Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — Leipzig, 1913-12-30

GA 266c/1913-12-30 · 1913-12-30 · original · 12 passages · 4514 words
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## GA 266/3 — 1913-12-30, Leipzig

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Leipzig, 30. Dezember 1913 Aufzeichnung Α Wenn die Auffassung richtig wäre, die die Seelen-Untersucher des Mittelalters hatten und die auch von den modernen Psychologen geteilt wird, so gäbe es keine Esoterik. Damals wurde der Satz geprägt: Alles, was in der Seele vorgeht, ist intentionell, das heißt, allen Seelenvorgängen liegt eine bestimmte Absicht zugrunde; wenn ich denke, so hat mein Denken einen bestimmten Inhalt, ich muß etwas denken; wenn ich fühle, hoffe, vorstelle, will: so muß ich «etwas» fühlen, hoffen, vorstellen, wollen. Die mittelalterlichen Seelen-Untersucher drückten das klar aus, viel schärfer und klarer als die heutigen Psychologen; denn unsere Zeit ist die Zeit der verschwommenen Begriffe. Wäre diese im Mittelalter vertretene Ansicht richtig, so wäre ein esoterisches Denken nicht möglich, denn der Esoteriker will ja eben auch dieses «etwas» aus seiner Seele entfernen, sie ganz leer machen, damit dann in seine Seele einströmen kann das göttliche Denken. In gewissem Sinne wird das ja auch nicht hervorgerufen durch unsere Übungen, denn in ihnen konzentrieren wir uns ja auf bestimmte Worte, Bilder etc., die uns vom okkulten Lehrer gegeben sind. Also doch auf ein «etwas» - was aber nicht der Sinneswelt entnommen ist. Und vorbereitet wird unsere Seele dadurch, wenn sie herangereift ist durch diese Übungen, zu empfangen das göttliche Dasein. Welchen Zweck hat denn das konzentrierte Denken? Uns abzulenken von den materiellen Gedanken, die uns umschwirren, und uns hinzulenken, in einem bestimmten Gedankeninhalt zu ruhen. Nach und nach müssen wir dann dahin gelangen, in der Meditation von einem bestimmten Gegenstand unseres Denkens abzusehen, uns ganz frei davon zu machen und uns die Kräfte selbst zu entwickeln, die zum Denken nötig sind. Die mittelalterlichen Seelen-Untersucher wußten das auch

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sehr wohl, aber sie befolgten eine Regel, die noch heute von vielen befolgt wird, ja, die ein Grundsatz aller Erkenntnistheorie geworden ist. Sie sagten: Das Denken, Fühlen, Wollen ohne Intentionen zu erreichen, ist sehr schwierig; was schwierig ist, ist für den Menschen unmöglich. So kamen alle jene Ideen über das Begrenztsein des Erkenntnisvermögens in die Philosophie. Natürlich ist es für den Esoteriker nicht leicht, bei der Meditation jeden Denk-, Gefühls-, Willensinhalt aus seiner Seele zu entfernen und nur die Kräfte selbst zu entwickeln. Nur durch stetige, angestrengte Meditation wird er dahin gelangen. Im Grunde befindet sich der Meditant ja in derselben Lage wie der schlafende Mensch, nur daß er sein Bewußtsein aufrecht erhält. Was geschieht denn im Schlaf? Astralleib und Ich verlassen den Körper, und auf der Ruhestätte liegen bleiben der physische und ätherische Leib, das heißt, wie ich schon öfters erwähnt habe, es ist das nur bis zu einem gewissen Grade richtig. Wie die Sonne nur für einen Teil des Erdballs untergeht, um für die andere Hälfte neu zu erstehen, so ruht auch nur der eine Teil des physischen Leibes. In dem anderen Teile beginnt die Sonne des Astralleibes und des Ich ihre Tätigkeit zu entfalten. Denn aus dem Nerven- und Blutsystem sind während des Schlafes Astralleib und Ich zwar herausgezogen, aber in das übrige physische System - Sinnes- und Drüsenorgane - beginnen sie mit ihren Kräften während des Schlafes hineinzuarbeiten. An einem Vergleich werden Sie das ersehen. Wer wäre nicht schon eingeschlafen in einem nicht genügend geheizten Zimmer und mangelhaft vorbereitet für den Schlaf und hätte dann beim Aufwachen das unangenehme Gefühl gehabt, daß sein Körper abgekühlt sei. Der Grund dafür ist, daß während des Schlafes Astralleib und Ich nicht in ihm sind, wenigstens nicht im Blut- und Nervensystem. Dagegen durchziehen sie auch im Schlafe die Drüsen- und die Sinnesorgane. Denken wir zum Beispiel an ein Leckermaul. Bei ihm sind die Drüsenorgane natürlich anders ausgebildet, weil er die Gier nach guten Speisen noch nicht überwunden hat. Wir müssen bedenken, daß dadurch, daß bei

