Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — München, 1909-12-05

GA 266a/1909-12-05 · 1909-12-05 · original · 4 passages · 1113 words
Record: listeners' notes. Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word. Evidence: «Gedächtnisaufzeichnungen von Teilnehmern sowie Notizen von Vorträgen» (Participants' records written from memory, and notes of lectures). Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one.
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## GA 266/1 — 1909-12-05, München

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München, 5. Dezember 1909 Wir haben oft hier besprochen, daß es sehr darauf ankommt, in welcher Gesinnung wir unsere Meditation ausführen, daß die Hauptsache ist, wie wir fühlen, wie wir denken, wie wir empfinden. Das richtige Fühlen und Denken gibt uns die Kraft, die uns einführt in die Geisteswelt, in die wir hineinstreben. Nur durch den unerschütterlichen Glauben an diese Kraft erheben wir uns zur Pforte der Geisteswelt. Um diese Kraft zu begreifen, müssen wir uns einmal ansehen, wie die esoterischen Schulen in der vorchristlichen Zeit waren im Vergleich zu denjenigen, die nach dem Ereignisse der Einführung des Christentums entstanden sind und die die Christus-Kraft in sich aufnehmen mußten, von ihr durchströmt wurden. Welcher Unterschied besteht da? Wir müssen da den Anfang des Johannes-Evangeliums zur Antwort heranziehen: «Im Anfang war der Logos, und der Logos war bei Gott ... und der Logos ward Fleisch.» Dadurch, daß das Wort Fleisch geworden war, änderte sich auch die Lehrweise in den esoterischen Schulen. In der vorchristlichen Zeit war das Wort noch nicht wirksam. Es wurde schweigend gelehrt, und schweigend, in Bildern, erhielt der Schüler durch die Anschauung die Mitteilungen aus den geistigen Welten. Er wurde schweigend in einen dunklen Raum geführt, und an diesem Orte des Schweigens tauchte das Bild eines geflügelten alten Mannes vor ihm auf, der eine in blaue Wolkenschleier gehüllte weibliche Gestalt verfolgte, sich mit ihr zu vereinigen strebte. Dieses Bild taucht vor dem Seher in den geistigen Welten auf, wenn er einen durch die Todespforte gegangenen Greis beobachtet, der sein Leben rückwärts lebt in Kamaloka und seinem höheren Ich nachstrebt - der Frauengestalt, die in blaue Wolkenschleier gehüllt ist -, um sich mit ihm zu vereinigen und sich in die höheren Welten, nach Devachan, zu erheben. Die blaue Farbe ist immer die des Strebens nach Höherem. Wenn der Schüler über dieses

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Bild, das nur Geistiges darstellt, meditierte, so flossen ihm daraus die Kräfte zu, in diese höheren Welten zu gelangen. In den zu Recht bestehenden esoterischen Schulen der Jetztzeit, die zum Mittelpunkte die Christus-Kraft haben, kann nun durch das Wort gelehrt werden. Früher konnte nur durch Mantrams, durch den Laut, der Verkehr mit den göttlich-geistigen Welten bewirkt werden; jetzt aber kann der Mensch durch das sinnerfüllte Wort in seinem Innern die Vereinigung mit der Christus-Kraft anbahnen. Geflügelte Boten sollen die Worte sein, die den Menschen hinauftragen in die geistigen Welten. Wenn der Schüler einen Sonnenaufgang erlebt, wenn er die feurige Kugel herauftauchen und die ersten Strahlen ausschicken sieht, so empfindet er, daß die Sonne der Träger der physischen Wärme ist und Wärme in ihm auslöst. Er weiß aber auch, daß ein Geistiges hinter der Sonne steht, und wenn er sich auf dieses konzentriert, so wird mehr und mehr die äußere Erscheinung der Sonne schwinden und die Gestalt erscheinen vor seinem geistigen Auge, die in allen esoterischen Schulen als der Christus-Geist erkannt wird. Und diese Erscheinung durchstrahlt, wie ihr äußeres Kleid die Welt mit Licht durchströmt, diese mit Liebe. Die Träger des Lichtes sind die luziferischen Wesenheiten, der Träger der Liebe ist die Christus-Wesenheit. Und diese Liebe muß der Schüler überströmen fühlen, wenn er das Schauspiel eines Sonnenaufganges erlebt. Dies ist ausgedrückt in der Meditation: In den reinen Strahlen des Lichtes Erglänzt die Gottheit der Welt Wenn es dem Schüler gelingt, sich ganz abzuschließen in seiner Meditation gegen äußere Einflüsse und Geräusche, wenn er den physischen Körper sozusagen ausschaltet, so lebt er während der Meditation nur in Ätherleib, Astralleib und Ich. Wenn der Mensch im Schlafe seinen physischen Leib und Ätherleib verlassen hat und mit Ich und Astralleib in höheren Welten weilt, so ziehen in seine verlassenen Körper hohe geistige Wesenheiten. In

