122. Hellsehen, Magie und Einweihung

GA 46/46-05-122 · original · 24 passages · 1345 words
p001

Wenn man die Gedankenwelt verstärkt, indem man die Kraft des Liebens in sie aufnimmt, so erhellt man die geistig-seelische Wesenheit. Was im Schlafe durch Finsternis bewusstlos ist, das wird durch Licht bewusst. —

p002

Wenn man dieses tut, so versetzt man das Menschenselbst in das Innere des Lichtes - d.h. aus dem Äther in das Astrale. - Man tritt in Bezug auf das eigene Wesen schon in das Astrale durch die Imagination. - Wenn man das Gedächtnis dadurch belebt, dass man in den Willen bewusst Aktivität bringt, so verbindet man sich mit der geistigen Welt - man lebt sich mit seinem Innern in die Wesenheiten ein, welche im Innern des Lichtes leben. Das sind die Wesenheiten, die ihr sinnliches Abbild in der Natur haben. In den irdischen Naturreichen entdeckt man keine wirkliche geistige Realität, sondern nur den Abglanz einer solchen - in der außerirdischen Natur sind die realen Geistwesen zu finden. Die irdische Natur ist Gegenstand der Inspiration.

p003

Im vorirdischen Leben ist der Mensch zunächst der irdischen Sphäre ganz entrückt; er fühlt durch sein Selbst die Geistwesen, - dann beginnt die Erdennatur auf ihn zu wirken; diese entzieht ihn der Sternennatur: Er lebt sich in die bloße Offenbarung des Geistigen ein. Da ist der Geistteil des Mondes als reale Wesenheit darinnen; der entzieht dem Menschen den Geistkeim des physischen Organismus: Dieser Geistkeim wird durch die Mondenkräfte materiell - er geht in die physischen Erdenwirkungen über. Die ganze Natur wäre ohne die Mondenkräfte ein bloßes Abbild des außerirdischen geistigen Daseins. —

p004

Es ist im Menschen die geistig-seelische Wesenheit vorhanden. Sie ist im Schlafe innerlich lichtlos, weil sie das durch ihre eigene Natur ist; sie ist im Wachen sich selber fremd, weil der Körper ihr Inneres ist. —

p005

Sie ist lichtlos, weil sie außerhalb des Lichtes lebt; und sie ist sich fremd, weil sie im Körper lebt. Wenn sie im Geiste (als Geist) in das Innere des Lichtes tritt, dann ist sie in ihrem andern Sein. Der fremde Körper gibt die Erinnerungen; die Außenseite des Lichtes gibt die Naturanschauung. Was im Schlafe lebt, hat der Mensch aus dem vorirdischen Dasein mitbekommen; es ist innerlich lichtlos und sich fremd - der Körper gibt ihm durch die Sinne Licht; durch seine übrige Organisation Eigenheit.

p006

Imagination ist Eintritt in das Licht. —

p007

Intuition ist Vereinigung mit dem Geiste. —

p008

Ideale Magie: Wirken im Geistigen - es bleibt die Wirkung innerhalb der Sinneswelt aus; sie tritt ein, wenn der Mensch zum Geist wird; in der mineralischen Natur ist zunächst keine Geistigkeit; in der pflanzlichen nur eine solche, in welche der Mensch nach Ablegung seines Ätherleibes versetzt ist.

p009

In alten Zeiten bewahrte sich der Mensch noch Kräfte aus dem vorirdischen Dasein - die ideale Magie konnte noch als eine reale auftreten. —

p010

Wäre der Mensch unvorbereitet im Schlafe bewusst, so verrieten sich ihm die Geheimnisse, welche die Menschen für sich behalten wollen - und es wirkte durch ihn eine reale Magie - die sich nur beschränken sollte auf die Bildung im eigenen nächsten Erdenleben. Rechtmäßig dringt jemand in die geistige Welt, wenn er bezüglich der Clairvoyance sich darauf beschränkt, die Geheimnisse der Natur zu enthüllen und bezüglich der Magie nur die Kräfte zu benützen, welche von dem Ich-Bewusstsein aufgenommen werden können. Er darf nicht die Geheimnisse der Menschen enthüllen wollen; und er darf nicht Beeinflussungen durch die unbewussten Kräfte der Natur auf den Menschen üben wollen. - Er darf Aufklärung bewirken durch Lehren der Naturgeheimnisse; und er darf die Wege angeben, durch welche die Menschen richtige Angehörige der geistigen Welt sind und richtig in ihr wirken können. —

p011

Der Eingeweihte kann wissen, dass der Mensch nach dem Tode kurze Zeit seinen Ätherleib noch an sich hat. Denn er kennt diesen Ätherleib dadurch, dass er ihn durch die in der Meditation entwickelte Seelenkraft vom physischen Leibe loslösen kann - dann hat er seine Erinnerungswelt vor sich. Er lernt aber auch kennen, wie der kosmische Äther fortwährend bestrebt ist, diesen Ätherleib in sich aufzulösen, wenn er nicht durch den physischen Leib zusammengehalten wird. Wird im Ätherleibe eine Erfahrung gemacht, so ist sie nach 2-3 Tagen dahin, wenn sie nicht dem physischen Leibe eingegeben wird. Man kann als Eingeweihter die bedeutsamsten Erfahrungen machen; man behält sie nicht, wenn man sie nicht dem physischen Körper einverleibt. —