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der Meditation die Organe sich selbst überlassen sind, Astralleib und Ich herausgehen, wenn sie sich verselbständigen. Nicht anders ist es bei den Sinnesorganen. Es wird paradox erscheinen, daß die Sinne am meisten wachen, wenn der Mensch schläft. Dennoch ist es so. Nehmen wir zum Beispiel das Auge. Während in der Nacht unsere Augen geschlossen sind, arbeiten die Kräfte des Ich und Astralleibes hinein. Dagegen wenn wir wachen am Tage, so schlafen eigentlich die Augen. Täten sie das nicht, so würde der Mensch sie nicht gebrauchen können. Es ist eben so, daß auf der Halbkugel des Sinnes- und Drüsensystems die Sonne des Astralleibes und des Ich in der Nacht aufgeht. Der, der im Schlafe bewußt aufwacht, kann erleben das Licht, das an den Augen arbeitet, das Aufbauen der Sinne, das am Tage aufhören muß, damit der Mensch sehen kann. Ein solcher Mensch kann, wenn die Linse sich ausdehnt und wieder zusammenzieht, im Gesichtsfelde das Bild eines Engels haben, das auf ihn zuschwebt. Könnte er seinen Blick erweitern, so würde er, aus sich herausprojiziert, einen Engel sehen im Kampfe mit einem Dämon. Diese Imagination entsteht, weil im Schlafe das Blut beschäftigt ist, das Auge zu versorgen. Denn Götter, Erzengel haben durch Göttergenerationen hindurch an dem menschlichen Auge gearbeitet. Wenn man sich das klarmacht, so wird man auch empfinden, wie unheilig die moderne Physiologie die Sonde hineinsenkt in das, was in Jahrmillionen von Hierarchien göttlicher Wesenheiten geschaffen wurde. Wenn sich der Meditant so von außen anschaut, kann er das Gefühl bekommen von einem Raum, der nur von Wärme erfüllt ist, wie eine Art Backofen. Was darin lebt, ist das, was lebt und webt im Menschenseelenleben als Eigenes. Wir wissen, daß es vier Arten von Äther gibt: den Wärme-, Licht-, chemischen und Lebensäther, Die Wärme, die nicht nur eine Bewegung der Moleküle ist, wie die Physiker meinen, sondern die erste der vier Ätherarten, die Wärme, die der Mensch hat als Eigenwärme, rührt nicht bloß von physikalischen und chemischen Prozessen her, sondern sie rührt - wenigstens beim Menschen ist es so,

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beim Tiere ist es anders - daher, daß ein Ich und Astralleib tätig sind. In der Meditation ist es möglich, diese Eigenwärme zu spüren in und auch weit außerhalb des Körpers als eine Wärmesphäre, die die Stelle ausfüllt, wo sonst der Körper empfunden wird und darüber hinaus. Diesen Wärmeäther, der uns umhüllt, müssen wir fühlen. Viel Aufmerksamkeit ist dazu nötig. Natürlich, wenn jemand sich uns näherte und uns stechen wollte, so wird man nur etwas merken, wenn wirklich die Haut berührt wird. Man kann sich nicht einbilden, gestochen zu werden, wenn nur der uns umgebende Äther getroffen ist. Angehende Esoteriker spüren nichts von diesem Äther, sie spüren etwas ganz anderes: Gedanken, die auf sie einstürmen; oft lange vergessene Bilder, Gefühle und Sorgen dringen auf sie ein. Sie kommen dann wohl und klagen. Dann kann der mehr erfahrene Esoteriker sagen: Ich gratuliere dir zu dem Fortschritt, daß du das jetzt merkst! Darauf paßt das Wort aus dem Johannes-Evangelium: «Und