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den physischen Leib ein Ich der Geister der Persönlichkeit, die auf dem Saturn ihn schufen, in den Ätherleib ein Ich der Erzengel. Unser eigenes Ich geht dafür in die Welt der Geister der Persönlichkeit, der Astralleib in die der Erzengel. Unbewußt leben sie in diesen Welten, und wir sollen bewußt in unserer Meditation diesen Prozeß durchmachen, bewußt in diese Reiche eingehen mit Ich und Astralleib und den Ätherleib mit hinüberziehen. Wie ein magnetisches Fluidum muß es uns bei unserer Meditation in die geistigen Welten hinüberziehen; dann sind wir in der richtigen Gedankenverfassung. Aber nicht auf die Worte selbst kommt es so sehr an, sondern daß der richtige Sinn aus den geistigen Welten in sie hineinströmt; daß sie sinnerfüllt durch die Christus-Kraft sind, darauf kommt es an. In den esoterischen Stunden werden die Worte so gewählt, daß sie ganz unpersönlich wirken, sobald sie die Lippen des Lehrenden verlassen haben. Denn sie sollen ein Kleid abgeben, in das der die Welt durchströmende Logos sich hüllen kann. Diesen Strömungen des Logos müssen die Worte sich anpassen. Deshalb werden sie in ganz bestimmter Weise gesetzt. Es werden zum Beispiel für manche Begriffe zwei Ausdrücke gewählt, weil einer allein den Sinn dessen, was ausgedrückt werden soll, nicht wiedergäbe. Wenn man zum Beispiel sagt: «Das geistig-göttliche Leben durchlebt die ganze Welt», so drückt man die entsprechende Tatsache nicht genügend aus. Wenn man hingegen sagt: «Das geistig-göttliche Leben durchlebt und durchwebt die Welt», so hat man zwischen diesen zwei Ausdrücken ein Bild dessen, was gesagt werden soll. Unsere Ausdrucksweise ist vielfach ungenau und gibt das unrichtig wieder, selbst, was auf dem physischen Plane geschieht. Wenn man zum Beispiel das Hervorsprießen der Blüten, des Grünen im Frühling mit einer Geburt, das Welken der Blätter und Blumen im Herbst mit einem Sterben vergleicht, so ist das eine Ausdrucksweise, deren ein Esoteriker sich nicht befleißigen sollte, denn es gibt das nicht wieder, was in Wirklichkeit in der Natur vorgeht. Einen wahren Begriff davon können wir erhalten, wenn wir diesen Vorgang im Frühling vergleichen mit unserem Erwachen des Morgens. So gestärkt und erfrischt, wie wir da zu einem neuen Tage, zu unseren alten Freuden und Schmerzen zurückkehren aus einem dunkeln Unterbewußtsein, in das wir hinabgetaucht waren, so empfinden und fühlen die geistigen Wesenheiten, die das grüne Pflanzenkleid der Erde hervorziehen aus dem Dunkel, in welches im Herbst das Samenkorn in den Schoß der Erde gesunken war. Wenn wir uns im Frühling diesen Gedankengängen hingeben, so werden wir dem Geiste der Erde näher kommen und werden auf richtige Weise eindringen in die geistigen Welten. Wir werden dann hinter allen Naturerscheinungen das Geistige bemerken. Wenn wir sehen, wie ein Blitzstrahl einen Baum spaltet, so sollen wir beim Blitze an die Erzengelwesenheit denken, beim rollenden Donner an eine geistige Wesenheit aus den Welten des tönenden Lichtes, an die Geister der Persönlichkeit. Nicht durch die allgemeine Redensart von der «Vereinigung mit dem Göttlichen in uns» erreichen wir diese, denn nicht in uns werden wir das Neue, das Höhere finden: außer uns liegen die Welten, in die wir bewußt eindringen sollen.

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Cite: GA 266a/1909-12-05/p003-p004 · edition original