Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — München, 1908-06-14

GA 266a/1908-06-14 · 1908-06-14 · original · 7 passages · 1512 words
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## GA 266/1 — 1908-06-14, München

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München, 14. Juni 1908 Aufzeichnung A Die Wartezeit, die der Esoteriker durchmachen muß, bis er sein Ziel, das Betreten höherer Welten, erreicht, dünkt ihn oft sehr lang. Mancher glaubt, daß gerade bei ihm sich die geistigen Organe besonders langsam bilden. Nun wirkt aber selbst die leiseste Ungeduld immer verzögernd, gerade auf die Ausbildung dieser Organe, und wenn der Schüler sich über einen Mißerfolg beklagt, so hat er damit sehr oft unrecht. Denn acht Zehntel der Schüler haben ihre geistigen Organe schon ausgebildet, oft, ehe sie eine Ahnung davon haben, ehe sie verstehen, dieselben anzuwenden. Es geht da, wie es dem schlafenden Menschen mit seinen Gehörorganen geht. Das Ohr ist geöffnet wie immer, auch im Schlafe, und doch vernimmt der Mensch nichts von der Außenwelt, weil das Ich mit dem Astralkörper den physischen Leib und Ätherleib verlassen hat. Das Erleben der Eindrücke, die die Außenwelt unseren Sinnen fortwährend vermittelt, wirkt zerstörend auf unsere Sinnesorgane ein. Wenn wir eine Rose ansehen, so wirkt die rote Farbe, die Form etc. zerstörend auf unsere Netzhaut. Die Empfindung für die Rose geht unsere Nervenstränge entlang und wirkt zerstörend auf diese ein. Was die Netzhaut empfängt, wirft der Astralkörper als Eindruck in den Ätherleib, und so erhält dieser täglich zahlreiche Eindrücke von außen. Was im physischen Körper zerstörend wirkt, ist aufbauend im Ätherkörper. Dieser baut sich durch die Eindrücke und Erfahrungen von außen auf. Bei dem Astralleibe und dem Ich ist das gleiche Verhältnis. Der Astralleib wird durch die äußeren Eindrücke geradeso zerstört; das Ich soll aber wieder aufbauend wirken. Der Astralleib kommt harmonisch organisiert zu einer neuen Inkarnation und wird erst durch das Leben unharmonisch gemacht. Beim Eintritt in das neue Leben empfindet das der Astralleib, und das ist die okkulte Erklärung dafür, warum die weitaus größte Anzahl der Kinder nach der Geburt schreit. Ihr Astralleib empfindet als Schmerz den Eintritt in das Leben, das ihm seine Harmonie stört. Diese Harmonie kann nur durch das Ich wieder hergestellt werden, durch Schaffung von Gedankenbildern, die vom Ich aus durch den Astralkörper auf den Ätherleib geworfen werden und die lebensfähig sind. Die Eindrücke, welche wir unserem Ätherleibe im gewöhnlichen Leben vermitteln, sind meist wertlos, was ihre Lebenskraft anbelangt. Wir sollen nun Gedankenbilder schaffen, die klar, richtig gegliedert und darum lebensfähig sind. Wir können uns schematisch das Gesagte auf folgende Weise darstellen: Was die Sinnesorgane von außen empfangen, werfen sie (zum Beispiel das Auge) auf den Ätherleib, auf dem das Bild entsteht. Das Ich wirkt nun von der anderen Seite auf den Ätherleib durch den Astralleib, formt in diesem einen Gedanken, den es auf den Ätherleib als Eindruck wirft; und daß diese Gedanken richtige, lebensfähige sind, darauf kommt es an. Diese lebensfähigen Gedanken bilden unsere geistigen Organe, die uns hellseherisch machen sollen. Wie die Götter unseren physischen Körper harmonisch schufen, daß jedes Organ, jedes Glied an seinem richtigen Platze ist, so müssen wir unseren Astralleib und Ätherleib harmonisch formen, unsere Gedanken lebensfähig machen. Die

