Zwölfter Vortrag
## GA 279 — 9 July 1924, Dornach
### Zwölfter Vortrag
Eurythmie als sichtbare Sprache
ZWÖLFTER VORTRAG
Dornach, 9. Juli 1924
Moralisch-seelische Heilwirkungen dirch aas Ausströmen der Menschenseele in Form und Bewegung und deren Zurückwirken auf den ganzen Menschen
Wir werden jetzt an unseren Stoff anschließen dasjenige, was wir mehr aus den Fundamenten des Eurythmischen herausgeholt haben, und einiges von dem durchsprechen, was Sie schon - wenigstens zum Teil-kennen. Dann werden wir eine Verbindung herstellen zwischen dem Besprochenen und dem Ihnen Bekannten.
Das erste, was ich besprechen möchte, ist dieses, daß wir gesehen haben, wie gewisse, ich möchte sagen moralische Impulse, die wir in der Zwölfzahl und in der Siebenzahl vor unsere Seele gestellt haben, ihren Ausdruck finden in der Gebärde des Menschen, in der still-gehaltenen Gebärde oder auch in der bewegten Gebärde, wie also ebensogut aus dem Eurythinischen heraus gedacht werden kann das-jenige, was die Menschenseele erlebend urteilt - denn das ist das, um was es sich handelt -, oder auch urteilend erlebt, und dasjenige, was dann in den Laut überfließt.
Ebenso aber kann auch dasjenige, was auf diese Weise, ich möchte sagen, ausströmt aus der Menschenseele in Form und Bewegung, wiederum auf den ganzen Menschen zurückwirken. Und darauf beruhen dann die Heilwirkungen des Eurythmischen, Heilwirkungen, die da sein können sowohl in moralisch-seelischer wie auch durchaus in physiologisch-physischer Beziehung.
Moralisch-seelische Heilwirkungen werden sich insbesondere herausstellen, wenn gewisse eurythmische Maßnahmen getroffen werden, gewisse eurythmische Tatsachen dargestellt werden im kindlichen Alter.
Nun möchte ich von diesem Gesichtspunkte, der also auf der einen Seite davon ausgeht, wie aus der Seelenstimmung, aus der Seelen-verfassung heraus Form und Bewegung entsteht und wiederum zurückwirkt, einiges von dem, was schon früher besprochen worden ist, wieder besprechen, damit wir dann einen größeren Zusammenhang gewinnen und auch das Eurythmische, das Lauteurythmische dann in den nächsten Tagen etwas weiterführen können.
Nun ist Ihnen ja diejenige Übung bekannt, welche zusammenfaßt den Menschen und den Nächsten, den andern Menschen: die sogenannte Ich-und-Du-Übung. Sie stehen dabei im Geviert, nur mit Rücksicht auf die Zuschauer müssen diejenigen, die rückwärts stehen, ein wenig zusammenrücken, aber nicht sehr stark. Und jetzt können Sie diese Übung in der folgenden Weise machen: «Ich und du, du und ich, ich und du, du und ich - sind wir.» Jetzt haben Sie ein richtiges «wir», also zuletzt ein Vereinigen in «wir» (Kreis). Die beiden, die sich in der Diagonale gegenüberstehen, sind gemeint mit dem Ich und Du. Indem Sie sich nähern, drücken Sie einfach das aus, daß Sie zusammengehören wollen, daß die andern auch dazugehören wollen; in der Diagonale wird ausgedrückt, daß Sie von dem «ich» zu dem «du» übergehen, «du und ich», wiederum zurückgehen - das kann nun in einer Reihe von Fällen gemacht werden -, dann faßt das Ganze sich zusammen, bewußt: «sind wir.» Wenn die Übung wiederholt werden soll, kann man mit «du und ich, du und ich», wieder an die Ausgangspunkte zurückgehen.
Nun handelt es sich aber darum, daß man so etwas auch heraus-arbeiten kann in der verschiedensten Weise aus solchen Stimmungen, wie wir sie in diesen Tagen kennengelernt haben.
Sie können sich einmal vorstellen, daß Sie der Adler sind (I), Sie der Wassermann (II), Sie der Stier (III) und Sie der Löwe (IV). Machen Sie die Gebärde. Von dieser Gebärde gehen Sie aus, und wenn Sie das Ganze vollendet haben, gehen Sie wiederum zu dieser Gebärde zurück.