das Licht scheinet in die Finsternis, aber die Finsternisse haben es nicht ergriffen!» Denn diese Wärme, die in uns ist, ist Finsternis. Von außen will das Licht eindringen, aber es kann nicht, weil in der Wärme selbst ein Kampf stattfindet, ein Kampf zwischen zwei Arten von Wärme. Es wird dem Menschen schwer fallen, einzusehen, daß es diese zwei Arten von Wärme gibt. Um das etwas einsehen zu können, muß man zu den Bauern gehen, zu ihrer Bauern-Philosophie, wenigstens wie sie früher war; denn in den letzten Jahrzehnten sind die Bauern immer dümmer geworden. Aber das rührt nur daher, weil sie mehr mit den Städtern in Berührung gekommen sind. Die alten Bauern waren durchaus nicht dumm; sie wußten vieles in ihrer Bauern-Philosophie. So hat mir einmal ein alter Hirte gesagt, als ein Gewitter begann heraufzuziehen: Das sind zwei Wetter, die gegeneinander aufziehen. - Die moderne Physik würde von positiver und negativer Elektrizität sprechen; aber bei diesen abstrakten Begriffen hört dann auch ihr Verstehen auf. Der alte Hirte fühlte, wußte

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noch aus den Untergründen seiner Seele heraus, daß, wenn ein Gewitter heraufzieht, da zwei Mächte gegeneinander kämpfen, daß da ein Kampf stattfindet. Der moderne Mensch hat dieses Bewußtsein von den zwei Wärmearten nicht mehr; daß es zwei Arten von Licht gibt, das kann er sich schon eher vorstellen: das innere Licht, das luziferische, und das äußere, das göttliche Licht, das er auf sich zukommen sieht in der Meditation. Aber außer der Eigenwärme des Menschen, die luziferisch ist, gibt es auch noch die Wärme, die ihn von außen bestrahlen kann, die er aber zuerst in der Meditation als Kälte empfinden wird. Es ist ein gutes Zeichen, in der Meditation angehaucht sich zu fühlen von der Kälte, die Wärme ist der geistigen Welten. An diese Kälte hingegeben, fühlen wir unsere Eigenwärme wie eine Sphäre um uns und in uns. Wir gehen wie durch einen feurigen Ofen, in dem alles verbrannt wird, was luziferisch an uns ist und doch wird dies Feuer des göttlichen Zornes - das eigentlich Liebe ist - als uns anhauchende Kälte empfunden. Hat man die Erkenntnis dieses Vorganges sich errungen, dann kommt man dazu, sich zu sagen: Gott sei Dank, daß ich gepeinigt, gequält werde, den göttlichen Zorn zu erfahren, der an mir verbrennt, was nicht mehr in mir sein soll! Dann kommt zu uns die Wärme von außen, die zuerst als Kälte empfunden wird, und diese kommt mit Licht, das zwar auch von Luzifer ist, aber von der guten Seite des Luzifer. (Licht, das in den Menschen einströmt, gibt dem Menschen Erkenntnis - Luzifer. Der Quell dieses Lichtes ist Jehova, der im kosmischen Weisheits-Wasser lebt.) Die Geister der guten Hierarchien bedienen sich dann Luzifers, um dieses Licht in uns hineinzustrahlen. (Luzifer = Licht - Erkenntnis. Wärme - Christus, Liebe. Erst müssen wir erkennen - als Höchstes den Christus, dann ihn erleben, indem er selber in uns einstrahlt als Liebeleben. Es ist Christus versus Luzifer.) In dieser Weise können wir zu einem Seelenleben kommen, das nicht intentioneil ist, zu einer geistigen Welt, die nicht bloß eine Fortsetzung ist von der physischen, sondern eine ganz andere Welt. Für alles das kann uns ein Symbol sein das Rosenkreuz. Oft sagen die Menschen: Das Rosenkreuz bleibt nur ein Symbol für mich! Das ist aber ihre eigene Schuld. In der «Geheimwissenschaft» sind schon angegeben die Gefühle und Empfindungen, mit denen der Mensch sich durchdringen soll, damit ihm das Rosenkreuz nicht bloß Symbol, sondern lebendige Kraft wird. Das heute Gesagte können wir auch so in ein Gefühl umwandeln: Aus Gott sind wir geboren [Ex Deo nascimur\. Da sich aber Luzifer mit der Schöpfung vermischt hat, muß das Holz des Kreuzes