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Zeit spielt dabei keine Rolle. Ein geübter Esoteriker braucht oft nur eine Minute, um seine Eindrücke wieder zu ordnen. Durch die Meditation, das Sichversenken in gewisse Begriffe, in ewige Gedanken, schafft man solche Leben enthaltenden, organbildenden Eindrücke in seinem Ätherleibe. Es ist zum Beispiel wichtig für jeden Schüler, über den Begriff Weisheit zu meditieren. Damit ist aber nicht gemeint, daß er sich nun eine fest umrissene, verstandesmäßige Definition von der Weisheit verschaffen soll, sondern er soll im Gegenteil leicht bewegliche, leicht zu verändernde Ansichten darüber hegen. Weisheit und Klugheit oder Bildung sind etwas sehr Verschiedenes. In den höheren Welten, wo alles spezifizierter ist, gibt es Wesen, die sehr weise sind, ohne überhaupt zu denken. Sie führen Pläne höchst weisheitsvoll aus, die aber von anderen Wesen erdacht sind. Auch unter den Menschen gibt es solche, die weise sind, ohne klug zu sein, ohne daß sie irgendwelche Verstandesbildung besitzen. Wenn man nun über den Begriff der Weisheit meditiert in der richtigen Weise, so wird von der Weisheit selbst in uns etwas einfließen, aus den höheren Welten uns Erleuchtung kommen. Ein zweiter Begriff, über den man meditieren soll, ist die Liebe. Was der Durchschnittsmensch «Liebe» nennt, ist oft nur der krasseste Egoismus. Sogar die Liebe einer Mutter, die ihr krankes Kind pflegt, ist oft nur der Ausdruck des Egoismus, der zittert vor dem Schmerz, das Kind zu verlieren. Wahre Liebe ist immer produktiv. Deshalb hat heutzutage, so hart es klingt, fast nur der Künstler eine Ahnung von der Liebe, während er sich schaffend ganz seinem Werke hingibt. So schufen die Götter unsere Erde aus Liebe, indem sie sich ganz ihrem Schaffen hingaben und sozusagen die Schöpfung aus sich herausschwitzten. Was Liebe und Weisheit aus sich heraus in sich vereinigen kann, das ist das Ich.

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das Ich, das immer an sich schafft, das immer von neuem «beicht» werden muß, wie Fichte sagt. Fichtes Philosophie versteht nur richtig, wer sie von diesem Standpunkt aus erfaßt, daß das Ich sich [selbst] immer neu schaffen, sich selbst erkennen muß. Dies meint auch Meister Eckhart, wenn er sagt: «Wäre ich ein König und wüßte es nicht, so wäre ich kein König.» Also: was nützt es, ein König zu sein, wenn man sich nicht bewußt ist, einer zu sein. Alles wirft seinen Schatten aus höheren Planen auf niedere Plane, und so wirken diese Drei, Ich, Weisheit und Liebe, auf dem nächstniederen Plan als Denken, Fühlen und Wollen. Hier sind sie nicht so spezifiziert, deshalb zeichnen wir sie als ein unter sich verbundenes Dreieck. Wer intensiv darüber nachdenkt, wird innewerden, daß das Ich sich in Denken umsetzt, die Weisheit ins Gefühl geht und die Liebe, die produktive, zum Willen wird, der der Antrieb zum Schaffen, zur Hingabe ist. Als Ergänzung zu diesen drei Punkten, diesem Dreieck, ist es gut, über vier weitere Punkte zu meditieren (siehe Zeichnung S. 392). Wenn der Mensch zu einer neuen Inkarnation drängt, so schaffen ihm höhere Wesen von viererlei Art seinen Ätherleib: die sanguinischen, cholerischen, phlegmatischen und melancholischen Wesen. Jeder Mensch erhält von jeder Art dieser Wesenheiten etwas, wenn auch die eine oder andere vorwiegt. Dieses vorwiegende Temperament äußert sich im ganzen Gebaren des Menschen, besonders des Kindes. (Ein sanguinisches Kind hüpft; sein