Beachten Sie, was Sie dann eigentlich ausgedrückt haben. Sie haben dann durch diese Übung dieses ausgedrückt, daß der Mensch diese vier Tiere als vier moralische Qualitäten in sich schließt und daß er, indem er seines eigenen Selbstes bewußt wird, das ganze Menschengeschlecht eigentlich in sich enthält, aber als Mensch zugleich das «wir» hat. Gehen Sie aus von dieser Ausgangsgebärde, dann die
Übung; die verwandeln Sie dann wieder graziös in diese Ausgangs-gebärde. Dadurch wenden Sie dasjenige an, was Sie eben da kennengelernt haben.
Auf diese Weise bekommen Sie einen richtigen Abschluß. «Ausgangsgebärde; ich und du, du und ich, ich und du, du und ich, sind wir; Ausgangsgebärde.» Sie haben eine richtige Einleitung und einen richtigen Abschluß, und das Ganze steht in einem Rahmen drinnen.
Nun ist gerade diese Übung ausgezeichnet für die Pädagogik in bezug auf die Eurythmie. Und zwar, wenn man bei Kindern beobachtet, daß sie neidisch sind oder ehrgeizig sind - Eigenschaften, die man ja bei Kindern verbessern will -, so läßt man sie mit einer besonderen Inbrunst diese Übung machen, und man wird das Folgende dadurch zur Ausführung bringen. Nicht wahr, man soll ganz selbst-verständlich in der Erziehungskunst auch nicht einmal in der leisesten Art irgend etwas anbringen, was magisch genannt werden könnte, denn alles Magische würde in der Erziehungskunst stark suggestiv wirken. Man würde auf das Unbewußte des Kindes zurückwirken. Das ist man aber nur in der Lage zu tun bei schwachsinnigen Kindern, bei minderwertigen Kindern; ist auch nur erlaubt bei minderwertigen Kindern. Solange aber Eigenschaften abnormer Natur seelische Eigenschaften bleiben, ist es durchaus notwendig, daß, abgesehen von allem Suggestiv-Magischen, auch rein seelisch gewirkt wird. Was geht denn hier vor, wenn ich vier Kinder diese Übung machen lasse? Sie hören sich an wiederholt: «Ich und du.» Dadurch kommt das Element des Zusammengehörens, der Geselligkeit, des Miteinander-Beziehunghabens der Menschen zum Bewußtsein, das dann in dem «sind wir» zum Bewußtsein gebracht wird. Und bei der Gebärde, die dabei gemacht wird, kommt lediglich das zum Ausdrucke, daß das Kind die Aufmerksamkeit auf das, was gemacht wird, was seelisch auf es wirkt, entwickelt. Es ist also nicht das geringste Suggestive dabei. So daß man also sagen kann: In diesem Tanz hat man ein Mittel gegen die Eigenschaften, neidisch zu sein, falschen Ehrgeiz zu haben. - Man kann nur die Anwendung davon machen bei gesunden Kindern, indem man sie diese Übung machen läßt, sie bei vollem Bewußtsein, ohne jede Suggestion, ohne jede Magie anwendet.
Aber Sie werden sagen: Wie ist es denn nun bei pathologischen Kindern? Bei pathologischen Kindern ist es so, daß man ja ohnedies mit einem getrübten, gedämpften Bewußtsein zu rechnen hat, daß also das Bewußtsein schon herabgedämpft ist. Da beginnt es dann allerdings etwas suggestiv zu wirken. Deshalb muß man in dem Augenblicke, wo das Pathologische beim Kinde anfängt, sich klar sein darüber, daß man diese Übung für Kinder mit herabgedämpftem Bewußtsein mit großem Nutzen anwenden kann; dagegen nicht bei Kindern mit einem erregten Bewußtsein.
Das sind die Dinge, die dann dazu führen, daß man alles dasjenige, was sich auf das Heileurythmische bezieht, nur eigentlich unter der fortwährenden Mitwirkung und Verordnung des Arztes anwenden kann; denn, wo das Pathologische anfängt, ist nur der Arzt zu urteilen berufen.