verbrennen, verkohlen, schwarz werden: In — morimur. Sind wir so in den Christus gestorben, dann können für uns von außen herankommen von den sieben Planeten her die Weltenkräfte, die Kräfte der sieben roten HimmelsRosen, die als Licht und Wärme in uns einstrahlen. Aufzeichnung Β Wenn die Auffassung der mittelalterlichen Psychologen, die auch diejenige der meisten heutigen Psychologen ist, richtig wäre, dann würde keine Esoterik möglich sein. Die mittelalterlichen Seelenforscher drückten es scharf und klar aus, viel schärfer und klarer als die heutigen; denn unsere Zeit ist diejenige der verschwommenen Begriffe. Sie sagten: Das ganze Seelenleben des Menschen ist intentioneil. - Damit meinten sie, daß es immer einen Inhalt haben müsse. Man könne nicht bloß «nur» denken, sondern man müsse «etwas» denken. So könne man auch nicht bloß fühlen, wollen, hoffen, erwarten, vorstellen, ohne sich auf einen bestimmten Inhalt zu richten. In der Esoterik muß es aber gerade umgekehrt sein. All unsere Übungen gehen darauf hinaus, uns das Denken zu lehren, ohne etwas zu denken und so weiter. Dasjenige, was wir üben, ist also nicht das Wesentliche, sondern das ist nur Vorbereitung für dasjenige,

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was wir dadurch erlangen sollen: das Denken und so weiter ohne Gegenstand, das gegenstandlose Denken. Welchen Zweck hat das konzentrierte Denken? Den Zweck, uns von den äußeren, materiellen Gedanken, die uns umschwirren, wegzuführen und unser Denken auf einen bestimmten Gedanken zu richten. Allmählich sollen wir dann dazu gelangen, auch von dem Gegenstand, auf den wir uns in der Meditation konzentrieren, abzusehen, uns ganz frei zu machen von ihm und nur die Kräfte selber, die zum Denken nötig sind, zu entwickeln. Die mittelalterlichen Seelenforscher wußten das zwar auch sehr wohl, aber sie wendeten da eine Regel an, die auch jetzt noch von weitaus den meisten Menschen angewendet wird, ja, die ein Grundsatz aller Erkenntnistheorie geworden ist. Sie sagten: das Denken, das Fühlen und so weiter ohne Intentionen, das zu erreichen, ist sehr schwierig, und was sehr schwierig ist, das ist dem Menschen unmöglich. Davon rühren später alle die Ideen von der Begrenztheit unserer Erkenntnisfähigkeit her und so weiter. Für den Esoteriker soll es dennoch möglich werden, ein ganz anderes Gedankenleben zu entwickeln als das gewöhnliche ist. Durch die Meditation soll der Meditierende in denselben Zustand geraten wie der schlafende Mensch, aber trotzdem ein Bewußtsein haben. Wir wollen von konkreten Beispielen ausgehen. Wenn der Mensch in einem nicht ordentlich geheizten Zimmer geschlafen hat und er erwacht und fühlt sich kalt, dann ist es für ihn schwieriger, sich zu erwärmen, als wenn er in seinem Tagesleben bei seinen gewohnten Beschäftigungen ist. Woher kommt das? Es wird gesagt, daß im Schlafe der physische Leib und der Ätherleib auf der Ruhestätte zurückbleiben und der Astralleib und das Ich herausgehen. Das ist annähernd richtig; ebenso richtig, wie wenn man zum Beispiel sagt, daß die Sonne in der Nacht von der Erde verschwunden sei. Das gilt ja für die eine Erdhälfte, nicht aber für die andere. So sind im Schlafe der Astralleib und das Ich zwar aus dem Blut- und dem Nervensystem herausgezogen, aber sie durchsetzen dann gerade um so