p012

Der Eingeweihte kann ferner wissen, dass der Mensch dann im astralischen Leibe lebt — denn er kennt diesen durch sein im Geistigen erwachtes Selbstbewusstsein -; er weiß, dass in diesem astralischen Körper zwei Essenzen sich bekämpfen - die menschliche und die kosmische. Er kann auch die Zeit bemessen, während welcher dies andauert, denn er sieht im Menschenleibe wirksam den sich eingliedernden astralischen Leib - durch die Zeit der Kindheit und Jugend - und die des Festhaltens -; es muss im nachirdischen Dasein das Zusammenhängen des astralischen Leibes mit dem physischen gelöst werden - man lernt den Vorgang des Lösens kennen an der Art, wie man sich beim Eingange in das Erdenleben vom Geistigen gelöst hat. Man vereinigt sich damit ja wieder - als Eingeweihter lernt man kennen, wie einem die geistige Welt entgegenkommt -; man wird gewahr, wie man sich präpariert, sie zu empfangen, und wie sie dann eintritt in die Seele - da ist ihr die irdische Selbstheit ein Hindernis. —

p013

Während der Kindheit und Jugend ist der Inhalt des astralischen Leibes aus dem Bewusstsein herausgezogen - er hat sich in den physischen Leib ergossen -; nach dem Tode muss das volle Bewusstsein dessen wieder entstehen, was sich im äußeren Erleben mit dem astralischen Leibe verbunden hat. - Und der Eingeweihte kennt das Ich und dessen Zusammenhang mit dem phys. Körper. Das Ich muss diesem ganz angepasst sein - es muss ihn als Gedankeninhalt haben -; dazu war die Zeit notwendig, die verflossen ist, seitdem die äußeren Verhältnisse ganz anders geworden sind - in dieselben Verhältnisse hinein begibt sich das Ich nicht -; es wird dann das nächste nachirdische Leben länger oder kürzer, je nachdem der Mensch dem Geistigen verwandter oder fremder während des Erdenlebens geworden ist.

p014

Die Seele gibt sich die zweiten Zähne, indem sie die sich verflüssigende Menschenwesenheit in Formen gießt; dadurch erlangt sie für sich selbst so viel Kraft, um das Gedankenleben zu verinnerlichen; denn mit der Geschlechtsreife tritt sie in die äußere Welt ein - gestaltet sich die Handlungsarten. —

p015

Der physische Menschenleib ist nicht aus der Natur — er ist aus der Geisteswelt -; er wird durch die Seele mit der Natur verbunden - die ihm die irdische Außenwelt eingliedert. —

p016

Der ätherische Menschenleib ist aus dem Kosmos - er wird durch die vergeistigte Seele mit der Außenseite des ätherischen Kosmos verbunden. Der hellsehend Gewordene schaut: sich als leuchtend (ätherisch) und er findet anderes Leuchtendes, indem er sich nicht mit dem eigenen, sondern mit dem andern Leuchtenden (Ätherischen) durchdringt; dazu muss man in den Gedanken drinnen stecken. —

p017

Der magisch Gewordene erlebt sich als tätig im Geiste und im Wechselverhältnis mit anderer Geister Tätigkeit.

p018

Guru wurde gesucht als derjenige, welcher den Inhalt der Hellsichtigkeit des Schülers regelte und ihm angab, wie weit er mit seiner Magie gehen dürfe. —

p019

An die Stelle tritt: die Geheimnisse der Natur enthüllen - weil Naturwissenschaft die Grenzen angibt. - Man kann, wenn man sich an das hält, was der Naturwissenschaft als Methode eigen ist, nicht in die Seelengeheimnisse des Andern unbefugt eindringen. —

p020

Sich halten an dasjenige, was in das Bewusstsein aufgenommen werden kann. - Man überwältigt nicht den Menschen, indem man ihm die Natur aufnötigt, ohne dass er sie mit seinem Bewusstsein aufnimmt. Solche Naturwirkungen aber lässt die Naturwissenschaft nur gelten. Die Pflanzen stehen zum Kosmos so, dass in ihnen wirkt, was dem Hellsehen bewusst wird.

p021

Die Tiere stehen zum Kosmos so, dass nicht Naturgesetze, sondern Magie in ihnen tätig ist. —

p022

Auf das gewöhnliche Bewusstsein wirkt das Licht von außen Auf das hellsehende von innen —

p023

Auf das gewöhnliche Bewusstsein wirkt die Liebe von innen —

p024

Auf das hellsehende von außen - die schaffende Liebe im Menschen, im Tiere - die sich zurückziehende in der Pflanze, im Mineral Das Licht als scheinendes im Mineral, in der Pflanze als sich in sich zurückhaltendes im Tiere, im Menschen

Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/46/46-05-122.json
Cite: GA 46/46-05-122 · edition original