Gehen wir zu einem andern tanzartigen Bewegen über, das heraus-stammt aus einer bestimmten Seelenverfassung. Wir haben es, gerade bloß um einen Namen zu haben, Friedenstanz genannt. Und dieser Friedenstanz kann einen zugleich lehren im Zusammenhange mit einem andern, wie in die Form sich eine bestimmte Nuance der Seelenverfassung hineinergießt.
Nehmen Sie an, Sie formen in einer gewissen Art ein Dreieck. Sie können es so formen, daß es, radikal ausgedrückt, so ausschaut:
Wir können dann einen Menschen haben, der das Dreieck abschreitet in dieser Richtung (Pfeil); oder wir können auch drei Menschen haben, von denen der erste diesen Weg macht, der zweite diesen Weg, der dritte diesen Weg.
Wenn Sie nun hier die Form des Dreiecks nehmen und sie vergleichen mit dieser Form des Dreiecks, so haben Sie einen Unterschied: Das eine Mal ist die eine Linie vor allen Dingen auffällig durch ihre Länge in bezug auf die beiden andern Linien, das andere Mal ist die eine Linie auffällig in bezug auf die beiden andern durch ihre Kürze. Wenn die Übung dann genau in derselben Weise gemacht wird, so haben wir dennoch einen ganz verschiedenen Eindruck.
Wir haben zuerst den Eindruck des Friedens; wir haben das zweite Mal, wenn wir die Übung so machen (siehe zweite Zeichnung), durch die Form den Eindruck der Energie, so daß wir sagen können: Wir haben es in dem ersten Falle mit einem Friedenstanz, im zweiten Falle mit einem Energietanz zu tun.
Das Wesentliche dabei ist, daß wir solch eine eurythmische Bewegung auch rhythmisch ausführen. Und wenn wir uns nun fragen:
Wie soll eine solche Bewegung ausgeführt werden? - so werden Sie sich darauf besinnen müssen, daß wir in einem fallenden Rhythmus etwas haben von, wie ich Ihnen sagte, Befehlendem, Anordnendem; in einem steigenden Rhythmus aber haben wir etwas von Erstreben, Wollen.
Nun, sowohl das Hineintreten in die Friedensstimmung wie das Hineintreten in die Energie, in die energische Stimmung, ist etwas, was mit Streben, mit Hinstreben zu tun hat, was jedenfalls nicht angewendet werden kann, wenn es sich, sagen wir, um die Ausführung eines militärischen Kommandos handelt. Ich meine das nicht gleich so schlimm, wie es klingen könnte, aber es kann das militärische Kommando auch darinnen bestehen einfach, daß man zum Beispiel Kinder an Gehorsam gewöhnt durch gewisse Bewegungen. Aber das alles, was etwas zu tun hat mit Befehlen, Anordnen, das kann hier bei dieser Seelenverfassung nicht zum Ausdrucke kommen, es kann sich nur um ein ansteigendes Thema, um einen anapästischen Rhythmus handeln.
Nun bitte ich einen Eurythmisten, das erste Dreieck vor uns zu zeigen, so wie ich es beschrieben habe. Sagen wir, Sie schreiten dieses Dreieck ab anapästisch in der Form, während ich sage:
Strebe nach Frieden,
Lebe in Frieden,
Liebe den Frieden.
Machen Sie es so, daß Sie die lange Linie vor dem Zuschauer ausbreiten und die lange Linie die Steigerung ist, so daß Sie also von Her ausgehen (1); Sie gehen nur nach rückwärts, weil Sie immer beachten sollen, daß der Zuschauer Sie sehen soli. Nicht wahr, es ist für für Ihr Gehör unangenehm, daß die Sätze im Worte nicht anapästisch gebaut sind, aber das macht nichts, Sie müssen dennoch hineinkommen können auch durch den Rhythmus, der in der Sprache nicht anapästisch ist, in die anapästische Bewegung. Gerade dadurch drückt dann die eurythmische Sprache dasjenige aus, was in dem Rhythmus der Sprache nicht voll ausgedrückt werden kann, weil wir nicht ein Wort haben zum Beispiel in der deutschen Sprache, das mit einer betonten Silbe für Friede schließt. Also noch einmal:
Strebe nach Frieden,
Lebe in Frieden,
Liebe den Frieden.