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mehr das Sinnes- und das Drüsensystem. Es wird uns das vielleicht sonderbar vorkommen, daß die Sinnesorgane gerade dann am meisten «wach» sind, wenn der Mensch schläft. Trotzdem ist es so. Wenn wir wachen, am Tage, sind die Augen und so weiter schlafend; wenn sie das nicht wären, würde der Mensch gar nicht sehen können. Also für die Erdhälfte der Sinnesorgane und des Drüsensystems geht die Sonne des Astralleibes und des Ich in der Nacht auf. Wenn es einem gelingt, im Schlafe bewußt aufzuwachen, dann kann man das Licht erleben, das an den Augen tätig ist, das Aufbauen der Sinnesorgane, das am Tage aufhören muß, damit der Mensch «sehen» kann. Dieses erlebt man dann in imaginativen Bildern. Man kann vielleicht in seinem Blickfelde das Bild eines Engels haben - aus einem selbst herausprojiziert -, der auf einen zuschwebt. Könnte man den Blick noch weiter ausdehnen, dann würde man einen Erzengel schauen, der im Kampfe ist mit einem Dämon. Das wäre dann das Bild dafür, daß das Blut damit beschäftigt ist, die Augen zu versorgen und daß dadurch entsteht ein sich Verkleinern und Vergrößern der Augenlinse. Das drückt sich dann in dem ersten oben geschilderten Bilde aus. Der gewöhnliche Mensch könnte da kommen und sagen: Dann wäre also das, was ich da wahrnehme, nur etwas, das ich aus mir selber heraus schaffe. Der Esoteriker aber wird anders sprechen. Er wird wissen, daß das Gesicht, das Sehen, nicht möglich wäre, wenn nicht die Erzengel immerfort bekämpfen und besiegen würden die Finsternis, und daß das dasjenige ist, was sich in dem Bilde ausdrückt. Die Erzengel haben Göttergenerationen lang an dem Auge gearbeitet. Wenn man sich das klarmacht, dann wird man empfinden, in wie unheiliger Weise der moderne Physiologe die Sonde hineinsteckt in dasjenige Organ, das in Jahrmillionen durch Hierarchien von göttlichgeistigen Wesenheiten aufgebaut worden ist. Wenn der Meditierende sich so von außen betrachtet, kann er ein Gefühl bekommen von einem Raum, der nur von Wärme erfüllt ist, wie eine Art von Backofen. Was darin lebt, ist dasjenige, was webt und lebt in dem menschlichen Seelenleben als seine eigene Natur. Jene Wärme - die ja nicht nur eine Bewegung ist, wie die Physik meint, sondern die erste der vier Atherarten - die der Mensch hat als Eigenwärme, rührt nicht nur von physischen und chemischen Prozessen her - jedenfalls beim Menschen nicht, beim Tier ist es anders -, sondern rührt davon her, daß ein Ich und ein Astralleib in dem Menschen leben. In der Meditation ist es nun möglich, unsere Eigenwärme zu spüren innerhalb und sogar außerhalb des Leibes wie eine Wärmesphäre, die den Platz ausfüllt, wo sonst der Leib gefühlt wird - und noch etwas darüber hinaus. Es ist nicht leicht, das zu spüren, es braucht viel Aufmerksamkeit dazu. Angehende Esoteriker werden zunächst etwas ganz anderes bemerken als diese Wärmesphäre, nämlich die auf sie einstürmenden Gedanken, bisweilen längst vergessene Gedanken, Sorgen, Gefühle etc. Dazu kann der mehr erfahrene Esoteriker nur sagen: Ich beglückwünsche dich, ο Mensch, zu deinem Fortschritt, daß du das jetzt bemerkst! Darauf ist das Wort des Johannes-Evangeliums anwendbar: «Und das Licht scheint in die Finsternis, und die Finsternis hat es nicht begriffen.» Denn diese Wärme, die in uns ist, ist Finsternis. Von außen will das Licht eindringen, aber es kann nicht eindringen, weil in der Wärme selber ein Kampf stattfindet, ein Kampf zwischen zwei Arten von Wärme. Es wird dem heutigen Menschen schwer fallen, einzusehen, daß es zwei verschiedene Wärmen geben könne. Um das einsehen zu können, muß man zu den Bauern gehen, die noch eine Bauernphilosophie haben - so wie diese waren jedenfalls. Denn in den letzten Jahrzehnten sind die Bauern immer dümmer geworden, aber das kommt nur daher, weil sie immer mehr mit den Städtern in Berührung kommen. Die früheren Bauern waren eben nicht dumm, und sie hatten eine «Bauernphilosophie». So sagte einmal ein alter Hirte, als ein Gewitter anfing heraufzukommen: Das sind eigentlich zwei Wetter, die gegeneinander ziehen. - Der heutige Naturwissenschafter wird von positiver und negativer Elektrizität sprechen und manches zu