude wird es mich erfüllen müssen, wenn ich durch meine Taten ihm die Welt in die Hände liefern kann.
Das Innere eines Zimmers in Balde's Häuschen
FRAU BALDE: Man steht vor Rätseln, welche Angst einflößen können. Wieviel Schönes hörte man erst von Capesius. Wie schön war es, wenn er sich von diesem einfachen Haus sein Aufleben der Seele mitnahm. Dann allerdings entwuchs er uns. Man konnte den Flug seines Geistes nicht mehr verfolgen. Und jetzt ist dieser Geist völlig durchgegangen mit ihm.
Felix Balde kommt mit Capesius
FELIX BALDE: War es nicht schön, den Duft des Tannenwaldes einzuschlürfen?
CAPESIUS: Seelenfluten und Naturduft Die Mischung ist Meer zum Ertrinken.
FELIX BALDE: Es lebt in seinen Seelenbildern Eine ganze Welt, die ihn Wie Nebelflor umgibt; er lebt an sie Verloren; doch ist in seinen Bildern Seine eigne Seele nicht darinnen. So trennt ihn seine Bilderwelt Von allem, was andre Menschen Mit den Augen schauen; Und sich selber fühlt er kaum. Man merkt dies an seinen Reden Und auch daran, daß er kein Verständnis Hat von dem, was andre reden.
FRAU BALDE: Wir können zu ihm reden Und unsre Worte werden für ihn Zu ganz seltsamen Offenbarungen. Man erkennt sich selbst nicht wieder In dem, wozu man durch seine Seele wird.
CAPESIUS: Ich erkenn' euch wohl, ihr seid Ein Stück von mir; ihr seid mein Leben, Ihr bewahrt mir meine Gedanken auf. 0, ihr dürft mich nicht verlassen. Wenn ihr mir fehlt, so sterbe ich. Kommt mit mir; ich will etwas nachdenken. Doch kann ich es nicht, wenn ihr mir fehlt.
FELIX BALDE: Für dieses Leben wird wohl Diese Seele nimmer ihren Leib finden.
MARIA: Wann er ihn auch finden mag, Er ist ein Helfer in unserm Kampf.
Felix Balde erklärt, warum Capesius verfinstert ist: es mußte dies geschehen, weil er in jener Welt der Zukunft schon steht und für diese aufbewahrt ist, gegenüber welcher die des Thomasius noch Irrtum ist. Stände Capesius jetzt dem vollen Leben nahe, so wäre der Geist des Thomasius für ihn verlockend; der Hüter der Schwelle bewahrt ihn vor einer Versuchung, die er jetzt noch nicht bestehen kann.
THOMASIUS: Warum stellt mich mein Seelenblick jetzt vor diesen Mann; will mich das Schicksal prüfen, ob ich noch die Kraft des Bewunderns habe und also nicht zu verdorben im Gemüte bin. So rasch bildet sich das Gefühl der Bewunderung nicht aus — — — — — —
O, ich hab ihn schon bewundern dürfen — Nicht das allein kann gewollt sein. Ich muß diesem Manne in vergangnen Leben schon einmal, vielleicht auch oft gegenübergestanden haben, und was mich mit ihm verbindet, muß mit diesem entscheidenden Augenblick zu tun haben. Dank ich ihm Kräfte, die mir den Eintritt erleichtern ? Kann Bewunderung — o könnt ich ihm begegnen, so wie er jetzt ist, ob er verkörpert ist, ob nicht.
MARIA: Und bist du auch sicher Johannes, daß dieser Mann bis jetzt auf seiner Höhe geblieben ist, daß er nicht wieder tief gefallen sein könne. Es wan-delt so mancher Mensch auf Erden, der einst hoch stand und dem jetzt wie ausgelöscht erscheint, was einst seine Seele bewegte. Vielleicht irrt dieser in der Welt umher von Leidenschaften durchrüttelt. Und du hättest vielmehr Grund seinen Fall zu beweinen als seine einstige Größe zu bewundern.
THOMASIUS: Maria, warum sagst du dieses jetzt ? Gibt es hier andre Gedankengänge als an andern Weitenorten.
HÜTER: Johannes, was jetzt vor deiner Seele steht, das gehört zu deiner Prüfung. In diesem Augenblicke streben dir aus dem Innersten alle Gefühle, alle Wünsche, die im verborgenen lauern. Sehen sollst du, wozu du fähig bist; wissen, wie du bist, wogegen bisher du nur deine Oberfläche kanntest. Du mußt wissen, wie du die Seele liebst, die einstmals diesen Leib bewohnte. Welcher Liebe du fähig bist, das mußt du erkennen.
LUCIFER: Versenke dich in deines Wesens tiefste Gründe. Erkenne, was am stärksten deine Seele ergriffen hat.
THOMASIUS: Ja, ich weiß es, die Seele die sich mir hier zeigt, ich werde sie jenseits der Schwelle wiederfinden. Sie zeigt sich mir hier, weil ich die Gründe kennen lerne, warum ich sie lieben darf. Ja, diese Seele ist diejenige, die ich am meisten liebe. Ich habe sie geliebt in lang vergangnen Zeiten. Ich bin ihr verbunden wie keiner andern. So werde ich sie wiederfinden, und daß sie sich mir in der Gestalt zeigt, soll mir Beweis sein, daß ich würdig bin, einzutreten. Theodora ist's. Und keine böse Macht hat diese Liebe in mich gepflanzt. Es ist der alte Trieb zu einem verehrten Meister, den ich in Theodora wieder erfühlt habe.
HÜTER: So nimm denn mein Hüterwort zu deinem kühnen Wagnis. Deine Seele zeigt dir, welche Seele du am meisten liebst. Prüfe, ob du sie lieben darfst. —
MARIA — THOMASIUS = er sieht ein, daß in seiner Seele ein Bild des Weltenlaufes gewirkt hat, das aus der Seele ist, dies kann nicht der Wirklichkeit entsprechen —
STRADER : Diese Menschen, welche mir im Leben wohlbekannt sind, was sollen sie an diesem Orte.
AHRIMAN : Es sind dieselben, welche dir schon oft im Leben nahestanden und dir freundlich oder lieblos gegenüberstanden. Sie waren dir nahe, als du in langvergangnen Erdenleben den Geistesbrüdern nahestandest.
*Benedictus Hilarius, Trautmann, Torquatus* Thomasius — Strader — Capesius
BENEDICTUS: Die Menschen, die meiner Führung anvertraut und auch diejenigen, welche mit ihnen durch Schicksal verbunden sind: sie haben viel gelernt, indem sie hindurchgegangen sind durch Welten, welche ihnen vorher unbekannt waren und in die sie gedrängt wurden durch dasjenige, was ich ihnen als Schulung geben mußte. Doch mich selbst hat die Weltenlenkung mit neuen Winken versehen.