(Siehe Zeichnung Seite 205)
Machen Sie die anapästischen Bewegungen recht deutlich. Es sind in Worten Daktylen, aber Sie sollen dennoch Anapäste machen; es stimmt nicht überein mit den Sätzen, aber machen Sie uns diesen Tanz anapästisch, ohne daß Sie durch die Worte gestört werden. Man müßte einen Text dazu haben, der auch in Anapästen aufgebaut ist, sonst würde immer eine Disharmonie sein, die natürlich das Gehör stört.
Nun, machen Sie bitte das nächste. Da würden die Anapäste in dem Dreieck zu machen sein, das die kleine Grundlinie hat. Gehen Sie wiederum von hier aus (i), versuchen Sie die Dreiecksform auch dadurch anzudeuten, daß Sie die Seitenlinien, welche lang sind, rasch abschreiten, die kurze Grundlinie ganz langsam anapästisch abschreiten. Das wird also dasjenige sein, was dann Energietanz genannt werden kann.
Nun können diese beiden Bewegungen aber auch von einer Gruppe ausgeführt werden. Nehmen wir zunächst eine Gruppe von dreien, und führen Sie erstens den Friedenstanz aus, indem Sie sich im Dreieck aufstellen und jede nur eine Linie macht. Das kann man natürlich mit untergelegtem Text machen, der ein anapästischer sein muß.
Jetzt kann es noch auf andere Arten gemacht werden. Sie in der Ecke dort Stehenden können jetzt ein Dreieck formieren, das ebenso gebaut ist, geformt ist, nur eben klein ist. In den andern Ecken bilden sich auch noch solche Dreiecke, und so kann das in der verschiedensten Weise gemacht werden; aber die mannigtakigsten Weisen werden verschieden schön sein. Am besten wird es so sein, daß diejenigen die Bewegungen zu machen beginnen, die auf Punkt l stehen; sie beginnen und führen jeder in seiner Weise jedes einzelne Dreieck aus, aber gleichzeitig. Eurythmie beruht ja etwas auch auf Geistesgegenwart. Jedes einzelne Dreieck führt dasselbe aus, was vorhin ausgeführt wurde über die ganze Bühne. Jetzt machen alle diejenigen, die im Dreieck rückwärts stehen, also die ich in die Ecke gestellt habe, machen jetzt die Ich-und-Du-Übung als das zweite: «Ich und du, du und ich, ich und du, du und ich sind wir.» Die in der Mitte stehen, drehen Sie sich einfach um. Jetzt haben Sie die Dreiecke auf eine andere Art gebildet. Diejenigen, die jetzt das Geviert ausmachen, machen noch einmal diesen Friedenstanz, so wie Sie jetzt stehen, die Bewegung dreimal. Wenn Sie das jetzt wirklich geschmeidig aus-führen, so haben Sie eine zusammenhängende Übung gebildet.
Pädagogisch, auch heilpädagogisch, ist zum Beispiel diese Übung, wie wir sie jetzt haben, ganz außerordentlich gut durchzuführen. Man kann auch die Gruppen kleiner machen, man kann nur drei oder zwei Gruppen machen, aber Sie können sie in einer ähnlichen Weise durchführen. Diese Übung ist besonders gut durchzuführen, wenn man, sagen wir, eine Klasse hat und hat darinnen cholerische Kinder, welche nicht zu bändigen sind. Man lasse sie nur diese Übungen ausführen, und wenn diese Übung jeden Tag oder so oft halt Eurythmie-stunden sind, durch zwei bis drei Wochen durchgeführt wird, so wird man schon einen Erfolg im Bändigen haben. Also alle diejenigen Kinder, die sich schlagen, die poltern und so weiter, alle solche Kinder lasse man diese Übungen machen; dann werden Sie sehen, daß das außerordentlich besänftigend auf die Kinder wirkt.