erzählen haben, aber das ist nur deswegen, weil das Verständnis bei ihm aufhört, sobald er das Wort «Elektrizität» ausspricht. Der alte Hirte fühlte, daß, wenn ein Gewitter heraufzieht, es zwei Mächte gibt, die gegeneinander kämpfen, daß da eben ein Kampf stattfindet. Der moderne Mensch hat dieses Bewußtsein von den zweierlei Arten von Wärme nicht mehr. Daß es zweierlei Arten von Licht geben könne, das könnte man sich noch eher vorstellen: das innere Licht, das von Luzifer ist, und das äußere Licht, das man auf sich zukommen sieht in der Meditation. Aber außer der Eigenwärme des Menschen, die luziferisch ist, gibt es auch noch eine Wärme, die ihm von außen her zustrahlen kann, die er aber in der Meditation zuerst als Kälte empfinden wird. Das ist ein gutes Zeichen sogar, sich in der Meditation von der Kälte angehaucht zu fühlen, die aus den geistigen Welten strahlt. An diese Kälte uns hingebend, fühlen wir unsere Eigenwärme wie eine Sphäre in uns und um uns herum. Wir gehen wie durch einen feurigen Ofen, in dem all dasjenige verbrannt wird, was luziferisch an uns ist, und der trotzdem als Kälte gefühlt wird. Dann kommt der Mensch dazu zu sagen: Gott sei Dank, daß ich gepeinigt werde, daß ich reif befunden werde, den göttlichen Zorn zu erleben, der an mir verbrennt, was nicht in mir sein soll. Dann zieht in uns die Wärme von außen herein - die zuerst als Kälte empfunden wurde -, und diese kommt zusammen mit Licht, das zwar auch von Luzifer ist, aber von der guten Seite des Luzifer herrührt. Die Geister der guten Hierarchien bedienen sich des Luzifer, um das Licht in uns zu strahlen. In solcher Art können wir zu einem Seelenleben gelangen, das nicht intentionell ist, zu einer geistigen Welt, die nicht bloß eine Fortsetzung ist der physischen Welt, sondern die eine ganz andere Welt ist. Für all dieses kann uns ein Symbolum werden das Rosenkreuz. Oft sagen die Schüler: Das Rosenkreuz bleibt nur ein Symbol für mich. - Da muß geantwortet werden: Das ist eure

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eigene Schuld! In der «Geheimwissenschaft» sind schon die Gefühle verzeichnet, womit man sich durchdringen soll, damit das Rosenkreuz nicht bloß ein Symbol bleibe. Das heute Gesagte können wir so in ein Gefühl verwandeln: Aus Gott sind wir geboren [Ex Deo nascimur\ - aber da Luzifer sich mit der Schöpfung vermischt hat, muß das Holz des Kreuzes verbrennen, verkohlen, schwarz werden: In Christo morimur. Sind wir solcher Art in den Christus gestorben, dann können zu uns von außen hereinkommen die sieben Weltenkräfte, die Kräfte der sieben roten Rosen, die als Licht und Wärme in uns hineinstrahlen können: Per Spiritum Sanctum reviviscimus. Aufzeichnung C Eine mittelalterliche Auffassung von der Seele besagte, daß alles Denken, Fühlen und Wollen intentional, inhaltlich sei. Wenn das wahr wäre, könnte es keine Esoterik geben, denn das Ziel der Esoterik ist ja gerade, das Seelenleben loszulösen vom Inhalt, der aus der physischen Welt stammt. Wenn wir wirklich gut meditieren, muß aller Inhalt aus unserem Seelenleben verschwinden; dann erst werden wir reif, um von der anderen Seite, aus der geistigen Welt, etwas in uns einströmen zu fühlen. Wir können das an einem Beispiel klar machen. Wenn wir schlafen, tun wir eigentlich etwas Ähnliches wie bei der richtigen Meditation, wir ziehen uns nämlich mit Ich und Astralleib aus dem Körper. Dadurch kann es geschehen, daß wir - wenn wir nicht aufpassen, daß das Zimmer gut erwärmt ist - uns abgekühlt fühlen beim Erwachen, da Ich und Astralleib nicht wie sonst in unserem Blut- und Nervensystem wirken und uns erwärmen. Wenn wir schlafen, ziehen sie sich nicht ganz zurück, sondern arbeiten in den Sinnesorganen und im Drüsensystem. Sie arbeiten an den Kräften