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Blick gleitet achtlos über vieles. Ein cholerisches Kind wird zum Beispiel eine Birne, die ihm geboten wird, ganz anders fest pakken als ein phlegmatisches.) Deshalb (wegen des Zusammenwirkens aller vier Temperamente) haben die Menschen für eine Sache eine phlegmatische, für eine andere eine cholerische Empfindung. Diese Temperamente halten sich untereinander das Gleichgewicht. Zum Beispiel sind die Wesen des Phlegmas die Feinde allen Philistertums, alles Kleinlichen, in das die Menschen verfallen würden, wenn sie zu viel von der Melancholie abbekämen. Diese vier astralen Wesenheiten haben wiederum im Physischen ihren Ausdruck: die cholerischen im Feuer, die sanguinischen in der Luft, die phlegmatischen im Wasser, die melancholischen in der Erde. Unsere Erde ist der äußere, physisch gewordene Ausdruck für die Melancholie. Wenn man über alles dieses meditiert, so wird man im Laufe der Zeit in einer stillen Stunde in den Zustand kommen, daß man bei vollem, klarem Bewußtsein doch das Bewußtsein für die äußere Welt verliert, und in diesem Zustande wird man erkennen, was das Ewige ist, daß Geburt und Tod nur Wandlungen sind. Der Ätherleib wird sich von der anderen Seite her durch das Ich erleuchten, und wir werden die ewigen, lebendigen Gedanken, die wir ihm einprägten, in ihrem Wirken erkennen und sehen, daß sie die hellseherischen Organe schufen, deren wir uns nun bedienen können. Wenn wir diesen Prozeß auf irgendeine Weise aus Ungeduld beschleunigen, so wird der Ätherleib durch das Ich erleuchtet, und wir sehen darin nur, was das Leben uns an äußeren Eindrücken hineingab, Zerrbilder, die oft gräßlich sind, oder verführerische, schöne Trugbilder*. Deshalb ist die größte Geduld und Vorsicht geraten, damit wir uns wohlgeformte, richtige Gei___________ * Gemeint sein dürfte: «... so wird der Ätherleib zwar auch durch das Licht erleuchtet, aber wir sehen darin nur ...» stesorgane schaffen; denn wir schaffen damit unsere Zukunft, unsere neue Erde. Unseren jetzigen Planeten haben die Götter meditiert und so weisheitsvoll, wie er ist, soll auch das werden, was wir schaffen. Die Hellseherorgane kräftigt auch jeder Kunstgenuß. Wenn wir zum Beispiel eine Statue ansehen, so ist es gut, in Gedanken die Formen und Linien nachzufühlen. Das stärkt die schöpferischen Fähigkeiten.

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Aufzeichnung B (Auszug) Da nun der moderne Mensch in der Welt lebt, so wirkt alles das, was durch seine Sinnesorgane in ihn einzieht, auf den Ätherkörper und prägt sich diesem ein. Nur im Schlaf ist dies nicht der Fall. Alles, was nun geistig auf den Menschen einwirkt, bewirkt das Ich durch den Astralkörper des Menschen, das prägt sich ebenfalls dem Ätherkörper ein. Wenn nun sehr viele Bilder der Außenwelt in den Ätherleib eingeprägt sind, so ist dort kein Platz für die Bilder der geistigen Welt. Darum ist es so wichtig für die Entwicklung der Menschheit, Meditations- und Konzentrationsübungen zu machen, denn dadurch prägen sich die geistigen Bilder in den Ätherkörper ein. Es kommt weniger darauf an, daß es lange Zeit hintereinander ausgeübt wird, als darauf, daß es intensiv getan wird, daß die ganze Außenwelt verschwindet und der Mensch nur im Geistigen lebt.

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ESOTERISCHE STUNDE

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Cite: GA 266a/1908-06-14 · edition original