Nun können wir gleich den Energietanz aufführen. Da wird es nur notwendig sein, daß Sie ganz in derselben Weise die Dreiecke formieren, aber spitze Dreiecke formieren. Machen wir jetzt wiederum dreimal die Dreiecksbewegung. Nun stehen vier Damen in der Ecke (siehe Zeichnung). Diese Damen, die in der Ecke stehen, machen jetzt folgende Übung. Sie gehen aus von dem u, «du und ich»; jetzt sind
Sie beim «ich» in der Mitte, haben nicht dieselbe Geste, die Sie beim « du» haben, sondern Sie haben diese Geste, wie wenn Sie in Angriffs-stellung gegeneinander wären, wenn Sie zusammenstehen. Gehen Sie dann aus dem «ich» in das «du» zurück, und machen Sie das dreimal. Und dann, nun, dann sind Sie bei einer Stellung angekommen, von der wir dann weiter ausgehen werden. Machen Sie das zunächst so, daß Sie gewissermaßen eine umgekehrte Ich-und-Du-Übung machen, also eine Du-und-Ich-Übung. «Du und ich, ich und du, du und ich, ich und du, du und ich, ich und du» - jetzt stehen Sie hinten, und nun machen Sie dieses noch so, daß Sie übereinander kreuzend weggehen (die vier Äußeren wechseln die Plätze). Machen wir also diese Übung in die Mitte hinein: «Du und ich, ich und du, du und ich, ich und du, du und ich, ich und du, streiten heftig miteinander, streiten heftig miteinander!» Jetzt wiederum dreimal die ursprüngliche Dreiecks-übung.
Führen Sie die ganze Übung noch einmal vor. Dreimal Dreiecks-übung, dann die Übung des Auseinandergehens, dann wiederum die Dreiecksübung.
Damit Sie aber sehen, wie man solche Übungen noch weiter vermannigfaltigen kann, machen Sie es jetzt so: Machen Sie die erste Dreiecksübung, die zweite Dreiecksübung, die dritte Dreiecksübung; dann betrachten sich alle diejenigen, die in einem Dreieck stehen, als die Streitenden, machen also alle die Bewegung «Du und ich, ich und du, du und ich, ich und du, streiten heftig miteinander!» - also alle, die da sind; dann formieren Sie sich zu dem Dreieck und machen Sie wieder dreimal die Dreiecksübung.
Denken Sie, es können durchaus Gedichte in der Gebärde gefunden werden mit drei Strophen, die so gebaut sind, daß diese Form durchgeführt werden kann.
Nun will ich nur dazu noch sagen: Es ist durchaus möglich, daß man auch dasjenige, was Sie jetzt zuletzt gesehen haben, anwendet in pädagogischem und heilpädagogischem Sinne. Es wird nämlich außerordentlich günstig wirken auf phlegmatische, schläfrige Kinder. Sie werden angeregt werden, etwas innerlich lebendiger zu werden. Das ist dasjenige, was darüber zu sagen wäre.
Nun möchte ich heute nur noch dasjenige anführen, was mehr aus der Form heraus geschaffen wird. Der Form kann aber dann angefühlt werden, was damit gemeint ist. (Zu einem Eurythmisten): Versuchen Sie eine Spirale von innen nach außen zu formen.
Sie haben das ganz richtig gemacht, Sie begannen mit der Bewegung, die zu merken ist: Hände aufs Herz gelegt - und Sie schlossen mit den Armen nach rückwärts gelegt. Wenn Sie sich diese Bewegung anschauen, so werden Sie finden, daß diese Bewegung gut der Ausdruck sein kann des Herausgehens der Menschenseele aus sich selber, des Interesse-Fassens an der Welt, was zuletzt darinnen mündet, daß man sich ganz hingibt an die Welt, was in den zurückgebeugten Armen zum Ausdrucke kommt. Machen Sie es bitte mit diesem Bewußtsein noch einmal. Sie sehen, es ist wie ein Suchen zuerst in sich selber und nachher ein Aufmerksamwerden auf die Welt, ein Hingegebensein an die Welt. Jetzt machen Sie die umgekehrte Spirale, gehen Sie von außen nach innen, wobei Sie in der ersten Hälfte die Hände zurückgebeugt halten, und in der zweiten Hälfte - aufs Herz gelegt. Sie sehen, das ist das Gegenteil davon, das ist das in sich hinein sich Verstemmen, das auf das Ich Zurückgehen von der Außenwelt aus.
Die erste Übung kann in heilpädagogischem Sinne, besonders wenn die Kinder nicht blutarm, sondern vollblütig sind, angewendet werden, um den Egoismus der Kinder zu bekämpfen; das andere kann bei Ich-schwachen Kindern oder bei blutarmen Kindern in heil-pädagogischem Sinne gut angewendet werden.