der Augen und anderen Sinnesorganen viel mehr als tagsüber, wenn wir die Augen gebrauchen, und vor allem arbeiten sie im Drüsensystem. Dadurch, daß mehr in den Drüsen- und Sinnesorganen gearbeitet wird, offenbaren sich die ersten Visionen oft leiblich: Engel, der einen Teufel besiegt, Kräfte, die im Auge wirken. Wenn wir nun vorwärtskommen in der Esoterik, können wir um uns her die Aura von Wärme fühlen, die unser Ich und Astralleib aus dem uns umringenden Wärmeäther an sich ziehen. Wir fühlen dieses für gewöhnlich nicht, weil Gedanken, Erinnerungen, Sorgen etc. auftreten, die uns in unserer Meditation stören wollen; aber wenn wir diese besiegen, fühlen wir um uns herum die Aura unserer Wärme. Wir können dann tief die Wahrheit der Worte empfinden: «Und das Licht scheint m die Finsternis, und die Finsternisse haben es nicht verstanden.» Denn was wir aus uns ausstrahlen, ist Finsternis, die das göttliche Licht davon abhält, auf uns einzustrahlen. Das ist unser luziferisches Seelenleben, was als Finsternis (Wärme) nach außen dringt, und dadurch das göttlich-luziferische (Weisheits-)Licht daran hindert, aus den geistigen Welten (Geist der Wahrheit - Heiliger Geist) auf uns einzustrahlen (Bauernphilosophie von zwei Gewittern, die aufeinanderstoßen). Aber auch mit der Wärme geschieht etwas Ähnliches. Auch der Wärme, die wir ausstrahlen, kommt von außen die Wärme von Gott entgegen, Wärme aus der geistigen Welt, aber diese wird von uns umgekehrt gefühlt, nämlich als uns anhauchende Kälte. Das finden wir nicht angenehm, uns umspült zu fühlen von der göttlichen Wärme, die wir als Kälte empfinden, aber das ist gerade der geistige Verbrennungsprozeß. Wir müssen durch den Feuerofen unseres eigenen luziferischen Seelenlebens, das wir aus uns heraussetzen; und dann fühlen wir uns umspült von der göttlichen Wärme, die wie Kälte ist, so daß der Verbrennungsprozeß wie ein Erfrierungsprozeß ist. So muß all unsere Finsternis und egoistische Wärme verbrannt werden, bevor das göttliche Licht auf uns einstrahlen kann. Wir können an das Rosenkreuz denken, das verkohlte Holz, den Körper, und dann an die reinen Lichtrosen, die neu in uns einstrahlenden göttlichen Kräfte. Dann werden wir tief des Mysteriums von Golgatha bewußt werden und wie verbrennen müssen unsere Leidenschaften, auf daß wir auffangen können das reine Licht der geistigen Welt. EDN - ICM - PSSR. Konzentration auf Formel oder imaginatives Bild - Meditation - Seelenruhe. E[...]* einen des Göttlichen, sei es in seinen kosmischen Gedanken oder in Bildern oder Inspiration und Intuition. Aufzeichnung D Wenn man den mittelalterlichen Lehren Glauben schenken wollte, dann müßte man annehmen, daß ein esoterisches Leben überhaupt nicht möglich wäre. Damals war man Anhänger dessen, was man «intentionelles» Denken, Fühlen, Wollen nennen kann. «Etwas» denken, etwas fühlen, etwas wollen müsse man. Der Esoteriker soll aber gerade von diesem «etwas» loskommen. In Ruhe und Gelassenheit muß ein Zusammenziehen der Seelenkräfte in der Meditation stattfinden. Der beginnende Esoteriker klagt fast immer: Dies und das mißlingt mir. Bilder, Vorstellungen und so weiter steigen auf, derer ich mich nicht erwehren kann; sie trüben meine Meditation. - Der erfahrene Esoteriker sollte ihm antworten: Ich gratuliere dir dazu, du hast den ersten Schritt getan! «Annähernd» gesprochen, sind im Schlafe aus physischem und Ätherleib der astralische Leib und das Ich heraus. Aber nicht völlig entspricht dies der Wirklichkeit. So wenig entspricht es völlig, wie wenn man sagt: Die Sonne geht unter und so weiter. Ja, für die eine Seite der Erde geht sie wirklich unter, für die andere aber geht sie gleichzeitig auf. Ebenso ist es mit dem * Unleserlich, evtl. «Einströmen» oder «Einfließen».

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Astralleib und dem Ich, mit deren Kräften. Während des Schlafes wachen tatsächlich Sinne und Drüsensystem, weil an ihnen gearbeitet wird. Während des wachen Tagesbewußtseins ist zum Beispiel das Auge gar nicht wach; sonst könnte es die Dinge im Raum nicht wahrnehmen, es könnte nicht sehen. Erst in der Nacht wacht das Geistige des Auges. Daher ist man hierdurch vielen Täuschungen unterworfen. Man nehme zum Beispiel - den guten Fall -: Jemand sieht einen Engel, wie er einen Teufel besiegt. Die Pupille zieht sich zusammen und weitet sich, das Bild bleibt aber nicht im Innern, sondern es wird nach außen hinausprojiziert. Die Erzengel haben in jahrmillionenlanger Arbeit an diesem Auge gearbeitet. Den Zustand des Schlafes sollen wir nun bewußt nachahmen in der Meditation. Vier Äthersubstanzen sind es, die wir zu unterscheiden haben: Wärmeäther, Lichtäther, chemischer Äther [oder] Klangäther [und Lebensäther]. Wir sind zunächst eingebettet in den Wärmeäther. Das Gefühl des Erkaltens, sich nicht von selbst ErwärmenKönnens, das wir so oft bemerken beim Aufwachen in einem nicht genügend erwärmten Raum, das tritt auch ein bei der Meditation. Es findet statt eine Einwirkung auf die Erwärmungskräfte, das Nervensystem, das Sinnes- und Drüsensystem. Besonders gewirkt wird dabei auf das Drüsensystem. Daher kommt bei der Meditation oft etwas von dem herauf, was im Innern verdeckt liegt. - Beispiel vom Leckermaul, geheime Begierden im Drüsensystem, die sich dann als Bilder, als Visionen aller Art kundgeben. Im Wärmeäther müssen wir uns nicht begrenzt fühlen von unserer Haut, sondern über diese hinausragend, wie denn der Esoteriker sich überhaupt fühlen lernt weit größer, als die Haut ihn begrenzt. Voller Innenwärme wie ein Backofen fühlt sich der Mensch. In diese Substanz ergießen sich nun die ungeläuterten Gefühle, Begierden und so weiter und trüben die Meditation, indem sie das Licht, das hereindringen will (Lichtäther), verdunkeln. Man meditiere: Das Licht scheinet in die Finsternis, aber die Finsternis nimmt es nicht auf.

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Ein Mittel gibt es, um weiter fortzuschreiten; die Versenkung in die Vorstellung des Rosenkreuzes. Verbrennen im Schmelzofen - des Wärmeäthers - der Überwindung müssen unsere Begierden und Leidenschaften. Da aber im Geistigen alle Begriffe umgewandelt, umgekehrt werden müssen, so muß man sagen: sie erstarren, sie erfrieren. Keinem Esoteriker ist es zunächst angenehm, so von der Kälteregion umfangen zu sein. Da die Teile, welche das Rosenkreuz zusammenfügen, dem Physischen entnommen sind, so sagen wir: verbrennen. Daher das schwarze verkohlte Holzkreuz. Aus dem Geistigen blühen die leuchtenden Rosen auf. Der dreiteilige Mensch bringt als Opfer sein Denken, Fühlen, Wollen. Im Lichtäther Luzifer. Wenn er von innen nach außen wirkt, wird er zur bösen Kraft. Wirkt er aber von außen nach innen, so ist er eine gute Kraft, weil sich die guten Götter dann seiner bedienen. Ex Deo - wir waren den luziferischen Einflüssen unterworfen.

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ESOTERISCHE STUNDE

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Cite: GA 266c/1913-12-30 · edition original